Clemens Hoberstorfer
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Schokolade

 

Manche Menschen sind felsenfest davon überzeugt, dass es lila Kühe gibt, und nicht wenige glauben, die Kakaobohne wachse in den Schweizer Bergen. Könnte es womöglich sein, dass Schokolade verrückt macht? Nun, zumindest sind manche Menschen ganz verrückt nach ihr. In Europa sind die Deutschen die eifrigsten Schokolademacher und Esser. Die wahren „Chocomanics“ sind aber die US-Amerikaner. Ihre Schokoladekuchen strotzen nur so von der geliebten Substanz, und die satt mit Schokolade angereicherten Brownies kennt man auf der ganzen Welt. Nun, langsam aber doch, sollten wir uns der Herstellung der Schokolade widmen. In Amerika wird dieser sehr komplizierte und anstrengende Vorgang so bezeichnet: “Death by chocolate“.

Um eine Tafel Schokolade herstellen zu können, muss man zuerst einmal  die so geliebten Kakaofrüchte vom Kakaobaum ernten. Dieser Baum wächst nur in den wärmsten Zonen der Erde- in den Äquatorial-Ländern rund um den Globus. Gleichmäßige Wärme und  hohe Boden- und Luftfeuchtigkeit sind wichtige Voraussetzungen für gutes Gedeihen der Kakaobäume. Bei der Ernte werden die reifen Früchte - wie schon vor 500 Jahren - von Hand mit scharfen Messern abgeschlagen. An den Sammelplätzen öffnen die Erntearbeiter die Früchte mit einem geschickten Schlag ihrer Buschmesser und lösen die von einer weißlichen Masse – der Pulpa – umgebenen Samen aus der Schale. Um aus diesen Samenkernen hochwertigen Rohkakao zu machen, werden sie einem Gärprozess unterzogen. Dazu füllt man die Samen mit dem Fruchtfleisch  in  Kästen oder häuft sie auf und deckt sie mit Palmblättern ab. Nach kurzer Zeit setzt ein Gärprozess ein- die Fermentation-. Die herben Gerbstoffe oxidieren, das feuchte Fruchtmus löst sich auf und fließt ab, die Kerne färben sich dunkel, das typische Kakaoaroma entsteht. In 5 bis 10 Tagen ist die Fermentation abgeschlossen. Bevor die Kakaobohnen  verpackt werden und ihre Reise in die Verarbeiterländer antreten, müssen sie mehrere Tage in der Tropensonne getrocknet werden.

Nachdem die Kakaobohne ihr Ziel – die Schokoladenfabrik – erreicht hat, wird sie zuerst geröstet, dann gebrochen und gemahlen, bis man die Kakaomasse erhält. Am Anfang der Produktion steht nun die Feinabstimmung, die in der Mischanlage stattfindet. Bei diesem Vorgang kommen fast alle Zutaten zusammen, die den späteren Charakter der Schokolade ausmachen. Es wird flüssige Kakaomasse in den Mischer gegeben, dazu kommt die ebenfalls temperierte Kakaobutter (diese wird aber nur bei der Herstellung von Milchschokolade beigemengt. Weitere Zutaten sind natürlich Zucker sowie Gewürze, meistens Vanille oder Vanillin oder Zimt, aber nur so viel, dass er nicht vorschmeckt. Alles wird bei 50 Grad zu einer Masse vermischt. Beim nächsten Vorgang wird die Schokolade feingewalzt, sodass die kleinsten Grobheiten verschwinden. Wenn die Schokolade fein genug ist, wird sie von der letzten Walze geschabt. Danach wird die Schokolade chonchiert. Dabei wird sie in Tanks geknetet, wobei durch die Reibung die Kakaobutter schmilzt und so durch Versalben eine noch feinere Masse entsteht. Beim Chonchieren wird auch der Emulgator Lecithin hinzugefügt. Nun fügt man zusätzliche Kakaobutter hinzu und in 8-10 Stunden ist das Chonchieren abgeschlossen. Genauer betrachtet wäre nun die Herstellung von Schokolade beendet, jedoch sie wäre unheimlich bitter. Um dies zu verändern, wird die Schokolade Temperatursprüngen unterzogen. Die Schokolade wird nun abwechselnd einmal gekühlt und dann wieder erwärmt. Nun ist die Schokolademasse bereit, sich ihre Form geben zu lassen. Zuvor können aber noch feste Zusätze wie Nüsse dazugegeben werden. Für Tafeln wird die Masse maschinell in angewärmte gerippte Formen gegossen und so lange gerüttelt, bis alle Luftbläschen verschwunden sind und die spätere Unterseite völlig glatt ist. Dann kühlt sie langsam ab, wird aus der Form gelöst und ganz klassisch in Folie und Papier eingeschlagen.

