Liebe Landsleute!
Das Jahr 2003 war so grauenhaft, dass ich aus Gründen des Leserschutzes diesmal auf einen ausführlichen Jahresrückblick verzichte. Wir alle erinnern uns sowieso voller Entsetzen an die schrecklichen Ereignisse, die niemand mehr ungeschehen machen kann. Wozu noch einen sensationslüsternen Rückblick riskieren?
Wir erinnern uns an ein Jahr des Krieges.
George Bush (an dem kommt man nun mal nicht vorbei) mag Saddam Hussein nicht, und deswegen (und wegen dem Öl, und wegen was auch immer) wird der Irak "überfallen". Ah, so einfach ist das? Ja, so einfach ist Politik. Das sagen jedenfalls die großen Profis unter den Bestseller-Autoren, die uns z.B. schon mit "allen Wahrheiten" zum 11. September gefüttert haben. Und süchtig nach Anti-Amerikanismus gemacht, wie wir nun mal sind, schreien wir nach mehr. Manchen Verwirrten reicht es nicht aus, zu schreien, sie sammeln (unter dem Dach der Friedensbewegung) Geld für Terroristen, die im Irak amerikanische Soldaten umbringen sollen. Ein kleiner Beitrag für den Weltfrieden von denen, die schwach sind im Geiste.
Liest man die Machwerke dieser "Friedensaktivisten", zeigt sich mal wieder deutlich, was die Anti-Amerikaner bewegt und wo ihre geistige Heimat ist. Hier findet man:
1. Alt-Nazis, die es nicht verkraften können, dass ihr geliebter Adolf den Krieg nicht gewonnen hat.
2. Alt-Linke, die es nicht verkraften können, dass der Kommunismus in der Praxis versagt hat.
3. Anhänger einer fanatischen Religion (Islam), die einer anderen fanatischen Religion (Christentum) die "Sünden" vorhält, die sie selbst gerne begangen hätten.
4. Kleine Kinder, die gerne an Märchen glauben (heute nennt man das wohl Verschwörungstheorien).
5. Große Kinder, die sich diese Verschwörungstheorien ausdenken - um Geld zu verdienen, um zu zeigen, wie "intelligent" sie sind, oder einfach nur so, wozu braucht man heute noch Gründe...
6. Friedensbewegte, die am liebsten jeden Nicht-Gleichgesinnten in Stücke hacken würden.
7. Nette Menschen, die den ganzen Tag Toleranz für jede Idiotie und jede Perversion von Anderen einfordern, selbst aber keinen Millimeter von ihrer eigenen, kläglichen Ideologie abweichen.
8. Mitläufer, die sich wahrscheinlich nur dann gut fühlen können, wenn sie den anderen Amerika-Hassern zeigen können, wie gut sie die dummen Sprüche ihrer "Lehrmeister" wiederholen können.
9. "Große Philosophen", die alles wissen und alles können - oder das, was sie selbst für ALLES halten. Das wird dafür aber jeden Tag neu öffentlichkeitswirksam breitgetreten, damit wir alle sehen, wieviel "Hintergrundwissen" diese Leute haben.
10. Einfach nur Idioten.
Das war die Top Ten der USA-Hasser, und wir dürfen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: Es werden immer mehr... Aber irgendwann werden sie neue Objekte des Hasses finden. Hassen ist gut, das weiß ein aufrechter Friedensfanatiker besser als jeder andere Mensch auf der Welt. Leute, wenn ihr wüsstet, wie sehr eure Vorbilder (die heute teilweise in der Regierung sitzen) über euch lachen! Aber macht euch nur weiter zu nützlichen Idioten für gewisse nutzlose Idioten.
Wir erinnern uns an ein Jahr der politischen Grausamkeiten. Nicht nur außen, sondern auch innen. Aber Politik ist nun mal grausam, und das Innerste wird gar nicht oft genug nach außen gekehrt. (Was ist eigentlich das Innerste von einem Politiker? Das wollen wir doch gar nicht wissen!)
Joschka Fischer, der beliebteste Politiker aller Zeiten, der joggende Rattenfänger mit dem ewig verkniffenen Gesicht, war auch 2003 beliebt wie eh und je. Da stimmt doch etwas nicht! Aber bleiben wir doch mal bei seiner Partei: Hätte man vor 20 Jahren den Grünen erzählt, dass sie eines Tages an der Bundesregierung beteiligt sind, hätten sie sich bestimmt sehr gefreut. Hätte man ihnen aber erzählt, dass sie
DANN hätten die Grünen sich damals schnellstmöglich aufgelöst. Aber zum Glück für alle Betroffenen kennt keiner die Zukunft, auch nicht der Wähler, der sich immer wieder bereitwillig verarschen läßt.
