Wir wählen!

"Wähler, kommst Du in die Verlegenheit, wählen zu müssen - tue es wohlüberlegt und bedenke die Alternativen!"
Nachdem sich der Bundespräsident meiner Meinung angeschlossen hat und Neuwahlen für das einzig Wahre hält, kann es hier endlich kommen: Das große DDM-Wahl-Spezial, mit allen Informationen, die der unentschlossene Wähler braucht, um am 18. September das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen. Altgediente DDM-Leser kennen noch das letzte Wahl-Spezial, und gerade den Erstwählern empfehle ich hiermit noch einmal eindringlich, den Übungs-Wahlzettel zu benutzen!
Viel wurde erzählt, noch mehr versprochen, und der Wähler muss sich mühsam durch das Überangebot an Politikern wühlen. Ich hoffe, meine gesammelten Eindrücke werden dem unentschlossenen Wähler helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Alle Politiker haben EINES gemeinsam: Vor einer Wahl überbieten sie sich mit "guten Ideen". Danach hört man von ihnen fast nichts mehr. Oder man hört irgendwelche Ausreden, warum das mit den Ideen nicht funktioniert hat. Oder es gibt irgendwelche Skandale. (Eigentlich sollten wir ganz froh sein, wenn wir nichts mehr von den Regierenden hören. Meistens sind es sowieso nur schlechte Nachrichten.)
Warum das so ist, konnte ich bis heute nicht herausfinden. Gibt es vielleicht eine Hormonschwankung, die das Politiker-Gehirn nur in Vor-Wahlzeiten zur Höchstform auflaufen lässt? Oder verausgaben sich unsere Volksvertreter im Wahlkampf dermaßen, dass sie in der darauf folgenden Regierungszeit zu keiner sinnvollen Handlung mehr fähig sind? Ich frage mich das nun schon seit vielen Jahren - wie gesagt, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.
Ja, die lieben Versprechungen... Von irgendwelchem Geld, das sowieso keiner hat, das aber jetzt schon versprochen und verplant wird, bis zu Steuern, die gerade mal als Herz-und-Bauch-Thema geeignet sind, fällt den Damen und Herren in diesen Wochen überraschend viel ein. Bei vielen dieser "neuen Ideen" fragt man sich, warum sie erst jetzt kommen. Die Probleme gibt es nämlich schon seit Jahren. Wie gut, dass es das ewige Schuldzuweisungs-Spielchen gibt: "Ich (wir) wollte(n) ja, aber die Andere(n)..." - so macht man aus Gründen der Imagepflege das Vertrauen in die Demokratie kaputt. Das eigene Ego und die Umfragewerte sind scheinbar wichtiger als das Wohl dieses Landes. Die Politiker, die sich am besten in Szene setzen können, die Schauspieler und Intriganten unter ihnen, werden durch solche Entwicklungen begünstigt. Auf diese Weise kommen immer mehr Nichtskönner an die Macht. Theoretisch liegt es in der Hand des Wählers, das zu verhindern. Aber der Wähler macht es sich oft zu leicht und wählt das, woran er glaubt.
Politik hat aber nichts mit Glauben zu tun, sondern mit Können und mit Wissen.
Gehen wir also kurz die wichtigsten Kandidaten dieser Wahl durch und schauen, was sie können... Oder was sie nicht können.
LADY IN BLACK: Die CDU mit Angela Merkel macht den Anfang.
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Von Angela Merkel wird manchmal behauptet, dass sie den Mund zu voll nimmt. Nach eingehender Betrachtung des vorliegenden Beweismaterials stelle ich fest: Das stimmt nicht! |
Frau Merkel wird die erste deutsche Kanzlerin werden, wenn alles so läuft, wie sie es sich vorstellt. Damit zeigt sie, immerhin eine Konservative, allen ach so modernen politischen Gegnern, was eine Harke ist. Ja, wo war denn die Kanzlerkandidatin der Grünen bei den letzten Wahlen? Und warum haben die Grünen keinen schwulen Parteivorsitzenden? (Eigentlich wollte ich diese Frage weiter unten stellen... Na ja.) An solchen Kleinigkeiten sieht man, wo die wirklichen Fortschritte gemacht werden. Kein türkischer Alibi-Dressmann, kein ehemaliger Kleinkrimineller im noblen Anzug und kein übergewichtiger Busen-Grabscher können DIESE Innovation jemals ausgleichen. Merkt euch das mal, liebe Grüne!
