Geschichte des "CanadianRugbyGirl"
Vor dem Abflug
Die Entscheidung, nach Kanada zu gehen, habe ich im Prinzip bereits in der 9. Klasse gef�llt. Nach kurzer Information durch's Internet hab ich mich bei den Organisationen YFU, AFS und Rotary erkundigt, wie und wann ich mich bewerben k�nnte. Wenn man mich jetzt fragt, wie ich �berhaupt auf's ATJ und Kanada gekommen bin - ich weiss es nicht mehr. Es war ein Gef�hl, ein Gedanke, ein Traum oder Wunsch der einfach pl�tzlich da war, aber der so stark war, dass ich ihn einfach in die Realit�t umsetzen musste. Meine Eltern unterst�tzen mich von Anfang an, zumindest indem sie mich nicht weiter daran hinderten Ich wollte alles alleine machen, hab mich also auch alleine f�r YFU als Wunschorganisation entschieden (r�ckblickend w�rde ich das als einen total Gl�cksgriff bezeichnen) und mich um die Bewerbung gek�mmert, sobald die 10. Klasse angefangen hatte.
JULI 2000
Ich hatte zwischenzeitlich auch meine beste Freundin Stefanie f�r die gleichen Organisationen begeistern k�nnen, so da� wir uns gemeinsam �ber diese doch etwas merkw�rdigen Bewerbungsunterlagen lustig machten.
Sie bestanden aus wirklich interessantem Informationsmaterial, Ausf�llb�gen f�r die ganzen pers�nlichen Angaben, den famili�ren Hintergrund und so etwas, und jeweils der Aufgabe, einen Text zu schreiben. Hier fing der Spa� eigentlich an. YFU wollte wissen, was mich denn bisher denn so beeinflu�t h�tte und AFS fragte �hnliches, zum Beispiel, was ich denn bisher so erreicht h�tte (Hallo???? Ich bin 15 und lebe in einer deutschen Kleinstadt.... wie interessant war mein Leben wohl bisher??).
Da die Unterlagen Anfang Juli bei mir ankamen, und ich zu dieser Zeit gerade in die Sommerferien fahren wollte, habe ich mich nicht direkt darum gek�mmert. Und so wurde es...
...AUGUST...
und als ich dann aus den Ferien zur�ckkam, hatte ich bereits beinah die R�cksendetermine �berschritten! In absoluter Eile stellte ich alles zusammen (das Lehrergutachten, das jeweils verlangt wurde, war ein Extraproblem: Meine Klassenlehrerin ist sowieso etwas verplant, daher dauerte das auch entsprechend) und schickte es jeweils kurz vor bereits verl�ngertem Bewerbungsschlu� ein. Ich hatte totalen Stre� mit den Pa�fotos, weil ich durch den vorhergegangenen Urlaub totalen Sonnenbrand hatte und st�ndig so rot und gl�nzend aussah, da� jeder dachte, ich bef�nde mich kurz vor einem Hitzschlag... Und das auf einer Bewerbung?! (Ich gebe zu, da� das eigentlich belanglos ist, aber in der Situation war das irgendwie total wichtig f�r mich...)
PPP bzw. Experiment hatte ich w�hrenddessen bereits verworfen, da in den Unterlagen stand, da� sie Anfang 2001 Bescheid geben w�rden, wer definitiv genommen seien w�rde (nach einem Gespr�ch nat�rlich), w�hrend AFS und YFU sich schon noch w�hrend 2000 entscheiden wollten. Da ich nat�rlich nicht AFS und YFU absagen wollte, falls ich dort angenommen werden w�rde, blo� weil ich auf eine Annahme beim PPP hoffte, meldete ich mich da gar nicht erst an. Au�erdem war meine "Abneigung" gegen die USA inzwischen gewachsen und ich arbeitete jetzt nur noch mit YFU und AFS auf Kanada hin.
