10 Einsatzmöglichkeiten der elektronischen Geldbörse

10.1 Märkte für die elektronische Geldbörse

Die bis heute produzierten Stückzahlen der Chipkarten sind mittlerweile zehnstellig. Und das Geschäft der Chipkartenhersteller wächst unaufhaltsam weiter: Umsatzsteigerungsraten von fast 40 Prozent pro Jahr - und das trotz sinkender Stückpreise - verzeichnet kaum ein anderer Teilbereich der Halbleitertechnik.

Abbildung 50: Weltumsatz für Chips in Millionen DM mit prozentualer Aufteilung in große Marktsegmente

Lag der Weltmarkt 1987 gerade erst bei 20 Millionen Mark, war er bis 1995 schon auf 450 Millionen Mark gestiegen. 1996 wird er 657 Millionen Mark erreichen. Bis 2000 rechnet Peter Bauer, Leiter des Geschäftszweiges Chipkarten bei der Firma Siemens AG, mit einem Anstieg bis auf 2,3 Milliarden Mark. Das schnelle Wachstum beruht nicht nur auf den steigenden Stückzahlen innerhalb der einzelnen Anwendungsbereiche, sondern auch auf immer neuen Anwendungen, die hinzukommen. Europa wird nach wie vor der größte Markt bleiben. 1996 liegt Europa mit etwa 74 Prozent weit voraus, während der Rest der Welt weit zurückliegt. Das schnellste Wachstum spielt sich aber zur Zeit in Ostasien ab. Hier wird sehr bald mit einem Riesenboom und einem Zuwachs von 100 Prozent pro Jahr gerechnet. Nordamerika wird etwas später nachziehen. Im Jahr 2000 dürften in jedem dieser drei Bereiche jeweils ungefähr ein Drittel umgesetzt werden.

Laut Angaben der Firma Siemens teilten sich die Chipkartenhersteller 1995 den Markt etwa wie folgt: Siemens 30 Prozent, Motorola 30 Prozent, SGS-Thomson 27 Prozent, Texas Instruments, Philips und Hitachi jeweils einige Prozent. In den nächsten Jahren werden die letzteren wahrscheinlich um einiges zulegen, die drei Großen ihre Positionen aber halten. Entsprechend der Nachfrage nach Chips bauen alle Hersteller ihre Fertigungskapazitäten ständig weiter aus.

Ein ebenso schnell wachsendes Geschäft wie die Halbleiterbranche verzeichnen die Kartenhersteller. Ihre Zahl nimmt ständig zu. Bereits groß im Geschäft sind GemPlus, Gieseke & Devrient, Orga, ODS, PPC, Solaic, Schlumberger, Winter Wertdruck und der Deutsche Genossenschaftsverlag.

Die Anteile der einzelnen verschiedenen Chip-Typen werden sich verschieben: Stark zunehmen wird das Geschäft mit Krypto-Controllern und kontaktlosen Karten, dafür wird der Anteil der intelligenten Speicherkarten trotz absoluten Wachstums relativ zurückgehen.

Abbildung 51: Weltumsatz für Chips in Millionen DM mit prozentualer Aufteilung in die verschiedenen Chiptypen

Die Mikrocontroller, die schon jetzt mit 75 Prozent umsatzmäßig den größten Anteil ausmachen, werden sich an erster Stelle behaupten. Der relativ hohe Prozentsatz kommt unter anderem durch die Produktion von 20 Millionen Chips für die neuen ec-Karten in Deutschland zustande. Die intelligenten Speicherkarten machen heute 20 Prozent aus, den Rest stellen Krypto-Controller und kontaktlose Chips dar. Bis zum Jahr 2000 werden sich, laut Siemens, die Anteile stark verschieben: 57 Prozent Mikrocontroller, 13 Prozent intelligente Speicherkarten, 18 Prozent Krypto-Controller und 12 Prozent Kontaktlose.

Bis 1995 war die Telekommunikation die größte Anwendung, sie wird in diesem Jahr laut Siemens-Ermittlungen noch 32 Prozent des Gesamtgeschäftes ausmachen und damit erstmals vom Bereich 'Payment' mit 44 Prozent überflügelt. Im Jahr 2000 wird es so viele verschiedene Anwendungen geben, daß die Telekommunikation nur noch einen Anteil von 22 Prozent besitzen wird, und der Bereich Payment nur noch mit 33 Prozent vertreten sein wird.

10.2 Zahlungsmittelvielfalt

Bargeld ist immer noch das am weitesten verbreitete Zahlungsmittel. So werden gegenwärtig in Deutschland noch über 78 Prozent der Zahlungen im Einzelhandel bar durchgeführt, bis zu 83 Prozent dieser Zahlungen betragen weniger als 50 DM. Die elektronische Geldbörse ist die bisher engste Annäherung an das Bargeld.

"Laut unabhängiger Untersuchungen in Europa (Deutschland und Großbritannien), Asien (Australien und Japan), Kanada, Lateinamerika (Argentinien und Mexiko) und den USA, die von Visa in Auftrag gegeben wurden, stehen der 'elektronischen Geldbörse' enorme Möglichkeiten offen: 83 Prozent der befragten Verbraucher sagten, daß sie die Karte anstelle von Bargeld benutzen würden, weil sie schnell, bequem und problemlos zu handhaben sei."... 1994 "haben Verbraucher weltweit ungefähr 8,1 Billionen US-$ unbar für Einkäufe ausgegeben. 22 Prozent davon - 1,8 Billionen US-$ - kommen aus Einkäufen mit einem Einzelwert von 10 US-$ oder weniger. Dies läßt die Größe des ungenutzten Marktes erkennen, in dem Banken neue Kartenprodukte, wie die elektronische Geldbörse, anbieten können."

Für die Verdrängung des Bargeldes kommen zwei weitere Kartensysteme in Frage: Erstens Prepaid-Systeme und zweitens Postpaid-Systeme, wie wir sie von der ec-Karte und den Kreditkarten kennen.

Die Märkte für die drei Zahlungskarten liegen eng nebeneinander, sie ergänzen und überschneiden sich zugleich, wobei die geringsten Überschneidungen zwischen Wert- und Kreditkarten auftreten. (vgl. Abbildung 54)

Je mehr der hoch- und mittelpreisige Bereich von den Kredit- und Debitkarten abgedeckt wird, um so attraktiver wird der noch nicht von Karten eroberte Münzgeldbereich.

Abbildung 52: Märkte für Zahlungskarten

Nur die Erhaltung der Vielfalt der Zahlungsmittel kann garantieren, daß auch weiterhin zwischen anonymen und nicht-anonymen Zahlungsmitteln ausgewählt werden kann. Diese Zahlungsmittelvielfalt wird reduziert, wenn das Bargeld nur durch Identifikationskarten ersetzt werden würde.

10.3 Die elektronische Geldbörse aus verschiedenen Sichten

10.3.1 Die Karteninhaber

Die Notwendigkeit, passende Münzen mit sich zu führen, um sie an Automaten einzuwerfen, entfällt, wenn jeder die elektronische Geldbörse zur Zahlung benutzen kann.

Der Kunde benötigt die elektronische Geldbörse als neue Kartenform und Ersatz von Bargeld nicht unbedingt, denn ec-Karte und electronic cash-Terminals weisen einen hohen Verbreitungsgrad auf. Mit mehr als 37 Millionen ausgegebenen ec-Karten besitzt fast jeder zweite Bundesbürger eine solche Karte. An rund 70000 electronic cash-Terminals kann er bargeldlos bezahlen und sich bei mehr als 29000 Geldausgabeautomaten 'en passant' Bargeld beschaffen.

