Naturgewalten

 

 

Es war ein wunderschöner Sommertag auf Eternia. Die Vögel zwitscherten, die Bewohner der Stadt verließen ihre Häuser um entweder mit ihren Familien ein Picknick im Freien zu veranstalten, oder um den Tag auf dem Marktplatz zu verbringen, der mittlerweile der Treffpunkt der Bürger war.

Es war einfach herrlich!

Alle waren zufrieden, glücklich und gut gelaunt. Und das schönste an diesem sonnigen Tag war, dass es absolut keine Anzeichen für einen Angriff der bösen Mächte gab. Die Kundschafter des Schlosses hatten heute noch niemanden von Skeletors Leuten umherschleichen gesehen.

Perfekt, also.

 

Teela hatte sich auf einer Bank im Schlossgarten ausgestreckt, die Augen geschlossen und war eingedöst. Orko war bei ihr, lag schnarchend auf ihrem Bauch.

Als ein ziemlich schwitzender Man-at-Arms den Garten betrat und die zwei erblickte, musste er schmunzeln: So ein Bild bat sich ihm auch sehr selten!

Er fasste Teela an der Schulter und rüttelte sie leicht. Die Befehlshaberin der königlichen Leibwache drehte den Kopf leicht nach links, öffnete dann langsam die Augen.

Der Waffenmeister machte eine Handbewegung – das sollte wohl bedeuten, sie solle endlich aufstehen!

Vorsichtig, um Orko nicht zu wecken, richtete sie sich auf, gähnte einmal müde – und legte den kleinen Trollaner dann behutsam auf die nebenstehende Bank.

Dann schlenderte sie durch den Garten, bis sie zur Tür der Waffenkammer gekommen war – Man-at-Arms persönliches Reich.

Der Waffenmeister Eternias war schon vorausgegangen, wartete hier bereits auf Teela. Sie drückte auf einen roten Knopf an der Wand und die stählerne Tür der Werkstatt fiel hinter ihr zu und verriegelte sich selbst. Das Sicherheitssystem der königlichen Waffenschmiede war eines der ausgeklügelsten von ganz Eternia, war dies doch immerhin auch einer der Räume, die Skeletor auf keinen Fall in die Hände fallen durften.

Gemütlich setzte sich Teela auf einen Hocker, Man-at-Arms werkelte an einem neuen Apparat.

„Und – ausgeschlafen?“ lächelte er sie an.

Teela gähnte erneut: „Nein... nicht ganz!“

„Ich muß mich wundern! Wolltest du heute nicht los, in die Wälder? Wieder ein neues Überlebenstraining starten – allein?“

Jetzt riss sie die Augen erschrocken auf: „Was - - woher... woher weißt du...?“

„Nun, das ist wohl so was wie väterlicher Instinkt.“

Teela drehte sich beschämt zur Seite.

„Teela. Hör zu, ich will doch nur nicht, dass dir etwas passiert! Wann wirst du das endlich einsehen? So alleine in den Wäldern – tagelang! Das ist kein Spiel, dir kann ernsthaft etwas zustoßen!“

„Ich weiß, ich weiß! Aber ich bin kein kleines Kind mehr! Ich kann auf mich aufpassen!“

„Das weiß ich doch... trotzdem kann ich nicht ruhig schlafen wenn ich weiß, dass du da draußen ganz allein im Wald rumläufst!“

„Deshalb wollte ich dir ja auch nichts verraten...“ Sie fing an zu schmollen.

„Wie jedes Mal! Teela – ich...“ Man-at-Arms blickte sie an – ja, war ja richtig: Sie konnte aufpassen, sie konnte sich verteidigen. Aber Skeletor war ein äußerst tückischer Zeitgenosse! Würde er sie dort allein im Wald entdecken und sie mit einer ganzen Horde seiner Leute angreifen - - dann hätte auch Teela keine Chance!

Aber es half ja nichts, das wusste er – sie würde auch dieses Mal losziehen. Ob er ihr es jetzt erlaubte, oder nicht! Sie war nun einmal ein Dickkopf erster Güte!

„Okay, Teela... mach es, wie du meinst. Aber ich sage nur noch einmal: Ich find’s zu gefährlich.“

„Ja, ich weiß doch...“ stöhnte sie.

Man-at-Arms schraubte weiter an seiner neuesten Waffe.

 

Einige Stunden später stand Teela in der großen Palastküche. Die Köche, Küchenhelfer und Kellner waren momentan nicht da, das Mittagessen war bereits beendet und das angefallene dreckige Geschirr war auch schon abgewaschen.

Sie hatten sich die Freizeit verdient – an so einem schönen Tag, dachte Teela.

Die Befehlshaberin der königlichen Leibwache hatte einen großen Lederbeutel bei sich. In ihn stopfte sie nun ausgewählte Snacks – denn: Überlebenstraining hin oder her, etwas vernünftiges zu Essen wollte sie schon dabei haben!

Als sie den vollen Beutel zugeschnürt hatte ging sie aus der Küche hinaus, traf einige Minuten später in den königlichen Ställen ein. Sie spurtete eilig an den Boxen vorbei, blieb schließlich an einer von ihnen stehen.

„Star – komm, bring mich in den Wald.“ flüsterte sie dem Tier ins Ohr, während sie es langsam aus seiner Box führte.

 

Unterdessen war Skeletor nicht untätig gewesen. Er hielt weiter an seinem ewigen Vorhaben fest, den Planeten zu erobern. Es würde sich wohl niemals ändern. Der Herr des Bösen hatte sich seit Tagen in seinem unterirdischen Labor eingeschlossen. Hier konnte er ungestört experimentieren, konnte düstere Pläne aushecken - und nachdenken.

Wenn er tagelang nicht mehr herauf kam, begannen seine Mitstreiter meist zu grübeln: Was tat er schon wieder da unten? Was brütete er nun wieder aus?

Sorgen machte sich keiner von ihnen – das war ihnen verboten worden. Skeletor wollte von nichts und niemandem gestört werden, wenn er im Labor war.

Gerade standen Evil-Lyn und Stinkor an der verriegelten Metalltür, die hinunter ins Labor führte.

„Was er wohl wieder ausheckt...“ Evil-Lyn überlegte. Es interessierte sie. Sie war von Hause aus ein neugieriger Mensch.

„Weiß nicht – und ich glaub, ich will’s auch gar nicht unbedingt wissen.“ Antwortete Stinkor gleichgültig. Doch man sah ihm an, dass auch er zu gerne wissen würde, was da unten vor sich ging. Meist war Skeletor ja allein im Labor, nahm nur selten jemanden mit hinunter.

„Manchmal mach ich mir Sorgen, dass er vielleicht irgendwann mal versehentlich die Burg in die Luft jagt – ich mein, er weiß doch manchmal selbst nicht so richtig, was er da unten so zusammenbraut?!“ meinte Evil-Lyn höhnisch.

Stinkor sah sie grinsend an.

Nach einer kleinen Pause fragte er sie: „Du warst doch schon mal da unten, Lyn?“

„Ja, zweimal. Ist aber schon etwas länger her – damals brauchte er meine Kräfte für einige seiner komischen Versuche... Dich hat er noch nie mitgenommen?“

Er schüttelte den Kopf.

Sie erzählte aus der Erinnerung: „Die Luft in diesem Labor ist stickig, sie scheint dich zu erdrücken, wenn du die Räume betrittst. Überall stehen Glasgefäße, Trichter und Maschinen rum, es ist doch sehr unordentlich und unüberschaubar - - weiß gar nicht, wie er sich da noch zurechtfinden kann.“

„Vielleicht hat er ja inzwischen aufgeräumt.“ Stinkor grinste in sich hinein.

„Skeletor doch nicht!“ Auch sie musste schmunzeln.

Plötzlich störte ein ohrenbetäubender Knall die Konversation der beiden! Sie wichen erschrocken von der Tür weg.

„Wir werden angegriffen!“ brüllte Stinkor, zückte seinen Laserstrahler. Doch Evil-Lyn packte ihm auf den Arm: „Red nicht! Das kam aus dem Labor!“

Sie hielt das linke Ohr an die schwere Tür.

„Was hörst du?“

„Ein Röcheln... Zischen - - er kommt herauf, glaub ich.“

„Sieh mal..!“ Stinkor zeigte auf den Boden: Dicke, tiefschwarze Rauchschwaden zogen langsam unter der Tür hindurch. Elegant verteilten sie sich im Gang.

Da sprang die dicke Metalltür auf. Skeletor trat torkelnd heraus, völlig eingehüllt von diesem dichten Rauch. Er hielt sich ein Tuch vor Mund und Nase, atmete hektisch, röchelte, schnaufte. Er ging fast auf die Knie, Evil-Lyn und Stinkor eilten ihm rasch zu Hilfe, stützten ihn.

„Was... was ist passiert...?“ Von dem vielen Rauch musste Evil-Lyn husten.

Sie schleppten den Herrn des Bösen in den Thronsaal, ließen ihn, so behutsam es ging, auf seinen aus etlichen Knochen zusammengesetzten Thron sinken.

Evil-Lyn brachte ihm ein Glas Wasser: „Trink das, befeuchtet deine Kehle.“ Skeletor schluckte ohne zu Zögern. Dann ließ er erschöpft das Tuch zu Boden fallen. Er legte den Kopf nach hinten, starrte zur Decke, atmete wieder normal. Zwar musste er zwischendurch doch noch ab und zu wieder anfangen, hart zu husten – doch auch das sollte innerhalb der nächsten Minuten vergangen sein.

„Skeletor! Was ist da unten passiert?“ Stinkor drängte ihn nun.

Der Herr des Bösen hob den Kopf wieder, sah seine Mitstreiter an. „Ja... ja, es ist etwas schiefgelaufen... das war nicht geplant...“

„Wohl nicht.“ Warf Evil-Lyn ironisch ein. Doch ein blitzender Blick Skeletors ließ sie sofort wieder verstummen.

„Mein Experiment... ich war dabei, ein Gebräu zu mischen, das meine Widerstandskraft verstärken sollte... ich habe die Formel dazu aus einem alten Buch entnommen.“

„Und? Hast du Zutaten vergessen?“ Sie sah ihn prüfend an.

„Das Originalbuch wurde damals auf Nhemaysh geschrieben, von einem uralten, weisen Magier. Es scheint bei der Übersetzung in unsere Sprache – einige Fehler gegeben zu haben... jedenfalls ist mir plötzlich der Kessel zersprungen, in dem ich gemischt habe...“

Skeletor richtete sich auf. Er ging einmal um den steinernen Tisch herum, der in der Mitte des Raumes stand, und in dessen Mitte sich sein Spionbildschirm befand.

Dann drehte er sich ernst zu seinen Mitstreitern um: „Sorgt dafür, dass der Kessel von hier weg kommt.“

„Weshalb? Ist das Zeug giftig?“ fragte Stinkor, leicht verängstigt.

Skeletor meinte nur: „Verfall nicht gleich in Panik, Angsthase. Ich weiß nicht, ob das Zeug im Kessel giftig ist. Deshalb rührt es nicht an, bringt den Kessel so wie er jetzt da unten steht irgendwo hin – zum Beispiel in die Wälder. Ich will dieses stinkende Zeug nicht hier in der Burg stehen lassen, kapiert?“

Evil-Lyn und Stinkor nickten. Skeletor klang wieder einmal äußerst bestimmend, da war es besser, ihn nicht noch weiter mit Fragen zu belästigen.

So stiegen die beiden einige Minuten später die lange, in Stein geschlagene Treppe hinunter ins unterirdische Labor. Immer noch waren die Räume hier mit pechschwarzen Rauchschwaden gefüllt, die langsam, aber bedrohlich, ihre Bahnen von einer in die nächste Ecke zogen.

Sie durchquerten die einzelnen Laborräume, kamen an etlichen großen und kleinen Glasbehältern vorbei, die mit mysteriös-aussehenden Flüssigkeiten gefüllt waren. Hier standen Maschinen herum, deren Funktion sie oft beim besten Willen nicht erkennen konnten – aber einschalten, nein, das trauten sie sich auch irgendwie nicht. Wer weiß, was Skeletor hier zusammengebastelt hatte...

