Der junge Friedrich Schiller

Lebens- und Werkstationen von 1759 bis 1785

Einleitung

 

Johann Christoph Friedrich Schiller, am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren, führte bis zum Jahr 1805 ein Leben voller Gefühle,  Widersprüche, Wagemut, Fehlschläge, Bewunderungen, Liebe und auch Erfolge.  Er war ein motivierter Mensch, der die Fähigkeit besaß,  bei seinen Mitgenossen im Mittelpunkt zu stehen.  Er war in seiner Kindheit der einzige Sohn der Familie und genoss die ganze Aufmerksamkeit der Eltern.  In der Schule stand er unter herzoglicher Aufsicht und Belehrung tüchtiger Professoren.  Aufgrund seines Genius in der Literatur erregte Schiller das Ansehen unter seinen Mitschülern und nahm die speziellen Förderungen durch seine literarische Meisterschaft an.  Im selbständigen Leben, trotz mancher Fehlschläge, setzte er sich mit Hilfen von seinen Mitmenschen durch, und verwirklichte seine Träume.  Mit Widerstand und Wagemut griff er nach den Sternen und biss sich ohne Reue durch alle Schwierigkeiten: Von Krankheiten befallen, kurierte er sich aus und kam wieder auf die Beine.  Von den Menschen verwiesen, verlor er nicht den Mut, sein Vertrauen zu sich selber und zu anderen.  Er kämpfte, fand Auswege, bat um Hilfe und tat alles Mögliche, nur um seinem Herzen zu gehorchen.  Mit Entschlossenheit verfolgte Friedrich Schiller seine eigene Bahne, ohne zurückzublicken und ohne seine Schritte zu bereuen.  In der finanziellen Notlage geraten, hielt er an seinem Dichterberuf fest und fügte sich zeitweilig in die Bedrängnis, bis ihm eine Chance und die helfende Hand wieder in ihrem Fortkommen unterstützte.  Trotz Erfolge und Ehre vergaß Schiller nicht seine Familie und Freunde und teilte sein Glück mit ihnen.  Unter allereien Voraussetzungen  wendeten sich seine Freunde  niemals von ihm ab und boten ihm stets ihre Hilfe in schlechten Zeiten an.  Mit seinen Charakterzügen bestempelte sich Schiller Hochachtungen von Fremden und gewann dadurch noch mehr Freunde.  Friedrich Schiller, Mediziner, Dichter, Dramatiker, und Philosoph, lebte das Leben, fühlte es, beobachtete es, analysierte es, kritisierte es und vor allem bracht es zu Papier, um es mit seinen Zeitgenössen zu teilen, und um das menschlichen Dasein zu erläutern.    

Um diese Persönlichkeit dreht sich die Diplomarbeit namens Der junge Friedrich Schiller, Lebens- und Werkstationen von 1759 bis 1785.  Hierin wird das Leben Friedrich Schillers von 1759 bis 1785, bzw. die Frühlingsphase seines Lebens, vorgestellt.  Die Kindheit,  Jugend, sein Studium, die Karriere, sein Aufstieg in den Weimarer Schriftstellerkreis, und sein Umgang mit den Werken, den Literaten, und mit der Schaubühne wird sich im Folgenden darstellen.  Sein Zeitalter und dessen Geschichte wird daneben wieder aufleben und nimmt seinen Teil in dieser Arbeit.  Die damaligen Zeitepochen von dem Mittelalter, dem dreißigjährigen Krieg, dem siebenjährigen Krieg, Wiederaufbau im Frieden, Florieren der Hofkultur, bis zum Aufstieg des Bürgertums werden auf dem Plan zusammen mit Schillers Biographie verwebt.  Die Landeskunde der Kurpfalz und  des Württembergs dient nebenbei als Hintergrund eines Schauspiels, in dem Schiller die Hauptrolle spielt, die Handlung führt, und die Wirkungen ausübt.  Wie die im Umriss gezeichneten Charakter seiner Dramen freut er sich, er klagt, strebt, kämpft, leidet, und setzt sich durch, aber niemals sieht man ihn weinen oder entmutigt.  Wegen seines Talents und Stärke überlässt der Leser sich gerne seinen Gedanken, nämlich seinen Werken in dieser Jugendphase.  Sowohl mit seinen Schauspielen wie Die Räuber, Die Verschwörung des Fiesko zu Genua, sowie Kabale und Liebe, als auch mit seinen Gedichten, philosophischen Schriften und theatralischen Aufsätzen gewährte Schiller dem Leser  viele Gefühlseindrücke und Gedanken.  Seine Ideen und Meinungen zeichnete sich damals revolutionär auf und bahnbrechend, welche uns Menschen in der modernen Zeit sehr überraschen und uns die Resonanz hervorrufen.  Selbst seine Auseinandersetzungen mit dem Nationaltheater Mannheim und Verlegern bedeuten uns nicht fremd, weil in vielen Arbeitsbereichen noch Wucherhandel besteht, aber nicht mehr im Verlagswesen.  In Deutschland ist jedes Buch zum gleichen Preis in Buchhandlungen zu verhandeln und jedes Buch darf nur von einem Verlag herausgegeben werden.  Der Verleger nimmt mithin einerseits keine Rücksicht auf Druckräuberei, und der Autor leidet andererseits nicht mehr unter einem geringen Honorar, was damals aus dem verlegerischen Sorgen über den Nachdruck-Piraterie erfolgte.  Friedrich Schiller, seine Freude an der Schriftstellerei und der künstlerischen Schöpfung teilen unter uns zu, aber seine Leiden und Qualen werden wir nie wieder ausleben müssen.                             

Warum Friedrich Schiller, einer der damals bekannten Literaten, nie von den Nachwuchsen vergessen wird, gilt als einen überzeugenden Beweis unserer Studie.  Aufgrund von seinem außerordentlichen Leben, seinen ausgezeichneten Gedankengängen, seinen brillanten Werken und seinem wagemütigen, durchsetzungsfähigen, und dem Herzen treuen Charakter lebt Friedrich Schiller auf ewig in uns.           

 

1. Vaterland-Württemberg

 

1.1  Kindheit und Jugend

Der junge Friedrich Schiller (getauft Johann Christoph Friedrich Schiller) erblickte am 10. November 1759 in Marbach am Neckar, als zweites Kind des Soldaten-Ehepaars Dorothea Elisabeth und Johann Kasper Schiller, die Welt.    Als der Jünglingsvater sich zu dem Zeitpunkt als neu beförderter Leutnant in dem  herzoglich-württembergischen Feldzug gegen die preußische Armee in Hessen verdingte, wuchs der kleine Fritz - unter der alleinigen Fürsorge der Mutter - bis zum dritten Lebensjahr gesund  und kräftig auf. Er entging derzeit dem traurigen Schicksal vieler anderer Neugeborener, die wegen schlechter Sanitäts- und Ernährungsbedingungen der Umwelt oft schnell, nach ihrem ersten Blick in die Welt, starben.  Auf Schillers Marbacher Taufregister standen der Militärvorgesetzte des Vaters, Infanterie Kommandeur,  Christoph Friedrich von der Gabelenz; dessen studierter Cousin, Johann Friedrich Schiller; der Marbacher Bürgermeister, F. P. Harttmann; der Bürgermeister von Vaihingen (einer der Besetzungsorte des württembergischen  Regiments) Hübler, und einige weibliche Bekannten  als Kirchenväter, und bezeugten die begnadete   Geburt des Kindes, das später, neben Wolfgang von Goethe, der bekannteste Dichter, Dramatiker und Philosoph der Zeit von Sturm- und Drang und Weimarer Klassik wurde.[1]

Als Johann Christoph Friedrich Schiller (Abk. Friedrich Schiller) drei Jahre alt war,  kehrte Kasper Schiller mit dem Württembergischen Herzog Carl Eugen, seiner Untertanenarmee, und besiegtem Heer zurück, der nach der Schlacht gegen seinen eigenen Bruder, Prinz Friedrich Eugen von Württemberg, in Magdeburg sein Interesse am siebenjährigen Krieg verlor und einen endgültigen Rückzug aus der Österreich-Frankreich-Rußland-Koalition gegen Preußen vornahm.  Obwohl der Krieg für Württemberg endgültig beendet war, hielten sich die Truppen unaufgelöst am Diäthaushaltsplan, wobei Kasper Schiller als Werbeoffizier in den Rang des Hauptmanns in der Freien Reichsstadt Schwäbisch-Gmünd, an der württembergischen Grenze, befördert wurde und mit geringem Sold seine Familie ernährte.  Da war die Familie aus Marbach in das naheliegende Dorf Lorch umgezogen.  Am Lande wuchs Friedrich Schiller in idyllischer Umgebung und in freier Natur, inmitten von Bergen und Wäldern, an der Landesstrasse zwischen Stuttgart und Nürnberg auf.  Im Jahr 1765 begann Schiller mit dem Besuch der Dorfschule und wurde vom Lorcher Pfarrer Philipp Ulrich Moser, der von der pietistischen Lebensart der Sparsamkeit, Ordnungsliebe, Rechtschaffenheit und aufrichtigen Verehrung  Gottes tief geprägt war, in ersten Kenntnissen über die lateinische und griechische Sprache und den pietistischen Glauben unterrichtete.  Pfarrer Moser, mit seinen Thesen, seinem religiösen Eifer und seiner Beredsamkeit, stellte sich mit seinem Gotteswissen vor den kleinen Schiller und prägte ihn nachhaltig.  Der war eine beeindruckende Figur seiner Gedankenwelt und eine Anregung für den kleinen Fritz, selbst Pfarrer zu werden.

Der Lorcher Pfarrer galt nach den jährlichen Visitationsberichten des Oberkirchenrats als >orthodox in der Lehre<.  Er >prediget und catechisiret gründlich, methodisch, und mit einer solchen Krafft, die sich in dem Herzen seiner Zuhörer anleget.  Ist in seinem Amt gewissenhaft, wachsam und eifferig...<[2]

Letztem Jahres  1766, drei Jahre nach der Beendigung des siebenjährigen Kriegs, war die für Herzog Carl Eugen vorgesehene Kriegskasse und finaziellen Maßnahmen, die der Landtag 1759 verteilt hatte, endlich leer gegangen.  Die Landschaft, so nannte man die württembergischen Landstände, bestand aus vierzehn geistlichen Vertretern und achtundsechzig adeligen Repräsentanten der ‘Stände und Ämter’, die sich mit herzoglichen Verwaltungsbezirken in Deutschland deckten.  Nach der Landesgeschichte, um der fürstlichen Machtbefugnis und Misswirtschaft zuvorzukommen, wurden den Landständen seit dem 16. Jahrhundert das Steuer- und Kriegsbewilligungsrecht gegenüber Landesfürsten und das Recht auf Verfassungsbildung gegenüber Bürgern zugestanden.

Der Tübinger Vertrag vom 8. Juli 1514 hatte den Vertretern der Landstände das Steuer- und Kriegsbewilligungsrecht sowie jedem Bürger des Landes das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren in Strafsachen garantiert.  Die Landschaft hatte darüber hinaus auf die Einhaltung >der Religionsversalien< zu achten, die besagten, daß der katholische Kultus in Württemberg allein auf die Familie und die Privatsphäre des katholischen Herzogs beschränkt zu bleiben hatte.  Die Landschaft bildete so seit altersher eine Schranke gegen den Landesfürsten, grenzte seine Machtbefugnis ein, sollte fürstliche Mißwirtschaft auf weltlichem wie geistlichem Gebiet verhindern.  Sie vertrat die Gegenrechte der Untertanen und bildete somit die Landesverfassung.[3]

Einerseits sah der Landtag nicht vor, in Carl Eugens Geldtasche die Kriegskasse weiter zu bezahlen.  Andererseits konnte sich der herzogliche Lebensstil und die Verschwendungssucht nach dem Kriegsausstieg nicht verändern.  Er widerspruch den Erwartungen und Hoffnungen seines Staatvolkes.  Alle Gelder des Staats Würtemberg, einschließlich der Militärgelder, flossen in landesfürstliche Schlossbauten, in Reisen, Festlichkeiten, persönliche Kunstgegenstände und Juwelen.  Unter diesen Bedingungen wurde Kasper Schiller sich klar, dass künftig kein Mittel zur Besoldung der Armee zur Verfügung stehen würde, und dass er ohne seinen Sold aus der Kriegskasse nicht weiterhin bei der Armee bleiben konnte, besonders weil er derzeitig seine 5köpfige Familie versorgen musste.  Kasper Schiller stellte darum eine eindringliche Bitte an den Kurfürsten Carl Eugen, welcher im Jahre 1764 seine Residenz von Stuttgart auf das Ludwigsburger Schloss verlegt hatte, ihn in die Hauptgarnison Ludwigsburgs zurückzuberufen.  Sein Dispositionswunsch wurde 1766 erfüllt, und die Familie übersiedelte mit seinen in Raten angewiesenen Rückständen von 3 400 Gulden nach Ludwigsburg.

Ludwigsburg, die sich wegen der Versetzung der Residenz, neben der Hauptstadt Stuttgart und Tübingen, schnell zur drittgrößten Stadt des Landes entwickelte, war nicht nur ein Gegenbild zur Gemeinde Lorch, sondern auch eine Musterstadt des damaligen Zeitalters, die sich höchstens königlich empirisch aufwies.

Ludwigsburg (...) war die Stadt (...) das Musterbild eines ständischen Gesellschaftsideals, das mit der Vehemenz verwirklicht wurde, wie sie absolutistischen Herrschern eigen zu sein pflegt.  Der durch schnurgerade, breite Straßen klar gegliederte Stadtkörper war deutlich auf das Schloß als seinen Mittelpunkt bezogen, wie auch das bürgerliche Leben ganz und gar abhängig war vom höfischen.  Doch ging das Bemühen des Herzogs Carl Eugen durchaus dahin, dem Bürger vom festlichen Glanz des prunkenden Hofstaates, vor allem aber von den Fortschrittsideen der Zeit einen bemessenen Teil zukommen zu lassen.  Die öffentlichen Bauten und Anlagen der Stadt waren großzügig ausgeführt.  Sogar die Wohnweise trug eigenen Charakter:  Das Bürgerhaus hatte eine bogige Einfahrt, durch die man in den zum Anwesen gehörenden Garten gelangte, das bescheidene Abbild des Schloßparks, gedacht sowohl zur Erholung als auch zu nützlicher Anregung.[4]

In dieser Stadt besuchte Friedrich Schiller die Lateinschule, wo er die Lehre der Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch fortsetzte, um seinem Herzenswunsch entsprechend eine Vorbereitung auf die spätere Landprüfung zum Theologen zu machen.  Wie oben erwähnt, wurde Schiller viel vom Ortspfarrer Philipp Ulrich Moser in Lorch beeinflusst, und besaß eine starke Berufung für den geistlichen Stand.  Auch der Vater Kasper Schiller hatte nichts gegen seinen Wunsch einzuwenden, weil dieser Stand im Land Württemberg hoch geschätzt und mit etwa 260 Gulden jährlich, wie Gymnasiallehrer, bezahlt wurde.  Die Beschwörung fürs Gottesdienen schlug dem jungen Friedrich Schiller im Hals, und seine Brüsten platzten vor Himmelsfreude, sakralen Frölichkeit.   Der Vater Kasper ließ den Sohn seine Schulkenntnisse über Theologie viermal in Stuttgart prüfen, und jedesmal bestand dieser die Landexamen über das theologische Seminar und das Tübinger Stift auszeichnend.

Das Lebensziel Friedrich Schillers wurde jedoch vom Herzog Carl Eugen verhemmt. Der Herzog zog sich, weil er keinen Erfolg ausbrachte, früher aus dem Krieg zurück zog, und dann, als ihm der Machtkampf um die Steuerbefugnis mit dem Landtag misslang, musste dieser schließlich - gemäß dem Entscheid des Wiener Reichshofgerichts - einen Erbvergleich mit den Landständen machen.  Carl Eugen wollte sich vor der Öffentlichkeit beweisen. Der grosse Herzog wollte sich von jenen politischen Fehlschlägen abwenden und sich weiterem voller Eifer in das Schulwesen stürzen.  Dieser Herzog, der in den Augen der Spießbürger noch immer ein mächtiger Landesvater blieb, stellte für seinen jungen Untertanen Friedrich Schiller ein anderes  Zukunftsideal auf.  Der vierzehnjährige Schiller sollte 1773 wegen seiner guten Ergebnisse des theologischen Landexamens in die Militär-Pflanzschule, die 1770 von Carl Eugen hinter seiner Sommerresidenz ‘Solitude’ bei Stuttgart gegründet wurde und die künstlerische, praktische, militärische, aber keine religiöse Ausbildung anbot, eingeschult werden.  Nach der dritten herzoglichen Einberufung, traute sich Kasper Schiller nicht mehr, der ursprünglich seinen Sohn im geistlichen Beruf unterstützte, Widerstand gegen den Befehl Carl Eugens zu leisten.  Friedrich Schiller wurde im Januar 1773 in Anwesenheit des Kufürsten in die kostenfreie Militäranstalt beordert, und er setzte seinen Fuß in eine Lebensphase, in der die Ich-Erfüllung zum Dienen des Gottes, durch den Willen des weltlichen Gottesvertreters, aufgeopfert wurde.  Die Ausrichtung seines Priestberufs sah einem Wandel entgegen, der unvermeidlich effektvolle Schlussfolgerungen in dem Beistand der Frau Fortuna zog.      

 

1.2  Die Jahre an der Militär-Akademie auf der Solitude

1.2.1  Herzog Carl Eugen und seine Solitude

Einige Jahre vor dem Ausbruch des siebenjährigen Kriegs 1756, hatte sich Carl Eugen von seiner Ehefrau, Elisabeth Friederike von Bayreuth, mit der er acht Jahre lang zusammenlebte, getrennt (Katholiken dürfen sich nicht scheiden lassen).  Sie war in der Stammtafel die Nichte des preußischen Königs Friedrich der Zweite.  Einerseits, weil die Ehebindung zwischen dem Kurfürstenehepaar nach Carls ständiger Untreue eigentlich nicht glücklich war, und andererseits, weil er 1752 zur Beseitigung der wegen seines großen Geldbedarfs und verschwenderischen Lebensstils entstandenen Finanzschwierigkeiten, einen Subsidienvertrag mit Frankreich abgeschlossen hatte. Laut dieser Konvention mussten die württembergischen Truppen dem Kriegsdienst fürs französische Militär ausgeliefert werden mussten.  Carl Eugen wendete sich, von der durch eine dreijährige Hoferziehung am Hofe Friedrichs des Großen sowie die Eheschließung mit seiner Nichte zustande kommenden Verbindung mit Preußen, von Preußen ab.  Er distanzierte von dem 1716 geschlossenen Vertrag[5]

über gegenseitige Unterstützung, weil dies nach der einst reibungslosen Thronbesteigung Carl Eugens und der Zurückgewinnung der Regionen Mömpelgard im Jahr 1748 durch Preußen,  keine Vorteile mehr für Württemberg bot.  Er trat ohne Reue im Kriegsfeld auf der Koalitionsseite Frankreich an.

Der Krieg war später, sowohl für Carl Eugen persönlich, als auch fürs Land Württemberg, kein rühmenswertes Ereignis.  Wegen dem Bodenstreit um Sachsen, zwischen Preußen auf einer Seite und Österreich, Frankreich sowie Rußland auf der anderen Seite, wurde das Herzogtum Württemberg in den Krieg eingezogen, und die württembergischen Bürger bis zum sechzigsten  Lebensjahr (das Alter entspricht wohl heutzutage ca. 75-80 Jahren) wurden unter Gewaltdrohungen gezwungen, unter die Fahne zu rekrutieren, und wurden widerwillig in den Feldzug geschickt.  Carl Eugen lebte seit seiner Geburt in üppiger Lebensform und war vom Kragen zum Felsen eigentlich nicht geeignet, an der Front als Feldherr die Truppen zu führen und sich vor allem an den kargen Militäraushalt im Lager zu gewöhnen.  Nach mehrmals vorgekommenen Aufruhr und Fahnenfluchten im ersten württembergischen Kriegszug, hinterließ er sein Heer 1757 im Schlachtfeld der damaligen Stadt Schweidnitz in Schlesien, und kehrte einsam und mittellos nach Stuttgart zurück.  Das kommandolose Heer zog dann unter österreichischer Führung und mit peinlichem Mangel an ausreichender Munition in die Schlacht und erlitt eine blutige Niederlage, die schließlich zur Auflösung der württembergischen Truppen (134 Kriegstote, 160 Verwundete, 124 Gefangene, 1 832 Deserteure und 600 Todkranke im Hauptquartier in Böhmen) führte, und kaum 2 000 Mann, ‘zerlumpt, verlaust, ohne Mäntel, verhungert und krank’, traten den Rückmarsch in die Heimat an.[6]                            

Danach, bis zum Jahr 1760, als Carl Eugen seinem Prinzenbruder Friedrich Eugen in einer Auseinandersetzung mit der preußischen Armee entgegentrat und deshalb entschied, von dem Krieg endgültig abzuziehen, ereigneten sich noch viele von Carl Eugen geführte, militärisch ungeeignete Feldzüge, für deren Subsidiencorps er verfassungswidrig und gegen den Willen der Bürger, die Soldaten einzog.  Weiterer  Unfug, den der ungeschickte Heerführer hinterherlähmend stiftete, war, dass er Sängerinnen und Schauspielerinnen zur Unterhaltung in das Kriegslager arrangierte und zugleich grausame Menschenjagd auf  Deserteure in Aktion setzte.

Außerhalb der Kriegsfelder betrieb Carl Eugen im Inland Politik um das Machtringen mit der Landschaft und um die militärische Kasse zur Weiterunterstützung der Frankreich-Rußland-Österreich-Koalition. Der König-Volk-Machtkampf dauerte fortwährend an, um die Autorität über Steuer und Steuergesetzgebungen, um die privaten Finanzgelder zur Hofhaltung, und vor allem um die totale Unterwerfung der Landstände vor seinem von Gott gesetzten heiligen Herzogtum, bzw. um eine eventuelle Entkräftung der württembergischen Verfassung.  So lag sein Hauptaugenmerk zwischen 1760 und 1765 auf der Ausschaltung des steuerbewilligenden Landtags, da trotz illegaler Geldbeschaffungsmaßnahmen, beispielsweise der Zwangsanleihe beim Kirchengut und des Ämterverkaufs an die Reichen, die fürstliche Verschwendung auch nicht zurechtgestutzt werden konnte.  Carl Eugen forderte somit direkt nach Steuererhöhungen und einem neuen Steuersystem mit Hilfe der militärischen Drohungen an einzelnen Personen und Institutionen.  Nach Gefangennahme vom Landschaftskonsulenten Johann Jakob Moser und dem Oberamtmann (heute Oberbürgermeister) von Tübingen, Johann Ludwig Huber, die 1764 Carl Eugens Rückgriff auf die alleinige Steuerbemächtigung widersprachen, schlug eine Zeitlang seine absolutistische Herrschaft und Selbstregierung in Württemberg die Wurzeln in gutem Nährbooden an.    

Zu diesem Zeitpunkt, als gemäß dem neuen Steuersystem die gesamten Steuern durch zwanghafte Steuereintreibung von den Oberämtern im ganzen Land direkt an die vom Herzog frei verfügbare Kriegs- und Finanzkasse abgeführt wurden, und die Steuersätze ohne Bewilligung des Landtags erhöht, sogar überhöht wurden, begann Carl Eugen, das Schloss ‘Solitude’ aufzubauen. 

 Der Sitz von Solitude befindet sich  zwischen Stuttgart und Ludwigsburg, wo das Ludwigsburger Schloss, die alte Regierungsresidenz des Herzogs Eberhard Ludwig, Vorgänger vom Vater Carl Eugens, Carl Alexander, lag.  Herzog Eberhard Ludwig begann 1697 in einer Waldlichtung mit dem Bau eines Jagdhauses und zwei Scheuern.  Danach wurde es zum Jagdlusthaus, zur Burg (1705 mit Ludwigsburg benannt), und dann zur Regierungsresidenz (1718 von Stuttgart verlegt) erweitert, „Der Weg der Realisierung dieses Bauvorhabens [Eberhard Ludwigs] ging von Absteigen und Quartieren zur Jagd über eine burgähnliche Anlage zum fürstlichen Hof und schließlich zum Residenzschloß in aufeinanderfolgenden Schritten.“[7]   

Unter Carl Alexander wurde die Residenz wieder zurück nach Stuttgart verlegt.  Als Carl Eugen 1744  die Thronfolge  antrat,  entsprach das mittelalterliche Alte Schloss in Stuttgart nicht seinen Ansprüchen auf Präsentation der fürstlichen Pracht und  Behausung für unzählige Gefolgen und Untertanen.  Das Ludwigsburger Schloss  sowie das ihm gegenüberstehende Jagdhaus ‘Favorite’ von Ludwig Eberhard wurde also nach herzoglichen Wünschen um- und ausgebaut.  Dazu zählten der Aufbau zahlreicher Großgartenanlagen, der Umbau und die Renovierung der alten Innenstrukturen, der Einbau luxuriöser Theaterkapellen und Musikgemächer, sowie die Errichtung eines neuen Insel-Lustschlosses: Monrepos.  Nach der Fertigstellung des Monrepos wurde Carl Eugens Planung entsprechend eine noch größere Arbeit begonnen.  Ein weiterer Schlossbau in der Hand des verschwenderischen Herzogs: Solitude.  Im Jahre 1763 wurde der Grundstein zum Schloss Solitude gelegt.  Dieser Palast wuchs in den vier Jahren, nach dem Entwurf vom Pariser Hofarchitekten La Guêpière und unter Leitung von Hofmaler Nicolas Guibal und Baumeister Weyling, aus dem Boden.  Einerseits trug das Militär unbesoldet die Bauarbeiten an  zahlreichen Gärten,  großen Sälen wie Speisesaal, Spielsaal, Marmorsaal, Billardsaal, und mehreren Musikzimmern, Theaterkapellen, Wohnräumen, sowie einem Stall, der 378 Pferde und marmorne Krippen umfasste.  Andererseits gingen die hohen Baukosten den württembergischen Bürgern zu Lasten, die dazu verpflichtet waren, sowohl die unbezahlten militärischen Bauarbeiter und Handwerker zu versorgen, als auch zweifach höhere Steuern zu zahlen, um die zunehmenden Schlossbaukosten und Hofhaltungsbeiträge zu decken.  Wer sich gegen die militärische Eintreibung der überhöhten Steuern im ganzen Land verweigerte, wurde verhaftet oder mit schweren Geldstrafen belegt.  Am schlimmsten waren die schlechten Ernten, die in diesen Jahren dazukamen.  Das Land schien am Ende zu sein, ein offener Aufstand drohte.     

Im Juli 1764 wurden die fürstlich verursachten Missstände im Lande und die ansteigende Staatsverschuldung nicht mehr geduldet.  Der Landtag entschied sich, eine Klage gegen seinen Herzog zu erheben.  Sie ging an das höchste Gericht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein, und Carl Eugen wurde wegen der Gefangennahme des Landtagskonsulenten Johann Jokob Moser, Auflösung des Landtags und zwangsweisen Eintreibung der neuen Vermögens- und Militärsteuer bei den Bürgern, beschuldigt.  Sofort als Carl Eugen von dieser Anklage erfuhr, verlegte er seine Hofhaltung nach Ludwigsburg und verweigerte, als Vergeltung, alle Verbindlichkeiten an Stuttgart und ausländische Botschaften.

Nach Schiedssprüchen des Wiener Reichshofgerichts, lenkte Carl Eugen gezwungenermaßen ein und gab den Forderungen der Landschaft, dem sog. Erbvergleich, nach.  Er setzte sich dann von 1764 bis 1769 mit dem wieder einberufenen Landtag und dem Gerichtshof auseinander, um Abbau des Militärs, um rückständige Besoldung der Offiziere, Entlassung der zwangsverpflichteten Soldaten bei Schlossbauten, um Rückzahlung der von ihm erpreßten Landschafts- und Steuergelder, um Verzicht auf verfassungswidrigen Eingriff in das Kirchengut, in die Gemeindekassen, in Stiftungen und Privatbesitz seiner Beamten, um Schuldentilgung durch den gemeinschaftlichen Fonds der Landschaft, sowie um die Steuerbefugnis und neue Geldaufteilung auf die Militärkasse.

Der Wiener Prozess: Landschaft contra Herzog vor dem Reichsgerichtshof und die Wiedergewinnung derer Autorität, beeinflusste den üppigen Lebensstil Carl Eugens nicht.  Die Verschwendung ging weiter.  Festlichkeiten, Theater, Konzerte, Wildjagd,  Reisen ins Ausland, ließ er sich wegen einer Reihe politischer Misserfolge nicht nehmen.  Im Jahre 1770 schien ihm anstatt der Bereiche Politik, Militär, und Diplomatie anderes sinnvoll zu sein.  Etwas, was er nach Beendigung der Rolle als Feldherr, der Einschränkung seiner Regierungsgewalt und der Reduzierung Herzogskasse noch beschäftigen konnte,  die Militär-Pflanzschule.          

Im Jahr 1770, ließ Carl Eugen die sich hinter der Solitude befindlichen Militärkasernen zu einem u-förmigen Flügelgebäude umbauen.  Die in verschiedenen Fächern talentierten Kinder seines Militärs wurden ausgewählt und dorthin verbracht.  Die fünfzehn Erstzöglinge der Militärischen Pflanzschule wurden zuerst über Zeichnen, Musik, und Malen unterrichtet.  Nach und nach wurden mehr Schüler aufgenommen, mehr Lehrer angestellt, und vor allem, mehr Fächer angeboten.  Bis 1772 gab es in der Schule Fachrichtungen wie Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Forstwirtschaft, Rechtswissenschaft, Arzneikunde, Malerei, Bildhauerei, Kupferstechen, Baukunst, Musik und Schauspielkunst, die zum Zweck der Ausbildung zukünftiger Kunstspezialisten, bürgerlichen Verwaltungspersonals und adeliger Hof-, Staats- und Kriegsbediensteten, vorgesehen waren.[8]  Mit Leidenschaft engagierte Carl Eugen sich völlig in der Erziehungsanstalt und regierte sie als Miniatur des württembergischen Landes oder eines Kriegsheers, das unter strenger militärischer Ordnung und dem Leistungsprinzip stand.

 

Abb.1-2

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Er teilte seine Zöglinge in drei Gruppen, nach ihrer Herkunft, ‘Adelige’, ‘Kavaliers- und Offizierssöhne’ sowie ‘bürgerliche Elevengruppe’ ein.  Sie wurden an Uniformen unterschieden, am Eßtisch und im Schlafsaal separat untergebracht, ansonsten wurden sie im Unterricht und in der Bestrafung gleichgestellt.  Carl Eugen nahm an den Mahlzeiten teil, erschien manchmal in der Klasse, hörte dem Unterricht zu  und stellte Fragen.  Er überprüfte die Zensur jedes Schülers und verteilte dem Besten in jeder Fachprüfung am Ende des Jahres einen Preis.  Carl Eugen kontrollierte das Verhalten der Schüler durch gegenseitiges Berichterstatten, wobei der fünfzehnjährige Friedrich Schiller nach den Wertmaßstäben des christlichen Glaubens ‘den Bericht an Herzog Carl Eugen über die Mitschüler und sich selbst’ lieferte.  In seinem kleinen frommen Herzen waren Ordnung, Aufrichtigkeit, Dienstrichtigkeit, Gehorsam, Gottesverehrung, Ehrfurcht, Fleiß, Redlichkeit, und Höflichkeit der Mitschüler zu belohnen und waren gegensätzlich Hochmut, Eigensinn und Eigenliebe zu bestrafen.  Zur Belobigung und Bestrafung hielt Carl Eugen Ansprache an seine ‘lieben Söhnen’.  Er pflegte Kontakt zu den Lehrkörpern und prüfte die Lehrpläne.  Über diese Arbeiten hinaus verwandelte sich Carl Eugen vom Staatsherr zu einem hauptberuflichen Pädagogen, der in der Schule nach  umgeformter Selbstverwirklichung eines Führers suchte. 

Genauso wie Carl Eugen in der Staatspolitik von den steuerpflichtigen Bürgern, dem Land dienenden Beamten und Konsulenten, die totale Unterwerfung und Hingabe vor seinem Fürstentum von Gottes Gnaden verlangt hatte, forderte er von seinen Schülern jetzt dieselbe Loyalität.  Nur anders war das Verlangte nun nicht mehr materiell, sondern die Freiheit und der Gehorsam eines Menschen.  Die Schüler hatten in der Schule keine freie Fächerwahl und mussten der Entscheidung Carl Eugens nachgeben.  Jahrelang machten sie kaum Urlaub und sahen die Familie wenig.  Jeden Tag mussten sie nach festgelegtem Zeitplan und unter Aufsicht der Offiziere aufstehen, essen, sich waschen, zum Unterricht  gehen, und schlafen.  Ihre Korrespondenz und alle Besuche wurden überwacht; private Literatur und unerlaubte Gegenstände wie Karten und Süßigkeiten wurden bei regelmäßigen Durchsuchungen der Betten und Schränke beschlagnahmt.  Lehrer und Prüfer wurden von Carl Eugen entschieden; Lehrstoffe und Zensuren standen unter seiner Mitwirkung.  Mit einem Wort: Nach politischem Ausscheiden widmete Carl Eugen sich vollkommen dem Tageslauf der Schule und verzichtete weitgehend auf seine bisherige Verschwendung für den fürstlichen Genuss.       