Eine andere Kleinigkeit, über die man heute nicht mehr redet, ist Angela´s Frisur. Auch hier ist alles bestens. Aber es gibt da EINE seltsame Tatsache, über die ich dauernd nachdenken muss. Eine erschreckende Kleinigkeit.
Bei einer Umfrage, wer und was Angela Merkel denn sei, wurde ihr von einer jungen Italienerin der Beiname "Ferrea Farfalla" ("Eiserner Schmetterling") verpasst.
Das erinnert mich an die Gruppe "Iron Butterfly".
Das wiederum erinnert mich an den Titel "In a Gadda Davida".
Das wiederum erinnert mich an "Das Schweigen der Lämmer" (den Film), in dem dieser Titel gespielt wurde.
Das wiederum verursacht bei mir einige üble Phantasien:
Was wäre, wenn Angela Merkel gar keine Frau ist, sondern gerne eine wäre oder sich nur die Haut einer Frau übergezogen hat?
Und wenn sie dann erst mal Kanzlerin ist, wird sie uns alle abziehen... Zum Glück nur im übertragenen Sinne, mit der Mehrwertsteuer.
Von solchen Spekulationen sollte man sich aber nicht beeinflussen lassen. Die Wahl eines Politikers ist immerhin Vertrauenssache, und ich vertraue allen Politikern gleichermaßen!
EDDIE & THE (NOT SO) POOR BOY: Hilfe ist nicht nötig, wird aber gerne angenommen.

Frau Merkels Edel-Helfer wird immer wieder unterstellt, dass er lieber selbst Kanzler geworden wäre, als jetzt einer Frau (igitt, noch dazu eine Ossi-Frau!) zu Amt und Würden zu verhelfen. Hier sehen wir, dass das nicht stimmt. Eddie nimmt (aus der Hand des Gouvernators persönlich!) ein spezielles Wahlhilfe-Geschenk für Angela Merkel entgegen. Leider war es mir nicht möglich, etwas über den Inhalt des Kästchens zu erfahren. Was könnte wohl da drin sein? Geld (mit Parteispenden kennt man sich bei der CDU schließlich aus)? Irgendwelche Papiere (intime Geständnisse von Schröders Friseur)? Eine Pistole, falls Angela mal ihre Fraktion disziplinieren muss? Vergiftete Pralinen für Angelas abtrünnige Parteifreunde? Zigarren für die Siegesfeier? Zyankali-Kapseln für... äh... das Gegenteil von der Siegesfeier? Beruhigungspillen für die Ossies?
BEAUTIFUL LOSER: Gerhard Schröder und die SPD.
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Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Diese Frage ist gerade für einen Politiker verdammt schwer zu beantworten!
Aber da Schröder versprochen hat, die erforderlichen "Umschichtungen" im Haushalt "sozialverträglich" durchzuführen (und OHNE Mehrwertsteuer-Erhöhung!), bleibt die Frage bestehen: WIE WILL ER ES MACHEN?
Ich hätte da eine Idee... Sozusagen Schröders eigene ICH-AG als Beitrag zur Konsolidierung des Haushalts. Das käme beim Wähler bestimmt gut an! |
Bevor die Schelte losgeht, will ich erst mal das GUTE an Schröder hervorheben.
