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Wenn ich nicht will, dass die Leute mir glauben, erzähle ich einfach die Wahrheit!

George B. Shaw

Löcher - DAS Thema in diesem Sommer.

Alle Jahre wieder kommt das Sommerloch und erfreut uns mit endlosem Gelaber über Dinge, die noch nie einen Menschen interessierten. Oder etwa doch? War da nicht etwas, das auch noch lange nach diesem Sommer bestand haben wird?

Richtig - dieses Jahr haben wir wieder mal ein Haushaltsloch zu beklagen. Aber was ist das eigentlich, wo kommt es her, und ist das alles wirklich so schlimm? Fragen über Fragen...

Deswegen gibt es jetzt eine Physik-Lektion im DDM. Und weil das DDM ein praxisbezogenes Machwerk ist, wollen wir dieses komplizierte Thema jetzt mal mit wissenschaftlicher Gründlichkeit erklären.

 

Einstein war seiner Zeit wirklich weit voraus:

Die Relativitätstheorie ist bestens dazu geeignet, unsere heutigen Probleme mit der Staatsverschuldung und den Haushaltslöchern besser zu verstehen!

Was ist ein Haushaltsloch? Der Normalbürger hat dieses Wort in letzter Zeit immer öfter hören müssen, aber so richtig erklären konnte er es sich wohl nicht. Dabei ist es ganz einfach! Ein Haushaltsloch entsteht zunächst einmal aus einer Ansammlung von Schulden. Schulden sind eigentlich etwas ganz Normales. Ohne Schulden würde das Finanz-Universum gar nicht funktionieren. Die Basis für Schulden ist natürlich Geld. Geld ist im gesamten Finanz-Universum zu finden, es ist mehr oder weniger gleichmäßig verteilt. Im Laufe der Zeit ballt sich Geld jedoch an bestimmten Orten zusammen, während andere Regionen des Finanz-Universums immer leerer werden. (Man schätzt, dass die durchschnittliche Geld-Dichte im Finanz-Universum bei etwa einem Euro pro Geldbeutel liegt.)

Die Stellen, an denen sich das Geld zusammenballt, erscheinen uns nach und nach immer strahlender und leuchtender. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, und so kommt es zu den Schulden. Denn damit das Geld glänzen kann, muss es sich vermehren, und das geschieht z.B. durch Firmen-Fusionen. Bei solch einer Fusion verschmelzen die Geldmengen zweier Firmen, aber ein kleiner Teil des Kapitals geht dabei immer verloren, z.B. in Form von Abfindungen für unfähige und geldgierige Manager. (Die Fusion zweier Firmen ist ein sehr komplizierter Vorgang, der über etliche Zwischenstufen verläuft, in denen z.B. durch die Emission von Aktien neues Kapital erzeugt wird, das aber meistens nur sehr kurzlebig ist. Übrig bleiben Schulden, wie z.B. bei der Telekom.) Schulden sind, wenn man es mal ganz allgemein sagen will, das Endprodukt von Geld. Wir alle kennen das: Jeder, der früher mal Geld hatte, hat irgendwann nur noch Schulden. Das ist also eine ganz natürliche Entwicklung, und es sollte uns nicht beunruhigen. Schlimm wird es nur, wenn die Menge der Schulden eine bestimmte Menge (oder auch: "Kritische Masse") erreicht.

Die Schulden verdichten sich nämlich irgendwann und ballen sich zu einem sogenannten Schuldenhaufen zusammen. Dieser Haufen Schulden erscheint zunächst ganz harmlos, denn man sieht so etwas überall; aber im Laufe seiner Entwicklung dehnt er sich immer weiter aus. Ist erst mal ein Großteil des Kapitals verbraucht, wächst er zu einem roten Riesen-Zahlenhaufen heran, der schnell bis zu tausendmal so groß sein kann wie der ursprüngliche Schuldenhaufen. In kürzester Zeit ist der letzte Rest Kapital verbraucht, und der rote Zahlenhaufen platzt wie ein fauler Kredit. Die äußeren Schichten aus wertlosen Umschuldungsoptionen werden dabei wie ein Schwall heißer Luft an die Gläubiger weitergegeben, aber der Kern besteht noch weiter. Schuldenhaufen von weniger als einer Milliarde Euro hinterlassen dabei meistens nur kleinere Finanzierungslücken, die später als undefinierbare Posten in den Haushalten auftauchen, aber die richtig dicken Brocken, die Haushaltslöcher, kollabieren in sich selbst und erzeugen eine sogenannte Singularität.