Durch den mühevollen Einsatz Carl Eugens, die Mitarbeit zahlreicher engagierter Lehrer und die Tüchtigkeit der Schüler, die, nachdem sie die Schule absolviert hatten, auch Anerkennung außerhalb fanden, gewann die Pflanzschule einen guten Ruf- nicht nur in Württemberg selbst, sondern auch im Ausland und anderen Herzogtümern, so dass immer mehr Knaben in die Schule geschickt wurden.  Im Jahr 1773 erhielt die Pflanzschule den Namen ‘Militär-Akademie’; im Jahr 1775 wurde sie wegen der großen schülerischen Kapazität, die ungefähr 350 Zöglinge, mehr als Studenten an der Universität Tübingen, betrug, nach Stuttgart verlegt, woraufhin Carl Eugen seinen Hof wieder nach Stuttgart verbrachte, ins Neue Schloss, welches das württembergische Land seinem Herrscher vor 30 Jahren aufbaute und seitdem nie von Carl Eugen bewohnt wurde.  Ende Dezember 1781 bekam die Schule von dem deutschen Kaiser Joseph II die Erhebung zur Universität ‘Hohe Carlsschule’.  “Der Kaiser kannte die württembergischen Verhältnisse bisher allein aus dem Rechtsstreit Landschaft contra Herzog; jetzt wurde ihm bewußt ein anderer Hof vorgeführt. Nichts mehr von Verschwendung, von ausländischen Bühnenkünstlern und Virtuosen mit hohen Gagen!  Selbst Konzert und Oper waren jetzt von der Militärakademie gleichsam ‘hausgemacht’“[9].  Der Ruf von dem württembergischen Herzog Carl Eugen, dass er als Tyrann mit ungehemmter Gier nach Luxus, Pracht und Geldmitteln, sein Land bis an den Rand des Ruins brachte, war durch seinen Eifer in der Erziehung künftiger adeliger Bediensteter für den Staat und die Schaffung der wertvollen Ausbildungschance für kleine Bürger aus einfachen Verhältnissen, in gewissem Sinn vom Land zu verzeihen.  Die Wohlfahrt der Untertanen nahm schließlich einen Platz im Herzen des Herzogs ein.

 

1.2.2  Studium

Wie erwähnt, wurde der vierzehnjährige Fritz gegen seinen Herzenswunsch, Geistlicher zu werden, zur Militär-Akademie gebracht.  Im ersten Schuljahr lernten alle Schüler allgemeine Wissenschaften wie Geschichte, Sprache, Mathematik, und Musik, wobei es keine Fakultätsangliederung gab.  Anscheinend gewöhnte sich Schiller nicht gleich an die Hausordnung der Akademie und bekam innerhalb eines Jahres insgesamt sechs Strafen wegen Unaufmerksamkeit, Unreinlichkeit und standeswidrigem Benehmen.  Im Jahre 1774 entschied sich Schiller zum Jurastudium.  Ab da erhielt er nicht mehr wegen seines hausordnungswidrigen Verhaltens Strafen, sondern er geriet seines mangelnden Lerninteresses und schlechten Gesundheitszustands halber in einen Tiefstand.  Es kam soweit, dass der Besuch Kasper Schillers im August 1774 zur physiognomischen Beobachtung seines Sohnes benötigt wurde.  Bis 1775 war Schillers Leistung im Studium so schlecht, dass er außer in Griechisch in allen Fächern an letzter Stelle seiner Abteilung rangierte.  Teils aufgrund seiner eigenen Entscheidung und teils aus der Ansicht  Carl  Eugens, dass er in der Konkurrenz mit zahlreichen anderen Jurastudenten mit seiner geringen Leistung Schwierigkeiten haben würde, nach dem Studium eine gute Anstellung zu bekommen, entschied sich Schiller umzusatteln.  Schiller wechselte nämlich vom Studium der  Rechtswissenschaft zur Medizin, die dem früheren Beruf seines Vaters als Wundarzt im Regiment nahelag und mit den Gottesgeschöpfen, Menschen und Natur, enger verbunden war, über deren Verhältnisse zueinander er vorher in der religiösen Lehre gerne nachgesonnen hatte.     

Nach einjährigem Grundstudium und zweijährigem juristischem Fachstudium, fand sich Friedrich Schiller 1776 in seinem neuen Fach Medizin ganz gut zurecht.  Unter  der Anweisung tüchtiger Professoren, die sowohl auf der Akademie Unterricht gaben, als auch fachliche Texte publizierten, zeigte sich bald der Leistungsaufschwung von Schiller.  Er lernte fleißig und machte ständig Fortschritte.  Als Erfolg seiner Mühe erhielt er schließlich im Jahre 1779 drei Medaillen für ‘practische Medicin’, ‘materia medica’ und Chirurgie.[10]

Im Umgang mit seinen Kameraden und Professoren sind viele Ereignisse in dieser Zeit zu erwähnen.  Zum ersten genoss Friedrich Schiller wegen seines Leistungsfortschrittes wachsendes Ansehen unter seinen Mitschülern.  Er besprach die medizinischen Schriften mit Mitstudierenden und veranstaltete Fachdisput.  Seine prosaischen Arbeiten und verfasste Lektüre las er in der Freizeit seinen auch musenliebenden Freunden wie Wilhelm von Hoven, mit dem Schiller zum Medizinstudium gewechselt hatte, dessen Bruder August, Wilhelm Peterson, Schlotterbeck, Kapf, Heideloff und Dannecker im Bopserwald vor.[11]  Zu wichtigen Begebenheiten in der Akademie, wie Carl Eugens Geburtstag, Jahrestagsfeier der Schule (14. Dez.), bearbeitete Schiller das Theaterspiel und brachte es gemeinsam mit Mitschülern auf die Bühne.  Aber durch die Autopsie des Malerzöglings Johann Christian Hiller im Unterricht wurde die Freundschaft beschädigt.  Dieser starb ohne Hinweis auf seine Todesursache, was die Autopsie nötig machte.  Nachdem Schiller auf herzoglichen Befehl am 10. Oktober 1778 einen Bericht über ‘Beobachtungen bei der Leichenöffnung des Eleven Hillers’ abgegeben hatte, den Schiller aus der Perspektive eines Mediziners, aber nicht aus der Ansicht eines Mitschülers des Toten, über den ganzen Verlauf der Autopsie mit wahren Worten verfasste, verspottete der Mitzögling Peter Konrad Masson im November in einer Posse die Bemühungen Friedrich Schillers, Dichter zu werden, und war der Meinung, dass ein Dichter solchen Bericht von gelblichem Blutwasser, Leichenabzehrung oder Hautöffnung nicht geschrieben hätte.  Unter anderen Mitschülern, die sich auch gegen Schiller erhoben, standen Georg Friedrich Boigeol und Georg Friedrich Scharffenstein, mit denen Schiller 1773 gemeinsam in die Militär-Pflanzschule eintreten war.  Bereits wegen dem Gedicht ‘Sangier und Selim’[12], das Schiller an Scharffenstein schrieb und seine (brüderliche) Liebe gegenüber ihm andeutete, bestand im Sommer 1777 ein Riss in ihrer Freundschaft, weil Scharffenstein und Boigeol auch beste Freunde, und der gemeinsamen Ansicht waren, dass Schillers Freundschaft nur vorgegebene Empfindung und Phantasie sei, die er als Idee zum Dichten bräuchte.  Ihre Anschauung: Wenn die gleichen Initialen der Familiennamen von Scharffenstein und Schiller in ein Gedicht übertragen werden könnten, könnten auch zwei dieselben Vornamen von Scharffenstein und Boigeol ‘Georg Friedrich’ ausgearbeitet werden.

Und nun war die enge Freundschaft mit Scharffenstein und Boigeol gebrochen.  Was noch schlimmer war, war der spätere Disput gegen die Thesen von Fachautorität Prof. Consbruch, den Schiller selbst initiierte und mit von Hoven, Plieninger, Elwert, Liesching und Weckherlin fortsetzte.  Dies führte nachher, mitgerechnet von dem frühen Ärgernis, zur Entlassung Scharffensteins, Boigeols und Weckherlins aus der Militärakademie.  Drei Jahre später, kurz nachdem Schiller sein verlängertes Studium beendete und aus der Akademie austrat, starb der Johann Christian Weckherlin.  Er behielt ein Stammbuch bei, in das er kurz vor der Entlassung aus der Akademie seine Mitschüler und Lehrer hatte eintragen lassen, unter denen Schiller den Satz, ‘Auf ewig bleibt mit dir vereint.  Der Arzt, der Dichter, und dein Freund (...) Schiller’ darin niederschrieb.  Ganz gegensätzlich zu den Worten war Schiller überhaupt nicht mit Weckherlin vereint.  Nach dem Disput musste Weckherlin entlassen werden, aber Schiller blieb.  Der erste starb früh, der zweite wurde jedoch einer der größten deutschen Dichter und Dramatiker der Welt.  Sogar auf seiner Elegie für Weckherlin im Jahre 1781, schrieb Schiller dessen Namen falsch ‘Weckerlin’.[13]           

Schillers Auseinandersetzungen mit Medizinprofessoren waren gemischt von   Ehrfurcht, Respekt, Nachstreben, und sogar ein wenig Missfallen.  Ob nun in  Johann Friedrich Consbruchs Pathologie, Semiotik und Therapie, oder in Christian Gottlieb Reuss‘ Chemie, Arzneikunde, und Anatomie, oder in Christian Konrad Kleins Anatomie und Chirurgie, studierte Schiller voller Bemühungen und Fleiß, wo Unfleiß stärker auffiel.[14]  Obwohl er noch, wie im Jurastudium, unter Erkrankungen litt, bemühte er sich, völlig anders als früher, sich für sein Fach einzusetzen.  Er nahm eifrig an wissenschaftlichen Disputationen teil, wobei jeweils in einem bestimmten Thema alles Mögliche über Medizin, Philosophie, Psychologie oder Literatur debattiert wurde.  Er ließ sich fleißig in die medizinische Forschung bei Professoren ein und lieferte Berichte.  Es konnte sein, dass er zu weit ging und nicht erkannt, dass die Menschlichkeit in medizinischen Behandlungen berücksichtigt werden musste.  Am 10. Oktober 1778 konnte Friedrich Schiller auf Befehl des Professors den Bericht über Anatomie der Leiche von Johann Christian Hiller abfassen.  Daraufhin erfolgte  die Empörung unter den Mitschülern gegen ihn und der schon erwähnte Bruch der langjährigen Freundschaft mit Scharffenstein und Boiegeiol.  Um sich zu erklären, initiierte Schiller eine Debatte über die Thesen der Fachautorität, Prof. Consbruch, wobei er als Opponent das Wort ergriff, und den Anlass gab, einen der mitmachenden Zöglinge, Weckherlin, sowie Scharffenstein und Boigeol, von der Akademie zu verweisen. 

Im folgenden Jahr (dem vorgesehenen letzten Studienjahr) erkrankte Schiller an Mumps und hatte, aufgrund der Nervosität und des Leistungsdrucks bei der Erstellung der Abschlussarbeit, Kopfweh, Übelkeit, und Verdauungsstörungen.  Im Oktober 1779 reichte Schiller seine Dissertation ‘Philosophie der Psychologie‘ ein.  Nach Begutachtung von Prof. Consbruch, Prof. Reuss, und Prof. Klein, wurde sie abgelehnt, und nach einem gemeinsamen Entschluss von Carl Eugen und allen Medizinlehrern Schillers, sollte Schiller noch ein Jahr auf der Militärakademie bleiben.       

1780, das zusätzliche Studienjahr, besuchte er auf der Akademie keinen medizinischen Unterricht mehr, sondern Sprach- und psychologische Kurse.  Die übrige Zeit verbrachte Schiller in der Krankenstube der Schule als Krankenwärter,  was eine merkwürdige Aufgabe deshalb war, weil vor allem Schiller selbst sehr oft krank und eigentlich derjenige war, der die Pflege eines Krankenwärters gebraucht hätte.  Auf alle Fälle war die Krankenwache nach Auslegung Carl Eugens und des Intendanten der Akademie Christian D. von Seeger eine Art der Ausbildung, die mit der dem Studium folgenden Praxis in der medizinischen Landesbehörde in gewissem Sinne ähnlich sei.

Einst zu Beginn der einjährigen Wachdienstzeit, erlitt Schiller im März 1780 eine Erkältung und eine Verrenkung am Knie.  Mit den geschwollenen Drüsen und dem verstauchten Knie überstand er mühsam die Aufsicht in der Krankenstube.  Zugleich begann er damit, die Geschichte ‘Die Räuber’ zu verfassen.

Ernstliche Beschäftigung mit den ?RäuberŒ, besonders während der Nachtwachen im Krankenzimmer oder selbst krank gemeldet, da nur im Krankensaal nachts Licht brennen darf und Schillers Phantasie in der Nachtstille besonders lebhaft ist.  Bei Visiten des Herzogs wird das Manuskript unter medizinischen Büchern versteckt.[15]

In demselben Jahr erlebte Schiller wieder einmal den Tod eines Mitschülers, wobei  nicht mehr ein Bekannter wie Hiller betroffen war, sondern einer seiner vertrauten Freunden, der jüngere der Gebrüder von Hoven, August.  Mit dessen Familie hielt er eine Nacht Totenwache und schrieb danach einen Trostbrief an den Hauptmann von Hoven, worin Schiller mit dem christlichen Glauben an Wiedergeburt eines Toten  sowie Wiedersehen einer durch den Tod getrennten Familie im Gotteshimmel, „(...) Aber es gibt ja eine Welt, wo die Getrennten sich wieder vereinen, dort werden Sie Ihren Sohn als einen verklärten Engel wiederum umarmen, dort werde ich Freudentränen weinen am Halse meines teuren, werten Freunds.“[16], und mit Ermahnung vom Dasein des anderen Sohnes Wilhelm, den traurigen Vater beruhigte.  Später in seinem Brief an die Schwester Christophine, am 19. Juli 1780, erklärte Schiller ihr das ganze Geschehen und deutete tief betrübt darauf hin, dass ihm selber der frühe Tod sehr erwünscht wäre.  Aber dies sollte nicht ernst genommen werden, vor allem weil Schiller es gut verstand, dass die Eltern auf ihn, ihren einzigen Sohn, viel rechneten und ihn sehr liebten.  Am Ende dieses Briefes bat Schiller die Schwester, ihm Schreibwaren vom Vater und dicke, selbstgestrickte  Strümpfe sowie ein Nachthemd von der Mutter schicken zu lassen, welche er vielleicht für die Dichtung in kalter Nacht brauchte.  Falls Schiller wie gesagt hätte sterben wollen, hätte er das kindliche Verlangen an seine Eltern nicht gestellt.

Aus der Absicht der Militärakademie, Schiller von der Trauer über den Verlust des besten Freunds abzulenken, ordnete ihm der Intendant und Obristwachtmeister, Christoph Dionysius von Seeger, an, einem anderen schwerkranken Zögling, Josef Friedrich Grammont, ständige Gesellschaft zu leisten, wobei Schiller sich dazu verpflichten, dessen Befinden alle 3-4 Tage zu berichten.  Der Patient hatte eine körperliche Krankheit (Symptom: Verdauungsprobleme, Kopfweh, Müdigkeit), die wahrscheinlich wegen seelischen Unwohlseins, bzw. Melancholie, bestand.  Nach einem Monat Pflege und Gesellschaft, waren der Patient und der Mediziner wie erhofft gemeinsam genesen.  Schiller kam auch deshalb auf die Idee, eine These über den Zusammenhang zwischen menschlichem Körper und Geist zu verfassen.  Darauf folgten zwei Dissertationen ‘Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen’ und ‘Über den Unterschied der entzündlichen und faulen Fieber’, die gleichzeitig entworfen wurde.  Nach Gutachten der Professoren war die erste zum Drucken genehmigt und galt als Abschlussarbeit.  Bei dieser handelte es sich um die Analyse über die Natur des Menschen in medizinischer und philosophischer Hinsicht; die Schrift wurde von zwei Kapiteln ‘Physischer Zusammenhang’ und ‘Philosophischer Zusammenhang’ angegliedert.  In dem ersten befand sich ein einziger Aufsatz ‘Tierische Natur befestigt die Tätigkeit des Geistes’.  In dem zweiten wurde es in insgesamt vier Überschriften ‘Tierische Triebe wecken und entwickeln die geistigen’, ‘Tierische Empfindungen begleiten die geistigen’, ‘Körperliche Phänomene verraten die Bewegung des Geistes’ und ‘Auch der Nachlaß der tierischen Natur ist eine Quelle von Vollkommenheit’ eingeteilt.  Welche sehr interessant war und die ausführlichste Erklärung über die Theorie der Psychophysik beinhaltete, war die zweite, unter der es mehrere kleinere Aufsätze gab.  Zwei von denen lauten wie folgt:

13.  Geistiges Vergnügen befördert das Wohl der Maschine [Körper]

Also eine Empfindung, die das ganze Seelenwesen einnimmt, erschüttert in ebendem Grade den ganzen Bau des organischen Körpers.  Herz, Adern, und Blut, Muskelfasern und Nerven, von jenen allmächtigen wichtigen, die dem Herzen den lebendigen Schwung der Bewegung geben, bis hinaus zu jenen unbedeutenden geringen, die die Härchen der Haut spannen, nehmen daran teil (...) Wahr ist, daß die Freude das Nervensystem in lebhaftere Wirksamkeit setzen kann als alle Herzstärkungen, die man aus Apotheken holen muß (...).[17]

 

14. Geistiger Schmerz untergräbt das Wohl der Maschine

Auf eben diese Weise erfolgt das Gegenteil beim unangenehmen Affekt, die Ideen, die sich beim Zornigen oder Erschrockenen so intensiv stark herausheben, könnte man (....) als Konvulsionen des Denkorgans betrachten.  Diese Konvulsionen pflanzen sich schnell durch den ganzen Umriß des Nervengebäudes fort, bringen die Kräfte des Lebens in jene Mißstimmung, die seinen Flor zernichtet, und alle Aktionen der Maschine aus dem Gleichgewicht bringt..  Das Herz schlägt ungleich und ungestüm; das Blut wird in die Lungen gepreßt, wenn in den Extremitäten kaum so viel übrig bleibt, den verlorenen Puls zu erhalten.  Alle Prozesse der thierischen Chemie durchkreuzen einander (...).  Mit einem Wort: der Zustand des größten Seelenschmerzes ist zugleich der Zustand der größten körperlichen Krankheiten.[18]  

Damit betonte Schiller, unter dem Eindruck von Grammonts psychophysischer Krankheit,  dass die Kenntnisse eines Arztes sich nicht auf den kranken Zustand des menschlichen Körpers beschränkten sollten, sondern sich zugleich auf die geistige Natur des Menschen erstrecken mussten, weil die Quelle einer Krankheit vielleicht nicht im Körper, sondern in der Seele des Menschen lag, deren Unordnung zur körperlichen Zerrüttung führte.  Darüber hinaus meinte Schiller, die Psychotherapie bei einem ‘herzkranken’ Patienten half besser als der Einsatz raffinierter Medikamente. 

Mitte Dezember 1780 ergab sich die Abschlussprüfung, die Schiller zwar bestand, aber für die er merkwürdigerweise keinen Preis erhielt.  Anschließend verließ er die Akademie und wurde als Regimentsmedicus des Grenadier-Regiments Augé in Stuttgart angestellt.  Mit der Besoldung von 216 Gulden für ein Jahr, viel weniger als von Carl Eugen versprochen,  bzw. als die eines Geistlichen, begann Schiller, trotz großer Enttäuschung, aber mit Wunschbildern im Kopf, seine Medizinerkarriere, zu führen.

Ich habe einmal in der Welt  keine andere Aussicht als in meinem Fache zu arbeiten; d. h., ich suche mein Glück und meine Beschäftigung in einem Amt, wo ich meine Physiologie und Philosophie durchstudieren und nützen kann, und wenn ich etwas draußen schreibe, so ist es in diesem Fache. Schriften aus dem Felde der Poesie, Tragödie usw. würden mir in meinem Plane, Profeßor in der Physiologie und Medicin zu werden hinderlich seyn (...).[19]    

 

1.2.3  Literarische Tätigkeiten

Wie erwähnt, wurde Schiller vom Lorcher Gemeindepfarrer Moser und seiner pietistischen Lehre beeinflusst, selbst Priester zu werden, als Schiller erst sieben Jahre alt war.  Durch den Eingriff des württembergischen Herzogs Carl Eugen in das Leben des kleinen Sohns dessen Hauptmanns, wurde Schiller zur herzoglichen Pflanzschule gebracht, um einen Beruf als Staatsdiener zu erlernen.  Gleichzeitig wurde ihm an diesem Ort die Tür zur Welt der Antikensprachen, Geschichte, Literatur,  bzw.  Dichtung eröffnet, mit denen er anfing, sich neben dem Studium heimlich zu beschäftigen, und die seinen Wunsch, ein Dichter zu werden, weckten.   

In dieser Zeit war das Land Württemberg sehr stark vom Pietismus geprägt.  Um Württemberg als protestantisches Land vor der Katholisierung zu schützen, wurde  Katholik Karl Alexander aus Brüssel 1712 vor dem Antritt seiner Herrschaft verlangt,  alle Einflüsse auf die Kirche aufzugeben.  Obendrein musste er in den ‘Religionsreversalien’ vom 17. Dezember 1733 die Versicherung abgeben, sämtliche Landesfreiheiten, insbesondere den evangelisch-lutherischen Glauben zu beschützen und keinerlei Änderungen im Religionstand Württembergs vorzunehmen.[20]  Diese Beziehung der Kirche mit dem Staat, anstelle mit dem Fürsten, ging nicht nur von dem teilweise durch die Verfassung gestützten Staatssystem aus, - „Württemberg war verfassungsrechtlich gesehen ein Ständestaat.  Die ‘Landschaft’ (...) verfügte über eine starke Position im Staate, die (...) seinen [Herzogs] Absolutismus auch verfassungsmäßig zu sichern; es gelang immer wieder, sei es durch die Intervention fremder Mächte, sei es durch einen kaiserlichen Schiedsspruch, den Herzog zu zwingen, sich der Verfassung zu fügen und ihre Privilegien anzuerkennen.“[21] -  sondern auch von der Theologie Johann Jakob Bengels, dass der große politische Gewalthaber der Feind Christi sei und befleckt, verworfen vor dem Urteil Gottes stehe, sowie von dem Gedanken des von Carl Eugen verhafteten Landschaftskonsulenten, Johann Jakob Moser, der eigentlich den Staat und die Gesellschaft als gesetzte Ordnung Gottes betrachtete und für einen wechselseitigen, verfassungsmäßigen Ausgleich der Rechte und Pflichten zwischen Obrigkeit und Untertan plädierte[22].  Solche führten die Kirche dazu, sich aufs engste an die Landschaft anzulehnen, wodurch einerseits ihre Pfründe abgesichert werden konnten, anderseits sich ohne fürstliche Anmaßung eine Menge Gelder langsam bei sich anhäuften.  Das war der Grund, warum später Carl Eugen sich aus dem Kirchengut seine Finanzmittel beschaffen konnte, und warum mehrere pietistische Theologen aus dem Stift ausgebildet werden konnten, die den lutherischen Protestantenglauben in der Schule weiter vermittelten und einen aufgeklärten, moral- und vernunftbetonten Gedanken durch ihre Lektüre auf den Leser übertrugen.  

Die zwei wichtigsten Lehrer aus geistlichem Stand auf der Akademie, die Friedrich Schiller auf den Weg zur Dichtung führten, waren Balthasar Haug und Jakob Friedrich Abel.  Im ersten Schuljahr 1773 keimte das Interesse bei Schiller am geschriebenen Wort, indem er außerhalb des Unterrichts die Bücher von derzeitigen Schriftstellern wie Klopstock, Wieland, Lessing und Haller las, deren Werke an neuen entstehenden literarischen Märkten (Treffpunkt der Schriftsteller, Verleger und Leser) besonders beliebt und gut verkauft waren.  Klopstocks christliches Epos ‘Messias’, Lessings Dramaturgie und Wielands Shakespeare-Übersetzungen wurden von dem 14jährigen Fritz so begeistert gelesen, wie der heutige Schüler und Student in der Freizeit Günter Grass, Martin Waser oder Heinrich Böll liest.  Weil Schiller sich schon seit seiner Lateinschulzeit in Ludwigsburg der Übersetzung der griechischen Gedichte widmete, wurde die Dichtungstechnik bei ihm vor dem Erwachen seines Interesses am Gedicht sicherlich eingeübt.  Teils durch sein aktives Lesen und Besprechen mit Freunden, und teils durch die zwei obengenannten Professoren,  lernte Schiller schnell die Aufklärungsliteratur sowie -philosophie kennen.  Bei Abel, der in der Medizinabteilung Logik, Physik, Metaphysik, Psychologie, Ästhetik, Geschichte der Menschheit und Moral lehrte, unterrichtete sich Schiller durch Lesen einer Reihe tragischer Dramen und Erzählungen wie Klopstocks ‘Messias’, Shakespeares ‘Othello’ und Schubarts ‘Verbrecher aus verlorener Ehre’ über die Aufwallung der menschlichen Gefühle, Leidenschaften, und seelischer Konflikte, über die Konsequenz der menschlichen Seelenhaltung und vor allem über die Vorbestimmung des unveränderten Schicksals, welche er den Figuren in seinen Dramen verlieh.  Professor Balthasar Haug gründete 1775 zusammen mit der neuen Oberaufsicht über herzogliche Gartenanlagen, Kasper Schiller, F. F. von Nicolai, G. B. Bilfinger, Christian Friedrich Daniel Schubart, und mit dem späteren militärischen Vorgesetzten Friedrich Schillers, General Johann Abraham David von Augé, die literarisch-wissenschaftliche Leseschaft >Die Literaturfreunde<, die Carl Eugen aber bald verbot und auflöste.[23]  Bei dieser machte Schiller sich durch seine Vermittlung mit den Werken Klopstocks, Hallers, Lessings und von Kleistes vertraut, als er seinen Unterricht in den Fächern von Deutschem Briefstil, Mythologie, und Kunstaltertümer besuchte.  Besonders wurde Schillers Dichtungsaktivität durch Veröffentlichungsmöglichkeit in Haugs ‘schwäbischem Magazin’ und durch dessen positive Nachbemerkung stark angereizt.  In seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 1776- ‘dem Abend’, der in astronomischer Kenntnis Schillers bloß eine durch Selbstumdrehung der Erde verursachende Zeitspanne war, beschrieb der junge Dichter sein Gefühl in dem abendlichen Zeitpunkt, sich des Gottes mehr anzunähern und sich der innerlichen Ruhe besser anzuvertrauen.  Die Stimmung des Abends verkörperte sich als einen Strom, der zum Gotteshimmel hinreichte und den Geist des Dichters über die Sterne dorthin brachte.

„Der Abend

Die Sonne zeigt, vollendend gleich dem Helden,/ Dem tiefen Thal ihr Abendangesicht,/ (Für andre, ach! glücksel’ge Welten/ Ist das ein Morgenangesicht)/

Sie sinkt herab vom blauen Himmel,/ Ruft die Geschäftigkeit zur Ruh,/ Ihr Abschied stillt das Weltgetümmel,/ Und winkt dem Tag sein Ende zu./

Jetzt schwillt des Dichters Geist zu göttlichen Gesängen,/ Laß strömen sie, o HErr, aus höherem Gefühl,/ Laß die Begeisterung die kühnen Flügel schwingen,/ Zu dir, zu dir, des hohen Flugs Ziel./  Mich über Sphäre, himmelan, gehoben,/ Getragen sein vom herrlichen Gefühl,/ Den Abend und des Abends Schöpfer loben,/ Durchströmt vom paradiesischen Gefühl./

Für Könige, für Grosse ists geringe,/ Die Niederen besucht es nur-/ O GOtt, du gabest mir Natur,/ Theil Welten unter sie - nur, Vater, mir Gesänge.“[24]    

      : Silbenreime

 Wie das Sprichwort ‘Wessen Brot ich esse, dessen Lied singe ich’ stand Schiller im Hinblick auf seinen Gedichtstil sehr stark unter dem Einfluss seiner meistgelesenen  Schriftsteller.  Albrecht von Haller, der idyllische Dichter und Naturforscher aus der Schweiz, war der Meinung, die Natur sei mit der Seelenruhe des Menschen eng zusammengebunden.  Wenn man ein Herz für seine umgebende Natur habe, könnte man ihre Regel langsam erkennen und damit alle Gesetze des Lebens (Geburt,  Krankheit, Alt-Werden, Tod) und des einträchtigen Verhältnisses zwischen allen Lebewesen (Pflanzen-Herbivore-Karnivore-Menschen) wahrnehmen.  Daraufhin sei die Seelenruhe bei Menschen da und die Vernunft, die aus dem nur zum Menschen gehörenden Gehirn und der Intelligenz entstand, könnte dann mit der Empfindung für die Natur, mit der die Menschen sich klare Einsicht in die Naturgesetze verschaffe, richtig eingesetzt werden.  Haller schilderte die Kinder der Alpen, „(...) sie erleben die Welt noch nicht verstellt durch Bücherweisheit, (...) aus einer ‘Erfahrenheit’ heraus, die im Umgang mit dem unmittelbar wahrgenommenen und zugleich empfundenen Reichtum der Natur gewonnen ist.  Das alles vermag echte Seelen-Ruhe zu geben und eine auf Eintracht gegründete, freie Gemeinschaft der Menschen untereinander (...).“[25]  Überdies glaubte Haller in religiöser Hinsicht, dass die an der Natur entfremdete, die Vernunft missbrauchende Gesellschaft in den negativen Eigenschaften des Menschen, wie Eigenliebe, Neid, Intrige, Herrschsucht, Aberglauben und Hohlheit, ihre Wurzeln schlage.  

In diesem Gedicht Dem Abend pries Schiller nicht nur die Schöpfungskraft Gottes und  hob wie Haller den Wert der Gefühle, die dem Menschen zu Gott führte, hervor, sondern zeigte darin auch sein Naturwissen (der Sonnenuntergang in einer Welt, der Sonnenaufgang in der anderen), worauf Haller ebenso große Bedeutung setzte.  Wenn es gesagt wird, dass die Vernunft und Natur in der Aufklärungszeit in dem Vordergrund rücken, gilt die Dominanz des Gefühls in der Literatur als Beginn des ‘Sturm und Drang’, wobei das individuelle Gefühl zu den Grundsätzen der Lektüre hinzugefügte wurde.  Schillers ‘Der Abend’ war nämlich nichts anders als ein Vorbote für das Ende der Aufklärungszeit und Beginn der Epoche ‘Sturm und Drang’ anzusehen.

Neben Dichten beschäftigte sich Schiller in der Carlsschulzeit mit der Konzeption der Geschichte ‘Die Räuber‘.  Vermutlich war dies eine Anregung von Schubarts ‘Zur Geschichte des menschlichen Herzens’, worin Schubart behauptete, die Deutschen seien Menschen wie Franzosen und Briten, hätten auch das Herz, die Leidenschaft  und den Sinn für Humor, obwohl sie keinen einheitlichen Staat hätten.  Von diesem Zersplitterungszustand der deutschen Nation ausgegangen, als die Landesfürsten zugunsten ihrer eigenen Interessen mit ausländischen Mächten wie England und Frankreich Verträge darüber abschlossen,  entweder ihre Untertanen zum ausländischen Kriegsdienst zu verkaufen, oder sich gegen andere deutsche Fürsten oder gegen den Kaiser zu verpflichten, verfasste Schiller auf die Idee ‘verfeindete Brüder’, die Schubart in seiner Erzählung als Beweis des deutschen Charakters nannte, eine Geschichte in der Zeit Friedrichs des Großen über eine zuerst wegen dem siebenjährigen Krieg und danach wegen der Menschheitsschwächen ‘Mißtrauen, Neid und Gier’ zersplitterte Familie.  Die beiden Hintergründe, die diese Familie zu einem tragischen Ende führten, hatten ein gemeinsames Merkmal: Krieg ‘Bruder gegen Bruder’ und Kampf gegen eignes Fleisch und Blut.  Durch diese Geschichte ‘Die Räuber‘, urspr. ‘Der verlorene Sohn‘ verband Schiller Schubarts zwei Äußerungen ‘Menschlichkeit des Deutschen’ und ‘die verfeindeten Brüder’, die in der Erzählung harmlos zusammenstanden, mit der unabwendbaren Tatsache des zerspalteten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.  

Mit ungefähr fünfzehn Jahren, wenn ein Mensch am lernfähigsten ist, hatte sich Schiller einerseits durch Lesen von selbst gewählter Literatur, andererseits durch Lehren der guten Meister der Wissenschaft an der Carlsschule,  einen klaren Einblick und eine scharfe Beobachtung in sein Zeitalter verschafft.  Darüber hinaus wurde Friedrich Schiller bereits im Frühling seines Lebens zum großen Dichter, Dramatiker und Schriftsteller geformt und ausgebildet.  War es Zufall oder Absicht?  Jedenfalls war es ein Resultat des Interesses, des genialen Talents und der leidenschaftlichen Hingabe.