Schröder war schon immer ein Mann, der auf Schönheit und Ästhetik geachtet hat. (Das ging sogar so weit, dass er seine Ehefrauen immer dann ausgewechselt hat, wenn sie zu Repräsentationszwecken nicht mehr geeignet waren. Man sieht gerade an solchen Details: Schröder nimmt seine Verpflichtung, immer gut auszusehen oder dazustehen, sehr ernst!)
Trotz seines wahrlich nicht angenehmen Jobs war er immer vorbildlich gekleidet. Wie aus dem Ei gepellt stand er vor dem Bundestag und verkündete uns mit Begeisterung, was er für richtig hielt. Seine Fraktion, die Partei und die Bundesgenossen hingen erwartungsvoll an seinen Lippen und lauschten den Worten des Meisters. Für alles hatte er nicht nur EINE, sondern DIE Erklärung. Und die war meistens so vernünftig, dass es keine Alternativen gab. Unverbesserliche Parteifreunde wurden schon mal vom Kanzler persönlich auf Linie gebracht. Immerhin geht es ums Regieren, da kann man sich keine Abweichler leisten - und auch kein noch so gutes Gewissen.
Kanzler Schröder war und ist ein nobler Mann. Er wird uns fehlen, falls er es nicht noch einmal schafft. Diese lockere Art, mit den großen Problemen der Welt umzugehen, diese ruhige Hand, die souverän alle Probleme löst - falls es überhaupt Probleme geben sollte - DAS ist es, was den Staatsmann von heute ausmacht. In Verbindung mit seinem genau so gut gekleideten Außenminister repräsentierte er unser Land hervorragend.
Dummerweise reicht Repräsentieren und Reden nicht aus, wenn man gute Politik machen will. Irgendwie hat Schröder das vergessen. Oder es hat ihm nie jemand gesagt.
Jedenfalls geht mir seine dauernde und demonstrativ zur Schau gestellte Fröhlichkeit schwer auf den Geist.
Warum grinst unser Noch-Kanzler immer so? Konsumiert er jeden Morgen eine Flasche Lachgas? Oder kann er nicht anders, als über die Dummköpfe zu lachen, die ihn doch noch wählen wollen? ("Haha, fast 30 Prozent haben von meiner Politik immer noch nicht die Schnauze voll... Wetten, dass ich bis zur Wahl noch mehr Bekloppte zusammenkriege?")
Lieber Herr Schröder, das Land ist am Ende! Wir haben fast 5 Millionen (offizielle) Arbeitslose! Die Rentenkasse ist leer! Die Krankenkassen sind fast pleite! Die Staatsverschuldung ist auf Rekordniveau! Dazu gibt es massenhaft Firmenpleiten und Privatinsolvenzen! Guten Morgen, Kanzler! Merkst Du noch was?
Tut mir leid, wenn ich mich hier etwas drastisch ausdrücken muss, aber bei mir kommen die Auftritte vom Bundesgrinsekasper nun mal so an.
Und die 7 Jahre Pleiten, Pech und Pannen, die wir alle unter Schröder erleben mussten, tragen nicht gerade zu einer besseren Sicht dieser peinlichen Selbstdarstellung bei. Und peinlicher Aktionismus ("Reichensteuer") sollte den intelligenten Wähler höchstens zum Gähnen anregen.
EYE OF THE ZOMBIE: Joschka Fischer.
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Spielchen gefällig? Keine faulen Tricks, Herr Fischer! Darauf fallen wir nicht mehr herein! (Oder etwa doch? Man kann es ja mal probieren!) |
Totgesagte leben länger. Und für zu dick erklärte können immerhin noch abspecken. Joschka Fischer, der schwerste Junge bei den Grünen, zeigt noch einmal, was in ihm steckt: Unglaublich viel Energie, gespeichert in Form von Körperfett. (Immerhin eine solide Anlage. Aktien können an Wert verlieren, der eigene Bauchspeck bleibt einem selbst bei einer absoluten Pleite noch erhalten!) Schlimm wird es nur, wenn man ihn wieder loswerden will... Das kann dauern. Der Speck klebt dann an einem wie... Ja, wie so eine Visa-Affäre.

