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Mögen Sie das Internet?

Was für eine Frage, ansonsten wären Sie nicht hier.

Aber seit einigen Jahren ist das Internet in Verruf geraten. Es gibt Viren, Trojaner (Spionageprogramme), Würmer (z.B. sich selbst über das Netz vermehrende Mail-Anhänge, Dialer (die sorgen für rekordverdächtige Telefonrechnungen, weil sie die Internet-Einwahl über 0190-Nummern laufen lassen) oder auch alles zusammen in einer "Verpackung". Viele Internet-Nutzer haben sich näher mit diesen Sachen befasst und Sicherheitsprogramme installiert: Ohne "Personal Firewall", Antiviren-Programm, "Popup-Blocker", "Spam-Filter" und "Adware-Entferner" geht heute kaum noch jemand online. Weiter fortgeschrittene Computer-Benutzer setzen sich auch gerne mit den Feineinstellungen des Internet-Explorers auseinander (z.B.), um hier schon mal (sozusagen an der Wurzel des Übels) alles dichtzumachen.

Seien wir mal ehrlich: Wer braucht schon Java und Cookies? Für eine vernünftige Seitennavigation genügt simples HTML, und sogenannte "Plugins" im Internet-Explorer haben sich im Nachhinein schon immer als Einfallstore für Schädlinge herausgestellt.

So hat manch ein braver Internet-Nutzer sein System zur Festung ausgebaut, was natürlich auch mal Nachteile mit sich bringen kann. Was wäre, wenn man mit so einem "sicheren" System eine ganz spezielle Seite besuchen will, wo ohne Flash-Animationen, Active-X, Java und vielen anderen, der Sicherheit abträglichen Kleinigkeiten nichts geht? Ganz einfach: Der brave Internet-Nutzer verzweifelt.

Vor einiger Zeit wollte ich mir eine Internet-Seite ansehen, die eine für mich wichtige Information enthielt. (Es war eine Seite von einem öffentlich - rechtlichen Fernsehsender).
Ich rufe also die Seite auf, und nichts passiert. Daraufhin schaue ich mir den Quelltext an. Aha, Java und ActiveX werden benötigt. Na gut, ein Fernsehsender wird ja wohl keinen Trojaner bei mir installieren. Also weiter: Sicherheitseinstellungen verändern, ActiveX ´rein, Java einschalten. Nochmal die Seite laden. Wieder passiert nichts (oder fast nichts, ein Bisschen mehr ist schon zu sehen.)
Ich überprüfe daraufhin, woran es liegt: Richtig, Java ist immer noch auf "hoher Sicherheit", und der blöde JIT-Compiler (das ist das Ding, das aus harmlosen Scripten bösen Programmcode macht. Microsoft benutzt es als Teil seiner Online-Update-Services, Hacker benutzen es zum Installieren von Viren...) ist abgeschaltet. Zähneknirschend gebe ich wieder ein Stück von meiner Sicherheit auf, starte neu, fange wieder an, die Seite zu laden. Wieder geht es ein Stückchen weiter, und dann kommt eine Fehlermeldung: Ich muss meine Java-VM aktualisieren. Also, mal schnell auf die Microsoft-Seite, ein neues Java-Dingsda geholt, installiert, neu gestartet... Bis zur nächsten Fehlermeldung: Ich habe nicht mehr das neueste Flash-Plugin (Eine Frechheit von mir! Jeder Internet-Benutzer ist verpflichtet, mindestens einmal pro Woche die neuesten Flash-Dummheiten ´runterzuladen!). Also, auf zu Macromedia, Flash aktualisieren... Und nochmal: Neustart, Seite laden... Diesmal komme ich bis zu einer absolut witzlosen Flash-Animation (wozu so etwas gut sein soll, war mir schon immer ein Rätsel), aber dann tut sich wieder nichts. Ich überprüfe den Quelltext der teilweise aufgebauten Seite... Und da wird mir klar: Ich kriege keinen Text, sondern irgendwann mal so ein beschissenes Video zu sehen! Mal ganz im Ernst: WER LIEST DENN HEUTE NOCH??? So blöd kann auch nur ein literaturbesessener Vollidiot wie ich sein... Einen TEXT zu erwarten... Ich wette, wenn ich das in 10 Jahren erzähle, wissen die meisten Zuhörer gar nicht mehr, was TEXTE eigentlich sind! Da es aber niemanden interessiert, dass ich lieber lese als fernsehe, suche ich einen alten Real-Player von so einer Heft-CD. (Nachdem ich kurz vorher die Reste der alten Real-Player-Installationen mühevoll aus dem System entfernt hatte, ärgere ich mich jetzt schon wieder maßlos, dass ich die nächste Verseuchung gerade wieder "freiwillig" vornehme.)
Aber Pech gehabt, mein Real-Player ist nicht der, den die Seite gerne hätte. Also, wieder ´raus, gerade installierten Real-Player de-installieren, bei Real den neuesten Real-Player ´runterladen (der ist nebenbei satte 9 MB groß, welch eine Freude!), dann das Mistding installieren, was sogar funktioniert, und dann weiter im Text. Nochmal die Seite laden, diesmal kriege ich endlich, was ich will, einen Fernsehbeitrag im Mäusekino-Format. Aufzeichnen darf ich es natürlich nicht, nein, ich darf es nur sehen, während ich online bin. Oh du schöne Informationswelt...
Nachdem ich mit etlichen Tricks dann wenigstens den Ton aufzeichnen konnte, verlasse ich die Seite, nicht ohne der Firma, die sie erstellt hat, eine saftige Beschwerde-Mail zu schicken. (Nutzt nichts: Die im Impressum angegebene Mail-Adresse existiert nicht, die Beschwerde kam zurück... Vielleicht war auch der Empfänger der Botschaften von den zweifelsohne eingehenden Beschwerden irgendwann übersättigt.)

