Ich weiß, weil ich denke –
Der Rationalismus der Aufklärung
aus der Reihe:
Ideen, die unser Leben verändert haben
(z.T. aus dem Amerikanischen übers.(*) Dez. 2003 – Jan. 2004)
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In »Fortsetzung 6« lesen Sie 1. Der Rationalismus, zumal Descartes – klicken Sie ¶ 2. Empirismus – klicken Sie ¶3. Der Deismus – klicken Sie ¶4. Welche Antworten gibt der ‘Rationalismus der Aufklärung’ auf die ,4 philosophischen Fragen’? – klicken Sie ¶4.1 Was ist der Ursprung von allem?
4.2 Wie ist es um die Erkenntnis bestellt? 4.3 Wie ist es um Werte bestellt? 4.4 Welches ist die letzte Bestimmung?
5. Der Einfluss des Rationalismus der Aufklärung – klicken Sie ¶5.1 Von der Regierung 5.2 Über Gesetze 5.3 Das Erziehungswesen 6. Ein »haut-nahes« Beispiel dafür, wie aufgeklärter Rationalismus eigentlich funktionierte: die Sache mit dem französischen König Ludwig XVI. (1754-93) – klicken Sie ¶7. Unsere Antwort – klicken Sie hier!Vorwort: Zum Verständnis Das ungläubige Hinterfragen und die Umdeutung der Auferweckung Jesu von den Toten, welche im sogenannten "Zeitalter der Aufklärung" begann, erleben wir freilich auch in der Neuzeit. Die Aufklärung verursachte einen starken Bruch in der Weltsicht, zu der bisher der Glaube an einen Himmel und eine Hölle gehört hatte. Glaube und Wissen gehörten bislang zusammen. Die Aufklärung richtete dagegen die Herrschaft der Vernunft auf. Was man nicht beweisen und sehen konnte, daran durfte man jetzt zweifeln. Man begann, am Transzendenten zu zweifeln, und es entstand eine Weltanschauung des rein Diesseitigen. In einem solchen Weltbild hat eine Auferweckung keinen Raum mehr, auch die Wunder nicht.
Der deutsche Theologe Gerd Lüdemann behauptet z. B., der tote Jesus sei im Grab geblieben und seine Auferweckung habe bloß im subjektiven Erleben seiner Anhänger statt gefunden . . .
Um nun den Rationalismus der Aufklärung verstehen zu können, muss man erst die Umstände begreifen, unter denen er entstanden ist. Dass der grundsätzliche Gegenstand, den er in Angriff zu nehmen hatte, derjenige der Epistemologie war, liefert uns den Schlüssel zum Verständnis der Aufklärung. Während des Mittelalters war die Grundlage für alle Erkenntnis die Kirche gewesen. Bestätigte die Kirche den Wahrheitsgehalt von etwas, so war dieses auch wahr. Wenn sie andererseits erklärte, etwas sei verkehrt, so war es auch verkehrt, sagte sie etwas sei falsch oder Unrecht, so war dies auch falsch oder Unrecht. Papst und Kirche waren die Quelle für jegliche Wahrheit und verliehe der gesamten Menschheit den Schlüssel zur Wahrheit (selbst dann, wenn dieser Schlüssel nicht richtig passte!) Es hatte jedoch schon während des 16. Jahrhunderts eine bedeutendere epistemologische Verschiebung stattgefunden. In Südeuropa hatte der Renaissance-Humanismus angefangen sich auszubreiten, und in diesem Zusammenhang wurde unterstellt, dass »der Mensch als das Maß aller Dinge« sei; und dass der Mensch mittels seines eigenen Intellekts zur Wahrheit finden könne, wurde behauptet. In Nordeuropa hatte es in der Reformation eine Gegenoffensive zu diesem Ausruf gegeben mit dem bekannten: »Die heilige Schrift allein!