 

  

1.3  Auf der Flucht nach Mannheim

1.3.1  Hintergrund- Schiller als Regimentsmedicus und Dichter

Dem Johann Christoph Friedrich Schiller, dank der herzoglichen Erziehungsanstalt Carlsschule mit erlerntem Beruf als Regimentsmedicus, wurde in der Gnade des Herzogs Carl Eugen gleich nach dem Studium eine Medizinerstelle zugewiesen.  In dem Grenadier-Regiment von General David Augé, der mit Kasper Schiller,  Christian Schubart und Balthasar Haug in Ludwigsburg früher befreundet war,  durfte Schiller 1781, mit Beistand seines Vorgesetzten, sorgenfrei seine medizinischen Kenntnisse in die Praxis umsetzten.  Mit dem Finden einer Unterkunft, die nach dem Antritt seiner Stellung gesucht wurde, hatte Schiller ebenso keine Schwierigkeiten, denn Professer Haug vermittelte ihn einfach in sein Haus in Stuttgart und stellte ihm als Untermieter der Hauptmannswitwe Vischer ein Erdgeschoßzimmer zur Verfügung.  Entweder wegen seiner Unzufriedenheit mit seinem wenigen Gehalt, einem sog. Hungerlohn, und mit dem verwahrlosten Patientenzustand des Regiments, das größtenteils aus Invaliden und Krüppeln bestand, oder wegen anhaltender Freiheitsbeschränkung und unerträglichem Uniformierzwang  (eine Pflicht, obwohl er in keinem Offiziersrang stand) wie in der Carlsschule, konnte er sich sein Herz für die Verwirklichung beider Berufe als Arzt und als nebenberuflicher Dichter nicht lange erhalten und konnte seinen Wunsch, die Psychologie in die medizinischen Behandlungen einzusetzen, nicht zum Ziel zu führen.  Sein gewohntes Rezept im Regiment diente als Rosskur.  Mit seinem verordneten Brechmittel konnte der Patient nicht geheilt, sondern traktiert werden.  Seine Behandlung wurde deswegen von anderen Obermedizinern überwacht,  woraufhin  er selbst in einer anonymen Veröffentlichung auf einen nahen Vergleich zwischen seinen medizinischen Rosskuren und der stark dramatischen Wirkung in seinem Erstwerk Die Räuber anspielte, „Er soll ein Arzt bei einem Wirtembergischen Grenadier-Bataillon seyn, und wenn das ist, so macht es dem Scharfsinn seines Landes Herrn Ehre: So gewiß ich sein Werk [Die Räuber] verstehe, so muß er starke Dosen in Emeticis [Medizinmittel für oder gegen Erbrechung] eben so lieben als in Aestheticis [Anästhetikum: Arznei für Schmerzenbetäubung], und ich möchte ihm lieber zehen Pferde, als meine Frau zur Kur übergeben.“[26]  Dieser Kommentar war nicht nur ein Selbstlob für die spannende Handlung der Räuber als auch eine Interpretation seiner ärztlichen Tätigkeit im Regiment.   

 

Abb. 3-4

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In der Zeit, als er sein Interesse am medizinischen Beruf verlor, den er erst als Brotwissenschaft ironisierte, verließ Schiller sich aufs Schreiben.  Mit einem medizinischen Monatsgehalt von 18 Gulden schien Schiller ein sehr bescheidenes Leben zu führen und wollte durch den Verkauf seiner Schriften mehr Geld verdienen, um sich reichlich zu unterhalten.  Kurz vor dem Austritt aus der Hohen Carlsschule hatte Schiller den Schulfreund, Bibliothekar Johann Wilhelm Peterson gebeten, der die Schule ein Jahr früher absolviert hatte, einen Verleger für sein erstes Drama ‘Die Räuber’ zu finden, um Geld für seine künftige Miete und Versorgungskosten im selbständigen Leben als Mediziner zu sichern.  Seine Geldnot im Medizinerleben war trotz regelmäßiges Einkommens immer noch nicht zu lösen und die Suche durch seine Schulfreunden nach Herausgebern für die Räuber blieb weiterhin vergebens.  So borgte Schiller sich beim Bürgerhaus Geld, um das Drama auf Selbstkosten für 150 Gulden drucken zu lassen.  Ein gedrucktes Exemplar schickte Schiller an den Buchhändler Christian Friedrich Schwan in Mannheim, mit dem Professor Abel ihn bekannt machte, und der insbesondere einen guten Ruf im Verlagsgeschäft und gute Verbindungen mit bekannten Schriftstellern und mit den süddeutschen Schauspielhäusern wie in Mannheim und in Regensburg hatte.

Schillers Mühe wirkte sich aus.  Indem Schwan ‘Die Räuber’ dem Intendant des Nationaltheaters Mannheim, Freiherrn Wolfgang Heribert von Dalberg, vorstellte,  bekam Schiller über den Buchhändler im Juli 1780 einen positiven Bescheid, dass das Drama auf die Bühne des Mannheimer Nationaltheaters gebracht wurde, das als eine der führenden Schaubühnen im deutschsprachigen Raum galt.  Wahrscheinlich aus Unsicherheit in Geldangelegenheiten gegenüber anderen Menschen, die sich in seinem Brief um die Suche eines Verlags an Peterson zeigte,  „Was über 50 Gulden abfällt ist Dein.  Du mußt aber nicht glauben als ob ich Dich dadurch auf einem interessierten Wesen ertappen wollte, (ich kenne Dich ja) sondern das hast Du treu und redlich verdient und kannst es brauchen.“[27], oder wegen Geheimhaltung des ganzen Ereignisses vor Carl Eugen, lehnte Schiller mit der Begründung der nochmaligen Bearbeitung die Verlagsübernahme des ‘Räuber’- Stücks bei Schwan ab.  Mit Schiller als Selbstverleger, erschien anonym die Buchausgabe in 800 Exemplaren, die in kurzer Zeit abgekauft wurden.  Die Bühnenfassung, dessen Titel Schiller auf Dalbergs Wunsch von dem originalen Namen ‘Der verlorene Sohn’ zu dem ‘Die Räubern’ veränderte, vollzog sich mit der Veränderung der Verlegung des Zeithintergrunds von dem siebenjährigen Krieg zur Landfriedenszeit im sechzehnten Jahrhundert unter Kaiser Maximilian II, um der Moral entsprechend aus der Hauptfigur Karl Moor und aus den Räubern Raubritter zu machen.  Die Ermordung Amalias wurde mithin nach historischem Verlauf von Erschießen zu Erstechen umgestaltet.  Diese Bühnenversion Schillers wurde nach ihrer Übersendung anderweitig von Dalberg selbst bearbeitet, und einige kleine Veränderungen wurden noch zugefügt.  Der letzte Text, der auf der Mannheimer Bühne gespielt wurde, war das Soufflierbuch von Dalberg, worin technisch die Handlung von 5 Aufzügen um 2 Akte verlängert wurde, damit Schauspieler und Maschinisten mehr Zeit für sich gewannen, und inhaltlich sie der moralischen Bewertung des Mannheimer Publikums mehr entsprach.     

Neben einer Reihe Überarbeitungen an den Räubern, veröffentlichte Schiller auch anonym Aufsätze über sein Erstwerk in verschiedenen Zeitschriften.  Eine davon war eine dreimonatliche Zeitschrift ‘Wirtembergisches Repertorim der Literatur’, die Schiller Ende März 1782 mit Professor Abel, von Hoven, Peterson und Johann Jakob Azel gemeinsam begründete.  Schiller schrieb darin die erste Selbstrezension der Räuber und kennzeichnete die von Dalberg durchgesetzte Verlegung der Handlung ins ausgehende Mittelalter als Fehler.

Gewiß historische Beziehung finde ich nicht ganz berichtigt..  In der neuen Auflage ist die Geschichte in die Errichtung des teutschen Landfriedens verlegt worden.  Das Stück war in der Anlage der Karaktere und der Fabel modern zugeschnitten, die Zeit wurde verändert, Fabel und Karaktere blieben.  (...), alle Personen sprechen um viel zu studirt, izt findet man Anspielungen auf Sachen, die ein paar hundert Jahre nachher geschahen, oder gestattet werden durften.[28]  

Zugleich kam Schillers erste Liebe ‘Lyrik’ zwischen der Mannheimer Sensation des Schauspiels und der Arbeit an dem Wirtembergischen Repertorium zum Vorschein.  Mitte Februar veröffentlichte Schiller, wieder als Selbstverleger und anonym, seine Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’, die er seit einem Jahr vorbereitete.  Dieses Buch, das aus 83 Gedichten bestand, von denen 48 Gedichte heute als von Schiller stammend gelten, umfasste eine Reihe Schillers Jugendlyrik: Gedichte an Laura, die Schiller seiner Vermieterin Witwe Vischer stilisierte, und seine vorherige Veröffentlichung in Publizisten Gotthold Friedrich Stäulins ‘Schwäbischem Musenalmanach’, sowie Gedichte von Professor Haug, Professor Abel, von Hoven, Peterson, und Schubart.  Merkwürdig war, dass Schiller der Sammlung eine Vertonung von ‘meinem Prinzipal, dem Tod’ zuschrieb.  Darauf folgten zwei Vorreden, ‘Großmächtiger Zar allen Fleisches, Allezeit Verminderer des Reiches, Unergründlicher Nimmersatt in der ganzen Natur’ und ‘Blumen in Sibirien’, worin  nicht nur Schillers Genie in Dichtung und Phantasie sich deutlich erwiesen, sondern  auch sein versteckter Stolz und seine Freude, gleichzeitig als Mediziner und als erfolgreicher, anonymer Schriftsteller, im Hintergrund fungierten.

In dem ersten richtete Schiller eine Rede an den Todesgott, der von ihm als unersättlicher Menschenfresser und Zar der Toten bezeichnet wurde.  Er sprach mit ihm vor dessen Altar, dass der Mensch das Medikament erfunden habe, sich trotzig gegen ihn zu wehren, und nehme sich Allermöglichstes vor, um ihm zu entweichen, als der Tod sich,  mit Hilfe von sinnlichen Trieben (sexuelle Begierde, Freßtrieb) und psychischen Begierden (Habgier, Ehrgeiz) des Menschen, Katastrophen der Natur und Heimsuchung der Krankheiten, weiterhin das menschliche Leben ins Maul verschaffe.  Schiller, als Geschöpf des himmlischen Gottes, warnte den Tod vor, dass die Menschheit sich durch Bereicherung ihrer geistigen Welt von Wissenschaften und durch Verbesserung ihres Lebenszustands an ihm rächen würde, und er ihr nicht mehr so einfach das Leben rauben könnte.  In der ‘Blumen in Sibirien’ spielte Schiller auf den vorgegebenen Herstellungsort Tobolskol an, dass die Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’ aus Tobolskol des russischen Nordens, wie die Blumen des eiskalten, hundertjährig von Schnee bedeckten Sibiriens, eine Gabe für die unter dem milderen Himmel lebenden Europäer sei.  Sie sollten nicht die Sammlung und die sie verfassten Tobolskianer mit Vorurteil verachten, weil Tobolskol trotz seiner grimmigen Kälte eine schöne gute Anthologie wie diese ausfertigen könnte, die den Unglücklichen beselige, den Langweiligen aufmuntere und die strenge Kritik des Kritikers beschäme.  Im Gegensatz zu Europa, wo die machtlüsternen Fürsten in der zersplitterten Nation willkürlich regierten und die Kriege gegeneinander andauernd führten, sei Toboskol ein schöner, einfacher, und friedlicher Geburtsort der Musen.     

Im Hinblick auf die beiden prosaischen Vorreden, ohngeachtet Schillers versteckter Prahlerei mit dem Werk, hielt Schiller seine Dichtung und auch seine Medizinertätigkeit für vielversprechend.  Er erweiterte seinen Dichterberuf und war sehr stolz auf sich selber, weil er gleichzeitig die Medizin ausüben und seine Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’ herausgeben konnte.  Dazu musste sicherlich sein Erfolg im Räuber-Theater mitgezählt werden, denn ‘Die Räuber’ wurde nicht nur erfolgreich in Mannheim uraufgeführt, sondern sie waren in Buchfassung  überall populär und gut verkauft.  In seinem 23. Lebensjahr wurde der junge Friedrich Schiller mit Ruhm und Ehre überhäuft.       

Ein Spruchwort lautet: Die Lüge hat kurze Beine; Schillers Geheimnisse blieben  nicht mehr lange geheim.  Der Landesvater, Ernährer und Gönner Carl Eugen, der Schiller in der Carlsschulzeit sowohl zum Mediziner, als auch zu einem gut gelehrten Literaten ausgebildet hatte, erfuhr diese kurze Zeit später.  Anfang 1782 reiste Schiller  heimlich  in Begleitung von Peterson zur Uraufführung der Räuber nach Mannheim,  wo er einst kurz vor Weihnachten des letzten Jahres zu einer  Bühnenprobe gewesen war und Regisseur Meyer, Schauspieler August Wilhelm Iffland (Franz Moor), Johann Michael Boeck (Karl Moor), David Beil (Schweizer), Heinrich Beck (Kosinsky) kennengelernt hatte.  Das Bühnenspiel, das am 13. Januar 1772 als Anfang der Mannheimer Karnevalswoche gegeben wurde, erzielte mit seiner hinreißenden sieben Handlungen, dekorativer Bühnenausstattung, brillanter Schauspielkunst,   feinem Kostüm sowie dichterischen Gesängen, die von Schillers Mitschüler, Johann Rudolf Zumsteeg, persönlich komponiert wurden, einen sensationellen Erfolg.  Wie berichtet, die ersten drei Akte gingen ohne große Wirkung aus dem Publikum vorüber, während es vollkommen in der ungewöhnlichen Fabel des Theaters versunken war und in hoher Spannung den Fortgang abwartete.  In den vier letzten Handlungen gelangte die Stimmung zum Höhepunkt, wobei die Zuschauer von dem allgewaltigen Ausdruck der Darsteller und spannenden Szenen von Mordtaten,  Arrest, und Feuerstiftung hingerissen waren.  Iffland als Franz Moor verfiel seiner Bosheit und stürzte in Flammen und Feuer in den Tode.  Diese gewaltige Gegenfigur, die der 23jährige Schauspieler August Wilhelm Iffland erschöpfend verkörperte, trug zu dem höchsten dramatischen Effekt bei und erschütterte mit ihrer Intrige und Manieriertheit das Herz des Publikums.  Johann Michael Boeck gab dem Räuber Moor viel Temperament, obgleich seine untersetzte Gestalt mit dem hageren und großen Karl Moor in der Vorstellung des Dichters nicht übereinstimmte.  Johann David Beil war ein ausgezeichneter Schweizer, Heinrich Beck war ein feuriger Kosinsky.  Und Schiller, Urheber des Theaterstücks, erhielt am Abend des 13. Januars, als ihn Hunderte Zuschauern im Theater bejubelten, den Anreiz, an der Dichtung und Dramatik in der Zukunft weiter zu arbeiten, „Beobachtet habe ich sehr vieles, ich habe sehr vieles gelernt, und ich glaube, wenn Teutschland einst einen Dramatischen Dichter in mir findet, so muß ich die Episode von der vorigen Woche zählen.“[29].  Durch diese Aufführung erwachte nicht nur seine Liebe für das Theater, sondern auch die Hoffnung, Dramatiker zu werden, ungeachtet von dem kleinen Betrag des Reisekostenersatzes von 44 Gulden (ungefähr sein dreimonatiges Medizinergehalt), der als Vergütung  den kompletten Verkauf des Theaterstücks galt, und mit dem das Nationaltheater zurecht vor seinem offiziellen Antritt als Theaterdichter im September 1783 weiterhin fünfmal inszenierte und freilich eine Menge Eintrittsgelder kassierte.  

Nach dem traumhaften Erfolg in Mannheim, kehrte Schiller wieder nach Stuttgart zurück und nahm seine Arzttätigkeit wieder auf.  Wie schon erwähnt, erschienen anschließend Schillers Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’ und Zeitschrift ‘Wirtembergisches Repertorium der Literatur’ in Stuttgart.  Durch diese drei dicht nacheinander folgenden Erfolge sowie den inneren ungezügelten Trieb, wieder nach Mannheim zu reisen und den Ruhm bei ‘den Räuber’ abermals zu erleben, ließ Schiller sich verwirren und wurde mit seinem aktuellen Leben immer unzufriedener.  Nach 23 Jahren unter herzoglichem Schutz und liebevoller Freundschaft mit einfachen Zeitgenossen, erkannte Schiller nicht die Fallstricke in der Außengesellschaft.  Er war so naiv und bat den Oberintendanten des Nationaltheaters Wolfgang Heribert von Dalberg darum, sein Schauspiel baldig zum zweiten Mal zu inszenieren, um es seine Freunde miterleben zu lassen.  Er war so naiv und nahm nicht wahr, dass mit der Ausrede Dalbergs, dass einige Schauspieler abwesend seien, man Schillers Wunsch nicht nachgehen wollte.  Nachdem Schiller Ende Mai 1782 bei diesem zweiten Mannheimer Besuch mit Freundinnen im Hotel seinen Namen ‘unbeabsichtigt’ bekannt gemacht hatte, konnte er sich sogar bei Dalberg wie bei einem guten Freund über sein schwäbisches Leben beschweren und ihn ersuchen, mit Herzog Carl Eugen ein Einverständnis für seinen langen Aufenthalt in Mannheim zu erreichen, wo er als Bühnendichter arbeiten und gleichzeitig seine medizinische Praxis fortsetzen durfte.  Zu der Zeit war seine heiße Liebe für Dichtung so offensichtlich, die in der Vorrede seiner Anthologie auf das Jahr 1782 noch im Verborgenen gesteckt hatte.  Carl Eugen erfuhr schließlich von Schillers Tätigkeit in Mannheim.  Ob Dalberg es an seiner Stelle endlich verstand, dass alle Aktivitäten Schillers beim Nationaltheater und das Schauspiel ‘Die Räuber’ vom Herzogtum Württemberg nicht erlaubt wurden, kann man heute nicht nachvollziehen, zum ersten weil alle Briefe Dalbergs an Schiller vor 1785 verloren gingen, in denen man sich wie bei Schiller einen Einblick in sein Leben hätte verschaffen können,  zum zweiten, weil Schiller zwar alle Schriften über ‘Die Räuber’ anonym herausgab, aber er sich seinen Nachnamen auf dem Theaterzettel für die Uraufführung vom Nationaltheater setzen ließ.  Auf jeden Fall war es eine Tatsache klar und deutlich, dass Schiller bei Dalbergs Anfrage nach seiner zweiten Dramas eine Lüge sagte.

Die Aufmunterung womit E. Exzellenz meine dramatische Muse zu erwecken suchen ist im höchsten Grade schmeichelhaft für mich, und ist mir einigermaßen ein sicherer Bürge, daß die erste Probe die ich Ihnen gegeben, Ihren unschätzbaren Beyfall hat.  Ich würde die Unwahrheit reden, wenn ich meine immer wachsende Neigung zum Drama verläugnete, die einen großen Theil meiner Glückseligkeit auf dieser Welt ausmachen soll, und doch hab ich vor Verfluß eines halben Jahrs wenig Hoffnung sie befriedigen zu können. Meine gegenwärtige Lage nöthiget mich den Gradum eines Doctors der Medicin in der hiesigen Karlsuniversität anzunehmen, und zu diesem Ende muß ich eine medicinische Dissertation schreiben, und das Gebiet meiner Handwerkswißenschaft noch einmal zurückstreifen.[30]

Währenddessen, als Schiller, wie im Brief an Dalberg lautete, seine vergebliche Dissertation der Medizin schreiben sollte, ließ Schiller aber den Neudruck der Räuber-Bühnenfassung beim schwanischen Verlag herausgeben und verfasste nebenbei einige literarischen Aufsätze zur Veröffentlichung, um mehr Geld zu verdienen.  

Die Enthüllung Schillers zweierlei Beschäftigungen bei Carl Eugen, bei seiner Familie, wahrscheinlich auch bei Baron Dalberg, hatte große Auswirkungen.  Dalberg schwieg.  Kasper Schiller war erschrocken.  Carl Eugen befahl dem Regimentsmediziner einen Arrest auf der Hauptwache für zwei Wochen und ein Schreibverbot für jede nicht-medizinische Arbeit, was für Schiller die scheußliche Streichung des zusätzlichen Einkommens bedeutete.  Als Schiller in Haft seine Strafe verbüßte, schrieb er ohne Rücksicht auf den herzoglichen Befehl sein zweites Drama ‘Fiesko’ und das Vorkonzept der Geschichte ‘Luise Millerin’.  An der Seite des Mannheimer Theaters blieb Dalberg nämlich immer noch ungefragt auf Schillers Lage.  Schiller, der hier vor kurzem von Hunderten Zuschauern bejubelt wurde und noch in den Ruhm als Mannheimer Lorbeerkranzdichter versunken war, entschied im Arrest, eine Flucht zu Dalberg, zu seiner großen Liebe, dem Theater, und zu dem freien Leben in Mannheim.  

 

1.3.2  Lebe wohl, Vaterland

Als Schiller seine Freiheitsstrafe verbüßte, schrieb er dem Herzog Carl Eugen einmal,   ihn eindringlich um die Rücknahme des Schreibverbots bittend, und mahnte ihn darin, dass seine großen Erfolge in Dichtung, in ganz Deutschland auf die frühere Bildung der Carlschule zurückgehen würden. 

Der allgemeine Beifall, womit  einige meiner Versuche vom ganzen Deutschland aufgenommen wurde, welches ich Höchstdenenselben unterthänigst zu beweisen bereit bin, hat mich einigermassen veranlaßt, stolz seyn zu können, daß ich von allen bisherigen Zöglingen der grosen Karlsakademie der erste und einzige gewesen, der die Aufmerksamkeit der großen Welt angezogen, und ihr wenigstens einige Achtung abgerungen hat - eine Ehre, welche ganz auf den Urheber meiner Bildung zurückfällt![31]

Dieser Brief konnte den großen Herzog leider nicht zur Änderung bewegen.  Schiller fasste daraufhin den Entschluss, dass der Fluchtplan Mitte September erfolgen sollte, wann anläßlich des Besuches des russischen Großfürsten Paul I und der Fürstin Maria Fjodorowna, der Nichte Herzog Carl Eugens, alle Festlichkeiten von 17. bis 25. September 1782 stattfanden und die Aufmerksamkeit von Nachbarländern, fernen Staaten und auch dem Land Württemberg selber auf sich zog.  Am 22. September abends, als sich alle Gäste und ganz Stuttgart zur Festbeleuchtung auf die Solitude begaben, verabschiedete Schiller sich von Frauenzimmern seiner Familie, die seiner Entscheidung nur schwermütig, ohne Widerspruch, zustimmten.  Dem Vater wurde wegen seinem Offiziersrang und dem Ehrenwort, das er Carl Eugen entgegenbrachte, nichts davon mitgeteilt, um ihm einen Gewissenskonflikt zu ersparen.  Am folgenden Tag ging Schiller mit Tonkünstler Andreas Streicher, den Schiller erst auf der Abschlussfeier seines Studium im Dezember 1780 kennengelernt hatte, auf die Flucht.  Man kann sich nur fragen, warum Streicher der Begleiter war und nicht seine besten Freunde, wie Peterson, von Hoven, oder Scharffenstein, die von Schillers Flucht vorher nichts wussten.  Mit Peterson, der die Uraufführung der Räuber in Mannheim miterlebte, gab Schiller gemeinsam die Zeitschrift ‘Wirtembergisches Repertorium der Literatur’ heraus, die seit einem halben Jahr gut lief.  Peterson hätte wegen Schillers Mitverantwortung für das Magazin den Fluchtplan verhindert, wenn er eingeweiht worden wäre.  Die Herausgabe des Magazins wurde nach Schillers Flucht auch tatsächlich beendet.  Wilhelm von Hoven, der die Geschichte ‘Der verlorene Sohn’ seit der Entstehung kannte, weigerte sich, deren Aufführung anzusehen.  Von Hoven nahm sich nämlich sehr zu Herzen, dass Schiller wegen des Dramas den durch ihn übermittelten Besuchswünsche von Schubart und Philipp Friedrich Rieger auf dem Hohenasperg (jetzt Singen am Bodensee) nicht nachkam.  Acht Monate danach starb General von Rieger im Mai 1782.  Für seinen Gevatter fasste Schiller wieder eine Elegie ab.     

Aus allen vorstehenden Gründen ging Schiller, begleitet von seinem neuen Freund Andreas Streicher, der ein Musikstudium bei Philipp Emanuel Bach in Hamburg vorsah, mit den einfachsten Kleidungsstücken, Habseligkeiten, und Streichers kleinem Klavier, auf die Flucht aus seinem schwäbischen Vaterland, dem er sich und seinen eigenen Willen vierundzwanzig Jahre lang unterworfen hatte.  Sein Zielort war Mannheim, wo die bürgerliche Freiheit - ohne fürstliche Herrschaft - in den Vordergrund rückte, und wo er sich einmal selbst verwirklichen könnte.

 

Abb. 5-7

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2. Schiller in Mannheim und in Oggersheim

 

2.1  Kurpfalz

2.1.1  Der dreißigjährige Krieg

Das damalige Land Kurpfalz wurde von einem Kurfürsten aus bayerischer Wittelsbach-Linie regiert und in kleine Grafschaften aufgeteilt, die über ihre eigenen Gebiete herrschten und in verschiedenen Städten ihre Residenz fanden.  Unter denen waren die Kurhäuser Pfalz-Simmern, Pfalz-Zweibrücken, Pfalz-Neuburg, und Pfalz-Birkenfeld.  Im neuburgischen Kurhaus, die Seitenlinie der Pfalzgrafschaft Zweibrücken-Valenz, fand die Erbteilung unter den beiden Söhnen von Philipp Ludwig im Jahre 1614  statt.  Der ältere Sohn Wolfgang Wilhelm, der ein Jahr zuvor seine protestantische Religion aufgab und zum Katholizismus konvertierte, bekam den Hauptteil des Erbes, die niederrheinischen Lande Jülich-Berg-Kleve.  Der jüngere August übernahm das Land Sulzbach und die Kondominatsanteile an Floß und Parkstein-Weide, womit er die Zweiglinie Sulzbach bildete.  Es war dem Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wegen seiner Übertretung zum katholischen Glauben teilweise gelungen, sein Land aus dem späteren Kriegsgeschehen 1618 herauszuhalten, wonach die Zerstörung und Verwüstung durch Frankreich im dreißigjährigen Kriege geringer als in den anderen protestantischen Kurpfalz-Lande ausfiel.  Sein Sohn, Philipp Wilhelm, tolerierte in seinem Amt die beiden Religionen,  Katholiken und Protestanten, im Neuburger Land, und pflegte zweiseitige Verbindungen mit dem katholischen Frankreich, Habsburg-Kaiserhaus in Österreich,  und dem protestantischen Preußen.  Wegen seiner Neutralität im Religionskrieg, einigte sich mit ihm der kinderlose simmerische Kurfürst von der Pfalz, Karl II zu Heidelberg, 1685 in einem Vertrag über seine Nachfolge, worin Philipp Wilhelm versprach, die protestantische Vorherrschaft in der Pfalz zu schützen, und Protestanten und Lutheranern die Religionsfreiheit zuzusichern.  Durch diesen Vertrag der Hausunion konnte der Erbfolgestreit leider nicht nach Karls Plan vermieden werden, und auch die Weiterzerstörung in der Pfalz durch den Krieg mit Frankreich konnte kaum gestoppt werden.

 

Stammtafel der Kurpfalz

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Frankreich erhob 1688, im Namen der französischen Herzogin von Orléans, Schwägerin vom französischen König, Ludwig XIV, Schwester von Karl II, Liselotte von der Pfalz, alle Ansprüche auf das pfälzische Erbe nach dem Tod Karls.  Währenddessen dauerte der dreißigjährige Krieg ab 1618, zwischen dem protestantischen Deutschland und dem katholischen Kaiserreich des Habsburger Hauses sowie Frankreich, und später, erweitert auf die inzwischen eingreifenden nordeuropäischen Länder, England, Niederlande und dem katholischen Spanien, im ganzen Europa endlos an.  Die beiden Kriege, von denen der dreißigjährige Krieg im Jahre 1697 endgültig beendet wurde und der französisch-pfälzische Erbstreit bis 1702 dauerte, verheerten größtenteils den kurpfälzischen Boden.  Die Kurfürsten-Gebrüder, Johann Wilhelm und Karl Philipp, gingen der zweifachen religiösen Handlungsweise von dem Vater Philipp Wilhelm nicht nach.  Dieser gab zum ersten kurz nach dem Antritt als Kurfürst eine Erklärung ab, dass er keineswegs die Reformierten und Lutheranern in ihrer freien Religionsausübung, besonders in den für sie zuständigen Kirchen, Pfarr- oder Schulhäusern, den Abbruch oder Nachteil zuführte, sondern vielmehr, dass diese beständig in Ruhe gelassen und unter seinem Schutz standen.[32]  Zum zweiten traf er aber zur Begünstigung des Katholizismus eine heimliche Absprache mit dem Bischof von Würzburg: Die Neuburger seien aus göttlicher Vorsehung zum Trost der armen Katholiken in der Pfalz zur Regierung gelangt und nun dazu verpflichtet, ihnen in den Gegenden beiderseits des Neckars wieder Gottesdienste einzurichten.[33]  Um den Frieden nach dem Religionskrieg unter den Bürgern, bzw. für die Katholiken in der protestantischen Pfalz, zu sichern,  machte Kurfürst Johann Wilhelm 1698 die Lutheraner zuerst unabhängig von der protestantischen Kirche, dann öffnete er die Kirchen des ganzen Landes zum gemeinschaftlichen Gebrauch für Reformierten, Lutheranern, und Katholiken und teilte das Kirchengut im Verhältnis 5 zu 2 zwischen Protestanten und Katholiken. Dadurch verkündete er nicht nur die Glaubensfreiheit und das öffentliche Religionsexerzitium für alle drei Konfessionen, sondern vermied auch Repressalien gegenüber den Katholiken, die sich nach dem Krieg in anderen deutschen Ländern  ereigneten.  Seine Ausgleichsmaßnahmen wirkten sich unterschiedlich aus.  Sie wurden in verschiedenen Orten, im ganzen, teilweise oder katholisch bevorzugt durchgeführt, je nach der amtlichen Religionsneigung am Ort.  Das letzte führte, wie bekannt, in manchen Orten zu der Massenauswanderung der Protestanten aus der Pfalz über London nach Amerika, wo die Briten ihre neuen Kolonien mit der Bevölkerung besiedelten.  Unter diesen Umständen, dass der katholische Landesherr konträr zu dem von Katholiken verwüsteten protestantischen Land stand, stieß das Vorhaben von Johann Wilhelm freilich auf heftigen Widerstand aus dem Stadtrat und der Bürgerschaft, als er versuchte, die Residenz von Düsseldorf nach Heidelberg zu verlegen, um die völlig zerstörte Kurpfalz unmittelbar mit Hilfe des Neuburger Hauses wiederherzustellen.  Das Heidelberger Bürgertum lehnte ihn mit dem Grund ab, dass sie arme pfälzische Bürger seine Hofkosten und neuen Baupläne nicht mittragen konnten.  Sie bauten lieber selbst das Land auf. 

Seinem Bruder und Nachfolger, Karl Philipp, der den Militärdienst im Türkenkrieg erfolgreich hinter sich gebracht hatte, und nachher vom Kaiser aus dem Krieg zurückberufen und zum Statthalter der Ober- und Vorderösterreichischen Lande, mit dem Sitz in Innsbruck, ernannt wurde, war es zwar gelungen, seinen Hof und das Neuburger Stammhaus nach Heidelberg zu übersiedeln.  Man konnte zu der Zeit jedoch nicht voraussehen,  welche schweren Konflikten mit der protestantischen Bürgerschaft und den Geistlichen er später eingehen musste.  Der katholische Landesherr wollte den katholischen Gottesdienst erneut einrichten; niemand war dagegen.  Als Karl Philipp  den Reformierten eine neue Kirche zum Ersatz für die seit 1706 geteilte Heiliggeistkirche Heidelbergs erbauen wollte, die er als Hofkirche seinen katholischen Zeremonien widmen würde, kam es abermals zum bürgerlichen Widerstand, weil die Heiliggeistkirche Teil der pfälzischen Reformationsgeschichte war und im Herzen der Pfälzer durch kein großzügiges Angebot ersetzt werden konnte.  Auch eine militärische Drohung, wodurch das herzogliche Wohlwollen hätte vollzogen werden können, war keine Hilfe, da die benachbarten protestantischen Länder, wie Preußen und Brandenburg, jederzeit für Unterstützung der pfälzischen Bürger gegen ihren katholischen Fürsten zur Verfügung standen.  Ohne Beistand anderer katholischen Länder, sogar ohne den des deutschen Kaisers in Österreich, verlegte Karl Philipp am 12. April 1720, nach vierjährigem vergeblichem Annäherungsversuch an das protestantische Bürgertum im hochmütigen Heidelberg, seine Residenz nach Mannheim.  Einem neuen Schlossbau, einer erneuten Unterbringung der Bediensteten und der Staatsbehörden, einer neuen Stadtplanung und neuen Einrichtung der Infrastruktur, vor allem aber einem neuen Anfang trat der Kurfürst Karl Philipp gegenüber.

Mannheim wurde im Jahre 1598 von Kurfürsten Friedrich IV zur Stadt erhoben und mit Wall und Mauern unter dem Namen ‘Friedrichsburg’ versehen.  Das Schloss in der Festung  Friedrichsburg  wurde unter seinem Enkel Karl Ludwig in bescheidener Urform aufgebaut.  Auch bei dieser wurde 1666 die erste fliegende Brücke  (Schiffbrücke) zwischen Mannheim und der Rheinschanze (heute Ludwigshafen) unter der Bauleitung von Michael Tautphöus von Bacharach  bereitgestellt.  Sechzig Jahre später ergab sich für Karl Philipp, aufgrund seiner Übersiedlung, der Ausbau Friedrichsburgs zu einem Residenzschloss als dringend notwendig.  Erst am 02. Juli 1720 legte der Kurfürst den Grundstein und beauftragte den darmstädtischen Architekten Louis Remi de la Fosse und den Baumeister aus Speyer, Clemens Froimont, mit den Schlossbauten im Barockstil.  Unter dem Entwurf von vier aufeinander folgenden  Hofarchitekten, de la Fosse, Guillaume  d’Hauberat (ab 1726), sowie Alessandro Galli  da Bibiena (ab 1740), und Nikolas de Pigage (ab 1752) entstand zuerst ein Zentralhof mit zwei Flügelbauten von Mansardendächern in einer Längenerstreckung von 800 Metern, deren Gelenkstellen von massiven, flach gedeckten Türmen gebildet wurden; die beiden seitlich, in Vierecke gelenkten Gebäudeflügel, Ost und West, formten sich weiter zu zwei Innenhöfen.  Der Zentralhof, namens Ehrenhof, wurde mit einem geschwungenen Zaun und zwei Wachhäusern, denen zwei Springbrunnen im Hof gegenüberstanden, von der Stadt abgegrenzt.  Zu erkennen war, dass der Festungsbereich, nämlich die Außenbefestigung der Friedrichsburg, die das Schloss mit einem siebeneckigen Mauerwerk  umrahmte, zuerst  niedergerissen wurde, und drei neue Reihen der dem Schloss zugewandten Quadrate an deren Ort errichtet wurden, wodurch die damalige, außerhalb der Festung gebaute Bürgerstadt, vergrößert und in insgesamt 114 Quadrate, in Vorstadt und Unterstadt, eingeteilt wurde. 