Evil-Lyn hatte endlich den Kessel entdeckt und winkte Stinkor zu sich herüber. Kurz blieben sie beide stehen und begutachteten das Teil: Es war ein etwa ein Meter hoher, zylinder-förmiger Kessel aus relativ dickem Metall, mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern. Der passende Deckel, den man wohl mit Hilfe einer mechanischen integrierten Funktion auf der Öffnung des Kessels schließen konnte, lag zerbrochen neben dem Gefäß. Stinkor sah kurz in den Kessel hinein: Gefüllt war der Metallkessel mit einer zähflüssigen, giftgrünen Masse. Übel-riechende Dämpfe strömten ungehindert heraus, in die Höhe, verteilten sich an der Decke der Räume.

Durch die Explosion hatte der Kessel etliche größere und kleinere Risse bekommen, aus denen diese unbekannte Flüssigkeit hinausschwappte und auf den felsigen Boden klatschte. Wo sie auftraf, da zischte es, wie eine Säure fraß sie sich langsam in den Boden.

„Okay, bringen wir das Ding schnellstens hier raus.“ Meinte Evil-Lyn schließlich. Mittlerweile waren ihnen Tri-Klops und Two Bad zur Hilfe gekommen. Gemeinsam hoben sie den Kessel, so wie er war, hoch und trugen ihn mühsam die Treppe hinauf. Als sie schließlich draußen im Freien angekommen waren stellten die Monsterkämpfer das schwere Gefäß ächzend auf einem kleinen Holzkarren ab. Dieser wurde nun von Tri-Klops und Two Bad gezogen und geschoben, quer durch die Wälder.

„Skeletor hat gesagt, bringt das Teil so weit von Snake Mountain weg wie möglich!“ meinte Tri-Klops. Two Bad nickte – mit beiden Köpfen.

Sie zogen den Karren etwa eine Stunde lang quer umher, gerieten immer tiefer in den Wald. An einer Stelle, wo der Boden steiniger, und das Ziehen des schweren Karrens dadurch noch kräfteaufwendiger wurde, machten die zwei Halt. Sie kippten den Kessel ungeschickt vom Karren herunter, er krachte auf die spitzen Felsen.

„Iiih, sie mal: Der olle Karren is nun auch voll mit dieser grünen Brühe!“ bemerkte Two-Bad, als sie gerade den Rückweg antreten wollten.

Tri-Klops sah nur kurz hin. „Ach, dann lassen wir das alte Teil halt auch hier stehen! Komm jetzt!“ meinte er genervt.

Das ließ sich Two Bad natürlich nicht zweimal sagen. Er ließ den sperrigen Holzkarren stehen, warf noch einen letzten Blick auf den da liegenden Metallkessel: Die Risse darin hatten sich durch den Sturz auf den felsigen Boden zum Teil noch ausgedehnt, diese grüne Masse lief zäh heraus auf den Erdeboden, der gift-grüne Dampf stieg aus der Kesselöffnung hinaus in den Himmel.

„Das dampft aber extrem!“ bemerkte der zweiköpfige Monsterkämpfer.

Tri-Klops stöhnte entnervt auf: „Glotz den Glibber doch noch ne Stunde an, muß ja unglaublich spaßig sein! Herrje – lass das Mistding doch! Braucht uns doch nicht mehr zu interessieren! Ob’s tropft oder dampft – was soll’s! Kommst du jetzt endlich? Sonst geh ich allein schon mal vor!“

„Nein, ich komm ja.“ Knurrte Two Bad. Das Monster mochte es gar nicht, gehetzt zu werden. Skeletor war der Einzige, dem er da nicht widersprechen mochte. Aber Tri-Klops? Der hatte ihm doch nichts zu sagen! Aber Two Bad sagte nichts – er wollte ja auch schnellstens wieder nach Snake Mountain zurück. Ihm war dieses grüne Zeug irgendwie nicht geheuer... Doch sollte Tri-Klops weiterhin versuchen, ihm in irgendeiner Weise Befehle zu erteilen, so würde er ihm schon zeigen, was er von ihm hielt. Die perfekte Harmonie hatte zwischen ihnen ja noch nie wirklich stattgefunden.

 

„Sie macht ja eh immer, was sie will. Dickköpfig, ja, das ist sie schon...“ murmelte Man-at-Arms schmunzelnd in sich hinein, während er an seiner neuesten Waffe herumschraubte und Drähte einsetzte. Er wusste ja, wie Teela war. Aber dieser Dickkopf und ihre Entschlossenheit – dies waren alles Dinge, die er an ihr einfach liebte. Doch wollte er natürlich nicht, dass sie Teela irgendwann einmal zum Verhängnis werden würden. Er kannte sie ja nun mehr als gut und wusste, dass Teela ein Mensch war, der gerne seinen Mut auf die Probe stellte, der gerne ausprobierte. Er wusste auch, dass es einfach sinnlos war, ihr etwas zu untersagen – aber das tat er doch nur um Sorge um sie! Naja, er war sich sicher, dass sie das wusste – und schätzte...

Ein fröhliches „Hey, Waffenmeister!“ riss ihn aus seinen Gedankenwelten. Adam stand lächelnd in der Tür, Orko schwebte neben ihm, in Schulterhöhe. „Was tust du gerade?“

„Oh – hallo Adam, Orko! Ach, ich arbeite gerade an einer neuen Waffe...“

„Aha. Wie weit bist du?“ Adam kam zu ihm an den Werktisch, begutachtete das noch unfertige Teil aus glänzendem Metall.

„Nun, das dauert wohl noch etwas.“ antwortete ihm Man-at-Arms.

Nun schwebte auch der kleine Trollaner näher: „Du siehst so nachdenklich aus, Man-at-Arms! Ist was?“ Er sah prüfend an ihm herunter.

Doch Man-at-Arms schüttelte verkniffen-lächelnd den Kopf: „Ach, nichts, Orko. Teela ist nur zu einem neuen Überlebenstraining aufgebrochen – mal wieder!“

„...und du warst wieder mal dagegen.“ Adam grinste: „Ich weiß ja, dass du dir Gedanken machst, das ist doch völlig in Ordnung, Arms. Aber Teela macht doch im Endeffekt eh das, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. Und sie ist ja schließlich auch stark.“ Er lächelte den Waffenmeister warm an.

Man-at-Arms kramte einen weiteren Schraubenzieher aus einer Schublade hervor: „Ach Adam – weiß ich doch. Glaub mir, ich weiß.“ Er erwiderte das Lächeln.

„Ich kann Teela ja nachspionieren und aufpassen!“ kicherte Orko erwartungsvoll.

Aber Adam mahnte sogleich: „Orko, das tust du nicht! Du weißt, dass Teela das nicht mag! Und wir vertrauen ihr doch, oder?“

„Ja, natürlich.“

„Mach dir keine Sorgen, Arms. Wir reden hier schließlich nicht von einer Anfängerin – wir reden hier von unserer Teela! Die weiß schon, was sie tut.“

Der Waffenmeister nickte.

„Okay. Arms, möchtest du nicht mal eine Pause einlegen? Du schraubst hier doch sicherlich schon wieder seit Stunden rum.“ wechselte der Prinz nun das Thema.

Orko fiel sofort mit ein: „Ja, genau! Wir wollten nämlich was Essen gehen, unten in der Stadt, da gibt’s ein neues Restaurant, das ‚Golden Duck’!“

„Kommst du mit?“

Man-at-Arms sah erst auf den gelben Schraubenzieher in seiner Hand, dann auf die auf dem Tisch liegende unfertige Waffe. Er legte den Schraubenzieher schließlich beiseite und sah seine Freunde an: „Ja. Ja, ich glaub ich könnt jetzt eine Pause gebrauchen!“

„Wußt ich’s doch!“ freute sich Orko. Sie verließen also die Waffenkammer, Man-at-Arms verriegelte die Werkstatt mit einem Knopfdruck. Als die drei Freunde ins Freie traten und sich gerade auf den Weg machten, sah Orko gen Himmel: „Huch! Guckt mal, der Himmel verdunkelt sich plötzlich!“

Die anderen Beiden sahen hoch. „Hast Recht, Orko. Sieht so aus, als käme da ein kleiner Regenschauer auf uns zu.“ meinte Adam, als er ebenfalls die sich immer weiter vorschiebenden dunklen Wolken erspähte.

„Ui, hoffentlich regnet’s nicht gerade dann, wenn wir nachher wieder nach Hause gehen...!“ bemerkte Orko noch.

Man-at-Arms lachte: „Aber Orko! Wir haben’s doch nicht weit!“

Der kleine Zauberer antwortete kichernd: „Ich weiß doch, Waffenmeister...“

 

Nach einem längeren Marsch durch den dichten Wald hatte sich Teela schließlich bei einem dicken, uralten Baum niedergelassen. Denn auch sie hatte den sich zuziehenden Himmel gemerkt und suchte sich diesen Baum aus, da er eine große, breite und besonders dicht-gewachsene Krone besaß, die bei einem eventuellen Regenschauer wohl relativ wenig Tropfen durchlassen würde.

Nun sah sie da, an den Stamm gelehnt, kramte gerade aus ihrem Beutel ein Stück Brot.

„Ich mag die Wälder...“ murmelte sie, während sie vom Brot abrupfte. Versonnen schaute sie umher, horchte, beobachtete.

„Ich sitze gerne ab und zu mal hier, hier in dieser wunderbaren Ruhe, schaue mir die friedlich umherschleichenden Tiere an...“ Obwohl doch gar keiner da war, dem sie das erzählen konnte, sprach sie doch laut. Ja, es tat manchmal schon gut, seine Gedanken einfach einmal frei herauszusprechen – da war es auch egal, ob jemand zuhörte oder nicht.

Die ersten Tropfen fielen zu Boden.

Teela zog die Füße ein.

„Oh – es geht tatsächlich schon los.“

 

Inzwischen im „Golden Duck“. Der Kellner räumte gerade die leergefutterten Teller ab, fragte seine Gäste dann höflich: „Wünschen Sie noch etwas? Ein Dessert, oder vielleicht noch einen Wein?“

Adam winkte ab: „Nein, vielen Dank, wir möchten bezahlen.“

Der Kellner schien verwundert: „Aber nicht doch! Vom Sohn des Königs werden wir doch kein Geld annehmen! Sehen Sie’s als Geschenk des Hauses!“ Er lächelte.

„Ähm – nein, bitte, ich möchte wirklich gern bezahlen, wie andere auch.“ Adam lächelte verlegen zurück.

Orko zupfte ihn am Hemd: „Adam! Ist doch toll, wenn wir das alles umsonst kriegen!“

Adam musste kurz auflachen, sah seinen kleinen, schwebenden Freund an: „Aber ich würde mich dabei einfach nicht wohl fühlen.“

Also bezahlte Adam doch noch. Zwar weigerte sich der Kellner erst noch weiter – doch irgendwann ließ auch er nach. Er wünschte den drei Helden noch einen schönen Abend und dann verließen Prinz Adam, Man-at-Arms und Orko das Lokal – und standen im Regen!

„Ich hab’s gesagt!“ entfuhr es Orko sofort.

„Ach herrje!“ meinte der Waffenmeister nur trocken. Der Regen platschte nur so auf sie herab, harte Tropfen prasselten zu Boden. Und der Himmel schien sich immer weiter zu verdunkeln.

Adam begann, in Richtung Palast zu laufen: „Kommt schon! Oder wollt ihr im Regen stehen bleiben?“

Natürlich nicht! Eilig rannte Man-at-Arms seinem Freund hinterher, Orko schwebte ihnen nach. 

Es wurde tatsächlich noch schlimmer: Der Regen wurde innerhalb der nächsten paar Minuten noch erheblich heftiger, die Tropfen schwerer und härter. Außerdem kam jetzt auch noch langsam aber sicher ein stärkerer Wind auf.

Man-at-Arms, Prinz Adam und Orko flüchteten in Richtung Palast. Als sie endlich das Tor erreicht hatten, standen sie völlig durchnässt vor den Wachen, die ihnen schmunzelnd öffneten.

Schließlich betraten die drei das äußerst großräumige königliche Wohnzimmer, den Aufenthaltsraum. König Randor und seine Frau standen gerade an einem der hohen Fenster und sahen hinaus in den Regen. Die Königin bemerkte sie als erste, rannte sofort besorgt auf ihren Sohn zu: „Adam, wie seht ihr aus?“

Nun drehte sich auch der König um.

„Wir waren lecker essen!“ antwortete Orko, sich das kleine Bäuchlein reibend. Der König musste grinsen: „Tja, mein Sohn, du siehst ja klasse aus!“ Er lachte, als er Adam da so klatschnass im Zimmer stehen sah, wie er sein Hemd energisch auswrang.

