Sigmund Freud, "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie", Gesammelte Werke, Fuenfter Band, Fischer Taschenbuch Verlag, 1999 |
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| ●Vorwort →Verstuenden es die Menschen, aus der direkten Beobachtung der Kinder zu lernen, so haetten dieses drei Abhandlungen ueberhaupt ungeschrieben bleiben koennen.(S.32) →Pansexualismus....der Philosoph Arthur Schopenhauer hat bereits vor geraumer Zeit den Menschen vorgehalten, in welchem Mass ihr Tun und Trachten durch sexuelle Strebungen -im gewohnten Sinne des Wortes - bestimmt wird....wie nahe die erweitere Sexualitaet der Psychoanalyse mit dem Eros des goettelichen Plato zusammentrifft.(S.32) ●Die sexuellen Abirrungen ☉Libido(S.33) ☉Inversion →eine haeufige Erscheinung, fast eine mit wichtigen Funktionene betraute Institution bei den alten Voelkern auf der Hoehe ihrer Kultur war.(S.37) →einer urspruenglich bisexullen Veranlagung....Es lag nahe, diese Auffassung aufs psychische Gebiet zu uebertragen und die Inversion in ihren Abarten als Ausdruck eines psychischen Hermaphroditismus zu verstehen.(S.40) (從解剖上的雙性到心理的) →Bei den Griechen, wo die maennlichsten Maenner unter den Inversion erscheinen, ist es klar, dass nicht der maennliche Charakter des Knaben, sondern seine koerperliche Annaeherung an das Weib sowie seine weiblichen seelischen Eigenschaften, Schuechternheit, Zurueckhaltung, Lern- und Hilfsbeduerftigkeit die Liebe des Mannes entzuendeten.....das Sexualobjekt ist also in diesem Falle, wie in vielen anderen, nicht das gleiche Geschlecht, sondern die Vereinigung beider Geschlechtscharaktere....(S.44)(心理上仍是雙極的) →Der Wegfall eines starken Vaters in der Kindheit beguenstigt nicht selten die Inversion.(S.45) →Der Geschlechtstrieb ist wahrscheinlich zunaechst unabhaengig von seinem Objekt und verdankt wohl auch nicht den Reizen desselben seine Entstehung.(S.47)(性衝動與對象是分開的) ☉Geschlechtunreife und Tiere als sexualobjekte →Der eingreifend Unterschied zwischen dem Liebesleben der Alten Welt und dem unserigen liegt wohl darin, dass die Antike den Akzent auf den Trieb selbst, wir aber auf dessen Objekt verlegen.(S.l48) ☉Abweichungen in Bezug auf das Sexualziel(Perversionen) 1.Anatomische Ueberschreitungen →Ein gewisser Grad von solchem Fetischismus ist daher dem normalen Lieben regelmaessig eigen, besonders in jenen Stadien der Verliebtheit, in welchen das nomale Sexualziel unerreichbar oder dessen Erfuellung aufgehoben erscheint.....Der pathologische Fall tritt erst ein, wenn sich das Streben nach dem Fetisch ueber solche Bedingung hinaus fixiert und sich an die Stelle des normalen Zieles setzt.....(S.55) →in anderen Faellen ist es eine dem Betroffenen meist nicht bewusste symbolische Gedankenverbindung, welche zum Ersatz des Objektes durch den Fetisch gefuehrt hat....(der Fuss ist ein uraltes sexuelles Symbol, schon im Mythus, "Pelz" verdankt seine Fetischrolle wohl der Assoziation mit der Behaarung des mons veneris)(S.54) →Der Fuss ersetzt den schwer vermissten Penis des Weibes. In manchen Faellen von Fussfetischismus liess sich zeigen, dass der urspruenglich auf das Genitale gerichtete Schautrieb, der seimen Objekt von unten her nahe kommen wollte, durch Verbot und Verdraengung auf dem Wege aufgehalten wurde, und darum Fuss oder Schuh als Fetisch festhielt. Das weibliche Genitale wurde dabei, der infantilen Erwartung entsprechend, als ein maennliches vorgestellt.(S.54) 2.Fixierungen von vorlaeufigen Sexualzielen →Die Sexualitaet der meisten Maenner zeigt eine Beimengung von Aggression, von Neigung zur Uebewaeltigung, deren biologische Bedeutung in der Notwendigkeit liegen duerfte, den Widerstand des Sexualobjektes noch anders als durch die Akte der Werbung zu ueberwinden.(S.57) →der Masochismus nichts anders ist als eine Fortsetzung des Sadismus in Wendung gegen die eigene Person.(S.57) →Ein Sadist ist immer auch gleichzeitig ein Masochist.....Dagegen waere man versucht, solche gleichzeitig vorhandene Gegensaetze mit dem in der Bisexualitaet vereinten Gegensatz von maennlich und weiblich in Beziehung zu setzen, fuer welchen in der Psychoanalyse haeufig der von aktiv und passiv einzusetzen ist.