Im Jahre 1731 siedelte Karl Philipp in seinen neuen Palast über und ließ den Adel, seine Hof- und Staatsbediensteten in den Quadraten unterbringen, wo die mindestens zweistöckigen, einheitlich strukturierten und angestrichenen Wohngebäuden, katholischen Kirchen und Klöster (keine einzige evangelische Kirche), Paradeplätze, Kasernen, Gärten, sowie höfische Gewerbestätten, eingerichtet zur Verfügung standen.  Was das wichtigste war und im Drama ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’ auftaucht, war die Hofkirche Jesuitenkirche, die der jesuitische Beichtvater und auch der geistliche Geheimrat von Karl Philipp, Philipp Nikolaus Staudacher, im Lauf der 1720er Jahre, zum Aufbau anfragte.  Im Sommer 1727 legte der Kurfürst einen Bauplatz an den westlichen Festungswällen fest, der für die geplante Jesuitenkirche und ihr Kolleg zur Verfügung stehen sollte.  Im April 1729 sicherte er den Jesuiten die Finanzmittel, bzw. die Deckung der Baukosten, und alle Freiheiten in ihrem Dienst, zu.  Karl Philipp erteilte ihnen beziehungsweise für alle ihre Güter und Einkünfte völlige Verfügungsfreiheit und sagte ihnen Gestaltungsfreiheit der Gottesdienste zu.  Im Mai wurde der Grundstein für den Bau gesetzt, der im Jahr 1734 vollendet wurde.  Diese Barockkirche war mit ihren mächtigen Kuppeln und langen großen Fenstern, bezeichnend.  Sie verband den

 

Abb. 8

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prachtvollen Stil des kurpfälzischen Herrscherhauses mit der von mehreren Heiligenfiguren dekorierten katholischen Kirchenbauart, und stellte dadurch den kurfürstlichen Gunstbeweis dar.  Karl Philipp schrieb im Stiftungsbrief für das Jesuitenkolleg in der Kirche wie folgendes:

„Es sei ihm als einem christlich-katholischen Fürsten (...) hochangelegen, daß der allein seligmachende katholische Glaube in unserem Kurfürstentum der Pfalz bei Rhein sowohl als in unseren übrigen Landen durch göttliche Hilf und Gnad auf friedliche und christliche Mittel erhalten, wieder eingeführt, restauriert und fortgepflanzet werden möge.“[34]

Nach Karl Philipps Konzeption wurde ein Staat im Staat gegründet, wodurch er eine sichere Zuflucht unter seinen katholischen Gefolgen und der detailliert geplanten Infrastruktur in den Quadraten fand.  „Zeigte sich Mannheim und besonders der schloßnahe Bereich einerseits als ‘katholisches Bollwerk’, so kündeten die Festungswerke der Stadt andererseits auch von der weltlich-militärischen Macht des Kurfürsten.“[35]  Die Stadt Mannheim war nichts anderes als Ausdruck des vertriebenen katholischen Kurfürsten, Karl Philipp, der sich wegen seiner Religion und seinem Wohlfahrtsgedanken für das von Katholiken verwüstete Land im Konflikt mit den protestantischen Bürgern befand und dabei einen Ausweg suchte.  

Neben den schwierigen Auseinandersetzungen mit dem hochmütigen Heidelberg und dem protestantischen Pfalzvolk, hatte Karl Philipp noch eine weitere Sorge zu verkraften - die Erbfolge.  Nachdem Philipp Wilhelm, der den Thron von dem kinderlosen Kurfürsten Karl II übernahm, bekam die Kurlinie Pfalz-Neuburg bei seinen beiden Söhnen Johann Wilhelm und Karl Philipp keinen männlichen Erbfolgen mehr.  Das wesentliche Problem des letzten Neuburger-Kurfürsten Karl Philipp war, dass die Erbfolge nach dem Erlöschen des neuburgischen Hauses an Preußen, an das Enkelkind Johann Wilhelms, fiel.  Karl Philipp versuchte deshalb, seine verwandtschaftlichen Verbindungen mit Bayern, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen konnten, und die staatsrechtliche Beziehung durch den Hausvertrag vom 14. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen.  Er schloss 1720 eine Hausunion mit dem bayerischen Herzogtum und den zwei später zugezogenen geistlichen Kurfürsten, Clemens August von Köln und Franz Ludwig von Trier, ab.  Darin handelte sich um eine Erneuerung der Erbverträge, Absprachen über gemeinsame Reichs- und Kreispolitik und eine Militärallianz.  Geheime Artikel sahen eine gegenseitige Unterstützung bei Ehebündnissen und Bischofswahlen, sowie eine bayerische Kaiserkandidatur vor.[36]  Dieser Erbvertrag wurde zwar im Jahre 1752 vom deutschen Kaiser akzeptiert, aber der erfüllte sich bereits 1742, indem sich zwei der drei  Enkelinnen von Karl Philipp, Elisabeth Augusta und Maria Anna, mit Pfalzgraf Karl Theodor von Sulzbach (Nebenlinie der Neuburger seit Wolfgang Wilhelm.  Auf dessen Stammhalter Karl Theodor würde die Kurwürde nach dem Tod Karl Philipps entfallen.), und mit dem Herzog Clemens von Bayern (Vetter vom letzten bayerischen Kurfürsten Max III) vermählten.  Die jüngste Enkelin Maria Franziska Dorothea wurde dabei mit Friedrich Michael von Pfalz-Zweibrücken verlobt.  Diese Doppelhochzeit wurde prächtig gefeiert, und der Kurfürst Clemens August von Köln nahm die Trauung vor.  Durch die vielfachen Zusicherungen, bzw. durch den Erbvertrag und die Eheschließungen, war das Problem der kurpfälzischen Erbfolge gelöst, und es bestand daher eine stabile Hausunion von Bayern, Pfalz, Pfalz-Zweibrücken, Bistum Kurköln sowie Bistum Kurtrier - während die weiblichen Nachkommen, die drei Enkelinnen von Karl Philipp, mit ihrem Leib und Leben  für die Staatspolitik die höchste Funktion, die eine Frau des Adelstandes in der Zeit zu haben verstand, erfüllten, und die 1214 entstandenen Verwandtenbeziehung der Kurpfalz mit dem bayerischen Wittelsbacher-Haus wieder neu anknüpften.  

 

2.1.2  Kurfürst von der Pfalz Karl Theodor

Karl Theodor, Sohn von Pfalzgraf-Sulzbach Johann Christian, Neffe von Prinz Josef Karl Emanuel August, der mit der einzigen Tochter Karl Philipps, Elisabeth Augusta Sophie, verheiratet war, war zum Thronfolger des Kurfürsten von der Pfalz bestimmt, nachdem das Prinzenehepaar drei Töchter, ohne männlichen Nachkommen, im Jahr 1728 zurückließ.  Auch wegen dem frühen Tod seiner eignen Eltern, wurde der neunjährige kleine Sulzbacher im Jahre 1833 von der Vormundschaft mütterlicherseits von Brüssel nach Mannheim gebracht und wuchs dort, zusammen mit seinen Cousinen, unter Fürsorge Karl Philipps auf.  Im Gegensatz zu seinem Pflegegroßvater zeigte er in seinen frühen Jahren eine deutliche Abneigung gegen eine Militärkarriere und interessierte sich eher für die Naturwissenschaften, Geschichte, Kunst und Musik. 

Als Karl Theodor 1742 mit achtzehn Jahren seine älteste Cousine, Elisabeth Maria Aloisia Augusta, heiratete und ein knappes Jahr später den Thron bestieg, hatte sich das Land Kurpfalz nach mühevollem Wiederaufbau seines Vorgängers Karl Philipp einigermaßen vom Krieg erholt und wartete auf die Weiterentwicklung der einstmaligen pfälzischen Zivilisation und Kultur, die hunderte Jahre lang, durch  mehrere kleine und große Religions- und Erbkriege, zurückgeblieben war.  Der Sulzbachische Kurfürst, der seine Herrschaft vor allen Neuburgern erklären wollte, besuchte Ende 1746 die alten neuburgischen Lande Julich-Berg-Kleve und trat, als Nachkomme des sulzbachischen August,  in die Fußstapfen von Wolfgang Wilhelm auf den Boden am Niederrhein.  Nach seiner Rückkehr und der späteren Entlassung des sparsamen Premierministers d’lttre, begann der Weiterbau des Schlosses 1750 am Ostflügel, bzw. an einer Bibliothek, Kunsträumen, Reitställen, und Musikkapellen, der nach zehn Jahren im Jahr 1760 wesentlichen vollendet wurde.  Gleichzeitig, von 1750 an, entfaltete sich die Hofhaltung von Karl Theodor in sich immer steigernder Pracht.  Er brachte für den andauernden Schlossbau immer neue Künstler und neue ästhetische Kunstideen ein, die sich in der Innenausstattung und den Deckengemälden prunkvoll abzeichneten.  In seinen verschiedenen höfischen Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres, dem christlichen Festkalender gemäß, stattfanden, zeigte sich die Vielfältigkeit seines Hoflebens.  Aufführungen von der französischen Komödie, Oper, Theater, Konzerte, Musik- und Maskenbälle wurden zu Geschehen des Christentums  gegeben.  Was besonders zu erwähnen ist, waren die drei Festprogramme zum Vergnügen des lebenslustigen Kurfürstenpaars und seiner Gäste-  Wirtschaften, Fußwaschen und Jagd. 

Bei den Wirtschaften verkleidete sich die Hofgesellschaft als das Landvolk und wurde von Karl Theodor und Elisabeth Augusta als Wirt und Wirtin bedient.  Die Ausgelassenen gingen auf die Weide und stellten sich das Leben vor, wie das Land es führte.  Am Abend, zurück zur eigentlichen Vorstellung, erreichten die Veranstaltungen Ihren Höhepunkt, indem die Damen und Herren durch das Losziehen zu Paaren zusammengestellt wurden.  Die Herren mussten ihre durch das Los bestimmte Partnerinnen in den Gemächern Augustas abholen und gingen zusammen in Begleitung von maskierten Musikern und Pagen in hierarchisch geordnetem Zug zum Abendmahl. 

 

Abb. 9

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Gleich wie bei Osterfesten, wenn der Hof in der ganzen Karwoche hindurch in Trauerkleidung erschien und sich jeden Nachmittag um 16 Uhr zur Trauermette begab, nahm der Kurfürst Karl Theodor am Gründonnerstag in Nachahmung von Christus, bei zwölf ausgewählten alten armen Männern im Rittersaal des Schlosses, die Fußwaschung vor. 

„Am grünen Donnerstag verrichtete der Kurfürst in der Schloßkapelle die bei den Katholiken gewöhnliche Religionszeremonie des Fußwaschens.  (...) Die Messe wurde mit einer schönen Musik angefangen.  Darauf genossen der Kurfürst, die Prinzen und die übrigen Ritter und zuletzt die zwölf alten Männer, welche die zwölf Apostel vorstellten, und, wie zu Rom, weiß gekleidet waren, das Abendmahl.  Das Fußwaschen selbst geschah im sogenannten Rittersaale, wo sich die zwölf Apostel auf eine mit schwarzen Tuch überzogene lange Bank setzen.  (...) Er [Karl Theodor] knie auf ein Polster nieder, goß einem von den alten Männern Wasser auf die Füßen, trocknete sie darauf mit einem Handtuche ab und neigte sich, gleichsam um den Fuß zu küssen, mit dem Kopfe vorwärts.“[37]       

Im Alltagsleben, neben den mannigfaltigen Christenfesten, betrieb Karl Theodor dann noch eine Tätigkeit mit großem Eifer und Genuss: Die Jagd. 
Es wurde in verschiedenen Jagdarten gegeben, wie zum Beispiel die Parforce-Jagd, die über das ganze Jahr hinweg zweimal wöchentlich stattfand, und die umstellte oder sitzende Jagd, wobei das von Untertanen in einem umstellten Waldbezirk gesammelte Wild zu der in einem Jagdstand sitzenden Adelsgesellschaft vor die Flinte getrieben wurde, sowie die Prunkjagden, bei denen das maskierte Wild im bühnenartig dekorierten Jagdgrund, bzw. entweder auf dem Lande oder im Wasser, von einer sich im farbig bemalten, prächtigst gestalteten Jagdstand oder von der  unter den Jagdschirmen befindlichen Fürstengesellschaft, abgeschossen wurde.

Wie erwähnt, hatte Karl Theodor großes Interesse an Naturwissenschaften, Geschichte, Kunst, und Musik, bereits ab frühester Jugend und während seiner Hoferziehung.  Im Laufe seiner Amtszeit in Mannheim von 1742 bis 1777 leistete er viele Beiträge für seine jugendlichen Leidenschaften.  1756 gründete er zuerst eine Bildhauerakademie, die 1769 durch eine Zeichnungsakademie ergänzt wurde.  Im Jahre 1763 errichtete Karl Theodor die pfälzische Akademie der Wissenschaften, die eine historische und eine naturwissenschaftliche Sektion beinhaltete.  Diese beiden Abteilungen waren zuständig für alle Forschungen in ihren Fachgebieten und wiesen, als die fünfbeste deutsche Akademie nach München, besondere Leistungen auf.  Der historische Teil der Akademie befasste sich mit der Erforschung der Landesaltertümer aus der Römerzeit sowie der pfälzischen Schriftüberlieferungen.  Der naturwissenschaftliche Teil beschäftigte sich mit Gartenbotanik, Meteorologie, und Astronomie.  Überdies, nach der Vollendung der Schlossbauten, wurde die Hofbibliothek mit 100 000 Bänden (heute die Universitätsbibliothek mit 2 000 000 Bände) in den frühen 60er Jahren geöffnet, und zusammen mit der Gemäldesammlung von 750 Bildern (heute:  60 000), einem Antiquarium, einem Kupferstich-, Münz- und Naturalien-, sowie einem  physikalischen Kabinett im Schloss für das Publikum offenstand.  1772 ließ der Kurfürst den Hofastronomen Christian Mayer eine Sternwarte bauen, die im Turm am Wall des Jesuitenkollegs untergebracht wurde.  Für die Gartenbaukunst vertraute er dem Hofgärtner Ludwig Petri den Aufbau eines Schlossgartens italienischen und französischen Stils im Schwetzinger Schloss an, in dem eine symmetrische Regelmäßigkeit der Rabatten, Wasserspiele und Promenadenwege herrschten sollten.  1773 erweiterte Ludwig Sckell den Park des Schwetzinger Schlosses um einen zweiten Teil im englischen Stil.  Darin wurden eine römische Ruine mit Wasserleitung, ein Merkurtempel, antike Statuen, klassizistische Tempel, sowie eine Moschee erbaut.  Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der deutschen Sprache, zur Sprachreinigung und zur Geschmacksbildung, der später zahlreiche bekannte Dichter und Schriftsteller wie Klopstock, Lessing, Wieland und Schiller beitraten, errichtete Karl Theodor, ungeachtet seiner Vorliebe für die französische Sprache, im Jahre 1777.  In demselben Jahr entwarf der Römer Architekt Peter Anton Verschaffelt den Bau des neuen Zeughauses aus pfälzischem Klassizismus, als Karl Theodor das Nationaltheater Mannheim im Jahre 1776 in Form eines Komödienhauses im alten Zeug- und Schütthaus errichten ließ und dem Hofbeamten, Heribert von Dalberg, beim Residenzwechsel 1778 zur Leitung übergab.

Zusätzlich zu den zahlreichen Bauten in der Stadt Mannheim, gab der Kurfürst auch Stipendien an sein Volk, an Talente der Musik und Kunst, die mit fürstlicher Finanzunterstützung zum Maler, Musiker, Bildhauer, und Gartenkünstler in Frankreich, England und Italien weitergebildet wurden und ihre Fähigkeiten vervollkommnen konnten.  Was unter diesen Landesherrn besonders war und anders als bei anderen, war die Herausgabe der Mannheimer Zeitung, die direkt unter herzoglichem Aufsicht stand, sowie sein hohe Achtung auf die Presse.  Zeitungen und Zeitschriften mussten druckfrisch in die Hände des Kurfürsten und seiner Minister gelangen.  Falls etwas missfiel, wurde die Veröffentlichung sofort von kurfürstlichen Beamten beschlagnahmt.  Darüber hinaus zeigte sich deutlich der Absolutismus des Fürstentums in Mannheim, dass die ganze Stadt nach den herzoglichen Wünschen ausgestattet wurde und alle Einrichtungen und Personen dem Fürsten und seiner Gesellschaft jederzeit zur Verfügung standen.  Die fürstliche Autorität war für die nahe am Schloss wohnenden Untertanen am unmittelbarsten spürbar.

 

Abb. 10-11

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Im Hinblick auf die Schlossbauarbeiten, die seit Karl Philipp ab 1720 bis 1760 für 40 Jahre andauerten, musste jedoch bezweifelt werden, ob die Hofhaltung bzw. die herzogliche Finanzkasse von der Heidelberger Bürgerschaft und dem Stadtrat eingeschränkt würde, und die Autorität, die Karl Theodor in Mannheim ausübte, in Wirklichkeit ausgehöhlt wäre.  Man fragt sich, ob Karl Theodor ein Kurfürst sei, wahrscheinlich bloß einer von dem Hofstaat Mannheim.  Aus geographischer Sicht lag der Regierungssitz weit entfernt von den reichen Neuburger Lande Jülich-Berg-Kleve, die Karl Theodor zwar durch Eheschließung mit Elisabeth Augusta geerbt hatte, aber keine enge persönliche Verbindungen mit ihnen anknüpfte.  Das Sulzbacher Erbe, das sein Vater auf ihn übertrug, verließ Karl Theodor nach dem Tod seiner Mutter, im Alter von vier Jahren, und kehrte nie zurück.  Selbst als er Kurfürst war, wurden die Schlösser seiner Eltern in Sulzbach und in Neuburg nie von ihm bewohnt oder besucht.  Das kleine Territorium in den Niederlanden zählte zum Ausland, und der Kurfürst von der Pfalz hatte beileibe keine Zeit, sich darum neben den anderen zahlreichen Gebieten zu kümmern.  Die Realität von seiner Finanzlage war, dass Karl Theodor über eine gut gefüllte Generalkasse verfügte, die ihm aus den obengenannten vier Landen in die Tasche zufloss.  Insgesamt betrug sein Einkommen jährlich 5 000 000 Gulden.  Nur 970 000 Gulden, weniger als ein Fünftel davon, dienten zur Hofrepräsentation und -führung.  Darin wurden Personalkosten, die Kosten des höfischen Kunst- und Wissenschaftsapparats, das er den interessierten Bürgern und Wissenschaftlern zugänglich machte, der Unterhalt von anderen Residenzen und den Gärten in übrigen Landen, sowie eine großen Geldsumme zur Gewerbe- und Industrieförderung, vor allem der Porzellanmanufaktur und Ausrüstungsindustrie in Frankenthal, und die Ausgaben für Stipendien und Almosen eingeschlossen.  Die eigentlichen Hofkosten machten nur 550 000 Gulden aus und beanspruchten einen Anteil von 11-12% der kurpfälzischen Gesamteinkünfte.[38]  In Anbetracht des Ansehens des Kurfürsten gegenüber der deutschen Nation und dem Ausland, sowie der davon bedingten repräsentativen Funktion des Hofes, waren der Aufwand Karl Theodors und seiner Regierung im Gegensatz zu anderem Absolutismus bescheiden und nicht exorbitant.      

Am 30. Dezember 1777 starb der Herzog von Bayern, Max III.  Sein Nachfolger, der Schwager von Karl Theodor, Clemens von Bayern, war mit seiner Frau Maria Anna,  bereits kinderlos verstorben.  Der pfälzische Kurfürst übernahm deshalb die Regierung in Bayern und verabschiedete sich am 3. Oktober 1778 von Mannheim und verlegte seinen Hof nach  München.    

 

 

2.2  Mannheim

2.2.1  Die Quadratestadt Mannheim

Nach der Hofverlegung Karl Theodors am 03. Oktober 1778, verbrachte Elisabeth Augusta nur zwei Jahre in München, dann kehrte sie nach Rheinland zurück und lebte bis zum Tode in Mannheim und Oggersheim.  Es war nicht verwunderlich, dass  die Großherzogin von der bayerischen Residenz ihr Manns fernblieb, weil die beiden schon seit 1768 wegen der unglücklichen kinderlosen Ehe jahrelang getrennt gelebt hatten- Karl Theodor in Mannheim und Elisabeth Augusta in Oggersheim, wo sie ihre eigenen Mätressen und Liebhaber sowie ihre eigenen Hofgesellschaften und –veranstaltungen hatten.  Elisabeth Augusta wohnte seit 1781 abwechselnd im Sommer in dem Erbe ihres Vaters Prinz Josef Karl Emanuel, im Oggersheimer Schloss, und im Winter in Mannheim.  Weil sie schon längst alle politische Macht am Hof verlor, während Karl Theodor sich jeder Einflussnahme der vier Jahre älteren Cousine und Jugenderzieherin entzog und aus eigener Initiative die Mannheimer Regierung zur ansehnlichen Residenz führte, mehrere Beiträge zu den Bereichen  Wissenschaften, Kunst, Kirche, Bauwesen, städtische Infrastruktur (Aufbau der Strassenbeleuchtung 1748, Errichtung der Fundamente, Wasserzufuhr, und Sockelplastik 1771) sowie Hygiene (Stiftung des Mannheimer Katholischen Bürgerhospitals) leistete, widmete sich die Kurfürstin der Religion und der Wohltätigkeit in Oggersheim und erbaute die Loretokapelle des Vaters zur frühklassizistischen Wallfahrtskirche aus ihren Mitteln.  Die kurfürstliche Mühe bewirkte die Erhöhung der Einwohnerzahl, wobei immer mehr Besucher aus gebildeten Ständen oder aus Gewerbeschichten, die ordentlichen, großzügig angelegten Strassen und gut bedachten gemeinnützigen Institutionen bewunderten und nach Mannheim umzogen.  Dadurch wurde Mannheim eine der größten Städte im deutschen Süden und eine schön florierende Kulturmetropole.

Nach dem Umzug des Hofes Karl Theodors tauchten jedoch in der Quadratestadt, deren Glanz und Ruhm durch den Residenzschaftsverlust teilweise erlosch und deren Bevölkerung von 25 353 Personen im Jahre 1777 auf 22000 Personen im Jahre 1786 abnahm ( 20% der Mannheimer Gesamtbevölkerung, als Militär, Hof- und Staatsbedienstete sowie Angehörige, wechselten mit Karl Theodor nach München), einige Probleme auf.  Erstens nützte die neu gebaute Wasserleitung, nicht wie gedacht, viel zum kommunalen Leben.  Das Wasser in Mannheim war eine äußerst unreine Brühe und war so schlecht und hart, dass man meinte, im Tee lauter Widerhaken zu trinken.  Das war angeblich ein Grund für die Epidemie 'Influenza' im Jahre 1783, woran Schiller mit weiteren 6 000 Bürgern schwer erkrankt war und 2 000 Personen der gesamten Bevölkerung von 20 000 Personen, ihr Leben opferten.  Der andere Grund für den Ausbruch der Seuche lag darin, dass zwischen 1771 und 1792 die Zahl der Zuchthausinsassen, die meistens arme Menschen waren und ihre Tätigkeit entweder am Ende der Planken, entlang der Innenseite der Befestigungen, oder in der Unterstadt verrichteten, von 342 Personen auf 1855 Personen anstieg.  Die Zucht von Schweinen, Ochsen, Schafen, Pferden und Kühen in der Stadt, trug zu den ländlichen Gerüchen über das ganze Jahr und dem schmutzigen Wasser bei.  Vor allem begann es im Sommer, bedingt durch die Ausscheidungen der Tiere, in Verbindung mit schwülen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung, unvermeidlich zu stinken.  Die Luft- und Wasserqualität in Mannheim konnte an dieser Stelle unvorstellbar eklig sein und wurde zu einer ausgezeichneten Bruststätte für allerlei Krankheiten und Epidemien.  Andreas Streicher erwähnte in Schillers Biographie den Umweltzustand Mannheims in dieser Zeit,

Der Sommer dieses Jahres 1783 zeichnete sich durch eine ungewöhnliche Hitze aus, durch welche aus den mit Morast und stehendem Wasser angefüllten Festungsgräben, eine so faule, verdorbene Luft entwickelt wurde, daß kaum die Hälfte der Einwohner von diesem Übel verschont blieb.  Auch verursachte die dumpfe Luft in dieser Festung, deren hohen Wälle jeden Zug, jede Strömung eines Windes verhinderten, bei allen Krankheiten gefährlichere Folgen als sonst, (...).[39]    

Zweitens gingen der Handel und die Wirtschaft in Mannheim, ohne den konsumierenden Hof des Kurfürsten, ab 1778 langsam zurück, so zum Beispiel verloren die Frankenthaler Gewerbe in Porzellan und in Metallverarbeitung ohne Finanzmittel aus dem Kurhof die Konkurrenz mit anderen Betrieben im Ausland.  Drittens ereignete sich im Jahre 1784 eine Naturkatastrophe, die der Stadt Mannheim große Schaden zufügte: Das Eishochwasser am 27. 02. im Spätwinter überflutete die Unterstadt Mannheims und deren Vorort.  Aufgrund der eiskalten Temperaturen war  der Neckar im Dezember 1783 einst zweimal gänzlich zugefroren und wieder aufgebrochen, und auf dem Lande waren die heftigen, langandauernden Schneefälle bis über 1,50 Meter hoch.  Später wechselte sich die Witterung zum Regen und Tauwetter, so dass einerseits die auf der Strasse aufgehäuften Schneemassen zu  schmelzen begannen.  Weil der Schnee so dick und fest angehäuft war, war der große Teil nicht ganz verschmolzen und verstopfte als Eisbarriere die Abflußrinnen.  Andererseits war der Pegel des Flusses Neckar durch Regen und Schneefälle hoch angestiegen, was mit dem nicht abgeflossene Schneewasser zuerst die niedrigen und rückwärtigen Gebiete wie Neckarau überschwemmte.  Dann drang das Eiswasser des Flusses am 27. 02 1784  von Osten in die Stadt ein und überflutete mit den aus der Verstopfung entstandenen Wasserrückständen die tieferliegende Unterstadt und alle Felder im Neckarauer Vorort.  Das Eis riss einen Teil des Mauerwerks entlang des Neckars auf und durchbrach den Damm an der Käfertaler Chaussee.  Darauf erfolgten große Schaden, die wiedergutzumachen brauchten, sowie die Wiederherstellung und der Wiederaufbau der Stadtinfrastruktur, die eine Unmenge Geld und Arbeitskräfte verschlangen.  Außerdem rechnete man mit zusätzlichen Kosten für die Korrekturmaßnahmen am Neckar, die man wegen der gefährlichen Flusschlingen zum geraden Lauf in Mannheim ergreifen musste.

Die Stadt Mannheim musste nach der Residenzverlegung bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts, nämlich vor dem Ausbruch der französischen Revolution, mit mehreren Krankheiten, Epidemien und Problemen in städtischen Angelegenheiten auskommen.  Deshalb ist es verständlich, in welchem schlimmen Zustand Schiller sich an dem Ort von 1783-1785 befand.  Er musste nicht nur vielerlei kleine und große Krankheiten ausstehen, die das schwüle Klima und die Umweltbedingungen heraufbeschworen, sondern litt auch unter dem  bescheidenen Einkommen und der Kritik aus dem Theaterbereich Mannheims, während seines Aufenthalts.  Innerhalb von kurzen zwei Jahren, wechselte Schiller zweimal den Wohnsitz.  Die Gründe werden in den nächsten Kapiteln  genannt.

 

2.2.2  Das Nationaltheater Mannheim

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte der französische Einfluss auf alle Arten deutschen Lebens seinen Höhepunkt.  Anhand von Sprache, Kunst, Literatur, Theater, Architektur, Philosophie usw. konnte seine Dominanz in deutschen Ländern nachgefolgt werden.  Durch Industrialisierung und Kapitalisierung der Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert, die das bürgerliche Leben grundlegend verbesserte und das Bildungsniveau bei kleinen Bürgern erhöhte, bildete sich langsam das deutsch-bürgerliche Bewußtsein gegenüber dem Hofleben italienischen und französischen Stils heraus.  Darum stieg von Jahr zu Jahr die Neigung zum Deutschtum und das Streben nach einheimischer deutscher Literatur und deutschem Theater empor.  Dadurch geprägt, setzten die Intellektuellen die Verdeutschung der Künste in die Tat um und gründeten deutsche Gesellschaften in mehreren Bereichen zur Förderung ihrer Vorhaben.  Auch Mannheim stand unter dieser Auswirkung.  1765 errichtete Christian Friedrich Schwan seine Buchhandlung zur Bearbeitung der französischen Theaterstücke ins Deutsche sowie Förderung der Werke von neuen deutschen Dichtern, und veröffentlichte im Jahre 1774 die erste Ausgabe der deutschen Zeitung ‘Die Mannheimer Zeitung‘.  1768 entwickelte Karl Theodor eine starke Zuneigung zu deutschen Komödien und Schauspielen, anstatt zu französischen Dramen von Voitaire, Moliére, Racine und Corneille, und berief die Wanderkomödianten der Sebastianis Schauspieltruppe aus dem Marktplatz zu seinem Haus, als seine eigenen deutschen Hofkomödianten.  1770 wurde die französische Komödie abgesetzt und das einheimisches Drama eingeführt.  Kurz nach der Gründung der Deutschen Gesellschaft mit der kurfürstlichen Absicht, dass mehr die deutschsprachigen Künste und Wissenschaften im Bürgerleben verbreitet werden sollten,[40] fassten Mannheimer die Errichtung eines Nationaltheaters ins Auge.  Am 12. Januar 1776 vertraute Karl Theodor dem Architekten Lorenzo Quaglio an, das Zeug- und Schütthaus für die Lagerung von Arsenalen, Obst und Gemüse auf B3, zu einem Komödienhaus, bzw. einer Redoute umzubauen.  Ein Jahr später wurde es auf der neuen Bühne‚ ‘Teutsches Comödienhaus’, gespielt und der Zutritt war nicht mehr bloß für den Hof, sondern auch für das Bürgertum erlaubt, genau wie die Hofbibliothek und Münz- und Naturaliensammlungen, die dem Publikum  offenstanden.  Das Zeughaus ließ sich dann ein neues Gebäude in C5 aufbauen. 

(...) das Theater bekommt einen viergeschossigen Rangbau auf gradlinig, glockenförmigem Grundriß, 14 Sitzreihen im Parterre und ein sehr wenig tiefes Proszenium – während das Proszenium der barocken Opernhäuser meist sehr tief und architektonisch besonders ausgeschmückt war.  Der Saal des Mannheimer Theaters ist 20m lang, 16m breit, 12m hoch, die Bühne ist 16m tief und hatte 7 Kulissenpaare.  Die Verwandlungsmaschinerie bestand aus einem großen Wellbaum unter der  Bühne und den dazu gehörenden Fahrgestellen.[41]  

Als Karl Theodor die bayerische Fürstenschaft antrat, folgte ihm die Komödiantentruppe nach München und verließ die neu errichtete deutsche Bühne.  Am 01. September 1778 kam Wolfgang Heribert von Dalberg, auf Befehl von Pfalz-Bayern Großherzog Karl Theodor, zur Leitung der neuen deutschen Schaubühne, die man nichts anderes als das vaterländisches Theater bezeichnen wollte.  Auch um die Stadt Mannheim nach der Residenzverlegung von einer höfischen Kulturstadt zu einem bürgerlichen Kunst-, Kultur- und Wissenschaftszentrum umzuwandeln und ihre neue Identität finden zu lassen, nahm das Nationaltheater für sich eine wichtige Rolle auf, die kulturellen und deutsch-geistigen Aktivitäten zu entwickeln und die vom Hof begründeten Traditionen und Institutionen des Deutschtums fortzuführen.  Es berücksichtigte vorzugsweise die ausländischen Schauspiele in der deutschen Sprache und die Schöpfungen begabter deutscher Dichter.  Zugleich nahm das Nationaltheater das Theaterstück, das durch  deutsche Ehrlichkeit, christliche Treue, deutsches Pflichtgefühl und deutsche Heldengröße geprägt war. 