«. Die Reformatoren stellten den Ansatz auf, dass man nur zur Erkenntnis der Wahrheit kommen könne mittels dessen, was dem Menschen von Gott in der Bibel offenbart ist. Ohne die Bibel, so die Reformatoren, könne der Mensch nie die Wahrheit erkennen. Die Macht der katholischen Kirche als Basis für Erkenntnis wurde mehr und mehr hinterfragt. Die ganze Zeit über bis zu der Epoche der Reformation und Renaissance war das Hauptthema der Philosophie in der westlichen Welt das Suchen, Erkunden und Fragen nach dem Wesen Gottes und nach allem, was existiert, gewesen. Von dieser Zeit an nun ist die Hauptfrage des Philosophierens ein Suchen und Fragen nach der Art und Weise, wie wir wahre Erkenntnis erlangen können. Renaissance und Reformation waren für große Denker Europas Anlass, die Frage nach einer Beantwortung dieser bohrenden Frage nach Erkenntnis zu stellen: »Wie wissen wir denn, dass das, was wir wissen ‚gewiss’ und nicht nur eine reine Glaubenssache oder Mutmaßung oder Wahrscheinlichkeit ist?« Man kann die Aufklärung definieren als eine Bewegung des Denkens und Glaubens, die sich mit verwandten Gottesvorstellungen, mit Vernunft, Natur und dem Menschen befasste und breite Zustimmung und ein hohes Maß an Konsens unter europäischen Intellektuellen im 17. und 18. Jahrhundert fand. Die grundlegende Überzeugung der Aufgeklärten war, dass der Mensch mittels und vermöge seiner Vernunft zu Erkenntnis, Wissen und Beglückung finden könne. Die Aufklärung bezeichnet eine Verschiebung im Denken, indem menschliche Vernunft die Offenbarung Gottes ersetzte. Während der Aufklärung ließ die Naturreligion, besonders der Deismus und Skeptizismus die Herausforderung aufbrechen für grundlegende Lehr- und Grundsätze der Christenheit. Die zyklische Sicht der Veränderung und des Wechsels in der Geschichte, die seit der Antike Geltung hatte, wurde von vielen aufgeklärten Intellektuellen zurückgewiesen. Statt dessen sah man Geschichte als einen Bericht von Fortschritt des Menschengeschlechts in Richtung auf Vernunft und Vollkommenheit an.Demnach weigerten sich nun Philosophen des 17. Jahrhunderts, Offenbarung als Quelle von Wahrheit anzuerkennen und stellten statt dessen ZWEI QUELLEN in Aussicht, von denen Wahrheit herrühren könne:
1. Der Rationalismus, insonderheit Descartes Bestes Beispiel für die Ideen des Rationalismus ist René Descartes (1). Damals wurden viele Leute zu Skeptikern, was wir dem intellektuellen Aufruhr zu verdanken haben, welche die Veränderung der Grundlage für Erkenntnis mit sich brachte. Skeptiker ‚glauben’ schlichtweg, der Mensch könne nichts sicher oder gewiss wissen. R. Descartes legte nun allerdings dar, dass der Mensch sehr wohl einiges sicher wissen kann; er war Rationalist und suchte auf die menschliche Vernunft als Grundlage für alle Erkenntnis und alles Wissen hinzuweisen. Er war des Glaubens, dass alle Männer und Frauen bestimmte, von Geburt an ‚eingebaute’, also angeborene Ideen in sich trügen, die als Quelle für die Grundsteinlegung von Erkenntnis dienten. 