Die 'Ghost Mind', wie Elaine Marley's Vater einst das Schiff taufte, war nun in den Weiten der hohen See verschwunden, und befand sich den Koordinaten zufolge irgendwo zwischen Scabb Island und Blood Island. Der Tag hatte nun den Morgen eingeholt und die hitzige Sonne schien auf das Deck des schwarzen Schiffes. In der Sonne glitzerte das Wasser, welches die Schiffsjungen auf dem Deck verteilt hatten um dieses zu schrubben, auch ein Piratenschiff musste ja nicht gerade vor Schmutz triefen.
Elaine studierte die Karte, welche sie auf einem gro�en Ebenholztisch ausgebreitet hatte. Es waren ein paar Messer in diese gestochen worden, um einige Gebiete, Standorte oder der Gleichen zu markieren. Immer wieder fuhr sie mit dem Messer, welches sie in der Hand hielt �ber die Karte und berechnete einen der Wege, welche sie benutzen konnten um auf dem schnellsten Wege nach Blood Island zu gelangen. In der anderen Hand hielt sie eine gl�serne Kugel, welche sie von einen ihrer letzten Kaperung erlangt hatte. Immer wieder schmiss sie diese Kugel ein paar Zentimeter in die Luft und fing sie daraufhin wieder auf.
Als kurzerhand sp�ter jemand in ihre Kaj�te trat, und hinter sich die T�r schloss, hatte Elaine die Glasskugel beinahe fallen lassen, und fing diese so im letzten Moment. Ihr Blick wanderte zu der Person, welche gerade eingetreten war, worauf sie erkannte, das es das M�dchen war, welche ihre Mannschaft entf�hrt hatte. "Sie einer an, wen haben wir denn da?!" Ihre Stimme klang eher weniger �berrascht, sie hatte mehr oder weniger damit gerechnet, vielleicht sogar gehofft, das die junge Frau sich aus ihrer Lage befreien konnte. Elaine schien allerdings weniger begeistert, es war keine anspruchsvolle Aufgabe, allerdings konnte man hier bereits sehen wer f�hig war zu �berleben und wer nicht. Sie spielte dieses Spiel �fters, doch meist �berlebten nur drei von hundert Gefangenen, und diese junge Frau geh�rte zu diesen drein.
"Nun," begann Elaine, "Ihr habt es aus meinem K�fig geschafft, dieses schaffen nicht viele und somit erlangen auch nicht viele ihre Freiheit." Elaine hatte eine kurze Pause gemacht, bevor sie weiter redete, "eigentlich erlangt kaum einer seine Freiheit..." Sie wollte auf eine Tatsache hinaus, welche Piraten meist nachgesagt wurde, -Piraten lassen niemanden einfach so gehen, sie t�ten! Und Elaine wollte die junge Frau auch nicht einfach so Leben lassen, allerdings mit ihr spielen war eines der Dinge welche sie wohl gerne tat. Elaine war nun mal bekannt daf�r das sie mit Menschen spielte, sie qu�lte und somit H�llenqualen erleiden lies. Sie war nun mal ein Pirat, ein geborener.
"Nun komm und setz dich an meinen Tisch," Elaine deutete an eine typische Tafel, welche prachtvoll gedeckt war, voller Speisen und Getr�nke. "Ich versprach Euch mit mir speisen zu k�nnen, und dieses halte ich auch ein, also ich bitte zu Tisch." Elaines hinterlistiges Grinsen war nicht zu �bersehen, w�hrend sie der jungen Frau an einen Platz wies.
Ganz offenbar traute Erin diesem Captain nicht - obgleich sie eine Frau war. Einen besseren Charakter als all die m�nnlichen Piraten von denen sie gelesen und geh�rt hatte, besa� diese Frau wohl kaum, dabei war sie bestimmt nicht viel �lter als die Diebin selbst und schon doch schon so dunkel und kalt. Allerdings hatte diese ganze Haltung und das Auftreten schon etwas an sich, was Erin dazu brachte, ihr nicht allzu frech oder respektlos zu erscheinen oder zu antworten. Bestimmt war die Piratin zu vielem, wenn nicht sogar allem f�hig, um ihr Ziel zu erreichen oder einfach nur Spa� zu haben. Dann aber bestimmt auch nur Spa�, den sonst keiner sah.
Aus eben diesen Gr�nden hielt sich die junge Frau zur�ck, sagte nichts. Antwortete auch nicht auf die erste, nicht ernst gemeinte Frage, blickte ihre Gegen�ber nur abwartend und auch angespannt an. Man konnte nicht behaupten, dass Erin in der besten Position war, um irgendwie Konter zu bieten. Nicht nur, dass sie unbewaffnet war, sicher war sie auch physisch dieser Piratin unterlegen, obwohl sie wusste, etwas Kraft zu besitzen, doch wehren konnte sie sich damit noch lange nicht. Au�erdem wurde das Tavernenm�dchen den Gedanken nicht los, dass jedes Wort, wie eine Drohung klang. Wie auf Schie�pulver, wo nur ein kleiner Funke gen�gte, um es gef�hrlich werden zu lassen.
Wie der Captain dann auf diese voll gedeckte Tafel deutete, r�hrte sich Erin erst nicht. Trotz der Leere in ihrem Magen, �berwiegte das Misstrauen. Sie war sich auch gar nicht so sicher, ob sie mit dieser Frau essen, zusammen an einem Tisch sitzen wollte, als w�re nichts. Als w�re es normal. Das konnte sie nicht. Dieses Grinsen der Piratin machte es auch nicht besser. Ihr verhie� es nichts Gutes. Schlie�lich �berwiegte dennoch der Hunger. Als Erin somit langsam, Schritt f�r Schritt, n�her an den Tisch herantrat, musste sie ihre �berraschung verbergen, was ihr auch gut gelang. Da standen Sachen, die sie vorher noch nie gesehen hatte. Nur Weniges erkannte das M�dchen, welches immerhin in einem Gasthof arbeitete oder gearbeitet hatte, wieder. Nach dem Erreichen des Tisches blieb Erin ja nichts anderes �brig, als sich zu setzen, konnte sie da doch nicht einfach so stehen bleiben. Dennoch r�hrte das Tavernenm�dchen keine der SPeisen oder Getr�nke an. Noch immer hatte sie keinen Ton gesagt, w�sste sie doch eh nicht, was man h�tte sagen sollen. 'Danke' passte ganz bestimmt nicht, auch wenn es der H�flichkeit entsprochen h�tte - in dieser Situation, entf�hrt, getestet und gefangen auf einem schwarzen Schiff mit Piratin an der Spitze, deren Herz sich in diesem wiederzuspiegeln schien.