Vor Schiller, bzw. vor 1782, wurden einige deutsche Bühnendichter im Nationaltheater aufgeführt.  Der erste war Gotthold Ephraim Lessing und seine ‘Minna von Barnhelm’ mit dem Auftritt der Straßburger Schauspieltruppe von Theobald Marchand.  Nach Wegzug des Hofes spielte das Ensemble von Abel Seyler aus Hamburg bis 1779 und half dem Intendanten Dalberg dabei, den Regisseur Christian Dietrich Meyer und die Schauspielschüler aus der Schule von Konrad Ekhof von Gotha, dem großen Menschendarsteller, Theaterleiter und Reformator der deutschen Schauspielkunst, wie Johann David Beil (Schillers Schweizer, Musiker Miller), Johann Michael Boeck (Karl Moor, Fiesko, Präsident von Walter), Heinrich Beck (Kosinsky, Bourgognino, Ferdinand), und August Wilhelm Iffland (Franz Moor, Verrina, Wurm) zu gewinnen, um das feste Ensemble vom Nationaltheater zu bilden. Von 1782 bis 1785 bespielten sie Gotter, Schröder, Iffland (Schauspieler und Bühnenschriftsteller), und Schiller.  Zudem gab es ausländische Schauspiele in deutscher Sprache wie von Shakespeare, Goldini, und Calderon.  Intendant Dalberg fühlte sich für die Vorgänge im Theater verantwortlich und folgte jedem einzelnen nach.  Er nahm selbst an den Proben teil, gab wichtige Anregungen und überwachte, ob die Inszenierungen sozial gut gestellt, moralisch gesinnt und gesellschaftlich geachtet wurden.  Er und die Ekhof-Schüler errichteten den Theater-Ausschuss, wo die Schauspieler ihr Mitspracherecht für die Literatur, das Theater und die Problematik ihres Berufs ausübten, und strebten gemeinsam danach, das Deutschtum im Theater zu verwurzeln.  Mit Beitritt von Lessing, Konrad Ekhof, und ansässigen Wissenschaftlern Mannheims, verschaffte sich das Nationaltheater einen neuen Schwung; auch durch Einführung des Shakespeare-Dramas in Deutsch, das einen Platz neben der Vorherrschaft der italienischen und französischen Übersetzungsschauspiele einnahm. 

Vor diesem Ausschuss lies Schiller mit seinem schwäbischen Akzent seine Schauspiele vor, einmal mit vaterländischem Verrat sein erstes Werk ‘Die Räuber’ und einmal auf Desertion den ‘Fiesko’.  Als angestellter Bühnendichter des Nationaltheaters, erschien er wegen seiner Erkrankung öfter nicht in den Sitzungen und widmete sich im Haus der eigenen Schriftstellerei an ‘Luise Millerin’, ‘Don Carlos’ und dem Theatermagazin ‘Rheinische Thalia’.  Aufgrund von seinem Desinteresse am Tagesverlauf des Theaters und offenherziger Kritik war Schiller wenig beliebt bei den gothaischen Schauspielern, und es kam später dazu, dass er bedauerlicherweise im Jahre 1784 ohne Unterstützung von seinen Kollegen  aus dem Mannheimer Nationaltheater entlassen wurde.  Falls einer der gut gebildeten und in Theaterangelegenheiten gut erfahrenen Schauspieler sich für ihn ausgesprochen hätte, hätte Intendant Dalberg die Abweisung der Vertragsverlängerung zurückgenommen. 

Das Nationaltheater Mannheim war im Herzen der Pfälzer ihr Kind, das sie voller Stolz liebten und bewunderten.  Politisch verkörperte es sich als ein bedeutendes Bollwerk gegen starke französische Vorherrschaft an der Grenze zu Frankreich, und als ein Vermittler sowie Förderer der deutschen Kultur und Kunst auf dem pfälzische Boden, während der Kurfürst weit entfernt in Bayern regierte.   

 

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2.2.3  Intendant Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg

Am 18. November 1750 wurde Wolfgang Heribert von Dalberg in einer höfischen Musikantenfamilie bei Worms geboren und im Schloss seines Vater bei Hofmeister erzogen.  In den siebziger Jahren verheiratete Wolfgang von Dalberg sich mit Maria Elisabeth Augusta Ulner, die ihm später drei Kinder schenkte.  Seit 1774 bekleidet er das kurpfälzische Amt als Obristsilberkämmerling und stieg dann zum Hofkämmerer als Kulturpolitiker auf.  Als Karl Theodor die Regierung 1778 nach München übersiedelte, trat er mit achtundzwanzig Jahren als Obersteher in die Kurpfälzische Deutsche Gesellschaft ein und übernahm die Stelle des Oberintendanten vom Nationaltheater Mannheim.  Sich mit Ehrgeiz das Ziel setzend, und die Situation der Epoche benutzende, erließ Dalberg, der frühere Vizepräsident der Hofkammer, im Jahre 1779 in Funktion eines ‘adligen Ratsakzessisten’ eine Serie Verwaltungsanordnungen und saß ein Jahr später unter den Geheimräten der bürgerlich-pfälzischen hohen Regierung in Mannheim.  Von nun an hatte man ihn mit dem dekorativen Titel ‘Exzellenz’ anzureden.  Darüber hinaus kam das gewitzte Profil Dalbergs hervor,  „(...) einen Mann, der erst so kurze Zeit zum Hofe gehörte und noch durch keinerlei auffallende Leistungen hervorgetreten war, hingegen an aristokratischer Ebenbürtigkeit, an Familieneinfluß und Vermögen in Mannheim viele seinesgleichen hatte (...).“ [42]

Wie erwähnt, richtete sich ursprünglich das Nationaltheater mit der deutschen Gesellschaft auf Wunsch Karl Theodors an dem bevorzugten deutschen Stil,  Geschmack und der deutschen Sprache aus, wobei seine Untertanen Buchhändler Christian Friedrich Schwan, Geheimer Kabinettssekretär Stephan v. Stengel und Professor Anton Klein mit ihren Kräften alle Beiträge leisteten.  Als Dalberg an die Leitung kam, erweiterte er den Vorsatz des Theaters, indem er daran appellierte, Mannheim nach Verlegung des Hofes vor Elend und Verderben zu retten und sie mit damaligem Glanz zum Kulturzentrum Süddeutschlands umzuwandeln.  Er ließ einheimische Werke und fremdsprachige Spiele inszenieren, darunter waren Shakespeares Drama, Schillers drei Werke und Beaumarchais ‘Hochzeit des Figaro’ am bekanntesten.  Der Musikmeister Wolfgang Amadeus Mozart dirigierte persönlich die Premiere des letzten Stücks.  Unter Dalbergs Leitung war der Spielplan in Mannheim kaum anders als der der großen Bühne in Regensburg, in Wien, in München, in Hamburg, in Berlin oder in Sachsen.  Besser war es auch, dass sich die Werke aus der Umgebung im Spielplan befanden und das Leben vor Ort interpretierten.  Wie zum Beispiel Schillers Fiesko, Werke von Iffland und Friedrich Wilhelm Gotter standen alle im Zusammenhang mit den Menschen und Gegenden der Pfalz.  Bis zu dem Rücktritt Dalbergs im Jahre 1803 beherrschten Iffland und Kotzebue den Spielplan des Nationaltheaters.  Mehr oder weniger entsprachen sie  nämlich dem Wunsch von Dalberg, dass Mannheim immer im Zentrum aller Aufmerksamkeiten blieb, wie es damals als das Zentrum der Kurpfalz gewesen war. 

 

Abb.14

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2.3  Oggersheim 

2.3.1  Oggersheim in der Zeit

Der  Kodex des Klosters in Lorsch, das im Jahre 764 zwischen Worms und Bensheim an der Bergstrasse erbaut wurde, ist die älteste geschriebene Geschichtsquelle für Hunderte Orte in weiter Umgebung von Oggersheim.  Mit Niederschreibung der Schenkungen (die meisten waren Lebensmittel) von nah und fern, beweist der Lorscher Kodex, dass die allermeisten bis heute bestehenden Ortschaften vor 1150 bis 1200 schon existierten und von kleinen freien Bauern gerodet, bewohnt, und mit Feldern bebaut wurden.  Über Oggersheim, dem damaligen Dorf Agridesheim,  lieferte der Lorscher Kodex bereits im Jahre der Klosterstiftung 764 eine Schenkungsurkunde.  Es war die älteste schriftliche Nachricht über den Ort.     

Die Geschichte von Oggersheim kann auf das Jahr 800 zurückgeführt werden, als in der Karolingerzeit der Germane Karl der Große über das Heilige Römische Reich  herrschte und  das hierarchische Verwaltungssystem für die Regierung des großen Reiches errichtete.  Darunter galt das Grafamt, neben der Ritterschaft, dem geistlichen Fürstenamt sowie dem Herzogtum, als eine der Verwaltungs- und Gesetzgebungseinheiten.  Zum dem obersten Herzogtum gehörten im deutschen Hochmittelalter vier große Stammhäuser, die direkte Verantwortungen gegenüber dem Kaiser übernahmen.  Sie waren das fränkisch-lothringische Haus, das schwäbische Haus, das bayerische Haus und das sächsische Haus.  Ab dieser Zeit war Oggersheim eine Ortschaft des Pfalzgrafbereichs, der sich dem fränkischen Herzogtum unterordnete.  Nachdem Zersplitterung des Reiches, Kron- und Bodenkriege und  dann Wiedervereinigung sich mehrmals wiederholten, kam  Kaiser Friedrich Barbarossa 1152 auf den Thron und verlieh seinem Bruder Konrad von Hohenstaufen im Jahre 1155 das Pfalzgrafamt und damit Oggersheim.  Im Jahre 1214  ging die Pfalzgrafschaft an den Anhänger von Kaiser Friedrich II, den Wittelsbacher Herzog von Bayern, Ludwig den Kelheimer, über.  Seither war die Pfalz mit den Wittelsbachern in Bayern verbunden und verwandt, und die Kurfürstenschaft wechselte sich zwischen den beiden Ländern ab.  Zwischendurch war Oggersheim aufgrund seiner florierenden Lage für Handel und Verkehr bereits vor 1317 zur Stadt erhoben worden;  im Gegensatz zu Mannheim, das in der Zeit  noch ein wenig beachtetes Dorf war und drei Jahrhunderte bis 1598 zur Stadterhebung warten musste.  Im Jahre 1365 wurde der Pfalzgrafschaft von Ruprecht I, durch Erlassung des Reichsgrundgesetzes, die Kurfürstenwürde zuerkannt, als Kaiser Karl IV die bei dem Erbfolgestreit von den deutschen Fürsten vorgenommene Kaiserwahl, nach Jahrhunderten mit der Reichsverfassung schließlich rechtlich verband. 

Mit dem Reichgrundgesetz, der Goldenen Bulle, legte Kaiser Karl IV. im Jahre 1365 die besonderen Rechte der deutschen Kurfürsten, die sie bereits seit langem schon tatsächlich ausgeübt hatte, nunmehr reichsgesetzlich verbindlich fest. Ihr oberstes Recht war die Wahl des Königs.  Es gab damals sieben Kurfürsten: drei geistliche: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, und vier weltliche: der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen-Wittenberg [Wirtemberg] und der Markgraf von Brandenburg.[43]

In den weiteren zwei Jahrhunderten blühte die Stadt Oggersheim mit freiheitlichen Bürgerrechten und ihrer eingerichteten Zollstätte auf.  In dem dreißigjährigen Krieg, bzw. dem pfälzischen Erbefolgekrieg um das Erbe der Liselotte von der Pfalz, wurde die schöne Prosperität jedoch abgebrochen, und Oggersheim wurde von hin-und hermarschierenden spanischen, französischen und deutschen Truppen bis auf den Grund verwüstet.  Als Josef Karl Emanuel August von Sulzbach, Schwiegersohn von Karl Philipp,  ein  Lustschloss sowie eine Wallfahrtskirche um 1720 in Oggersheim erbaute, wurde der Stadt ihr damaliges Angesicht endlich wiederhergestellt wurde.  Das Oggersheimer Schloss befand sich unten auf der Mannheimer Strasse, die sich dem Mannheimer Tor zu der Route nach Mannheim oben anschloss.  Diese kleine Sommerresidenz von Erbprinz Karl Emanuel, war im Vergleich zu anderen fürstlichen Schlössern, eher von idyllischem Stil, weil sie sich nicht in der prachtvollen Architektur zeigte, sondern in einer riesengroße Grünfläche von Baumgarten, Menagerien, Fasanengarten, Gemüsegarten, Orangeriehäusern  sowie Bewässerungskanälen.  Erwähnenswert ist, dass es damals im Garten ein Glashaus mit einem Glasgang gab, der sich zum Schloss verband.  Seine Funktion war in moderner Hinsicht ein Treibhaus, aber aus damaliger Sicht ein sehr schöner Blickfang.  Es war so merkwürdig, dass es in Schillers Drama ‘Fiesko’ als Hintergrund des dritten Aufzugs in zweiter Szene zu finden war.  „In der Mitte des Hintergrunds eine große Glastür, die den Prospekt über das Meer und Genua öffnet.  Morgendämmerung.“[44]  Den Grundstein zur Wallfahrtskapelle, der Versuch ein Nachbild von dem Haus zu Nazareth zu schaffen, worin die heilige Familie wohnte, und eine Nachahmung der Loretokapelle, die für die Verehrung Marias und Jesus gehalten wurde, legte Josef Karl mit eigner Hand in den zwanziger Jahren.  Er erwirkte während des Bauvorgangs in Rom eine Zahl Reliquien und Ablässe für die Kapelle.  In Loreto ließ er eine Maira-Jusus-Statue anfertigen, die ganz gleich dem Bildnis in der dortigen Kapelle geschaffen war.[45]  Unglücklicherweise starb der Prinz früh an Fieber, bevor die Kirche eingeweiht wurde.  Nach seinem Tod übernahm sein Schwiegervater Karl Philipp die Bauarbeiten an der noch zu bauenden Kapelle und übergab sie im März 1733 den Jesuiten in Mannheim.  „Auf Maria Verkündung (...) wurden Bildnis und Reliquien mit großen Gefolgen, unter Pauken- und Trompetenschall, sowie allgemeinem Frohlocken und Gesang des zahlreichen erscheinenden Volks von der Pfarrkirche, Kiliankirche, wohin sie tags zuvor gebracht worden waren, in die Kapelle überführt.“[46]  Die Wallfahrtskapelle wurde später von Elisabeth Augusta, Tochter des Begründers, im Jahr 1784 mit Altären, Gestühl, Kanzel, Stuckarbeit, Orgel, sechs Glocken, sowie Schmuckbildern im Innenraum, aus ihren eigenen Mitteln, schön ausgestattet, und wurde 1803 anstatt der kleineren Kiliankirche zur Pfarrkirche in Oggersheim erhoben. 

Gegensätzlich zur weltlichen Hütte Gottes hatte das Oggersheimer Schloss aber  keine große Eröffnungsfeier, sondern eine Trauer, die sich an den Frühtod seines Herrn und seiner Herrin richtete.  Kurz nach der Fertigstellung ließ Karl Philipp 1730 alle Kostbarkeiten im Schloss versteigern.  Die Gegenstände vom Prinzenehepaar wie Möbel, Galawagen, Uhren und Porzellan mussten an die Öffentlichkeit veräußert werden, um die Schulden der Baukosten zurückzuerstatten.  Anschließend zog sich der traurige alte Kurfürst, der innerhalb von einem Jahr die einzige Tochter und den Schwiegersohn verloren hatte, von dem Schloss zurück und ließ es da verwaisen und verwildern.  Erst nach zwanzig Jahren weckten die eigenen Nachkommen Karl Emanuels, seine zwei Töchter und Schwiegersöhne, das Schloßchen aus dem Schlaf  und unterzogen es nacheinander der Restaurierung und Erweiterung.  Der Gemahl der jüngsten Tochter, Prinz Friedrich Michael von Zweibrücken, lieferte den ersten Beitrag zur Renovierung und zum Ausbau des Schlosses.  Elisabeth Augusta, die nach dem Tod der Schwester und des Schwagers durch Schenkung ihres Ehemanns das Schloss besaß und die Sulzbacher Hinterlassenschaft tatsächlich bewohnte, fand nach dem Ehebruch mit diesem ihr Zuhause in Oggersheim für 22 Jahre, bis sie im Jahre 1794 von der französischen Revolutionsarmee gezwungen wurde, das Schloss zu  verlassen und sich nach Weinheim zurückzuziehen, wo sie nach einigen Monaten starb.  Das Oggersheimer Schloss, sein Glashaus, die Wallfahrtskirche und ihre Loretokapelle, sowie das Mannheimer Tor im damaligem Oggersheim am Flußlauf[47], können mit der Jesuitenkirche, dem Thomastor und dem Saal mit Glastüren am Meer in der Fiesko-Bühnenfassung von Schiller identifiziert werden, der das Werk auf seiner Flucht beim Aufenthalt in Oggersheim beendete.    

 

Abb. 15

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2.3.2  Gasthaus zum Viehhof

Im damaligen Gasthaus zum Viehhof, heute Schillerhaus mit Oggersheimer Stadtbücherei, waren Friedrich Schiller und Andreas Streicher nach der langen Flucht von Stuttgart, über Mannheim, nach Frankfurt und wieder der Rückreise über Mainz, Worms und nach Oggersheim am 13. Oktober 1782 eingetroffen.  Das zweistöckige Haus Zum Viehhof befand sich in der Speyerer Strasse, gegenüber der Posthalterei, die 1756 aus Rücksicht auf die Korrespondenz von Prinz Friedrich Michael von Zweibrücken aus Maudach nach Oggersheim verlegt worden war.  An dem Tag, von dem Ehepaar Regisseur Meyer und einigen Freunden erwartet, bezog Schiller als ‘Dr. Schmidt’, zusammen mit Streicher als ‘Dr. Wolf’, in der Gaststätte zwei kleine Zimmer, bzw. ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, die jeweils nicht über 15 Quadratmeter groß waren.  Die zwei Männer mussten sich mit einem Bett und den nötigsten Möbeln im Zimmer begnügen, weil die täglichen Kosten für Unterhalt und Versorgung nicht billig waren, und auch weil sie mit ihrer kleinen Barschaft (Schillers 23 Gulden, Streichers 28 Gulden) eine wahrscheinlich lange Unterkunft bestreiten mussten, bis Schiller die Umarbeitung des Fiesko beenden konnte.  In ihrer kleiner Stube beschäftigte sich der Dichter mit dem Plan des republikanischen Trauerspiels, das den Kampf um richtige Demokratie zum Thema hatte, sowie mit der Geschichte ‘Luise Millerin’, während der getreue Andreas Streicher ab und zu sein von Stuttgart hergeschlepptes Klavier spielte, um seinen Zimmergenossen zu entspannen und zu begeistern.  Schiller arbeitete mühsam an dem ‘Fiesko’, der dem tatsächlichen Menschen und Leben in der Pfalz entsprach.

(...), indem er [Schiller] viel zu sehr mit seinem neuen Trauerspiel beschäftigt war, und schon am ersten Abend in Oggersheim den Plan desselben, aufzuzeichnen anfing.  Gleich bei dem Entwurf desselben hatte er sich vorgenommen, die vorkommenden Charaktere, den eigensten Persönlichkeiten der Mitglieder von der Mannheimer Bühne so anzupassen, daß jedes nicht nur in seinem gewöhnlichen Rollen-Fache sich bewegen, sondern auch ganz so, wie im wirklichen Leben zeigen könne.[48]      

Es sein denn, dass Schiller und Streicher mit der Fähre von Friesenheim nach Mannheim zu Meyer und Schwan zu Besuch kamen, machten die beiden während dem Aufenthalt in Oggersheim noch öfter auf Empfehlung des Wirts und der Wirtin Schick einen Spaziergang entlang den Pappelalleen, die von Frankenthal über Oggersheim zur Rheinschanze führten.  Entweder über die Stadttore, Speyerer Tor südlich und Frankenthaler Tor nördlich, die neben dem Mannheimer Tor zu den Eingängen zur Stadt Oggersheim dienten, oder durch die Gärten und gut gepflegten Weinberge am Rhein, konnte Schiller mit seinen Freunden in der Abenddämmerung einen schönen Rundgang unternehmen und sich an der Idylle erfreuen.  Zu Schillers Freunden in Oggersheim zählten der Frankenthaler Kaufmann Jakob Derain, der sich außer seiner Geschäfte sehr für die Literatur interessierte, sowie die Familie ‘Zum Viehhof’,  Johann Heinrich Schick, seine Frau und seine Tochter.  Sie alle verfolgten sehr aufmerksam Schillers Arbeiten an ‘Fiesko’ und dem Entwurf ‘Luise Millierin’. Obschon sie sich im Vergleich zu jenem Mannheimer Wissenschaftler nicht sehr mit der Literatur vertraut waren, schlossen sie Streicher, Schiller und seine Werke innig ins Herz und empfand eine starke Zuneigung für sie.

Es wurden nämlich bei der gänzlich Abänderung des Fiesko die früher geschriebenen Szenen gar nicht mehr beachtet, sondern wie jedes unnütze Papier behandelt.  Mit diesem sowie mit vielen Blättern, worauf die Entwürfe zu Luise Millerin verzeichnet waren, wurde nun nicht weniger als schonend verfahren, was dann die Gelegenheit gab, daß die Frau Wirtin- die mit einer sehr großen Neigung zum Lesen ebenso viele Neugier für alles Geschriebene verband- diese Blätter, deren Sprache ihr ganz neu und ungewöhnlich schien, sammelte und solche zu Herrn Derain brachte (...).  Mit wahrem Eifer bat er um Erlaubnis die Bekanntschaft eines noch so jungen und schon so berühmten Mannes machen zu dürfen, und erhielt  solche um so williger, als für Schiller und seinen Freund eine zerstreuende Unterhaltung in den trüben, nebligen Novemberabenden eine wahre Erquickung war.(...).’[49]      

Als Schiller Anfang November 1782 das Schauspiel ‘Fiesko’ fertig umgearbeitet hatte und es über Meyer an Dalberg einreichte, erfuhr er beim Besuch des Regisseurs, dass ein württembergischer Offizier auf der Fahndung nach sich in Mannheim war.  Noch    keine Entscheidung getroffen, ob er weiter floh, bekam Schiller den nächsten ohnmächtigen Schlag ins Gesicht, indem ihm mitgeteilt wurde, dass Heribert von Dalberg das Spiel ‘Fiesko’ für unbrauchbar hielt,  „(...) daß dieses Trauerspiel auch in der vorliegenden Umarbeitung nicht brauchbar seyn; folglich dasselbe auch nicht angenommen, oder etwas dafür vergütet werden könne.“[50]  Intendant Dalberg, der der württembergischen Empfangsfeier für den russischen Großherzog vor kurzem  beigewohnt hatte, zu deren Anlass er Schiller in Stuttgart wieder traf und erst beim Herzog Carl Eugen das Missverständnis über Mannheimer Aufführung dessen Schauspiel ‘Die Räuber’ klärte, wollte den Einsatz des Stückes des Deserteurs sicherlich lieber zu der Zeit vermeiden.  Die Wiederaufnahme des Werks von Schiller hätte nur alle seine Erklärungen gegenüber Carl Eugen ruiniert und die Beziehungen zwischen Pfalz-Bayern und Württemberg um Schillers willen gefährdet.  Ungeachtet des Erfolgs der ‘Räuber’, der dem Nationaltheater Gewinne einbrachte und auch hätte einbringen sollen, lehnte Dalberg das zweite Drama des Dichters ab und verweigerte irgendwelche finanzielle Unterstützung für den Flüchtling.  Total niedergeschlagen und unter der schlimmsten Geldnot leidend, besonders weil der zweimonatliche Aufenthalt in Oggersheim und die Umarbeitung des Theaterspiels alle Gelder verzehrten und neue Schulden machten.  Schiller, das Drama zum Buchdruck beim Buchhändler Schwan hinterlassend und einen Teil Besoldung bekommend, beschloss er nichts anderes als Wiedereintritt auf seine Flucht.  Er nahm die Einladung von Frau von Wolzogen, Mutter seines Mitschülers und gute Freundin seit der Stuttgartzeit, an.  Auf den Preis von seiner Uhr beschaffte er sich mit übrigen Mitteln die Reise- und Fahrkosten, nach Bretten zu fahren, wo er sich mit ihr aus Stuttgart und seiner Mutter sowie Schwester Christophine aus Ludwigsburg, zusammentreffen sollte.  Wegen der Krankheit der Mutter und dem knappen Finanzzustand der Familie, wurde dies von Kasper Schiller abgelehnt.   Mit Frau von Wolzogen allein sollte Schiller zu ihrem Landgut in Bauerbach fliehen.  Währenddessen zog Streicher von Oggersheim nach Mannheim und ließ sich dort als Musiklehrer für einige Jahren anstellen.  Bis Streicher in den 90igern nach München ging, wo er 1794 die Cousine von Mozart heiratete, und weiter nach Wien verzog, wo er als großer Klavierlehrer und Klavierbauer bekannt wurde und mit den musikalischen Größen wie Beethoven befreundet war, blieb er immer der treuste Freund und Genosse des Flüchtlings Schiller.  Am 22. November 1782 verließ Schiller die kleine einfache Stadt Oggersheim und ging an seiner nächsten Station Bauerbach.   

In seinen Briefen an den Bibliothekar, Wilhelm Friedrich Hermann Reinwald, den Schiller durch Frau von Wolzogen auf der Flucht in Meinigen kennenlernte, sowie an Andreas Streicher, zeigte Schiller unverhüllt seine Schwierigkeiten, Hilflosigkeit und Ratlosigkeit auf der Flucht und vor allen in den Zeiten, die er auf Kosten seiner geringen Mittel für die Umarbeitung des Theaters ‘Fiesko’ in Oggersheim aufopfert hatte.  Kurz vor der Abreise von Meinigen nach Bauerbach, schrieb Schiller an Reinwald,  „Ich höre, Sie haben die Kost aus dem Hirsch, ich bin also so frey Sie auf ein Mittageßen zu bitten.“[51]  In Bauerbach eingetroffen, sandte Schiller dem damaligen Fluchtbegleiter gleich eine Nachricht, „Ich traf alles noch über meine Wünsche.  Keine Bedürfniße ängstigen mich mehr, kein Querstrich von aussen soll meine dichterischen Träume, meine idealistischen Täuschungen stören.“[52]  Darin trat erstaunlicherweise eine Tatsache zu Tage, dass nämlich Schiller und Streicher in Oggersheim in so eine Geldnot geraten waren, dass sie beim Verlassen des Gasthauses zum Viehhof die Unterkunft und das Essen nicht abzahlen konnten.  Schiller mochte das Geld von Frau Wolzogen leihen und es Streicher nach Mannheim zuschicken, damit der es gleich an die Oggersheimer Gaststätte zahlen konnte.  Die Freunde in Mannheim, die Schiller in vielen Briefen genannt hatte, boten ihnen in diesem Umstand keine helfende Hand.  Der Aufenthalt in Oggersheim, im Wirtshaus zum Viehhof, war eine erfolglose Bemühung eines angehenden Dichters, die als Probe für seinen unerschütterlichen Willen zur künftigen großen Dichtung betrachtet werden könnte, und war auch ein Zeichen der realistischen Welt, nicht nur in dem Mannheimer Theaterhof, der Schiller aus seiner Perspektive wegen des Erfolgs der ‘Räuber’ die Laufbahn als Theaterdichter hätte eröffnen sollen, sondern im allgemeinen Umgang der Menschen.      

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2.4  Flüchtlingsleben

2.4.1  Zielort: Mannheim

Wegen des Erfolgs der Räuber vertraute sich Schiller dem Beruf als Dramatiker an, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.  Mithin hatte er den Mut, auf seine Medizinerkarriere zu verzichten, für die er sich nach dem dreijährigen, ergebnislosen Jurastudium erst entschied, dann die weitere vier Jahre zu studieren verbracht hatte.  Dazu blieb er noch ein Jahr länger in der Schule, um seine medizinische Erkenntnisse zu verbessern, und ‘um sein Feuer etwas dämpfen zu lassen’, wie sein Landesvater Carl Eugen gemeint hatte.  Der geniale Mediziner und Dichter, mit Entschlossenheit eine bessere Zukunft in Mannheim zu beginnen, setzte Ende September 1782 seinen Fluchtplan in die Tat um.  Er und der junge Musiker Andreas Streicher verwandelten sich als Dr. Wolf und Dr. Ritter, und fuhren auf einer zweispännigen Kutsche mit einem Fahrer aus Stuttgart auf die Flucht ab.  Das beim Fahrer angegebene Reiseziel war Eßling.  Der Wagen brach am 23. September gegen neun Uhr abends auf, wann wegen den großen Festlichkeiten für die russischen Gäste in Stuttgart keine Passagierkontrolle an der Torwache aufgestellt wurde, und die zwei Flüchtlinge, sich im Dunkeln des Innenwagen versteckend, mit der Kutsche ohne Anhalten über das Eßlingentor hindurch fuhren und die Stadt Stuttgart verließen.  Dann nach Nordost in Richtung Bretten umgefahren, eilte der Wagen auf der Verbindungsstrasse von Ludwigsburg zur Solitude gegen Null Uhr in der Mitternacht.  Über Ludwigsburg, verabschiedete sich Schiller still von der lieben Familie, die er neun Jahre lang kaum besuchen durfte, und am Fuß des Hohenaspergs, wo Schubart acht Jahre lang eingekerkert wurde, empfand der Deserteur viel in seinem scharfen Geist und sensiblen Herzen.  Der Flüchtling ging wagemutig ohne jedes Anhalten, ohne jedes Zurückblicken auf seiner Flucht.  In Enzweihingen machte die Reisegruppe Halt, wenn Schiller entspannt bei Kaffee seine Gedichte vorlas.  Nach drei Uhr am 24. September wieder losgefahren, trafen die Reisenden um acht Uhr an der kurpfälzischen Grenze und um zehn Uhr in Bretten ein.  Da wurde die Kutsche nach Stuttgart zurückgeschickt, und Schiller sowie Streicher fuhren, nach dem Mittagessen bei der Poststelle, mit der Postkutsche über Waghäusel nach Schwetzingen.  Abends gegen 21 Uhr waren sie in der Stadt der kurfürstlichen Sommerresidenz Schwetzingen angekommen und mussten vor Ort eine Übernachtung finden, da die Tore zu Mannheim am Abend geschlossen wurden.  In den Morgenstunden fuhren die Reisenden mit dem frühesten Postwagen weiter nach Mannheim.  In der Stadt kündigten sie ihre Ankunft beim Regisseur Meyer an, der nicht mit seiner in Stuttgart gebürtigen Gemahlin und dem Theaterintendanten Wolfgang von Dalberg zusammen zum württenbergischen Fest ging, sondern in Mannheim zurückblieb.  Zu der Zeit, als Schiller und Streicher angelangt waren, war Frau Meyer schon vom Schwabenland ohne Dalberg zurück, der dort noch zu Gast weilte.  Das Ehepaar war sehr überrascht von ihrem Erscheinen.  Sobald sie von der ganzen Fluchtgeschichte erfuhren, redete Meyer Schiller gleich zu, seinem Landesherrn, Carl Eugen, und seinem Regimentsvorgesetzten General Augé zu schreiben und sich bei Ihnen zu entschuldigen.  In dem Brief stellte Schiller drei Bitten an den Herzog, und zwar um die Aufhebung des Schreibverbots, um seine in der Schule von ihm geförderten Talente zu üben, um die Erlaubnis,  dass er sich mit dem Ertrag der Schriftstellerei (500 Gulden jährlich) Studienreisen gönnen darf, und um die Erlaubnis des Ziviltragens zur Erleichterung seiner Arztpraxis.  Danach sorgte Meyer für das Essen der beiden Flüchtlinge und für ihre Unterkunft bei seinem Zuhause, in der Gaststätte Zu Karlsberg (O2, 1).  

In den folgenden Tagen beschränkten sich Schiller und Streicher aus Sicherheitsgründen auf den Kreis der Familie Meyer und besprachen das neue Werk ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’.  Später ging der Bescheid von General Augé bei Meyer ein und forderte Schillers sofortige Rückkehr, ohne bestraft zu werden.  Schiller erfüllte aber den herzoglichen Wunsch nicht, ohne daß seine eigenen Wünsche gewährt werden.  Anschließend fanden noch mehrere Vorlesungen des Dramas ‘Fiesko’ bei Meyer statt.  Mittlerweile kam wieder der gleiche Bescheid von General Augé zur Beschleunigung Schillers Heimfahrt, der jedoch wieder von dem württembergischen Sohn abgelehnt wurde.  Nun, nach dem einwöchigen Aufenthalt in Mannheim, entschlossen sich Schiller und Streicher Anfang Oktober wieder auf die Flucht zu gehen, anstatt den vergeblichen Briefwechsel weiter vorzunehmen.  Zu Fuß, weil kein übriges Kapital für eine abermalige Kutschenreise vorhanden war, begaben sich Schiller und sein treuer Gefolge über Neckarbrücken nach Sandhofen, dann entlang der mit Burgruinen prangenden Bergstrasse nach Darmstadt und weiter nach Frankfurt.

           

2.4.2  Zuflucht in Frankfurt

Auf dem Weg nach Frankfurt aßen und übernachteten die beiden Reisegenossen im Wirtshaus, erholten sich unterwegs im Freien, und tranken bei Durst Wasser mit Kirschengeist, um sich damit zu stärken.  In der Vorstadt Frankfurts, Sachsenhausen, verbrachten sie die zweite Fluchtnacht im Gasthof, wo Schiller einen Brief an Dalberg verschicken ließ.  Darin bot Schiller dem Theaterintendant sein zweites Trauerspiel ‘Fiesko’ an und ersuchte dafür als Vorauszahlung einen Betrag von 300 Gulden vorzustrecken, darunter Zweihundert für die Zurückerstattung der Druckschulden in Stuttgart und Einhundert für die Hilfe in seiner derzeitigen Notlage nötig war.  Der Brief blieb unbeantwortet.  An dieser Stelle äußerte der Fluchtpartner des Großdichters, Andreas Streicher, in Schillers Biographie von dem Jahr 1836 seine Meinung über dessen immer schwieriger werdenden Notlagen, „(...) aber er [der Leser] muß es wissen, und bei diesem ausserordentlichen, jetzt beinahe vergötterten Dichter, wiederholt bestätigt sehen, daß in Deutschland keinem großen Manne in seiner Jugend auf Rosen gebettet wird; daß – er die rauhesten, mit verwundenden Dornen belegten Wege, betreten muß, und selten, Leider! äusserst selten, eine freundliche Hand sich findet, um ihm die Bahn gangbarer, um seiner Brust das Athmen leichter zu machen.“ [53]  

Weil Schiller und Streicher noch Hoffnungen auf ein Rückschreiben aus Mannheim hatten, entschieden sich die beiden für kurze Zeit in Sachsenhausen zu bleiben, von wo aus Schiller über die Mainbrücke nach Frankfurt gehen konnte, um bei einem Buchhändler das bekannte Werk ‘Die Räuber’ nachdrucken zu lassen, und um Geldmittel für ihr Auskommen während der Flucht zu beschaffen.  Wahrscheinlich wegen dem Nachdruckrecht, das Schiller einmalig an Schwan verkaufen können hatte, bekam Schiller 18 Gulden anstatt 25 Gulden von einer Frankfurter Buchhandlung für den Wiederkauf des Schauspiels.  Nachdem der Postwagen dem Mitflüchtigen Streicher einen Wechsel von 30 Gulden gebracht hatte, den er von seiner Mutter in Stuttgart erbeten hatte, entschlossen sich sie beiden, Frankfurt zu verlassen und zu einem Ort in der Nähe von Mannheim zurückzukehren, wo Schiller den Fiesko weiter bearbeiten und das Konzept von Luise Millerin erweitern konnte.  Zwischendurch schrieb Schiller an seine Schwester Christophine und an seinen Mitschüler C. F. Facobi, dass er weiter nach Berlin geflohen wäre, um die Stuttgarter Behörden über sein Befinden zu täuschen. 

