8. April 2000 - Snowbowl 2000 / Flims - Laax - Falera
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Ein Kampf gegen Walküren (vom Tages-Anzeiger kopiert)

Das Schweizer Frauen-Footballteam hat sich ob Laax so
heftig gegen Deutschland gewehrt, dass es den Rettungsheli benötigte. 

Von Bernhard Sutter, Laax 

Ein Loch tut sich auf. Die Nummer 28 klemmt das "Ei" unter
den Arm und läuft. Doch wie eine orange Lok nähert sich die
gegnerische 54. Unsanft landet die 28 im Schnee. "Aua",
tönts leise unter dem Helm hervor. 
Die 28 kommt aus Zürich, die 54 aus Karlsruhe (D). Ihre
Teams - Zurich Lightnings und Beastie Girls - treffen sich an
diesem Samstag in der Alpenarena Flims-Laax-Falera zum
internationalen Spiel. "In der Schweiz gibts halt keine anderen
Frauenteams", erklärt Mario Provenzale, Trainer der Zürcherinnen. 

Die Alpenarena ist für die organisierenden Lightnings ideal.
Hier tummeln sich junge Snowboarderinnen, unter denen
vielleicht Mitglieder gewonnen werden können. Denn für diesen
Männersport sind Frauen nicht leicht zu finden. Verteidigerin
Chris: "Wir sind 20 und brauchen nochmals so viele." Zwar
sind jeweils nur elf auf dem Feld, stetes Auswechseln ist aber
vonnöten. 

Drei Teenies finden tatsächlich: "So cool." Und: "Jetzt haben
wir selber Lust auf Football." Die meisten Zuschauerinnen
jedoch sagen: "Die Regeln sind unmöglich zu verstehen." Die
Einzige, die hüpft, schreit, echt mitfiebert, ist eine
Amerikanerin aus Boston: "Ich war früher Cheerleader." 

Nadia bleibt regungslos liegen 

Die Deutschen spielen grob, mit gesenktem Helm rennen sie
wie Furien auf die zierlicheren Zürcherinnen los, sie begehen
Fouls, führen mit sechs Punkten. Plötzlich krachts. Eine
Abfangaktion: Helm prallte auf Helm. Die Zürcherin Nadia
bleibt liegen. Ihr Freund eilt erschrocken aufs Feld. Später
kommt der Regaheli. Nadia kann noch alles bewegen, sie wird
aber zum Röntgen geflogen. "Sicher ist sicher", sagt der
Trainer. 

"Rohe Szenen sind eher die Ausnahme", betonen die
Lightnings-Spielerinnen, "Football ist vor allem Taktik." Sie
beweisen es mit geschickten Spielzügen quer über die
malerische Alp. Doch wenn dann die Beastie Girls wieder
angreifen, setzt es für die Zürcherinnen doch blaue Flecken
und blutende Knie ab. 

Tierarztstudentin Carla Schubiger (23) hat das einzige
Frauenteam im Land 1999 gegründet. Schülerinnen,
Krankenschwestern, Sekretärinnen sind dabei. Ihre
Faszination können sie während des Matchs nicht in Worte
fassen, einzig unter dem Helm hervorstossen: "Es ist einfach
super!" Die Zürcherinnen sind hübsche, feminine Frauen von
ganz normaler Postur, bloss die Schulterpolster lassen sie
bullig wirken. 

Respekt vor der Riesin 

Anders die Deutschen: Wahre Walküren sind sie, grimmig,
tätowiert, eine mit rasiertem Schädel. Die hundert Zuschauer
raunen sich zu: "Schau mal die Nummer 44." Es ist kein
Geheimnis: Das Beastie Girl war nicht immer schon ein Girl.
Die Lightnings haben Respekt vor der Riesin. Doch eine
stoppt sie heldenhaft mit einem Sprung vor die Füsse. Nun
klappts doch noch. Ein Pass über 20 Meter, und Jeannine
kommt zum Touchdown. Ausgleich geschafft: unentschieden.
Das Resultat feiern nun beide Seiten mit kurzen Sprechchören
als Sieg. Nur eine Spielerin ist untröstlich: "Mein Fingernagel
ist abgebrochen." Es ist - natürlich - eine Zürcherin.

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