„Ihr erkältet euch noch! Zieht euch lieber schnell um!“ meinte die Queen besorgt.

Der König hatte ganz andere Sorgen: „Hoffentlich wird das nicht noch schlimmer...“

„Meinen Eure Majestät das Unwetter, das draußen tobt?“ fragte der Waffenmeister.

Der König nickte, sah wieder kurz aus dem Fenster: „Regen, Sturm... das Dach des Westflügels ist ja bekanntlich nicht ganz in Ordnung. Ich will nicht hoffen, dass das Unwetter es uns herunterreißt.“

„Ich werde mal einen Blick auf den Wettercomputer werfen, Eure Majestät.“ entschied der Waffenmeister rasch, verließ das Zimmer, ohne eine Antwort abzuwarten.

„Und du zieh dir schnell was Trockenes an, Adam!“ scheuchte Marlena ihren Sohn. Adam lächelte, verschwand dann mit Orko in seinem Zimmer, einige Gänge weiter.

 

Man-at-Arms schloß die Waffenkammer auf, in der der Wettercomputer aufgebaut war. Er schaltete das große Gerät ein, gab einige Koordinaten und Geheimcodes ein – und das Programm startete. Nach ein paar Knopfdrücken druckte die Maschine einen halben Meter Papier aus, Man-at-Arms nahm ihn in Empfang, las. Erschrocken zog er die Augenbrauen hoch. Dann rannte er eilig zurück zum König.

Als er ankam, hatte es sich das königliche Paar mittlerweile auf der großen, runden Couch gemütlich gemacht. Zwischen dicken Kissen saßen sie, eng aneinander gekuschelt – wie frisch verliebt! Kurz musste der Waffenmeister schmunzeln. Das Ehepaar beobachtete gerade die exotischen Fische, die in einer ebenfalls runden, etwa drei Meter hohen mit Wasser gefüllten Säule umherschwammen, die in der Mitte der Couch aufgestellt worden war. Es war einmal ein Hochzeitstagsgeschenk Randors gewesen – er wusste doch, wie vernarrt seine Frau in bunt-schillernde Meerestiere war.

Als sie die Tür hörten, sahen Randor und Marlena auf, der König erhob sich sofort, trat hastig auf den Waffenmeister zu: „Und? Was sagt der PC?“

Mit ernster Miene reichte Man-at-Arms ihm den Bogen Papier. Während den König aufmerksam las, erklärte Arms die Situation, die gar nicht zum Lachen war: „Der Computer spinnt. Er sagt einen unmöglichen Wetterumschwung an! Angeblich ist die Lage momentan so, dass es sogar schneien könnte!“

„Unmöglich! Wir haben Sommer!“ entgegnete ihm King Randor verwundert.

Arms nickte zustimmend: „Eben. Ich glaub, die Maschine ist kaputt – war jemand in meiner Werkstatt?“

„Nein, nicht das ich wüsste.“

„Na gut, ich werde das Gerät gleich einmal untersuchen. Und machen Sie sich keine Sorgen, Eure Hoheit: So ein Unwetter kommt und geht.“ Mit diesen Worten verließ Man-at-Arms das Zimmer, verschwand einige Minuten später in seiner Werkstatt und machte sich sofort daran, an dem Wettercomputer herumzuwerkeln – doch noch konnte er keinen Fehler entdecken...

 

Währenddessen stand Adam in seinem gemütlichen Zimmer, hatte die Stiefel ausgezogen und in eine Ecke gestellt. Orko schwebte vor dem Fenster, sah hinaus in die rauschenden Regenströme.

„Hoch, ist das trostlos, so ein Wetter...!“ maulte er.

„Och, Orko. Das ist in ein paar Stunden wieder vorbei – vielleicht sogar schon in ein paar Minuten! Man kann nie wissen wie lange sich so ein Unwetter hält.“ Antwortete Adam. Stimmt, das konnte man wirklich nie wissen...

„Also, Adam, ich find nicht, dass es danach aussieht, als ob sich der Regen bald verziehen wird! Der Himmel wird und wird nicht heller – im Gegenteil! Es wird stetig düstere, find ich! Und der Wind wird auch immer heftiger...“ murmelte der kleine Zauberer.

„Nun, wir werden’s ja sehen, Orko. Sei doch froh, dass wir hier drinnen sind, hier ist es warm und trocken.“ Adam öffnete die goldene Schnalle seines Gürtels, nahm ihn ab und warf ihn auf sein frisch-bezogenes Bett. Dann streifte er die rosa Weste ab und schmiss sie dazu.

„Mal was anderes...“

„Ja, Orko?“

„Was glaubst du, warum Knochenkopp so lange ruhig ist?“

Adam musste lachen: „Knochenkopp?“

„Skeletor.“

„Ich weiß schon... nun, er sitzt wahrscheinlich gerade auf seinem Thron und grübelt mal wieder über einem vermeintlich perfekten Plan – aber bei diesem Wetter traut sich wahrscheinlich noch nicht einmal er vor die Tür!“ Wieder musste er lachen – Knochenkopp! Er zog das triefende, weiße Hemd aus und schmiss es ebenfalls auf sein weiches Bett. Dann läutete er nach einem der Zimmermädchen. Wenige Minuten später stand Eena in der Tür. Sie war erst siebzehn. Ihre Mutter arbeitete schon seit Jahren im Palast des Königs als Köchin, und Eena wollte sich ein bisschen Geld verdienen. So half sie oft im Schloß als Zimmermädchen aus.

„Oh – hallo Eeny! Auch mal wieder hier?” begrüßte Adam sie freundlich-lächelnd.

Eena nickte, lächelte zurück. „Was gibt es denn?“

Adam ließ sie ins Zimmer treten, holte rasch seine nasse Kleidung vom Bett: „Ich bin... mitten ins Unwetter gerannt. Is n bisschen nass geworden.“

„Ich seh das schon.“ gab Eena grinsend zurück, musterte den Prinzen. Das Wasser tropfte immer noch aus seinen Haaren, lief seinen Körper herunter. Sie nahm die Sachen von ihm in die Arme, spürte die Nässe.

„Hast du noch was Trockenes hier? Oder soll ich dir was Neues bringen?“ fragte sie höflich nach.

Er schüttelte den Kopf: „Nein, nein, das geht alles klar, ich hab noch einiges im Schrank.“ Sie nickte.

„Hallo, Eena!“ Orko winkte ihr vom Fenster her zu.

„Hey, Orko! Hi!“ grüßte sie freudig zurück.

„Und? Freust du dich schon auf deinen Geburtstag?“ fragte er das Mädchen, als sie gerade umdrehen und das Zimmer verlassen wollte.

Sie sah ihn an: „Das ist doch noch ewig hin!“

„Na – so ewig nun auch wieder nicht.“

„Ja, is schon richtig...“

„Was wünschst du dir denn so?“

Sie lehnte sich gegen den Türrahmen: „Das klingt ganz blöd...“

„Mir kannst du’s doch ruhig sagen?“

„Hmmm...“

„Na los.“ Er lächelte sie verschmitzt an, das Wasser lief über seine Wangen.

Sie gab rasch nach: „Aber nicht lachen!“

„Logo!“

„Ein Pferd.“

„Ein Pferd?“

„Ja!“

Adam setzte sich auf das Fußende seines Bettes: „Aber das ist doch nicht blöd!? Ich finde, das ist ein schönes Geschenk! Wie kamst du drauf?“

„Ach, ich mochte schon immer Pferde, ich mag doch Tiere allgemein – na ja, bis auf Käfer. Und als ich deine Schwester zum ersten Mal hier getroffen habe, da hatte sie diesen wunderschöne Hengst dabei – Spirit, hieß er glaub ich.“

Adam nickte.

„Naja – aber is ja egal. Ein Pferd kostet einiges. Es muß ja auch gefüttert und irgendwo untergebracht werden! Und das geht wohl schlecht in unserer kleinen Wohnung in der Stadt... Ach, was soll’s.“ Sie versuchte, gleichgültig auszusehen.

Der Prinz stand auf: „Man soll seine Wünsche niemals aufgeben, Eeny.“

„Mag sein... Ich geh jetzt, hab noch was zu tun!“ Eena drehte sich um und schloß die wunderschön verzierte Tür des Zimmers hinter sich.

„Vielleicht sollte ich ihr ein Pferdchen zaubern? Ich find sie nett.“ Bemerkte Orko, als die Tür ins Schloß gefallen war.

Adam nickte: „Ist sie ja auch, Orko. Ein nettes Mädchen – und sie hätte es auf jeden Fall verdient... Ich werde später mit meinen Eltern drüber reden.“

„Sieh mal, Adam!!“ piepste Orko plötzlich dazwischen, deutete aus dem Fenster: „Es wird tatsächlich noch schlimmer!“

Der Prinz drehte sich blitzartig um, schritt hastig ans Fenster: Ja, der Regen peitschte mittlerweile durch die Gegend, vom harten Wind umhergerissen. Doch der Wind war eigentlich schon ein ordentlicher Sturm, der rücksichtslos umherwirbelte! Der Himmel war pechschwarz, Wolken ohne Ende. Von seinem Zimmer aus konnte Adam sehen, wie das Wasser die gepflasterten Wege hinunter in die Stadt lief. Und dann passierte es: Hagel setzte ein! Anfangs nur eher kleine, unscheinbare Kugeln – doch schon innerhalb der nächsten fünf Minuten kamen sie in doppelter Größe in Menge vom Himmel geschmettert, schlugen hart am Boden auf.

„Du lieber Himmel!“ Adam schrak auf. Was war los? Es war Sommer! Und im Sommer fiel normalerweise kein Hagel...

„Da stimmt was nicht, Orko.“

„Sieht ganz so aus!“

„Ich werd sofort nach Man-at-Arms suchen, vielleicht weiß er, was hier abläuft!“ Eilig nervös rannte der Prinz zur Tür, riss sie auf – als Orko ihn rufend bremste: „Adam?“

Er drehte sich um: „Ja, Orko?“

Der kleine Trollaner sah ihn an und musste kichern: „Wär vielleicht besser, wenn du dir vorher noch was anziehst.“ Er kriegte sich gar nicht mehr ein.

 

Wenig später traf Adam in der Werkstatt des Waffenmeisters ein. Er hatte sich nur rasch ein hellblaues, schlabberiges Hemd übergeworfen. Er fand den Waffenmeister Eternias am Wettercomputer werkeln.

„Arms? Ist das Gerät etwa kaputt?“ fragte er, den PC musternd.

Man-at-Arms kam unter der Maschine hervorgekrochen, warf die Zange zur Seite, die er in der Hand hatte: „Nein, Adam, irgendwie nicht – aber das Ding zeigt nur unlogische Daten an!“ Wütend verabreichte er dem Metall einen Tritt.

„Was sagst du da?“

„Ja! Es gibt für diese Jahreszeit völlig unmögliche Voraussagungen aus, es muß etwas defekt sein! Aber ich konnte bisher noch keinen Fehler finden.“ Arms schien sichtlich verzweifelt. Er war ein schlichtweg genialer Erfinder, er hatte seine Arbeiten eigentlich immer voll im Griff, kannte die Technikwelt Eternias fast in- und auswendig.

„Nun... vielleicht ist der Computer ja auch gar nicht defekt...?“ gab Adam ernst ein und öffnete die Tür der Werkstatt. Der Waffenmeister starrte hinaus: „Schnee!“ Er bekam große Augen.

„Was? Schnee...?“ Adam musste selbst noch mal hingucken: „Hä? Aber – vor fünf Minuten war’s noch Hagel...!“ Verdutzt traten die zwei Freunde hinaus. Der Schnee knirschte unter ihren Sohlen. Ungläubig und hilflos-dreinschauend betrachteten sie die Umgebung.

„Weiß... es ist alles – weiß...“ bemerkte Arms monoton.

Adam schüttelte den Kopf: Das konnte nicht wahr sein! Spätestens jetzt war ihm klar, dass hier etwas gewaltig aus dem Ruder lief.

Der Sturm tobte weiter ungestört herum...

„Das gibt es nicht, Adam! Regen und Schnee, zur gleichen Zeit! So was ist unmöglich!! Sieh doch...!“

„Skeletor?“ Der Prinz sah den klugen Mann von der Seite an.

„Ich - - ich kann mir nicht vorstellen, wie SSkeletor so etwas zu Stande bringen sollte...“

Plötzlich fasste Adam sich erschrocken an die Stirn, zuckte zusammen.

„Was hast du?“ fragte Arms sofort.