Nun hatte ich endlich die gewünschten Informationen. (Hat ja auch nur 4 Stunden gedauert - das Internet ist eine wunderbare Sache!) ABER: Jetzt war erst Halbzeit!
Ich musste ja wieder den ganzen Schrott loswerden. Also, erst mal mit Windows-eigenen Mitteln den Real-Player wieder ´rausschmeißen, dann die Sicherheitseinstellungen vom Internet-Explorer wieder herstellen, dann neu starten, auf der Dos-Ebene die letzten Reste der de-installierten Programme entfernen (ist leider immer noch nötig), dann einen "Deep Scan" mit Ad-Aware durchführen, sämtliche "Tracking Cookies" und ein paar harmlose Spione und Werbeprogramme ´rausschmeißen, die sogenannte Adware, die es inzwischen bei vielen Programmen "gratis" gibt...
Dann neu starten, mit einem speziellen Programm die Registry säubern (da waren immer noch einige verdächtige Einträge), eventuell vorhandene Viren suchen, noch einmal alles überprüfen, dann nochmal neu starten und schauen, ob nichts übersehen wurde (Internet-Testbetrieb mit einem Auge auf den Zone-Alarm-Meldungen), und irgendwie scheint jetzt wieder alles beim Alten zu sein.

Ich habe also über 6 Stunden gebraucht, um diesen ganzen Blödsinn zu veranstalten. Und ich war unglaublich wütend. Leute, die solche Seiten programmieren, sollte man erschießen, in kleine Stücke hacken und zu Hundefutter verarbeiten. (Oder besser: NICHT erschießen, sondern lebendig mit einem stumpfen Küchenmesser... Na ja, das meine ich nicht so...)

(Das war jetzt eine kleine Geschichte für die, die gerne wissen wollen, was so ein Satire-Magazin-Herausgeber so macht - und vielleicht auch, wie er seine Ideen findet oder auch wieder verliert... Denn eines ist klar: SO tötet das Internet jede geistige Betätigung, und vom Interesse an persönlicher Bildung will ich hier mal gar nichts sagen. Und solche "Ausflüge" bestärken mich darin, das DDM auch in Zukunft schön einfach zu halten: Ein paar Bilder und Texte - was braucht man mehr, um glücklich zu sein!)

 

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