1.1 Die Methode: Der von René Descartes gewählte Anmarschweg war folgender: Es ist am besten, alles anzuzweifeln, bevor nicht klar und deutlich bewiesen werden kann, dass es sich anders verhält. Allerdings war Descartes gezwungen, einzuräumen, dass man mitunter von seinen Sinnen getäuscht wird. 1.2 Ein instruktives Beispiel: Man kann das beobachten, wenn man an der Straßenseite einen Haufen von brauner Farbe bemerkt und ihn für einen Haufen Blätter hält. Beim Nähertreten allerdings wird man gewahr, dass es sich um einen alten Sack handelt: Man unterlag einer Sinnenstäuschung. Das Mimikry vieler Eidechsenarten und vieler Insekten beruht auf Sinnestäuschung. 1.3 Das Leben – ein Traum? Descartes musste auch zugestehen, dass er keine Methode an der Hand hat, um festzustellen, ob einer wach ist oder schläft – so dachte er daran, dass es durchaus möglich sei, dass das ganze Leben ein einziger langer Traum ist. Dann wäre allerdings unser gesamtes Leben nichts weiter als eine einzige große Illusion. 1.4 Die Rolle der Mathematik beim Skeptizismus: Als Descartes dem weiter nachdachte, fand er heraus, dass mathematische Operationen, wie 1+1=2, nicht der Täuschung unterliegen und wir sie für sicher und gewiss halten können. abgesehen davon – natürlich können wir dies nicht; denn falls Gott ein Betrüger ist (und nehmen wir einmal an, es wäre so!) und uns damit narrt und uns glauben macht, 1+1 ergäben 2, wo doch tatsächlich gilt 1+1=3, dann können wir selbstverständlich nicht sagen, dass 1+1=2! 1.5 Descartes’ aufklärerisches Motto: Descartes schreibt: Ich bin gezwungen, zuzugeben, dass es nichts gibt, an das ich ehedem geglaubt habe, dass es wahr sei, das ich nicht irgendwie anzweifeln kann.« Descartes war soz. »gezwungen«, Skeptiker zu werden; allerdings gab es eine einzige Ausnahme von seiner generellen Haltung, er konnte mit Sicherheit äußern: • »Ich denke, also bin ich.«Descartes zog die Schlussfolgerung, dass er letztlich existieren musste – selbst wenn er getäuscht werden und nichts als gesichert wissen könnte – dieses jedenfalls wusste er mit Sicherheit: »Ich denke, also bin ich««. Denn wenn er Opfer einer großen Täuschung wäre, so stünde doch fest, er existierte, und im Falle, dass er nicht getäuscht worden sei, so müsse er ebenfalls existieren. Es gab nichts mehr, was Descartes mit absoluter Gewissheit sagen konnte.1.6 Die Falle des Skeptizismus: Betrachten wir dies nun sorgfältig, so können wir sehen: Sein eigenes Grübeln und Räsonieren zerstörte nicht nur den Rationalismus (dass Gewissheit von der menschlichen Vernunft herstammt), sondern auch den Empirismus (dass Gewissheit von den fünf Sinnen herrühre). Da er die Bibel nicht als Quelle von Wahrheit gelten lassen wollte, hatte Descartes gefolgert, dass der Mensch in der Tat nichts als gesichert wissen könne, mit Ausnahme seiner eigenen Existenz. Zu jener Zeit wurde menschliches Denken als Mittel und Schlüssel zu aller Erkenntnis und allem Wissen gekrönt. 1.7 Uneingeschränkter Fortschrittsglaube – der (absurde) Gegenpol zum erkenntnistheoretischen Pessimismus: Allgemein akzeptiert wurde folgende Idee: Es sei, obgleich man gegenwärtig vielleicht nicht in der Lage sei, Antworten auf alle dem Menschen gestellten Fragen zu geben, ja doch nur eine Frage der Zeit, dass man alles gesichert wissen könne. Der Mensch lerne dann die Realität per rationales Denken und per wissenschaftliche Methoden schon kennen. Der Fortschritt in der Geschichte des Menschengeschlechts sei jedenfalls unvermeidlich. Zum Anfang der Seite2.1 John Locke (2) war