Anfang November 1782 reisten die zwei Freunde von Frankfurt aus, mit einem täglich abgehendem Marktschiff über den Main, nach Mainz, das alte römische Erzbistum seit dem 4. Jahrhundert.   Dort verweilten sie einen Tag, besichtigten den Dom und die Stadt Mainz und genossen ein bißchen die schöne Aussicht auf zwei Flüsse, den Main und den Rhein, „(...) den, ächt deutschen, Eigensinn bewunderten, mit welchem beide Gewässer ihre Abneigung zur Vereinigung, durch den scharfen Abschnitt ihrer bläulichen und gelben Farben, (...).“[54]  

Am kommenden Tag brachen die Wanderer früh auf, um in neun Stunden in Worms anzukommen.  Abends gegen neun Uhr erreichten sie das Bistum Worms, um zu übernachten.  Am Morgen des nächsten Tages fanden die Reisenden einen Brief von Meyer, dass sie sich nachmittags mit ihm und seiner Frau in Oggersheim in dem Gasthaus Zum Viehhof treffen sollten.

 

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2.4.3  Aufenthalt in Oggersheim

Als Schiller und Streicher in Oggersheim ankam und sich im Gasthaus zum Viehhof niederließen, stieg in Herzog Carl Eugen richtiger Ärger über den Trotz seines lieben Ziehsohnes auf, der ihm damals in der Carlsschulzeit weich und zärtlich gehorcht und geschmeichelt hatte.  Er verbot General Augé Ende Oktober 1782 die weitere Korrespondenz mit Schiller und ließ dessen Namen in der Stuttgarter Regimentsliste als ausgewichen streichen und ihn damit zum Deserteur erklären. 

In Oggersheim führten die beiden Jünglinge ein relativ isoliertes Leben und bekam wenig Besuch aus Mannheim.  Seine ganze Zeit verwandte Schiller auf die Umarbeitung des Fiesko auf Vorschlag Regisseure Meyers und auf die Abfassung der Geschichte von ‘Luise Millerin’.  Er  nahm das Umfeld und die Personen in Oggersheim und in Mannheim als Grundlage seiner Dramen und verschaffte ihnen ein neues, anderes Dasein.  Nachdem Schiller und Streicher bei einem Besuch von Herrn Meyer beinahe auf einen Offizier aus Württemberg begegnet waren und das revolutionäre Trauerspiel kurz danach vom Intendant Heribert von Daberg abgewiesen worden war, blieb Schiller nichts anderes übrig als wieder auf die Flucht zu gehen.  Ohne Streicher, der nach Mannheim verzog, fuhr er plan-, hilf- und geldlos nach Bauerbach, das Landegut seiner Stuttgarter Freundin, Frau Henriette von Wolzogen.    

 

2.4.4  Bauerbach

Vor der Flucht nach Bauerbach Ende November 1782 bat Schiller, die Mutter und Schwester wiederzusehen zu dürfen.  Mit Hinweis auf das Krankenbett der Mutter und angeblich schlimme hygienische Zustände in Mannheim lehnte dies der Vater Kasper Schiller ab.  Zugleich kritisierte der dem Soldatenberuf entstammende strenge Vater den Sohn seiner bisherigen Verhaltensweisen, als dieser endlich einen  sicheren Zuflucht in Bauerbach gefunden hatte, nämlich des Verrats an dem  Landesvater Carl Eugen, der Desertion nach Mannheim, der Vertuschung seiner Aufenthaltsorte und Verschleierung seines Gesundheitszustands, „(...), daß er in literarischen Angelegenheiten sich nach Frankfurt begeben wollen, in Mannheim aber mit einer schweren Krankheit befallen worden, von deren er noch nicht hergestellt sey und sehnlich wünsche, die Seinigen (Mutter und Schwester) zu sehen, (...)“[55],  sowie seines träumerischen Wunsches, Dichter zu werden, „(...), ja, ich würde alles anwenden, um das Geschehen vergessen zu machen.  Daß er schreibt, er finde seinen guten Unterhalt beim Schriftstellen, das ist ja schon ein Beweis, daß er sich kein Brodt sucht.“[56] 

Im Verlauf seines weiteren Aufenthaltes in Bauerbach war das Leben von Schiller im allgemeinen recht einsam.  Seine Gesellschaft war eingeschränkt auf das Dienstmädchen Judith und den Bibliothekar Wilhelm Friedrich Hermann Reinwald, von dem er Bücher für die Bearbeitung der neuen Geschichten ‘Don Carlos’ und ‘Maria Stuart’ entlieh, und der ihm das Lebensmittel sowie Tabak, Schreibwaren und Zeitschriften beschaffte.  Hier vollzog sich bei Schiller die Entwicklung von fiktiven Dramen zu geschichtlichen Ereignissen und Personen wie der Verschwörung des Fiesko zu Genua von der Schweiz, Don Carlos von Spanien und Maria Stuart von Schottland.  In einem der zahlreichen Bauerbacher Briefe an den Meininger Bibliothekar Hermann Reinwald erwähnte Schiller seine Behandlung der historischen Stoffe, „Wenn ich eine spanische Geschichte mit Vortheil behandeln soll, so werde ich nothwendig mit dem Nationalkarakter, den Sitten, und der Staatistik des Volks bekannt seyn müssen“[57].  Neben mit Reinwald kam der Briefwechsel mit Außenwelt wegen der Furcht vor einer Verhaftung vorsichtig durch Übersendung, entweder über den Meininger Freund oder über den Regisseur Meyer, zustande.  Zum größten Teil kamen die Bauerbacher Briefe Schillers aber an den Bibliothekar und an Frau von Wolzogen, die ab und zu mit ihrem Bruder Oberforstmeister Ernst Marschalk von Ostheim aus Bamberg und mit der Tochter Charlotte zu Besuch kam.  Ihr Besuch beglückt Schiller sehr und konnte die Einsamkeit seines Bauerbaucher Lebens für einige Tage vertreiben.

Ende März 1783, fünf Monate nach Ablehnung des Fiesko, als keine Unannehmlichkeiten vom Stuttgarter Hofe mehr zu befürchten waren, nahm Dalberg  den unterbrochenen Briefwechsel mit Schiller wieder auf und frage nach dessen  Befinden.  Mit dem Trauerspiel ‘Luise Millerin’ und dem Konzept des ‘Don Carlos’  erregte Schiller das Interesse des Intendanten des Nationaltheaters.  Darauf erfolgte, dass das in Mannheim zurückgelassene ‘Fiesko’ Ende April endlich bei Schwan gedruckt und das bürgerliche Trauerspiel ‘Louise Millerin’ unter dem Namen ‘Kabale und Liebe’ auf Wunsch Dalbergs für die Mannheimer Bühne bearbeitet wurde.  Das erste wurde nach dem Buchdruck am 20. Juli 1783 in Bonn und in Oktober in Frankfurt vom Schauspieiltruppe Großmanns gespielt.  Möglicherweise bekam Schiller über seine Anstellung als Theaterdichter einen positiven Bescheid von Dalberg um Mitte Juli, der sich für ‘Millerin’ sehr interessierte, da Schiller zu der Zeit in einem Brief an Reinwald schrieb, dass er wieder abreisen musste, um seinen Onkel und Gevatter Johann Friedrich Schiller aus London an der Grenze des württembergischen  Lands und der Kurpfalz zu treffen.  Am 23./24. Juli 1783 verließ Schiller allein das Landgut in Thüringen und kehrte nach Mannheim zurück, wo er vom Ehepaar Meyer erwartet wurde.       

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass Schiller mit Unterstützung von Reinwald begann, das Drama ‘Don Carlos’ zu verfassen.  Je mehr die Geschichte langsam Form annahm, mochte er sie dem Bibliothekar vorlesen und erzählte ihm viel von seinem Gedanken über Drama, Geist und Gefühle in Gesprächen und in Briefen.  Schiller gestand Reinwald, was ihm Schaffenstein und Boigeol über seine Freundschaft im Herbst 1778 geklagte hatten, dass seine Dichtung eigentlich von der enthusiastischen Freundschaft und der platonischen Liebe, die er mit seinen Freundinnen und Freunden in verschiedenen Zeiten verband, inspiriert wurde.  Das hieß im gewissen Sinne, dass die Freundschaft für Schiller nicht wegen den Personen sondern wegen seiner Dichtung wichtig war,  „Ich stelle mir vor – Jede Dichtung ist nichts anderes, als eine enthousiastische Freundschaft oder platonische Liebe zu einem Geschöpf unsers Kopfes.  Ich will mich erklären.“[58] 

Schiller bemerkte im Brief an Reinwald vom 14. April 1783, dass der Dichter einen Charakter schaffe, indem er seine eignen Empfindungen und historische Kenntnissen von Fremden, entweder von Guten oder von Bösen, in eine Mischung bringe.  Diese Fremde gehörten nicht zum Bereich der Liebe, sondern nur zum Bereich Freundschaft und platonische Liebe.  Die Liebe bestehe nämlich ursprünglich aus Gott, der diese für sein ihm ähnelndes Geschöpf, den Menschen, empfinde.  Der Mensch, ähnlich dem Gott, hege Liebe für sich und auch für sein ihm ähnliches Bild, bzw. für seine ihm ähnlichen Mitmenschen.  Man liebe seine vom Spiegel zurückgeworfene Erscheinung, mit der einer seine Genossen identifiziere.  Man versuche bei sich sein ihm ähnliches Bild zu finden oder es zu erschaffen.  Dieser Hang komme aus dem Gefühl, dass der Mensch sich im Leben nicht vollkommen empfinde und nach Vermischung mit der Geliebten und zwar mit einer ihm ähnlichen strebe.  Man strebe dahin, sich mit der Geliebten in einem Leib zu vereinen.  „Der ewige innere Hang, in das Nebengeschöpf übergehen, oder daßselbe in sich hineinzuschlingen, es anzureissen ist Liebe.“ [59]

Anders als die Liebe seien die Freundschaft und platonische Liebe nur eine Verwechslung eines fremden Wesens mit dem eignen und ein Begehren von dessen Eigenschaften.  Mit dieser schaffe man die Dichtungskraft.  Die Empfindung, die man für einen Fremden habe, könnte man auch für seine Helden in der Dichtung  hegen; die Eigenschaften von einem Fremden könnte man seinen Figuren im Werk zuteilen.  „Können wir den Zustand eines Freunds feurig fühlen, so werden wir uns auch für unsere poëtische Helden erwärmen.“[60]  Schiller meinte, dass die Freunde die Helden in der Dichtung sein müssten, wenn man in ihnen zittern, aufwallen, weinen und verzweifeln sollte.  Die Freunde seien die Menschen, denen man sein Vertrauen schenke, sein Herz und geheimste Gefühl, seine Schmerzen und Freuden mitteile.   Das Gefühl eines Dichters für solche Freunde könnte er dann seinen Figuren verleihen und somit selber deren Busenfreund werden.  Damit wies Schiller auf seine Abfassung der Dramen ‘Don Carlos’ und ’Maria Stuart’ und den ihm dabei viel geholfenen Bibliothekar Hermann Reinwald.  Am Ende des Briefes vom April 1783 schrieb Schiller,  „Sie sind der edle Mann, der mir so lange gefehlt hat, der es werth ist, daß er mich mit samt allen meinen Schwächen und zertrümmerten Tugenden besitzt, (...).  Ich hätte vielleicht  gros werden können, aber das Schicksal stritte zu früh wider mich.  Lieben und schätzen Sie mich wegen dem, was ich untern beßern Sternen geworden wäre, und ehren Sie die Absicht in mir, die die Vorsicht in mir verfehlt hat.“[61]  Der Reinwald, der sich mit Schiller nach seiner Bauerbacher Zeiten kaum wieder traf und ihm seither kaum wieder schrieb, hielt weiterhin den Briefaustausch mit seiner ältesten Schwester Christophine Schiller aufrecht und heiratete sie später.  Reinwald folgte Schillers brieflich geäußerten Wunsch und sah mit seiner Braut gemeinsam zu, wie Schiller der große Dichter wurde und mit Goethe, Wieland, Herder, und Hegel den Ruhm als Weimarer Klassiker genoss.     

         

 

2.5  Das Leben in Mannheim als Bühnendichter 

2.5.1  Arbeitsbedingungen und -umfeld des Nationaltheaters

Am 27. Juli 1783 traf Schiller in der Quardratestadt Mannheim wieder ein und wurde vom Regisseur Meyer im Hubertshaus im L2 neben dem Schloss einquartiert.  Andreas Streicher, dessen eignes Glück noch durch den nutzlosen Aufenthalt in Oggersheim gestört wurde, wurde Schillers Rückkehr verheimlicht und war sehr überrascht und entzückt, den lieben Dichterfreund wiederzusehen.  Die beiden Fluchtpartner besuchten später wieder Oggersheim und die dortigen Freunde.  Als im August 1783 Dalberg aus den Niederlande zurückkam, schloss Schiller mit dem Mannheimer Nationaltheater einen einjährigen Vertrag ab, geltend vom 01. September 1783 bis 31. August 1784, mit dem der Dichter sich verpflichtete, für ein festes Jahresgehalt von 300 Gulden drei Theaterspiele für die Bühne zu liefern.  Das Mannheimer Nationaltheater bekam dadurch das Aufführungsrecht für die Werke des Dichters.  Zu dieser Zeit waren zwei Bühnenwerke, ‘Fiesko’ und ‘Kabale und Liebe’ bereits vollendet, und Dalberg plante dabei ihre Uraufführung.  Schiller dagegen war sehr unzufrieden mit dem Betrag.  Gegenüber dem Bibliothekar Reinwald und Frau von Wolzogen gab Schiller im Brief seine Einnahme übertrieben mit 1 000 fl. (Gulden) an.  Berücksichtigt man, dass das Nationaltheater das sensationelle Erstwerk ‘Die Räuber’ trotz keines Vertrags, keines Aufführungsrechts bis zum Ende August desselben Jahrs sieben mal aufführte und Schiller vorher nur mit dem Reisegeld von 44 Gulden vergütet hatte, galt der Vertrag als unfair, weil sogar der einmalige Erwerb eines Bühnenmanuskripts von unbekannten oder bekannten Autoren in dieser Zeit zwischen 100-300 Gulden betragen sollte.  Einige Schauspieler bekamen zudem ein mehrfach höheres Gehalt als Schiller; eine Sängerin konnte mit einer Jahresgage von 500 Gulden rechnen; der Schauspieler und Bühnenschriftsteller August Wilhelm Iffland bezog ein jährliches Salär von 1 000 Gulden.  Der Vertrag war darum erbarmungslos für einen jungen Dichter, den die Mannheimer Bühne im Namen des Nationaltheaters nicht ausbeuten, sondern hätte fördern sollen. 

Neben dem Vertrag blieb Schiller das freie Verfügungsrecht seiner Werke, wodurch Schiller sich selber entscheiden durfte, welchem Buchhändler er seine Schauspiele zum Buchdruck verkaufen, und von wem er dafür das Bogenhonorar bekommen wollte.  In diesem Bereich übertrug das Nationaltheater Mannheim das Risiko des Druckraubs von einem erfolgreichen Schauspiel auf den Verleger.  Das Nationaltheater verkaufte bei der jeweiligen Inszenierung nur das Soufflierbuch, das es für die Bühne speziell bearbeitete und nur in einer kleinen Menge am Theaterabend ausgab.  Die Buchversion und Bühnenfassung, die der Autor selber ausstellte, waren in einer großen Exemplarzahl beim Buchhandel zum Verkauf.  Deshalb kam es dazu, dass diese Versionen überall erhältlich waren und sehr leicht in die Hand von Druckpiraten zum Nachdrucken gelangten.  Bei Schwan verdiente Schiller für sein noch unbekanntes Spiel  ‘Fiesko’ bloß ein mäßiges Honorar von 50 Gulden, das nur zum Teil bezahlt worden war, bevor er auf die Flucht nach Bauerbach ging.  Für dieses Werk gab es nur den so geringen Betrag, wovon ein junger Schriftsteller wie Schiller leidlich seinen Unterhalt für vier bis sechs Wochen bestreiten konnte, während der Verleger beliebig neue Auflagen drucken  lassen und mehr als 6 000 Gulden dafür einkassieren konnte.  Der schwanische Tarif war im Vergleich zu dem von Schillers späteren großen Verlagen wie Cotta, Göschen, Unger, die ihn mit über zehnfach höheren Honoraren vergüteten, unglaublich niedrig, und nahm auf die Ehre eines Schriftstellers und sein Geistesgut keine Rücksicht.   

Eine weitere Finanzquelle hatte Schiller, indem er als angestellter Bühnenschriftsteller die Einnahme von ihm selbst zu bestimmenden Vorstellungen behalten konnte (ca. 100-300 Gulden. Nach Schillers Verlangen erhöhte es sich auf 500 Gulden).  Aber von den zwei Schauspielen ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’ und ‘Kabale und Liebe’ kassierte Schiller diesen Ertrag keinen Gulden,  indem das Nationaltheater die Uraufführungen von beiden Spielen außerhalb von Mannheim, nämlich ohne Anwesenheit Schillers in Frankfurt, stattfinden ließ.  Das war sehr ein schlauer Kunstgriff vom Nationaltheater. 

Abgesehen von den deprimierenden finanziellen Arbeitsbedingungen gönnte das Nationaltheater Mannheim dem jungen Dichter einen nicht materiellen, aber namentlich wertvollen Verdienst.  Am 27. Dezember 1782 beschloss der Vorstand der Kurpfälzischen Deutschen Gesellschaft in Mannheim auf Antrag von Anton Klein, Schiller als ordentliches Mitglied aufzunehmen.  Diesem Beschluss stimmte die Plenarsitzung der Gesellschaft am 10. Januar 1784 bei, und am 14. Februar 1784 wurde die kurfürstliche Bestätigung bekanntgegeben.  Für seinen Antritt als Mitglied der Gesellschaft hielt Schiller einen Vortrag namens ‘Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?’.  In Hinsicht auf diese Mitgliedschaft wurde Schiller Ende Dezember 1784 nach der Vorstellung von ‘Don Carlos’ in Darmstadt von Herzog Karl August zum Rat der herzoglich-weimarischen Gesellschaft ernannt.  Obwohl der Titel keinen materiellen Gewinn einbrachte, wies er aber eine Ehre und auch eine Verpflichtung von einem der deutschsprachigen Literaten aus, die alle ihrer Genien, Kräfte und Beiträge zur Förderung der deutschen Kultur einsetzen sollten.  Unglücklicherweise erkrankte Schiller seit der Anstellung als Theaterschriftsteller am ‘Kalten Fieber’, der sogenannten ‘Influenza’, und litt unter seinen Nachwirkungen bis im folgenden Jahr.  Dieser Erkrankung fielen 1783 mehrere Mannheimer zu Opfer, darunter zählte Regisseur Meyer zu einem der Toten.  Seither war Schiller in seiner gesundheitlichen Verfassung sehr hinfällig und geschwächt, und wurde darum bis zum Ende seines Lebens von mehreren kleinen und großen Krankheiten geplagt.  Derart erkrankt konnte Schiller in Mannheim kaum an einer kompliziert strukturierten Dramatik arbeiten und schrieb daher nur kurze Gedichte und Aufsätze.  Seine teilnahmslose Tätigkeiten beim Nationaltheater Mannheim wurden wie im folgenden Zitat beschrieben. 

Schillers Verhältnis zum Nationaltheater Mannheim war ganz lose. Er war ‘Theaterdichter’ nur insofern, als das Theater sich durch Zahlung eines festen Gehalts das Aufführungsrecht seiner nächsten Stücke gesichert hatte. Als Dramaturgen, etwas in heutigem Sinne, darf er keineswegs gelten; seine Tätigkeit für den Ausschuß, zu dessen Sitzungen er einzige Male erschien, war nur ganz geringfügig.[62]

 

Abb. 19

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2.5.2  Ein Dramatikerleben 

Wie erwähnt war Schiller einerseits schwer erkrankt an der Influenza-Epidemie und musste anderseits mit seinem wenigen Gehalt auskommen.  Die Unterhaltskosten in Mannheim überstiegen sein Einkommen so weit, dass Schiller jeden Tag auf das Frühstück verzichten musste, um mit dem geringen Gehalt aufs Möglichste die monatliche Unterkunft im Hubertushaus decken zu können. 

Nach der langsamen Genesung von der Malaria-Seuche und dem Nachlassen des Fiebers befasste Schiller sich mit der Überarbeitung der zwei zu inszenierenden Trauerspiele ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’ und ‘Kabale und Liebe’  für Mannheimer Bühne.  In Frankfurt wurden sie bereits aufgeführt: ‘Fiesko’ ging nach dem Buchdruck auf die Bühne in Bonn am 20. Juli, dann in Frankfurt am 08. Oktober 1783, und ‘Kabale und Liebe’ in Frankfurt am 13. April 1784.  In Mannheim wurden   die zwei Stücke jeweils am 11. Januar 1784 sowie am 15. April 1784 erstmals aufgeführt.  Die beiden Premiere außerhalb von Mannheim fanden ohne Anwesenheit Schillers statt, der sich zu der Zeit jeweilig auf der Rückkehr von Bauerbach nach Mannheim und auf einem Ausflug nach Speyer mit einigen schönen Freundinnen befand.  Im Oktober 1783 wechselte Schiller mit Andreas Streich den Wohnsitz zum Quadrat B5 9 beim Baumeister Hölzel.  Seitdem bekam Schiller immer wenige Rückfälle des kalten Fiebers und hörte darum auf mit seiner persönlichen Diätkur gegen die Seuche (morgens und abends Wassersuppe mit gelben Rüben oder sauren Kartoffeln).  Als er sich vollkommen erholt hatte, begann er ein genussvolles Leben zu führen, mit vielen Freunden, zahlreichen Ausflügen, Bier, Wein und Tabak.  Es schien dem Dichter, das Leben endlich richtig genießen zu müssen, nachdem er lange Zeit in der Carlsschule von herzoglicher Autorität unterdrückt worden war und später auf der Flucht viele Leiden auszuhalten hatte.

Obwohl Schiller in Mannheim nicht viel verdiente, wurde er sehr oft eingeladen nach Oggersheim, Speyer, und Heidelberg und lernte dadurch viele Frauenzimmerchen der rheinischen Umgebung kennen.  Eins von ihnen war Anna Margarete Schwan, die älteste Tochter des Verlegers Christian Friedrich Schwan.  Schiller fand sie unter seinen Mannheimer Freundinnen die vortrefflichste.  Margarete war ein schönes Mädchen mit ausdrucksvollen Augen und lächelnden Mundwinkeln.  Sie besaß einen äußerst lebhaften Geist, welcher sie mehr zur Welt, Kunst und Literatur als zur Stille der Häuslichkeit hinzog.  Darum pflegte sie lieber den Umgang mit Freunden des Vaters und nahm Anteil an dem Musenkreis der Literaten und Wissenschaftlern.  Bei Schiller verkörperte sie die verständnisvolle Zuhörerin, die seiner Dichtung liebevoll Aufmerksamkeit und Lob schenkte. 

Wahrscheinlich um der Schwanin wegen kam der 24jährige Schiller auf den Heiratsgedanken.  In dem Brief, Beginn des Jahres 1784 an Johann Rudolf Zumsteeg, Schillers Mitschüler und ‘Die Räuber‘-Komponist, schrieb Schiller, dass er ohne Geld und Ruhm keinen Anspruch hatte auf das, was Glück, die Heirat hieß.  In den Briefen an Frau Wolzogen erwähnte Schiller wiederholt ein paar mal die Freundschaft mit den pfälzischen Freundinnen und die Sehnsucht, sich zu verheiraten.  Zugleich nahm Kasper Schiller nämlich oft Kontakt mit Schwan in Mannheim auf, um Exemplare von Werken des Sohnes zu beschaffen und sie in Stuttgart weiterzuverkaufen.  Dadurch konnten die Schulden, die Schiller aufgrund des ersten Drucks der Räuber hatte, allmählich getilgt werden.  Auch der Buchhändler Schwan ging seinerseits manchmal auf Dienstreise nach Stuttgart und besuchte bei dieser Gelegenheit den Vater Schillers.  Folglich verbreitete sich das Gerücht in Württemberg, dass Schiller sich mit Anna Margarete Schwanin vermählt hätte.  Leider war alles nur ein Mißverständnis, und das Liebespaar, das sich tatsächlich dank dieser Verbindungen des Buchhandels zwischen Mannheim und Stuttgart heiratete, waren Christophine Schiller und Hermann Reinwald.  Die Schwester Schillers war im Sommer 1784 von dem Kollegen Kasper Schillers, Oberhofgärtner Scheidle nach Mannheim mitgenommen worden und hatte sich dort mit dem lang nicht gesehenen Bruder und ihrem Meinigener Brieffreund Reinwald zusammengetroffen.  Nun unter vier Augen zündete das Liebesfeuer zwischen den beiden Jungen, Christophine und Hermann, und ihre Ehe wurde im Jahre 1786 bei Stuttgart geschlossen, nachdem Schiller endlich in Weimar seßhaft geworden war.  

Schiller und Schwanin verband eine innige herzliche Freundschaft.  Auch wenn die Liebe dabei spürbar war, wurde sie durch die schwierigen Finanzlage Schillers und seinen ungeordneten Umgang mit dem Nationaltheater Mannheim verhindert.  Außerdem war Anna Margarete bereits von den Eltern der Jugendfreund Gottlieb Christian Götz als zukünftiger Gatte zugedacht worden.  Dieser hatte beim schwanischen Verlag anfangs als Gehilfe gearbeitet, war dann zum Teilhaber und endlich zum alleinigen Inhaber der Buchhandlung Schwans aufgestiegen.  Aus diesem Grund verwies Christian Friedrich Schwan den brieflichen Heiratsantrag von Schiller aus Leipzig im April 1785 und gab ihm ohne Mitwissen der Tochter den Bescheid, dass ihr Charakter mit Schillers nicht zusammengepasst hätte.  Die Brieftasche, die Margarete Schiller zum Abschied schenkte und zur Verabredung eines Briefwechsels und zum Versprechen der immerwährenden Freundschaft  diente, blieb unbenutzt, weil Schiller seit der Ablehnung von Vater Schwan nie einen Brief an die Tochter schrieb oder ihr antwortete.  Auch der von den Eltern geplante Ehebund mit Götz hatte sich später nicht verwirklicht, und Schiller dachte  bis zum Jahre 1788 noch sehr oft an Margarete.  Im Brief an Schwan schrieb er, „Ihre Lieben Kinder grüßen Sie von meinetwegen recht sehr.  Im Wielandischen Hause wird mir noch oft und viel von Ihrer ältesten Tochter erzählt; sie hat sich da in wenigen Tagen sehr lieb und werth gemacht.  Also stehe ich doch noch bei Ihnen in einigem Andenken?  In der That ich muss erröthen, daß ich es durch mein langes Stillschweigen so wenig verdiene.“ [63]  Am 16. Juli 1793 heiratete Anna Margarete den Juristen Karl Friedrich Treffz, kurz bevor der zu der Zeit verheiratete Schiller mit seiner Frau einen Besuch in Schwabenland abhielt.  In Heilbronn traf Schiller neben dem Vater und der jüngsten Schwester Luise auch Margarete wieder.  Im Gegensatz zu ihm hatte Margarete das Eheglück nicht.  Ihre Ehe wurde nicht aus Liebe geschlossen, und Margarete war ihrem Ehemann fremd.  Im Jahre 1796, drei Jahre nach der Heirat, starb Margarete kaum 36 Jahre alt. 

 

Abb.20-21

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Abb.22-23

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3. Schillers Jugendwerke

3.1  ‘Die Räuber’

Unter dem Einfluss englischer und französischer Aufklärungsliteratur, wie von Shakespeare, Rousseau, Mendelsohn, und weiteren, entwich Schiller stilistisch der deutschen aufklärerischen Form von Verstand, Rationalität, und den Grundsätzen der Kürze, Klarheit sowie Wahrheit, und schuf eine freie, kreative und formlose Geniesprache der Selbstdarstellung.  „(...) the writers of the Sturm und Drang experienced with particular acuteness their confined existence, which in turn gave impetus to the excitement of creativity in literary experiment.“[64]  Mit dem außerordentlichen Trauerspiel und dessen sensationellen Erfolg wurde dem talentierten Dichter im Inneren sehr klar, welchen Preis er für ‘Die Räuber’ sowie für seinen Dichterberuf bezahlt hatte, nämlich den Verlust seines Vaterland, seiner Familie, seiner medizinische Laufbahn, seines Ansehens und vor allem der Anerkennung seiner Landsleute.  In der späteren Theaterzeitschrift ‘Thalia’ machte Schiller das Zugeständnis und schrieb:   

(...) Die Räuber kostete mir Familie und Vaterland- In einer Epoche, wo noch der Ausspruch der Menge unser schwankendes  Selbstgefühl lenken muß, wo das warme Blut eines Jünglings durch den freundlichen Sonnenblick des Beifalls munterer fließt, tausend einschmeichelnde Ahndungen künftiger Größe seine schwindelnde Seele umgeben und der göttliche Nachruhm in schöner Dämmerung vor ihm liegt- mitten im Genuß des ersten verführerischen Lobes, das ungehofft und unverdient aus entlegenen Provinzen mir entgegen kam, untersagte man mir in meinem Geburtsort bei Strafe der Festung- zu schreiben. Mein Entschluß ist bekannt- ich verschweige das übrige,  weil ich es in keinem Falle für anständig halte, gegen denjenigen mich zu stellen, der bis dahin mein Vater war. Mein Beispiel wird kein Blatt aus dem Lorbeerkranz dieses Fürsten reißen, den die Ewigkeit nennen wird. Seine Bildungsschule hat das Glück mancher Hunderte gemacht, wenn sie auch das gerade meinige verfehlt haben sollte. (...) Nunmehr sind alle meine Verbindungen aufgelöst. Das Publikum ist mir jetzt alles, mein Studium, mein Souverain, mein Vertrauter. Ihm allein gehör ich jetzt an. Vor diesem und keinem andern Tribunal werde ich mich stellen. Dieses fürchte ich und verehr ich. Etwas Großes wandelt mich an bei der Vorstellung, keine andere Fessel zu tragen als den Ausspruch der Welt- an keinen andern Thron mehr appellieren als an die menschliche Seele.[65]

Ohne Reue brach er alle Verbindungen mit seiner vaterländischen Heimat ab, als er sich zu der Flucht entschloss.  Und ohne ein einziges Mal Reue zu empfinden, gab er seine Medizinkenntnisse auf und ging die Mannheimer Theaterwelt ein.  Der Ruhm im Drama ließ Schiller einen anderen Weg als seinen vorbestimmten gehen, auf dem er dann, ohne zurückzuschauen, Schritt für Schritt weiterging.  In seiner Selbstrezension über die Räuber-Premiere, die anonym in Stuttgarter Zeitschrift ‘Wirtembergischem Repertorium der Literatur‘ erschien, beschrieb Friedrich Schiller  die exzellente Schauspielkunst der Ekhof-Schüler, das begeisterte Publikum, die prächtig ausgestattete Bühne und den detailliert geplanten Ablauf des Schauspiels.       