Die SPD, die Partei der Arbeiter, der sozialen Gerechtigkeit und des Fortschritts, machte 2003 auch keine gute Figur. Die Arbeiter kann man als Zielgruppe sowieso bald vergessen. WO gibt es in Deutschland noch Arbeiter? Bei der Arbeitslosigkeit käme selbst eine traditionsbesessene SPD irgendwann nur noch auf 10% bei den Wahlen. Glücklich ist, wer vergisst, wo er hergekommen ist. Und die SPD wendet sich nun hoffnungsvoll der neuen Zielgruppe zu. Nur - wer soll das sein? Analphabeten, die gleichzeitig auch noch unter Rechenschwäche leiden? Reformgläubige Schlechtverdiener ohne Lebensplanung? Fabrikanten von Lügenbeuteln? Und dann erst der Fortschritt! Man sollte nicht alles so schlecht reden: Bei uns in Deutschland gibt es enorme Fortschritte. Z.B. bei der Staatsverschuldung. Oder bei der Kapitalflucht. Oder bei der Demontage von rechtsstaatlichen Errungenschaften. Oder auch bei den Politikergehältern. Wer sich solche Fortschritte leisten kann, der mag natürlich nichts mehr in die Bildung investieren. Und so werden wir anno 2010 ein Volk von ungebildeten armen Schluckern sein, die König Gerd und Hofschranze Joschka auf ewig zujubeln, wenn er, Schokoladentaler schmeißend, bei der Pleite-Parade durch Berlin zieht. Oh wie schön ist Deutschland! (Es wird aber bestimmt noch viel schöner! Dafür sorgen unsere professionellen Neidhammel und Planwirtschaftsfreunde in der Regierung schon... Es sei denn, wir würden sie abwählen. Aber wie geht das?)
Von Guido Westerwelle bis Ronald Schill wurden wir mit dummen Sprüchen eingedeckt, so dass die Worthülsen gar nicht schnell genug aus den Sprachrohren der Unvernunft entfernt werden konnten. Jürgen Möllemann ging wenigstens noch mit persönlichem guten Beispiel voran, als er seinen Absturz vollendete. Andere Prominente waren da nicht so konsequent: Michel Friedman, sein Lieblingsfeind, erinnerte sich erst an seine Sünden, als jeder Bild-Zeitungs-Leser darüber besser bescheid wußte als er selbst. Überhaupt, die Prominenten in diesem Jahr (oder sollte ich sagen: Dieses Jahres?) waren eine Zumutung! Dieter Bohlen schrieb ein zweites Buch (oder ließ es schreiben - wen interessiertīs?), und er drohte mit noch mehr Büchern! Bei Edding wird man sich darüber freuen, aber sonst? Aber es war nicht nur Dieter Bohlen, der unter die Literaten ging, nein, ganz Deutschland droht in einer Bücherflut unterzugehen. Jeder (Ex- Möchtegern- 5-Minuten- und ganz und gar Un-) Prominente griff zu Ghostwriter und Talkshow, um sein langweiliges Leben einer noch langweiligeren Kundschaft zu präsentieren. In solchen Zeiten wirkt der 5382377904. Teil von Harry Potter wie ein kultureller Donnerschlag, der uns den Weg in Richtung einer besseren Welt weist. Davon sind wir momentan aber noch weit entfernt.
2003 war auch das Jahr, in dem wir gründlich desillusioniert wurden. So ziemlich am Ende des Jahres wurde Saddam Hussein gefangen. Angeblich war er aber gar nicht Saddam Hussein. Wir haben genug Spezialisten, die es ganz genau wissen. Sie wissen schon, wen ich meine. Die Leute, die alles wissen und dann Bücher darüber schreiben. Aber wenn es nicht Saddam war, wer dann? Ich sage: Es war der Weihnachtsmann. Und weil der Weihnachtsmann verhaftet wurde, ächzte und stöhnte der deutsche Einzelhandel ob des schlechten Weihnachtsgeschäfts. Es kann gar nicht anders gewesen sein! Also, liebe Amerikaner. Lasst bitte den Weihnachtsmann wieder laufen, und setzt ihn am besten als neuen Präsidenten im Irak ein. Welches Land hätte nicht gerne den Weihnachtsmann als Präsidenten? Und was für wundervolle Sachen könnte er seinen Untertanen schenken... (Jetzt wirdīs geschmacklos! Zumal im irakischen Sand bestimmt noch viele unentdeckte Päckchen liegen, sozusagen Chemie-Baukästen und Inneneinrichtungen für Folterstudios. Und nur der Weihnachtsmann weiß, für wen die Päckchen sind. Oh, Du Fröhliche...)