Elaine betrachtete das M�dchen, diese schien eher zur�ckhaltend, unwissend wie sie mit dieser Situation umzugehen hatte, vielleicht war es genau das, welches Elaine so am�sierte. "Ihr scheint regelrecht hungrig! Ihr habt das Spiel gewonnen, nun isst!" Nun klang es eher als Befehle sie es dem M�dchen, was mehr oder weniger im entdefekt auch so war. Langsam schritt auch Elaine zum Tisch, worauf sie sich am anderen Ende, auf ihrem Platz niedersetzte und zu der jungen Frau am anderen Ende sah. Ihr Blick blieb kalt und unberechenbar.
Elaine hatte die Glasskugel aus ihrer Hand in eine Holzschachtel, welche mit Seide ausgelegt war, fallen lassen. Diese schloss sie nun mit einem leisen Klackern. "Nun, Ihr habt mein erstes Spiel gewonnen, Speis, Trank und ein warmes Bett wie ich es versprach steht Euch nun zu Gunsten. Allerdings solltet Ihr acht geben, denn ich werde Euch nicht vor meinen M�nnern retten, und so wie ich es sehe, werdet Ihr das auch gut alleine schaffen. Was mich allerdings interessiert, wo habt Ihr die Waffe welche ich Euch zu Verf�gung stellte?" Elaine stellte diese Frage nicht aus Interesse ihres Schutzes, sondern brannte ihr viel mehr die Frage, wie die junge Frau diese Waffe anwenden w�rde, und bei wem.
Elaine nahm das Glass, welches mit schwarzem Wein gef�llt war und trank aus diesem. Kurz darauf nahm sie einen blutroten Apfel, welchen sie mit einem spitzen Messer aufspie�te und mit einem weiteren zu sch�len begann. Elaines Blick blieb die ganze Zeit �ber starr auf das M�dchen gerichtet, kein einziges Mal schweifte dieser ab. Erwartungsvoll und mit einem eher wartenden Blick sollte dieser Blick auch nicht mehr von dem M�dchen weichen.
Dass Erin noch immer die Pistole in der Hand hielt oder gehalten hatte, wurde ihr erst wieder bewusst, als sie diese etwas von ihrem Teller entfernt auf den Tisch legte. Sie hasste diese Art Waffen. Sie lie�en einem keine Chance, sich zu wehren, wenn jemand sie verwendete. Da zog sie Messer schon eher vor, nutzte diese jedoch auch nicht gern, nur im Notfall, den er am Morgen eindeutig gegeben hatte. Ein paar der M�nner hatten sp�ren k�nnen, dass sie wusste, damit umzugehen, wenn sie es nur musste. Irgendwie konnte das Tavernenm�dchen jetzt doch recht froh dr�ber sein, dass Kian so darauf bestanden hatte, dass sie sich wenigstens etwas verteidigen konnte. Mit einer Pistole allerdings konnte sie es nicht. Versucht hatten sie und Kian es sicher, aber es nach einigen Versuchen doch lieber sein gelassen.
Vielleicht galt das Weglegen der Pistole ja schon als erste Antwort, doch da sie noch ein stumpfes Messer gehabt hatte, musste siw wohl oder �bel noch etwas sagen. Zu ihrer eigenen �berraschung kamen ihre Worte fest und sicher, ohne einen Hauch von Anspannung oder Angst, welches beides in Erin herrschte. "Das Messer liegt irgendwo unter Deck, vielleicht noch im Schloss." Es war eine knappe Antwort, doch hatte sich das Tavernenm�dchen w�hrenddessen eine Scheibe von dunklem Brot genommen und sich ein St�ck davon zum Essen abgerissen. Ihr Magen lie� sich schnell f�llen. Besonders viel gab es f�r sie am Tag eh nicht zu essen. Nicht, dass Kian sie hungern lie�, er a� auch nicht viel, doch war das Essen eher f�r die Taverneng�ste gedacht und nur wenig zum Eigenbedarf. Dennoch brauchte Erin wenigstens etwas.
Langsam und gesittet a� das M�dchen ihre trockene Brotscheibe, die ihr wahrscheinlich schon fast komplett reichen w�rde. Irgendetwas zu sagen, wagte dieses nicht. Auf Fragen w�rde sie antworten, wenn es welche waren, die sie auch beantworten wollte. Einfache Aufforderung bestimmt befolgen, wie sie es gewohnt war, als junge Frau in einer Stadt. Kian hatte sie so erzogen, damit sie au�erhalb der Taverne, sollte sie mal irgendwo anders arbeiten oder gut verheiratet werden, wusste, sich zu benehmen. Sollte diese Dead Soul aber etwas verlangen, was ihr absolut widerstrebte, k�nnte es Erin nicht einfach so tun. Ganz sicher war sich die 17-J�hrige aber in der Annahme, dass der Capt'n Wege finden w�rde, um sie dazu zu treiben. Drohungen w�rden bestimmt keine bleiben. Auch dessen war sie sich mehr als sicher.
Elaine hatte die Waffe betrachtet, welche Erin in der N�he ihres Tellers abgelegt hatte. Ein zufriedenes L�cheln umspielte ihre Lippen, worauf sie zu der jungen Frau aufsah, allerdings ohne ein Wort an diese zu richten. Elaine sa� nur da, betrachtete Erin beim Essen, doch a� selbst nichts, trank nur ab und zu etwas Wein oder Wasser. Dieses schweigen gefiel Elaine einerseits, anderseits machte es sie wahnsinnig, sie war es nicht gewohnt, dass jemand kaum ein Wort sagte und wenn es doch so gewesen war, hatte Elaine daf�r gesorgt es w�re so ihr Wille gewesen, allerdings sobald sie etwas nicht selbst in der Hand hatte, schien sie sich selbst schwach vorzukommen. Sie wurde zu einer skrupellosen, dominanten Frau erzogen, welche immer das bekam was sie wollte.