Aufgrund von Befragungen in laufenden Projekten, sowie Stellungnahmen von Verbraucherorganisationen und Datenschützern lassen sich Interessen und Ansprüche der Anwender für ein akzeptables Wertkartensystem definieren. Da die elektronische Geldbörse bei Kleinbetragszahlungen das Bargeld ablösen soll, sollten möglichst alle der folgenden acht Anforderungen erfüllt werden, um die Akzeptanz des Benutzers sicherzustellen.

Zugänglichkeit:

Münzgeld wird von jedermann an den unterschiedlichsten Orten verwendet. Wenn Karten einen adäquaten Ersatz darstellen sollen, so ist eine flächendeckende Kartenausgabe unbedingte Voraussetzung. Verbraucher müssen sich sicher sein, daß sie sich Wertkarten einfach beschaffen können. Im Gegensatz zu Debit- und Kreditkarten ist der Zugang zu Wertkarten nicht von einer Bonitätsprüfung abhängig. Auch Ortsfremde müssen Wertkarten, wie heute Telefonkarten, problemlos erwerben können.

Es muß ein dichtes Netz von Akzeptanzstellen von Anfang an geschaffen werden, da Banknoten oder Münz-Bargeld überall als universelles Zahlungsmittel gelten. Zwar wird die Akzeptanz- und Vertriebsdichte von Bargeld auf lange Zeit nicht erreicht werden können, aus Verbrauchersicht ist eine möglichst große und schnelle Verbreitung jedoch wünschenswert.

Das Aufladeterminalnetz für die elektronische Geldbörse muß ähnlich dicht wie das Geldautomatennetz sein. Von erheblichem Vorteil wäre es, wenn der Karteninhaber seine Karte auch zuhause an seinem DFÜ-fähigen PC mit Modem und Chipkartenleser aufladen könnte.

Handhabung:

Wertkarten müssen robust sein. Sie müssen allen Umweltbedingungen standhalten und trotzdem zuverlässig funktionieren. Zwar halten die heutigen Karten schon viele Belastungen aus, jedoch versprechen die Hersteller für die Zukunft robustere Produkte.

Münzgeldersatzkarten sollen auch unter hohem Zeitdruck, z.B. beim Einstieg in den Bus, genutzt werden. In solchen Situationen sind sie dem Bargeld sogar überlegen.

Die Eigenschaft des Bargeldes universal transferiert werden zu können, ist einmalig. Nur die Mondex-Karte sieht bisher die Möglichkeit vor, daß z.B. der Opa seiner Enkelin DM 10 auf deren Karte übertragen kann.

Durchschaubarkeit:

Wertkarten sollten einfach in der Anwendung sein. Vom Verbraucher dürfen Vorwissen oder Technikverständnis nicht erwartet werden. Jede Aktion mit der Karte muß verstehbar und nachvollziehbar sein.

Verbraucherorganisationen sprechen sich dafür aus, daß Wertkarten nur mit einer Gebrauchsanweisung auszugeben sind, die alle Umstände des Einsatzes erklärt und Verhaltensweisen bei Fehlverhalten gibt.

Probleme der Undurchschaubarkeit treten besonders dann zutage, wenn es Unstimmigkeiten, Reklamationen oder auch nur Stornierungen gibt. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht das dänische Danm nt-System, das den Nutzern bei berechtigten Reklamationen nicht nur den Schaden ersetzt, sondern auch kleine Aufwandsvergütungen zahlt.

Sicherheit:

Das maximale Risiko bei der Wertkarte ist wie bei der Bargeldverwendung der vollständige Verlust. Mehr Wert als auf der Karte ist, kann nicht verloren gehen. Das Risiko bei Diebstahl ist auf den gebuchten Restbetrag beschränkt. Ein folgenschwerer Mißbrauch, wie bei einer Kreditkarte oder bei der ec-Karte möglich, ist ausgeschlossen. Allerdings ist bei der anonymen Wertkarte wie beim Bargeld ein Kartenverlust unweigerlich mit dem Verlust der gespeicherten Werte gleichzusetzen - eine Rückerstattung ist nicht möglich.

Eine Haftung der Betreiber bei technischen Systemfehlern oder böswilligen Manipulationen, welche die Sicherheitsmechanismen eines Buchungskartensystems überwinden, gibt es allerdings nicht, hier werden die Verbraucher zur Kasse gebeten.

Budgetkontrolle:

In vielerlei Hinsicht sind Kartensysteme deutlich untransparenter als Bargeld. Während mit einem Blick ins Portemonnaie die Menge des mitgeführten Geldes festgestellt werden kann, ist dies bei Karten bisher nicht ohne weiteres möglich. Der Inhalt der Geldbörse muß sich also schnell und unkompliziert ermitteln lassen. Dazu sind beliebige, auch kleine, transportable Kartenleser denkbar. Eine andere Variante wäre eine Anzeige auf der Karte, die den Restwert angibt.

Bei Kartenzahlungen erfolgen der Kauf und die Belastung zeitlich getrennt - die Zahlung ist 'entsinnlicht', denn die Anschauung des leeren Portemonnaies fehlt. Die Gefahr einer versehentlichen Verschuldung, wie dies bei Debit- oder Kreditkarten der Fall sein kann, ist bei Wertkarten durch die Vorauszahlung unmöglich.

Datenschutz:

Der Möglichkeit zur anonymen Zahlung kommt gerade bei Wertkarten eine besondere Bedeutung zu, weil durch den im Vergleich zu Kreditkarten deutlich häufigeren Einsatz der Münzgeldersatzkarte äußerst engmaschige Bewegungsprofile der Nutzer entstehen können. Datensammlungen könnten sowohl die Akzeptanzstellen als auch die zentrale Beteiberinstitution oder die Banken anlegen. Datenschützer präferieren eine anonyme Kartenvariante der elektronischen Geldbörse.

Umweltschutz:

Der Einsatz von Wegwerfkarten führt zu einem enormen Berg von Plastikmüll und Elektronikschrott. Gegenwärtig ist zumindest für die Telefonkarten das Müllproblem elegant in die Mappen der Sammler verlagert. Aus Umweltschutzgründen führt allerdings kein Weg an einer langfristig nutzbaren Karte vorbei, auch wenn damit ihre Bedeutung als Werbungsträger sinkt. Wertkarten müssen wiederaufladbar sein, was bereits in den meisten Konzepten vorgesehen ist.

Kosten-/Nutzenverteilung:

Mit dem Karteneinsatz rationalisieren die Dienstleister und Banken ihren Zahlungsverkehr. Dieser Rationalisierungsgewinn sollte eigentlich an die Verbraucher weitergegeben werden; zumindest aber dürfen Wertkarten die Verbraucher nicht mit neuen Kosten, etwa Kartenkosten oder für Auflade- und Buchungsgebühren, belasten.

Die 'ideale' Karte für den Kleingeldbereich ist aus der Verbraucherperspektive eine anonyme, robuste und schnell wiederaufladbare Wertkarte mit Restwertanzeige, die überall erhältlich ist und akzeptiert wird. Diese Wertkarte birgt kein Sicherheits- oder Haftungsrisiko und ermöglicht einen Wertetransfer von Karte zu Karte. Unstimmigkeiten, Reklamationen und Stornie-rungen wickelt die Kartenorganisation schnell, vor Ort und unbürokratisch ab.

