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Einige Leser haben sich bestimmt gefragt, warum ich meine Kommentare zum Zeitgeschehen, mit denen ich ja sonst auch nicht gerade geizig umgehe, ausgerechnet beim Thema "Krieg" für mich behalten habe.
Krieg ist eine ernste Sache. Sollte man darüber Späße machen? Und selbst wenn, der politische Witz in Kriegszeiten ist selten wirklich originell. Man erinnere sich an die Zeiten, als unsere Eltern und Großeltern selbst über solche Witze zu lachen hatten. |
Matthias Claudius
(1740 -1815)
Kriegslied
īs ist Krieg! 's ist Krieg!
O Gottes Engel wehre,Und rede du darein!'
īs ist leider Krieg -
und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchtenIn ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähtenVon einer Leich herab?
Was hülf' mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Eine modernere Version vom
Kriegslied
's ist Krieg! 's ist Krieg!
Gott ist es egal, und es muss wohl sein!
's ist leider Krieg - und irgend einer ist Schuld daran allein.
Was sollīs, es ist nicht hier, es ist weit weg
Und auch wennīs traurig ist:
Es erfüllt doch sicher einen Zweck.
Die Toten zählt man irgendwann, na und?
Der Sieger, und nur der zählt, ist meistens auch gesund.
Mögen Narren noch an Ehre glauben, an Volk und Vaterland:
Es geht doch nur umīs Geld, das weiß ein jeder mit Verstand.
Die Leichen deckt alsbald die Erde zu,
Und teilt man dann die Beute, hat schnell auch das Gewissen Ruhī.
Ach, "edler Krieger", such nur den Weg ins schöne Jenseits,
Einsam stirbt sichīs schlecht, so reist du nicht alleine, die Unschuldigen wissen es bereits.
Sie leiden und sterben, als wärīs seit Ewigkeiten vorbestimmt.
Wenn nicht der Krieg, dann istīs das Alter, das das Leben nimmt.
Ekelhaft sind Macht, Gier, Religion und Überheblichkeit.
Verderben werden wir daran, bald ist es so weit.
Ach, soll doch Krieg sein, ich kannīs nicht mehr hören.
Lasst doch die Idioten Kriege führen, und euch selbst nicht daran stören...
Und weil es so schön war:
Eine weitere Version, diesmal ein
Nach-Kriegslied
's war Krieg! 's war Krieg!
Der Sieger war bestimmt mit Gott verschworen,
's war leider(?) Krieg - und der Schwächere hat verloren.
Niemand wird in einigen Jahren, wenn alles schon vergessen ist
Noch Fragen stellen, wie: "Was sollte denn der ganze Mist?"
Wer noch am Leben ist, der darf sich freuen,
Wer auf den falschen Sieger setzte, der wird es bestimmt bereuen!
Und Moralisten jammern, der Mensch sei doch gar wüst und wild!
Seid nicht so streng! Ist er nicht Gottes Ebenbild?
Und fragt man nach der Zukunft, dann werden Phantasien munter.
Wir kennen das doch schon: Besatzung erst, dann Wirtschaftswunder.
Und was ist mit den Krüppeln und den Opfern, die noch bleiben?
Sie werden sich in Krankenhäusern und Legenden ihre Zeit vertreiben.
Und gabīs mal einen schrecklichen Tyrannen?
In hundert Jahren ist selbst die Erinnerung daran von dannen.
Was bleibt, ist übel und gar nicht erbaulich:
Der Krieg, er kam und ging, und so beschaulich
Wie ein Bild von einem ruhigen See erscheint,
An dessen Ufer die Witwe eines Ertrunkīnen weint,
So erinnert man sich an ihn irgendwann,
Sofern man das noch kann.
Und niemand weiß, warum es denn einmal so weit kommen musste.
Und in den Schulbüchern steht etwas über die Verluste.
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