ein Wissenschaftler und Denker, der glaubte, dass der Mensch durch seine fünf Sinne die Wahrheit entdeckt. Locke stimmte nicht mit der rationalistischen Idee überein, dass Erkenntnis allen Menschen angeboren sei. Locke glaubte, dass der Geist eine »tabula rasa« sei, ein blankes Tablett ohne irgend etwas darauf geschrieben; auf diese »tabula« schrieben nach Locke die fünf Sinne, wie sie die Welt, in der sie sich vorfinden, erleben. Dieses »Schreiben auf den Geist« nennen wir dann Erkenntnis (Wissen). Auf diese Art und Weise kam es zu dem oft zitierten Satz »Wenn ich’s sehe, so werde ich’s glauben«. Wir könnten, so Locke, niemals die Wahrheit wissen, es sei denn, dass bestätigen, was Wahrheit ist. So beansprucht wissenschaftliche Methode einen hohen Rang im Empirismus. Wissenschaftliches Experimentieren ist der Schlüssel für Erkenntnis. Sie führen ein wissenschaftliches Experiment durch, Sie wiederholen dieses Experiment, und dann noch einige Male, wobei Sie jedes Mal einen Gesichtspunkt verändern, um ihn zu isolieren. Solchermaßen ergibt sich ein Aufschluss über den Erkenntnisgewinn des besagten Objekts oder der Theorie, welche Sie untersuchen möchten. Der »Empiriker« sieht die Wissenschaft als seine Meisterin und Herrin an.2.2 Tatsächliche Fortschritte Vom Empirismus stammte die Idee, der Mensch könne die Natur erforschen und so auch die Naturgesetze entdecken. Zu dieser Zeit haben große Wissenschaftler wie Sir Isaak Newton und der gottesfürchtige und fromme Blaise Pascal beträchtliche Fortschritte in der wissenschaftlichen Entdeckung gemacht. Man vermutete nun, dass die Gesetzmäßigkeiten, welche das All regieren, vom Menschen entdeckt werden könnten. 2.3 David Hume (3) glaubte standhaft und wacker an die Entdeckung der Naturgesetze, welche das Universum lenken. Auf der Grundlage davon, dass es ja sie gab, stellte er die Vorstellung von Wundern zur Disposition. Er fragte sich: Wie war es Jesus denn möglich, in den Himmel aufzufahren – dies bricht doch die Naturgesetze! Die Schwerkraft hätte ihn doch an der Erde haften lassen müssen. Wie ist es Jesus und Petrus erlaubt gewesen, auf dem Wasser zu gehen – dies bricht die Naturgesetze! Gott kann jedoch nicht seine eigenen Naturgesetze brechen... Dies lässt die interessante Frage nach Erkenntnis vom biblischen Standpunkt aufbrechen. Kann denn der Mensch überhaupt beanspruchen, das Gravitationsgesetz zu verstehen? (s. hierzu auch unter 4!)2.4 Die Falle des Empirismus Wenn man für einen Moment einmal in solchem Räsonieren inne hält und den Schwerpunkt seines Nachsinnens auf das biblische Verständnis von Erkenntnis legt, so ist die Antwort klar und deutlich: Der Mensch kennt Wahrheit einzig und allein auf der Grundlage dessen, was in der Bibel offenbart ist. Die Bibel statuiert nirgends ein Gesetz der Schwerkraft. Nun müssen wir freilich einräumen, dass das All wohlstrukturiert ist, und dass eine Kraft in Erscheinung tritt, die wir Gravitation nennen und die unsere Füße auf dem Erdboden festhält. Jedoch ist alles, was der Mensch sagen kann, dies, dass die Gravitation SEIN Verständnis und SEINE Erklärung für das, was er sieht und erlebt in der Welt um ihn herum. Der Mensch kann sagen, dass SEIN Verständnis von Gravitation freilich sehr gut