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Willkommen in der Scheinwelt!

Jeder brave Bürger weiß, dass der Schein alles ist. Das fängt beim Heiligenschein von so manchem Scheinheiligen an und hört beim trügerischen Schein von Aktien und Optionsscheinen noch lange nicht auf. Und auch der Geldschein, der scheinbar beste Freund des Menschen, hilft oft nur dabei, mehr zu scheinen als man ist.

Das beste Objekt zur Demonstration von Schein und Wirklichkeit sind aber immer noch Politiker. Getreu dem Motto "Der Fisch stinkt vom Kopf her" zeigen sie uns immer wieder, wie verwirrend das Spiel von Schein und Sein zu sein scheint.

Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Was will uns dieses Bild sagen?

  1. Lumpen unter sich
  2. Schröder auf dem Lumpenball
  3. Mein Freund ist ein Lump

( Die Antwort ist klar: Nichts von alledem. Es zeigt einfach nur Schröder mit einem alten Ball während einer Rede. Worum diese Rede ging? Keine Ahnung mehr. Schröder redet so viel, da kann ich mir unmöglich alles merken.)

Politiker sind wundervolle Geschöpfe. Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden. Um Missverständnissen vorzubeugen, muss ich jetzt natürlich klarstellen, dass ich Politiker nicht wegen ihren viel zu langen Reden oder den viel zu seltenen Taten mag. Nein, in ihnen trifft sich das Kleinste und das Größte, was den menschlichen Geist auszeichnet. Und weil sie in der Öffentlichkeit stehen, kann man es wundervoll beobachten, wie aus diesen Widersprüchen eine mehr oder weniger faszinierende Persönlichkeit wird.

Dabei ist natürlich nicht nur der Widerspruch von Anspruch und Realität zu beachten, sondern auch der von Schein und sein. Ein doppelter Widerspruch, der die seltsamsten Blüten treibt.

Denken wir mal an Hamburg, unser Tor zur Welt, eine der größten Hafenstädte... Und natürlich auch ein echter Sündenpfuhl. Da trifft hanseatischer Kaufmannsgeist mit internationalem Verbrechen zusammen, und für so eine Stadt braucht man natürlich die beste aller Regierungen. Die, so versprach man den Wählern, würde vor Allem durch die Mitwirkung von Ronald Schill (einstmals ein gnadenloser Richter) jetzt endlich ins Amt kommen. In den letzten zwei Jahren zeigte sich aber, dass der tapfere Ronald und der Rest der Regierung es doch nicht besser machen können als die, die vorher am Ruder waren. Sollte uns das überraschen? Nein.

Aber was uns vor etwa zwei Wochen serviert wurde, war dann doch bemerkenswert: Ronald Schill erpresst seinen Chef, den Bürgermeister, mit dessen angeblichen homosexuellen Neigungen, noch dazu zu dem Justizsenator, der ja auch nur angeblich deswegen Justizsenator wurde, weil dieser der "Freund" des Bürgermeisters war. Oh je, so viel Schweinkram aus der feinen Gesellschaft, das schreit nach Fakten.

  1. Herr Kusch, der hamburger Justizsenator, wohnt tatsächlich in einer Wohnung, die Herrn von Beust, dem Bürgermeister, gehört. Ferner bekennt sich Herr Kusch zu seinen homosexuellen Neigungen und gibt auch offen zu, dass er schon seit etwa zwanzig Jahren mit dem guten Herrn von Beust befreundet ist.
  2. Herr von Beust, der sich so gerne als verantwortungsvoller Politiker hinstellt, hat Herrn Schill das Amt des Innensenators weggenommen, weil dieser "moralisch nicht mehr tragbar" sei. Als Herr Schill vorbestrafte Schlägertypen (wie einst ein gewisser Herr Lafontaine) als Leibwächter einstellte, war er (moralisch oder nicht) tragbar. Als Herr Schill im Bundestag ausländerfeindliche Reden schwang, war er tragbar. Als Herr Schill illegal eine Schusswaffe mit sich führte, war er tragbar. Als Herr Schill seiner Freundin einen Job in Hamburgs Regierung zuschustern wollte, war er tragbar. (Es ist unglaublich, wieviel ich hier über Ronald Schill schreibe, normalerweise halte ich ihn noch nicht mal als Witzfigur für erwähnenswert.)
  3. Die Schill - Beust - Klamotte scheint zwar jetzt vorbei zu sein, aber wer weiß... Jedenfalls hat sie etwas von einem "Drama der Duplizität", wie ein verstorbener unbekannter Dichter einmal meinte.
  4. Also, was ist nun in Hamburg? Wir werden sehen. Man mogelt sich so durch, wie überall...

     

    Besonders gut sichtbar wird der schöne Schein unserer Werte bei einem Begriff, der immer wieder gerne in den verschiedensten Zusammenhängen gebraucht wird. Die Rede ist hier vom "Recht auf was-auch-immer". Angeblich hat jeder von uns Rechte, ab und zu auch mal Pflichten, aber bleiben wir mal bei den Rechten. Die sind viel interessanter, und die Pflichten ergeben sich ja aus ihnen. Ich bin gespannt, ob der Leser am Ende dieses Artikels die richtigen Schlüsse zieht!

    Man stelle sich vor, eines Tages würde ein wohlbeleibter (und ebenso wohlwollender) Mensch in eines jener Gebiete der Welt kommen, in denen schlimmster Hunger herrscht. Man stelle sich vor, er würde sich vor ein paar hundert dieser halbverhungerten Gestalten stellen und ihnen voller Begeisterung verkünden: "Ihr habt von heute an das Recht, so viel zu essen, wie ihr wollt!" Wem das noch nicht geschmacklos genug war, der sollte sich vorstellen, was danach passiert: Der Möchtegern-Weltverbesserer kommt nach Hause zurück und erzählt überall von seiner großartigen Heldentat. Wer wäre wohl so blöd, ihm dafür zu applaudieren?