Unbewusst hatte Elaine Marley angefangen mit dem Messer zu spielen, welches neben ihrem Teller lag. Immer und immer wieder schliff sie die Klinge des Messers �ber den Rand des Tellers, was als ein widerliches Kratzen auf dem Porzellan wiedergab. Nach einiger Zeit begann Elaine, "Da Ihr Euch aus Eurer Lage befreien konntet, habt Ihr nun die Freiheit nicht in dem K�fig schlafen zu m�ssen, allerdings seid Ihr nicht frei!" Ein herablassendes L�cheln huschte f�r kurze Zeit �ber Elaines Lippen. "Ihr werdet auf diesem prachtvollen Schiff arbeiten, und lasst dieses eine Ehre f�r Euch sein." Dieses sollte ein n�tzlicher Rat an die junge Frau sein, welcher dieser nur zugute kommen w�rde. "Ihr werdet unter meinem Kommando arbeiten, oder das meiner Mannschaft. Tut Ihr dieses nicht, wiederstrebt den Befehlen von mir oder meiner Mannschaft, so werdet Ihr nicht mit dem Tode bestraft!" Dead Soul wollte auf schmerzhafte Qualen hinweisen, doch sprach sie dieses nicht aus. "Nun, Ihr werdet alles bekommen was Ihr zum �berleben braucht, allerdings nur solange Ihr das tut, was ich von Euch verlange," wieder machte Elaine eine kleine Pause bevor sie weiter sprach, "Nun da der Tag noch lang ist, wird es f�r Euch ebenfalls ein langer Tag und am besten Ihr beginnt mit dem Deck, ich werde Euch mit diesem Vertraut machen, sobald Ihr fertig gespeist habt." Elaine hatte das Messer niedergelegt. Nun schien es tats�chlich als w�re sie v�llig unbewaffnet, doch der Schein tr�gt. Elaine trug mehrere Messer und Schusswaffen mit sich, welche sie mit Leichtigkeit und in Windeseile ziehen konnte.
Erin sa� da, nun fast vollkommen reglos, die Augen mit einem leicht emp�rten, aber mehr festen und angriffslustigen Funkeln auf ihre Gegen�ber gerichtet. Woher pl�tzlich dieser Drang, sich zu widersetzen, kam, konnte sie selbst nicht sagen. Zumal es nicht daran lag, dass der Capt'n das Messer beiseite gelegt hatte. Zwar schien Dead Soul nun unbewaffnet, doch glaubte das M�dchen kaum, dass es tats�chlich so war. Irgendwo am K�rper hatte diese Frau bestimmt noch mindestens eine Waffe, auch das Messer war in Reichweite. Die 17-J�hrige dagegen besa� nur die Pistole, aus der sie lieber keine Kugel, diese eine Kugel abfeuern wollte, und ein weiteres Brotmesser, mit dem sie maximal einen kleinen, flachen Schnitt entstehen lassen konnte. Selbst ihr war es nicht verg�nnt, da mehr herauszuholen. Auch wenn Erin davon ausging, dass sie beide unbewaffnet w�ren, h�tte sie wohl kaum den Hauch einer Chance gegen diese selbstbewusste, skrupellose Piratin anzukommen. Das sah man schon. Als Tavernenm�dchen in diesem engen, kurzen Kleid sah man ihr genau an, dass sie nicht wirklich die Kraft hatte gegen auch nur irgendjemanden zu k�mpfen. Schon gar nicht gegen diese kalte Frau am anderen Tischende, welche die Gefangene nicht einfach nur schlagen, pr�geln oder t�ten w�rde. Wahrscheinlicher war es, dass sie gefoltert, der m�nnlichen Mannschaft �berlassen oder, bestimmt auch und, gequ�lt w�rde, bis sich der Wunsch auftat, es sei tats�chlich so - und dar�ber hinaus, bis sie womoglich keinen Schmerz mehr wahrnahm unter all denen, die sie schon h�tte.
All das war Erin klar, als sie sich die Antwort zurechtlegte, wobei sie auch langsam das letzte St�ck von ihrem Brot nahm und die andere Hand nach dem Wasserbecher langte, um es schlie�lich zu ergreifen und dann um einen Schluck zu leeren. Dumm war das M�dchen f�r gew�hnlich keinesfalls, auch wenn es hier in diesem Moment so ausgesehen haben mochte. Sie war klug und wusste immer, was sie tat. Auch dann, wenn es nicht das richtige war. Allerdings fand es Erin f�r sich auch nicht als richtig, so, in diesem Kleid, auf dem Deck zu schuften. Erschwerend kam noch die m�nnliche Besatzung hinzu, die bei ihrem Landgang fr�her am Tag wohl nur sie im Auge und in der Hand gehabt hatte. Da war sie doch nicht so t�richt und lie� sich wie ein Angler seinen Wurm den Fischen, in diesem Fall Haien, ausliefern. Nicht freiwillig w�rde sie an das vor einsamen M�nnern nur so wimmelnde und, zwar von der Sonne beschienene, aber durch den Seewind kalte Deck f�r diese Frau arbeiten.
So antwortete das Tavernenm�dchen schlie�lich nach einigen Momenten des Schweigens wohl nicht gerade auf die sicherste und beste Art und Weise, welche aber einen kleinen Kompromis zulie�. Bisher machte Dead Soul jedoch nicht den Eindruck, auf Krompomisse eingehen zu wollen. "Nun denn, da ich weder in diesem Kleid noch nackt auf dem Deck mit oder unter Eurer Mannschaft zu arbeiten gedenke, werdet Ihr auch bei dem n�chsten Landgang auf Bloody Island, wenn ich mich recht entsinne, wohl die 'Beute' vondieser genauer ansehen m�ssen. Sonst l�uft hier bald noch eine Diebin auf dem Schiff herum und stiftet Unruhe", kam es wirklich sicher und auch ein wenig sarkastisch von der 17-J�hrigen, deren gesunder �berlebenswille sowie der Selbsterhaltungstrieb zusammen mit dem Unterbewusstsein gegen das momentane Verhalten, Auftreten und Denken rebellierten. �u�erlich sah man Erin diesen leichten Anflug der Furcht nicht an, nur die Erwartung und Anspannung gegen�ber der Erwiderung des Capt'ns.
