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Kennen Sie AOL?

In diesem Beitrag ist von AOL-Scouts die Rede. Zum besseren Verständnis: Diese Leute sind keine AOL-Mitarbeiter, sondern ganz normale Kunden, die lediglich eine spezielle Software besitzen, um z.B. in den hier erwähnten Boards "für Ordnung zu sorgen".

Jeder, der mindestens 3 Monate AOL-Kunde ist, kann Scout werden. Er muss mindestens 10 Stunden im Monat für AOL arbeiten, dafür darf er AOL umsonst benutzen.

Es ist kein Geheimnis: Ich bin AOL-Kunde. Ich mag AOL. Es ist alles irgendwie schön an einem Platz, Mail, Fax, SMS, und der Komfort entscheidet schließlich bei der Wahl des Internet-Anbieters. Ab und zu funktioniert AOL nicht, aber das ist immer und überall so, also bitte keine überflüssige Meckerei. Neben den wirklich erstklassigen redaktionellen Angeboten aus den Bereichen Nachrichten, Computer, Sport usw. bietet AOL seinen Kunden noch eine wirklich einmalige Gelegenheit zum Gedankenaustausch: Die sogenannten Boards. Da kann man über alles Mögliche diskutieren...

Oder auch nicht. Denn damit wir, die dummen, kleinen AOL-Kunden uns in all den Angeboten und Möglichkeiten nicht verlaufen, gibt es die Scouts.

Es handelt sich bei diesen honorigen Personen um freiwillige Helfer, die dafür sorgen, dass wir, die Kunden, beim "Meinung sagen" auch immer schön die Spielregeln einhalten. Dazu gehört, dass man sich z.B. nicht gegenseitig beleidigen darf, aber auch, dass man immer schön beim Thema von dem speziellen Board bleibt, in dem man seine Meinung sagt. Selbstverständlich darf man auch keine strafbaren Inhalte in die heiligen AOL-Boards einbringen, besonders Rechtsradikalismus ist ganz, ganz pfui. Man sollte auch, so erklärt uns das AOL, nie versuchen, irgendwo gebrauchte Fernseher aus den 70er Jahren zu verkaufen - ein Insiderwitz.

Schön, wenn man so wundervolle Spielregeln hat. Aber was ist, wenn sich niemand daran hält? Die Beiträge dieser Störenfriede werden von den Scouts regelmäßig gelöscht, damit die braven AOL-Benutzer in Ruhe und Frieden diskutieren können. So weit de Theorie.

Die Herren des Boards schlagen zurück:

FSCT Zombie und FSCT Quark (Die Namen wurden von der Redaktion geändert) löschen, was das Zeug hält. Keine Gnade mit jedem noch so harmlosen Falsch-Beitrag.

Mit jedem?

Lassen wir uns mal überraschen. Denn seltsamerweise werden gerade die ganz falschen Falsch-Beiträge gar nicht gelöscht.

 

Nur zur Information:

Jede Mail in dieser Liste entspricht einem gelöschten Beitrag. Einem Beitrag, der weder gewaltverherrlichend noch politisch radikal war. Was dafür drin bleibt... Siehe unten.

 

Die Praxis sieht aber ganz, ganz übel aus. AOL ist zwar mächtig stolz auf seine Board-Scouts, aber die sind auch nur Menschen. Und Menschen haben gewisse Vorlieben, und diese wiederum können auch politischer Natur sein. So kommt es, dass die Scouts kleinere Beleidigungen schon mal sofort löschen, aber wirklich üble Sachen monatelang drin lassen. Sollte man als Kunde deswegen wagen, die AOL-Götter darauf anzusprechen, bekommt man ihren Zorn zu spüren. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und es darf nicht sein, dass rechtsradikal motivierte Mordaufrufe gegen George Bush (über den man selbstverständlich geteilter Meinung sein kann) fast 6 Wochen in einem Board stehen, während ein halbwegs freundschaftliches "Du Depp" sofort (höchstens nach einem Tag) gelöscht wird. AOL, darauf angesprochen, sagte jedenfalls, dass "solche Dinge" wie hier gezeigt nicht passieren. Seltsam, dass sie eben doch passieren, und dass alles schön deutlich sichtbar war.

Finstere Verschwörungstheorien & plumpe Beleidigungen, aber bitte keine Fakten: So etwas sieht man gerne bei AOL. Man achte auf das Datum der Nachricht und das Datum des Tages. Der Absender wurde unkenntlich gemacht.

Nazi-Vergleiche aus der untersten Schublade, und natürlich das Weltjudentum, das an allem Schuld hat. Dieser Artikel war über zwei Wochen lang in dem speziellen AOL-Board, bevor er gelöscht wurde, leider habe ich ihn nicht jeden Tag davon dokumentieren können. Auch hier wurde der Absender unkenntlich gemacht - wir müssen eben an den Datenschutz denken.

Was schrieb nun AOL, auf diese und andere Fälle von offensichtlicher Geschmacklosigkeit angesprochen?

Als erstes hat man sich verbeten, dass ich die Scouts in Frage stelle. Sie seien immerhin perfekt trainiert und wüssten genau, was sie tun. Dann kamen noch einmal sämtliche AOL-Board-Regeln, gegen die alle von mir beanstandeten und nachweislich wochenlang nicht gelöschten Beiträge verstoßen haben. Und es kam eine "Bedienungsanleitung" für das Board - wo in allen Einzelheiten erklärt wurde, was ich tun soll, um Beiträge zu lesen, die ich vermisse. (Hier war der Fall ja eher umgekehrt!) Meine letzte Beschwerde beantwortete man mit folgenden Worten: "...wie der jeweilige Scout mit Pinboardeinträgen der einzelnen Mitleser verfährt und wer davon eine Kopie bekommt, hat er in Schulungen erfahren und in Anweisungen, die Pinboardpflege betreffend. Deswegen möchten wir Sie bitten, von dieser Art der Beeinflussung Abstand zu nehmen."

Wenn ich nun der Einzige wäre, der sich über Entgleisungen dieser Art in AOL-Boards beschweren würde, dann könnte man sagen, ich wäre nur ein alter Querkopf. Aber es gab viele AOL-Kunden, die mit mir einer Meinung waren, und aus diesem Grund sollte die Sache auch mal öffentlich gemacht werden.

Um es noch einmal klarzustellen: Ich habe nichts gegen amerikanische Präsidenten, AOL, gewisse Scouts oder Leute, die einfach nur etwas verwirrt sind. Es geht mir nur darum, dass es angeblich Regeln gibt - aber keiner will sich an diese Regeln halten. Noch nicht mal die, die für die Einhaltung der Regeln sorgen sollten - offensichtlich mit Rückendeckung von "ganz oben". Und das ist bedenklich.

 

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