Abbildung 53: Die ideale Karte aus Verbrauchersicht

Diese klaren Verbraucherinteressen in den Entstehungsprozeß einzubringen erweist sich als äußerst schwierig, weil derzeit keine effektiven Durchsetzungsstrukturen für Verbraucher existieren. Es bleibt, wie so oft, nur die Möglichkeit, bei Konkurrenz verschiedener Wertkartensysteme, diejenige Karte auszuwählen, die diesen Vorstellungen am ehesten entspricht.

10.3.2 Die Dienstleistungs- und Warenanbieter

Die Akzeptanz und die Verbreitungschancen stehen und fallen mit der Zahl der Dienstleistungs- und Warenanbieter. Die Annahme von Wertkarten bei Anbietern dient vor allem einer Kostenverringerung, sei es in Form von Personalkosten durch Rationalisierung oder durch Automatisierung. Wegen größerer Akzeptanz spricht alles dafür, daß möglichst viele Dienstleistungen und Waren mit derselben Karte bezahlt werden können. Dies setzt jedoch eine Abstimmung aller Beteiligten voraus.

Am meisten profitieren diejenigen Unternehmen von der elektronischen Geldbörse, die eine hohe Anzahl von automatenfähigen Dienstleistungen und Bezahlvorgängen aufweisen.

Potentielle Nutznießer können auch große Cash- and Carry-Unternehmen sein. Gegenwärtiger Engpaß ist bisher noch der Check Out-Vorgang des Kunden, d.h. das eigentliche Bezahlen. Durch den Einsatz der elektronischen Geldbörse kann dieser Vorgang des Bezahlens wesentlich beschleunigt werden, so daß bei großen Unternehmen, z.B. mit einem hohen Anteil an Teilzeitarbeitskräften, Personalkosten eingespart werden können.

Bei mittleren und kleinen Verkaufsstellen kommt der Zeitaspekt in erster Linie dem Image des Unternehmens zugute. Die Kundenbindung ist heutzutage ein großes Ziel, da der Wettbewerbsdruck steigt und die Gewinnmargen sinken, versuchen viele Unternehmen ihre Kunden an sich zu binden, um sich so ihre Stammkunden zu erhalten. Solchen Loyality-Konzepten wird ein hohes Wachstum vorausgesagt. So gehen Prognosen für das Jahr 2000 von 42 Millionen Loyality-Karten in Europa aus.

Die Kosten des Bargeldhandlings, verursacht durch den täglichen Kassenabschluß, Anlieferung von Münzgeld in Geldwagen, Botengänge zur Bank oder Nachttresor-abrechnungen, lassen sich senken. Gegenüber Bargeld vermindert die elektronische Geldbörse an kassenbasierten Zahlstellen das Risiko von Überfällen, Geldfälschungen sowie von Unterschlagungen bei Mitarbeitern. Preise können in Schritten von einem Pfennig kalkuliert werden.

Die in den Abbuchungsterminals automatisch erstellten Daten fließen in die Buchhaltung ein und sind bilanzierungsfähig. Außerdem sind diese Umsatzdaten Grundlage von Statistiken, zum Beispiel zur Kapazitätsermittlung.

Im folgenden werden einzelne Branchen und ihre Kartenpotentiale beschrieben:

Öffentliche Telekommunikationsdienstleistungen

Mit der Dienstleistung Telefonieren hat die Telekom 1993 einen Umsatz von über einer Milliarde Mark erzielt. Während die Zahl der Kartentelefone 1994 auf 70.000 angestiegen ist, kann noch an über 100.000 Telefonzellen mit Münzen bezahlt werden.

Denkbar ist darüber hinaus, daß nicht nur das öffentliche, sondern auch das private Telefonieren per Telefonkarte bezahlt werden könnte. Die Telekom erwägt derzeit das Angebot von Telefonen mit integriertem Chipkartenleser. Zum Beispiel könnten diese Telefone in Betrieben aufgebaut werden, so daß ein privates Telefonieren auf eigene Rechnung möglich wäre, ohne daß mitarbeiterbezogene Daten gespeichert werden müßten. Eine solche Variante würde von vielen Betriebsräten begrüßt werden, da diese im Zusammenhang mit der derzeit praktizierten Speicherung der Daten Verhaltens- und Leistungskontrollen beklagen.

Öffentlicher Personennahverkehr

Die bargeldlose Zahlung ist keineswegs neu für die ÖPNV-Betriebe, ein großer Teil des Umsatzes wird per Lastschrift von den Konten der Abo-Kunden eingezogen. Das Angebot einer Kartenzahlung zielt somit vor allem auf die Gelegenheitsfahrer. Für diese Gruppe könnte eine weitere Zugangsbarriere gesenkt werden. Fahrscheine werden an drei verschiedenen Stellen verkauft: Erstens durch Kioske (siehe weiter unten), zweitens durch Fahrkartenautomaten (siehe weiter unten) und drittens durch Fahrpersonal von Bussen und Bahnen. Die Beweggründe, neben Bargeld, auch Wertkarten zu akzeptieren, sind vielfältig:

Das Überfallrisiko auf Bus-/Bahnpersonal sinkt mit abnehmenden Bargeldbeständen,
Die Kartenzahlung im Bus kann schneller als die Barzahlung sein, was zu geringeren Stillstandszeiten führt,
Durch die vorhandenen Rechnersysteme in den Bussen sind die Investitionen in darauf aufbauende Kartenleser überschaubar,
Kartenzahler bemerken Tariferhöhungen nicht so sehr wie Barzahler.

Personenverkehr

Der durchschnittliche Preis einer Taxifahrt liegt bei etwa 20,50 DM. Eine Verdrängung von Bargeld aus dem Taxi liegt durchaus im Interesse der Taxi-Unternehmer. Hierfür gibt es zwei Motive. Zum einen werden Taxis immer wieder überfallen, so daß bei einem umfassenden Karteneinsatz die Sicherheit der Fahrer enorm erhöht würde, zum anderen bedeutet Barzahlung eine erhöhte Versuchung für die Fahrer Geld zu unterschlagen, was bei der Kartenzahlung nicht möglich ist.

Taxifahrer lehnen die elektronische Geldbörse jedoch zumeist ab, da sie vermuten weniger Trinkgeld zu erhalten. Das gilt auch für andere Serviceberufe.

Kaufhäuser

In Kaufhäusern ist die Preisspanne sehr groß, von ein paar Pfennigen bis zu mehreren hundert Mark. Deshalb bieten Kaufhäuser meistens mehrere Zahlungsarten an. Zum einen die altbewährte Möglichkeit mit Bargeld, zum anderen mittels ec-Karte oder Kreditkarte. Mit der ec-Karte kann man an sogenannten Point-of-Sale-Kassen unter Zuhilfenahme der PIN im 'electronic cash'-System bezahlen. Vergleicht man die Kosten der elektronischen Geldbörse gegenüber dem electronic cash, so fällt vor allem die Offline-Fähigkeit der Geldbörse auf. Eine Reduktion der fixen und variablen Kommunikationskosten, die bei Online-Autorisierungen mit Sperr- und Bonitätsprüfungen anfallen, ist daher möglich. Ebenso ist mit geringeren Gebühren im Kleinbetragsbereich gegenüber electronic cash der Kreditinstitute zu rechnen.

Lebensmitteleinzelhandel

Die Einführung von Debit- und Kreditkarten haben den Kassenvorgang bislang nicht beschleunigt. Zudem sind sie mit beträchtlichen Gebühren verbunden. Wertkarten, die nicht mit einer Unterschriftsleistung, einer PIN-Eingabe oder einer zeitaufwendigen Online-Autorisierung verbunden sind, können durchaus zu einer Beschleunigung beim Kassieren führen.