Kaum hatte die junge Frau ihre Meinung ge�u�ert, so kam ein tief b�ses Lachen aus der Kehle von Dead Soul und schien vorerst nicht verstummen zu wollen, bis sie nach einem Messer griff, welches in eines der Brote gesteckt hatte und dieses mit voller Wucht nach dem ungehorsamen M�dchen schmiss. Das Messer hatte das M�dchen nur sehr knapp am Arm verfehlt und landete mit einem dumpfen Knall in der Holzt�re der Kaj�te. Darauf war Elaine mit lauten, tiefen und schweren Schritten auf ihre Gefangene zugesteuert und blieb nur einige Zentimeter von dem Stuhl stehen auf dem das M�dchen sa�.
Ein scharfer, dunkler Blick suchte den Blick von Erin. Schon beinahe drohend sprach Elaine zu dieser, "Wie ich h�re scheint Ihr nicht meinen Befehlen folgen zu wollen, verstehe ich das Richtig, oder haben meine Ohren nur falsches Geschw�tz vernommen!?" Elaine lies sich nichts sagen. Sie hasste es, wenn man ihre Befehle verweigerte oder gar missachtete. Strafe sollte demjenigen zukommen, der sich ihr wiedersetzte, so waren schon viele ihrer Crew ums Leben gekommen, sodass die Mannschaft sich ihr unterwarf wie sie es verlangte.
Ein leichter, kalter Wind pfiff durch die Kaj�te und lies einen Sturm vermuten. Der See konnte man nie Vertrauen. Genaugenommen verglichen einige der Crewmitglieder Elaine mit der See. Diese konnte Rau und hart sein, bis hin zu Leben kosten, dennoch konnte sie auch gn�dig und wundersch�n erscheinen, doch man sollte niemals drauf vertrauen das ein wundersch�ner Sonnenaufgang auch einer blieb.
Das Schiff fing an immer heftiger zu schaukeln, also war nun nicht mehr die Vermutung eines Sturmes sinnvoll, sondern die Feststellung eher relevant. Elaine Marleys Blick blieb hart auf dem von Erins Gesicht kleben und wartete auf eine Antwort.
Wenn Dead Soul die See war, war Erin einer Vulkan. Die meiste Zeit ruhig, zeigte kaum Regung, konnte jedoch gro�en Schaden anrichten, wenn es mal zu einem seltenen Ausbruch kam. Diese Seite, diese Erkenntnis bemerkte Erin jedoch erst jetzt und sehr langsam an sich. Bisher hatte es nur wenige kleine dieser Ausbr�che gegeben, welche nicht weiter erw�hnenswert waren, doch nun zeigte sich eher der Fakt der Regung, welche selbst bei dem pl�tzlichen Wurf des Messers nicht gro�artig zu erkennen war. Wahrscheinlich, da das Tavernenm�dchen auf vieles gefasst war, was Elaine tun k�nnte. In einigen Punkten hoffte sie jedoch trotzdem, sich zu �bersch�tzen und dass selbst diese Frau nicht dazu in der Lage war. Paradoxerweise wusste die 17-J�hrige aber auch, dass ihre Hoffnung da vergebens war und der Captain vor nichts zur�ckschrecken w�rde.
Die Diebin wusste durchaus, dass es kein Gl�ck gewesen war, dass dieses Messer so dicht an ihr vorbeigezischt war. Berechnet, eiskalt. H�tte es sie treffen sollen, h�tte es sein Ziel nicht verfehlt. Get�tet h�tte sie bestimmt nicht einmal ein gezielter Treffer, getroffen, verletzt, aber nicht umgebracht. Daf�r sch�tzte die junge Frau ihre Gegen�ber viel zu grausam ein, als dass sie eine Gefangene einfach nur sterben lassen w�rde. Ob sie sich dar�ber freuen oder �rgern sollte, wusste Erin nicht zu sagen.
Dass sie trotz all dieser Gedanken nicht einen hegte, der ihr sagte, sie solle lieber nachgeben, grenze fast an ein Wunder. Nicht einmal das Messer hatte die Einstellung der Gefangenen der Piratin etwas �ndern k�nnen. Weiterhin befand sich diese auf Konfrontationskurz und schien nicht den Willen zu haben, die Richtung zu �ndern. Niemals. Vielleicht war sie ja k�rperlich schwach oder zumindest schw�cher als die M�nner da drau�en und der Captain hier vor ihr, konnte aber Nerven wie Drahtseile beweisen, wenn man es darauf ankommen lie�. Wie sonst h�tte sie in der Taverne ruhig bleiben oder sich im Notfall verteidigen k�nnen? Zumal Erin auch nicht so war, dass sie alles in sich hineinfra�. Sie sagte, was sie dachte, was hier wohl nicht f�rderlich war, aber ihrer momentanen Einstellung anzumerken.
So erwiderte das M�dchen den Blick von Dead Soul auch direkt und hielt ihm stand. Nicht einmal das wankende Schiff schien der Landratte etwas auszumachen, was jedoch mehr daran liegen mochte, dass sie sa� und daher auch nicht aufstand, sondern nur nach oben zum Captain sah. Das einzige, was st�rte, war der kalte Wind, welcher nicht nur in die Kaj�te eindrang und durch diese hindurchfegte, sondern auch durch Erins sp�rliche Bekleidung, �ber die nackten F��e, Beine und Arme. Das schien aber auch das einzige zu sein, was ihr G�nsehaut bereitete. Auffassen konnte man es nach eigenem Ermessen.
Eine Antwort schuldete die 17-J�hre der Frau vor sich aber auch noch. Entgangen waren dem Tavernenm�dchen Worte und deren Ton ganz bestimmt nicht. Diese waren immerhin mindesten genauso scharf wie ein Messer gewesen. Noch immer ohne eine Regung setzte das M�dchen zu einer Anwort an. "Nun ja, ich halte Euch f�r klug genug, um zwischen Geschw�tz und wahren Worten unterscheiden zu k�nnen", erklang die sichere und feste Stimme Erins in der Kaj�te, jedoch gerade laut genug, dass Dead Soul es wahrnehmen konnte. Es hatte den Anschein, als w�sste die Gefangene nicht, wie viel �rger sie sich damit, mit ihrem Verhalten, wohl gerade selber machte. Doch genauso schien es, als w�re ihr das egal.