Da Joschka Fischer aber ein echt guter (Schau-) Spieler ist, der die Emotionen des Publikums immer fest im Griff hat, werden wir ihm diesen kleinen Ausrutscher verzeihen. Ich wette, dass er sogar wieder der beleibteste... äh... BELIEBTESTE (immer diese Versprecher!) Politiker werden kann, wenn er sich richtig anstrengt. Vergeben und vergessen sind dann alle seine Patzer und das Geschwätz von gestern... Menschenrechte in China hin, Bundeswehr im Ausland her.
Auf jeden Fall: Die Visa-Affäre ist schon längst vergeben und vergessen. Der Wähler hat ein kurzes Gedächtnis. (Können Sie sich noch an den schlanken Joschka Fischer erinnern, den wir 1998 hatten? Ich nicht.)
Überhaupt ist Joschka Fischer ein Phänomen, das mal mit wissenschaftlicher Gründlichkeit untersucht werden sollte. Was soll ich sagen - ich habe es getan und kam zu einem erschreckenden Ergebnis: Joschka Fischer ist ein Zombie!
Alles fing ganz harmlos an. Ich hörte mal wieder einen älteren Titel von Ozzy Osbourne, und zufällig gab es hinterher ein paar Sätze von Joschka Fischer in einem Wortbeitrag.


Messtechnisch einwandfrei bewiesen:
Ozzy und Joschka stammen aus der selben Gruft. Aus Ozzy ist wenigstens etwas Anständiges geworden...
Plötzlich war mir alles klar.
Und ich wusste nach dieser Analyse auch, warum Joschka Fischer so lange der beliebteste Politiker in Deutschland war. Ich erinnerte mich...
Was ist das, was mich an Ozzy damals fasziniert hat? Richtig: Die Stimme. Allerdings nicht Ozzy´s richtige Stimme, sondern dieser Phasing-Effekt, und diese spezielle Kombination aus Hall und Re-Equalisation.
Diese Stimme mit diesem klagenden, leicht morbiden Unterton, die sich anhört, als würde sie zu einem in der Kanalisation feststeckenden Zombie-Kopf gehören, der seinem abhandengekommen Körper nachtrauert...
Ja, diese Stimme! Und Joschka Fischer hat die selbe (oder zumindest eine sehr ähnliche) Stimme. Meine Messungen haben es bewiesen:
Joschka Fischer´s Stimme wies in vielen FFT-Analysen das selbe Frequenz-Energie-Spektrum auf wie die bearbeitete Stimme von Ozzy, erst recht, wenn man Joschka´s Gebrabbel rückwärts laufen ließ! Das ist wirklich unglaublich! JETZT weiß ich endlich, warum Joschka Fischer immer so beliebt war, obwohl er nichts weiter als ein Schwätzer und ein Wendehals ist! Es ist die Stimme! (Das Aussehen kann es wirklich nicht sein, und seine Leistungen als Politiker... Na ja, Schwamm drüber!)
Meine Schlussfolgerung:
Joschka Fischer ist also auch ein Zombie, genau wie Ozzy Osbourne. (Von DEM werden wir das doch nicht bezweifeln, oder?) Endlich ist es wissenschaftlich erwiesen! Schön und gut - aber welche Konsequenzen hat das in der Praxis, besonders für uns Normalbürger? Vielleicht die, dass wir uns demnächst einen Stimm-Modulator zulegen können, der unseren Stimmen die selbe großartige Wirkung verleiht! Man stelle sich das mal in der Praxis vor!
Man geht in ein Kaufhaus, will etwas billiger bekommen, und forderst mit der Ozzy-Joschi-Voice 20% Rabatt. Der Verkäufer denkt sich natürlich: "So, wie der spricht, hat er höchstens noch eine Woche zu leben - also tue ich ihm etwas Gutes (sozusagen die letzte Freude in einem entbehrungsreichen und beschissenen Leben) und gebe ihm 30% Rabatt!"