als Beweis dienen kann. Jedoch können wir nicht behaupten, dass GOTT ein Gesetz aufgestellt habe, das er Schwerkraft genannt hat. Falls Gott dies als Gesetz erschaffen hätte, so müsste Gott seinem eigenen Gesetz gehorchen oder schuldig daran werden, dass er seinen eigenen Gesetzen nicht gehorcht, und müsste ja demzufolge theoretisch ein Sünder werden. Wir können lediglich eine Erklärung für das anbieten, was wir sehen; dies allerdings ein »Gesetz« zu nennen, und ihm etwa noch den Rang von Gottes Gesetzen zuzuschreiben, ist unredlich und lässt in absurde Thesen geraten – es ist einfach so, dass der Mensch nicht genug weiß. Auf der Grundlage von Empirismus und der wissenschaftlichen Methode hat der Mensch trotzdem Gott eingegrenzt, in seiner Macht begrenzt und göttliche Wunder unmöglich gemacht (s. auch unter 4!). Der unter 2.1 erwähnte John Locke (2) war einer der Begründer des Deismus: Man glaubte als Deist, Gott habe zwar die Himmel und die Erde geschaffen, doch dann habe er keine weitere Verbindung mit seiner Schöpfung oder sei nicht mehr in sie verwickelt (involviert). Vom Rationalismus herkommend, stellt ein Deist die Behauptung auf, Gott habe sehr wohl das All erschaffen und Welt und Sterne und Sternensysteme in Bewegung versetzt, jedoch habe sich, was die Folgezeit betrifft, ergeben, dass Gott sein Interesse an der Welt verloren haben muss und weiter keine aktive Rolle in Angelegenheiten der Welt, in der wir leben, mehr spielt. Da nun keinerlei übernatürliche Eigenschaft oder Kraft, keine Vorsehung Gottes wirksam vorhanden ist, auch kein Jesus als Sohn Gottes und somit auch keine Erlösung für den Menschen, so kann man ja Gott im Hinblick auf die Geschichte »auf Discount setzen«. Hielten die frühen Denker der Aufklärung noch oft an einem gewissen Glauben an Gott fest, so schmolzen sie ihn doch zu ihrem eigenen Bild von ihm zusammen. Spätere aufklärerische Denker neigten sehr zum Deismus und strichen Gott schlichtweg aus jeglichem Weltgeschehen. Für sie galt: Man benötige Gott ja gar nicht für menschliche Angelegenheiten, da im Menschen ja Gutes stecke und er sich selbst schon vervollkommnen werde. So lang er nur denken könne, werde er schon aus seinen Fehlern lernen und mit der Zeit vollkommen werden. Gemäß dieser Sicht vom Menschen ist ja Fortschritt auch unvermeidlich, er muss erfolgen infolge dessen, dass der Mensch ja unausgesetzt aus seinem früheren Versagen lernt. Auf diese Art und Weise werde er, lässt man ihm nur genügend Zeit, schließlich bei seiner Perfektheit anlangen. 4. Welche Antworten gibt der ‘Rationalismus der Aufklärung’ auf die vier philosophischen Fragen? 4.1 Was ist der Ursprung von allem? Gott erschuf das All einschließlich der Naturgesetze, überließ es allerdings danach sich selbst, dass es von sich aus funktioniert, ohne, dass er persönlich darin involviert wäre. Diese Position ist als Deismus bekannt.
4.2 Wie ist es um die Erkenntnis bestellt? Der Mensch an sich ist die Quelle von Wissen und Erkennen. Entweder ist Erkenntnis angeboren (in den Menschen per DNS quasi eingebaut), und er braucht sich nur zu entdecken durch Gebrauch seiner »Ratio«, oder der Mensch muss die Erkenntnis durch wissenschaftliche Methoden und Experimente (Empirismus) entdecken.
