Beziehungskrisen
Das große Comeback 1991 mit dem Album "Ai Dalai", benannt nach dem Lied "Dalai Lama", einer Hymne auf den Dalai Lama selbst, welcher noch mit Mecano Autogramme austauschen sollte...
Der Erfolg ist maßgebend. Kein Wunder, denn die Lieder sind sehr anspruchsvoll und auch wieder sehr vielseitig, beispielsweise enthält die CD (mittlerweile gelten Schallplatten als out und die zuvor veröffentlichten sind bis auf "Lo Último De Mecano" ebenfalls auf Compact Disc erhältlich) ein Salsa-Stück, eines im Flamenco-Stil und zahlreiche mit Orchestration.
Der Triumph kommt nicht von ungefähr: während der zwei stillen Jahre komponierten José und Nacho getrennt ihre Lieder, während sich Ana durch Tanzstunden und klassischen Gesangsunterricht ausbildete.
Nun wird "Ai Dalai" fast komplett auf französisch veröffentlicht, genau so wie auf italienisch.
Während Nacho die Erfolge mittlerweile aus der Hand schüttelt und auch viele weibliche Fans auf seine Seite zieht, strengt sich José um so mehr an, um Singles zu veröffentlichen und mehr Kompositionen für sich zu entscheiden. Sein Genie steht außer Frage, aber wo ein Komplex ist, wird auch immer einer sein... wieder setzt er seine Hoffnung in die Lieder "Tú" und "Una Rosa Es Una Rosa". Sie werden zwar auf Single veröffentlicht, bringen aber nicht den gewünschten Erfolg. José ist frustriert, nicht weil sein Bruder beliebter ist, sondern weil die Botschaft seiner Lieder niemand zu verstehen scheint.
Die Zwischenbilanz aller Stücke, die nach der Veröffentlichung des achten Albums gezogen wird, spricht mit 62% eindeutig für Nacho.
Man braucht sich nur das Lied "El Uno, El Dos, El Tres" anzusehen, um Josés pessimistische Einstellung der Zukunft Mecanos gegenüber zu bemerken. In diesem Lied kündigt er praktisch schon an, dass der Erfolg nicht von Dauer sein wird.
Um ihn noch einmal zu genießen und die Fans zufriedenzustellen geht nun die Welttournee los, die sie auch nach Frankreich bringt, wo man die anderssprachigen Versionen hören will, oder in Länder wie Holland oder Deutschland, wo die Texte nicht einmal verstanden, die Lieder aber trotzdem geliebt werden. Das Szenario ist grandios und Anas Kostüme werden immer gewagter (der Vergleich mit Madonna ist berechtigt). Neben dem Konzertvideo wird anlässlich "Ai Dalai" auch ein Video mit zusammengestellten Videoclips von Liedern des Albums veröffentlicht, welches auch in französischer Form mit abgewandelten Clips existiert.
Die Tournee bekommt Ana nicht gut, gegen Ende hat sie eine Kehlkopfentzündung und kann nicht mehr singen. Die Schlusskonzerte werden gekürzt, um ihre Stimme nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen. Auch José erträgt das hektische Starleben nicht mehr, und den Kampf gegen seinen Bruder sowieso nicht.
Mecano gibt die erste, vorläufige Trennung bekannt. Man will sich Solokarrieren widmen und eigene Erfahrungen sammeln, um irgendwann wieder zusammenzutreffen. In dieser Zeit veröffentlicht Nacho zwei Alben, ebenfalls in mehreren Sprachen und Ana nach der Schonfrist ihrer Stimme eines plus französische Version, wohingegen José einen Ausflug in die klassische Musik wagt und sein letztes Hemd für seine Oper verkauft.
1997. Der Traum wird war und Mecano kehrt tatsächlich zurück. Das Album "Ana | José | Nacho" kann als Best-of-Album gesehen werden. Die Doppel-CD enthält Lieder aus alten Zeiten, sowie einige neue.