Elaine Marley schien sich auf einmal zu am�sieren. Das kleine unschuldige Ding, schien tats�chlich Elaines gr��ter Fang zu sein, man musste diese nur noch bekehren. Auch wen Elaine diese nun weiterhin auf Proben stellen w�rde um heraus zufinden ob Erin wirklich geeignet zu sein schien, so hatte Elaine sich doch schon entschieden. Das Tavernenm�dchen war genau das was Elaine suchte, und zu ihrem Eigen machen wollte. Sie hatte schon viele M�dchen gesehen, doch keines war so wie dieses. Klug, Dead Soul mochte schon beinahe von gerissen reden, denn es war eindeutig, das Erin mehr als nur ein unschuldiges Tavernenm�dchen war, das nur die Stammg�ste der Taverne bedienen konnte. Zumal die Tatsache bestand das diese sich selbst auch noch als Dieben bezeichnete. Nun musste Elaine es nur schaffen, das diese ihr Handwerk zu ihrem Vorteil nutzte und auf Elaines Seite stehen w�rde. Doch Elaine w�re nicht Dead Soul, wenn sie lieb fragen w�rde. Sie bleibt kalt und skrupellos, so w�rde sie Elaine schon mit knallharten Methoden �berzeugen, das diese Elaines Pfad einschlagen sollte.
Nun stelle sich die Frage, ob Erin den Tod scheute oder gar kalt auf diesen Reagierte. Bei Elaine gab es da keine Frage, sie scheute den Tod nicht, nein eher arbeitete sie mit diesem zusammen. Einige behaupteten sogar, dieser w�re ihr st�ndiger Begleiter, denn wo Elaine sich aufhielt, hinterlies sie nur Tod und leiden. Dead Soul wurde ebenso auch von einigen B�rgern als eine der Apokalyptischen Reitern bezeichnet. In ihrer N�he sollte nichts mehr Leben k�nnen, nur die, welche sie pers�nlich erw�hlt hatte an ihrer Seite zu stehen, und so sollte Erin auch an ihrer Seite den Tod bringen.
"Wie es mir scheint, so schreit Ihr f�rmlich nach dem Tode, wie kommt das?� Ein inniger Blick, beinahe voller K�lte, traf das Tavernenm�dchen. Elaine stand v�llig reglos vor dem M�dchen, allerdings arbeitete sie mit allen ihren Sinnen, so konnte sie in sekundenschnelle reagieren, egal auf was, ob es nun ein Angriff war oder einfach nur eine kleine Regung ihrer Gegen�ber.
Dass Erin dem Blick von Dead Soul, der ber�chtigten Piratin auch weiterhin stand hielt, hatte nun viel mehr damit zu tun, dass sie eher �berrascht war, dass sie wohl noch keine Grenze �berschritten hatte, welche die Frau zum �berkochen h�tte bringen k�nnen. Sonst w�ren wahrscheinlich schon Taten gefolgt. Dessen war sich die Diebin sicher. Sie kannte einige Leute, M�nner, die meinten, skrupellos, brutal und kalt zu sein, doch hatte Erin es bei diesen nie gesp�rt. Bei dieser Frau, die so scheinbar ruhig, aber offenbar etwas am�siert, vor ihr stand, tat das Tavernenm�dchen es jedoch sehr genau. �ber die Jahre in dem Leben einer Taverne hatte sie einen Riecher daf�r entwickelt, wie sich Menschen ihr gegen�ber gaben, selbst wenn sie nicht wirklich so sein mochten. Bei nervenschwachen Leuten oder solchen, die sich selten verstellen mussten und es nur kurz taten, bekam Erin auch deren Wesen dahinter mit. Bei der Piratin war das jedoch unm�glich. Au�er diese war wirklich so kalt und gnadenlos, wie ihr der Ruf vorauseilte. Jetzt, wo Erin sie vor sich hatte, machte es eben jenen Anschein.
Das M�dchen selbst war eine dieser Personen, die sich sehr gut in der eigenen Person verstecken konnten. Nat�rlich, sie war mit ihrem siebten Lebensjahr etwas bekehrt und auch anders erzogen worden, doch hatte es davor schon diese Seite gegeben, welche mehr Potenzial hatte, als man vermuten mochte. Das zeigte sich gerade jetzt. Sie selbst begriff es auch jetzt erst wieder. Es hatte nie ein Problem gemacht, jemanden zu bestehlen, kein Gewissensbiss, nicht einmal ein kleines Anzeichen daf�r. Wenn in der Taverne ganz kurz wegen Kian, weil er sich auf sie verlassen und ihr auch das Versprechen abgenommen hatte, dass eben nicht mehr stahl. Ihr war es ja nicht schlecht bei Kian gegangen. Einige mochten meinen, Erin h�tte eine miese Kindheit gehabt. Erst starb die Mutter in einer Taverne, dann nahm der Wirt sie auf und lie� sie als Gegenleistung f�r sich arbeiten, doch so war es nie gewesen. Jeder, der sie l�nger als zwei Sekunden ansah, bemerkte es. es war ihr gut gegangen. Auch wenn Erin immer sehns�chtig zur See geblickt hatte, war ihr doch eine gute Erziehung und das Verst�ndnis f�r sein Leben arbeiten zu m�ssen zugestanden worden. Kian hatte sie auch die zu irgendetwas gedr�ngt, was sie nicht wollte, hatte sie leben lassen, wie sie es wollte, solange die Arbeit getan wurde.
Um der Frage des Kapit�ns zu antworten, musste das Tavernenm�dchen kurz �berlegen. Sie war sich nicht sicher, ob das stimmte, was Kian oft gesagt hatte, um sie �ber den Tod ihrer Mutter hinwegzutr�sten. Dass das M�dchen diese irgendwann wiedersehen w�rde. Wenn, war das aber kein Punkt gegen den eigenen Tod. Ebenso hatte sie nun, auf See und mit sehr niedriger Wahrscheinlichkeit die Chance, wieder nach Scabb Island zu kommen, nichts mehr, was sie verlieren konnte. Kian war wahrscheinlich der einzige Mensch, der sich Gedanken um sie machen w�rde. Die anderen w�rden jemand anderes finden, �ber den man hinter vorgehaltener Hand reden konnte, doch war sich Erin sicher, dass Kian schon schnell damit abschlie�en k�nnte, dass seine Ziehtochter verschwunden war. Vielleicht vertraute er auch einfach darauf, dass sie wohlauf war, egal wo. Immerhin wusste er sie findig genug, um sich helfen zu k�nnen, wenn sie es konnte, wenn nicht war sie, wie er es selber gesagt hatte, wieder bei ihrer Mutter. Beides recht gute Aussichten. So stahl sich ein nicht definierbares Schmunzeln auf die Lippen des Tavernenm�dchens, w�hrend ihre Augen noch immer auf denen vom Captain lagen. "Wenn man nichts zu verlieren hat, macht man sich keine Gedanken mehr, wonach man schreit. Selbst, wenn es der Tod sein sollte, der einen so oder so irgendwann holt. Au�erdem kann man nicht f�rchten, was man nicht kennt", entgegnete sie dann recht kalt und abgekl�rt, da sie sich insgeheim geordnet hatte. Wenn sie wirklich gleich durch einen Schuss oder Messerstreich aus dem Leben gehen sollte, war es eben vorbei. Wissen, was sie vielleicht noch erwartet h�tte, wusste Erin nicht. Wenn es so weit war, k�nnte sie sich dar�ber auch keine Sorgen mehr machen. Dann war es eh zu sp�t.