Inzwischen hatte meine beste Freundin dieselbe Entscheidung getroffen, und bewarb sich bei YFU und AFS auf die USA. Eine weitere Freundin hatte sich bei anderen Organisationen beworben, wo alles v�llig anders ablief als bei mir. (Sie f�hrt �brigends mit LSI nach Roseville, Michigan)
SEPTEMBER...
bekam ich dann von YFU (einen Monat nach Einsendung meiner Bewerbung) die Einladung zu einem Auswahlgespr�ch am 24.09., meine beste Freundin wurde zu einem Gespr�ch am gleichen Ort, nur drei Wochen vor meinem Termin, eingeladen. Ich begleitete sie und kannte daher schon die Umgebung, so da� ich an "meinem" Termin ohne gr��eren Stre� dorthin fuhr. Ich bin absichtlich alleine dorthin gefahren, ich hatte einfach das Gef�hl, da� es einer dieser Schritte war, die man alleine machen mu�, und nicht mit seinen Eltern im Warteraum. Allerdings denke ich, da� dieser Gedanke auch dadurch beeinflu�t wurde, da� ich das Ganze schon "mitdurchlaufen" hatte, da meine Freundin mir alles haargenau erz�hlt hatte.
Als ich dann an diesem Sonntag um kurz vor 11 im Hotel Euro Plaza in K�ln ankam, waren meine Knie aber schon irgendwie etwas zittrig. Ich wu�te, da� dies die letzte H�rde vor meinem Austauschjahr mit YFU war, und ich wollte inzwischen unbedingt mit dieser Organisation fahren. Au�erdem hatte AFS sich einfach nicht gemeldet, obwohl meine Freundin bereits zu einem sehr merkw�rdig klingendem Auswahlwochenende eingeladen worden war: Dort sollten angeblich Talent- und Psychologiespielchen ablaufen... Ich �rgerte mich nur noch �ber das verschwendete Geld, da� man bei AFS als Bewerbungsgeb�hr zahlen mu�, und hatte diese Organisation bereits gedanklich gestrichen.
Als ich dann mit den weiteren vier Bewerbern in den Vorraum des Gespr�chszimmers kam, habe ich nat�rlich erstmal versucht, mir ein Bild von ihnen zu machen. Drei Jungs und ein weiteres M�dchen, alle mit verschiedenen Zielen: Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden, S�dafrika. (Ich hatte Kanada und Schweden angegeben, einer der Jungs (total nett) hatte Schweden, Neuseeland und Kanada gew�hlt, und die anderen habe ich mir leider nicht gemerkt) Da eines meiner deutlichsten Merkmale ist, das ich st�ndig rede, hatte ich schnell mit diesem besagten Jungen die "Gruppenf�hrung" �bernommen, wenn ich das mal so ausdr�cken darf. Das andere M�dchen und einer der beiden Jungs kannten sich von der Schule her und sprachen leise im Hintergrund miteinander, w�hrend der dritte Junge v�llig in sich zur�ck gezogen war. Der "erste" Junge (ich wei� wirklich nicht mehr, wie er genau hei�t, peinlich, peinlich!) fragte mich erstmal, wie ich hei�e und wie alt ich bin und wohin ich will, und noch bevor ich zur�ckfragen konnte, kam ein freundlicher Mann (Ulrich Zahlten, wie sich herausstellte) und bereitete uns auf die kommende Situation vor. Dazu w�re zu sagen, da� ich wirklich p�nktlich war (mal ausnahmsweise nicht zu sp�t *g*), und mir deshalb selbst die Chance genommen hatte, die andern noch kennenzulernen, bevor wir in den Gespr�chsraum mu�ten.
Dort wurden wir plaziert, unsere f�nf St�hle waren in einem Halbkreis aufgestellt, direkt vor einer Tischreihe, hinter der f�nf Auswahlleiter sa�en. In der Mitte Ulrich Zahlten, der alles leitete, neben ihm drei Frauen und ein weiterer Mann, wobei eine der Frauen auffallend jung war, die anderen Beiden sch�tze ich auf Mitte/Ende 20.
Ich sa� von mir aus gesehen auf dem zweiten Stuhl von rechts, rechts neben mir der Junge, der das M�dchen von der Schule kannte, links neben mir der "Nette", daneben das M�dchen und ganz links der "Ruhige".
Die Auswahlleiter verglichen erst die Fotos unserer Bewerbungsunterlagen mit unseren Gesichtern, was bei allen schnell ging, nur bei mir meinten sie, ich solle doch mal richtig l�cheln: Auf dem Foto war ich knallrot, strohblond und hatte ein dickes Grinsen drauf, w�hrend meine Haare inzwischen wieder l�nger und dunkler waren, meine Gesichtsfarbe war wieder kalkwei� wie gew�hnlich und mein Gesicht zeigte eher meine Anspannung als das L�cheln auf dem Foto. Und als ich also aufgefordert wurde, breit zu l�cheln, damit sie mich erkennen konnten, habe ich sie also angestrahlt, woraufhin alle f�nf Leiter zur�ckl�chelten, und mit einem Schlag war ich ganz ruhig, das hat mir irgendwie geholfen.
