Die Mosel

“Mosella” – das Moselgedicht des Decimus Magnus Ausonius (entstanden 371 n.Chr.)

 

vv. 1-47

Die Mosel erfüllt zunächst die Funktion aller Gewässer, wird aber im weiteren sogar als der „Idealfluss“ dargestellt. Ihre historische Bedeutung liegt darin, dass in ihrem Tal das „zweite Cannae“ gelegen ist. Der Grund für ihre Bedeutung aber ist die Kaiser-Residenz (24 ff.)!

vv. 48 ff.

 . . . hier nun ein Katalog der Mosel-Fische, dabei sind 'Phrygia crusta' durchaus möglich! Allgemein gibt Ausonius der Bewunderung des „opus naturae“ den Vorzug.

vv. 169-188

Die Beschreibung dieser dämonischen Mächte entspricht ganz den tradi­tionellen Stoffen, aber sie werden wohlgemerkt zu einem neuen Sym­bolgehalt zusammen­gesetzt. Es handelt sich nicht um eine 'scaena hominum', viel­mehr ist dieser Ort auch für Götter angenehm. Die bukolische Topik lässt eine paradie­sische Ideallandschaft erscheinen; dabei werden eben nicht 'einheimische Gottheiten' vorgestellt, sondern die aus der frühe­ren latei­nischen Litera­tur vertrauten Götternamen (wie Vergil in den 'Bu­colica' oder Statius in seinen 'Silvae'!).

vv. 151-157

Die gepflanzten Weinreihen werden mit einem Theaterraum verglichen. Dazu fallen – wie im literarischen Vorbild Vergil und Seneca – Ausdrücke aus der Theatersprache wie 'pompa', 'specta­cula', 'scaena'. -- So wird der Leser zum Zuschauer!

v. 157

Das Gauragebirge am Golf von Neapel und das Rhodopegebirge sind Wein­anbaugebiete; und mit dem Wein vom Ismarus berauschte Odysseus Poly­phem! – Eine Übersetzung ‚meine Weinberge’ ist am Platz, weil Ausonius in Aquitanien sehr begütert war. Die Weine der klassischen Wein­länder werden nun mit den Moselweinen ver­glichen. Der Wein­bau kam im 3. JT aus Kaukasien, nach Griechenland wurde Italien das klas­sische Weinland; – berühmt war auch die Gegend um die Ga­ronne!

vv. 161 ff.

Typisch für die späthellenistische Dichtung ist die ausgesprochen abun­dante Sprache, fast wie ein ‚Wortschwall’, häufig ist hier auch die Sub­stantivierung von Adjektiven und das Schwanken in der Ablativ-Endung der III. Deklination [déiuge passt besser in den Hexa­meter als deiugī; der Dich­ter war sich aber hier nicht mehr sicher, was die grammatische Form anlangt. Es gibt auch Neubildungen; doch genauso trifft der Leser auf alt­lateinische Wörter (‚ollus’ für ‚ille’. dies ist ein bewusster Ar­chaismus, und auch die Dichter der früheren Kaiserzeit – Vergil; auch Statius in „Thebaïs“ – machten regen Gebrauch davon. Außerdem zeigt freilich diese Form den Vergil­kenner (vgl. Aen. I, 254: Olli subridens hominum pater atque deorum -- Hierzu Manu Leumann: Handbuch der Laut- und Formenlehre.)

v. 187

Das ehrfurchtgebietende Geheimnis soll wohlverborgen und nur den Flüs­sen anvertraut werden.

v. 250

Es werden hier zwei Methoden des Fischfangs beschrieben: a) mit einem Treib­netz (möglich auch: Wurfnetz);  b) Beide Enden werden an das Ufer gezogen. Es handelt sich bloß um Wortspielereien. procul amne: in der Mit­te des Stroms; examen: Fisch­schwarm oder Bienenschwarm

v. 269

'fagincis cavernis': Blasebalg aus Buchenholz. Glaucus: Ein Fischer aus Ante­don in Böotien, der nach dem Verzehr von Kräutern in eine Meeres­gottheit verwandelt wird.

