Dieser Bericht handelt von einer Reise durch Portugal im Jahr 2001:

Meine lieben Freunde des regen Emailverkehrs!

Einige von Euch habe ich in letzter Zeit leider nicht mehr so häufig zu
Gesicht bekommen, da ich mal wieder Klausurstreß hatte! Ich hoffe, daß ich
in Zukunft keine Geburtstage mehr verpenne (Odie, Jochen, Peter und ???)
und mal wieder bei Euch "offline" auftauche.

Wenigstens kann ich Euch heute mal wieder aus einem
wunderschönen Land am linken unteren Rand unseres
Heimatkontinentes berichten: Portugal ist, um es vorwegzunehmen
definitiv eine Reise wert. Allerdings solltet Ihr, wenn es Euch mal
irgendwann nach Lisboa verschlägt nicht zu viele Kippen o. ä.
rauchen, da diese Stadt von Euch viel Kondition abverlangt. Roma
nennt sich zwar die "Stadt auf 7 Hügeln" doch diese sind ja
bekanntermaßen nicht größer als irgendwelche Maulwurfshaufen
auf irgendeiner Kuhweide.

In Lisboa gibt es nur 2 Richtungen: Bergauf oder Bergab und dies
meist auf Caçadas, d. h. auf Treppen und Treppchen steil hoch und
runter. Wenn man also als Theo Touri die Stadt innerhalb eines
Tages erkunden will, sollte der Meniskus und die Kreuzbänder
noch Intakt sein, sonst ist schnell Ende Gelände und man muß in
einem der tausend Cafés den Rest des Tages "genießen". Aber
man kann natürlich auch die Flora Flennburg-Variante durchziehen,
die sich nach einer Partynacht am Besten eignet:

Wie in Hongkong gibt es auch hier noch die gute alte Straßenbahn
aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Nur kann man hier keine
quadratisch praktisch gute Doppelstöckige einsetzen, da diese
sofort die Wäsche von den über die Gassen gespannten Leinen
reißen würde. Diese Mini-Straßenbahnen fassen gerade mal 2
Dutzend Leute, und sind äußerst kompakt, denn in den engen
Gassen (schmaller als die Augustinerstr.) parken ja die vielen
Autos und die Händler müssen auch noch ihre Waren irgendwo
hinstellen können. Tja als Fußgänger bleibt dann oft nur noch der
Hauseingang um in Deckung zu gehen! Den Bahnen muß man als
Passagier sehr großes Vertrauen entgegenbringen, da sie den
Anschein erwecken, daß durch das permanente Geklapper die
Holzvertäfelung gleich abfällt und alles sich in Einzelteile auflöst. Die
größte Sorge bereitet aber die Bremse, die sicher von ABS, ESP oder
sonstsoeinem technischen Schnick-Schnack noch nix gehört hat. Bei einem
Gefälle von oft mehr als 10% sollte sie noch funktionieren, für den Fall,
daß  man noch keine Suizidgedanken in sich trägt. An ein Wunder grenzt es
dann für den technisch nullpeilenden Mitteleuropäer, wie dieses Gefährt
auch dieselben Steigungen wieder hochächzt und dann weiterzuckelt. Dagegen
ist das Tramsurfen in Lisboa eigentlich eine sichere Sache, denn man
landet höchstens in einer Gurkenkiste oder auf der Kühlerhaube eines PKW's
im Falle eines Abrutschens und außerdem interessiert es eh keinen, ob da
jemand nun rumposen will bei 5km/h!

Nachdem man entweder sich die Knie beim Treppensteigen
ruiniert, oder den Kater beim Tramfahren gegen Stoßgebete
eingetauscht hat kann man endlich Fratzen gehen, da das
portugiesische Frühstück nur aus einem Espresso und einem
Sandwich (ähnlich einem Boccadillo) besteht. Hier kann BSE oder
MKS durch Verzehr von Bacalhau oder sonstigem Fisch ohne
Probleme aus dem Weg gegangen werden. Bacalhau ist
getrockneter Fisch, der in Salz eingelegt wird. Bevor der Fisch
verzehrt wird, liegt er aber mindestens 24 Stunden im Wasser, um
das zu Konservierungszwecken vorhandene Salz zu entfernen und
um ein permanentes am Wasserhahnhängen zu vermeiden. Der
Fisch hat einen sonderbaren Geschmack, der vielleicht nicht
Jedermanns Sache ist. Aber es gibt 365 (!?)Arten, ihn
zuzubereiten, und die wenigen, die ich zu mir nahm waren alle echt
lecker. 