Das Gespr�ch drehte sich haupts�chlich um Problemf�lle, und wir sollten in der Gruppe dar�ber reden und darauf achten, da� alle zu Wort kamen und so. Das stand auch in den Unterlagen, die ich mit der Einladung bekommen hatte. Also erz�hlte Herr Zahlten uns kurz etwas, dann sprang sofort der "Nette" ins kalte Wasser, �u�erte seine Meinung, danach antwortete ich darauf, woraufhin dann der Junge rechts neben mir etwas dazu sagte, dann das M�dchen und schlie�lich der "Ruhige".
Diese Reihenfolge bildete sich ganz unbewu�t, aber so fielen wir uns nie ins Wort und h�rten immer zu, solange, bis einer nichts mehr zu sagen wu�te und der n�chste einsprang. Der "Ruhige" wurde aber bald zum Problemfall, er sagte nichts (wobei ich aber auch nichts mehr zu sagen gehabt h�tte, nachdem wir anderen Vier bereits dar�ber gesprochen hatten), und wenn wir versuchten, ihn anzusprechen und dadurch zum Reden zu bringen, wurde er nur noch nerv�ser. Er tat mir leid, aber das Ganze war nach noch nicht mal einer Stunde ja auch schon vorbei.
Nur einmal dachte ich, das war's, die nehmen dich nie, n�mlich nachdem ich sagte, da� ich denken w�rde, da� man nichts phantastisches von diesem Jahr erwarten d�rfte und auch keinen Anspruch darauf h�tte, sonder es nehme m��te, wie es kommt und sich entsprechend verhalten. Das war meine Ansicht �ber den Fall einer ATS, die nicht fahren wollte, da sich eventuell Schwierigkeiten wegen ihrer Plazierung ergeben k�nnten. Da fiel mir Herr Zahlten ins Wort, und sagte, da� er das anders sehen w�rde. Ich mu�te erstmal tief Luft holen, bis ich mich traute, etwas zu erwidern, und das einzige, was ich dachte, war: Hey, stand in den Unterlagen nicht, da� die Leiter keine feste Meinung haben?? Aber zwei Minuten sp�ter l�chelten mich auch alle wieder an, bis auf den einen Mann, der a� die ganze Zeit Gummib�rchen...
Schlie�lich verabschiedeten sie sich von uns, ich sprang auf und war als Erste an der T�r, als Herr Zahlten sagte: Carolin, einen Moment, bitte. Ich drehte mich um und dachte: Das war's, jetzt sagen sie, du brauchst auf keine Antwort zu warten, du bist abgelehnt! (Die letzten S�tze waren, da� der Bescheid in etwa 4 Wochen kommen w�rde und eine Ermahnung von Herrn Zahlten, da� er von einer so aufgeschlossenen Gruppe wie der unsrigen mehr erwartete h�tte, denn keiner von uns hatte ein osteurop�isches Land gew�hlt, und das fand er unerh�rt...)
Also ging ich wieder zwei Schritte auf die Tische zu, w�hrend die Anderen den Raum verlie�en, und Herr Zahlten blickte von seinen Unterlagen auf und sagte: "Carolin, schreibst du eigentlich auch privat?" Ich war so �berrascht, da� ich ihn nur fragend ansah, und daraufhin sagte er: "Deine Bewerbung hat uns sehr beeindruckt, du solltest das wirklich weiterf�hren" (In etwa dies sagte er, aber ich gebe zu, dass ich nicht in der Lage war, mir seine genauen Worte zu merken) Ich war wie vor den Kopf gesto�en, das war alles andere, als das, was ich erwartet hatte, und was hei�t "privat schreiben"? Klar, ich hatte mal mit 12 oder 13 versucht, ein paar Ideen in Geschichten umzuwandeln, und Deutsch ist mein bestes Fach, aber was hat das mit meinem Auswahlgespr�ch zu tun??