Edikt
des Gratian

„. . . da Wir es nicht jeder Stadt freistellen wollen, ihre Lehrer mit einem Gehalt anzustellen, wie es ihr gefällt. Der sehr berühmten Stadt Trier glauben wir etwas mehr einräumen zu müssen: Dem Rhetor sollen 30, dem lateinischen Gramma­ticus 20, dem griechischen Grammaticus 12 Auronen zu­kommen.“

Dass Gratian solch großzügigen Charakter zeigte, ist wiederum Ausonius zu verdanken, hier bes. die Ernennung von Lehrern und die höhere Orts­zulage der Rhetoren und Grammatici. Das zeigt, dass die Trierer Schulen damals in hohem Ansehen standen!

Erklärungen: dioecesis (dioikein = 'verwalten'): Administrative einheiten des Reichs, ein geschlossener Bezirk mit einheitlicher Verwaltung. – Auronen: zunächst jährliches Einkommen von Naturalprodukten, dann Natural­lieferung der Provinzen zum Unterhalt der Beamten und Soldaten, also Sache staatlicher Fürsorge.

Symmachus

Der römische Rhetor Symmachus war de bedeutendste Verteeter der geistig und literarisch hochstehenden Kreise und hielt sich als Freund des Ausonius und des Valentinian einige Jahre in Trier auf, und war geschätzt von der gelehrten Schicht. Er hatte im Senat eine führende Position inne und war sehr wohlhabend. Auf einer Statue, die ihm sein Sohn setzte, stand: 'orator disertissimus'. In einer seiner Reden hieß es: „. . . deinen Sitz verlegtest du in den Teil, wo das Verderben für den ganzen Staat lag.“ So bot Trier später als Grenzstadt doch nicht mehr so große Sicherheit.

Hermai

Im „Hermesweiher“, einem Bassin, das zu einer prunkvollen Villa des 2. Jh. gehörte, standen Hermesköpfe – Ερμαί. Man fand dieses Bassin unter Welsch­billig bei Trier.

Kirchen­schriftsteller und christli­ches Leben

In Trier hielt sich der hl. Hieronymus auf und wurde sich hier seiner Berufung zu asketischer Lebensführung bewusst (Augustin, conf. 86), hier betreibt er seine Psalter­hermeneutik und verfasst eine Abschrift von „de synodis“ des Hilarius von Poitiers. – Ferner wurde Ambrosius, der spätere Bi­schof von Mailand hier geboren. Trier war auch Zentrum der ortho­doxen Richtung (s. den reliefgeschmückten Noah-Sarkophag sowie Grab­in­schriften bei St. Eucharius nördlich von Altbach; den ‚Guten Hirten’ aus der 1. Hälfte des 4. Jh. in St. Maximin, westlich der Porta Nigra).

Nach den letzten Christenverfolgungen unter Diokletian konnte sich das frühe Christen­tum in Trier endgültig durchsetzen. Trier wird in der 2. Hälfte des 4. Jh. – neben Köln, Bonn und Mainz – zum kirchlichen Mittelpunkt in Gallien.

Laktanz

Auch der christliche Apologet Laktanz wurde um 315 von Konstantin zur Erziehung seines Sohnes Crispus nach Trier berufen, war Rhetor, Schrift­steller und Adept Ciceros. Hier schrieb er „De mortibus per­se­cu­torum“, eine Schrift, die mitbestimmend war für den Umstand, dass der Kaiser sich vom Heidentum abkehrte.

Panegyrici Latini (P. Con­stantino, dictus vii 10)

Die 'Panegyrici Latini' sind eine uns erhaltene Sammlung von zwölf Lobreden auf verschie­dene Kaiser. Der P Panegyricus auf Konstantin VII. ist in Trier im Jahr 310 gehalten worden, den Verfasser kennen wir leider nicht. Diese ‘Laudatores’ su­chen in Stil und Technik in die Fußstapfen Ciceros zu treten. Auffällig und für unsere Ohren nicht leicht erträglich sind aber die in diesen Lobreden enthaltenen Entstel­lungen, propagandistischen Über­treibungen und Schmeicheleien in Hülle und Fülle für die jeweils begünstigte Partei, denn der Kaiser begünstigte diese fähigen Redner, die normalerweise bei Regierungs­festen auftraten. Paneg. xxıı, 4, Konstantins Bauprogramm, finden wir eine literarische Notiz: Halten wir uns vor Augen, dass der Vergleich mit Rom ein literarischer Topos ist. Nur den Kaisern war es möglich, den Resi­denzen in Gallien ‘Wohltaten’ zu erweisen. Nach den Unruhen des 3. Jh. waren diese auch nötig. Die Angleichung Triers als der Kaiserresidenz an das römische Stadtbild war des Kaisers ausdrücklicher Wunsch.

 

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