Es gibt Versuche in einzelnen Supermärkten jedem Kunden einen Kassier-Scanner zusätzlich zum Einkaufswagen mitzugeben. Der Kunde kauft wie gewohnt seine Waren ein, scannt dann selbständig alle Preise seiner Waren ein und könnte demnächst auch noch automatisch mit seiner Wertkarte bezahlen.

In der Lebensmittelbranche spielt auch noch ein anderes Merkmal von Wertkarten eine Rolle: Eine Prepaidkarte erhält man unabhängig von der Bonität. Viele Kunden werden niemals eine Kreditkarte erhalten und zahlreiche auch keine ec-Karte. "Weil jedoch alle Kunden eine Wertkarte erhalten könnten und der Umsatz eine beträchtliche Vorauskasse mit enormen Zinsgewinnen verspricht, ist ein Einsatz von Wertkarten durchaus denkbar."

Automatenbetreiber

Der Umsatz von Automatenbetreibern (z.B. Parkautomaten, Zigarettenautomaten, Getränkeautomaten, Verpflegungsautomaten, Briefmarkenautomaten, Fahrkartenautomaten und Waschmaschinen in Waschsalons) liegt vollständig im Münzgeldbereich und ist daher prädestiniert für einen Einsatz von Wertkarten. Allerdings würde dies für die Automatenbetreiber bei sachlicher Betrachtung keinen großen Nutzen bringen. Die Umrüstung der Automaten wäre teuer und in vielen Fällen müßten sie noch mit Strom ausgestattet werden.

In großen Städten beklagen die Automatenbetreiber einen hohen Anteil von falschen bzw. ausländischen Münzen, denn mechanische Münzprüfer können die Echtheit der DM-Münzen nur an sehr wenigen Merkmalen wie beispielsweise dem Gewicht feststellen. Einige Hersteller haben ihre Automaten ganz aufgegeben, weil der Anteil des Falschgeldes ständig zunahm. Derart geschädigte Betreiber sind sehr stark an Kartenlösungen interessiert.

Neben vielen Automaten hängen zusätzlich Münzwechsler. Ein aufgebrauchter Münzvorrat in Geldwechslern hindert Kunden daran, die Automaten zu benutzen, oder animiert sie zum Vandalismus, oder im schlimmsten Fall zum Aufbruch. Bei Anwendung einer elektronischen Geldbörse könnten Münzwechsler ganz eingespart werden und die Automaten stünden stets zum Einsatz bereit.

Automaten müssen von Zeit zu Zeit mit Produkten aufgefüllt werden. Dabei wird momentan gleichzeitig das Münzgeld geleert. Personal ließe sich hier also nicht einsparen. Allerdings muß das entleerte Geld gezählt und gerollt werden. Das dafür eingesetzte Personal könnte gespart werden.

Die Bargeldentsorgung geschieht durch die Banken. Bargeldeinzahlungen bei den Banken sind oftmals mit Kosten verbunden. So könnten Banken Druck auf die Automatenbetreiber ausüben, sich auf Kartensysteme umzustellen.

Mensen und Kantinen

1992 betrug der Umsatz in Mensen und Kantinen allein in Deutschland 4,4 Milliarden Mark. Bei rund 15 Prozent aller Mensen und Kantinen gibt es eine Kartenlösung, wobei überall geschlossene Wertkartensysteme realisiert worden sind. Die Warenanbieter sehen in dieser Branche das Kartenpotential vor allem bei multifunktionalen Chipkarten, die auch als Mitarbeiterausweis dienen könnten. So würde eine Verwaltungskostensenkung erzielt werden.

In Frankreich wurde an der Universität von Lille 1991 eine Kartenlösung eingeführt, die vor allem als Studentenausweis dient. Zusätzlich kann über eine Funktion als elektronische Geldbörse in der Mensa, an Kopierern und an Getränkeautomaten bezahlt werden.

Kioske

Die üblichen Einzelumsätze eines Kiosks liegen im Münzgeldbereich. Damit sind auch Kioske als Akzeptanzstellen für Wertkarten denkbar. Allerdings werden Kioske meistens von Familien geführt und sind damit Kleinstunternehmen; viel zu rationalisieren gibt es deshalb nicht. Vor allem die Gebührenregelung einer Wertkarte wird über die Verbreitungschancen in diesem Bereich entscheiden.

10.3.3 Die Kartenherausgeber

Die zentrale Rolle in einem Wertkartensystem ist die des Börsenherausgebers. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er übernimmt die Verantwortung dafür, daß das System einwandfrei funktioniert. Er muß eine Clearingstelle einsetzen, die alle ankommenden Buchungsvorgänge organisiert und bearbeitet. Zusätzlich sollte eine Reklamationsstelle vorhanden sein, sowohl für Anbieter als auch für Nutzer.

Als potientieller Börsenemmitent kommt zunächst die Kreditwirtschaft in Frage, aber auch Kreditkartenorganisationen, die Telekom, die ja bereits ein etablierter Herausgeber ist, oder die Deutsche Bahn AG. Auch Fluggesellschaften, wie die Deutsche Lufthansa AG, geben verstärkt Plastikkarten zur Kundenbindung heraus.

Kreditwirtschaft

Die Banken und Sparkassen der deutschen Kreditwirtschaft haben zusammen etwa 37 Millionen ec-Karten und rund 15 Millionen Bankkundenkarten herausgegeben. Darüber hinaus sind von den Kreditinstituten 5 Millionen Eurocards und 2,3 Millionen Visa-Kreditkarten in Umlauf.

Die deutsche Kreditwirtschaft hat lange Zeit eine Rationalisierung im Münzgeldbereich durch Substitution von Münzzahlungen durch Kartenzahlung nicht angestrebt. Erst das Engagement der Telekom und anderer Projekte scheinen einen Anstoß bewirkt zu haben. Ziel ist es jetzt neben Frankreich an der Spitze der internationalen Entwicklung zu stehen.

Die Betrugssicherheit der Chipkarten ist wesentlich größer als die der Magnetstreifenkarten. Diese werden in großen Mengen kopiert und gefälscht. 1991 entstand den Banken weltweit ein Schaden von rund 400 Millionen DM.

Eine Verringerung des Münzgeldhandlings durch eine Verminderung des Bargeldumlaufs in der Kreditwirtschaft führt zu Personaleinsparungen.

Durch Vorausbezahlung von erst späteren Leistungen ist ein beachtliches 'Kapital' vorhanden. Dadurch entstehen erhebliche Zinseinnahmen für den Herausgeber einer elektronischen Geldbörse.

Kreditkartenorganisationen

Visa ist mit 333,8 Millionen Kreditkarten und elf Millionen Akzeptanzstellen weltweit die größte Kreditkartenorganisation. Gefolgt von der Eurocard mit 160 Millionen Karten, die von zehn Millionen Vertragsunternehmen akzeptiert werden. Eurocard International ist ein Zusammenschluß der drei Kreditkartengesellschaften, Mastercard, Eurocard und Access, gegründet 1972. Eurocard International und eurocheque international sind seit 1992 zu Europay International verschmolzen.

Die traditionsreiche American Express Company, die seit 1891 Traveller Cheques ausgibt, entschloß sich 1958 eine eigene Kreditkarte namens Amexco herauszugeben. Es gibt weltweit rund 40 Millionen Amexco-Karten mit über drei Millionen Vertragsunternehmen.

