Geschichte des Münsterschen Cartellverband (MCV)


Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) geht zurück auf eine allgemeine katholische Volksbewegung in der Mitte des vorigen 19. Jahrhunderts, die im Abwehrgeist infolge der Übergriffe und Ausschreitungen gegen Mitglieder und Einrichtungen der katholischen Kirche entstand, und die auch auf studentische Kreise übergriff. Diese erstrebten gegen die Bedrohung ihrer Glaubensfreiheit und zur Pflege gemeinsamer Ideale und Ziele einen engeren Zusammenschluss auf konfessioneller Basis. Sie lehnten sich in äußeren Formen stark an die zur damaligen Zeit bestehenden studentischen Korporationen an, waren aber im Gegensatz zu diesen bestrebt, dem studentischen Gemeinschaftsleben neue Inhalte zu geben, aufbauend auf den von Anfang an bis heute gleichbleibenden Prinzipien "religio,scientia,amicitia et patria".
Als Ziel galt, "das katholische Bewusstsein zu kräftigen, reges wissenschaftliches Streben zu fördern und enge Freundschaft für das Leben auszubilden".

Mit der Aufnahme der HARMONIA, eines ehemaligen akademischen Gesangvereines, dehnte sich der 1856 in München und Breslau gegründete Verband im Jahre 1871 auch auf Münster aus. Diese erste farbentragende katholische Studentenverbindung, die sich 1872 in ALSATIA umbenannte, wurde schon 1878 in den Wirren des besonders in Münster hart geführten Kulturkampfes aus vorwiegend disziplinär-kirchenpolitischen Gründen durch die Senatsführung aufgelöst. Noch im gleichen Jahr trat die heutige SAXONIA ihre Nachfolge an.

SAXONIA blieb lange Zeit die einzige CV-Verbindung am Ort, bis sich im Jahre 1901 auf Grund ihrer übergroßen Mitgliederzahl die Gründung der Tochterverbindung CHERUSCIA, die schon vorher mehrmals angeregt worden war, als eine nicht mehr zu umgehende Notwendigkeit erwies. 1903 siedelte sich eine in Marburg als BORUSSIA gegründete CV-Verbindung unter dem neuen Namen ZOLLERN in Münster an. SAXONIA und CHERUSCIA gestatteten je fünf Bundesbrüdern den Übertritt zu ZOLLERN.

1904 war SAXONIA abermals zu groß geworden; es wurde beschlossen, eine zweite Tochterverbindung in Münster ins Leben zu rufen. Man gab ihr den Namen NEO-ALSATIA, da der Senat durch den Zusatz "Neo" nach über 25 Jahren auch nur jeden Anschein einer Verbindung zu der zwangsaufgelösten ALSATIA vermeiden wollte.

Erst 1906 durfte ALSATIA den Zusatz "Neo" ablegen. Als dann im Jahre 1905 die von Ripuaria Bonn gegründete ARMINIA in den CV aufgenommen wurde, war Münster die erste Stadt, die dem CV fünf Verbindungen stellte. Und sechs Jahre später bekam Münster mit dem Beitritt des KDV ("Katholischer Deutscher Verband farbentragender Studentenkorporationen") zum CV mit der SAUERLANDIA ihre sechste CV-Verbindung. Es trat dem MCV die von ihrem Gründungsdatum (1847) her älteste Korporation Münsters bei, die bis 1883 konfessionell ungebunden, aber stets farbentragend war, und von der sich 1850 die Landsmannschaft Rhenania und 1878 die Burschenschaft Frankonia abgespalten hatten.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mussten die Verbindungen jenseits des Eisernen Vorhanges im Westteil Deutschlands eine neue Heimat suchen. Die ehemals in Greifswald befindliche ALEMANNIA (seit 1891) gelangte auf diese Weise 1947 nach Münster, ein Jahr später folgte WINFRIDIA, eine der Gründungsverbindungen des CV, die ehemals in Breslau beheimatet war.

1977 schloss sich auch Widukind Osnabrück dem MCV an. Auf Grund der Entfernung zu Münster und den nur bedingt möglichen Kontakten zu den anderen MCV-Verbindungen kam es jedoch 1990 zur Trennung.

Nach dem Fall der Mauer im November 1989 konnte ALEMANNIA ihre seit 1986 bestehenden Kontakte zur ALEMANNIA Greifswald, die dort 1983 von Mitgliedern der katholischen Studentengemeinde wiedergegründet wurde, so vertiefen, dass es 1990 zum Zusammenschluss kam. ALEMANNIA weist heute jeweils eine Aktivitas in Greifswald und in Münster mit einer gemeinsamen Altherrenschaft auf.

Im Jahre 2002 musste die ARMINIA wegen Nachwuchsschwierigkeiten den aktiven Verbindungsbetrieb einstellen. Ihre Altherrenschaft fusionierte darauf mit der Altherrenschaft der CHERUSCIA

Heute trägt der MCV mit seinen sieben Verbindungen, die zusammen mehr als 3000 Mitglieder umfassen, wesentlich zur Stärke des CV bei, der heute an 62 Hochschulen mit 124 Verbindungen vertreten ist und sich aus den kleinsten Anfängen 1856 zum größten deutschen Studentenverband überhaupt mit 32000 Mitgliedern entwickelt hat.

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