Ja, SO funktioniert das! Sublimalbotschaften, übertragen durch eine modulierte Stimme. Wir werden alle zu super-beliebten Leuten, die alles erreichen können! Vom Taxifahrer zum Außenminister ist da nichts, es werden noch ganz andere Karrieren möglich!
OUT OF TIME: Oskar Lafontaine und die roten Herzchen.
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Herzilein... Die linken Bonzen-Bubis stimmen das hohe Lied der sozialen Gerechtigkeit an. Es soll ja immer noch Leute geben, die das gut finden...
Oskar und Gregor (oder heißt es Gregor und Oskar? - Ich wette, nach der Wahl gibt es erst mal ein halbes Jahr Streit um diese wichtige Frage, dann treten beide "vollkommen überraschend" zurück, weil sie sich nicht einigen konnten) zeigen uns, was hier alles falsch läuft. Und damit wir nicht nur erkennen, was hier und jetzt falsch ist, zeigen sie uns gleich noch das, was früher mal im Osten (richtig, damals, in der "Zone") falsch war. Mit "früher" meinen sie natürlich nicht das, was vor 1989 war, sondern eher das, was nach 1991 stattgefunden hat. Das machen sie so konsequent, dass es gleich in das neue Parteiprogramm geflossen ist. Zurück in die Zukunft, äh, Vergangenheit (ist auch egal), dumme Sprüche sind eine echte Seltenheit bei den heutigen Politikern, deswegen brauchen wir Oskar und Gregor (oder auch Gregor und Oskar) wirklich ganz dringend! Und die alten roten Socken mit dem Mief von 40 Jahren DDR (inklusive Mauerschützen und Gesinnungsschnüffelei) brauchen wir erst recht. Wozu? Na, als abschreckendes Beispiel natürlich! Und spätestens jetzt wissen wir auch, was Oskar und Gregor (oder... ach, lassen wir das) wirklich in diesem Wahlkampf veranstalten. Sie zeigen uns, dass es immer noch ein Bisschen schlimmer geht. Und dafür sollten wir ihnen dankbar sein und sie NICHT wählen, denn dann (und nur dann!) können sie in 4 Jahren noch einmal eine neue Partei gründen und den ganzen Zirkus wiederholen.
Wenn sie aber trotzdem gewählt werden sollten und ihre Retorten-Partei die notwendige Sperrminorität erreicht, um die beiden "großen" Blöcke gegeneinander auszuspielen, werden wir 4 Jahre lang tief in der Scheiße sitzen.
Ob es in dieser Zeit dann wirklich legalisierte Drogen ohne Ende gibt (das wird wohl dringend notwendig sein - diese Zeit würde man nur zugedröhnt aushalten), oder ob die bösen Fremdarbeiter alleine schon aus Angst vor Oskars dummen Sprüchen geflohen sind, ist dann auch egal.
Und die Demokratie? Das Vertrauen der Bürger in den Staat?
Das ist (zumindest diesen beiden Herzchen) SCHEISSEGAL!
MELLOW YELLOW: Guido Westerwelle, in Zukunft Deutschlands First Lady?
