Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner hoechsten Hoffnung pflanze.
Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wach sen koennen.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht ueber den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebaeren zu koennen. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebaeren wird. Wehe! Es kommt die Zeit des veraechtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann. Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.

"Was ist Liebe? Was ist Schoepfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?" – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr huepft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am laengsten.

"Wir haben das Glueck erfunden" – sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Waerme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm; denn man braucht Waerme.

Krankwerden und Misstrauenhaben gilt ihnen suendhaft: man geht achtsam einher. Ein Tor, der noch ueber Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Traeume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.

Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife.

Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren ? Wer noch gehorchen ? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fuehlt, geht freiwillig ins Irrenhaus.

"Ehemals war alle Welt irre" – sagen die Feinsten und blinzeln.

Man ist klug und weiss alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versoehnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen. Man hat sein Luestchen fuer den Tag und sein Luestchen fuer die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

"Wir haben das Glueck erfunden" – sagen die letzten Menschen und blinzeln. –

Der letzte Mensch

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