Schluss

Erschreckt nahm Ruperto die Beine unter die Arme, bis er zu einem Gutshof gelangte, der ihm genügend friedsam erschien. Die Hühner scharrten nach einem schmackhaften Brocken für ihre Kücken. Die Gänse wiegten sich in den Hüften, so als ob sie zu einem Klang tanzten, den nur sie hörten.

Doch der Friede währte nur kurz. Ein Paar Wachhunde stürzten sich auf den Eindringling. Ruperto gelang es nur mit genauer Not, sich von diesem Angriff zu befreien, und er flüchtete – dabei war seine Kleidung zerfetzt und er hat seinen Hut verloren.

So schnell ist er gerannt, dass er sich dann und wann zum Ausruhen niederlegen musste. Die Augen schloss er zu, ein Mittagsschläfchen käme ihm gerade recht. Plötzlich merkte er, wie ein paar Fingerchen an seinem Gesicht, seinen Händen und Füßen entlang liefen.

«Siehst du? Es ist gar kein Mann.» – «Nein, es ist eine Puppe.» – «Ich hab’ dir’s ja gleich gesagt.» – «Mit dem könnten wir ein tolles Feuerchen machen!»

Die beiden Jungen, die ihn entdeckt hatten, gingen weg, um Hölzchen zu suchen. Und ihnen standen die Haare zu Berge, als sie sahen, wie Ruperto aufstand und spornstreichs davonlief.

Nachdem er an eine Wiese, ein Waldstück und eine Bach gelangt war, tat die Puppe die Augen zu und ließ sich auf die Erde fallen. Er wusste nicht, wo er war. Es war ihm auch egal. Er konnte wirklich keinen Schritt mehr tun.

Nach einem Weilchen spürte er, wie ihn eine haarige Schnauze in den Ohren kitzelte. Und er hörte ein fröhliches Bellen, als wär’s ein Willkommens-Gruß!

Ruperto tat ein Auge auf, während er einen vertrauten Geruch erkannte . . . Kohl war’s – danach roch es! Er öffnete das andere Auge – Er lag in Meister Beppos Gemüsegarten und Chusco war an seiner Seite!

Und er sah, was er zuvor nicht hatte sehen wollen:

Die Sperlinge, die im Erbsengesträuch Fangen spielten, die Erdbeeren, die ihr süßes und saftiges Fruchtfleisch herzeigten, die Wolken, die sich in ein Segelboot verkleideten oder in eine Burg mit sieben Türmen!

 

Meister Beppo kam aus seinem Haus gelaufen und lief auf ihn zu.

«Oh weh, Kamerad! Bist wohl hingefallen?» sagte er zu ihm. –

«Und wie hast du denn deine Sachen an! Vielleicht hast du ja auch nicht schlafen können die ganze Nacht lang, so wie ich! Und weißt du, worüber ich nachgedacht habe? Ich bin gar nicht alt geworden, sondern nur faul. Wir werden wieder arbeiten! Gerade heute abend haben wir eine Vorführung für die Kinder des Dorfes! Und du wirst mein Kostüm tragen!»

Es war einer von den besten Tagen. Das Publikum lachte und applaudierte wie an keinem anderen Tag sonst, denn noch niemals hatten sie so gute Künstler wie Meister Beppo und seine Puppe gesehen.

In der dritten Reihe sah Ruperto Verdurina sitzen.

Die Fee zwinkerte mit einem Auge, während sie gleichzeitig an ihrer Mohrrübe knabberte, die alles konnte . . . ja sogar die Puppe eines Bauchredners glücklich machen.

 

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