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"Er ist sicher ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn"

George Bush Senior

 

 

Krokodilstränen für einen Diktator

Bald soll es im Irak mal wieder richtig krachen. Bald werden wir wieder Bilder sehen, fast wie in den Action-Spektakeln aus Hollywood. Aber nicht nur das erinnert mich an die Traumfabrik Nr. 1: Wenn ich mir so ansehe, was im letzten halben Jahr für Vorbereitungen getroffen wurden, dann erinnert mich das an einen dieser Gangsterfilme, wo ein Verdächtiger, ein guter Polizist und ein böser Polizist in einem abgedunkelten Raum sitzen, und die "Wahrheitsfindung" gnadenlos am Werk ist.

Der Verdächtige ist natürlich der Schurke, das wissen die Zuschauer von Anfang an. Er bemüht sich aber, sich als unschuldig darzustellen, denn das ist sein Job. Der gute Polizist, wenn er denn so ist, wie er sich darstellt, bemüht sich, alles nach den Spielregeln laufen zu lassen, obwohl er die (durch seine lange Erfahrung im täglichen Polizeidienst) inzwischen auch nicht mehr so großartig findet. Der böse Polizist ist von den Verstellungskünsten der Schurken schon so entnervt, dass er am liebsten allen, die ihm über den Weg laufen, in den Arsch treten würde. Zum Glück ist sein Partner der gute Polizist... Aber der hat leider auch mal seine beamtenrechtlich zugesicherte Pinkelpause (oder er tut nur so, um seinem bösen Kollegen die Arbeit zu erleichtern), und dann ist der böse Polizist mit dem Schurken alleine im Büro. Na, was passiert dann wohl? Richtig, der böse Polizist zeigt dem Schurken, was Sache ist, der Schurke unterschreibt sein Geständnis (mit ein paar blauen Flecken, aber wen stört das schon?), wandert in den Knast, und ein paar Tage später findet man dann den endgültigen Beweis für die Schuld des Schurken, und man bedankt sich bei dem bösen Polizisten - denn ohne seine lockere Auslegung der Dienstvorschriften würde der Schurke jetzt noch frei herumlaufen. Man stelle sich vor, dass in diesem Stadium der Handlung die potentiellen Opfer des Schurken für seine Freilassung demonstrieren würden...

Aber die große Politik ist kein Film. Der Schurke weiß, wie er sich in Szene setzen muss, um als unschuldiges Opfer dazustehen. Und selbst wenn man das durchschaut, da gibt es immer noch die armen Zivilisten, die zufällig im selben Land wohnen wie der Schurke. Damit sie in Zukunft friedlich weiterleben können, sollen dem Schurken alle Sünden vergeben werden, und der böse Weltpolizist USA soll gefälligst Ruhe geben. Die "guten Polizisten" (Deutschland, Frankreich, Russland) bemühen sich, einen "eigenen Weg" zu finden, obwohl sie den Pappenheimer gut kennen - hat man dorthin doch alles geliefert, um dem Schurken Saddam die Produktion von Massenvernichtungswaffen zu ermöglichen. Oh weh, wenn das ´rauskommt! Aber auch der "böse Polizist" könnte sich gewaltig blamieren, denn auch hier wurde - so lange der Schurke vor Ort die Drecksarbeit gemacht hat - kräftig mit allen möglichen Arten von Kriegsspielzeug gehandelt. Die Polizisten, ob gut oder böse, hatten also mit dem Schurken einige krumme Geschäfte am laufen, und das hängt man nicht an die große Glocke.

Was ist mit der Solidarität der Polizisten untereinander? Wo bleibt der vielbeschworene Korpsgeist?

Sagen wir mal so: Jeder Polizist ist erst mal froh, wenn ein Schurke den Löffel abgibt. Da gibt es keine Hemmungen, der Schurke muss weg, und wenn er weg ist, freut man sich, vielleicht heimlich, aber man tut es. Und wer weiß, vielleicht wissen die guten Polizisten ja auch, was sie tun, wenn sie ihren bösen Kollegen öffentlich kritisieren, ihm aber insgeheim Recht geben - ich meine, natürlich nur im Film! Politik ist ja schließlich etwas ganz Anderes!

Die Nachbarn des Schurken sind übrigens auch nicht so begeistert von dessen Gegenwart. Natürlich, man lebt in der selben Gegend, aber - auch das wissen wir aus vielen Gangsterfilmen - den meisten Ärger haben die Schurken immer untereinander. Man könnte fast sagen: Schurken und Polizisten sind einander sehr ähnlich. Beide wollen möglichst schnell zum Ziel kommen und möglichst lange im Geschäft bleiben. Und mancher modebewusste Polizist kauft in den selben Geschäften ein wie der modebewusste Schurke. Da hat sich seit Al Capones Zeiten wenig geändert. Trotzdem, bei allen Ähnlichkeiten zwischen Polizisten und Schurken, oder auch zwischen den Guten und den Bösen, sollte man sich hüten, für beide die gleichen Maßstäbe zu fordern. Wer zu den Guten gehört, der darf auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Der Tisch kann nichts dafür, aber wir mögen es... Im Film. Bitte keine Mißverständnisse.

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