(...) Gewiß auch nur für die (Bühne), die der tätige Geist Dalbergs beseelt; für alle übrige, die ich wenigstens kenne, bleibt es nach wie vor ein unregelmäßiges Stück. Unmöglich war’s, bei den fünf Akten zu bleiben;  der Vorhang fiel zweimal zwischen den Szenen, damit Maschinisten und Schauspieler Zeit gewännen, man spielte Zwischenakte, und so entstanden sieben Aufzüge. Alle Personen erschienen neu gekleidet, zwei herrliche Dekorationen waren ganz für das Stück gemacht, Herr Danzi (Franz Danzi,  Theater-Kapellmeister in der ‘Räuber’) hatte auch die Zwischenakte neu aufgesetzt, so daß nur die Unkosten der ersten Vorstellung hundert Dukaten betrugen. Das Haus war ungewöhnlich voll, daß eine große Menge abgewiesen wurde. Das Stück spielte ganze vier Stunden, und mich deucht , die Schauspieler hatte sich noch beeilet. Doch - Sie werden ungeduldig sein, vom Erfolge zu hören. Im  ganzen genommen tat es die vortrefflichste Wirkung. Herr Boeck als Räuberhauptmann erfüllte seine Rolle, soweit es dem Schauspieler möglich war, immer auf der Folter der Affekts gespannt zu liegen. In der mitternächtlichen Szene am Turm hör ich ihn noch, neben dem Vater kniend, mit aller pathetischen Sprache den Mond und die Sterne beschwören. Schade nur, daß Herr Boeck für seine Rolle nicht Person genug hat.  Ich hatte mir den Räuber hager und groß gedacht.  Herr Iffland, der den Franz vorstellte, hat mir - doch entscheidend soll meine Meinung nicht sein - am vorzüglichsten gefallen. Ihnen gesteh ich es, diese Rolle, die gar nicht für die Bühne ist, hat ich schon für verloren gehalten, und nie bin ich noch so angenehm betrogen worden. Iffland hat sich in den letzten Szenen als Meister gezeigt. Noch hör ich ihn in der ausdrucksvollen Stellung, die der ganzen, laut bejahenden Natur entgegenstund, das ruchlose Nein sagen, und dann wiederum, wie von einer unsichtbaren Hand gerührt, ohnmächtig umsinken: Ja! Ja! - droben einer über den Sternen! - Sie hätten ihn sollen sehen auf den Knien liegen und beten, als um ihn schon die Gemächer des  Schlosses brannten -. Wenn nur Herr Iffland seine Worte nicht so verschlänge und sich nicht im Deklamieren so überstürzte! Teutschland wird in diesem jungen Mann noch einen Meister finden. Herr Beil, der herrliche Kopf, war ganz Schweizer. Herr Meyer spielte den Hermann unverbesserlich, auch Kosinsky und Spiegelberg wurden sehr gut getroffen. Madame Toskani gefiel, mir zum mindesten, ungemein.[66]

Das Schauspiel ‘Die Räuber’ ist eine Geschichte von zwei im Charakter unterschiedlichen Brüdern, die, ähnlich zueinander, wegen den Schwächen ihres Wesens ins Verderben stürzten.  Karl Moor, der ältere, ein Mann voller Mut und Talente, flieht mit seinen Spießgesellen aus Leipzig nach Sachsenwald, wo sie sich zu einer Raubbande zusammenrotten, nachdem Karl hohe Spielschulden in der Armee angehäuft und zugleich eine Mordtat an einem verlobten Paar begangen hat.  Franz Moor, der jüngere, mit einer hinterlistigen schadenfrohen Gemütsart, lebt beim Vater Graf Moor und erhebt nach Karls Deserteur alle Ansprüche auf das Erbe und die väterliche Gunst, indem er den armen Alten über die Missetat Karls informierte und dessen Briefe, in denen der um Verzeihung bat, zurückhielt.  

Franz  Da müßt‘ ich ein erbärmlicher Stümper sein, wenn ichs nicht einmal soweit gebracht hätte, einen Sohn vom Herzen des Vaters abzulösen. (...) Glück zu Franz!  weg ist das Schoßkind.[67] 

Ohne eine einzige Rückwort von dem lieben Vater zu bekommen, sinkt Karl immer tiefer in dem Sumpf der Sünden.  Und der Vater, ohne eine weitere Nachricht über den verbannten Sohn, der nur als tot angenommen werden muss, wird in schwächlichem Geistes- und Gesundheitszustand von dem grausamen Franz in einem abgelegenen Turm eingeschlossen, und verliert danach alle Vollmachten über das Grafengut an diesen.  Der junge Graf Franz Moor, mit seinem grundverstorbenen Herzen, der seinen Vater mit falscher Bestattung als gestorben erklärt hat, ergreift nicht nur Besitzt vom Familienvermögen, sondern lüstert auch nach der Cousine, Amalia, die seinem Bruder Karl als zukünftige Gattin zugedacht war.  Der Räuber Karl Moor lebt zwischenzeitlich im Wald, wo er mit seinen Kumpeln im Schutz der Natur ihre Räuberei risikolos fortführt.  Auf ihrem Streifzug durch die Wälder, kommen Karl und seine Bande eines Tages in die Nähe des moorischen Schlosses.  Der Räuber Moor, plötzlich erfüllt von dem Wunsch, den Vater und die Geliebte wiederzusehen, verkleidet sich als Fremder, der die Galerie des Schlosses besichtigen will.  Trotz seines veränderten Angesichts erinnert der Fremdling Amalia an ihren gestorbenen Verlobten.  Mit neu erwachten Gefühlen fängt Amalia an, den Unbekannten zu lieben, und Karl Moor liebt sie heimlich.  Voller Angst vor dem neu entfachten Liebesfeuer laufen sie beide voneinander weg.  Der Räuber Moor kann nämlich als Verbrecher seine Jugendliebe nicht mehr besitzen, und Amalia will  keinen anderen Mann als ihren frühen Liebhaber Karl ins Herz lassen. 

Amalia   Und das sprach er mit einem Ausdruck – einem Ausdruck – Mir wars, als ob die Zeit sich verjüngte (...).  Gewiß! wenn die Geister der Abgeschiedenen unter den Lebenden wandeln, so ist dieser Fremdling Karls Engel! (...) Nein! Nein! Weg aus meiner Seele, du Frevelbild! Hinweg ihr verräterischen gottlosen Wünsche! – Im Herzen wo Karl begraben liegt, soll kein Erdensohn nisten.[68]    

Der Räuber Moor läuft zu seinen Kumpanen zurück in den nahegelegenen Wald, wo gerade sein Vater im Turm im Krankenbett liegt und von Franzens Diener Hermann kümmerlich genährt wird.  Karl findet seinen Vater mit Hilfe der Raubgesellen und befreit ihn aus dem unmenschlichen Arrest.  Voller Zorn und Wut schwört Karl sich, Rache an seinem Bruder zu nehmen.  Er und seine Räuber stürmen auf das Familienschloss und setzt es in Flamme, damit der abscheuliche Sohn Franz aus seinem Nest verbannt wird.  Als Franz im Fessel liegt, ließ Karl ihn von seinen Banditen zum Verhungern verurteilen, und zwar in demselben Turm, wo der Vater eingekerkert wurde.  Währenddessen folgt Amalia dem Geliebten aus dem Schloss in den Wald nach und wird hier von den sich empörenden Räubern aufgefangen.  Amalia wird als Beute vor den Hauptmann gebracht, worauf es ihm drängt, sein Raubgewerbe dem Vater und der Verlobten zu gestehen.  Der alte Graf Moor stirbt nach Einweihung an Entsetzen, und Amalia geriet in Konflikt von Liebe und Hass.  Schließlich bittet sie den Karl um ihren Tod, nachdem ihr Verlobter sich für Fortsetzung seiner Räuberei, anstatt für ein Zusammenleben mit ihr, entschied.  Mit giftigen Worten provozierte sie ihn, um ihn zum Schießen zu reizen.  Dies wirkt sich jedoch auf die anderen Räuber aus. 

Amalia  Ha Würger! du kannst nur die Glücklichen töten, die Lebenssatten gehst du vorüber. fliehend gegen die Bande  So erbarmet euch meiner ihr Schüler des Henkers.  Es ist ein so blutdürstiges Mitleid in euren Blicken, das den Elenden Trost ist.  Drückt ab – Euer Meister ist ein feigherziger Prahler. einige Räuber zielen [69]

Um Amalia vor seinen Gesellen zu bewahren, ermordet Karl Moor seine Geliebte mit seiner eignen Hand, lieber als wenn die anderen es getan hätte, „Weil er sein Mädchen zu feurig liebt, als sie verlassen zu können, ermordet er sie; weil er zu edel denkt, als ein Sklave der Leute zu seyn, wird er ihr Verderber.“[70]  Er opfert sich und seinen Engel den Räuberbrüdern, die er dann entlassen und zum anständigen Dienst zu schicken wünscht.  Er ließ sich selber in die Hand der Justiz überliefern.  Die beiden verfeindeten Brüder, deren Schicksale unabhängig aufeinander bezogen sind und aus sich selbst heraus scheitern, hat ein ähnliche Ende: sie ernten, was sie gesät haben, und sie vergehen dann wie Staub in Nichts, als wenn sie in der Welt nie geboren worden wären.  „Der Mensch entsteht aus Morast, und wate eine Weile im Morast, und macht Morast, und gährt wieder zusammen in Morast, bis er zuletzt an den Schuhsohlen seines Urenkels unflätig anklebt.“ [71]

Im Munde des Autors Friedrich Schiller ist Karl Moor ein Mordbrenner, der trotz Sünden und Missetat die Menschen liebt und wieder geliebt wird: Er liebt seinen Vater, Amalia und seine Räuber und wird von ihnen wieder geliebt.  Im Gegensatz zu ihm wird sein Bruder Franz Moor, in dem man nur Eigenliebe findet, mit Sünden und Missetat aber nur gehaßt.  Das ist ein bedeutender Unterschied zwischen den beiden Brüdern.  Ihre gemeinsame Geliebte und die einzige Heldin des Schauspiels, Amalia, verwandelt sich durch eine Reihe Fehlschläge des Schicksals von einem Mädchen, das schwärmerisch am Krankenbett ihres Onkels Graf Moor steht, zum einer starken Frau, die sich mit Wagemut allein mit dem Menschenwolf Franz Moor auseinandersetzt, später ihrem angenommen verstorbenen Geliebten in die Gefahr nachfolgt und sich endlich für den Tod entscheidet, nachdem er sich von seiner vorherigen Liebe zu ihr abwendet.  „Sie glänzt in seinem Strale [Karl Moors], erwärmt sich an seinem Feuer, schmachtet neben dem Starken, und ist ein Weib neben dem Mann.“[72] 

Strukturell hatte das Drama ‘Die Räuber’, im Vergleich zu den späteren zwei Mannheimer Werke Friedrich Schillers, mehr poetische Singszenen und Dialoge und stand mehr unter dem Einfluss des barocken Hoftheaters, vor allem weil Lessings und Herders gelungene Reform für Abgrenzung der Dichtung von dem Theater und der Musik noch nicht im Stuttgarter Hof übernommen wurde.  Überdies besaß das Trauerspiel zu viel Affekt, Spannung und Gaukelbild, so dass die Handlung das Publikum in gewissem Sinn nicht davon überzeugen konnte, dass sie der Realität  treu entsprach, und die poetischen Wörter gerieten sehr in Konflikt mit der realistischen Darstellungsart vom Nationaltheater Mannheim.  Unvermeidlich folgten  auf Befehl des Intendanten Dalbergs viele Verkürzungen und Änderungen der poetischen Wörter.  Freiherr Wolfgang von Dalberg, der aus der musikalischen Künstlerfamilie entstammte, hielt sich ebenfalls streng an die Bühnenausstattung.  Seiner Ansicht nach hing die theatralische Darstellung mit der Beleuchtung und Ausstattung der Bühne enge zusammen.  Die beiden letzten übte starke Auswirkung auf das erste.  Für das feurig spannend gebaute Trauerspiel wie ‘Die Räuber’ benutzte Dalberg nämlich in der Bühnendekoration einen stärkeren Farbenkontrast, mehr Fresko-Malerei als Miniatur, starke Lichter und Schatten, „Besonders auffallend und bezeichnend hierbei sind die gemalten hellen Lichtbahnen, die durch die Türen und Fenster über Schwellen und Gesimse schräg hereinfallen und sich in perspektivischer Verlängerung über die Kulissen bis zum Boden ziehen.“[73]  Bei Szenenänderung war die Vorder- und Hinterbühne abwechselnd einzubeziehen, vor denen die Ekhof-Schüler ihre gothaische Schauspielkunst innerhalb einem der sieben Aufzügen ununterbrochen spielten (im jeweiligen Aufzug wechselte sich die Bühne durchschnittlich zweimal).  Der sensationelle Erfolg des Erstwerks des jungen Dichters hatte Gründe; wie oben erwähnt war es nämlich eine ausgezeichnete Zusammenwirkung von der genialen geistigen Arbeit Schillers, der raffinierten Bühnenausstattung, Maschinerie, Technik und Schauspielkunst sowie der gut geführten Leitung des Nationaltheater Mannheims.    

 

Abb. 24

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3.2   ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’

Das Theaterspiel, ‘Die Verschwörung des Fiesko zu Genua’‚ bearbeitete Schiller aus der historischen Geschichte von dem Komplott des Adeligen Johann Ludwig Fiesko gegen den neu gegründeten Schweizer-Freistaat, bzw. gegen seinen Gründungsvater Andreas Doria.  Im 16. Jahrhundert leitete Doria die kaiserlichen Truppen des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, um die Stadt Genua aus der französischen Vormacht zu befreien.  Danach ließ er, als Staatsoberhaupt des neuen Lands, einerseits die bürgerliche Verfassung ausarbeiten, aber anderseits stellte er die damalige Adelsherrschaft wieder her, die im 14. Jahrhundert schon beseitigt worden war.  Graf Fiesko von Lavagna, einer der Adeligen vom frühen Königshaus, schmiedete im Jahre 1547 einen Putsch in Vereinigung mit Genueser Bürgern und Frankreich gegen Andreas Doria, der es darauf abgesehen hatte, sein Staatsamt auf seinen Neffen, Gianettino Doria zu übertragen.  Mit allen Kräften arbeitete der alte Doria darauf hin, ihn zum Staatschef wählen zu lassen.  Infolgedessen bestanden zwei Anlässe für die Verschwörung des Fiesko und seiner Gefolgen, nämlich war dies ein Aufstand der bürgerlichen Partei unter adeliger Führung gegen die Machtstellung Dorias, und war ein Kampf der französischen Partei, um Genua von dem kaiserlichen Einfluss wieder abzulösen.  Da die Machtübernahme von Gianettino die Besorgnis des von Andreas Doria in seinem Einfluss beschränkten Adels und der Bürger erregte, dass die republikanische Freiheit durch diese vererbte Machtübergabe und durch den rohen Gewaltmenschen Gianettino geschädigt werden konnte, schlossen sich Fiesko, seine Gefolgen und die Genueser Bürger zusammen, um dem Plan der Doria entgegenzuwirken.  Am 3./4. Januar 1547 in der politischen Vakuumzeit, als Andreas Doria zurückgetreten war und sein Nachfolger erst in einigen Tagen das Amt annahm, fand die Verschwörung statt.  Um Stützpunkte in der ganzen Stadt und auf dem Hafen aufzustellen, verkleideten sich die Verschwörer zum Teil als Pilger und zum Teil als Besatzung der Galeeren, die ein Scheinmanöver gegen die Seepiraten ausführen sollten.  Nachdem sie die Residenz Dorias überfielen und ihm zur Ausgabe der Regierungsmacht nötigen wollten, war die Aufruhr in gewissem Sinn gelungen; Andreas Doria floh, Gianettino fiel, der Hafen wurde erobert, und die Stadt wurde besetzt.  Da führte jedoch ein Zufall eine   Wende herbei.  Der Hauptmann Fiesko stürzte von einer Schiffsplanke ins Wasser und ertrank, als er auf seine Galeere stieg.  Die Verschwörer verließen die Stadt fluchtartig und kaum einer überlebte später.  Am Schluss kehrte Andreas Doria zurück und griff wieder die Regierungsgewalt in der Hand.  Unter seiner unveränderten Führung stand die Republik scheinbar und namenswidrig, und die Verschwörung war in dieser Hinsicht vergebens verlaufen.

In die republikanischen Geschichte arbeitete Schiller ein paar Frauenfiguren ein, nämlich die Gemahlin von Fiesko, Leonore, die verwitwete Schwester von Gianettino Doria, Julia Imperiali, und die Tochter eines Verschwörers, Bertha Verrina.  Schiller erfand, Fiesko täuscht der Doria vor, dass er Julia liebe und sich ihretwegen von seiner Frau Leonore wollte scheiden lassen.  Aber heimlich plant er einen Putsch gegen das Haus Doria.  Er nähert sich Julia, der Nichte Andreas Doria, an, um ihr Vertrauen zu gewinnen und gleichzeitig Informationen über Dorias Geheimen einzusammeln.  

Fiesko  Sei unbesorgt.. Wem ich ein Lamm schenken will, laß ichs durch keinen Wolf überliefern.  (...).  Lege dich wohl auf Kundschaft, wie man von der Regierung denkt, und vom Haus Doria flistert, sondiere daneben, was meine Mitbürger von meinem Schlaraffenleben und meinem Liebesroman halten.  Überschwemme ihre Gehirne mit Wein, bis ihre Herzensmeinungen überlaufen.[74]      

Zudem macht sich eine Empörung unter den Gefolgen des Fiesko bereit, nachdem die Tochter Verrinas von dem wollüstigen Gianettino entehrt worden ist.  Die Verschwörung ist folglich unentbehrlich, und Genueser schließen sich zusammen,  um den Plan Andreas Dorias, die Staatsgeschäfte Gianettino zu übergeben, zu verhindern.  „Bürger  Diese Doria müssen weg – der Staat muß ein ander Gesicht kriegen.“[75]  An dem Tag, wann der Aufstand angesetzt wird, überfallen die verkleideten Verschwörer das Schloss Dorias und besetzen die Strassen, das Stadtor und den Hafen, wobei Andreas Doria entflieht und Gianettino in der Stadt erstochen wird.  Der Tod Leonores, den Fiesko aus Versehen anstiftet, und der Kirchenbrand, was Schiller im Buchdruck abfasste, sind in der Bühnenfassung weggestrichen.  Fiesko, nach der Überlegung von Verrina, dass er zum zweiten Doria werden könnte, zerbricht schließlich das Symbol der Erhabenheit von Genueser Führern, ein Zepter, und verzichtet darauf, Doria als Staatsoberhaupt nachzufolgen.  Das Volk von Genua ist befreit. 

Fiesko war das erste Schauspiel, das Friedrich Schiller mit historischen Stoffen, bzw. den wahren Charaktern und Hintergründen verwebte.  Gegensätzlich zu den Räubern, die sich um das Vater-Sohn-Verhältnis und die brüderliche Feindschaft handelten, war das Grundmotiv des Fiesko die Beziehungen von Freiheitshelden und dem Tyrann.  Ebenso wie bei den Räubern erfolgten bei diesem Schauspiel  auch mehrmalige Veränderungen und Wegstriche der langen Monologe.  Im Mannheimer Soufflierbuch kehrt Doria wieder zurück und versöhnt sich am Schluss mit Fiesko, und Fiesko gibt sich als ‘Genuas glücklichster Bürger’.  Leonore bleibt am Leben wie in der Bühnenfassung Schillers.  Bertha wird gerettet und Verrina konstatiert, dass das Volk von Genua gar nicht mehr frei sein wolle. 

Die Veränderungen und die prunkvolle Ausstattung, die das Nationaltheater für die Bühne wie auch zuvor leistete, retteten das Bühnenstück nicht.  Das Publikum, das wegen dem schlimmen eiskalten Wetter viel weniger in der Uraufführung Mannheims erschien, verstand eine politische Verschwörung nicht, wie Schiller später enttäuscht anmerkte, „Den Fiesko verstand das Publikum nicht.  Republikanische Freiheit ist hier zu Lande ein Schall ohne Bedeutung, ein leerer Name (...).  Mannheimer sagen, das Stük wäre viel zu gelehrt für sie.“[76]  Gegensätzlich zum nicht besonders großen Echo beim Mannheimer Zuschauer äußerten aber Schillers Musenfreunde von Weimar, mit denen Schiller nach Mannheimer Zeit in Leipzig befreundet war, über den Fiesko andere Meinungen.  Friedrich Hölderlin bewunderte den Fiesko, die großen und doch so wahren Karakter, und glänzenden Situationen, und rühmte ‘die magischen Farbenspielen der Sprache’.  Christoph Martin Wieland hat schärfer gesehen und beschrieb, die Sprache sei aus allen Jahrhunderten gemischt.  Johann Wolfgang von Goethe zählte den Fiesko zu den ‘Produktionen genialer jugendlicher Ungeduld’.[77]  In den späteren Jahren wurden Fiesko, entsprechend den  Kommentaren der oben stehenden Schriftsteller, populär inszeniert und von dem Publikum akzeptiert.  In Wien und in Berlin wurde Fiesko vielmals bearbeitet und in verschiedenen Handlungszügen vor den Zuschauern auf die Bühne gebracht.       

 

 

3.3   ‘Kabale und Liebe’

Das Schauspiel ‘Kabale und Liebe’ war ein Nachbild von Lessings ‘Miss Sara Sampson’ und ‘Emilia Galotti’.  Für die Mannheimer, die den Hamburger Theaterschriftsteller Gottfried Ephraim Lessing für sechs Wochen zur Strukturierung des Nationaltheaters beschäftigten, schwärmten von dieser Liebesgeschichte Schillers wie von dessen Werken.  ‘Die Kabale und Liebe’, urspr. ‘Luise Millerin’, war ein bürgerliches Trauerspiel, dessen Gattung J. C. Gottsched dem Bühnenwerk des Konflikts zwischen Adel und Bürgertum 1751 bezeichnet hatte.

(...) denn mit Louise Millerin knüpft er an die aus England stammende Tradition des bürgerlichen Trauerspiels an; 1731 hatte George Lillo The London Merchant geschrieben, mit dem die Geschichte dieser Gattung anhebt, deren Höhepunkte in Deutschland mit Lessings Miß Sara Sampson (1755) und Emilia Galotti (1772) zunächst erreicht waren und die danach, weitgehend unter dem Einfluß französischer Dramatik, auf die Darstellung gefühlvoller häuslicher Szenen und familiärer Konflikte heruntergekommen war.  Mit dem Ständekonflikt und der aus konkreter Anschauung und Erfahrung in Württemberg ermöglichten Zeitkritik knüpft Schiller wieder an das von Lessing gesetzte Niveau an und stellte auch die mit der Emilia Galotti verbundene politische Tendenz wieder her.[78]     

Die Geschichte dreht sich dem Namen entsprechend um die Charakter aus den beiden Sozialschichten, nämlich aus dem Adelstand und Bürgertum.  Luise, die Tochter eines Stadtmusikanten, und Ferdinand, der Sohn eines Präsidenten, lieben sich einander.  Der Machtgier des Präsidenten und die Hinterlist seines Geheimsekretärs zertreten jedoch zwei junge Herzen und stiften ein Unheil an.  Der  an der Treue Luises zweifelnde Ferdinand träufelt daher das Gift in eine Limonade, deren Genuss die beiden liebenden am Schluss sterben läßt.  

Es war vermutlich, dass der junge Schriftsteller Friedrich Schiller bei der Ausarbeitung dieses bürgerlichen Trauerspiels die konkreten Mannheimer Theaterverhältnisse vor Auge hatte und die Figuren je nach Temperament und Interpretationsgabe von den Schauspielern konzipierte; der Musiker Miller wurde ganz meisterhaft von Koch gespielt.  Die Lady Milford, die von Frau Lefevre verkörpert wurde, erzielte eine sehr große Annäherung an künstlerische Vortrefflichkeit.  Das Kammermädchen der Ladys (Goldmann) war im Ziel bei Schauspielkunst.  Der Präsident (Schwarz) war zwar gut aber nicht vornehm genug.  Wurm (Ochsenheimer) war in bekannter Ordnung, wenn dergleichen einem Wurm möglich war.  Schiller war es im bürgerlichen Trauerspiel ‘Kabale und Liebe’ gelungen, die höfische Welt der Antike, italienische Renaissance und Barockzeit lebendig in Form der Aufklärung zu gestalten.  Daneben versuchte er andauernd, Sprach- und Handlungsraum (gegen Lessings drei Einheiten des Orts, der Zeit und Handlung im Drama) eigenständig zu erfassen.

 

 

3.4  Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’

Als Schiller auf der Lateinschule in Ludwigsburg war, übte er Übersetzungen von griechischen und lateinischen Gedichten.  Darum hatte er sich seit längerer Zeit mit der Dichtung und deren Theorie vertraut gemacht, bis er endlich selbst ein Gedicht verfasste.  Im Jahre 1776 erschien sein erstes Gedicht ‘Der Abend’ in Professor Haugs ‘Schwäbischem Magazin’.  Für Schiller war dies ein großer Anreiz, sich weiter der Poesie und Literatur zu widmen.  Im Februar 1782, kurz nach seinem großen Erfolg im Theater, veröffentlichte Schiller die Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’, die 83 Gedichte von ihm selber und seinen Zeitgenossen enthielt.  Hierin zusammengefasst sind eine Gedichtserie an Laura, die Schiller für seine derzeitige verwitwete Mitbewohnerin, Luise Dorothea Vischer, gestaltet hatte, sowie Todesgedichte und Elegien wie ‘Eine Leichenphantasie 1780’, ‘An Fanny’, Geschichtsgedichte wie ‘Die Kindsmöderin’, ‘Der hypochondrische  Pluto, Romanze’‘Kastraten und Männer’, ‘Die Spinne und der Seidenwurm’, ‘In einer Bataille von einem Offizier’,  idyllische  Gedichte wie ‘An die Sonne’, ‘Spinoza’, ‘An den Frühling’, ‘Meine Blumen’, Liebesgedichte wie ‘Der Triumf der Liebe, eine Hymne’, ‘Fluch eines Eifersüchtigen’, ‘An mein Täubchen’, ‘Der Unterschied’, Haushaltsgedichte wie ‘Vergleichung’, philosophische Gedichte wie ‘Das Glück und die Weisheit’, ‘Räzel’, ‘Edgar an Psyche’, ‘Die Größe der Welt’, ‘Lied eines abwesenden Bräutigams’, ‘Alte Jungfern’, sowie ein kleines Barockdrama ‘Semele’.

Das Drama ‘Semele’ dreht sich um einen griechischen Mythos, auf den Schiller durch Schubarts Gedicht ‘Jupiter und Semele’ stieß, und das ihn zur Abfassung dieses  kleinen Barockdramas inspirierte.  Darin spielen drei Figuren, Zeus, seine Gottesgemahlin Juno und seine menschliche Geliebte Semele ein Menschheitstheater in zwei Szenen, wobei sich Schillers Vertrautheit mit den griechischen Mythen  zeigte, indem Schiller zahlreiche griechische Götternamen und Geschichten als Metapher im Text verwendete.  Auch eine Dichtungseigenschaft, die er seinen anderen Schauspielen nicht verlieh, ein erotischer, sinnlicher Ausdruck, wird hier deutlich. 

Die Geschichte beginnt in der ersten Szene mit dem Vorsatz von Juno, sich aus Eifersucht an Zeus’ neuester Menschengeliebten, Semele, zu rächen.  Semele, Prinzessin der Erde, die schwanger von dem sich in einem Menschen verwandelten Zeus ist, wird von Juno in der Gestalt ihrer verstorbenen Amme,  Beroe, auf die Probe gestellt, ob sie mit dem kommenden Kind die Gottheit des Himmels begehrt. Nachdem die  Unkenntnis von Semele über Zeus’ Identität offenbar wird, verrät ihr die hinterlistige Juno aber, dass ihr Liebhaber eigentlich der König der Götter in Olymp Zeus ist, und provoziert in ihr den Wunsch, mit seiner Gunst  den Gottesaltar zu erlangen.  Dazwischen knüpft Semele mit Juno eine sehr interessante Rede, die in allen Zeitaltern ein verheirateter Mann  seiner unehelichen Geliebten ins Ohr flüstert. 

Juno (...) Und Juno selbst wird neidisch auf dich schielen. Semele Die Häßliche mit ihren Ochsenaugen! / Er hat mirs oft im Augenblick der Liebe/ Geklagt, wie sie mit ihrer schwarzen Galle/ Ihn martere-  (...) O pfui doch!  Beroe! Die garstigsten (die Ochsenaugen)/ Die je in einem Kopfe stecken können!-/ Und noch dazu die Wangen gelb und grün,/ Des gift’gen Neides sichtbarliche Strafe-/ Mich jammert Zevs (Zeus), daß ihn die Keiferin/ Mit ihrer ekelhaften Liebe keine Nacht/ Verschont und ihren eifersücht’gen Grillen,/ Das muß Ixions Rad im Himmel sein.[79]

In der zweiten Szene tritt der mächtigste Gott des Himmels auf und sehnt sich nach  seiner Liebe in der Menschenwelt.  „Zevs (Zeus) (...) Semele, wo bist du?-/ Lang’ schmachtet’ ich, mein weltbelastet Haupt/ An deinem Busen zu begraben, meine Sinnen/ Vom wilden Sturm der Weltregierung eingelullt, (...).“[80]  Seine Liebe erwidert   seine Sehnsucht  und erscheint vor ihm, zur Bitte um die Antwort.  Zeus zeigt ihr auf ihren Wunsch seine Gottesmacht, indem er den Regenbogen, Donner, Feuer, Rauch und Erdbeben nach und nach unter ihren Augen herbeizaubert.  Schließlich glaubt Semele, dass ihr Liebhaber ein Gott ist.  So wie Juno es ihr vorgeschlagen hat, ersucht sie Zeus um die Unsterblichkeit und den Gottheitenstatus in Olymp.  Was folgt, entspricht der Erwartung von der mit Menschheit gewandten Juno.  Zeus, wie ein Mensch, klagt über das ‘nicht standesgemäße’ Verlangen und bejammert das Verwelken der unschuldigen und unerfahrenen Liebe von Semele.  Herzlos verbannt Zeus seine Geliebte aus dem Palast und sagte,

Zevs (...) Ha! merk’ ich nun dein Siegfrohlocken, Juno?/ Verwünschte Eifersucht! - O diese Rose stirbt! (...)   Semele Du geizt nur mit deiner Herrlichkeit!   Zevs Fluch über meine Herrlichkeit, die dich/ Verblendet! Fluch über meine Größe,/ Die dich zerschmettert! Fluch! Fluch über mich!/ Daß ich mein Glück auf morschen Staub gebaut! [81]

Gemäß Schillers Veränderung des Schlusses vom Gedicht Daniel Schubarts, an dem Semele nicht an Gottheit von Zeus glauben will und schließlich an dessen  herbeigezaubertem Feuer stirbt, erweist sich das Drama Schillers als ein Beispiel, dass die Standesgrenzen überall sogar in der Götterwelt gefunden werden können. Und die Kaltherzigkeit eines Herrn gegenüber einer Frau niedriges Standes, von der er zwar die reine Liebe sucht, aber mit der er seinen Status nicht teilen will, kommt  unmittelbar aus der Geschichte hervor.

Eins der 83 Gedichte von der Anthologie auf das Jahr 1782 ist ‘Monument Moors des Räubers’ vorzustellen.  Es ist ein halb prosaisches und halb poetisches Gedicht.  Dies kann als Schillers Nachrede zum Drama ‘Die Räuber’, bzw. zu Räuber Karl Moor gelten.

Vollendet!/ heil dir! Vollendet!/ Majestätischer Sünder!/ Deine Fruchtbare Rolle vollbracht. 

Hoher Gefallener!/ Deines Geschlechts  Beginner und Ender!/  Seltner Sohn  ihrer  schröklichsten Laune,/ Erhabner Verstoß der Mutter Natur!

Durch wolkigte Nacht ein prächtiger Bliz!/ Hui!  hinter ihm schlagen die Pforten zusammen!/ Geizig schlingt ihn der Rachen der Nacht!/ Zuken die Völker/ Unter seiner verderbenden Pracht!/ Aber heil dir!  Vollendet!/ Majestätischer Sünder!/ Deine furchtbare Rolle vollbracht!

Modre - Verstieb/  In der Wiege des offnen Himmels!/ Fürchterlich jedem Sünder zur Schau,/ Wo dem Thron gegenüber/ heißer Ruhmsucht furchtbare Schranke steigt!/ Siehe! der Ewigkeit übergibt dich die Schande!/  Zu den Sternen des Ruhms/ Klimmst du auf den Schultern der Schande!/ Einst wird unter dir auch die Schande zerstieben,/ Und dich reicht - die Bewunderung.  

Nassen Auges an deinem schauerndem Grabe/ Männer vorüber - / Freue dich der Thräne der Männer,/ des Gerichteten Geist!/ Nassen Auges an deinem schauerden Grabe/ Jüngst ein Mädchen vorüber,/ hörte die furchtbare Kunde/ Deiner Thaten vom steinernen Herold,/ Und das Mädchen - freue dich! freue dich!/ Wischte die Thräne nicht ab./ Ferne stand ich - sah die Perle fallen,/ Und ich rief ihr: Amalia!

Jünglinge! Jünglinge!/ Mit des Genies gefährlichem Aetherstral/ Lernt behutsamer spielen./ Störrig knirscht in den Zügel das Sonnenroß,/ Wie’s am Seile des Meisters/ Erd und Himmel in sanfterem Schwunge wiegt,/ Flammts am kindischen Zaume/ Erd und Himmel in lodernden Brand!/ Unterging in den Trümmern/  Der muthwillige Phaeton.

Kind des himmlischen Genius,/ Glühendes thatenlechzendes Herz!/ Reizet dich das Mal meines Räubers?/ War wie du glühenden thatenlechzenden Herzens,/ War wie du des himmlischen Genius Kind./ Aber du lächelst und gehst - / Dein Blik durchfliegt den Raum der Weltgeschichte,/ Moorn den Räuber findest du nicht - / Steh und lächle nicht Jüngling!/ Seine Sünde lebt - lebt seine Schande,/ Räuber Moor nur - ihr Name nicht./ [82]  

         : Reime            

Mit diesem Gedicht kritisiert Schiller bissig-höhnisch, beißend-spöttisch seine erfundene Figur Räuber Karl Moor als Sündenkönig, der im Drama alle erdenklichen üblen Taten wie Geldspiel, Rauben, Brandstiftung, Mord, sogar an seiner Geliebten Amalia begangen hat.  Schiller meint ironisch, er sei keine Menschengeburt, sondern  Ungeziefer, das die Menschheit nur verdirbt.  Als er zur Welt kam, schloss ihm die Himmelspforte zu und es begrüßte ihn nur der Blitz des verwünschten Donners aus dicken, dunkelsten Nachtwolken.  Als er lebte, stieg er mit Schande und üblen Taten auf und erreichte dadurch den höchsten Ruhm.  Als er starb, grinste er als Geist den vor dem Grabe stehenden, ihm nachtrauernden Menschen zu.  Er, der geniale Verbrecher, befand sich am Rande des Gesetzes.  Nun ist er gestorben und ist wegen seiner Bosheit in die Hölle gestürzt.  Schiller richtet sich am Ende an den Leser, dass diese dramatische Geschichte im wirklichen Leben passieren könnte und der bösartige Karl Moor und seine Sünden wieder leben könnten.  Bloß heiße er nicht mehr Karl Moor, sondern trage einen Namen, den wir nicht kennen.  