Elaine wandte sich ab, das war genau das, was sie h�ren wollte. Langsam schritt sie auf das gro�e Fenster zu, welches hinten am Heck des Schiffes eine Wand der Kaj�te in der sich Elaine und Erin befanden, als riesiges Panorama Fenster erstreckte. Die See sprudelte nur vor Energie, doch strahlte diese auch d�stere K�lte aus, welche mit Elaine verschmolz, als diese vor dem Fenster Stehen blieb und hinaus sah. Die Flammen der Wandfackel lie�en einen Schatten auf die Fallen, welcher einen Kampf mit dem Licht auf dem Boden vollf�hrte.
Ein weiteres Mal erklang die raue, d�sterwirkende Stimme. "Ihr habt also nichts zu verlieren? Seid Ihr Euch da auch ganz sicher? Denn wenn Ihr nichts zu verlieren habt, habt ihr bereits eure Seele verloren, und ist es so?" Nun schien es interessant f�r Elaine zu werden, denn wenn das M�dchen wirklich so dachte, war sie genau die richtige. Ein weiteres Mordendes Wesen, welches von Insel zur Insel reist um nach Sch�tzen und Reicht�mern zu jagen. Doch f�r Elaine war Erin viel interessanter in Hinsicht auf den sagen umwogenden Schatz von Monkey Island, welchen Elaine nun schon sehr lange sucht. Die Insel an sich war schon kaum auffindbar, so sollte es ihr auch noch erschwert werden die Insel zu betreten und sich den Schatz zu hohlen, doch mit einer weiteren verlorenen Seele neben sich, sollte ihr der Weg geebnet werden, so glaubte sie. Doch verlassen tat sie sich auf nichts, und so auch nicht auf dieses M�dchen und sagen, dass diese Hoffnung w�re, w�re in Elaines Mund ein falsches und auch unbrauchbares Wort. Elaine w�rde darauf hin auch niemals den Schatz mit irgend jemanden teilen, es war ihrer, und sollte es auch sein. Ihr Vater scheiterte schon an dem Versuch, doch Elaines fester und Brutaler Wille k�nnte Inseln �berfluten.
Nun erst hatte sich Elaine sich wieder zu dem Tavernenm�dchen umgedreht und sah diese mit hochgezogener Augenbraue an, ihr Blick allerdings war reinste schwarze Leere. Selbst einen Gesichtsausdruck konnte man nun nicht mehr deuten.
Als sich der Captain kurz nach ihrer Antwort zum Heck abwandte und zu dem gro�en Fenster schritt, welches auf die weite, offene See zeigte, welche nicht gerade ruhig aussah. Pl�tzlich glaubte das Tavernenm�dchen zu sehen, was diese Frau f�r ein Mensch war, wie sie und das Meer zusammenpassten. Nicht wirklich wie, aber dass es so war, wurde ihr klar. W�hrend sie innerlich aufatmete erinnerte sich Erin an das Gerede eines Seemannes, welches sie immer f�r loses Geschw�tz gehalten hatte, doch nun musste sie einsehen, wie viel Wahres darin gesteckt hatte. Die Ger�chte �ber die Besitzerin dieses dunklen Schiffes trafen also tats�chlich in fast jeder Hinsicht zu. Auch, wenn viele um ihrer M�nner Willen gehofft hatten, dass es nicht so war. Dead Soul und die See waren eine Einheit, wie Spiegelbilder. Das Meer, der Wind, deren Kraft, Erbarmungslosigkeit und Best�ndigkeit zeigten sich wohl in dem Captain. So hatte es der Seemann meistens beschrieben und einige schienen sich zu fragen, ob sie nicht lieber die See mit dieser kalten Frau oder doch diese mit der See vegleichen sollten. Zutreffen tat jedoch beides. Noch hatte Erin es nicht wirklich erlebt, doch mochte der kalte Wind etwas derartiges andeuten.
Doch auch �ber diese Frage musste sie nachdenken und sich erst einmal dar�ber klar werden, was sie damit erreichen wollte. Wenn es die Frage danach war, ob sie keine Skrupel h�tte, jemanden anzugreifen, zu verletzen, konnte sie sich sicher sein, dass sie es konnte. War jedoch eine Frage, nach wahllosen T�ten, Morden und vielleicht auch noch Spa� daran, musste sie schon etwas genauer �berlegen. Get�tet hatte sie nie, verletzt mit Messern oder Schl�gen, wenn ihr jemand zu nahe und Kian nicht schnell genug gekommen war, wie es auch bei der Mannschaft gewesen war, doch auch dort war niemand gestorben. Irgendwie zu Erins Leidswesen. Bei denen w�re es ihr um keinen schade. Was jedoch, wollte Dead Soul h�ren? Wenn, dann war ein Teil ihrer Seele zusammen mit ihrer Mutter gestorben und auch gab es da etwas wie Hass gegen diese Art Kerle, die an der Schl�gerei beteiligt gewesen waren, welche zu dem Tod der Mutter gef�hrt hatte. Doch reichte das aus?
