Der Gutsherr will heiraten N
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Es lebte einst ein reicher Gutsbesitzer, der hatte alles im Ueberfluss, nur eines fehlte ihm – eine Frau. Da trug es sich zu, dass die Tochter eines armen Paechters auf seinen Feldern half, das Heu einzubringen. Das Maedchen gefiel dem reichen Herrn, und weil er wusste, dass sie arm war, dachte er bei sich, sie wuerde ihn schon nehmen. Er sagte: "Ich denke, es ist Zeit fuer mich zu heiraten.“ Sie entgegnete nur: "Nachdenken kann man ueber vieles.“ "Ich moechte, dass du meine Frau wirst!“ sagte er da. “Oh nein, mein Herr“, erwiederte sie. "Ich mag nicht heiraten.“ Der Gutsherr war es nicht gewohnt, dass man ihm widersprach, und je beharrlicher sie ihn abwies, desto staerker begehrte er sie. Aber das Maedchen erhoerte ihn nicht. Da schickte der Gutsherr nach ihrem Vater und eroeffnete ihm, dass ihm alle Schuld erlassen sei, wenn seine Tochter ihn heiraten wuerde. "Mein Herr, ich will meine Tochter schon zur Vernunft bringen“, sagte der Vater. "Sie ist noch jung und weiss nicht, was gut fuer sie ist.“
Doch all sein Reden, all sein Drohen, all seine Versprechungen waren vergebens. Um nichts in der Welt wollte die Tochter den alten Griesgram heiraten. Der Gutsherr wartete lange auf eine Antwort, doch schliesslich wurde ihm die Sache zu bunt. Er ritt zu dem armen Bauern und liess ihn wissen, er koenne nicht laenger auf die Hochzeit warten, die Angelegenheit muesse auf der Stelle erledigt werden. Der Bauer wusste sich keinen Rat, und so stimmte er zu, dass der Gutsherr alles fuer die Hochzeit vorbereiten sollte. Wenn alles bestellt, Pfarrer und Hochzeitsgaeste auf dem Hof waeren, wollte der Herr das Maedchen unter einem Vorwand bringen lassen. Und wenn sie dann nur die schoenen Hochzeitskleider, die festlich geschmueckte Tafel und die versammelten Gaeste erblickte, so wuerde sie der Vermaehlung schon zustimmen. Als nun die Gaeste eingetroffen waren, rief der Gutsbesitzer einen seiner Knechte und trug ihm auf, zu dem Bauern zu laufen und zu fordern, was er ihm versprochen hatte. "Und wenn du nicht im Handumdrehen wieder mit ihr hier bist“, rief er und drohte dem jungen mit der Faust, "so will ich dich...“ Er brauchte den Satz nicht beenden, denn schon war der Knecht zur Tuer hinaus.
"Mein Herr schickt mich zu holen, was du ihm versprochen hast“, rief er dem Bauern zu, als er keuchend bei dessen Haus angekommen war. "Es ist sehr eilig, und der Herr wartet schon mit seinen Gaesten.“ "Nun gut, lauf hinunter zum Feld und nimm sie mit“, antwortete der Vater des Maedchens.
Der Knecht machte auf dem Absatz kehrt, und als er zu der Wiese kam, war das Maedchen gerade dabei, das Heu zu buendeln.
"Ich will holen, was dein Vater meinem Herrn versprochen hat“. Brachte er atemlos hervor.
"Aha“, liess sie sich vernehmen, "so ist das also. Nun gut – es geht um unsere alte Stute, die dort drueben grast. Geh nur und bring sie deinem Herrn.“
Der Junge sprang auf den Ruecken des Pferdes und ritt in flottem Galopp zurueck zum Gutshof.
"Hast du sie mitgebracht?“ wollte der Herr wissen.
"Sie steht draussen vor der Tuer“, entgegnete der Knecht.
"Dann bring sie hinauf in das Zimmer meiner seligen Mutter“, verlangte der Gutsherr.
"Aber wie koennte ich...“
"Tu, was ich dir befohlen habe“, schnaubte der Herr. "Und wenn es dir allein nicht gelingt, sie zu ueberreden, so hole dir Hilfe.“
Der Knecht bemerkte wohl, wie aufgebracht sein Herr war, und schickte sich an, die Sache zu versuchen. Allein konnte er das Pferd nicht die Treppe hinaufbekommen, aber die Maegde und die anderen Knechte gingen ihm zur Hand. Die einen packten die alte Maehre am Zuegel und zogen mit aller Kraft, die anderen schoben hinten nach, und mit vereinten Kraeften bugsierten sie das Tier schliesslich in das Zimmer der verstorbenen Mutter des Gutsherrn, wo sie es an die Bettpfosten banden und verschnauften. Auf den Kissen lagen Brautkleid und Schleier aus feinster Seide.
"So, das waere geschafft, Herr“, meldete der Knecht sodann und wischte sich den Schweiss von der Stirn.
"Aber das war die anstrengendste Arbeit, die ich je auf diesem Hof zu verrichten hatte.“
"Schon gut, schon gut, du sollst dafuer belohnt werden“, entgegnete der Gutsherr, zog eine Silbermuenze aus der Tasche und gab sie dem Jungen. "Und nun schick die Frauen hinauf, auf dass sie sie ankleiden.“
"Aber wie koennte ich...“
"Halt den Mund“, bruellte der Gutsherr. "Sie sollen sie ankleiden du Schleier und Brautstrauss nicht vergessen!“
Der Knecht rannte in die Kueche. "Er ist uebergeschnappt!“ rief er aufgeregt. "Ihr Frauen sollt hinaufgehen und den alten Gaul ankleiden wie eine Braut!“
"Vielleicht will er seinen Gaesten einen Streich spielen“, ueberlegten sie, gingen nach oben und zwaengten das Pferd in die feinen weissen Kleider. Und der Knecht trat vor seinen Herrn und liess ihn wissen, dass alles getan sei und sie auch Schleier und Brautstrauss nicht vergessen haetten.
"Sehr gut! Nun bringt sie nach unten. Ich will an der Tuer auf sie warten“, sagte der Gutsherr.
Ein lautes Gepolter drang von der Treppe, als das Pferd hinuntergefuehrt wurde, und dann flog die Tuer zum Saal auf, in dem der Herr des Hauses und seine Gaeste warteten. Und herein stolzierte der alte Gaul im Brautgewand, und der Schleier war ihm bis ueber die Nuestern gerutscht. Der Pfarrer rang entsetzt nach Luft, und die Gaeste brachen in schallendes Gelaechter aus.
Und der Gutsherr?
Dem war die Lust aufs Heiraten ein fuer allemal vergangen.
Ob das Maedchen je einen Mann genommen hat, das weiss man nicht.

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