Schlußlicht ist die Kreditkartenorganisation Diners Club. Von der ältesten - 1950 gegründeten - Kreditkartengesellschaft gibt es weltweit über sieben Millionen Karten und etwa zwei Millionen Akzeptanzstellen.

Insgesamt also ein hohes Potential für die Einführung eines Chips auf Kreditkarten. Allerdings ist die Substituierbarkeit von Kredit- und Wertkarten eher nicht gegeben, wie die folgenden Überlegungen zeigen sollen.

Die Herausgabe einer Kreditkarte wird vor allem durch drei Ertragsmöglichkeiten motiviert. Zunächst wird eine Jahresgebühr eingenommen, dann müssen die Karteninhaber einen relativ hohen Zins zahlen auf solche Beträge, die sie nicht monatlich begleichen, schließlich wird eine Umsatzprovision von den Akzeptanzstellen erhoben. Sowohl Zinseinnahmen, als auch die Umsatzprovision sind direkt abhängig von der Höhe der Kartenumsätze. Im Niedrigpreisbereich ist somit nicht viel für die Kreditkarteninstitute zu verdienen. Ein Einsatz von Kreditkarten als Wertkarten ist nur durch eine Attraktivitätssteigerung der Kreditkarten zu begründen.

Telekom AG

Die Telekom verfolgt mit der Ausgabe ihrer Telefonkarten vor allem Rationalisierungsziele, aber auch Imagegesichtspunkte sind nicht zu vernachlässigen. Bislang kostet jede einzelne Telefonkarte die Telekom rund 3,- DM, zwei Mark für die Herstellung und eine Mark für die Verteilung. Diese Kosten lassen sich entweder durch die Einführung von wiederaufladbaren Karten senken oder durch Bestellung größerer Mengen an Karten bei den Chipkartenherstellern, gemeinsam mit europäischen Nachbarn. Die Herausgabe einer eigenen wiederaufladbaren Karte ist nicht geplant. Auch die Kooperation mit anderen Herausgebern von Prozessorchipkarten, wie der ec-Chipkarte, scheiterte an unterschiedlichen Gebührenvorstellungen.

Seit Mai 1994 können die deutschen Telefonkarten auch an den neuen niederländischen Kartentelefonen benutzt werden. Im Gegenzug können auch niederländische Telefonchipkarten an den hiesigen Kartentelefonen eingesetzt werden. Es ist geplant, daß sich weitere Länder dem deutsch-niederländischen System anschließen. Vorraussetzung ist jedoch die Verwendung eines einheitlichen 'Eurochips'.

Deutsche Bahn AG

Die Deutsche Bahn AG ist bislang und wohl noch auf absehbare Zeit Monopolist im Bereich des schienengebundenen Personenfernverkehrs.

Mit der Herausgabe der BahnCard verfolgt die Bahn eine Reihe von strategischen Zielen, wie vor allem Neukundengewinnung und Kundenbindung. Außerdem soll sie eine höhere Preistransparenz bieten; durch die BahnCard (2.Klasse) beträgt der Kilometerpreis 12 Pfennig und liegt damit nicht über den Spritkosten pro Kilometer beim Auto.

Mitte 1994 waren rund 2,8 Millionen gültige BahnCards auf dem Markt. Ein gutes Potential für den Ausbau und Test eines Chipkartenprojektes.

10.3.4 Die Notenbank

Eine Notenbank ist eine Bank, die zur Ausgabe von Banknoten berechtigt ist. In Deutschland ist dies die Deutsche Bundesbank, sie wurde 1957 gegründet, ihre Hauptaufgabe ist in 3 des Bundesbankgesetzes festgeschrieben:

"Die Deutsche Bundesbank regelt mit Hilfe der währungspolitischen Befugnisse ... den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft mit dem Ziel, die Währung zu sichern, und sorgt für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland."

Bei der Notenbank bestehen viele Bedenken gegenüber der elektronischen Geldbörse. Die Autonomie der Notenbank, Geld herauszugeben, sei eingeschränkt, da gerade bei einer Transaktion zwischen Benutzern im Privatbereich Möglichkeiten für eine unautorisierte Erzeugung elektronischen Geldes gesehen wird. Ist jedoch elektronisches Geld einmal im System, so ist es nicht mehr als 'Falschgeld' identifizierbar; die Geldmenge hat sich erhöht. Es ist klar, daß das Geldbörsensystem mit der Manipulationssicherheit der Chipkarte steht und fällt.

Auch ihren schwindenden Einfluß auf den Geldmarkt müssen die Notenbanken mit Sorge betrachten. Wenn zahlreiche Transaktionen ohne Bargeld abgewickelt werden, ist auch der Bedarf an der Aufnahme kurzfristiger Kredite von einer Notenbank verringert. Dann aber haben Leitzinssenkungen eine geringere Wirkung als dies heute noch der Fall ist.

Die Notenbank gibt Banknoten und Münzen heraus. Die Münzgeldmenge ist in absoluten Zahlen jedes Jahr gestiegen. 1993 betrug der Münzgeldumlauf etwa 14 Milliarden DM, das waren ungefähr sechs Prozent der gesamten Bargeldmenge.

Der prozentuale Anstieg des Münzgeldvolumens am gesamten Bargeld von 1950 bis 1982 ist vor allem auf ein relatives Absinken des Anteils der Banknoten infolge der Einführung von Lohn- und Gehaltskonten zurückzuführen. Größere Beträge werden seitdem zunehmend per Dauerauftrag, Überweisung, Scheck oder im Lastschriftverfahren transferiert. Die Bargeldnachfrage ist deshalb im Bereich der Banknoten langsamer gestiegen als im Bereich des Münzgeldes.

Der einzige Vorteil bei der Einführung der elektronischen Geldbörse wäre eine Verringerung der Münzgeldmenge und damit eine Kosteneinsparung, denn Bargeldherstellung ist teuer.

Außerdem fordert die Bundesbank eine juristische Regelung von elektronischem Geld, damit Haftungsansprüche, Liquiditäts- und Konkursrisiko klar definiert werden können. Das vom Bundesjustizministerium in Arbeit befindliche Informations- und Kommunikationsdienstegesetz soll bereits Mitte 1997 verabschiedet werden.

10.4 Anwendungsbeispiele der elektronischen Geldbörse

10.4.1 Danm nt-Karte

Das weltweit erste offene Drei-Parteien-Multiservice-Wertkartensystem wurde am 1. September 1992 im dänischen Nëstved, 70 Kilometer südlich von Kopenhagen, eingeführt. Nach sechsmonatigem Testbetrieb in der 45.000-Einwohner-Stadt wurde dieses System seit Mai 1993 sukzessive in ganz Dänemark eingeführt.

Herausgeber dieser elektronischen Geldbörse ist Danm nt A/S, ein Gemeinschafts-unternehmen der dänischen Gesellschaft für Zahlungssysteme (PBS) und der dänischen Telefongesellschaft KTAS. Die PBS ist ein Zusammenschluß aller ca. 250 dänischen Banken und fungiert als Clearingstelle.

Kartenhersteller sind die beiden dänischen Firmen dz danmark Ltd. und ID KORT Ltd. Der Chip auf den Karten wird von der Firma Siemens geliefert und ist ein Speicherchip! Die Wertkarten sind nicht wiederaufladbar und werden in drei Preisstufen abgegeben.

Die Kartenausgabe erfolgt vor allem über Zweigstellen zahlreicher Banken, Telefonläden der KTAS, Tankstellen und einige Supermärkte und Kioske.