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Guido, der gelbe Engel der Neoliberalen, jetzt auch mit einem Herz für´s gemeine Wahlvolk und frei vom menschlichem und tierischem Ernst, zeigt uns, wie der Blümchen-Kapitalismus funktioniert: Erst die Blümchen pflücken, dann verkaufen. Dabei geht Guido so subtil vor, dass die Blümchen sich irgendwann von selbst pflücken und dabei noch glücklich sind! (Und wenn sie hinterher keiner kaufen will? Ach, Unsinn!) Negative Schwingungen von ewigen Mehrwertsteuer-Erhöhern und Krankenkassen-Monopolisten kann Guido sowieso locker und lustig kompensieren. Er vertraut auf sein Karma. Und so steuern wir mitten hinein in das Zeitalter von Guido, dem fröhlichen Segler auf allen Weltmeeren und dem glatten Parkett der Diplomatie. Machen wir es wie er. Befreien wir uns von den lästigen Konventionen und genießen wir unser Dasein... Getreu dem Motto: "Die erste Pflicht eines Menschen ist, eine Pose einzunehmen. Worin die zweite Pflicht besteht, weiß nur Guido Westerwelle." Und dieser Wissensvorsprung macht ihn zum Übermenschen. |
Guido Westerwelle ist wohl DER Politiker überhaupt. Unerreicht in unserer Zeit der geistigen Verarmung. Nicht zu übertreffen in allen Fragen, auf die nur er eine Antwort weiß. Ein ganz und gar nicht stiller kleiner Gigant unter den aufgeblasenen Wurzelzwergen, die im Politiker-Olymp thronen. Weitsichtig bis in den Orkus der sozialen Gerechtigkeit (oder dem, was man hierzulande dafür hält). Immer mit einem Ohr am Puls der Zeit, mit dem anderen im Blätterwald, um das Räuscheln und Säuseln der Medien-Halbgötter zu vernehmen. Mit beiden Beinen fest auf der Erde, und mit dem Kopf da, wo etwas los ist.
Nicht umsonst habe ich über keinen Politiker so viel geschrieben wie über Guido. Ich mag ihn einfach. Und so lange er nicht in der Regierung sitzt, werde ich ihn weiter mögen. (Danach ist die Sache erst mal offen.)
Guido ist der lustige Pausenfüller, der dem politischen Alltagsgeschäft die persönliche Note verleiht. Dummerweise bekommt er das, was er verliehen hat, immer wieder zurück, und das meistens in den unpassendsten Momenten. Mal sehen, was von seinen "guten Ideen" (erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an seinen Parteifreund Möllemann, der hatte "pfiffige Ideen") übrig bleibt, wenn die Regierungsverantwortung an der blau-gelben Krawatte zerrt. Wahrscheinlich nur ein dicker Hals und ein roter Kopf. Na ja, das hatten wir auch schon, sogar bei anderen Parteien.
Welches Amt könnte für Guido Westerwelle nach dem Pöstchen-Geschachere eigentlich übrig bleiben? Für den Außenminister empfiehlt sich schon der Parteifreund Gerhardt. Wirtschaft und Arbeit könnte Stoiber übernehmen, wenn er wirklich so ehrgeizig ist und sich richtig unbeliebt machen will. (NOCH unbeliebter als bei den Ossies? Ja, das kriegt er hin! Bayern sind kluge Menschen, die zielstrebig an ihrer Karriere arbeiten!) Finanzen...? Oh je, das hat Guido nun wirklich nicht verdient! Aber wie wäre es mit dem Gesundheitsministerium? Da könnte Guido Punkte sammeln. Wenn mal wieder irgendwelche Leistungen aus dem Katalog der Krankenkassen gestrichen werden, dann fährt Guido mit seinem Guidomobil durch die Gegend und befördert medienwirksam hier und da eine alte Oma zum Onkel Doktor, weil die Krankenfahrten per Taxi zu teuer wären und es vor Ort keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Leider kann Guido nicht überall sein, und ob er vernünftige Gesetze hinkriegt, ist auch so eine Frage. Aber als Gast in allen Talkshows und großer Freund von Kunst & Kultur ist er auch als Minister garantiert immer noch sehenswert.
Ach, Guido, wenn ich nur so wäre wie Du...
Dann würde ich im Bundestag sitzen und von meiner Politiker-Pension träumen, während ich meinen Mitbürgern lächelnd die kleinen Grausamkeiten serviere, die der Alltag eben so mit sich bringt.
Und nun, liebe Wähler, nachdem ihr das alles gelesen habt, werdet ihr wissen, was zu tun ist. Ich hoffe es zumindest. Und wenn ihr es nicht wissen solltet: Macht nichts. Das merkt doch keiner.
Bis zur nächsten Wahl!
Ihr Herausgeber.