Nun, gönnen wir uns einmal einen Blick auf die zahlreichen Inhaltsstoffe, die man nicht beim bloßen Anschauen einer Tafel Schokolade erkennen kann. Die meisten von diesen sind nur in kleinsten Mengen vorhanden und kaum nachweisbar. In einer 100 Gramm Schokolade sind Proteine (Eiweiss), Lipide (Fette), Kohlenhydrate (Zucker), Ballaststoffe, Tannin (Gerbstoff), Wasser, sowie zahlreiche Mineralstoffe enthalten:

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Eisen (Fe), es fördert die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut.

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Jod (I) ist ein Bestandteil des Schilddrüsenhormons und ist wichtig für die Regulierung unseres Energiehaushaltes.

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Fluor (F) festigt unser Knochengerüst, härtet den Zahnschmelz und hemmt Mikroorganismen, die an der Kariesentstehung beteiligt sind.

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Zink (Zn) hilft bei der Regulation des Blutzuckers, wirkt entzündungshemmend und stärkt unser Immunsystem.

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Kupfer (Cu) ist Bestandteil vieler Enzyme und unterstützt das Gewebewachstum und Eisenverwertung.

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Chrom (Cr) verbessert die Verwertung der Kohlehydrate und wirkt an der Regulation des Blutzuckerspiegels mit.

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Magnesium (Mg) aktiviert viele Enzyme, die am Energiestoffwechsel beteiligt sind. Es ist Bestandteil der Zellmembranen und wichtig für Muskelarbeit und Knochenaufbau.

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Kalzium (Ca)  wird für die Übertragung von Nervenimpulsen benötigt, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Knochen und Zähne und wird zur Blutgerinnung gebraucht.

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Kalium (K) ist ein Mineralstoff, der sich in unseren Zellen befindet und dafür verantwortlich, dass diese durch Nervenimpulse erregt werden können.

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Natrium (Na) ist ein Elektolyt, der unseren Blutdruck stabilisiert, den Säure-Basen-Haushalt reguliert und hilft, Nährstoffe über den Darm aufzunehmen.

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Chlorid (Cl) ist ein Bestandteil unserer Magensäure.

Wichtige Vitamine befinden sich natürlich auch in einer Schokolade: Vitamin A, B1, B2, B5, B6, sowie Vitamin C, D, E und P. An Aminosäuren fehlt es der Schokolade auch nicht: Isoleuzin, Leuzin, Lysin, Phenylalanin, Methionin, Threonin, Valin, Cystin, Serin, Prolin, Glycin, Alanin, Histidin, Arginin, Glutaminsäure und Asparaginsäure. Aminosäuren sind die Bausteine des Lebens ( Muskeln , Knochen, Haut, Haare, Nägel). Der Körper kann einige dieser Aminosäuren selbst herstellen, andere müssen unbedingt mit Nahrung in ausreichender Menge zugefügt werden. Damit eigenes Körpereiweiß aufgebaut werden kann, müssen Aminosäuren in der richtigen Menge und im richtigen Verhältnis zueinander vorhanden sein. In der Praxis bedeutet das, dass Aminosäuren Eiweißbestandteile sind, welche sehr wertvoll für unseren Körper sind.

Nun möchte ich noch  einige wichtige Inhaltsstoffe der Schokolade erwähnen: Theobromin ist ein koffeinähnlicher Pflanzenstoff der Kakaobohne. Es wirkt, ähnlich wie Koffein, stimulierend auf das Zentralnervensystem. Koffein liegt in so geringer Konzentration vor, dass es nicht so wirksam ist wie bei Tee oder Kaffee. Serotonin, Histamin, und Penylethylamin, sind in anderen Lebensmitteln höher konzentriert als in der Schokolade, trotzdem haben diese anderen Lebensmittel keinen vergleichbaren Effekt.

Schokolade aktiviert unsere Endorphine. Das bedeutet, dass Schokolade, in Maßen genossen, nicht nur gesund ist und sehr gut schmeckt, sondern auch tatsächlich Glücksgefühle auslöst.

Alle, welche meine Ausführungen über die Schokolade gelesen und nun Appetit auf Schokolade bekommen haben, möchte ich darauf hinweisen, dass Schokolade äußerst schädlich für unsere Zähne ist. Daher sollten wir uns immer die Zähne putzen, wenn wir Schokolade zu uns genommen haben.

                                                                                                                            

Quellen :

www.chocoland.ch

Ein Schokoladebuch von Sebastian Dickhaut, Verlag GU KüchenRatgeber

Bertelsmann Universallexikon

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