Die erste Single ist "El Club De Los Humildes", quasi Nachos Antwort auf "El Uno, El Dos, El Tres", dieses Lied vermittelt so ungefähr die "wir sind immer noch da"-Atmosphäre, die José in seinen Zukunftsvisionen ausschloss.
Für das Lied "Stereosexual" wird ein Gospel-Chor engagiert, "Aire" als Live-Version der letzten Tour zum dritten mal umgewandelt, ein reines Klavier-Gesangsstück, die Vielfalt immer noch die selbe. Obwohl die Kompositionen wie immer auch mit der Zeit gehen, findet sich der Kompromiss mit dem altbewährten, finessen Mecano-Stil.
Wieder werden Videoclips produziert, das Kaufvideo "Stereosexual" enthält außerdem sogar ein Making-of.
Das einzige Konzert, dass Mecano nach ihrer Rückkehr geben, ist in Acapulco und leider nicht einmal wirklich live gespielt... Daher nehmen viele an, dass das letzte Album nur dazu da war, um Geld zu verdienen. Hierzu ebenfalls später.
Dieses Mal zwar keine italienische Veröffentlichung, dafür aber französisch plus einem alten Lied von 88 ("Hermano Sol, Hermana Luna"), dass jetzt erst anderssprachig aufgenommen wird.
Doch jetzt kriselt es endgültig... Josés grisgrämiges Gesicht auf den meisten Fotos kommt nicht von ungefähr. Die Gruppe wird 1998 aufgelöst. Er hat genug von diesem Leben als Berühmtheit - und ein bisschen auch von dem Konkurrenzkampf mit Nacho... da Mecano ohne ihn nicht Mecano wäre, folgt die Trennung. Das ist zumindest das, was die meisten denken...
Meine Erkenntnis ist folgende: Mecano trennte sich bereits 1992. Die Tour hinterließ alle Mitglieder fatal und die Lust weiterzumachen, zumindest als demokratische Gruppe, war gering. Gut, vor allem von Josés Seite her, aus den oben genannten Gründen. Warum sollten sie also zurückkehren, mit einem weiteren Album? - Weil es so etwas wie Plattenverträge gibt... und der Plattenvertrag der drei verpflichtete sie zu zwei weiteren Alben bei BMG. Mit der Veröffentlichung des Albums erfüllte sich der Auftrag. Ob die Rückkehr nun aus Willen war, oder aus Zwang, wer weiß. Ich persönlich denke, es waren zwei Fliegen mit einer Klappe.
José kehrt jetzt als Sänger zurück, Nacho hat sein drittes Album, Ana ihr zweites und außerdem das gemeinsame Tour-Album mit Miguel Bosé... und das Leben geht weiter. Irgendwie.
Mecano ist die bekannteste und berühmteste spanische Popgruppe aller Zeiten, Nacho und Ana sind immer noch sehr gefragt, José versucht es dieses Mal persönlich nach seiner Oper. Es gibt sehr viele Cover-Versionen der Lieder, zum Beispiel von Sarah Brightman oder Loona. Nacho und José produzieren auch diverse Bands und Sänger, sind als Songwriter aktiv...
Ihr glaubt nicht wie viele in der Fangemeinde von einer dritten Rückkehr träumen. Man hört solch gefühlsdusseliges Zeug wie "Mecano wird in unseren Herzen weiterleben.", als wäre jemand gestorben. Es ist vielleicht ein Mythos gestorben. Aber was ist, das ist. Es wird keine Wiedervereinigung geben, das ist offensichtlich, dafür haben wir jetzt drei deren CDs wir kaufen können - und noch mehr Geld auszugeben :-). Und wir haben immer noch die Lieder.
"Y quizá volvamos al local,
a cantar para nosotros, lo de 'Hoy No Me Puedo Levantar',
y dejar que esa chorrada nos empañe la mirada.
Lágrimas de agua pasada, despintando la fachada."
José María Cano, "El Uno, El Dos, El Tres"