4.3 Werte Der Mensch ist der letzte Wert, da er schließlich und letztlich bestimmt, was von Wert ist und was nicht.
4.4 Welches ist die letzte Bestimmung? Der Mensch ist von Hause aus gut (per Erbgut) und ist in der Lage, sich selbst zu perfektionieren. Die Gesellschaft wird vorankommen insofern als der Mensch selbst vorankommt und vielleicht wird eines Tages der Mensch sogar sein eigenes »Utopia« (ein griechisches Wort – ou = nicht und topos = Gegend, also nirgendwo anzusiedeln – das an sich »Nirgendwo« bedeutet) hier auf der Erde errichten. Wir sehen also, dass Rationalismus, Empirismus und Deismus nicht nur Gottes Allmacht (2.Timotheus 3,5) bestreiten, sondern auch den Heiligen Geist leugnen (Matthäus 2,31b), da ja die Gabe, Wunder zu vollbringen, dessen Werk ist. Ein Wunder ist ein übernatürliches Einwirken in den normalen Ablauf der Natur, eine zeitweilige Aufhebung der gewohnten Gesetze durch den Heiligen Geist (griechisch: enérgēma; dynamis). Gott gibt uns ja hier eine Stärke oder Kraft, die wir normalerweise nicht haben. 5. Der Einfluss des Rationalismus der Aufklärung Der größte Einfluss auf den aufklärerischen Rationalismus war der, menschliches Denken und wissenschaftliche Methoden als Quelle jedweden Wissens zu erklären und damit zum Lehrmeister zu machen. Als die Aufklärung weitergeführt wurde, entstand die Ansicht, Glaube an Gott und die Bibel und rationales Denken könnten nicht Hand in Hand gehen. Entweder sei ein Individuum ‘rational’ und habe keinen Glauben an Gott oder aber eine Person sei irrational und glaube, Jesus ist ihr Erretter. Für jene, die sich den Ideen der Aufklärung anschlossen, wurde Jesus von seiner Stellung als HERR aller und über allem entfernt und wurde ein großer moralischer Lehrmeister. Die Bibel solle man nicht lesen, weil sie WORT Gottes und wahr ist, sondern einfach deswegen, weil sie eine gute moralische Botschaft enthalte. 5.1 Von der Regierung Bezeichnend war die Art und Weise, wie sich die Sichtweise von der Regierung wandelte. Der Kampf um die Freiheit wurde besonders von Rousseau (1712-1778) (4) vorangetragen. Wissenschaftlichkeit wurde als Feind der Freiheit abgelehnt. An dieser Stelle wird schon deutlich, dass auf ein einheitliches Erkenntnisfeld, das alles Denken und Handeln umschließt, immer mehr verzichtet wird. Rousseau dachte, die Regierung sei von Gott nicht dazu bestimmt, Übertäter zu bestrafen. Statt dessen war die Regierung »vom Volk, durchs Volk und für das Volk« – Gott war nicht mehr en centre des affaires. Politik war ein ‘contrat social’ (ein Gesellschaftsvertrag). Mit anderen Worten: Politik sei das Ergebnis einer Gruppe der Bevölkerung, die zusammenkommen, übereinkommen und als Gruppe einen Vertrag oder ein Reglement aufsetzen und unterzeichnen, durch welches sie entscheiden, sich selbst zu regieren. Dass man GOTT für die Auswahl und Bildung einer Regierung suchte, dafür bestand keine Notwendigkeit, entschied doch der Mensch, was recht und unrecht, richtig und verkehrt war; die hl. Schrift war ja bloß ein großes Moralkompendium und eine ganz gute Gebrauchsanweisung für den Menschen, um solche Entscheidungen zu treffen. »Die französische Aufklärung ist besonders negativ, überkritisch, gallig, eitel, hochmütig und antichristlich. Denis Diderot (6): ‘Die Welt wird nicht eher glücklich, bis der letzte König mit den Gedärmen des letzten Priesters erwürgt ist.’