Doch der Prinz von Eternia winkte sogleich ab: „Keine Sorge - - die Zauberin will nur gerade Kontakt mit mir aufnehmen, glaub ich...“

Ja, so war es auch. Das Bild der Zauberin von Grayskull erschien vor Adams geschlossenen Augen. Sie sprach leise, aber deutlich: „Adam! Komm nach Grayskull, beeile dich – brich sofort auf...“

Kurz und knapp – wie immer.

„Wir müssen los, richtig?“ Arms hatte schon verstanden. Adam nickte nur noch einmal zur Bestätigung.

„Bei der Macht von Grayskull - - ich habe die Zauberkraft!!“ Das Schwert, das Adam in die Höhe streckte, entlud weiß-leuchtende Blitze, grelle blendende Strahlen fuhren aus dem edlen Metall, umhüllten den Prinzen – und verwandelten ihn in Sekundenschnelle in den mächtigsten Mann des Universums.

Im Wind Raider düsten sie einige Minuten später in Richtung Grayskull. Das Manövrieren des schnellen Fliegers war bei dem mysteriösen Unwetter allerdings nicht so leicht, wie He-Man es sich vorgestellt hatte...

 

Das hatte Teela nicht erwartet! Sie saß zitternd unter dem Baum, versuchte krampfhaft ein Zähneklappern zu unterdrücken – doch es gelang ihr extrem schlecht. Der Schnee lag mittlerweile bestimmt schon einen halben Meter hoch! Ihr Beutel mit dem Proviant darin war unter der weißen Masse verschwunden. Wo sollte sie jetzt hin? Sie hatte Star allein zurück zum Palast geschickt, als sie im Wald angekommen waren. Sie wusste ja, dass er ein zuverlässiges Pferd war – ein sehr zuverlässiges! Er fand immer den Weg zurück zum königlichen Schloß, auch ohne Hilfe. Und dann war sie allein weiter gegangen, immer tiefer in die Wälder hinein. Sie mochte das Unbekannte. Das Abenteuerliche.

Doch jetzt wünschte sie sich Star zurück! Er hätte sie bequem durch den Schnee tragen können... Über ihr tobte der Sturm weiter, wüstete durch die Baumkronen. Sie hörte das hektische Geraschel, das Heulen der Winde...

„So hatte ich mir das allerdings – nicht unbedingt vorgestellt...“ flüsterte sie frierend, ließ ihre Augen umherschweifen: Nichts und niemand weit und breit in Sicht. Keiner da, der ihr hätte helfen können, hier wegzukommen, bevor sie erfror. Jetzt war aus dem Training bitterster Ernst geworden...

 

Das Tor der mystischen Burg hatte er, wie immer, mit seinem Schwert öffnen können. Nun betrat He-Man mit ernster Miene den Gang, der zum Thronsaal führte. Man-at-Arms ließ noch den Motor des Wind Raiders ausklingen, dann rannte er seinem Freund besorgt nach. Das Burgtor schloß sich hinter dem Waffenmeister. Die Dunkelheit im Innern der Burg wurde durch etliche farbige Lichter aufgelockert, die in einzelnen Ecken auftauchten und wieder verschwanden. Das Reich der Sorceress. Sie kam die lange, steile, in den Fels geschlagene Treppe hinunter – leicht wie eine Feder, wie schwerelos. Begleitet wurde sie von einem leichten rosa Nebel, der sie sanft umhüllte.

Obwohl draußen das Unwetter schlechthin tobte, herrschte hier eine ungemein entspannende Ruhe.

„Da seid ihr ja schon!“ begrüßte sie die Zauberin. Sie lächelte zwar – doch konnte man den unvermeintlichen Ernst der Lage unverkennbar in ihren Augen erkennen.

Was – was ist los? Es hat etwas mit diesem Wetterwahnsinn zu tun, oder?“ He-Man war nervös: Er wollte so schnell wie möglich eingreifen.

„Das ist korrekt, He-Man. Es geht um das Wetter. Die Natur spielt verrückt – und wir können sie nicht aufhalten!“ Ihr Lächeln verschwand binnen Sekunden.

„Was sagst du da, Zauberin? Was - - was meinst du damit...? Ich... ich fürchte, ich verstehe nicht ganz!“ Man-at-Arms wurde zunehmend unruhiger.

Die Sorceress begann zu erklären: „Das Gleichgewicht der Natur auf Eternia wird angegriffen – ich weiß allerdings nicht, von wem oder was. Ihr habt gemerkt, was passiert: Es spielt alles verrückt! Es geschehen unglaubliche Dinge... Und es wird noch unglaublicher, glaubt mir! Ich kann euch nicht sagen, was genau noch alles passieren wird – das weiß niemand. Jedoch wird es weitergehen! Passt auf!“

Der Waffenmeister unterbrach sie nachdenklich: „Ich begreife nicht: Was, um alles in der Welt, kann unser Wetter nur so dermaßen verrückt spielen lassen...?“

Sie schüttelte leicht den Kopf: „Ich weiß es nicht, Waffenmeister. Ich kann die Ursache nicht sehen - - aber eins steht fest: Es wird noch schlimmer! Ich spüre es – deutlich! Und es wird nicht aufhören, ehe die Ursache für diese Katastrophe nicht gefunden ist!“

He-Man horchte auf: „Du sprichst von einer Katastrophe?“

„Es sieht ganz danach aus.“

 

Es wurde immer schlimmer! Der Sturm entwickelte sich zu einem wahren Orkoan, der über das Land wütete! Er riss hunderte von Ziegeln von den Dächern der Häuser in der Stadt, brachte Bäume zum Umsturz, riss die Erde auf. Der starke Schnee bedeckte das gesamte Land, es froren Seen zu und die durch den Regen überschwemmten Straßen wurde in nur wenigen Minuten zu spiegelglatten Rutschbahnen. Durch den heftigen Sturm wurden die dicken Schneeflocken nur so umhergeschleudert – es sah wirklich katastrophal aus.

„Und so was im Sommer...!“ stotterte die Königin fassungslos. Sie hielt sich immer noch im geräumigen Wohnzimmer mit ihrem Mann auf. Die Kälte drang langsam aber sicher auch ins Palastinnere. Während Marlena entsetzt am Fenster stand und nach draußen starrte, zog ihr Mann nervös seine Kreise durchs Zimmer. Es beunruhigte ihn nicht nur die Tatsache, dass mitten im Sommer einer der stärksten Stürme der letzten Jahre durch das Land bebte, sondern er begann zu zittern, wenn er an den Westflügel seines Schlosses dachte. Noch hielt er sich ja wacker...

„Wo bleibt denn der Waffenmeister? Er sollte schon längst wieder hier sein und mir sagen, was das für ein Mist mit diesem verdammten Computer ist...!“

„Reg dich ab, Schatz! Er weiß, was er tut – das müsstest du doch nun am besten wissen.“ Sie sagte es fast nebenbei, blickte nicht zu ihm, behielt nur den Schneesturm im Auge. „Das hat garantiert nichts Gutes zu bedeuten...“

„Was redest du da? Das Wetter spielt verrückt - - ziemlich verrückt. Aber jeder Sturm ist irgendwann vorbei, Marlena!“

Sie warf einen besorgten Blick in den Himmel: Er hellte sich immer noch nicht auf – von der Sonne fehlte jegliche Spur.

 

„Ich war schon so oft unterwegs, hab’s immer ziemlich heil überstanden... ich konnte mich immer wehren, wenn mir was in die Quere kam... und ich hab auch immer was zu Essen gefunden... ich dürfte mich mittlerweile getrost als ein Profi in Sachen ‚Überlebenstraining in Wäldern’ bezeichnen... aber ich bin noch nie in einen sommerlichen Schneesturm gelaufen...“ Teela fluchte vor sich hin, während sie sich mühsam durch die hohen Schneemassen schob. Sie war wütend. Wütend auf diesen Tag! Schon so oft war sie für einige Tage alleine in den Wald gegangen und hatte ihr Überlebenstraining absolviert. Und sie war immer bestens klar gekommen – aber so etwas...! Wer sollte mit so was rechnen? Verärgert zog die Befehlshaberin der königlichen Leibwache ihre Bahnen.

Plötzlich blieb sie stehen: Vor ihr im Schnee war eine Spur – hier war jemand langgegangen, und es konnte noch nicht lang her sein, dass er hier war, da die Spur im Schnee noch nicht wieder zugeschneit war

„Oh nein.“ Teela fasste sich entnervt an die Stirn als ihr klar wurde, dass dies ihre eigene Spur war - - sie war im Kreis gelaufen.

Verzweifelt sah sie sich um. Doch der Wald sah völlig anders aus wenn alles voll mit dichten Schneemassen lag! Alles um sie herum war weiß, sie hatte völlig die Orientierung verloren. Und ihr Kompass war in ihrem Proviantbeutel, den sie vorhin unter dem Schnee nicht wiedergefunden hatte!

Was sollte sie jetzt tun? Um Hilfe rufen? Nein, war sinnlos. Selbst wenn jemand hier in der Nähe gewesen wäre: Er hätte sie durch das laute Pfeifen der Winde nicht hören können. Sie war auf sich allein gestellt – und musste nun den Weg zurück zum Palast finden. Sie hatte keinen Schimmer wie sie es anstellen sollte, wenn sie doch noch nicht einmal feststellen konnte, in welche Richtung sie gehen musste! Es war fast wie verhext.

Frierend schlurfte sie schließlich weiter durch die weißen Massen. Dabei zischte sie vor Kälte zitternd zu sich selbst: „Okay, Teela, du schaffst das schon... Hast du’s bis jetzt nicht immer geschafft? Doch... hast du... mach jetzt bitte keine Ausnahme...“

 

Da die Sorceress ihnen nichts weiter sagen konnte, hatten He-Man und Man-at-Arms die Burg wieder verlassen, Sie hatten nicht viel erfahren können – nur, dass der mysteriöse Wetterumschwung durch etwas verursacht worden war, das sie nun finden mussten. Aber: was könnte das sein? Ein bestimmter Bewohner des Planeten? Ein Magie-besitzendes Wesen? Oder eine Maschine, ein Gerät? Wer oder was steckte hinter diesem üblen Trick? Sie hatten keine Ahnung, wie und wo sie ihre Suche beginnen sollten. Sie saßen nun im Wind Raider, starteten ihn und flogen zurück zum königlichen Palast.

Als sie im Aufenthaltsraum eintrafen, fanden sie dort neben dem Königspaar auch noch Orko, Man-E-Faces und Fisto vor. Sie sahen alle sehr besorgt aus, ihre Augen und ihre Haltung verrieten, dass es Probleme gab – noch mehr!?

„Endlich – da seid Ihr ja!“ die Königin fiel He-Man beinahe um den Hals, bremste sich aber kurz vorher doch noch. „Was geschieht hier?“

Er packte ihre Oberarme, sah ihr in die Augen: „Wir – wir wissen es noch nicht so recht, Eure Hoheit. Aber wir werden alles tun, um das Rätsel zu lösen – ich versprech’s euch.“

„He-Man, Man-at-Arms!“ Orko zeterte.

“Ja, Orko? Was gibt’s?“ Arms drehte sich zu dem kleinen Magier um, blickte ihn auffordernd an.

Er fuhr fort: „Es fehlt jemand!“

„Was meinst du damit?“

„Mekaneck. Er ist in die Wälder geritten, kurz bevor der Sturm aufkam - - er ist bis jetzt noch nicht wieder zurückgekehrt!“ schaltete sich Fisto besorgt ein.

Plötzlich durchfuhr es Arms wie ein Blitz! Ihm wurde so heiß – dann lief es ihm eiskalt den Rücken herunter: Teela! Er fuhr herum, sah He-Man entsetzt an: „Teela! Sie ist auch noch da draußen...!“

He-Man begriff sofort. Sein Blick wurde ernster. Jetzt galt es nicht mehr nur, die mysteriöse Ursache dieser sommerlichen Wetterkatastrophe zu finden – nein. Jetzt ging es noch um wesentlich mehr.

„Also gut, Leute, ich schnapp mir jetzt einen Wind Raider und mach mich auf die Suche nach Teela! Und Fisto und Man-E-Faces – ihr nehmt euch ebenfalls einen und findet Mekaneck!“ In Krisensituationen wurde He-Man manchmal zu einem wahren Organisations-Fanatiker.