Ich dankte ihm irgendwie daf�r, da ich das als Kompliment ansah, und verlie� dann endlich das Zimmer. Drau�en atmeten wir dann alle erstmal auf, alle streckten sich, und die Beiden, die sich von der Schule kannten, verschwanden direkt, wir anderen drei gingen noch in K�ln rum und a�en Eis, um das �berleben dieser Stunde zu feiern...
OKTOBER
AFS meldete sich, es t�te ihnen furchtbar leid, sie h�tten mich irgendwie verschusselt, ich solle direkt am n�chsten Wochenende zur Auswahl kommen, aber wir lehnten danken ab und meine Mutter forderte mit einem sehr freundlich Brief die Bearbeitungsgeb�hr zur�ck, da ich ja eindeutig nicht bearbeitet worden sei.... Wir haben das Geld zur�ckbekommen
Meine Freundin hatte inzwischen, f�nf Wochen nach ihrem Gespr�ch, einen Brief gekriegt, wo etwas drin stand von wegen "dies ist keine Warteliste im eigentlichen Sinne, du bist weiterhin in der Auswahl, falls jemand zur�cktritt, dann bist du sofort....". Sie war ein wenig geknickt, aber wir dachten, das w�re vielleicht sogar relativ �blich und ich rechnete mit dem Gleichen.
Und dann: Freitag, der 13. In der Post war ein Brief von YFU, ich hatte Ferien und fand ihn deshalb als erste. Ich rannte in die K�che, macht ihn auf und mir sprang nur der erste Satz ins Auge: "Liebe Carolin, zu unserer gro�en Freude hat unser Auswahlausschu� Dich f�r unser Programm mit KANADA ausgew�hlt."
Ich la� ihn direkt noch mal, ich konnte es einfach nicht glauben: Ich war doch erst vor 19 Tagen bei dem Gespr�ch gewesen!! Und schlie�lich stand ich nur noch vor Freude schreiend im Wohnzimmer, ich hab wirklich nur noch rumgeschrien: Ich bin dabei! Ich hab's! Jaaaaaaaaaaaaaaa!!!
Schnell brachte ich die Neuigkeit per Telefon unter meine Eltern und Freunde, ich war ja einfach nur noch so total �berw�ltigt: Es war wahr! Ich fahre im August 2001 nach Kanada!
DEZEMBER
Am 11. Dezember erhielt ich die Plazierungsunterlagen, und ab sofort war ich Carolin Heller, TN-Nr. 2001-0056. Die Unterlagen verschwanden aber erstmal in Umzugskisten: Ich zog etwa 2 km weiter nach S�den...
Dann war Weihnachten, und am 27. Dezember fiel mir auf, da� ja HEUTE die Best�tigung der Zahlungsbedingungen und die Einverst�ndniserkl�rung bei YFU seien sollte. Uuuuups... Naja, das schickte ich dann mit einem Verweis auf meine neue Adresse sofort ab, und st�rzte mich voller Energie in die Unterlagen...
JANUAR
Die Plazierungsunterlagen und die medizinischen Unterlagen sollten bis zum 11. Januar zur�ckgesendet werden. Etwa eine Woche lang brauchte ich nur, um alles zu strukturieren, was ich noch erledigen mu�te und alle Informationen �ber meine Krankheitsgeschichten aus meinen Eltern herauszukriegen. Dann war nat�rlich mein Hausarzt in Urlaub, dann ging der Computer meines Bruders kaputt, auf dem mein soeben erst vollendeter Gastfamilienbrief abgespeichert war, den ich dann noch mal schreiben durfte, dann fehlten mir mal wieder Pa�fotos, dann die Fotos f�r die Collage �ber meinen Alltag und mich selbst...
Als dann schlie�lich alles fertig war, ich alles bei der Post kopierte und anschlie�end abschicken wollte, fiel mir dann auf, da� noch die Unterschriften meiner Eltern fehlten, und mein Vater war auf Dienstreise...
Ich wei� nicht mehr genau, wann ich alles endg�ltig abgeschickt habe, ich glaube, eine Woche nach Einsendeschlu�... Aber egal, weg ist weg! Die werden das mir, der internationalen YFU Nummer 01 149 003 0056, schon verzeihen...