«(5) 5.2 Gesetze Das Gesetz sollte nicht mehr auf dem Worte Gottes gründen. Es wurde »Naturrecht« – die Gesetze der Natur. Indem man aus dem gesellschaftlichen und biologischen Leben Lehren ziehe, komme man schon zu dem rechten Schluss, was ‘richtig’ und ‘falsch’ für die jeweilige Person ist. die Naturgesetze sind ins Universum eingebaut. Als biblisch denkende Christen werden wir gewahr, dass GOTT es ist, der jedem Individuum ein Gewissen gegeben hat, das darauf abzielt, ihn darin zu leiten, was richtig und falsch, Recht und unrecht ist. wir können wiederum jedoch auch bemerken, dass Leute ihr Gewissen durchaus verhärten können und so nicht mehr Recht und Unrecht unterscheiden. Während nun auf diese Art und Weise jeder darin überein stimmen kann, dass Diebstahl und Mord im »contrat social« (Gesellschaftsvertrag) keineswegs akzeptiert werden dürfen, werden hingegen Themen wie außereheliche Sexualität einer weiteren Debatte geöffnet. Da, wo ein Rationalist nicht mit den moralischen Lehren und Ansprüchen der Bibel konform geht, nennt er die Bibel einfach »nicht mehr auf der Höhe der Zeit« und »altmodisch«. Unterziehe die Welt doch einer Prüfung und finde heraus, worum es im Leben geht! 5.3 Erziehung Radikal verändert wurde die Erziehung als ein Ergebnis aufklärerischen Denkens. Man lehrte den Menschen zu suchen und zu entdecken. Die (neue) Rolle der Erziehung bestand darin, das Kind in Übereinstimmung mit dem All zu bringen. Wir müssen uns vor Augen halten, dass nach diesem Weltbild das stoffliche Universum alles ist, über das der Mensch überhaupt Wissen erlangen könne, da ja Gott das Interesse an seiner Schöpfung verloren habe. So können wir lediglich das, was schon hier ist, entdecken und die Gesetze des Universums zu unserem eigenen Wohlbefinden bemeistern. Christliche Erziehung hingegen nähert sich ihrem Objekt auf andere Weise – sie zielt darauf ab, das Kind in Übereinstimmung mit Gott und Gottes Willen zu bringen, und nur dadurch, dass man seinen Schöpfer kennt und wer dies ist, vermag der Mensch, zu Wissen über die Schöpfung zu kommen und über die Art und Weise, wie Gott sie geschaffen hat. Also ist GOTT der Mittelpunkt christlicher Erziehung. Hinzu kommt noch, das diese Art von Erziehung es damit zu tun hat, dass es nötig und notwenig ist, Kindern (wie überhaupt den Zöglingen) den Charakter Gottes so »einzuträufeln«, dass sie ein gottesfürchtiges Leben zu führen in der Lage sind und ihrer Umgebung etwas von dem Charakter Gottes berichten können. Aufklärerischer Rationalismus möchte lediglich »vernünftige Moral« in das Kind hineinträufeln. Zum Anfang der SeiteDie Aufklärung erlitt einen schweren Schlag als Ergebnis der französischen Revolution. während der Zeit der Reformation war der französische König katholisch, und er ließ die französischen Hugenotten, oder Protestanten, in der Bartholomäus-Nacht des Jahres 1572 umbringen. Diese Tat hatte die Verbreitung der Reformation in Frankreich wirksam zum Stehen gebracht. Zu jener Zeit glaubten viele französische Denker standhaft und wacker an die Ideen der Aufklärung: der Literat und Kritiker Voltaire; der Freimaurer und Wegbereiter der Romantik Jean Jacques Rousseau, Sohn eines Hugenotten und einer Calvinistin (4). Sie waren beeinflusst worden von der unblutigen Revolution in England, als 1688 Jakob II. als König durch einen Volksaufstand abgesetzt worden war. Diese Revolte in England kann zurückgeführt werden auf protestantische Ideen über Gott und gottgewollte Regierung – Ideen, die es in Frankreich vordem gar nicht gegeben hatte. Voltaire und Rousseau lancierten Ideen darüber, wie man eine Revolution in Frankreich in Gang bringen und den König stürzen könnte. Sie brachten Argumente für eine Volksregierung und die Trennung von Kirche und Staat ein. Diese Ideen