„Orko und ich werden mit dir kommen, He-Man!“ warf der Waffenmeister sofort ein. Er war völlig aufgelöst, total entnervt, ihm schwirrte nur noch seine Teela im Kopf herum – seine Teela. Sollte ihr da draußen etwas passieren - - nein, darüber mochte er jetzt gar nicht nachdenken! Er wusste nur, dass unnormal viel Schnee aus den dunklen Wolken rieselten, und dass es immer kälter wurde. So kalt, dass kein normaler Mensch es besonders lange dort im Freien aushalten konnte.

Doch He-Man lehnte ab: „Nein, Arms, das ist zu gefährlich. Ich werde alleine gehen.“

„He-Man! Sie ist meine – Tochter!“ Hilflos sah ihn Duncan an. He-Man erwiderte den Blick nur mit ernster Miene.

„Arms, ich komme alleine da draußen jetzt besser klar. Bei diesem Wetter will ich nicht, dass du dich in Gefahr begibst – außerdem musst du hier deine Radare befragen, ob sie ungewöhnliche Signale oder Schwingungen ausgesendet werden.“

„He-Man, ich komme mit!“ Die Angst um Teela übermannte ihn. Denn eigentlich war ihm klar, dass He-Man bei einem solchen Unwetter alleine besser klar kam, als wenn er sich auf der Suche nach Teela noch zusätzlich um die Sicherheit von irgendwelchen Begleitern zu kümmern hatte. Aber in diesem Moment überschwemmte die Angst um die eigene Tochter einfach die Vernunft des sonst so gefassten Waffenmeister. Seine Hände begannen zu zittern.

„Komm zu dir, Arms...!“ Das waren He-Mans vorerst letzte Worte. Er sah seinem alten Freund noch einmal tief in die Augen – dann verschwand der Held Eternias aus dem Zimmer. Konnte er auch dieses Mal siegreich sein? Gegen Skeletor zu kämpfen war mittlerweile schon zu einer Gewohnheit geworden, eine Art Alltagsgeschichte, die sich zwar von Angriff zu Angriff durch neu-ausgeklügelte Pläne des Skelettgesichts verformten – dennoch: Den Kampf gegen den Erzfeind war He-Man mehr oder weniger gewohnt.

Aber das hier – das war etwas anderes! Diesmal kämpfte er nicht gegen den finsteren Altbekannten - - dieses mal kämpfte er gegen eine Katastrophe.

War er sich überhaupt darüber im Klaren, was da auf ihn und ganz Eternia zukam? Es sah nicht ganz so danach aus...

 

Ohne lange zu überlegen hatte He-Man sich eine dunkelbraune lederne Weste übergezogen, sie ging ihm nur bis zur Hüfte. Er wusste, dass sie ihn nicht besonders wärmen konnte – aber es war besser als gar nichts.

Wenige Minuten später startete er erneut den schnellen Wind Raider. Sein Herz klopfte nervöser als sonst. Sie waren ja schon oft in Gefahr gewesen... aber...

Er versuchte, seine Emotionen auf später zu verlegen: Sie passten ihm jetzt gerade nicht hierher, er musste kühlen Kopf bewahren, durfte jetzt keinen Fehler machen – es ging um jede Sekunde!

Der Wind Raider stieg langsam auf, drehte, beschleunigte rasch. Aber er schwankte extrem, der Schneesturm hatte noch immer nicht nachgelassen. Aber He-Man war äußerst geübt im Fliegen des Schiffes – allzu oft hatte er es schon benutzt.

Der Wind Raider schoss torkelnd über das Schloß hinweg. Die Flocken peitschten ihm nur so um die Ohren – er vergaß, dass er fürchterlich fror, als er an Teela dachte. Er legte den höchsten Gang ein. Minuten später zeigte der kleine Computerbildschirm einen Anruf an. Hastig drückte der Held den Annahmeknopf. Auf dem flachen, leicht eingefrorenen Bildschirm erschien ein zitternd-flackerndes Bild, ein Bild von Orko. Der Kleine schien recht aufgeregt zu sein.

„Was gibt es, Orko? Red schnell!“ forderte ihn He-Man auf, ohne eine Miene zu verziehen.

„Ja gut.“ Der Trollaner sammelte sich. Man merkte dem ewig-quirligen Zauberer deutlich an, dass auch er momentan von Nervosität geprägt war. „Also, hör zu: Mekaneck ist zurück! Gerade als Man-E-Faces und Fisto sich ausgerüstet hatten und aufbrechen wollten – er hat es rechtzeitig geschafft!“ Die Übertragungsqualität nahm immer mehr ab.

Endlich mal eine erfreuliche Nachricht an diesem Wahnsinnstag!, dachte He-Man. Nun konnte er sich komplett auf die verschollene Befehlshaberin konzentrieren...

Die Übertragung zum Palast brach ab.

„Was ist los?“ He-Man schlug einmal leicht auf den PC – eingefroren!

„Verdammt!“ fluchte er.

Plötzlich stimmte gar nichts mehr: Die Geräte im Cockpit spielten verrückte, Zähler und Messgeräte drehten durch, Lichter erloschen! „Was zum...?!“ Wieder entfuhr ihm ein lautstarkes Fluchen.

„Diese verdammte Kälte...“ Er konnte nichts dagegen tun. Rücksichtslos fiel eine Funktion nach der anderen aus! Einige Sekunden später gehorchte auch die Steuerung nicht mehr. Verzweifelt versuchte er die Maschine hoch zuziehen – doch es war sinnlos, das wurde auch ihm klar!

Der Wind Raider raste über die schneebedeckten Baumwipfel der Wälder hinweg, mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit. Er begann, Loopings zu ziehen, schwenkte ruckartig von links nach rechts, He-Man musste sich festklammern! Eine fließende Flugbahn war nun absolut unmöglich geworden – unaufhaltsam stürzte die schwere Maschine hinab!

In letzter Sekunde, als der Flieger gerade wieder kopfüber hinunterraste, ließ sich He-Man einfach los!

„Das könnte jetzt übel ausgehen...!“ Er stürzte auf die Wipfel zu. Dem ersten konnte er noch geschickt im freien Fall ausweichen – dann schlug er mit dem Rücken auf den ersten dickeren Ast auf, schleuderte zur Seite gegen einen der nebenstehenden Bäume! Nun krachte Eternias größter Held von Ast zu Ast, fiel schließlich zu Boden und versank augenblicklich in einem Haufen Schnee.

Nur kurz blieb er so da liegen, musste sich erst einmal wieder sammeln. Dann hob er ächzend den Kopf, sah zur Seite: Etwa hundert Meter weiter krachte gerade der Wind Raider in eine Gruppe Bäume. Flammen stießen hervor, Metallteile flogen plötzlich durch die Gegend! He-Man duckte sich, eine ihm entgegenschnellende metallne Platte, die wohl zum Heck gehört hatte, konnte er reflexartig mit dem entgegengestreckten Unterarm abwehren!

Das Feuer erstickte aber schon bald wieder, da es einfach zu kalt war. Der Schnee wütete weiter.

He-Man erhob sich, sah noch einmal zum Wrack der Maschine rüber. Dann schleppte er sich durch die weißen Massen. Seine lederne Weste sah ziemlich mitgenommen aus. Aber das kümmerte ihn nicht – er musste Teela suchen. So schob er sich eifrig durch den Schnee, sah sich immer wieder nach allen Seiten um. Vielleicht fand er während der Suche nach der guten Freundin auch noch gleich die Ursache für diesen Ausnahmezustand...?

 

Teela hatte sich mittlerweile an einem Vulkan niedergelassen. Hier, unter einem kleinen Felsvorsprung, lag noch nicht allzu viel Schnee. Es war hier zwar auch nicht wärmer – aber egal, sie musste sich jetzt erst mal irgendwo hinsetzen! Eine Stunde war sie mindestens schon herumgeirrt - - sie hatte total die Orientierung verloren! Jetzt, da sie am Vulkan angekommen war, wusste sie aber ungefähr, wo sie gerade war – mitten in den Wäldern!

Sie kauerte dort, sah den herumspringenden weißen Flocken zu. Dabei schüttelte sie entgeistert den Kopf: Das konnte doch alles nicht wahr sein...

Plötzlich geschah es: Der Schneefall verringerte sich, die Flocken wurden mit einem Mal erheblich weniger! Und es dauerte tatsächlich nur wenige Minuten, bis keine einzige der weißen Bällchen mehr vom Himmel fiel. Doch der Sturm rollte unverändert über das Land.

Ganz schön hartnäckig!, dachte Teela nur.

Es dauerte auch nicht mehr lange, da setzte ein leichter Nieselregen ein. Teela sah zu den Wolken hinauf, die sich immer noch nicht aufgelöst hatten: „Klasse! Regen hatten wir doch heut schon mehr als genug, oder?!“

 

Auch He-Man hielt prüfend die geöffnete Handfläche vor sich: Kleine, unscheinbare Tropfen ließen sich platschend auf ihr nieder. Er seufzte.

Doch der Regen wurde auch wieder stärker und schon bald begann er, den liegengebliebenen Schnee langsam aber sicher aufzulösen. Die weißen Massen sanken in sich zusammen, wurden matschig.

Als He-Man aufblickte, erhellte sich sein Gesicht: „Ein Vulkan?!“ Jetzt hatte er endlich eine ungefähre Vorstellung, wo er sich gerade eigentlich befand! Er verstärkte seine ohnehin schon hastigeren Schritte, der gigantische Berg kam immer näher.

 

In seiner geräumigen Werkstatt hatte der Waffenmeister mittlerweile all seine Geräte aktiviert. Er hoffte, dass eines von ihnen vielleicht etwas Ungewöhnliches anzeigen würde, die Ursache für ihre seltsame Situation – doch: Was angezeigt werden sollte - - das wusste er irgendwie auch nicht. Aber irgendetwas musste er einfach tun, irgendwas versuchen!

Als er einen Blick auf einen seiner Bildschirme warf, wurde er plötzlich kreidebleich. Er rief Orko zu sich, der in der Werkstatt herumschwebte und sich Arms’ neueste Erfindungen einmal genauer ansah – was konnte er sonst tun?

„Was gibt’s, Man-at-Arms?” Nichtsahnend schwebte der Kleine an den Bildschirm: Da waren viele Lichter, viele verschiedene Farben und Flächen wurden angezeigt, dazu etliche Zahlen und komplizierte Formeln. Orko legte den Kopf zur Seite, zuckte die Achseln: „Damit kann ich nichts anfangen – ehrlich! Sorry.“

Doch als er in Man-at-Arms entsetztes Gesicht starrte, begriff er sofort, dass irgendetwas passierte. „Was ist denn...?“

„Er wird – ausbrechen...!“ kroch es gedehnt aus Duncan heraus.

„Wer?“

Er musste schwer schlucken: „Der Nardoc!“

Orkos Augen weiteten sich: „Der Nardoc? Aber – der ist doch schon seit über fünfzig Jahren nicht mehr aktiv? Hab ich jedenfalls mal gehört...“

„Sogar noch länger, Orko! Nein... das kann nicht sein...“ Er tippte einige Formeln und Codes in den PC ein, wollte ein genauer-überarbeitetes Ergebnis bekommen. Doch das neue glich dem alten, bis auf ein paar eher unwichtige Zahlenkombinationen.

Arms griff sich an den Kopf – das war definitiv zu viel! Zu viel für ihn, zu viel für den König - - zu viel für Eternia... ? ...

 

Die Befehlshaberin der königlichen Leibwache hatte lange einfach so dagesessen, unter ihrem bescheidenen Felsvorsprung. Sie hatte einfach nur in den Wald gesehen, ohne irgendwelche Regungen, völlig erschöpft. Sie hatte einfach nur den tanzenden Regentropfen zugeschaut, die durch den Sturm herumgewirbelt wurden. Teela wusste selber nicht, warum sie da saß. Sie hätte weiter den Weg zurück suchen sollen – doch sie war einfach zu erledigt gewesen! Sie konnte nicht mehr! Das passierte ihr ja nicht so oft, eigentlich hatte sie eine super Kondition... doch es gab Situationen und Tage, an denen fühlte sie sich plötzlich ausgepowert. Und dieser Ewig-Marsch durch die Schneemassen, der war auch nicht gerade ohne gewesen...!

Jetzt war sie aber eingeschlafen. Ihr Kopf war zur Seite auf die linke Schulter gesunken, ihre nassen Haare fielen strähnig herunter. Sie sah schon ziemlich fertig aus.

