Die Deutschen lieben ihre Politiker. Und ganz besonders lieben sie einen ganz speziellen Politiker. Das DDM fragt sich: Warum eigentlich?
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"Politik ist die Kunst des Möglichen" Bismarck |
Joschka Fischer, deutschlands beliebtester Politiker, hat sich in den Letzten Tagen des Jahres 2002 etwas geradezu Unglaubliches geleistet.
Joschka Fischer, deutschlands beliebtester Politiker, hat laut und öffentlich gesagt, dass Deutschland im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen FÜR einen Krieg gegen den Irak stimmen könnte. Und wenn auch später wieder kräftig zurückgerudert wurde (im Moment ist der Pazifismus gerade wieder "in"), vergessen wird das so schnell nicht. Denn Joschka Fischer, deutschlands beliebtester Politiker (keine Angst, diese Formulierung wird noch öfter kommen!), hat damit wohl endgültig bewiesen, dass er der größte Wendehals unter deutschlands Politikern ist. Kein Ex-DDR-Parteibonze könnte sich so wandeln wie Joschka Fischer, deutschlands beliebtester Politiker.
Die meisten Deutschen kennen ihn eigentlich gar nicht, den guten Joschka Fischer, deutschlands beliebtesten Politiker, sonst wäre er nicht Joschka Fischer, deutschlands beliebtester Politiker. (Ich weiß, es nervt, aber es muss sein! Über den Schmerz kommt die Läuterung!)
Deshalb kommt hier etwas Biographisches über Joschka Fischer, deutschlands beliebtesten Politiker:
Als alter Straßenkämpfer kam er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Nötigung, Körperverletzung (na gut, er hat nur Polizisten zusammengeschlagen, das ist verzeihlich, oder?), Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gehören zu seiner Vergangenheit. Unter anderem wurde in seinem Wagen die Waffe gefunden, mit der der Bankier Ponto ermordert wurde. Er gibt das zu und behauptet, dass er lediglich die "Herren" der RAF gefahren habe und die Waffe für sie transportiert habe. Dann ist ja alles halb so schlimm!
Man kann auch immer wieder lesen, dass Joschka Fischer während seiner Zeit als Straßenkämpfer Bücher gestohlen haben soll (das könnte man fast schon sympathisch finden...). Er hat es jedenfalls nie abgestritten.
Ganz anders sieht die Sache mit dem Molotov-Cocktail aus, den er auf ein Polizeiauto geworfen haben soll, was bei einem Polizisten zu lebensgefährlichen Verbrennungen geführt hat. Hier gibt es weder eine eindeutige Entlastung, noch eindeutig belastendes Material. Die Zeugen, die ihn gesehen haben wollen, sind sich nicht sicher, denn damals ging ein Straßenkämpfer, der auf sich hält, nicht unvermummt. Da Herr Fischer aber - siehe oben - in seiner "wilden Zeit" einige Vorstrafen gesammelt hat, sollte man ihm das durchaus zutrauen. Eine neuerliche Untersuchung zu diesem Thema verlief im Sande, denn ganz plötzlich tauchten Entlastungszeugen auf, die fast 25 Jahre geschwiegen haben und sich - oh Wunder! - auf einmal wieder ganz genau erinnert haben, was der gute Joschka damals NICHT getan hat. Nein, das soll überhaupt nichts heißen, es ist nur eine Feststellung.
Etwas anders sieht da schon der Besuch eines "Ferienlagers" in Algier aus. Ja, das waren noch Zeiten: Algier, Ende Dezember 1969, Joschka Fischer auf der Palästina - Solidaritätskonferenz. Fatah-Führer Arafat fordert den Kampf gegen Israel bis zum Endsieg. (ENDSIEG, was für ein Wort - da sollte ein guter linker Deutscher doch Amok laufen!) Der Delegierte des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) Joschka Fischer, hebt die Faust zum Gruß.