Der Karteninhaber kann seine Karte an folgenden Akzeptanzstellen benutzen: Kartentelefone, Zeitungsautomaten, Parkscheinautomaten, Briefmarkenautomaten, und Waschmaschinen in Waschsalons. Die Danm nt-Terminals sind einfach aufgebaut. Neben einem Einsteckleser besitzen sie ein zweizeiliges Display, an dem der Restwert in der oberen und der Kaufpreis in der unteren Zeile angezeigt wird. Zum Bestätigen der Kauftransaktion befindet sich ein grüner und zum Abbruch der Transaktion ein roter Knopf an dem Gerät, in dessen Inneren die kumulierten Werteinheiten abgespeichert werden. Ein Entwertungsvorgang an einem Terminal läuft wie folgt ab:

Der Kunde steckt die Danm nt-Wertkarte in den Kartenleser.
Die Karte wird verriegelt.
In der oberen Zeile des Displays erscheint der Restwert der vorrausbezahlten Karte.
Der Kunde wählt eine Ware per Knopfdruck aus oder vom Kassenpersonal wird der Kaufbetrag eingegeben.
Am Display erscheint unter dem Restbetrag der Kaufbetrag.
Bestätigen der gewünschten Transaktion durch Drücken der grünen Bestätigungstaste.
Der Kaufbetrag wird von der Karte abgebucht und im Händlerterminal zu den bereits eingenommenen Werteinheiten addiert.
Die Karte wird entriegelt.
Der Kunde kann nun die Karte wieder aus dem Lesegerät herausziehen.

Ein Dienstleister trägt die Kosten für ein Terminal, dessen Installation und Wartung. Zusätzlich ist er verpflichtet spätestens nach 14 Tagen die kumulierten Zahlungsbeträge seines Terminals der Clearingstelle einzureichen. Diese Leerung kostet ihn 10 dänische Kronen, etwa 2,50 DM; pro gespeicherter Transaktion gehen 20 Öre/5 Pfennige an den Kartenherausgeber.

Für die Danm nt-Wertkarte sind noch drei weitere Phasen geplant:

Phase II Einführung einer wiederaufladbaren Wertkarte.

Phase III Einführung einer Multi-Applikations-Karte mit zusätzlichen Anwendungen.

Phase IV Integration der Danm nt-Karte und der bestehenden Debitkarte Dankort.

10.4.2 Mondex-Karte

Ein weiterer Versuch mit einer elektronischen Geldbörse wurde in Großbritannien unternommen, mittels eines Feldversuches im Juli 1995. Unter der Bezeichnung Mondex hat die National Westminster Bank in Zusammenarbeit mit der British Telecom und der Midland Bank ein Geldbörsensystem konzipiert. Im englischen Swindon können 8.000 bis 9.000 Probanden an ca. 750 Verkaufsstellen mit der Mondex-Karte bezahlen.

Die Aufladung der Karte mit elektronischem Geld erfolgt über ein öffentliches Kartentelefon der British Telecom, und demnächst auch über das Internet, unter Eingabe der PIN. Außerdem kann die Karte an einem Geldautomaten einer beteiligten Bank aufgeladen werden.

Beim Bezahlen steckt der Karteninhaber seine Karte in ein Lesegerät, das den Kaufbetrag vom Chip abbucht.

Abbildung 54: Mondex-Händler-Terminal

Eine Besonderheit von Mondex ist, daß auch Beträge von einer Karte auf eine zweite umgebucht werden können, also von Konsument zu Konsument und von Händler zu Händler. Hierzu wird eine taschenrechnergroße elektronische Brieftasche benötigt, eine Online-Authorisierung entfällt in diesem Fall. Gerade der Umstand der elektronischen Geldübertragung ohne eine zwischengeschaltete Bank oder Clearingstelle hat unter Experten zu heftigen Diskussionen über die Sicherheit des Systems geführt. Denn gelingt es, eine Karte mit 'simuliertem' elektronischem Geld aufzuladen, so ist dieses nicht von herkömmlichem elektronischem Geld zu unterscheiden. Die Geldmenge wächst in einem solchen Fall - völlig unbemerkt von den Notenbanken.

Das oben gezeigte Händlerterminal muß vom Händler erstanden werden. Weitere Kosten fallen nicht an, da bei Mondex der Karteninhaber eine Gebühr von monatlich ca. 3,70 DM bezahlt.

Der Händler kann die elektronischen Einnahmen via Telefonleitung an die Clearingstelle übermitteln.

Mondex hat das ehrgeizige Ziel, Kartengeld weltweit einzuführen. Dazu sollen Franchise-Lizenzen vergeben werden. Ein erster Schritt ist das neue Pilotprojekt im kanadischen Guelph, Ontario, 90 Kilometer südwestlich von Toronto. Spätestens im November 1996 soll in der 100.000-Einwohner-Stadt alles vorbereitet sein. Beteiligt sind die Royal Bank of Canada, die Canadian Imperial Bank und die kanadische Telefongesellschaft Bell Canada. Die kanadische Mondex-Version soll allerdings drei Verbesserungen enthalten. Erstens gibt es künftig eine Hülle mit größerem Display und Transaktionsfeld, also eine verbesserte elektronische Brieftasche. Zweitens sollen Mondex-Kunden jeden Betrag, den sie beim Einkaufen ausgeben, am Händlerterminal bestätigen. Und schließlich werden die Kanadier künftig den Chip per Geheimnummer in jedem Laden und an jeder Kasse abschließen und wieder aufschließen können.

Ein weiterer Franchise-Lizenznehmer ist die Bank of HongKong. Ferner haben 18 Länder mit insgesamt 2,7 Millionen Einwohnern solche Lizenzen erhalten. Auch in Deutschland sollen eine Reihe von Interessenten in Gesprächen mit der National Westminster Bank stehen.

10.4.3 Geldkarte

Am 29. März 1996 startete nach mehreren Ankündigungen und Terminverschiebungen der Feldversuch des ZKA in der badenwürttembergischen Region Ravensburg/Weingarten. Der ZKA, mit Sitz in Köln, ist ein Zusammenschluß von allen fünf deutschen Banken- und Sparkassenverbänden. Ziel dieses Pilotprojektes war es, mit ca. 80.000 Geldkarten an rund 700 Akzeptanzstellen bargeldlos zu bezahlen.

Es wurden drei verschiedene Kartentypen ausgegeben. Den größten Anteil mit 85 Prozent stellten die kontogebundenen ec-Geldkarten bzw. Servicekarten einzelner Institute, bei denen der Chip auf einer normalen ec-Karte/Servicekarte zusätzlich zum Magnetstreifen untergebracht wurde. Kunden, die die ec-Karte/Servicekarte bisher benutzten, bekamen kostenlos eine neue ec-Karte/Servicekarte mit integriertem Chip zugesandt, wobei sich einige Kunden beschwerten, daß dies ohne Erklärung geschah. An speziellen Ladeterminals konnte die 'elektronische Geldbörse' unter Eingabe der persönlichen PIN mit bis zu 400 Mark geladen werden. Dies führte zu einer Kontobelastung in gleicher Höhe.

Die andere Variante war eine kontoungebundene Geldkarte für Nichtkunden, Jugendliche oder Touristen. Die sogenannten 'weißen' Karten konnten bei einem der 17 beteiligten Kreditinstitute als geladene Geldkarten gegen die entsprechende Bargeldsumme gekauft werden.

