Ich schreibe seit ich
denken kann, schreibe Kurzgeschichten, Gedichte, Erzählungen, und das
macht auch Spaß, doch leider gehört zu jedem Autor auch immer
eine mehr oder weniger große Leserschaft, die bei mir leider bisher
nicht vorhanden ist. Und so drängt sich mir nun die Frage auf: Wie werde
ich Bestsellerautor?
Zur Klärung dieser Frage werfe ich öfter mal einen Blick in die
sogenannten Book-Charts, wie man heute wohl sagt, muss aber leider feststellen,
dass mir elementare Grundvoraussetzungen fehlen. Ich bin weder alleinerziehende
Sozialhilfeempfängerin mit einer Vorliebe für fantastische Kinderbücher,
noch Fernsehhistoriker mit dem Anspruch, die Zeitgeschichte mit Büchern
über Hitlers Zahnarzt zu illustrieren, sondern leider nur ein Normalbürger
Mitte zwanzig ohne besondere Lebenserfahrung und ohne Ideen, auf die die
Welt seit Jahren sehnsüchtig gewartet hat. Doch kurz bevor ich schon
ganz aufgeben will, kommt mir die rettende Idee: Ich werde Popliterat!
Dazu brauche ich keinerlei besondere Qualifikation und muss nicht einmal
etwas zu sagen haben, kann aber trotzdem ein Schweinegeld verdienen, eventuell
sogar eine eigene Fernsehshow, die einzig und allein der Politur meines Egos
dient, angeboten bekommen und kann mich dann herrlich arrogant der Öffentlichkeit
präsentieren.
Ein einfaches, aber wirksames Konzept. Zunächst werde ich einen nichtssagenden
Roman über mein verkorkstes Liebesleben veröffentlichen, in dem
ich mich über zweihundert Seiten lang selbst bemitleide und so auch
noch die Kosten für einen Therapeuten spare, und in den folgenden Jahren
lasse ich zuerst alle meine bisher geschriebenen Texte neu verlegen und mich
in jede noch so billige Fernsehshow einladen, um mir dort mit überheblichen
Hetzreden gegen all und jeden einen Namen zu machen. Und wenn dann die Karriere
ins Stocken gerät, werde ich einige schlechte, aber dafür um so
bissigere Satiren über öffentliche Personen (auf den Text über
die Pseudo-Raverin Daisy Dee freue ich mich jetzt schon) verfassen, so wie
diese hier, denn das kommt bekanntlich immer an.
Oh, mir wird gerade bewusst, dass ich den Grundstein für meinen Erfolg
gerade gelegt habe. So schwer kann das also nicht sein...