Diese Singularität saugt nun das Kapital des ganzen Haushalts in sich auf. Egal, wieviel Kapital es auch sein mag: Nach und nach verschwindet es in diesem Haushaltsloch, und keiner kann sagen, wo es geblieben ist. Dabei sind merkwürdige Randerscheinungen zu bemerken:

Da es unmöglich ist, in ein Haushaltsloch hineinzuschauen, bleibt nur der theoretische Lösungsansatz übrig, um dieses einmalige Rätsel der Finanzphysik zu erklären. Fakt ist, dass ein Haushaltsloch so lange wächst, bis es seine maximale Größe (und damit seine maximale Anziehungskraft auf alle Haushaltsmittel in seiner Umgebung) erreicht hat. Aber was passiert dann? Ein weiterer Masse - oder Größenzuwachs ist selbst dann nicht zu erkennen, wenn das Haushaltsloch zweistellige Milliardensummen verschluckt. Wir bemerken das Haushaltsloch nur noch indirekt, nämlich durch das fehlende Kapital in der Staatskasse. So können wir auch seine Größe bestimmen: Je mehr Geld es jährlich verschlingt, desto größer und bedrohlicher ist es. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass unser ganzer Staat nur noch ein einziges Haushaltsloch ist. Ihr Argument: Die Schulden sind inzwischen schon bedeutend größer als der gesamte Etat unseres Landes. Ganz radikale Wissenschaftler formulieren es deutlich härter: Der Staat, so hört man von ihnen, sauge den Bürgern das Geld aus der Tasche, und die Haushaltslöcher hätten schon längst die Kontrolle über alles.

Aber keine Angst, das Universum lässt nichts umkommen. Das vom Haushaltsloch verschluckte Kapital kommt irgendwann wieder zum Vorschein: Irgendwo, in einem anderen Land, sprudelt es als sogenannte Subventionsquelle. Das, was dann bei uns fehlt, wird so an anderer Stelle nutzbringend verwendet, z.B. damit unsere Freunde von der Industrie neue Arbeitsplätze in Tschechien aufbauen können! (In diesem Zusamenhang möchte ich auf die "kleinen Verwandten" der Haushaltslöcher verweisen, die sogenannten Steuerschlupflöcher, mit deren Hilfe sich große Mengen von Kapital praktisch in Nullzeit von einem Ende der Welt zum anderen verschieben lassen. Dies wurde schon öfters experimentell nachgewiesen, z.B. von dem Pionier der Wäschekammer-Forschung, Boris Becker.)

Und wie sieht die Zukunft aus? Beinahe täglich werden neue Haushaltslöcher entdeckt. Das deutet auf den baldigen Zusammenbruch des kompletten Finanzuniversums hin. Werfen wir einen spekulativen Blick in die Zukunft, in eine Zeit, in der alles Geld dieser Welt in Haushaltslöchern verschwunden ist. Können wir uns eine Welt ohne Geld überhaupt vorstellen? Ich glaube nicht. Geld ist DER Stoff, aus dem unser Universum aufgebaut ist, und ohne Geld gäbe es nichts, was sich zu erwähnen lohnt. Alles dreht sich um das Geld - ohne Geld steht das Universum also still. Ein Universum ohne Inhalt und ohne Dynamik ist aber ein Widerspruch in sich.

Was wird dann mit den immer noch hungrigen Haushaltslöchern sein? Werden sie einfach so aufhören, alles in sich aufzusaugen? Mit Sicherheit nicht. Sie werden sich gegenseitig verschlingen, bis das ganze Finanz-Universum nur noch aus einem einzigen, riesigen Haushaltsloch besteht. Dieses wird sich dann - über einen unendlich langen Zeitraum - über das sogenannte Inflationsausgleichs-Leck in Nichts auflösen. Das Universum wäre also bis in alle Ewigkeiten ein leerer Raum, in dem sich auch nichts Neues mehr bilden könnte.

Ein anderes Szenario geht davon aus, dass so ein gigantisches Haushaltsloch nichts Anderes ist als eine Art Keimzelle, aus der sich nach einem gewaltigen Börsenkrach ein neues Finanzsystem entwickelt.

Aber bis es so weit ist, wird noch viel Geld in den Haushaltslöchern verschwinden.

Nach dieser kleinen wissenschaftlichen Abhandlung dürfte also eines klar sein:

Haushaltslöcher sind leider ein integraler Bestandteil der Welt, in der wir leben. Und deswegen ist es absolut sinnlos, sich darüber aufzuregen.

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