Weitere geplatzte Illusionen betrafen die Steuerreform unserer rot-grünen Volksbeglücker. Wir wollen aber wenigstens die große Leistung anerkennen, eine offensichtliche Lüge der Politik schon vor deren Realisierung als solche zu erkennen. Wenn das so weitergeht, fallen wir bald auf keinen Schwindel mehr herein! Ob wir dann aber glücklicher sind?
Na, und was wäre das für ein improvisierter Jahresrückblick, wenn ich unseren Verkehrsminister und seine ewig danebengehenden Maut-scheleien mit zwei namhaften deutschen Großkonzernen nicht erwähnen würde! Der erfolgreichste Stasi-Spitzel aller Zeiten, mit einem Aussitzvermögen, dass sogar einen Helmut Kohl neidisch gemacht hätte. (Wir wollen nicht vergessen: Kohls Hintern ist deutlich breiter als der von Stolpe. Und ein breiter Hintern ist des Ministers bester Freund, er klebt gut am Sessel und absorbiert manch kräftigen Tritt, dessen kinetische Energie ansonsten das Rückgrat entlanggewandert wäre und - im Gehirn angekommen - das schlafende Gewissen geweckt hätte. Also: Ein Hoch auf den Politiker-Hintern!)
Ach ja, bei "Hintern" muss ich auch gleich an Herrn Gerster denken. Gut, er hat eine undankbare Aufgabe: Er muss aus einer Anstalt eine Agentur machen. Wie soll das bitte funktionieren? Nehmen wir mal als Beispiel eine Irrenanstalt: Man stelle sich vor, eines Tages käme einer, der sie in eine Irren-Agentur umwandeln sollte. Wohin mit all den Irren? Einfach so vermitteln und sie damit verschwinden lassen? Oder den "Umbau" eher praktisch angehen (erst mal ein Nobel-Büro für den Herrn Direktor, dann neue Dienstwagen, dann Verträge über notwendige Therapien an möglichst viele allwissende Doktoren abgeben...) - ja, was denn nun? Das neue Jahr wird es zeigen!
Was ich überhaupt nicht erwähnen kann und will, sind die vielen Naturkatastrophen, von Waldbränden bis hin zu Erdbeben.
Die einzige Frage, die sich mir jetzt noch stellt, ist: WIE kann man so ein grauenhaftes Jahr überleben? Nur mit gutem Humor. Und auch da gibt es eine Katastrophe von ungeahnten Ausmaßen: Harald Schmidt hörte 2003 auf. Keine Harald-Schmidt-Show mehr auf Sat1. Als ich das hörte, war mein erster, spontaner Gedanke: "Jetzt hängt alles an mir!"
(Nebenbei bemerkt: Auch der Tod von Johnny Cash hat nicht gerade zur Besserung meiner Laune beigetragen.)
Dafür bleiben uns die platten Sprücheklopfer erhalten, die uns schon immer unsäglich nervten: Unsere Politiker, oder auch die ewig schwafelnden Herren Kerner und Pilawa, Restposten aus dem Altersfond der Privatsender. Wer da nichts mehr taugt, wird zu den Öffentlich-Rechtlichen entsorgt - sozusagen als Strafe für alle, die ihre Gebühren nicht zahlen und trotzdem ARD und ZDF sehen. Von A-Z nur Ärger und Probleme, das war 2003.
Liebe Landsleute, das war also meine improvisierte Rede zum neuen Jahr. Ein neues Jahr ist doch immer ein Grund zur Freude, für das DDM sowieso, und für den Rest der Welt vielleicht auch. Noch ein kleiner Tip: Diese Rede können Sie vielleicht irgendwann im Fernsehen genießen, z.B. dann, wenn ich plötzlich und unerwartet zum Bundespräsidenten gewählt werde.
Bis nächstes Jahr...
Ihr Herausgeber.