Am 30. Januar erhielt ich dann die Teilnahmebest�tigung, und kurz darauf, Anfang
FEBRUAR,
dann auch die n�chsten Informationen, �ber Betreuung, die Gastfamilien, den Kontakt nach Hause und die Vorbereitungstagung und das Handbuch "World Traveler", das wirklich total interessant ist.
Ein komischer Gedanke, da� ich dieses Heftchen jetzt, hier zu Hause, in der Hand halte, und in einem halben Jahr sitze ich irgendwo in Ontario und halte eben dies wieder in der Hand... Ich glaube, ich werde melancholisch!
VBT
24.05.2001 - 30.05.2001
Am Donnerstag morgen um 8:06 Uhr fuhr mein Zug von Bad Honnef aus los und ich sa� ziemlich aufgeregt auf meinem Platz und �berlegte die ganze Zeit, wie diese Vorbereitungstagung wohl werden w�rde!
W�hrend dieser Woche mu�te ich erfahren, dass man die Inhalte der VBT nicht erz�hlen kann. YFU legt sehr gro�en Wert darauf, dass alles selbstst�ndig erarbeitet wird und als ich, nun schon eine halbe Woche wieder zu Hause, versuchte, meinen Freunden und meiner Familie zu erz�hlen, WARUM diese Tagung so genial war, stie� ich nur auf Unverst�ndnis.
Wie sollte es auch anders sein? Und deshalb werde ich auch hier nicht versuchen, die VBT zu erkl�ren, sondern sage nur etwas zum Ablauf und zu den Leuten, die ich dort kennengelernt habe.
Also, ersteinmal war es wirklich sehr anstrengend. Wir hatten nicht wirklich viel Freizeit: Fr�hst�ck um 8:00 (f�r den K�chendienst hie� es, immer eine halbe Stunde vor Essenszeit in der K�che zu erscheinen), AG-Beginn um etwa 9:00, Mittagessen um 12:00, AG-Beginn um etwa 13:00 (in der Mittagspause wurde auch geputzt), Kaffee und Kuchen gab es w�hrend den AG�s (nocheinmal DANKE daf�r an das jeweilige K�chenteam ) und Abendessen um etwa 19:00. Abends waren meistens auch noch AG�s, und Hausruhe war um 22:00, Zimmerruhe um 23:00.
Zu den AG�s: Wir erarbeiteten Themen wie Kultur (Geschichte, Werte, Kommunikation,...) und Pr�gung, au�erdem gab es nat�rlich noch die hei�ersehnten "L�nder-spezifischen Tipps" und sowieso jede Menge kleiner Geschichten der ehemaligen ATS. Es wurde sehr viel diskutiert und das wollten die AG-Leiter auch, und ich habe noch nie so gerne diskutiert. Jeder kennt die unproduktiven Streitgespr�che mit Lehrern oder in der gesamten Klasse, aber dies war anders, es war interessant und man freute sich schon immer richtig auf die n�chste AG.
Zu den Leuten: Es war eine absolut tolle Gruppe. Wir hatten so viel Spa� und ich war wirklich irgendwie richtig traurig, als wir nach Hause fahren mu�ten, denn nie zuvor hatte einer von uns so viele Gleichgesinnte getroffen. Die sogenannten "Teamer" (d.h. die ehemaligen ATS, die die Tagung nahezu unmerkbar leiteten) waren alle unglaublich nett und man kam sich wirklich vor wie eine gro�e Gemeinschaft.
Da haben wir es wieder! Ich versuche, das Gef�hl zu beschreiben, das sich w�hrend diesen sechs Tagen entwickelt hatte, und alles was dabei herauskommt, ist eine kitschige Gef�hlsduselei!
Aber egal. Ich kann wirklich nur sagen, dass diese VBT mir sehr viele neue Gedanken vermittelt hat, und jeden einzelnen von diesen Gedanken habe ich nicht vorgesagt bekommen, sondern er hat sich w�hrend einer der vielen Diskussionen mit den anderen ATS entwickelt, und das ist wirklich beeindruckend gewesen. Ich glaube jetzt, dass ich wirklich nach Canada gehen und dort leben und alles mit offenen Augen betrachten kann, zwar nicht unvoreingenommen, denn das geht wirklich nicht, aber immerhin mit dem Bewu�tsein, dass alles, was ich sehe, nicht unbedingt so ist, wie ich es wahrnehme und dass ich besser �ber jedes Urteil noch mindestens zweimal nachdenke, bevor ich es zu einer Meinung werden lasse.