gipfelten schließlich in der Französischen Revolution von 1789, in deren Verlauf Ludwig XVI. (†1793) vom Thron gestürzt wurde. Ein neues Parlament wurde eingesetzt; doch innerhalb von 30 Jahren war Frankreich unter dem autoritären Regime Napoleon Bonapartes. Tausende waren guillotiniert worden, meist ohne gerechten Prozess. Hier werden die Ideen der Aufklärung herausgefordert: Sind sie wirklich in der Lage, die Frage, wie es um eine Regierung bestellt sein soll, zu beantworten? Macht der Mensch wirklich Fortschritte durch Wissen? Entdeckte der Mensch die Naturgesetze? Zum Anfang der SeiteBiblisch denkende Christen glauben an Offenbarung durch die Bibel. Gottes offenbartes Wort ist uns in der Bibel gegeben worden, dennoch fürwahr nicht erschöpfend. Dies schließt Vernunft und Logik keineswegs von der Bibel aus, im Gegenteil: Gott hat uns des weiteren Verständnis und Verstand gegeben, um mittels deren ihn, Gott, zu begreifen, unsere Mitmenschen und die Schöpfung. Unser Glaube ist nicht lokalisiert in irgendwelchen irrationalen Anschauungen, sondern in der historischen Tatsache, dass Jesus am Kreuze für unsere Sünden gebüßt hat. Die Bibel steht durchaus nicht abseits von jeder Geschichte, vielmehr ist sie in die Begebnisse der Geschichte hineinverwoben; Gott gibt uns mit seinen souveränen Zielen, die Menschheit zu retten und zu erlösen, kein unentwirrbares Rätsel auf! Als der Bibel folgende Christen haben wir tatsächlich ein bessere Verständnis, was die sog. Naturgesetze anlangt. ausgehend, dass sich Gott in der Schrift offenbart, begreifen wir Gott als einen rationalen Gott. Insofern können wir ohne Schwierigkeiten folgern, dass Gott ein rationales, wohlgeordnetes Universum erschaffen wollte. Wenn der Mensch darüber nachdenkt, so kommt er freilich zu einigem Verständnis für das Universum als ein logisch konstruiertes Ganzes, welches gewissen Mustern folgt. Existiert nun kein Gott, so existiert auch kein Grund, dass das Weltall eine irgendwie geartete Rationalität in sich hat. Obgleich die Denker der Aufklärung Gott noch als Schöpfer anerkannten, so begriffen sie dennoch nicht, dass Gott es ist, der durch sein Allmachtswort diese Welt auch erhält.(7) Zum Anfang der SeiteSie können nicht in den Himmel eingehen, wenn Sie nicht Gottes Willen tun (Matthäus 7,21). Wenn Sie den Herrn lieben, werden Sie Seine Gebote halten (Johannes 14,15). Jesus ist die Quelle der ewigen Errettung für alle, die ihm gehorchen (Hebräer 5,9). Wir müssen von Herzen der Lehre und dem Vorbild gehorchen, welche die Bibel vorschreiben (Römer 6,17). Das Evangelium ist die Gute Neuigkeit, dass Jesus für Sünde gestorben ist, begraben wurde und auferstand; er wird nie wieder sterben. (1. Korinther 15,1-4). Wir gehorchen diesem Vorbild, indem wir unsere sündhaften Wege in den Tod geben und mit Wasser getauft werden, um aufzuerstehen, um in einem neuen Leben zu wandeln. (Römer 6,4). Es gibt in Wirklichkeit weder einen Nihilismus noch einen Relativismus! Im Gegenteil: Sie können die Herrlichkeit Gottes durchaus erfahren, wenn Sie die Gemeinschaft von Frauen und Männern suchen, die vor Gott leben und ihm dienen. |
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* C. Brown, »Philosophy and the Christian Faith« u.a.1 1596-16502 1632-17043 1711-17764 Francoise Marie Voltaire: 1694-1778; Jean Jacques Rousseau: 1712-17785 Enzyklopädist, Literatur- und Kunsttheoretiker; 1713-17846 Siegfried Fritsch in »Deutsches Geschichtsbuch für Beter; Deutschlands Schuld – Deutschlands Berufung«, Aufbruch-Verlag, Berlin-Wilmersdorf, 2. Auflage 2001, Seite 767 Hebräer 1,3 |