(S.59) ☉Allgemeines ueber alle Perversionen →sondern wenn sie das Normale unter allen Umstaenden verdraengt und ersetzt hat;- in der Ausschliesslichkeit und in der Fixierung also der Perversion sehen wir zu allermeist die Berechtigung, sie als ein krankhaftes Symptom zu beurteilen.(S.61) →Bei dem Studium der Perversionen hat sich uns die Einsicht ergeben, dass der Sexualtrieb gegen gewisse seelische Maechte als Widerstaende anzukaempfen hat, unter denen Scham und Ekel am deutlichsten hervorgetreten sind.....Wir haben ferner die Bemerkung gemacht, dass einige der untersuchten Perversionen nur durch das Zusammentreten von mehreren Motiven verstaendlich werde. (S.61) ☉Der Sexualtrieb bei den Neurotikern →Der hysterische Charakter laesst ein Stueck Sexualverdraengung erkennen, welches ueber das normale Mass hinausgeht, eine Steigerung der Widerstaende gegen den Sexualtrieb, die uns als Scham, Ekel und Moral bekannt geworden sind, eine wie instinktive Flucht vor der intellektuellen Beschaeftigung mit dem Sexualproblem.(S.64) →Eine ganz hervorragende Rolle unter den Symptombildnern auftretenden Partialtriebe, die wir als Bringer neuer Sexualziele kennen gelernt haben, der Trieb der Schaulust und der Exhibition und der aktiv und passiv ausgebildete Trieb zur Grausamkeit.....die Verwandlung von Liebe in Hass, von zaertlichen in feindselige Regungen von sich...fuer Paranoia im ganzen charakteristisch ist.(S.66) →Ihre groessten Leistungen wird die Neurose jedesmal zustande bringen, wennn Konstitution und Erleben in demselben Sinnne zusammenwirken.(S.70) ☉Verweis auf den Infantilismus der Sexulitaet →Moebius: wir sind alle ein wenig hysterisch.(S.71) →die Anlage zu den Perversionen keine seltene Besonderheit, sondern ein Stueck der fuer normal geltenden Konstitution sein muesse.(S.71) →den Perversionen allerdings etwas Angeborenes zugrunde liegt, aber etwas, was allen Menschen angeboren ist, als Anlage in seiner Intensitaet schwanken mag und der Hervorhebung durch Lebenseinfluesse wartet.(S.71) ●Die Infantile Sexulitaet ☉Es kann sich also um gar keinen wirklichen Untergang der Kindheitseindruecke handeln, sondern um eine Amnesie aehnlich jener, die wir bei den Neurotikern fuer spaetere Erlebnisse beobachten, und deren Wesen in einer blossen Abhaltung vom Bewusstsein (Verdraengung) besteht.(S.76) ☉Ohne infantile Amnesie, kann man sagen, gaebe es keine hysterische Amnesie.(S.76) ☉Das Wonnesaugen ist mit voller Aufzehrung der Aufmerksamkeit verbunden, fuehrt entweder zum Einschlafen oder selbst zu einer motorischen Reaktion in einer Art von Orgasmus. Nicht selten kombiniert sich mit dem Wonnesaugen die reibende Beruehrung gewisser empfindlicher Koerperstellen, der Brust, der aeusseren Genitalien. Auf diesem Wege gelangen viele Kinder vom Ludeln zur Masturbation.(S.81) ☉Es ist anzunehmen, dass jene Kinder dazu gelangen, bei denen die erogene Bedeutung der Lippenzone konstitutionell verstaerkt ist. Bleibt diese erhalten, so werden diese Kinder als Erwachsene Kussfeinschmecker werden, zu perversen Kuessen neigen oder als Maenner ein kraeftiges Motiv zum Trinken und Rauchen mitbringen. Kommt aber die Verdraengung hinzu, so werden sie Ekel vor dem Essen empfinden und hysterisches Erbrechen produzieren. Kraft der Gemeinsamkeit der Lippenzone wird die Verdraengung auf den Nahrungstrieb uebergreifen. Viele meiner Patietinnen mit Essstoerungen, hysterischem Globus, Schnueren im Hals und Erbrechen waren im den Kinderjahren energische Ludlerinnen gewesen.(S.83) ☉Dieselbe entsteht in Anlehnung an eine der lebenswichtigen Koerperfunktionen, sie kennt noch kein Sexualobjekt, ist autoerotisch(Havelock Ellis), und ihr Sexualziel steht unter der Herrschaft einer erogenen Zone.(S.83) ☉Kinder, welche die erogene Reizbarkeit der Afterzone ausnuetzen, verraten sich dadurch, dass sie die Stuhlmassen zurueckhalten, bis dieselben durch ihre Anhaeufung heftige Muskelkontraktionen anregen und beim Durchgang durch den After einen starken Reiz auf die Schleimhaut ausueben koennen.(S.87) ☉Die meisten sogenannten Blasenleiden dieser Zeit sind sexuelle Stoerungen; die Enuresis nocturna entspricht, wo sie nicht einen epileptischen Anfall darstellt, einer Pollution.