So, habe ich jetzt nicht toll unverst�ndlich vor mich hinphilosophiert? DAS lernt man auf einer VBT!!!
(Stand: Juni 2001)
So, inzwischen ist es Juni und au�er der VBT ist nicht wirklich viel passiert. In den Unterlagen stand ja, dass die ersten Gastfamilien bereits M�rz gefunden werden, weshalb ich jetzt bereits seit M�rz jeden Tag hoffnungsvoll zum Briefkasten laufe und jeden Tag werden meine (im Prinzip unbegr�ndeten) Hoffnungen entt�uscht...
Aber ich gebe nicht auf! Seit ich auf der VBT die weiteren 9 ATS kennengelernt habe, die dieses Jahr mit YFU nach Canada gehen, bin ich irgendwie ruhiger (im Sinne von entspannter) geworden. Denn die haben auch noch keine Gastfamilien und die Teamerin der VBT, die selbst in Canada gewesen war, hatte ihre Gastfamilie erst kurz vorm Abflug gekriegt... Da hab ich ja noch Zeit!
Ich brenne nur nat�rlich darauf, endlich konkrete Vorstellungen meines Lebens im n�chsten Jahr zu haben, und meine beste Freundin hat inzwischen ihre Gastfamilie bekommen (Coalinga, California) und ist total happy... *beneid*
Au�erdem habe ich vor kurzem die Unterlagen zur Beantragung eines Visums bekommen, die kann ich aber leider erst ausf�llen, wenn ich eine Gastfamilie habe.... Ich werde noch verr�ckt von der Warterei! Und wenn ich dann eine Familie habe, geht der Stress los...
So, jetzt kann ich euch nat�rlich das erz�hlen, was sich nach dem Ende dieses Berichtes abgespielt hat: Ich hab keine Gastfamilie bekommen.
YFU hat allen Kanadafahrern sogar angeboten, vom Program zur�ck zu treten - nat�rlich haben wir alle abgelehnt. Aber es war schon hart - jeden Tag die Hoffnung auf eine Plazierung, und nichts und wieder nichts......
Schliesslich kriegte ich meine Flugdaten, und es wurde immer ernster, alle Leute um mich herum konnten nicht verstehen wie ich trotzdem noch mit YFU gehen wollte, aber ich hatte vollstes Vertrauen - sowohl in YFU als auch in die Zukunft an sich.
Am Abend vor meinem Abflug kriegte ich einen Anruf von YFU... "Wir haben deine Gastfamilie". Um es kurz zu machen: Die Familie sollte eine temporary family f�r die Ankunftszeit sein, damit ich ein Bett hatte bis ich endg�ltig plaziert w�rde. Also wartete ich, bis es etwa 5 Uhr Ortszeit in Kanada war (also etwa 11 Uhr in Deutschland), und rief die Familie an, bei der ich in weniger als 24 Stunden sein w�rde. Ein merkw�rdiges Gef�hl....... ich war furchtbar aufgeregt, und es wurde dann auch nicht besser als die Familie sagte "Wie, du bist unsere ATS? Wir haben noch gar keine ausgew�hlt, da wir ja eh erst in fr�hstens zwei Wochen eine aufnehmen k�nnen. Also, wir sehn dich dann in zwei Wochen!".......... SCHOCK pur.
Da es Freitag Abend war, war nat�rlich niemand im YFU B�ro, und YFU Deutschland schien ja auch wirklich zu glauben dass ich zu dieser Familie kommen w�rde. YFU Canada konnte ich nicht erreichen...... also bin ich online gegangen und hab mich mit den anderen ATS ausgetauscht. Durch Zufall hab ich dann rausgefunden, dass eine ATS, deren Ankunftsfamilie die Familie von Diane Hahn, der national director von YFU, war, geh�rt hatte dass sie und noch eine Deutsche bei Diane wohnen w�rden. Also hatte ich einen "Verdacht" wo ich die n�chste Nacht schlafen w�rde..........
Ich denke es ist nachvollziehbar, wie aufgeregt und verwirrt ich war, als ich um etwa 2 Uhr morgens schlafen gegangen bin, ohne zu wissen was mich am n�chsten Tag auf der anderen Seite vom Frankfurter Flughafen erwartete...........................
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