He-Man fühlte sich auch nicht wirklich besser. Er war klatschnass, der Wind störte ihn, riss ihn manchmal fast von den Beinen! Doch er wusste, dass er gerade jetzt standhaft bleiben musste!

Er kam dem Vulkan immer näher. Doch er spürte bereits vorher, dass etwas nicht stimmte. Irgendwas lag in der Luft – aber was? Er stapfte weiter durch das nasse Gras, durch die schlammige Erde. Zwanzig Minuten später hatte er den felsigen Giganten erreicht. Jetzt lehnte er sich an ihm an, atmete erst einmal durch. Endlich! Ein Anhaltspunkt! In Gedanken überflog er die Gegend um den Königspalast herum. Er versuchte sich haargenau vorzustellen, in welcher Richtung der Palast lag – und er schaffte es, sogar relativ schnell. Er kannte sich halt gut aus – das war ja auch zu erwarten. Und da der Schnee mittlerweile fast komplett weggeschmolzen war, konnte er sich auch wesentlich besser orientieren. Er war glücklich, endlich wieder klare Verhältnisse geschaffen zu haben.

Jetzt fehlte nur noch Teela. Wie hätte He-Man wissen sollen, dass sie nur wenige Meter von ihm entfernt unruhig vor sich hin döste? Doch das sollte sich durch einen mehr oder weniger glücklichen Zufall in den nächsten Minuten ändern.

Während He-Man sich erst einmal eine kurze Verschnaufpause gönnen wollte und sich auf einem Fels niederließ, schlief Teela noch immer. Doch ein Kribbeln auf ihrem Oberschenkel ließ sie leicht zusammenzucken. Als das Kribbeln nicht verschwand öffnete sie langsam die Augen, gähnte einmal, strich sich gemächlich eine Strähne aus der Stirn – blickte dann auf ihr Bein. Plötzlich schrie sie ängstlich auf! Das überhörte He-Man natürlich nicht – er sah erschrocken zur Seite, sprang auf und rannte dem Schrei sofort nach! Erstaunt darüber, dass es nur ein paar kleine Meter waren, blieb er vor dem Felsvorsprung stehen: „Teela?!“

Sie blickte ihn verstört an, nahm dann mit einem gekonnten Griff die rotbraune-gestreifte Schlange von ihrem Oberschenkel, warf diese in den nächsten Busch. Nur ein kurzes Zischeln.

Dann reichte er ihr die Hand zum Aufstehen: „Nanu? Du hast doch sonst nie Angst vor Kleintieren?!“ Er lächelte, froh darüber, sie endlich gefunden zu haben.

„Wenn ich mit einem auf dem Bein aufwache, dann schon.“ Sie erhob sich frierend. Auch, wenn seine Weste schon ziemlich mitgenommen aussah, war He-Man ein ganzer Gentleman und zog ihr den Fetzen noch über. Das half aber natürlich nicht wirklich viel!

„Wieso bist du hier?“ fragte sie, als sie gemeinsam unter dem Felsvorsprung standen, davor prasselte der Regen nieder.

„Ich hab dich gesucht... wir hatten alle eine Wahnsinnspanik um dich!“ fügte er hinzu.

Sie nickte: „Ja, war nicht anders zu erwarten.“ Ein kurzes Grinsen huschte über ihre Lippen. „Und wie kommen wir wieder nach Hause? Ich weiß nicht, ich kann mich nicht mehr konzentrieren, ich krieg das im Moment irgendwie nicht so hin... bin total hin.“

„Alles in Ordnung, Teela. Ich hatte auch zuerst die Orientierung verloren – aber jetzt hab ich sie wieder, ich weiß, wo’s zur Stadt geht.“ Er beruhigte sie, strich ihr eine weitere Strähne aus der Stirn. „Du siehst auch echt kaputt aus!“ Er musste lachen als sie ihn empört ansah: „Also, für diese Situation, in der wir stecken, und dafür, dass ich den Tag damit verbracht hab, durch Schnee zu latschen – dafür seh ich noch relativ okay aus, find ich jedenfalls!“

Er nickte lächelnd. Logo. Eigentlich sah sie doch eh immer gut aus.

„Also, zur Stadt geht’s ungefähr da lang.“ erklärte er ihr, zeigte in die grüne Wildnis.

„Okay.“

„Gehen wir.“ Er schritt los. Teela hielt ihn verdutzt am Arm: „Du – du gehst in die falsche Richtung, He-Man! Du hast doch gesagt, zum Palast geht’s da lang?!“

Er drehte sich zu ihr um, hatte plötzlich wieder eine verdammt ernste Miene auf: „Ich weiß – aber wir haben vorher noch etwas zu erledigen!“

„Was denn?“ Neugierig folgte sie ihm. Obwohl der Tag eigentlich schon turbulent genug gewesen war und sie jetzt nur noch in ein heißes Bad springen wollte – ihre Neugier übermannte sie.

„Wir gehen jetzt nach Snake Mountain.“

„Was? Bist du wahnsinnig... hast du einen Kälteschock, wegen dem Schnee vorhin?“

„Nein.“

Sie hob verständnislos die Arme: „Warum sollten wir dann in die Höhle des Löwen rennen?“

„Er hat das alles zu verantworten!“

„Was, du meinst - - Skeletor steckt hinter diesem Spektakel?“

Er sah sie beim Gehen an: „Würd ich sagen... ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher! Er muß einen Weg gefunden haben, die Natur aus ihrem Gleichgewicht zu schmeißen – wie auch immer er das geschafft hat!“

Sie stapften durch den Regen, mit einem Mal flaute der Sturm immer mehr ab. Es war nur eine Sache von Minuten, dann hatte sich der Wind fast völlig verloren. Seicht und leise rieselte der Regen zu Boden, vermittelte eine irgendwie gespenstische Ruhe – oder eine Unruhe...?

„Ich hasse diesen Tag!“ stieß Teela wütend aus, trampelte durch die nassen Gräser.

„Das wird bald vorbei sein! Wenn ich mir erst mal Skeletor vorgeknöpft habe...“ He-Man ballte grimmig die Faust.

„Warum bist du dir so sicher, dass wir diesmal da so ungestört reinkommen? Ich mein, er wird Snake Mountain streng bewachen lassen, wie sonst auch...!“

Er nickte nur: „Ja, wird er garantiert.“

„Und was macht dich so sicher?“ Sie sah ihn leicht irritiert an.

„Gar nichts.“ Sie blieb kurz verwirrt stehen, strich erneut das Wasser aus ihren Haaren, so gut es ging, dann schritt sie ihm eilig nach. „Du willst da also einfach hinmarschieren? Einfach so?“

„Teela! Wir haben nicht genug Zeit! Ich spür es – es geht noch weiter! Die Zauberin sagte es mir... wir müssen Skeletor zur Rede stellen – jetzt! Sonst ist es zu spät. Wir haben keine Zeit mehr, unsere Leute herzuholen oder einen Schlachtplan zu entwerfen!“ Er ging hastig weiter, war aber doch schon recht erschöpft. Er ließ es sich nicht anmerken – aber Teela erkannte so was.

Sie sah wieder nach vorn: „Ja, klar – klasse Idee! Wir geh’n hin, klopfen an und fragen den Türsteher: ‚Hallo, wir sind Skeletors ärgste Feinde und wollten mal fragen, ob wir mal reinkommen dürfen!’ – ja, das wird klappen! Die Monster in Snake Mountain waren ja schon immer so freundlich.“ Sie verdrehte die Augen.

„Spar dir deinen Sarkasmus - - es geht nicht anders.“ Er sah sie gar nicht an – der Held Eternias war nervös. Normalerweise hätte ihn ein solch seltsamer Wetterumschwung zwar beunruhigt, doch längst nicht so extrem. Aber die Sorceress hatte unglaublich besorgt ausgesehen, als er sie in Grayskull getroffen hatte – und das bedeutete, dass es mehr als ernst aussah!

Naja, dachte sich Teela, der Tag heut ist eh schon furchtbar gewesen – was machte da noch eine kleine Rauferei mit Skeletors Monstern?? Ihre Ironie verließ sie, als die beiden etwa eine halbe Stunde später die Spitze des Schlangenberges erspähten – weit war es nicht mehr. Die riesige Schlangenskulptur wand sich gespenstisch um den dunklen Fels, die roten Wasserfälle stürzten bedrohlich herunter. Dämpfe stiegen auf – und Nebel...

„Oh nein, He-Man...“

„Nebel?!“ He-Man stöhnte, sah in den Himmel.

„Erst Regen, dann Schnee, dann wieder Regen – jetzt Nebel...“ grummelte Teela unzufrieden vor sich hin. Eigentlich hatte der Tag doch ziemlich nett begonnen: Sonne, ein geplantes Überlebenstraining im Wald... und was war daraus geworden?

„Da – sieh mal - - greif sie an! Schnell!!“ hörten es die beiden nur aus einem nahegelegenen Gebüsch brüllen – und schon im nächsten Moment sprangen Beast Man und Tri Klops aus dem Grünzeug hervor und stürzten sich auf die Feinde! Beast Man übernahm He-Man, fiel ihm in den Rücken und umklammerte ihn von dort aus mit seinen großen Klauen. Dabei lachte er wie ein Tier, schnaubte.

„Du... Biest!“ röchelte He-Man, konnte dann aber das Handgelenk des Monsters fest packen – und schleuderte ihn gekonnt über die Schulter. Jaulend krachte Beast Man gegen einen harten Baum, sank zu Boden, sich den Kopf reibend.

Teela wehrte währenddessen Tri Klops mit einem ordentlichen Fußkick ab, der mitten in die Magengegend zielte. Prustend fiel der Kämpfer Skeletors auf die Knie, schnappte nach Luft.

„Ich hab’s doch gesagt...“ gab Teela ein, erschrak dann kurz: „He-Man! Deine Schulter – du blutest ja!“

„Ein Kratzer, nichts weiter.“ Er lächelte sie an. Dann rannten die beiden Tapferen in Richtung Snake Mountain, ehe sich Beast Man und Tri Klops wieder aufrappeln konnten.

 

Als He-Man und die Befehlshaberin der königlichen Leibwache vor dem in die Höhe ragenden Schlangenfels standen, blickten sie sich an. Sollten sie das wirklich tun? Teela wusste ja, dass He-Man Recht hatte: Es war einfach keine Zeit, Hilfe zu holen, es konnte jeden Moment einen erneuten extremen Wetterumschwung geben... Also blieb ihnen keine andere Wahl. Außerdem waren sie so entschlossen Eternia vor einer Katastrophe zu retten, dass sie im Moment nahezu alles auf sich nahmen.

Natürlich betraten sie das Quartier Skeletors nicht durch den Haupteingang, sondern brachen hinten durch eine Art Gitterfenster ein, das He-Man bequem verbog. Dass Skeletor sie wahrscheinlich schon durch seine unzähligen Überwachungskameras entdeckt hatte und jetzt bereits irgendwo auf sie wartete um sie triumphierend zu „empfangen“, war ihnen bewusst.

Es war nicht leicht durch das labyrinth-hafttige Innere des Felsens zu schleichen. Auch wenn es sehr dunkel hier war: Wenn sie nicht extrem vorsichtig gewesen wären, hätte sie sicher jemand bemerkt. So aber huschten sie leise und vorsichtig durch die Gänge, mussten keine weiteren Kämpfe auf sich nehmen – zu Glück nicht! Denn besonders viel Kraft hatten sie momentan nicht mehr.

Schließlich stieß He-Man eine schwere große Holztür auf. Sie betraten den Thronsaal, Teela zuckte zusammen

„Sieh an, wer da ist!“ Der Herr des Bösen grinste höhnisch. Hinter ihm standen Evil-Lyn, Webstor, Whiplash, Two-Bad, Trap Jaw, Ninjor, Stinkor, King Hiss und Rattlor, alle bis aufs Messer bewaffnet.

Langsam schritt er auf seine Erzfeinde zu, umkreiste sie begutachtend.

„Hübsche Weste!“ grinste er Teela an. Dann stellte er sich vor sie: „Also – ich bin kein Idiot... da ist etwas faul, stimmt’s?“

Die zwei sahen sich gegenseitig an, zuckten die Achseln.

Leicht aggressiv erklärte Skeletor: „Ich hab euch beobachtet: Ihr seid hier einfach so eingestiegen – übrigens: Respekt! Ihr habt ja mal wieder Mut... Einbruch ist verboten, nicht wahr?“

„Wir wollen nur mit dir reden!“ gab He-Man grimmig zurück.