Der verwendete Chip war ein Mikrocontroller-Chip der Firma Siemens.

Die Kartenbenutzer können den Inhalt der elektronischen Geldbörse am Ladeterminal oder an einer der Akzeptanzstellen beim Bezahlen erfahren. Zusätzlich gibt es einen Taschenleser, kaum größer als ein Schlüsselanhänger, der jederzeit über den Restbetrag Auskunft gibt.

Abbildung 55: Taschenleser für eine Geldkarte

Händlerterminals als Akzeptanzstellen wurden kostenlos aufgestellt. An ihnen kann mit den Geldkarten bargeldlos bezahlt werden. Die Zahlungen werden gespeichert und einmal täglich an eine neueingerichtete Börsen-Evidenz-Zentrale (BEZ) der deutschen Kreditwirtschaft weitergegeben. Diese prüft die eingehenden Transaktionen, bearbeitet Salden für Händler und beteiligte Kreditinstitute und bearbeitet eventuelle Reklamationen. Weiterhin führt die BEZ für jede Geldkarte ein anonymes Börsenverrechnungskonto. Damit sollen mögliche Systemschwachstellen aufgedeckt werden und eventuelle Systemangriffe feststellbar sein. In den Medien wurde fälschlicherweise von Schattenkonten gesprochen, mit denen man das Kaufverhalten der Kartenbenutzer zurückverfolgen könne und die den 'gläsernen Bankkunden' an die Wand malten. Verbraucherverbände und Datenschützer wurden auf den Plan gerufen. Der Leiter des Chipkartenprojektes, Klaus Altenhenne, sagte daraufhin, daß nicht Schattenkonten, "sondern Schattensalden geführt werden. Wo saldiert wird, können sie nichts mehr nachverfolgen" und keine "elektronische Schleimspur hinterlassen."

Für die Bereitstellung des Systems und die Übernahme der Zahlungsgarantie durch die Kreditwirtschaft kam eine Gebühr für die Händler in Höhe von 0,3 Prozent des Kaufbetrages, mindestens jedoch fünf Pfennig, bei jeder Bezahlung mit der Geldkarte an das herausgebende Kreditinstitut zum Tragen. Vielen Händlern waren diese Gebühren zu hoch. Besonders die beteiligten Lebensmittelketten Aldi und Lidl, deren Gewinnmargen bei einem Prozent liegen sollen, protestierten. Mitte Juli wurden die Mindestgebühren dann von fünf auf zwei Pfennig gesenkt.

In der Chipkarte werden die letzten 15 Transaktionen gespeichert und können beim Kreditinstitut ausgedruckt werden. Diese Funktion ist für Unstimmigkeiten im Geldkreislauf gedacht.

14 Tage nach Beginn des Projektes gab es 396 beteiligte Händler. An den 463 Akzeptanzstellen gab es etwa 570 Terminals zum bargeldlosen Bezahlen. Rund 60.000 Karten waren in Umlauf mit einem Ladebetrag von ca. 1 Million Mark.

Das Projekt endete nach fünf Monaten im August 1996. Der Projektleiter zog eine positive Bilanz; er sah aber gleichzeitg an vielen Stellen noch Handlungsbedarf: nur jeder zweite Kartenbesitzer hatte seinen Chip nachgeladen, die Kunden wurden zu wenig aufgeklärt und das Personal an den Händlerterminals war nicht immer ausreichend geschult.

Der durchschnittliche Ladebetrag lag bei 150 Mark, der durchschnittliche Umsatz pro Transaktion bei 28 Mark. Die Zahl der Terminals konnte auf 800 gesteigert werden. Rund 600 Händler nahmen zuletzt am Projekt teil. Die angestrebte Zahl von ausgegebenen Geldkarten konnte nicht auf 80.000 gesteigert werden; sie blieb bei 60.000.

Ende 1996 / Anfang 1997 sollen bundesweit alle ec-Karten mit Chips bestückt werden. Dazu müssen in rund 500.000 Handels- und Dienstleistungsunternehmen über eine Million Terminals aufgestellt werden, respektive bisherige Zahlungsterminals nachgerüstet werden. Die heutigen 50.000 Point-of-Sale-Terminals sind für die Geldkarte nachrüstbar, enthalten aber auch weiterhin die Funktion der Online-Bezahlung.

Handlungsbedarf besteht bis dahin noch bei der Abstufung verschiedener Terminaltypen. Nicht jeder Händler braucht ein Multifunktionsgerät. In kleinen Läden reicht ein preiswertes Einfach-Terminal mit Standardfunktionen, denn anders als im Pilotprojekt muß jeder Händler sein Terminal selbst bezahlen.

Auch die sogenannte weiße Karte für Nichtkunden kostet dann fünf bis zehn Mark zusätzlich zum elektronisch geladenen Geldbetrag.

Vor allen Dingen müssen für die Akzeptanz der Geldkarte die Werbetrommel kräftig gerührt werden und potentiellen Nutzern der Geldkarte Informationen zugänglich gemacht werden. Das hat der Pilotversuch eindeutig gezeigt.

10.4.4 PayCard

Eine multifunktionale Karte mit einem Hitachi-Chip bringt die Deutsche Telekom AG in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) demnächst auf den Markt. Vorrangige Ziele dieser elektronischen Geldbörse sind der Ausbau des bundesweiten elektronischen Fahrscheinsystems, sowohl regional wie national. Und der Einsatz der Karte in allen bahnhofszugehörigen Infrastruktureinrichtungen wie Kiosken, Telefonen, Bäckereien, Parkhäusern und Restaurants. Es gibt zwei Versionen: erstens eine persönliche Karte, bei der der Aufladebetrag vom Bankkonto abgebucht wird und zweitens eine unpersönliche, die an Bahnschaltern gegen Barzahlung wieder aufgeladen werden kann. Die PayCard ist bis zu einem Betrag von 200 Mark aufladbar. Ist eine persönliche Karte leer, kann sie an einem der 85.000 Kartentelefone der Telekom über die Eingabe eines PIN-Codes aufgeladen werden. Mit jedem Drücken der grünen Taste am Telefon können 20 Mark geladen werden - zwei Einheiten kostet der Vorgang, egal wie hoch der geladene Betrag ist.

Das gesamte Finanzhandling wird in Zusammenarbeit mit der PayCard-Clearingstelle der Telekom und einer noch nicht feststehenden Bank abgewickelt. Für die seit März 1996 laufenden Feldversuche in Hamburg, Frankfurt, München, Stuttgart und Dresden mit ca. 5.000 Karten ist die Postbank vorläufiger Bankenpartner.

Der geladene Geldbetrag wird von der Clearingstelle per Lastschrifteinzugsverfahren vom Konto des Karteninhabers abgebucht.

Für die PayCard sind nur geringe Investitionen in ein Händlerterminal erforderlich, da keine Verkaufsdaten in den Geräten erfaßt und gespeichert, sondern die Daten aller Zahlungsvorgänge in sogenannten Subbörsen auf der PayCard gespeichert werden. Das bedeutet, daß erst wenn der Anwender seine Karte wieder auflädt, die darauf gespeicherten Kaufbeträge automatisch ausgelesen, und an die Clearingstelle übermittelt werden, die dann die Beträge exakt an die Händler verteilt. Transaktionsgebühren für die Händler fallen in Höhe von 0,3 Prozent des Kaufpreises ohne Minimalbetrag an.

Die bundesweite Einführung der PayCard soll nach Beendigung der Feldversuche starten.