(S.90) ☉Als eine erogene Wurzel des passiven Triebes zur Grausamkeit(des Masochismus) ist die schmerzhafte Reizung der Gesaesshaut allen Erzeihern seit dem Selbstbekenntnis Jean Jacques Rousseaus bekannt.(S.94) ☉Wiss- oder Forschertrieb....entspricht einerseits einer sublimierten Weise der Bemaechtigung, anderseits arbeitet er mit der Energie der Schaulust.(S.95) ☉Es ist dem maennlichen Kinde selbstverstaendlich, ein Genitale wie das seinige bei allen Personen....Diese Ueberzeugung wird vom Knaben energisch festgehalten....erst nach schweren inneren Kaempfen (Kastrationskomplex) aufgegeben.Die Ersatzbildungen dieses verloren gegangenen Penis des Weibes spielen in der Gestaltung mannigfacher Perversionen eine grosse Rolle.(S.96) ☉Eine erste solche praegenitale Sexualorganisation ist die orale oder, wenn wir wollen, kanniblische.....das Sexualziel besteht in der Einveleibung des Objektes, dem Vorbild dessen, was spaeterhin als Identifizierung eine so bedeutsame psychische Rolle spielen wird....Eine zweite praegenitale Phase ist die der sadistisch-analen Organisation....sie kann aber noch nicht maennlich und weiblich, sondern muss aktiv und passiv benannt werden.(S.99) ☉Ferner muessen wir hier die Erzeugung sexuller Erregung durch rhythmische machanische Erschuetterungen des Koerpers anreihen....Der Zwang zu solcher Verknuepfung des Eisenbahnfahrens mit der Sexualitaet geht offenbar von dem Lustcharakter der Bewegungsempfindungen aus.(S.103)...In der Befoerderung der sexuellen Erregung durch Muskeltaetigkeit waere eine der Wurzeln des sadischen Triebes zu erkennen.(S.104)...Die sexuell erregende Wirkung mancher an sich unlustigen Affekte, des Aengstigens, Schauderns, Grausens erhaelt sich bei einer grossen Anzahl Menschen auch durchs reife Leben(S.104) ●Die Umgestaltungen der Pubertaet ☉Nun wird ein neues Sexualziel gegeben, zu dessen Erreichung allle Partialtriebe zusammenwirken, waehrend die erogenenen Zonen sich dem Primat der Genitalzone unterordnen.(S.108) ☉Das Fehlschlagen der Funktion des Sexualmechanismus durch die Schuld der Vorlust(嬰兒時期性慾) wird am ehesten vermieden , wenn das Primat der Genitalzonen gleichfalls bereits im infantilen Leben vorgezeichnet ist.(S.113) ☉Die Libidotheorie:(S.118) →die Sexualvorgaenge von den Ernaehrungsvorgaengen unterscheiden →diese Sexualerregung nicht von den sogenannten Geschlechtsteilen allein, sondern von allen Koerperorganen geliefert wird. →Wir bilden uns also die Vorstellung eines Libidoquantums, dessen psychische Vertretung wir die "Ichlibido" heissen.("Narzisstische Libido") →Besetzung von Sexualobjekten: "Objektlibido" →sei regelmaessig und gesetzmaessig maennlicher Natur(S.120) ☉Differenzierung von Mann und Weib:(S.120) →Diese Anaesthesie kann eine dauernde werden, wenn die Klitoriszone ihre Erregbarkeit abzugeben sich weigert, was gerade durch ausgiebige Betaetigung im Kinderleben vorbereitet wird.(S.122) →Ist die Uebertragung der erogenen Reizbarkeit von der Klitoris auf den Scheideneingang gelungen, so hat damit Weib seine fuer die spaetere Sexualbetaetigung leitende Zone gewechselt, waehrend der Mann die seinige von der Kindheit an beibehalten hat.(S.123) ☉Die Objektfindung:(S.123) →Der Geschlechtstrieb wird dann in der Regel autoerotisch urspruengliche Verhaeltnis wieder her. Nicht ohne guten Grund ist das Saugen des Kindes an der Brust der Mutter vorbildlich fuer jede Liebesbeziehung geworden. Die Objektfindung ist eigentlich ein Wiederfindung.(S.123) ●Zusammenfassung ☉Bei einigen Charakterzuegen ist selbst ein Zusammenhang mit bestimmten erogenen Komponenten erkannt worden. So leiten sich Trotz, sparsamkeit und Ordentlichkeit aus der Verwendung der Analerotik ab. Der Ehrgeiz wird durch eine starke urethralerotische Anlage bestimmt.(S.141) ☉Es ist nicht leicht, die Wirksamkeit der konstitutionellen und der akzidentellen Faktoren in ihrem Verhaeltnis zueinander abzuschaetzen. In der Theorie neigt man immer zur Ueberschaetzung der ersteren; die therapeutische Praxis hebt die Bedeutsamkeit der letzteren hervor. Man sollte auf keinen Fall vergessen, dass zwischen den beiden ein Verhaeltnis von Kooperation und nicht von Ausschliessung besteht.(S.141) ☉dass wir von den biologischen Vorgaengen, in denen das Wesen der Sexualitaet besteht, lange nicht genug wissen...(S.145) 2003.1.25 立人祕密書齋 |