„Reden? Nun – ich aber nicht mit euch, hahaa, ich will dagegen, dass ihr meine Gefangenen werdet – was ihr ja jetzt seid, nicht wahr?“ Er hörte gar nicht mehr auf, triumphierend zu grinsen. Er genoss es sichtlich, dass er seinen Feinden nun überlegen gegenüber stand.

„Aber wie gesagt: Verkauft mich bitte nicht für dumm! Da ist doch was im Busch!! Wo haben sich eure Leute versteckt? Draußen, im Wald? Kommen sie gleich??“ Seine Stimme wurde lauter und wütender, sein Grinsen verschob sich zu einem bösen und zugleich leicht nervösen Ausdruck: „Ihr wärt doch nie so dumm und würdet hier einfach so reinplatzen!“

„Es war seine Idee.“ Teela deutete auf He-Man. Obwohl ihre Lage nahezu aussichtslos war, kam plötzlich ihr trockener Humor hoch. Sie erschrak vor sich selbst – aber vielleicht war das einfach ihr Geheimrezept, um in Krisensituationen möglichst ruhig zu bleiben...

„Es geht um diese mysteriösen Wetterumbrüche, Skelettgesicht! Wie machst du das? Mit einer Maschine? Oder hast du vielleicht ein altes Buch gefunden?“ brüllte He-Man ihn an.

Skeletor drehte sich mürrisch um: „Damit hab ich nichts zu tun!“

„Wer denn sonst?“ He-Man ließ nicht ab, sah Skeletor wütend an.

„Das wirst du leider nie erfahren – denn Neuigkeiten dringen bei uns niemals bis in die dreckigsten Verließe vor! Und da geht ihr Nervensägen jetzt hin - - packt sie!!“ befahl der Herr des Bösen, sofort stürzten sich seine Kämpfer auf die beiden Helden, die gegen eine solche Überzahl an Gegner natürlich nicht ankamen! Sie versuchten zwar, sich die brüllenden Monster vom Leib zu halten – aber es gelang ihnen nicht. Sie wurden mit festen Griffen stillgehalten.

„Bringt sie in die untersten Verließe!“ rief Skeletor – als plötzlich ein lautes Grummeln ertönte! Es schien von weiter weg zu kommen, doch es schien so, als komme es auf sie zu... Ein Geräusch, das sich so anhörte, wie wenn Felsen langsam auseinander brachen, ein steiniges Knirschen, das immer lauter wurde. Dann begann die Erde zu beben! Snake Mountain schien zu wanken, von der Decke bröckelten Felsstückchen ab. Erschrocken blickten sich alle um, horchten, hielten sich irgendwo fest. So konnten sich Teela und He-Man losreißen.

Jetzt wurde das Wackeln schlimmer, die krachenden Geräusche wurden extrem lauter, liefen hallend über das Land! Die Wand im Thronsaal bröckelte, der Boden bebte.

„Was tust du?“ Teela schrie auf, sah Skeletor an, der sich verstört an seinem Knochenthron festhielt.

He-Man sprang zu ihm herüber, griff ihn am Kragen und zog ihn grimmig zu sich herüber. Er schaute seinem Erzfeind tief in die glühenden, mittlerweile verängstigten Augen: „Was machst du mit uns, Skeletor? Wenn du dieses Spielchen weiter treibst, dann wirst du uns alle ins Unglück stürzen!“ Seine Adern pulsierten wie wild.

Als es ein noch heftigeres Zucken durch die Burg schoss, stürzte Skeletor johlend zu Boden: „Ich habe nichts mit diesen Wetterkatastrophen zu tun! Wir – wir wissen selbst nicht, wie lange wir uns noch vor so etwas schützen können...!“

„He-Man?! Sieh es dir an...“ Teela drehte sich zu einem der großen runden dunkelrot-getönten, vergitterten Fenster.

He-Man ließ hastig von Skeletor ab, blickte hinaus: Bäume stürzten zur Seite, Felsbrocken stürzten umher – der Boden bebte, brach an einigen Stellen auf!

„Ein Erdbeben – verdammt, Skeletor du Teufel!“

„Ein... ein was...?“ Erschöpft torkelte der Herr des Bösen ans Fenster, erschrak. „Raus hier, Männer!“ Er scheuchte rasch seine Kämpfer aus dem Saal. „Hier ist Einsturzgefahr!“ Als fast alle, bis auf Skeletor selbst und Evil-Lyn draußen waren, hielt He-Man ihn fest.

„Lass mich, He-Man! Hier kann jeden Moment etwas einstürzen!“ Die Wände bebten.

„Erst sagst du mir die Ursache für dieses Chaos!“ zwang ihn He-Man mit entschlossener Stimmlage: „Eher kommst du hier nicht raus!“

„Du bist wahnsinnig - - ich weiß es nicht...!“ Wild schlug der Herr des Bösen um sich, könnte aber dem festen Griff des Helden nicht entkommen.

„ Na komm schon, Skeletor - - entweder, dir fällt jetzt ein, was heute passiert ist – oder du wir alle bleiben hier, bis deine Burg in sich zusammenfällt!“

„Vielleicht weiß er es wirklich nicht, He-Man!“ mischte sich Teela ein. Hastig hielt sie sich an einem eisernen Fackelhalter an der Wand fest, als ein erneutes Beben durch den Raum schmetterte!

„Skeletor – kann es etwas mit diesem Zeug zu tun haben?“ warf Evil-Lyn plötzlich ein, die in der Tür wartete, und nicht wusste, ob sie ihren Laser in dieser Situation einsetzen sollte – oder ob sie lieber mithelfen sollte, das Chaos zu verhindern.

„Welches Zeug, Hexe?“ Skeletor fragte uninteressiert. Er wollte hier nur raus – sofort! Doch He-Man hielt ihn am Boden.

„Erzähl, schnell!“ forderte Teela die Feindin nervös auf.

„Ein Experiment Skeletors ging heut daneben – er hinterließ eine grüne dampfende und übel-stinkende Masse in einem großen Metallkessel! Wir haben das Zeug auf seinen Befehl hin weg bringen lassen!“ erklärte die Hexe hastig, sah leicht verängstigt zu ihrem Meister hinunter.

„Wohin habt ihr es gebracht?“ fragte He-Man eilig nach.

„Ich weiß nicht – Two-Bad und Tri Klops waren unterwegs... Es fällt mir jetzt auch nur ein, weil das das einzig außergewöhnliche Erlebnis heute war – und diese Dämpfe waren extrem stark, fand ich...“

Sofort ließ He-Man von seinem Erzfeind ab, nahm Teelas Arm und zerrte sie mit. Sie rannten die Gänge entlang, bis sie draußen ankamen – Skeletor und Evil-Lyn mussten jetzt schon für sich selber sorgen. Sie kannten sich ja schließlich in Snake Mountain aus, hatten keine Mühe, den kürzesten Weg rasch zu finden. Kurz, nachdem die Helden Eternias den Fels verlassen hatten, kamen auch Skeletor und Evil-Lyn aus seinem Inneren gestürmt, sammelten sich bei ihren Leuten, die schon auf sie warteten.

Teela und He-Man gingen entschlossen auf die ganze Horde zu. „Ergreift sie!“ versuchte Evil-Lyn zu befehlen, doch der Herr des Bösen lehnte ab. Er wusste, dass He-Man jetzt den Planeten retten wollte. Das sollte ihm doch nur recht sein: Der Held sollte den Planeten retten, den Planeten, der er, Skeletor, dann später regieren würde... Sollte He-Man sich doch die Arbeit damit machen!

„Tri Klops, Two-Bad – sagt ihm, wo ihr den Behälter mit dieser misslungenen Brühe abgestellt habt!“

Die beiden Kämpfer für das Böse verstanden nicht ganz: Erst sollten sie He-Man nicht angreifen, und dann sollten sie ihm auch noch eine Auskunft geben? Aber bitte, Skeletor musste ja wissen, was er wollte.

„Irgendwo im Wald, weiter weg von hier. Da, in diese Richtung sind wir gegangen!“ klärte Two-Bad sie mürrisch auf, zeigte nach Norden. Er hasste es, den „Guten“ zu helfen. Aber es war ein Befehl Skeletors, und der Herrscher des Bösen hatte sich wohl etwas dabei gedacht.

Ohne eine Antwort rannten Teela und He-Man in Richtung Norden. Die Monster sahen ihnen grummelnd nach.

„Warum haben wir sie uns nicht geschnappt?“ fragte King Hiss. „Sie hätten keine Chance gehabt!“

Skeletor grinste höhnisch: „Ihr Narren... er soll diesen Planeten retten! Er soll das retten, über das ich in Zukunft herrschen werde...“

Der Boden brach neben Evil-Lyn auf, sie schrak auf, sprang zur Seite.

Es ging weiter. Unaufhaltsam?

 

Die zwei Helden Eternias hatten absolut keine Ahnung, wie sie diesen Kübel finden sollten! Sie rannten zwar so schnell ihre durchtrainierten Beine sie trugen, nach Norden – doch wie sollten sie dieses Etwas nur ausfindig machen? Es konnte Wochen dauern, bis sie den nördlichen Teil der Wälder abgesucht hatten! Doch die Zeit raste ihnen davon. Sie mussten sich beeilen! Das Erdbeben wurde immer schlimmer. Sie mussten höllisch aufpassen, dass sie beim Laufen nicht plötzlich in eine Spalte rutschten, die sich immer wieder vor, hinter und neben ihnen auftat. Der Boden wackelte, brach zum Teil stark auf.

„Das – ist nicht – normal!“ keuchte Teela nebenbei.

He-Man sah kurz zu ihr herüber: „Wir haben eigentlich eher selten Erdbeben auf Eternia...“

Während sie umhersprinteten, sahen sie sich hektisch um, in der Hoffnung, zufällig Skeletors misslungenes Experiment zu erspähen. Das Schlimmste an der ganzen Sache war eigentlich, dass die beiden überhaupt nicht wussten, ob dieses Ding wirklich an der Wetterkatastrophe Schuld war. Aber es war momentan einfach ihr einziger Anhaltspunkt – und dem mussten sie wohl oder übel auf den Grund gehen...

 

Auch der Royal Palace bekam das Erdbeben ordentlich zu spüren. Einige der starken Mauern zeigten bereits die ersten Risse. Obwohl der Palast besonders stabil gebaut war, konnte auch er dem Beben nicht ewig standhalten.

Im Inneren saßen immer noch der König und seine Frau, eng umschlungen auf der Couch, sahen verängstigt zur Decke, von der bereits der erste Putz bröckelte.

„Du lieber Himmel...!“

„Randor!“ schrie Marlena, als eine der antiken Säulen, die als Dekoration gedacht waren, neben ihnen zu Boden krachte und in mehrere Klötze auseinanderbrach.

Er hielt sie noch fester: „Wir müssen hier raus, sonst stürzt uns noch das Zimmer über den Köpfen ein...“ Sie nickte, atmete hastig.

Gerade wollten sie den Saal verlassen, da stürmte Man-at-Arms zu ihnen herein: „Wo bleibt Ihr denn, Eure Majestät? Kommt, schnell, bevor noch ein Unglück passiert!“

„Noch eins...? Was – was ist geschehen?“ fragte die Queen erschrocken.

„Hinten, nahe dem Speisesaal, ist eine Wand eingestürzt und hat einen der Diener mitgerissen! Beeilung!“

„Oh mein Gott!“ Sie riss die Augen weit auf, hielt die linke Hand vor die zitternden Lippen.

„Keine Angst, Orko hat sich mit dem Verletzten hinaus in den Pferdestall gebeamt und wollte rasch den Doktor Rosbole informieren – aber wir sollten jetzt auch zusehen, dass wir hier rauskommen!“ Man-at-Arms hielt die schwere, wunderschön-verzierte Tür auf.

Während der König und seine Frau eilig hinausliefen, fragte er nervös: „Was ist mit unseren Angestellten...?“

Man-at-Arms ließ die Tür hinter sich zufallen, rannte ihnen nach: „Die werden sich schon längst vom Acker gemacht haben...“

Kurz, nachdem die drei den großzügigen Aufenthaltssaal verlassen hatten, brach auch schon eine Wand ein, riss einen kleinen Teil der Decke mit hinunter. Auch die elegante Tür brach in sich zusammen – die goldenen Verzierungen schepperten zu Boden, brachen auseinander und wurden unter dem staubenden Schutt begraben.

