Rhiannons erster Ehemann war Pwyll, der Herr der Unterwelt. Er wuenschte sich
einen Erben, und als kein Kind aus der Ehe hervorging, eroeffnete er Rhiannon,
dass er nach einer anderen Braut suchen werde.
Rhiannon bat ihn jedoch, ihr ein weiteres Jahr Frist zu gewaehren, und wurde tatsaechlich binnen dieser Zeit schwanger.
Sechs Ammen standen der Goettin bei, die in den fruehen Morgenstunden gebaeren sollte. Die Nacht jedoch war endlos und voll von Qualen, und so ueberkam die Ammen schliesslich allesamt der Schlaf, und auch Rhiannon schlief ein, nachdem sie unter grosser Anstrengung einen Sohn geboren hatte. Als die Ammen erwachten, fanden sie jedoch kein Kind vor. Da sie wusste, wie sehr durch ihre Nachlaessigkeit der Zorn Pwylls entfacht wuerde, dachten sie sie eine List aus; sie toeteten das Junge einer Huendin. Die gerade geworfen hatte, legten seine Knochen zur schlafenden Rhiannon und beschmierten ihr Gesicht mit dem Blut, so dass sie ihr, als sie erwachte und nach ihrem Kind fragte, erzaehlen konnten, sie haette es verschlungen.
Diese Unwahrheit wurde Pwyll vorgetragen und von allen sechs Dienerinnen beschworen. Pwyll jedoch schickte Rhiannon nicht fort, sondern zog es vor, ihr eine Strafe aufzuerlegen. Sie musste sich jeden Tag an das Tor des Schlosses setzen, jedem vorbeikommenden Fremden die Geschichte erzaelen und ihm anbieten, ihn auf ihrem Ruecken ins Schloss zu tragen. Das tat sie ein halbes Jahr lang.
Aber schliesslich widerfuhr Rhiannon doch Gerechtigkeit.
Zu dieser Zeit lebte naemlich ein Mann namens Tiernyon of Gwent Is Coed, der eine wunderbare Stute besass. Obwohl das Tier in jeder ersten Mainacht fohlte, verschwand das Junge jedesmal auf mysterioese Weise. Tiernyon entschloss sich letztlich, der Sache auf den Grund zu gehen, und als die Stute in der naechsten Mainacht wieder ein Fohlen trug, bewaffnete er sich und verbarg sich im Stall, um zu sehen, was geschehen wuerde.
Das Pferd fohlte, wie gewohnt, doch kaum hatte Tiernyon den Wuchs und die Schoenheit des Jungen bewundert, hoerte er draussen ein merkwuerdiges Geraeusch, dann streckte sich ein Arm durch das Fenster und packte das Fohlen mit seinen Klauen. Tiernyon hieb sofort mit seinem Schwert auf den drohenden Arm und trennte ihn am Ellbogen ab, so dass er in den Stall fiel, noch immer seine Beute umkrallend, waehrend draussen ein lautes Wehklagen erklang.
Er stuerzte hinaus, um zu sehen, was vor sich ging, aber dort war nur die Dunkelheit, der Angreifer war wie vom Erdboden verschluckt.
Als er in den Stall zurueckkehrte, fand er zu seinem Entzuecken einen Knaben, der gewindelt und in einen seidenen Mantel gehuellt war. Er hob den Saeugling auf und brachte ihn zu seiner schlafenden Frau, die selbst kinderlos war.
Als sie am naechsten Morgen erwachte und den Knaben erblickte, war er ihr sofort ans herz gewachsen, und sie entschied sich dafuer, ihn aufzuziehen und vor ihren Freunden als ihren Sohn auszugeben. Sie nannten das Kind "Gwiri mit den goldenen Haaren", weil sein Haar die Farbe von Gelbgold hatte.
Wie alle Heldenfiguren wuchs das Kind wunderbar rasch heran und war bald in der Lage, das Fohlen zu reiten, das in der gleichen Nacht wie es selbst zur Welt gekommen war.
Eines Tages kam Tiernyon die Geschichte von Rhiannon und ihrer Strafe zu Ohren, und als er den Jungen, den er grosszog, pruefed ansah, bemerkte er, wie aehnlich seine Gesichtszuege denen Pwylls waren, des Prinzen von Dyfed. Nachdem er sich mit seiner Frau besprochen hatte, beschlossen sie, das Kind zu seinem Vater zu bringen und Rhiannon von ihrer Pein zu befreien.
Als sie sich dem Schloss naehertem, sahen sie Rhiannon bei den Pferdestaellen sitzen und demuetig ihrer entwuerdigenden Bestrafung nachkommen. "Ich wuerde euch beide in den Palast tragen, wie ich es versprochen habe", sagte Rhiannon zu ihnen, aber sie lehnten ab.
Nachdem sie Pwyll und Rhiannon die Geschichte des Jungen und des Fohlens dargelegt hatten, rief Tiernyon aus: "Seht Herrin, hier ist Euer Sohn, und wer immer diese Luege ueber Euch erzaehlt hat, tat euch Unrecht".
Alle, die den Knaben betrachteten, erkannten sofort den Sohn Pwylls in ihm, woraufhin Rhiannon ausrief: "Bei Gott, wenn dies wahr ist, dann haben meine Leiden endlich ein Ende".
Ein Heerfuehrer namens Pendaran, der in der Naehe stand, sagte zu ihr: "So sollst du deinem Sohn den Namen Pryderi (Kummer) geben, und wohl anstehen wird ihm dieser Name: Pryderi, Sohn des Pwyll, Herr von Annwn."
Und von da an wurde er ebenso genannt.
Rhiannons
erste Ehe