Genau wissen tat es das M�dchen selbst nicht. Im Moment schien sie jedoch ein recht gutes Blatt zu haben. Immerhin hatte sie sich widersetzt und lebte noch, auf dem Schiff einer der ber�chtigsten Piraten, von denen sie je geh�rt hatte. Wenn nicht sogar der Piratin schlechthin. Sicherlich konnte sich dieses Blatt aber auch schnell wieder wender, schneller als ihr lieb w�re wahrscheinlich. Als sich der Captain dann wieder umdrehte, hatte die 17-J�hre zu einer weiteren Scheibe des Brotes gegriffen, antwortete jedoch, ehe sie abbiss. "Ich lasse es darauf ankommen, findet Ihr es heraus", meinte das M�dchen noch immer sicher und lie� den Blick wieder oder noch immer auf der Frau, welche nun etwas Abstand zu der Gefangenen hatte.
Ein Donner ert�nte kurz nach dem Schlag des Blitzes. Elaine erstrahlte im Licht des Blitzes, als w�rde das Wetter ebenfalls Elaines Verb�ndeter sein. Das Wasser peitschte gegen das schwarze Au�enholz, die Mannschaft war eifrig am schreien um das Schiff unter Kontrolle zu halten, doch nun schien es den Anschein zu machen, als sei es Elaine gewesen, welche mit ihrem hasserf�llten Blick dieses Unwetter heraufbeschworen hatte. Viele mochten ja an Voodoo glauben, andere weniger und die, welche dran glaubten, w�rden nun der festen �berzeugung nachstreben, das Elaine diese Gabe besa�. Ihr Blick h�tte das nasse, schwarze Holz des Schiffes in gr�nen Flammen aufgehen lassen k�nnen, als sie sich zu dem M�dchen umdrehte. Ein b�sartiges Grinsen zog sich �ber Dead Souls Lippen. Mit fl�ssigen, geschmeidigen Bewegungen, steuerte sie direkt auf das Tavernenm�dchen zu.
"So so, Ihr meint also ich soll selbst heraus finden ob Ihr eine Seele besitzt oder nicht? Ihr vertraut mir also solch eine Ehre an?" Elaine kam immer weiter auf Erin zu, langsame schritte bewegten sie vorw�rts. Immer und immer wieder unterst�tzte sie das Unwetter mit hellen Blitzen und tiefgraulendem Donnern. "Wie t�richt von Euch, das ihr einem Pirat eure Seele �berl�sst." Elaine fuhr fort, "Dieses endet doch f�r euch armen B�rger immer in tiefen Qualen." Wieder machte Elaine eine kurze Pause, und stand nun fast vor Erin. "Ihr B�rger wollt immer so stark und Tapfer sein, doch seid Ihr leichtsinnig und hochm�tig." In diesem Augenblick hatte sie ein Messer und eine lange Spie�gabel aus einem der gebratenen H�hner gezogen, worauf sie mit einer raschen Bewegung elegant um ihre eigene Achse drehte und mit dem Messer, sowie der Spie�gabel ein paar Millimeter vor der Kehle Erins stehen blieb. Langsam beugte Dead Soul sich zu Erin, wodurch das Messer und die Spie�gabel sich ein wenig in die Haut von Erin bohrten, allerdings war es noch keine Lebensgef�hrliche Verletzung, diese konnte es allerdings in Windeseile werden. Nur die kleinste Bewegung von Erin w�rde einen gef�hrlichen Schnitt oder Stich verursachen.
Elaines Augen funkelten und strahlten in deren giftgr�n. "Ich soll eure Seele also auf die Probe stellen, ja?" Ein Abf�lliger Blick huschte �ber das Gesicht des gefangenen M�dchens.
Mit einem lauten Knall schlug die T�r der Kaj�te auf, doch Elaine gab nicht mal ein Zucken mit den Augen von sich. Der Mann, welcher die T�re so aufschlug begann auch kurz nach seiner Tat zu seinem Captain zu sprechen, "Das Schiff h�lt dem Wetter stand, doch schwappt viel Wasser �ber die Rehling und es scheint noch ungewiss ob das Schiff es eine ganze Nacht durchh�lt, bisher hat noch nie solch einen Sturm gew�tet!" Selbst als dieser seine Nachricht verk�ndet hatte, regte sich Elaine nicht, ihr Blick schien starr auf Erin gerichtet, doch antwortete sie ihrem, Crewmitglied, "Interessante Nachrichten �berbringt Ihr mir!" Mehr sagte sie zu diesem Thema nicht, stattdessen fuhr sie mit der Angelegenheit um Erin fort, "Ich habe eine �u�erst wichtige aufgabe, welche ich euch zuteilen m�chte! Bringt dieses M�dchen ins Steinbett!" Der mittel alte Pirat nickte, pfiff ein paar der anderen Mitglieder zusammen, welche darauf in die Kaj�te traten. Nun fegte ein lauter, eiskalter Wind durch die Kaj�te und umspielte das geschlossene Haar Elaines.
Erst als die M�nner ihrer Mannschaft das Tavernenm�dchen gepackt hatten, hatte Dead Soul ihre Waffen von dem M�dchen entfernt, hatte allerdings deutliche Spuren auf dessen Haut hinterlassen. Kurz darauf verpasste einer der M�nner Erin einen heftigen Schlag in den Nacken, sodass sie das Bewusstsein verlor. Durch des Captains Nicken, f�hrten sie das bewusstlose M�dchen raus aufs Deck.
Immer und immer wieder schwappte Wasser �ber die Rehling, und das Schiff schwankte bedrohlich hin und her. M�hevoll schleppten einige der Crewmitglieder das M�dchen zu einer Luke in der Mitte des Schiffes. Diese �ffneten sie und stiegen mit dem M�dchen herunter. Unterdeck lag ein riesiger Lagerraum, in welchem eine Viereckige Steinkiste stand. M�hevoll schoben zwei der M�nner den Deckel etwas zur Seite, ganz �ffnen h�tten sie nicht geschafft, dieser w�re einfach zu scher gewesen. Daraufhin legten sie das M�dchen hinein und schlossen die Steinkiste wieder. Erin hatte kaum Platz gehabt zu sitzen, daf�r war die enge Kiste einfach zu klein.
Es war eindeutig zu erkennen das diese Steinkiste ein Folterinstrument war, da sich beabsichtigt drei Luftl�cher an der Seite der Kiste befanden. Durch eines dieser L�cher konnte man zwar kaum drei Finger stecken doch es reichte um das n�tigste an Luft zu bekommen.
