Vom Bauern und seiner Frau E
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Es war einmal ein Bauer, der noergelte stets an seiner Frau herum und hielt ihr vor, sie fuehre ein leichtes Leben.
"Ich schufte den ganzen Tag auf dem Feld, waehrend du hier gemuetlich im Haus sitzt“, pflegte er zu sagen. Seine Frau seufzte nur, wenn er ein ums andere Mal davon anfing, und gab nichts auf sein Gerede, aber eines Tages platzte ihr doch der Kragen.
"Nun gut!“ sagte sie aergerlich. "Wenn du glaubst, meine Arbeit sei ein Kinderspiel, dann lass uns fuer einen Tag tauschen. Ich gehe aufs Feld, und du bleibst hier und kuemmerst dich um die Hausarbeit.“
Der Bauer freute sich. "Recht so“, liess er sich vernehmen und rieb sich die Haende. "Morgen uebernehme ich den Hof, und du gehst auf die Weide Gras maehen.“
Bevor die Baeuerin frueh am anderen Morgen das Haus verliess, erklaerte sie ihrem Mann noch, was er zu tun hatte. "Ich moechte Haferbrei, wenn ich am Mittag komme, und mach bitte Butter, die koennen wir mit den Semmeln essen. Und vergiss nicht, die Kuh hinauszulassen.“
Ihr Mann lachte nur. "Ja, ja, geh nur. Das will ich schon erledigen“, entgegnete er gutgelaunt. Als die Frau aus dem Haus war, zuendete er sein Pfeifchen an und ueberlegte, wie er den Tag verbringen sollte. Zuerst, so beschloss er, wollte er den Brei kochen, nichts leichter als das. Er fuellte einen Topf mit wasser und gab die Haferflocken hinzu. Dann versuchte er, Feuer in dem Eisenofen zu machen. Bis schliesslich die Flammen unter dem Topf emporzuengelten, war seine Pfeife schon ein paar Mal ausgegangen und er hatte nicht schlecht geflucht. Endlich aber war es doch geschafft. Der Brei begann zu kochen, und der Bauer ruehrte eifrig im Topf herum. Da hoerte er ploetzlich die Kuh muhen, die er ueber dem Aerger mit dem Feuer ganz vergessen hatte.
"Wenn ich jetzt die Kuh aus dem Stall fuehre, brennt mir der Brei an“, dachte er schlau. "Ich weiss, was zu tun ist. Ich giesse wasser dazu, dann habe ich mehr Zeit.“
Gesagt, getan, er lief hinaus zum Brunnen und kam mit einem Eimer Wasser zurueck. In seiner Eile aber goss er es so unvorsichtig in den Topf, dass das Feuer ausging. Es blieb ihm also nichts anderes uebrig, als noch einmal von vorn anzufangen. Er nahm die Herdplatte heraus, legte Hoelzchen zu Stoeckchen und entzuendete ein neues Feuer. Dann stellte er den kalten Brei auf die heisse Platte.
Mittlerweile muhte die Kuh dringlicher als zuvor. Doch wenn er sie jetzt auf die Weide fuehrte, koennte im Handumdrehen der Brei ueberkochen und das Feuer loeschen. Was sollte er machen? "Ich hab’s. Ich binde die Kuh vor dem Stall an. Soll sie heut dort Gras fressen – es ist bestimmt genauso saftig wie auf der Wiese.“
In Windeseile lief er zum Stall, brachte die Kuh hinaus und band ein Seil an ihrem Fuss und am Tuerbalken des Stalls fest und rannte zurueck in die Kueche. Er war kaum beim Herd angelangt, da fiel ihm ja ein, dass er ja buttern sollte, und so sprang er gleich noch einmal in den Stall und holte das Butterfass und die Kanne mit Rahm.
Frohgemut machte er sich ans Werk. Buttern war keine ganz leichte Arbeit, stellte er fest und wischte sich den Schweiss von der Stirn. Einen Augenblick lang konnte er wohl die Butter Butter sein lassen und sich etwas goennen. Er lief in den Stall, so das Weinfass stand, drehte den Hahn auf und liess sich’s wohlsein.