Von Lissabon bin ich dann in die "Kulturhauptstadt Europas 2001"
mit der portugiesischen Bahn gefahren. Die Reise war recht
unspektakulär, außer der Tatsache, daß hier die Bahn günstig und
pünktlich ist, was man beim "Unternehmen Zukunft" (Deutsche
Bahn für Nicht-Leidensgenossen)eher nicht behaupten kann.
Anscheinend hat Porto erst Anfang 2001 bemerkt, daß es
Kulturhauptstadt geworden ist. Denn die gesamte Stadt ist eher
zur "Großbaustelle Europas 2001" mutiert. Man dachte wohl es
wäre an der Zeit, gleichzeitig den Flughafen zu modernisieren, eine
Metro zu konstruieren und die Altstadt zu renovieren. Das Ergebnis
ist nun zu bestaunen: Große Baugruben , überholte Stadtpläne, da
ganze Straßen verschwunden sind, und ein Preßlufthammerlärm
an manchen Ecken, der mit einem Wagen der Loveparade im Takt
mithalten könnte. Doch zum Glück fehlt wohl doch ein bißchen
Kohle, um die Stadt vollständig aufzureißen, so daß einige
Quartiers wirklich noch an vergangene Jahrhunderte erinnern und
nicht an den Potsdamer Platz vor 2-3 Jahren. Mitten durch die
Stadt zieht sich der Douro, der ja leider vor ein paar Wochen
traurige Berühmheit erreichte, als eine Brücke in der Nähe von
Porto einstürzte. Die große Brücke in Porto ist von Gustave Eiffel
errichtet worden und ist bestimmt aus genausoviel Stahl, wie der
berühmte Eiffelturm gebaut worden. Da das Douro-Tal hier sehr
steil ist, und die Altstadt in den Hang gebaut wurde, hat man auf
der Brücke einfach 2 Stockwerke eingerichtet.  Im oberen
Stockwerk kann man direkt aus der Oberstadt in rund 150m Höhe
über den Fluß fahren und kommt an der anderen Flußseite gleich
wieder in der Oberstadt von Vila Nova (Neustadt) an. Und für die
Leute aus der Unterstadt wurde das "Erdgeschoß" gebaut, das in
rund 10m Höhe verläuft. Die gesamte Konstruktion wird wie beim
Eiffelturm durch einen riesigen Bogen gehalten. Läuft man im
Erdgeschoß nach Vila Nova rüber, kommt man gleich im Zentrum
des guten Geschmacks an, den berühmten Portweinkellern. Ganz
Vila Nova besteht eigentlich nur aus diesen Kellern in denen der
Port entweder in der Flasche reift (teurere Version) oder im
Holzfaß. Natürlich gibt es in Porto auch eine Art "Hofbräuhaus" für
dieses "Gesöff". Doch Bier mit Port zu vergleichen ist sicher
genauso bescheuert, wie Meenzer Fassenacht mit Münchner
Fasching. So ist das Haus des Portweins natürlich eine Quinha, d.
h. ein altes Gutshaus, das mit schniken Kellern, großen, breiten
Sesseln und einem Park mit Springbrunnen bestückt ist. Natürlich
schreckt ein solches Ambiente den monetär etwas
angeschlagenen teutonischen Globetrotter ab, aber anscheinend
soll hier durch "Kampfpreise" von 1,50€ pro Glas 10-jährigem Port
der eingefleischte Pilsverehrer zum Portgenießer umgepolt werden.
Probiert's am besten selber aus, wenn Ihr mal dort unten in der
Ecke seid!

Ich hoffe, ich habe die allseits bemängelten Absätze dieses Mal
gesetzt und Euch nicht allzusehr zugetextet. Ich wünsche Euch
frohe Ostern und viel Spaß&Erfolg beim Suchen von Eiern, Jobs,
Wohnungen, neuen Reisezielen, FreundInnen, Kontaktlinsen,
Saufkumpanen, steigenden Aktienkursen und
wasweißnichtnochalles!!!
Hosted by www.Geocities.ws

1