10.4.5 P-Card

Die P-Card wurde in den letzten drei Jahren in einem Verbund von Electronic Banking Systems (EBS), Wiesbaden, Orga Kartensysteme, Paderborn, Krone Kommunikationstechnik, Bad Herfeld und Göppinger Datensysteme (GDS) entwikkelt. EBS ist Systeminhaber und Anführer des Verbundes. Orga ist für die Softwareentwicklung und Kartenherstellung zuständig, Krone entwickelte die universellen Terminals, und das Rechenzentrum der GDS besorgt die Verwaltung der Händler- und Kartenkonten. Ergänzend kommt hinzu: die Dresdner Bank als Clearingstelle und Treuhänder, sowie das Systemhaus Ikoss Van, Aachen, für die Vernetzung der Terminals.

Die P-Card ist eine allgemein im Handel verwendbare elektronische Geldbörse. Der Benutzer kann die Karte an einem Terminal nach Eingabe der PIN, also online, nach Bonitätsprüfung aufladen. Wobei zweimal am Tag mit maximal 400 Mark geladen werden kann. Ein Aufladevorgang kostet 80 Pfennig. Das Kundenkonto wird per Lastschriftverfahren belastet. Die Gesamtbeladung der Karte ist betragsmäßig nicht begrenzt; das geladene Guthaben wird sogar verzinst.

Der Inhaber kann einen monatlichen Kontoauszug aller von ihm getätigten Aufladungen und Ausgaben anfordern, außerdem speichert die Karte die letzten Zahlungsvorgänge.

Im Händlerterminal werden die Transaktionen gesammelt und einmal am Tag, wie bei der Geldkarte, an die Clearingstelle übertragen. Die Händlerkosten pro Transaktion sind stückzahlenbezogen und gehen von 3,5 bis zu 35 Pfennig. Der Lebensmittelhandel hat Sonderkonditionen mit höchstens 15 Pfennig.

Ab dem 1. September 1996 soll der Verbraucher die P-Card im Einzelhandel gegen eine Schutzgebühr von 15 Mark für drei Jahre erstehen können. Noch 1996 will der Verband 500.000 Karten ausgeben und rund 4.000 Terminals aufstellen.

EBS setzt vor allem auf eine Reihe maßschneidbarer individueller Anwendungen mit der P-Card. Im Sommer 1997 sollen in Baumärkten Türverriegelungsgeräte erhältlich sein, die mit der P-Card und einer PIN die Haustür öffnen. Noch im Laufe dieses Jahres soll als besonderer Clou auf Basis der P-Card eine Funktion für Einkäufe im Internet implementiert werden. Mit einem Einbaukartenleser im standardisierten 3,5''-Format können Internet-Shopper den digitalen Gegenwert für die erstandenen Waren von ihrer elektronischen Geldbörse über das Netz schicken. Der Internet-Provider des Anwenders muß dazu lediglich noch die entsprechende Administrations-Software auf seinem Server installiert haben. Über das Internet-Modul ist die P-Card außerdem wiederaufladbar.

10.4.6 Clip

Ganz im Gegensatz zu Europa, blieb die Chipkartentechnik in den USA lange Zeit unbeachtet. Erst 1994 haben sich drei Großunternehmen aus dem Kreditkartenbereich - Europay, Mastercard und Visa - zusammengetan und die Arbeitsgruppe 'EMV' gegründet, um eine weltweite Kompatibilität zu garantieren. Ebenso wie die Eurocheque-Karten sollen auch die Kreditkarten in Zukunft mit einem Chip für eine Geldbörsenfunktion ausgestattet werden. Ende Juni 1996 wurde die dritte Auflage des EMV-Standards veröffentlicht. Die entscheidenden Vorteile liegen in der Händlerakzeptanz, denn für die gesamten Transaktionen wird weltweit nur ein Terminal benötigt, und in der Vielzahl an weltweit bestehenden Akzeptanzstellen.

Das Chipkartenprojekt Clip von EMV sieht vor, daß auf dem Chip elektronisches Geld in verschiedenen Währungen gespeichert werden kann. Währungsrestbestände können auch wieder 'abgeladen' werden oder nach dem aktuellen Wechselkurs in eine andere Währung umgerechnet werden.

Bisher muß man bei der Verwendung der Kreditkarte immer noch auf einem Blatt Papier eine Unterschrift leisten. Das ist mit dem Chip nicht mehr nötig, denn dieser leistet eine elektronische Unterschrift, die sehr viel fälschungssicherer ist als eine per Hand.

Durch die Firma IBM wurde für Europa innerhalb des EMV-Standards das Mehrparteien-Sicherheits-Zahlungsprotokoll iKP entwickelt. Eine Demonstration soll Ende 1996 in Sevilla, Italien, stattfinden.

Seit den Olympischen Spielen in Atlanta, bei denen die Chipkarte als Feldversuch zum Einsatz kam, ist sie in den USA ein Renner.

Ausblick

Kennzeichen für dynamische Märkte sind, daß sie immer wieder Innovationen hervorbringen. So auch im Chipkartenmarkt, der in den letzten Jahren ein enormes Wachstum zu verzeichnen hatte.

Die Entwicklung eines neuen Technologiegutes läßt sich in drei Phasen unterteilen: In eine Anfangsphase, eine Zwischenphase und eine Endphase. Die Anfangsphase ist durch eine Vielzahl nichtkompatibler und nichtintegrierender Systemlösungen mit zumeist regionaler Bedeutung gekennzeichnet. Gegenwärtig befinden wir uns in der Zwischenphase. Es werden Wertkartensysteme konzipiert, die multifunktional und offen sind. Diese werden in Pilotprojekten erprobt, um Fehler auszumerzen. In den nächsten fünf Jahren sollen diese Systeme vorraussichtlich bundesweit eingesetzt werden. Im gegenwärtig existierenden Wettbewerb zwischen den einzelnen Geldbörsenprojekten dürften die Bedürfnisse der Kunden und der Akzeptanzstellen stärker als bisher in das Konzept des Wertkartensystems eingehen, da sonst ein Nutzen aller Beteiligten nicht zu erzielen ist.

Die obengenannten drei Systeme, die in Deutschland eingeführt werden sollen sind Geldkarte, Pay-Card und P-Card. Unter Fachleuten wird der Pay-Card der Bahn AG keine großen Chancen eingeräumt. Um ein Zahlungssystem erfolgreich auf den Markt einführen zu können, sollte entweder von Beginn an eine breite Kartenbasis oder eine breite Akzeptanzstellenbasis vorhanden sein. Bei der Geldkarte ist es die ausgedehnte Kartenbasis und während die P-Card eine große Akzeptanzstellenbasis besitzt. Beide Karten haben gute Chancen den Konkurrenzkampf zu überleben. Wer den eventuellen Standard setzen wird, bleibt vorerst offen.

Am Kiosk wird auch künftig mit Bargeld bezahlt werden, und an Automaten wird es eine Bargeld- und Kartenzahlung geben. Auch nach dem Jahr 2000 wird es die bereichsspezifischen Geldbörsen geben. Jedoch ist eine Integration mehrerer Börsen auf einer Karte wahrscheinlich. Obwohl eine Revolution des Zahlungsverkehrs nicht zu erwarten ist, kann aber zumindest von einer Vereinfachung ausgegangen werden.

In der Endphase bildet sich zumeist eine einheitliche, kompatible Lösung. Dazu gehört natürlich die Erarbeitung eines Standards für alle Wertkartensysteme, die bis dahin noch zahlreiche Gremien beschäftigen wird.