Doch er hatte vergessen, die Kuechentuer zuzumachen! Und gerade in diesem Augenblick fuehrte eine Sau ihre sechs Ferkel im Hof spazieren, entdeckte die offene Tuere, und alle sieben steckten ihre neugierigen Schnauzen in die Kueche. Der Bauer machte auf dem Absatz kehrt, um die Eindringlinge zu verjagen, und er hatte es so eilig, dass er vergass, den Weinhahn zuzudrehen.
Er kam zu spaet. Die Schweine waelzten sich schon grunzend in der Butter und quiekten vor Vergnuegen. Da wurde er so boese, dass er den erstbesten Gegenstand ergriff, den er zu packen bekam, und der Sau damit auf den Kopf hieb. Er hatte ein Holzscheit erwischt, und die Sau hauchte ihr Leben aus. Der Bauer jagte die quiekenden Ferkel eines nach dem anderen aus der Kueche, und zuletzt zog er die tote Sau an den Hinterbeinen hinterher.
Er schwitzte und schnaufte, aber er hatte keine Zeit auszuruhen. Das Weinfass!
Er eilte zurueck in den Stall, und der Wein floss ihm schon an der Tuer entgegen. Das Fass war leer und dem Bauern zum Weinen zumute. Er suchte den Stall ab, um noch etwas Rahm zu finden und zu guter Letzt doch noch ein Toepfchen Butter zu machen, und tatsaechlich, da war noch eine Kanne voll, und die schleppte er zur Kueche, um ein zweites Mal sein Glueck zu versuchen.
Aber sollte er nicht zunaechst Wasser in das leere Weinfass fuellen, damit es nicht austrocknete? Es half nichts, er musste noch einmal in den Stall. Aber als er aus der Kueche stuerzte, die Kanne immer noch in den Haenden, dachte er nicht an das Seil, mit dem er die Kuh festgebunden hatte. Er stolperte und fiel kopfueber in den Jauchetrog. Die schwere Sahnekanne flog ihm aus der Hand und der Kuh aufs Bein, und das Tier sank stoehnend zu Boden.
Der Bauer rappelte sich auf, wischte sich mit dem Aermel ueber das Gesicht und tappte zum Brunnen hinueber, um sich zu waschen. Die Sahnekanne zog er hinter sich her, setzte sie auf dem Brunnenrand ab und liess den Eimer hinunter. Als er ihn wieder heraufzog, stiess er damit gegen die Sahnekanne, und die stuerzte mit Gepolter in den Brunnen.
Sahne und Kanne waren in den Brunnen gefallen. So wuerde es eben keine Butter zu den Semmeln geben, seine Frau musste sich wohl oder uebel mit dem Haferbrei begnuegen.
Der Brei!
"Oh weh!“ rief der Bauer. "Den habe ich doch tatsaechlich vergessen!“ Er rannte in die Kueche.
Der Brei war angebrannt und ueber den ganzen Herd gelaufen. "Er liesse sich vielleicht noch essen, wenn man ein wenig Butter hinzutaete“, befand er und sprang wieder in den Stall, um nachzusehen, ob sich nicht irgendwo noch ein Restchen Butter auftreiben liesse.
Er suchte den ganzen Stall ab, vergebens. Er hatte schon in alle Faesser geguckt und war eben bei dem letzten und groessten angelangt und musste sich weit vorbeugen, um hineinsehen zu koennen – da verlor er das Gleichgewicht und rutschte mit dem Kopf zuerst in das Fass.
Er begann zu strampeln, doch je heftiger er zappelte, desto tiefer geriet er hinein. Und so blieb er stecken, bis es Mittag war.
Am Mittag kam die Baeuerin heim. Sie zog ihren Mann aus dem fass, machte Stall und Kueche sauber, kochte Brei und ass ein wenig – und ging wieder hinaus aufs Feld.

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