Gefragt, was er sich damals dabei gedacht hat, sagte Fischer: "Ich habe in meinem Leben weiß Gott schon viele Dinge gemacht, für die ich mich zu entschuldigen habe. Dafür habe ich mich entschuldigt. Aber auf der anderen Seite sage ich Ihnen, so wie ich bin, bin ich nur weil meine Biographie so ist wie sie ist; und das will ich nicht ändern."
Ach so ist das! Ein Al Capone hätte an solchen Äußerungen seine Freude gehabt...
Überhaupt waren die SDS-Tage des Herrn Fischer sehr bewegt: Sein alter Kumpel Daniel Cohn-Bendit träumte von einer Revolution, und Gewalt (bis hin zu Mord) war in diesen Zeiten bei Joschka und Daniel ein Lieblingsthema. Bomben basteln & Bonzen ermorden, die einzig wahre Freizeitbeschäftigung für den korrekten Linken der damaligen Zeit - und Joschka gehörte dazu.
Irgendwann passierte es dann tatsächlich: 1977 wurde Hanns Martin Schleyer entführt und schließlich auch ermordet. Da ging eine seltsame Wandlung mit dem einst so gewaltbereiten Joschka vor: Er wurde der reinste Friedensengel. So sollen wir es jedenfalls glauben. Ich denke eher, Joschka wurde damals klar, dass man den Staat SO nicht besiegen kann. SO nicht - aber anders. Und so gründeten Joschka und viele seiner ehemaligen Kampfgenossen eine Partei, die unter dem Deckmantel des Umweltschutzes steinzeit-kommunistisches Gedankengut unter die Leute brachte. Mit dabei waren natürlich auch der gute, alte Hosenschlitz-Daniel, der Terroristenanwalt "Das-wird-Folgen-haben"-Schily und sein Gehilfe, der heute so gewissenhafte Herr Ströbele, der im Verdacht steht, Waffen in die JVA Stammheim geschmuggelt zu haben. Aber das sind alles Geschichten von gestern...
Ein Sinneswandel wie bei Joschka Fischer kann natürlich auch Vorteile haben. Wir sollten das mal ganz praktisch sehen: Als Bundesminister hat man finanziell ausgesorgt. Ein Häuschen kann man sich jetzt auch leisten, und zwar ganz legal - so nach dem Motto "besitzen statt besetzen". Für jemanden, der früher einmal zur "Eigentum ist Diebstahl"-Fraktion gehört hat, wirklich ein erstaunlicher Sinneswandel. Und das Verhältnis zu den Kapitalisten hat sich auch geändert. Dafür gibt es dann auch mal einen Ehrendoktor, den man gerne annimmt, obwohl er doch von den bösen, zionistischen Weltunterdrückern kommt, die den armen, kleinen Joschka schon als frankfurter Hausbesitzer geärgert haben. Dabei wollte der gute Joschka doch nur die bösen Spekulanten daran hindern, schöne alte Häuser abzureißen. So edle Motive, und was wurde daraus?
Nach all diesen Sünden von gestern verwundert die Doppelzüngigkeit unseres Außenministers auch in der heutigen Zeit nicht besonders, dazu ein Zitat und eine Meldung:
"Für mich gibt es zwei Konsequenzen aus der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts: Nie wieder Krieg! Und: Nie wieder Auschwitz! Das eine heißt, dass Deutschland nie wieder andere Völker überfallen und unterdrücken darf. Und: Nie wieder Auschwitz! ist die historische Mahnung, einen Völkermord oder eine Politik, die dorthin führt, nicht zu akzeptieren."
Ein Zitat von Joschka Fischer aus politisch seriösen Zeiten. (1999)
Aber wie sieht es wirklich aus? Nie wieder Krieg, das können wir seit Bundeswehr-Einsätzen im Ausland wohl vergessen. Und nie wieder Auschwitz? Mal sehen, was dem guten Joschka dazu noch einfällt. So edel, wie man sich darstellt, ist man wohl nie in der Politik. Das weiß auch ein "Rächer der Enterbten" wie Joschka Fischer. Dazu gibt es eine lustige, kleine Anekdote:
Am 12. August 1999 konnte man in der Sendung Monitor Interessantes erfahren: Sie berichtete, dass der deutsche Außenminister Joschka Fischer in einem Gerichtsprozess in New Jersey massiv zugunsten des beklagten Konzerns Degussa Partei ergriffen hat. Degussa, Frankfurt, das böse Kapital - alles frühere Erzfeinde von Joschka Fischer. Und jetzt? Na ja. Kein Herz mehr für ehemalige Zwangsarbeiter? Ach, Joschka, etwas weniger Pathos, etwas mehr Vernunft, und schon wäre alles ganz einfach.
Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an die Zustände im Bundestag, als Gerhard Schröder, unser wirklich einmaliger jetzt-noch-Kanzler, die Vertrauensfrage mit dem Afghanistan-Einsatz verbunden hat. Da gab es natürlich einige "Ewig-Gestrige", Pazifisten aus der grünen Ecke, die nicht gewusst haben, wie Politik eigentlich funktioniert. Sie hätten sich an Joschka Fischer ein Beispiel nehmen sollen. Der tönte einige Wochen später in einer Talkshow: "Die Grünen waren die einzige Partei, bei der vorher darüber geredet wurde..." - Vorher über eine Sache Reden, bei der man das Ergebnis schon kennt? Ach Herr Fischer! Das ist doch nichts Neues, das gab es schon bei Lenin, Stalin & Co. Wissen Sie eigentlich, wie lächerlich Sie sich mit solchen Sprüchen machen?
Und natürlich stellt sich die Frage, was diese Geschichte mit Silke Maier-Witt sollte. Ja, Herr Fischer, eine Freundin aus der guten, alten Zeit, die man nicht vergessen hat. Kaum war die (Ex?-) Terroristin Silke Maier-Witt aus dem Kanst, schusterte Joschka ihr einen guten Job zu: Sie wurde Friedensstifterin im Kosovo. All diese "zum Besseren gewandelten" Ex-Kriminellen, die heute in Parlament und Regierung sitzen, wird es nicht stören. Und die Wähler? Die stört doch gar nichts mehr, so wie es aussieht!
Zum Schluss noch eine Frage.
Was würde eigentlich Joschka Fischer, der Krawallmacher und Straßenkämpfer der 70er Jahre, mit Joschka Fischer, deutschlands beliebtestem Politiker im Jahre 2002, anstellen, wenn die beiden sich zufällig irgendwo treffen könnten? Richtig, Joschka der Jüngere würde Joschka dem Älteren eine in die Fresse hauen! Und das hätte der auch verdient!
Aber wie auch immer: Joschka Fischer hat mit seinen aktuellen Äußerungen zum Thema Krieg gegen den Irak seine Wandlung vollendet. Wenn es überhaupt eine Wandlung gab, wie hat die ausgesehen?
Er hat sich wirklich großartig entwickelt, vom friedensbewegten Hausbesetzer und Straßenkämpfer, der gnadenlos allen in den Arsch tritt, die gegen die hohen Ideale der Menschlichkeit sind, bis zum Außenminister, der gnadenlos allen in den Arsch treten lässt, die nicht in Joschkas heile Welt passen wollen. Von Joschka, dem gewaltbereiten Friedensaktivisten, zu Joschka, dem Außenminister, der Gewalt für notwendig hält. (Und wenn man nebenbei eine Wahl mit friedensbewegten Sprüchen gewinnen kann - wen störtīs? SO funktioniert Politik!)
Und alle, die jetzt glauben, dass ein Mensch sich WIRKLICH ZUM BESSEREN ändern kann, möchte ich mal fragen, ob sie sich Jürgen Schneider als Finanzminister vorstellen könnten. Oder wie wäre es mit Dieter Bohlen als Bildungsminister? Oder, um mal ganz geschmacklos zu sein, Adolf Hitler Junior (wenn es ihn geben würde) als Bundespräsident?
Eine solche Regierung hätte einen riesigen Vorteil: Joschka Fischer würde perfekt hineinpassen!
Gute Nacht, Deutschland. Und gute Nacht, Joschka!