Die M�nner entfernten sich von der Kiste, welche zus�tzlich noch in einer riesigen Pf�tze befand, und stiegen wieder an Deck.
W�hrenddessen hatte sich Elaine dem Fenster in ihrer Kaj�te zu gewand und starrte wieder hinaus auf die offene See. Am n�chsten morgen w�rde sich zeigen, wie das M�dchen die Nacht �berstanden hatte. W�re sie tot, w�re es kaum ein Verlust, Elaine hatte noch nie Verluste erlitten, und so w�rde es auch weiterhin bleiben.
Da war er, dieser Moment, in dem sich dieses leise Gef�hl der Sicherheit wieder verabschieden konnte. Schon bei dem ersten Blitz, eigentlich schon dem Blick des Captain, als sich dieser langsam auf das Tavernm�dchen zubewegte. Noch immer r�hrte sich diese jedoch nicht. Machte keinen Finger krum, um sich eventuell verteidigen zu k�nnen. Immerhin w�re es auch zwecklos gewesen. Ihre Kraft reichte niemals aus und selbst wenn, war da immer noch das Problem, sich zu verstecken. Sie befand sich hier auf einem Schiff, verdammt, da ging das nicht so einfach. Vor allem nicht mit so einem Kapit�n und einer Mannschaft voll M�nnern, die ihr aufs Wort gehorchten.
Noch w�hrend Dead Soul n�her kam und dieses unliebsame Wetter die Situation nach bedrohlicher wirken lie�en, legte Erin ihre Scheibe Brot wieder zur Seite, wobei sie erst einen Bissen von dieser genommen hatte. So, wie Elaine von den B�rgern sprach, bezog das M�dchen es eigentlich nicht auf sich. Sie war keines dieser kleinen M�dchen, die sich alles zuschieben lie�en oder in einem K�mmerchen sa�en und brav stickten, kochten, die M�nner des hauses bedienten und bei jedem b�sen Wort zusammenzuckten, bei jeder kleinen Schramme fast zu weinen anfingen. So jemand war sie nun wahrlich nicht. Vielleicht war sie leichtsinnig, doch auf keinen Fall �berheblich. Wenn dann Stolz, wo man es von einer Dienerin in einer Taverne, wie sie es war oder gewesen war, nicht erwartete. F�r mutig hielt sich Erin derzeit nicht. Wer w�rde das schon im Angesicht dieser absolut kalten Person, die nun nur noch ein paar Schritte von ihr entfernt war? Er w�re eher �u�erst t�richt gewesen. Genauso wie die erneute Herausforderung, die sich die 17-J�hrige eigentlich hatte verkneifen wollen.
Nun war jedoch zu sp�t, noch etwas dagegen tun zu k�nnen. Wahrscheinlich h�tte sie es eh nicht �ndern k�nnen, dass sie schnell, als ihr lieb war, einer dieser Spie�e und ein Messer in der N�he ihres Halses hatte, unmittelbar davor. Dann beugte sich der Capt'n vor und Erin sp�rte den blanken, kalten Stahl an ihrer Kehle und wie er in ihre Haut schnitt. Ihre Atmung ging etwas st�rker, jedoch nicht nicht schneller. Nur anders, damit sich nicht auch noch dadurch ein gr��erer Schnitt bildete. Riskieren wollte es das M�dchen nicht wirklich.
Das war auch der einzige Grund, welcher sie daran hinderte, sich erschrocken zur T�r zu wenden, als diese mit einem Knall aufflog. Ihre Augen lagen starr auf denen von der Person, die sie hier gefangen hielt und mit einer kleinen Bewegung umbringen konnte. Aber je l�nger das Tavernenm�dchen in diese kalten Augen von Dead Soul sah, desto bekannter erschienen sie ihr. Bestimmt war es nur Einbildung, aber sie kamen ihr merkw�rdig vertraut vor. Diesen Gedanken konnte sie allerdings nicht l�nger verfolgen, da er zum einen total unsinnig und zum anderen reine Zeitverschwendung war.
Dann rief diese Frau einen Mann dazu auf, sie das... Was zu bringen? Nachfragen mochte sie lieber nicht. Die Zeit hatte sie auch gar nicht, als sich auf einmal mehrere M�nner hinter ihr befanden. Einige von ihnen waren fr�her am Tag schon in der Taverne gewesen und schienen sich nun diebisch zu freuen. Besonders die, welche sie mit dem Messer kurz erwischt hatte. Wissen konnte das Erin jedoch noch nicht. Sie sah noch immer zum Captain, der diese Anweisung des Steinbettes gegeben hatte. Nach au�en hin zeigte das M�dchen aber nur ein wenig Verwirrung, um der Piratin keinen gro�en Grund zum Triumph zu geben. Auch mit ihren Haaren spielte der Wind und sorgte daf�r, dass sie Dead Soul nicht mehr richtig erkennen konnte. Es war ihr auch nicht mehr m�glich, da die M�nner sie von beiden Seiten an den Armen packten und ruckartig und grob aufrichteten, nachdem ihr Captain die umfunktionieren Waffen von der Kehle der Gefangenen entfernt hatte. Kaum, dass sie stand, begann das M�dchen, sich wieder zu wehren, trat aus und versuchte ihre Arme zu befreien, doch schon Sekunden danach bekam sie einen Schlag von hinten und das Bild verschwamm vor ihren Augen bis es schlie�lich zusammen mit der K�lte verschwand, welche sich durch den Wind in die Kaj�te geschlichen hatte.
So bekam Erin nicht mit, wie sie von ein paar der M�nner durch den Wind und den Regen �ber das Deck des schunkelnden, dunkles Schiffes bis zu einer Luke gebracht wurde, welche ins Unterdeck und somit h�chst wahrscheinlich in einen Lageraum f�hrte. Um die Gefangene dort hinter zu bringen, stiegen erst zwei M�nner voraus, welche dem folgenden dann das leichte M�dchen abnahmen und dann zu einem Steinblock, wie es auf den ersten Blick schien, zu schleifen. Ein einfacher Block war es jedoch nicht. Es brauchte ein zwei der Mannschaft, um den Deckel der Kiste auch nur weit genug zu �ffnen, ehe sie das M�dchen jenen Steinkasten hoben. Durch die Bewusstlosigkeit sank der Kopf des Tavernenm�dchens so oder so schon etwas gegen ihre Knie, doch merkte sie ihr Lage noch nicht.