    Bitte keine voreilige Antwort. Bei uns gibt es keine verhungernden Massen, aber dafür jede Menge andere Probleme, die eigentlich gelöst werden sollten. Aber Lösungen sind schrecklich unpopulär, und so wird so getan, als ob man eine Lösung hätte. Wir kennen das von unserem Kommisionen-Kanzler: Eigentlich weiß er ganz genau, was zu tun ist. Das würde ihn und seine Partei aber noch unpopulärer machen. Also tut er so, als ob er handeln würde: Er ruft eine Kommission ins Leben. Dieser mehr oder weniger sinnvolle Verein soll dann (nach langer, reiflicher Überlegung) eine Lösung für ein Problem liefern. Das hat viele Vorteile:

    1. Der Kanzler muss die unangenehmen Wahrheiten nicht selbst aussprechen.
    2. Der Kanzler gewinnt Zeit, die er durch medienwirksame Auftritte sinnvoll nutzen kann.
    3. Nach etlichen Monaten kommt die Kommission zu "Lösungsvorschlägen" - wohlgemerkt, keinen Lösungen, die der Kanzler dann annehmen kann oder auch nicht, sofern da noch irgendwie eine Möglichkeit besteht, gut dazustehen.

So werden die Probleme kreativ geparkt. Unser Ex-Kanzler Kohl hat das alles noch konservativ ausgesessen, aber Schröder ist deutlich kreativer! Deswegen hat er unsere Zuneigung auch verdient. Wenn aber wirkliche Probleme anstehen, wie z.B. die nächste Diätenerhöhung, dann gibt es seltsamerweise keine Kommission...

Das Volk ist eigentlich bedeutungslos.

Wenn man sich ansieht, WER in diesem Lande Politik macht, wird einem das schnell klar. Nun könnte man einwenden, die Politiker würden Politik machen. Das ist aber eine grobe Fehleinschätzung der Realität. Politiker sind Menschen mit übersteigertem Narzismus. Sie wollen geliebt werden, und wir, das Wahlvolk, zeigen unsere Liebe, indem wir sie wählen. Wer fragt nach Leistung oder Glaubwürdigkeit? Hauptsache, der Kerl (meistens ist es einer) sieht gut aus, und man sollte den Anteil der Schwiegermütter, die auf der Suche nach dem perfekten Schwiegersohn sind, nicht unterschätzen! Mit solchen Oberflächlichkeiten gewinnt man Wahlen. Inhalte sind ja heute sowieso austauschbar, und die großen Parteien wollen alle das Selbe, also kommt das sowieso nicht mehr als Entscheidungshilfe in Frage.

Ist der Politiker mal gewählt, muss er sich mit den Schattenseiten seiner Eitelkeit herumärgern. Die Menschen erwarten dann nämlich lauter unmögliche Dinge von ihm: Arbeitsplätze zum Beispiel. Oder die Sanierung der Staatsfinanzen. Oder sogar den Weltfrieden! Also bitte, wie soll denn das funktionieren?

Gar nicht! Das ist das Geheimnis guter Politik: Man kann nichts, tut aber so, als ob man alles könnte. Denn die Entscheidungen werden an anderen Stellen getroffen: Da sind die großen Konzerne und die Banken, früher vielleicht auch die Gewerkschaften, aber vor allen Dingen die Medien. DIE muss man bedienen! Deren Interessen muss man durchsetzen, und wenn man das so verkaufen kann, dass es für das "Wohle des Volkes" ist, dann ist man schnell als großer Staatsmann gefeiert. Wer fragt denn da noch nach einer Erfolgsbilanz? Wer schaut auf Kleinigkeiten wie einen ausgeglichenen Haushalt, wenn der Kanzler mit Gummistiefeln vor einem überschwemmten Haus steht? Das wird schon irgendwie...

Das Volk sollte sich einmal der Tatsache bewusst werden, dass es den größten Lobbyisten stellt. Auch das ist leider ein Merkmal von erfolgreicher Politik: Dem Volk nicht zu sagen, wie stark es eigentlich ist.

Obwohl, irgendwie zeigt das Volk jetzt langsam die Zähne: Man denke nur an die Konsumverweigerung, die ja so schädlich für die Konjunktur ist. Das Volk hat kein Geld mehr, und die eigentliche Sauerei ist nicht diese Tatsache an sich, sondern die Reaktion unserer Politiker. Schnell mal eine "Steuerreform" gebastelt, und schon verprassen wir unser Erspartes. Ob das immer so funktioniert? Die Krisen der Zukunft stehen vor der Tür!

 

Und so bewegen wir uns weiter durch die Scheinwelt, wir sehen ein Mautsystem, das nicht funktioniert (wer hätte auch etwas Anderes erwartet), wir sehen einen "Superminister", der Super-Sprüche klopft, wenn es um mehr Lehrstellen geht, wir sehen die unglaublichsten Dinge...

Aber alles ist nur Schein.

So erledigt sich wenigstens die alte Frage nach dem "Sein oder Nicht-Sein". Der Schein braucht kein Sein, und er tröstet einen auch über das Nicht-Sein hinweg. Seien wir also glücklich in unserer Scheinwelt, und warten wir gespannt auf den nächsten großen Trick unserer Schein-Heiligen.

 

 

 

 

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