Wenige Minuten später waren Man-at-Arms, König Randor und Queen Marlena im Stall angekommen, der Doktor war bereits eingetroffen, patschnass, verarztete gerade den Verwundeten.

„Geht es ihm gut?“ fragte Marlena besorgt, sah in das regungslose Gesicht des am Boden Liegenden.

Rosbole sah kurz zu ihr hinauf: „Er hat einen Schock, ist ohnmächtig, hat einige üble Schrammen – aber er wird schon wieder.“

„Seht mal!!“ kreischte Orko plötzlich auf, deutete aus einem der offenen Stalltüren. Die anderen starrten gebannt hinaus – und erschraken: Gerade brach der Westflügel des Palastes in sich zusammen! Die Wände stürzten ein, der Dachstuhl krachte langsam hinunter. Schwere Mauerstücke fielen zu allen Seiten, rutschten gefährlich auf den Stall zu!

„Oh nein, wir werden mitgerissen!!“ schrie die Queen auf, sank bewusstlos zu Boden. Orko reagierte blitzschnell: „Oh Orko aus dem Zauberland, reiche mir deine helfende Hand: Mauer, rutsche schief nicht gerade, bring uns nicht in diese Lage!“ Ein paar weiße, kleine Sternchen schossen aus Orkos blauen Fingerchen. Er sah gebannt auf das auf sie zurasende Mauerstück: „Bitte, bitte lass es klappen...!“

Tatsächlich schwang das Mauerstück kurz vor dem Stall nach rechts aus und ratterte neben ihnen vorbei, den Hang hinunter, stürzte dann vom Berg ab. Das Krachen des Aufschlags hörten sie allerdings trotzdem.

„Du wirst immer besser.“ lobte Arms den erstaunten Trollaner lächelnd. „Hoffen wir mal, dass He-Man Teela gefunden hat...“

 

Die zwei besagten Vermissten waren mittlerweile stehen geblieben und verschnauften. Sie waren heute schon so viel gerannt – sie brauchten dringend mal wieder eine Pause. Beide sahen zu Boden, der immer noch unter ihren Füßen vibrierte. Der Regen war wieder stärker geworden, lief an ihren Körpern sanft hinunter.

„Vergiss es, He-Man - - wir werden das Teil nicht finden...“ keuchte Teela, zu Boden blickend. Dann sprang sie hastig zur Seite, als vor ihr wieder der Boden leicht aufbrach.

„Doch, Teela – wir haben immer gewonnen, das wird... das wird auch heute nicht anders sein...“ Er schnaufte erschöpft. Er konnte ja viel ab – wesentlich mehr als andere – aber das war heute schon ziemlich hart, auch für ihn! Das viele Laufen, der Schnee, der Regen, der Sturm, das Beben - - so was war ihm bisher noch erspart geblieben. Doch He-Man war kein Mensch, der aufgab, wenn er auch kräftemäßig so gut wie am Ende war. Er wusste, dass es nicht ging. Er musste jetzt stark bleiben!

Sie standen noch einige Minuten einfach so da, jeder hing seinen Gedanken nach. Während He-Man sich innerlich selbst Mut zusprach, wünschte Teela sich einfach nur ein heißes Bad herbei.

Plötzlich stutzte sie, sah über die Baumwipfel hinweg. Was war das? Rauch? Oder – oder fantasierte sie jetzt schon und sah Dinge, die gar nicht da waren...? Sie rieb sich die Augen, sah noch einmal genauer hin. He-Man bemerkte das, trat langsam zu ihr herüber und fragte: „Was machst du da? Wo starrst du hin, Teela?“

Sie deutete in die Richtung: „Da! Schau mal da hin, bitte...“

Er tat dies, sah in die ihm gezeigte Richtung: „Grüner Rauch?“

„Du siehst ihn auch?“ Teela sah ihn freudig an. „Oh, super, dann bin ich doch noch nicht verrückt!“

„Das wollen wir uns doch mal genauer ansehen.“ Er behielt den aufsteigenden Rauch im Auge. Zwar war das nicht gerade leicht, da die Rauchschwaden durch den Wind in der Luft ziemlich zerrissen wurden, doch es klappte. He-Man hatte gute Augen, erspähte oft genug Dinge, die andere erst viel später entdeckten.

Sie liefen in die Richtung, aus der der Rauch kam. Aufgrund des starken Bebens brach plötzlich vor ihnen ein dicker Baum um, krachte genau vor ihnen ins nasse Gras! He-Man sprang instinktiv zurück, Teela fiel zu Boden.

Er half ihr hoch: „Es wird immer katastrophaler, dieses Beben!!“ meinte sie nur.

Er nickte: „Wenn das so weiter geht, liegt bald das ganze Land in Schutt und Asche – komm!“ Sie liefen weiter.

Ein paar Minuten später kamen sie an eine leicht felsige Stelle, wo der umgekippte Behälter von Skeletors misslungenem Experiment lag. Der Rauch stieg aus der nichtverschlossenen Öffnung empor.

Sie blieben erschrocken stehen: „Was ist das, He-Man...“ Vorsichtig ging Teela um den metallnen Behälter herum, sah hinein: Die dicke grüne Brühe blubberte gefährlich vor sich hin.

„Das wird wohl Skeletors Unglücks-Kübel sein. Du meine Güte...“ He-Man sah fassungslos auf den schweren Kübel.

„Meinst du denn wirklich, dass dieses Ding die Ursache für all die Wetterumschwünge auf Eternia ist? Also, ich weiß nicht so recht...“ Sie schüttelte leicht den Kopf, blickte zu ihm herüber.

„Bin mir ziemlich sicher.“ entgegnete er ihr nickend. Dann zeigte er auf den Behälter: „Siehst du das, Teela? Dieser stinkende, grüne Dampf steigt aus der Masse nach oben, in den Himmel. Und der Kübel hat etliche Risse bekommen, durch die dieses eklige grüne Zeug hinausläuft und sich rings um den Behälter verteilt. Durch das Erdbeben sind Bodenspalten entstanden, die Masse frisst sich in den Erdboden.“

Teela nickte ihm zu, sah zu Boden: „Ich versteh dich, He-Man. Sicherlich ist dieses grüne Zeug umweltschädlich... extrem umweltschädlich!“

„Genau das meine ich! Skeletos höllischer Mix verteilt sich immer weiter in unserer Luft, steigt zum Himmel, dringt in die Erde ein – wer weiß, was er da für Chemikalien reingemischt hat!“

„Es bringt die Natur völlig aus dem Gleichgewicht.“ Teela war fassungslos. „Und wie bereiten wir diesem Wahnsinn jetzt ein Ende? Wie???“ Ein verzweifelter Blick zu He-Man.

„Wir müssen den Behälter mit der Masse von hier weg bringen - - am besten nach Grayskull. Die Zauberin wird wissen, wo er keinen Ärger mehr macht...“

„Nette Idee, Superman, aber wir kriegen wir das Teil ganz nach Grayskull? Bis wir da sind, is die ganze Brühe ausgelaufen und hat sich auf dem Weg verteilt.“

Wieder ging ein harter Ruck durch den Boden, ein Krachen ertönte. Alles wackelte.

„Was sollen wir jetzt machen??“ Teela stützte sich erschrocken an einem größeren Felsblock ab. Der Regen wurde auch wieder stärker.

„Wenn wir uns nicht schnellstens was einfallen lassen, dann ist das Zeug gleich ausgelaufen - - wenn wir richtig großes Pech haben, bricht uns womöglich auch noch der Kessel auseinander, so wie der aussieht...“ Teela biss sich hypernervös auf ihrer Unterlippe herum.

He-Man nickte ihr zu: „Du hast Recht, Teela.“ Dann sah er entschlossen auf den Metallbehälter, aus dem immer noch grüner Dampf in die Atmosphäre, und die dickflüssige Masse in den Boden stieg. „Deshalb wird ich ihn tragen.“

„Was willst du??“ Teela sah ihn verständnislos an.

„Es gibt keine andere Möglichkeit!“

„Nein, He-Man, nein! Der Weg ist zu lang, der Kessel zu schwer... Das schaffst sogar du nicht!“

„Doch, Teela. Ich weiß, dass ich das locker lange aushalt!“

„Aber wenn der Kessel plötzlich über dir zusammenkracht? Wenn er auseinanderbricht während du ihn trägst? Diese Giftmischung wird dich berühren - - und wer weiß was sie für Auswirkungen auf Menschen hat!!“ Sie redete schnell auf den Hero ein, versuchte, alle Contras für diese Aktion schnellstmöglich runterzurattern. Doch er ließ sich nicht beirren: „Wir haben nur diese eine Chance, Teela, verstehst du?! Dieses Zeug muß hier weg!“

Gegen Teelas Willen hob He-Man vorsichtig den schweren Kessel an. Er passte natürlich höllisch auf, dass er nicht mit der grün-glühenden Masse in Berührung kam. Sie mussten das Ding nach Grayskull bringen, die Zauberin war wohl die einzige, die es entsorgen konnte. Denn: In eine Schlucht oder einen See werfen – das ging ja nicht, dann wäre der glibbrige Schleim ja wieder in die Erdkruste eingedrungen!

So stapfte He-Man, den Behälter im Nacken und eine wild-gestikulierende Teela im Schlepptau, durch den verregneten Wald. Seltsamerweise wusste He-Man plötzlich exakt die Richtung, in der Grayskull lag – das kam wahrscheinlich daher, dass er die Ursache der Wetterkatastrophe enttarnt hatte. Nun schienen ihn die Gedanken der Sorceress zu leiten.

Es dauerte Stunden bis sie endlich die mystische Burg erreicht hatten, der Regen war mittlerweile allerdings weniger geworden. Als sich das schwere Tor öffnete betraten He-Man und Teela das dunkle Innere der Burg. He-Man hatte sich allerdings doch etwas überschätzt, die Last des Metallkessels war doch ein bisschen zu viel gewesen, Teela musste ihn bereits stützen. Und sie hatte den ganzen Weg darauf geachtet, dass kein Tropfen der austretenden Giftmasse He-Man berührte. Immer wieder hatte sie die herauslaufenden Tropfen mit der braunen Weste abgewischt. Als sie erschöpft im Thronsaal auftauchten, erschien auch schon die Zauberin. Ihre Gestalt baute sich aus einem umherwabernden rosa Nebel auf.

„Setz den Behälter ab, mein Held.“ Waren ihre ersten Worte, als sie die Erschöpfung in He-Mans Gesicht erkannte.

„Nein - - dann wird sich das Zeug hier in den Boden fressen! Es ist – wie Säure!“ gab er erschöpft-leise zurück.

Doch die Sorceress schüttelte den Kopf: „Nein, wird es nicht! Castle Grayskull ist praktisch immun gegen solche Giftmassen. Es kann in diesem Fall nichts geschehen, vertraut mir!“

Er setzte den Metallbehälter zu Boden. Tatsächlich: Die auslaufenden Massen konnten nicht in Grayskulls Boden eindringen!

„Ich bin euch sehr dankbar, dass Ihr eure gesamte Energie dafür eingesetzt habt, Eternia zu retten. Ihr solltet Euch jetzt ausruhen.“ Flüsterte die Zauberin – mit einem Fingerschnipsen löste sie sich in Luft auf. Mit ihr verschwand auch der Kessel.

Etwa eine Viertelstunde blieben die zwei noch in Grayskull: Sie mussten sich einfach wieder etwas ausruhen, sie konnten nicht mehr weiterlaufen. Ihre Füße taten höllisch weh, ihre Schenkel dröhnten. Sie redeten nicht, jeder war mit sich selbst beschäftigt.

 

Es dauerte natürlich nicht lange, als sie in der Stadt eintrafen. Schon von weitem erkannten sie die schweren Schäden am Royal Palace, den eingestürzten Westflügel, um nur ein Beispiel zu nennen. Erschrocken rannten sie los, so schnell sie jetzt noch konnten, wurden aber auf halbem Wege von Orko abgefangen: „Wir sind alle sicher in den Ställen, keine Panik!“

„Es ist vorbei, Orko!“ rief Teela ihm erleichtert zu. Daraufhin klatschte der quirlige Zauberer in die Hände.

Nun kamen ihnen auch Man-at-Arms, Randor und Marlena entgegen. Sie sahen ziemlich kaputt aus – aber in ihren Gesichtern spiegelte sich jetzt auch ein unglaublich erleichtertes Lächeln wieder. Ein Lächeln, dass He-Man für all seine Mühen und Anstrengungen augenblicklich belohnte...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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