 

 

3.5  Zeitschrift ‘Wirtembergisches Repertorium der Literatur  1782’

Wie schon erwähnt, gründete Schiller Ende März 1782 die Zeitschrift ‘Wirtembergisches Repertorium der Literatur‘, zusammen mit Professor Abel, Johann Jakob Azel und Johann Wilhelm Peterson, der sich mit Schiller zwei Monate davor getraut hatte, heimlich nach Mannheim zu fahren und der Uraufführung dessen ersten Schauspiels ‘Die Räuber’ beizuwohnen.  Wegen dem anschließenden zweiten Besuch der Inszenierung in Mannheim und dem darauf folgenden Hausarrest war  Schiller nur an den ersten zwei Ausgaben beteiligt.  Die dritte übernahm Peterson, aber auf Grund der Flucht von Schiller und dem mangelnden Engagement von Mitherausgebern und sich selber, der sich eigentlich für die Antike und insbesondere für Wappen- und Münzkunde interessierte, wurde die Zeitschrift   eingestellt. 

Diese drei Ausgaben enthielten folgende Aufsätze Schillers, seiner Schulkameraden und seiner Lehrer: Die grausame Tugend (Drama, Aufsatz), Über die Gewohnheit gebrechlichen Kinder (Philosophische Abhandlung), Über das gegenwärtige teutsche Theater 1782 (Aufsatz), Etwas von Kaiser Max dem Ersten (Aufsatz), Der Spaziergang unter den Linden (Philosophischer Dialog), Von den altteutschen Zweikämpfen zwischen Männern und Weibern (Philosophische Abhandlung), Josef der Zweite, eine Erscheinung (Bericht), Schreiben eines schwäbischen Paters an einen Reisenden, nach einer halbstündigen Bekanntschaft (Brief), Abhandlung und Anhang über die Räuber, ein Schauspiel von Friedrich Schiller (Selbstrezension), Auszug eines Schreibens über einiges im Schwäbischen National-Karakter (Aufsatz), Wirtembergische Briefe (Erzählung), Schwäbischer Musenalmanach auf das Jahr 1782 von Stäudlin ( N.N., Rezension, Kritik an dem erfolgreichen Literaten und Publizisten Gotthold  Friedrich Stäudlin), Nanine, aus dem Französischen (Rezension von Voltaire von Pfeifer), Die Gedichte Offians, neu verdeutscht, Wirtemberg und Limpurg (ein historischer Versuch von Johann Philipp Heinrich Prescher, Pfarrer in Gschwend), Kasualgedichte eines Wirtembergers (Johann Ulrich Schwindrazheims, Rezension), Klemms neuer Atlas für die Tugend (Aufsatz), Geschichte der teutschen Nationalneigung zum Trunke (Aufsatz), Vermischte deutsche und französische Poesie (von Prof. Johann Christian Schwab, Rezension), Zustand der Wissenschaften und Künste in Schwaben (Rezension von Balthasar Haug), Vermischte poetische Stücke von Stäudlin (Rezension), Schwabs philosophische Prüfung und Anthologie auf das Jahr 1782 (Selbstrezension Schillers über seine Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’, die von ihm persönlich in seiner Zeitschrift ‘Thalia’ wieder aufgenommen wurde.).   

In seinem Aufsatz ‘Über die grausame Tugend’ erklärt Schiller am Beispiel eines kleinen Dramas, dass die Tugend, die durch Glauben an einen erhabenen Menschenschöpfer Gott und seinen Worten und durch die Liebe zu den Mitmenschen entsteht, den Menschen mehrere Pflichten einzuhalten verlangt und Aufopferungen fordert.  Die Tugend, bzw. die Pflicht entspricht so sehr der menschlichen Natur und geriet sehr oft in Konflikt mit dieser.  Im Falle, dass die Pflicht sich selbst als Vergnügung verwandelt, um gegen eine höhere aber unangenehme, verhaßte Pflicht zu streiten, und um schließlich die Feinde zu besiegen, erhob sich jedoch die menschliche Natur höher.  Präzise gesagt, die geliebte, süße Pflicht setzte sich der höheren, verhaßten entgegen und bekam dadurch eine starke Kraft, die Feinde zu besiegen.  Ihre Formel ist also wie unten:

[ Angenehme Pflicht  Ö Unangenehme Pflicht ] Ö Feinde

Diesen Gedanken setzt Schiller ein in den allgemein tugendhaften Konflikt, nämlich die Liebe auf der einen Seite und die Religion oder der Patriotismus auf der anderen.  Unter der Überschrift ‘Stützen der angenehmen Pflicht, oder der tugendhaften Liebe’ nennt Schiller eine Seelenfolge des Verliebens und ihre Auseinandersetzung mit der nachfolgenden Pflicht der Tugend: 

Schilderung der Liebe

1) Vorstellung des geliebten Gegenstands: Die Eigenschaften des geliebten Gegenstands stellt man sich zuerst vor und fragt sich, warum das Herz voller Empfindung gegen ihn schlägt und alle Freude sich an ihn richtet.  An der Sanftmut, Großzügigkeit und Wohltaten der Geliebten hängt unsere Seele innig und herzlich.  Dabei ist anschließend Vergnügen und Nutzen zu erwecken. 

2) Vergnügungen: Die Vorstellungen von der Geliebten sind verbunden mit dem Selbst, der eignen Natur, entweder in Form eines bestimmten Vergleichs oder einer Ähnlichkeit.  Durch die Verknüpfung mit den angenehmen Vorstellungen erhält man Reiz und Vergnügen.  Besonders wenn man in der Geliebten eine Übereinstimmung findet ( z. B. Liebe gegen Liebe), eröffnet es einem ein inneres Glück und eine angenehme Aussicht, das wirklich Regende und Reizende (die Geliebte) zu erlangen.  Alle dies verursacht die Vorstellung der Liebe, die das Herz angenehm und die Seele erfreulich macht.  Die Schönheit des Geistes und des Körpers der Geliebten tragen schon das sanftes Vergnügen ins Herz hinüber und jede geliebte Eigenschaft erweckte schon oft frohe Empfindungen.  Besonders erfüllt  man die Aussicht auf Besitz der Geliebten mit unnennbarer Wonne.  Der Liebende denkt nur an ihr kleines Lächeln und süße Wangen und ist entzückt.  In diesem Moment stellt man sich nicht mehr die Eigenschaften vom geliebten Gegenstand vor, ohne die mit diesem verknüpften frohen Empfindungen aufs neue zu genießen. 

 3) Richtung des Willens: Das Vergnügen, das mit der Eigenschaften der Liebe verknüpft ist, lässt folglich unser Willensvermögen in tätig werden und die drei folgenden Begierden realisieren.

4) Begierde nach Umgang mit der Geliebten: Um das Vergnügen dauerhaft zu erhalten und zu erhöhen, sucht man den Besitz der geliebten Person.  Man sucht als Mittel die wirkliche Gegenwart der Geliebten und als Zweck den Genuss durch alle Sinnen.  Sehen, Hören, Fühlen und Umarmen des geliebten Gegenstands sind daher so reizvoll.  Selbst die unedleren Sinnen sind nicht ganz ausgeschlossen.

5) Begierde nach Gegenliebe: Man sorgt für sich selber und auch für den ihm  wichtigen Gegenstand, der im Herzen liegt.  Gleich wie bei der Liebe sucht man die Gegenliebe, weil man aus natürlicher Begierde Gleiches mit Gleichem vergelten will.  Man sehnt sich danach, von der Geliebten wieder geliebt zu werden und kann dadurch das höchste Glück und den höchsten Genuss erreichen, wenn die geliebte Person sich auch nach einem sehnt und seine  Freude auch schätzbar für sich findet.  Nie kann die Liebe befriedigt werden, ohne wieder geliebt zu werden, und nie kann eine Annäherung zustande kommen, ohne gegenseitige Annäherung erwidern zu haben.  Ein Lächeln und ein liebender Blick, die uns das Gefallen der Geliebten versprechen, haben unendlichen Wert für das zweifelndes Herz.  Die feinste Ahndung eines Missfallens oder einer Neigung zu anderer Person setzt den Liebenden in furchtbare Erschütterung.   

6)  Begierde nach dem Glück des Andern: „Der Geliebte wird uns unser von ihm abhängendes Glück, seinen Umgang und Genuß, nicht gönnen, wenn wir nicht auch sein Vergnügen suchen.“[83]  Weil jede Reaktion des Körpers und der Seele enge mit der Geliebten im Zusammenhang steht, befindet man sich auch unmittelbar unter dem Einfluss ihrer winzigsten Unfreude.  Sie macht die geliebte Person unfähig zu dem Umgang mit einem und raubt den gewünschten Genuss  einer engen Verbindung.  In diesem Zustand wirkt die Assoziation stark.  Man fühlt sich glücklich oder unglücklich, wenn die Geliebte sich glücklich oder unglücklich empfindet.  Ihr leidender Anblick erschüttert das Herz des Liebenden.  Man fühlt, was die Geliebte fühlt, und leidet, was sie leidet.  Daher versucht man alles Mögliche, der geliebten Person wieder die Freude zu bringen, und ihre Schmerzen zu beseitigen.  Sehr oft erträgt man standhaft seine eignen Leiden, aber sein Herz erliegt unter der schrecklichen Last, wenn man sein Liebling leiden sieht.  

7) Neue aus den vorigen abgeleiteten Empfindungen und Richtungen des Willens: Außer den oben genannten Begierden, die als wichtige Bestandteile der Liebe dienen, gibt es noch mehrere minder bedeutende, wie zum Beispiel, die Begierde, das Herz der Geliebten auszuschütten, oder ihre Begebenheiten zu kennen.  

8) Körperliche Empfindungen: Die Vorstellung ist Folge des Denkens; die Empfindung kommt zustande im Herzen; Reiz und Annäherungswillen sind in der äußerlichen Körperhaltung sichtbar.  Sie alle veranlassen die entsprechenden Bewegungen des Körpers und die physischen Empfindungen.  „Die also entstandenen und auch in andere Theile sich mittheilenden Bewegungen des Cörpers gehen nun aufs neue auf das Gehirn zurück, und erregen da selbst neue Empfindungen oder verstärken die alten (...)“[84]

9)  Revolution der Seele: Alle Empfindungen und Leidenschaften, sobald sie einen hohen Grad erreicht haben, erzeugen eine besondere Veränderung der Seele.  Die Leidenschaften, die durch Assoziierung der lebhaften Vorstellungen und durch den tatsächlichen Umgang mit der Geliebten hervorgerufen werden, verschaffen  Schwung und beleben die Seele.  Alles, was in diesem Umstand nicht steht, scheint dem Liebhaber kalt, gleichgültig, matt, und unfruchtbar.

Die Welt theilt sich in zwey grossen Theile, den, der mit der Leidenschaft zusammenhangt, und den andern, ausser dem Gebiete derselbigen; den ersten faßt die Seele mit dem höchsten Feuer an, alles darinn ist göttlich oder abscheulich, das höchste einzige Ziel der innigsten Sehnsucht, oder der Gegenstand unsers heissesten Fluches; in der andern ist alles gleichgültig, gefällt nicht, und mißfällt nicht, oder langweilig, schaal und abgestanden (...).[85]   

Zugleich wird der Verstand nicht mehr wirken, sondern die Sehnsucht herrscht in dem Geist, bald in Hoffnung, die Geliebte zu befriedigen, bald in Furcht, sie zu verlieren.  Die Laune ist immer veränderlich durch Veränderung jedes Augenblicks.  Die Seele ist daher nie beruhigt.

10) Assoziierte Eindrücke: Dies ist der letzte der Bestandteile der Liebe.  Alle Empfindungen, Neigungen und Vorstellungen verbinden sich durch Assoziation, die die Leidenschaften nur vergrößert und die Freude nur erweitert.  Die Erinnerung bleibt dadurch lebendig und dauerhaft.  Die ersten Knospen im Frühling erinnert einen alten Menschen an seine Jugendliebe und deren frisches Lächeln und er fühlt die Freude und das Glück allein aufgrund der Assoziation.  

11) Folge zum Vorteile der Liebe: Im Falle, dass die Pflicht ins Auge erscheint und mit der Liebe in Konflikt gerät (z. B. wegen der Versetzung der Arbeitsstelle muss man sich  von der Geliebten verabschieden), entscheidet man augenblicklich ohne Bedenken für die Liebe, weil ihn die Unterlassung der Pflicht die vollkommene Befriedigung der Liebe und Leidenschaft verspricht und die Erfüllung derer den Verlust der Geliebten bedeutet.  Jedes Unglück, jede Trauer von der Geliebten, die in diesem Umstand erzeugt werden kann, wünscht man sich nicht.     

12 ) Verstärkung der Freude aus verabsäumten Schmerzen und aus erfüllter Pflicht: Wenn noch die Leidenschaft die ganze Seele ins Feuer setzt, wird der Liebende alle seine Kräfte zusammennehmen und sich beim Kampf für die Liebe entscheiden.  Vor allem wenn der Verlust in Folge der Erfüllung der Pflicht vorausgesehen wird, wird der Wille zum Kampf noch verstärkt, um die bevorstehenden Schmerzen und Leiden zu vermeiden.  

13) Neue Verstärkung durch Verbindung mit der Pflicht insbesondere: Der Kampf zwischen Liebe, Vergnügen, Leidenschaft einerseits und Pflicht anderseits hat einen Wendepunkt in dieser Phase, wenn eine Überlegung entstehen kann, dass man durch Aufopferung der Liebe mehr verdient als verliert, oder der Verstand wieder funktioniert und das Gewissen erwacht, wobei man die herrschende Leidenschaft schließlich abscheulich findet.  „Keine Leidenschaft hat so viel Gewalt, unsern Verstand zu täuschen, als die heftigste unter allen Leidenschaften, die Liebe, keine Verbrechen, selbst nicht die grössere, foltern eben deswegen das des Lasters sich bewußte Herz so fürchterlich (...).“[86]  In den meisten Fällen schaut man auf die vorteilhafte Seite der Pflicht, die nun als eine akzeptabel, sogar als eine angenehm betrachtet wird.  In der Folge glaubt man die richtig Pflicht zu tun und die geistliche Neigung zu stillen.  Dabei durchströmt einen das neue Vergnügen, dass der Konflikt beendet ist und man sich von allen daraus entstandenen Qualen  befreit hat.

14) Stützen auf Seiten der höheren Pflicht: Die höhere Pflicht verteidigt sich gegen die individuelle Liebe mit gravierenden Waffen.  Mit ihrem eigenartigen Reiz lockt sie manche Seelen an sich und bringt sie von allen persönlichen Leidenschaften ab, wie zum Beispiel Vaterlandsliebe, Heldenkult, Menschenliebe und Nächstenliebe.  Außerdem wirkt sich die Religion und bzw. die Liebe zu Gott aus, wobei man anstatt einer menschlichen Gegenliebe die Liebe von Gott verlangt.  Der Gedanke, fromm, brav und vortrefflich zu sein, kann einen Beitrag dazu leisten, dass man sich und seine Liebe aufopfert, um der Pflicht und dem Wohl für das Ganze zu dienen.        

Die obengenannten seelischen Folgerung des Verliebtseins und der Pflicht beweisen, dass Friedrich Schiller ausgezeichnete Kenntnisse in den Bereichen Psychologie und Philosophie besaß.  Er kombinierte sie mit der Literatur und verarbeitet sie für den Leser leicht verständlich und einfühlbar.  Der Text befasst sich noch mit einem anderen Bereich, nämlich dem Zustand des Geistes beim Kampf, den Vorgängen in der Seele im Kampf.  Wegen dem eingeschränkten Umfang der Diplomarbeit stelle ich dies nicht vor und wende mich einem weiteren Text zu.  

In dem ‘Auszug eines Schreibens, über einiges im Schwäbischen National-Karakter’ schrieb Professor Balthsar Haug aus Literatur und auch aus seinen herkömmlichen Kenntnissen einen Absatz über die Nationaleigenschaften vom Landes Württemberg, in der er sich rein aus der Perspektive eines Schwaben und Württembergers äußerte.  Darin beschreibt Haug, dass Schwabe oft von anderen Landsleuten wie Sachsen und Pfälzern als geistlich spät entwickelt, ungeschliffen, und ungeschickt in körperlicher Bewegung und intellektueller Äußerung gekennzeichnet würden.  Der Professor der hohen Carlsschule erzählt als Beispiel einige witzige historische Anekdoten, die die Einfachheit und Dummheit der schwäbischen Landesart beweisen.  Darunter führt Professor Haug folgende Don Quichottische Geschichte von Wilhelm Kirchhof an: Im Juli gingen neuen Schwaben auf Pilgerfahrt nach Trier.  Sie reihten sich nach einander an einem starken langen Spieß auf, um sich nicht von der Gruppe zu entfernen und sich zu verlaufen.  An einem Abend, irgendwo abgelegen von jeglichen Dörfern, hörten sie einen großen Rosskäfer oder eine Hornisse hinter einer Staude brummeln, als sie gerade eine Wiese überquerten.  Davon erschrak der vorderste der Reihe, der ‘intelligenteste’ und ‘höflichste’ der Reisegesellschaft.  Er strich seinen nächsten der hinteren Gesellen und sprach: Hört zu, ich höre einen Trommel.  Die Übrigen fragten ihn, wer es sei.  Zugleich roch der nächsten Mann im Dunkeln einen Gestank aus der Bewegung des Reihenführers und sprach, ‘Etwas ist vorne passiert, denn ich rieche Pulver und Zündstoff.’  Im Nu entfloh der ‘Geharnischte’ aus der Reihe und sprang über einen Zaum, hinter dem ein Rechen von jenem Tagearbeiter lag.  Dessen Stiel schlug ihn an die Nase, und er schrie, ‘Weh, weh, weh, schlage mich nicht, fange mich nicht.  Ich gebe mich, ich gebe mich.’  Die anderen hörten dies, hüpften alle einer über den anderen dahinter und riefen,  ‘Gibst du dich?!  So gebe ich mich auch!’  Schließlich nahmen sie wahr, dass sie sich dummerweise geirrt hatte.  Ohne auf den anderen zu speien und zu schimpfen, schworen sie sich, untereinander stillzuschweigen, solange bis einer das Maul auftat.

Mit der Anführung derartiger Anekdoten, von denen es noch weitere geben solle,  will Balthsar Haug zeigen, dass die Schwaben unter den anderen deutschen Völkern, ob in den Schulen oder in der Gesellschaft, stets als Narr und Gegenstand aller Neckereien und Spötteleien gelten würden.  Falls das Scherzhafte und Lächerliche der allgemeine Hauptzug der deutschen Volksart wäre (auf den derzeitigen Politik- und Außenpolitikzustand hingewiesen), müsste die ‘Provinz des Narrs’ den Schwaben zugeschrieben werden.  In diesem Sinn fragt sich Haug, Professor des Nationaldichters Schiller, „Über wo lag nun die Ursache dieser Erscheinung des langen Zurückbleibens der Schwaben im Anbau des Geschmacks, und in Abschleifung der rohen plumpen Sitten? Was hielt den Nationalgeist in dem umhüllenden Nebel?“[87]  Die Beantwortung dieser Fragen wäre nach seiner Meinung ein Beitrag zur Erläuterung der Sittengeschichte der württembergischer Provinz und ganz Deutschlands und des Hintergrunds der zersplitterten deutschen Nation.  Nach Verlauf der drei Jahrhunderten sind die Fragen von Haug heutzutage erklärt.    Deutschland ist nun seit 1989 ein vereinigter Staat der Provinzen und Bundesländer und seit 1995 ein absolut freiheitliches Land.  Im kulturell, technisch, und wirtschaftlich hoch entwickelten Deutschland findet man kaum einen zurückgebliebenen Zustand bei jenem Religionsstamm.  Darum ist die Aussage von Haug eine von der Geschichte, die nur für geschichtlich halten soll.     

 

 

3.6  Zeitschrift ‘Rheinische Thalia 1785’

Die Rheinische Thalia, für deren Erscheinen Schiller Lessings ‘Hamburger Dramaturgie’ zum Vorbild nahm, wurde kurz vor seinem Ausscheiden aus Mannheimer Nationaltheater bei dem Buchhändler Schwan herausgegeben.  Diese Theaterzeitschrift entstammte Schillers Idee, die Mannheimer Theaterkunst und Geschichte durch Erscheinen dieser Monatsschrift aller Welt vorzustellen und bekannt zu machen.  Leider wurde sie öffentlich und finanziell nicht von Dalberg und dem Nationaltheater Mannheim unterstützt, und die Herausgabekosten gingen zunächst auf Rechnung von Schiller selber und wurde dann vom Weimarer Herzog Karl August übernommen, nachdem Schiller um des Intendanten wegen, der seinen abgelaufenen Arbeitsvertrag nicht hatte erneuen wollen, gezwungen war, Mannheim zu verlassen und in Weimar weitere Zuflucht zu suchen.  Das erste Heft, das im Oktober 1784 gedruckt wurde, erhielt die Antrittsrede Schillers zur Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft in Mannheim am 26. Juni 1784, mit dem Titel ‘Wie kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?’.  Zudem gab es eine Übersetzung ‘Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache’ aus Diderots Roman >Jacques le fataliste et son maître<, den ersten Teil des Dramas ‘Don Karlos, Infant von Spanien’ mit Vorwort und Zwischenbemerkung, den Schiller bereits  Ende 1784 in Darmstadt vor dem dort verweilenden Herzog von Weimar Karl August vortrug, und ‘Der Saal des Antiken zu Mannheim’, ‘Repertorium des Mannheimer Nationaltheaters’, ‘Wallensteinischer Theaterkrieg’ und ‘Dramaturgische Preisfragen’.

In der Vorrede erläutert Schiller seinen Plan zu dem Theatermagazin, mit dem der sittliche Sinne zu verfeinern sei, was im Gebiete des Schönen liege, was Herz und Geschmack veredeln, Leidenschaft reinigen und allgemeine Volksbildung wirken könnte.  Schiller weist für die Eigenschaften und Funktionen der zweimonatlichen Zeitschrift auf die folgenden Punkte hin[88]:

1. Gemälde merkwürdiger Menschen und Handlungen, die die Menschen in jeder Ecke, in jedem Zirkel, hinter jeder Dekoration und jedem Schleier des bürgerlichen Lebens in ihrem wahren Gesicht darstellt.  

2. Philosophie für das handelnde Leben.

3. Schilderung der schönen Natur und Kunst in der Pfalz.

4. Deutsches Theater: Eine Schaubühne, die durch den deutschen Geschmack und Geist bestimmt und durch Aufmerksamkeit des ganzen Publikums aufgefordert wird.  Die Thalia wird das Wahlverfahren der Theaterstücke nach dem sittlichen und ästhetischen Wert beurteilen, die Verteilung der Rollen und deren geheime oder offenbare Gründe zusammensuchen, und den Beifall, Tadel, sowie die Kritik des Publikums sorgfältig prüfen.   

5. Geschichte und Rhapsodien, Fragment von dramatischen Stücken.

6. Beurteilung wichtiger Männer und Schriften.

7. Geständnis vom Herausgeber.

8. Korrespondenzen- Anzeiger, Miszellaneen.

Im allgemeinen war die Thalia eine Aufsatzsammlung, die entgegen der   Gedichtsammlung ‘Anthologie auf das Jahr 1782’ und ähnlich wie ‘Wirtembergisches Repertorium der Literatur’ war.  Nur sie richtete sich inhaltlich auf dramatische und theatralische Angelegenheiten. 

In dem Aufsatz ‘Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?’  erklärt Schiller die Funktionen der Theaterbühne zwischen dem Staat, der Gesellschaft und der Bevölkerung, sowie ihrer Rolle, die sie in der Geschichte und  in den Herzen der Menschen verkörpert.  Die Gedanken des jungen Bühnendichters sind folgende:

Die Deutschen müssen sich zu einer festen Gesellschaft bilden, die bei ihrer  Staatslosigkeit als Ersatz des Staats dient.  Zuerst müssen sie sich entschließen, wer  sie sind und welches Ziel sie sich setzen.  Die meisten Menschen fordern zwar die Achtung der Gesellschaft, deren Verhalten jedoch oft gar nicht achtenswert ist: Der Staatsminister kann die Steuer des Landes veruntreuen; der große Gelehrte trägt den Kranz der Aufklärer für die Menschheit und genoss den ehrwürdigen Namen und Bewunderung, der tatsächlich nur unter Tageslöhnerei fleißig den Beruf ausübt.  Umgekehrt verachtet man den jungen Dichter (Schiller) und bezeichnet seine Abkehr von der Laufbahn als herzoglicher Mediziner zum Bühnendichter als Schande.  Niemand versteht, dass er dem Ruf Gottes folgt und zur Dichtung bestimmt ist.  Schiller setze Hoffnung darauf, dass man die freien Künste und Künstler langsam akzeptiert, weil die echte Kunst nicht nur im Hof vorhanden ist, der große Künstler nicht nur dem Fürsten dient, und dass alle Künste aus allen Klassen sich vereinigen, Gelehrsamkeit und Geschmack, Wahrheit und Schönheit sich verschmelzen.

Nun stellt Schiller hier die Fragen, wie die Bühne sich bei den Menschen auswirkt, die einerseits ihre tierischen Züge noch tief im Inneren verbergen, und die anderseits ihre geistige Bedürfnisse weiter entwickeln, und ob die Schaubühne das Höchstziel des Gesetzgebers und der Regierung, die Förderung allgemeiner Glückseligkeit in der Gesellschaft, erreichen kann.  Im Falle, dass das Drama, Erzeugnis des menschlichen Geistes, die gesamte Menschheit tatsächlich beeinflussen kann, soll man sich dem mit allen Kräften widmen, ebenso derjenige, der sein Talent in diesem Bereich besser einsetzt, als auf einen minder wichtigen Gegenstand verschwendet, soll hier seinen Beitrag leisten (Schiller wies auf sich hin).  Schiller gesteht jedoch der Kehrseite der Künste,

1) Die Kunst interpretiert nicht immer die Wahrheit, vor allem weil es einerseits keine definitive Wahrheit gibt und anderseits die Kunst stark von dem menschlichen Künstler abhängt, der selber zwischen Wahrheit und Falschheit pendelt.  

2) Die Kunst verändert sich durch den Lauf der Zeit und unterscheidet sich voneinander in verschiedenen Ländern.  Was das Allerwichtigste ist, dass die Nation, wo die Kunst brüht, immer existieren muss.  Sonst stirbt die Kunst, wenn die Nation zugrunde geht.

Zurück zum Theater, das entsteht, weil der Mensch neben seiner alltäglichen Beschäftigung, der er täglich seine Geisteskraft des Beitrags zum Ganzen hingibt, ein Verlangen nach der entspannenden Zwischenpause und Abwechslung hat.  Erschöpft von anhaltender geistiger Anstrengung im Beruf oder ermüdet von dessen unveränderter Eintönigkeit, braucht man Vergnügen und Ruhe, denn die ununterbrochener Tätigkeit entspricht nicht der menschlichen Natur.  In diesem Zustand wirkt sich die Schaubühne gegenüber dem Gefühl des Menschen als Schönes aus, mit der man sich die Freude und gleichzeitig die Bildung des Verstands und des Herzen verschafft.

Die Schaubühne, die den Geist des Menschen formt, steht unter Einfluss der öffentlichen Anstalt und der Religion, die die Regeln der menschlichen Gesellschaft übernehmen.  Die Gesetze von der Regierung drehen sich um zwangsläufige Pflichten, die Religion fordert den wirklichen Handel und das Tun; die Gesetze gewährleisten den Zusammenhalt der Gesellschaft und vermeiden ihre Auflösung, die Religion trägt zur inneren Stabilität des Menschen bei; die Gesetze verfolgen mit ihrer Gerichtsbarkeit die menschliche Missetat, die Religion herrscht nur über den Gedanken dessen, der sie ins Herz nimmt.  Die Gesetze verlieren ihre Wirkung, wenn sein Urheber, der Staat nicht mehr existiert; die Religion ist ihrerseits nicht mehr da, wenn ihre Gemälde von Himmel und Hölle, Gott und Teufel gelöscht werden.  Darüber hinaus erweitert Schiller den Bund der Gesetze und der Regierung mit dem Theater, der gemeinsam die Menschheit verstärkt beeinflussen kann.  Schiller nennt dafür die folgenden Begründungen:  

1) Dadurch, dass auf der Bühne die Gegenwart von Laster und Tugend, Glückseligkeit und Elend, Torheit und Weisheit sich lebendig vor den Augen des Publikums darstellt, werden die Menschen in ihrer Lebensweisheit geschult und bemerken  Irrtümer.                

2) Die Schaubühne ist ein Gericht des menschlichen Gewissens.  Auf ihr wird der Betrug entlarvt, die Tugend gelobt, und das Verbrechen gestraft. 

3) Die Schaubühne übt die Bildungsfunktion aus und lässt Zusammenhänge  erkennen. 

4) Die Schaubühne gewährt den Menschen mehr Empfindungen und führt sie zum Mitleid mit dem Traurigen und zur Mitfreude mit dem Glücklichen.  Sie pflanzt die Menschlichkeit  und Sanftmut in die Gesellschaft. 

5) Die Schaubühne schützt das Herz des Menschen gegen Schwächen, um ihn vor Übeltat und Verderben zu bewahren.  Sie führt dem Menschen durch gemilderten Spott und Erschrecken im Scherz und in der Satire seine Lächerlichkeit  ins Auge, wobei sein Stolz zwar ein bißchen verletzt wird, aber sein Sinn für die Schwächen sensibler verschärft wird, damit er sich anpassender Verbesserung schließlich unterzieht.  Dies ist besser, als dass er sich überschätzt und später große Fehler macht.      

6) Die Schaubühne gilt als Wegweiser des bürgerlichen Lebens.  Der Große der Nation hört da die Stimme seines Volkes, sieht das Leben seiner Untertanen, worüber er in Wirklichkeit, in großer Distanz zu ihnen, nicht erfährt.

7) Die Schaubühne macht der Menschheit ihr Schicksal einsichtig und aufmerksam, wie sich Zufälle und Pläne wie in einem Gewebe kreuzen.  Durch das Vorspiel des menschlichen Schicksals auf der Bühne begegnet man unerwarteten Verhängnissen mit Erfahrung, kühnem Herzen, und scharfem Sinn.

8) Die Schaubühne ist Aufklärer des Verstands.  Sie gewährt dem Menschen einen Einblick in sein Geschlecht und erleuchtet die tausendjährigen Menschengeschichte.

9) Die Schaubühne ist ein Kanal, durch den der Gedanken eines Menschen sich durch eine Stadt, ein Land, sogar in der Welt verbreiten kann.

Aus den oben stehenden Gründen spielt die Bühne neben dem Staat und der Religion eine entscheidende Rolle unter den Menschen.  Schiller verleugnet jedoch nicht, dass die Wirkungen der Bühne durch die Eigenliebe, den Stumpfsinn und  Verschlechterung des Gewissens des Publikums manchmal nachlassen.  In mancher Hinsicht macht man aus Menschen nur mehr Steine wie jener aus Steinen Menschen.  Man kann nur auf die Menschen soweit einwirken, wie diese es selbst zulassen.   Insgesamt übt eine gut stehende Schaubühne diese neuen Funktionen aus, entspannt den vom Tageslauf ermüdenden Geist, stillt den Gram im Herzen, muntert die trübe Laune in einsamen Stunden auf, erleichtert die auf die Seele drückende Last und treibt das Blut in frischer Wallung.  Darüber hinaus wirkt sich die Bühne im höchsten Grad auf den Nationalgeist des ganzen Volkes aus, welches untereinander ähnliche, übereinstimmende Meinungen und Neigungen in bestimmten Situationen hat, und welches sich von einem anderen Volk unterscheidet, das anders meint und empfindet. 

Durchs Theater wird der Unglückliche beglückt, stärkt der Feige sich zum Mann, und fängt der rohe Unmensch an zu empfinden.  Denn die Schaubühne vermittelt alle Wissen in allen Bereichen, berücksichtigt alle Situationen des Lebens und zieht Zuschauer aus allen Klassen, Ständen und Zonen an, denen sie das Moral, den Verstand, die Tugend und Menschheit bis in die tiefste Ecke des Herzens erklärt, appelliert Schiller an alle Dichter, Initiative zu ergreifen, um sich in einen festen Verbund zu einigen.  Danach, unter Einfluss ihrer einheitlichen Werke, die streng kontrolliert werden und nur für das Volksinteresse sprechen, werden ihnen alle Deutsche nachahmen und sich schließlich zu einer nationalen Instanz zusammenschließen.  Dabei plädiert Schiller dafür, mit einer Nationalbühne schaffen die Deutschen eine Nation.  

 

 

4. Abschied von Mannheim

4.1  Ausscheiden aus dem Nationaltheater

Am 31. August 1784 war Schillers einjähriger Vertrag mit dem Nationaltheater Mannheim abgelaufen, den der Oberintendanten Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg nicht erneut werden wollte.  Kurz vor dem Vertragsablauf schrieb Schiller Dalberg im Juni 1784, dass er seinen Medizinerberuf wieder annehmen möchte, um neben der Anstellung als Theaterdichter mehr Geld zu verdienen.  Darüber hinaus erklärte er sich klar und deutlich, dass er den Jahreslohn, den ihm das Nationaltheater bezahlte, für gering hielt.  Auch benahm Schiller sich nicht klug  gegenüber dem Professor der Mannheimer Jesuitenkirche, Mitgründer der Kurpfälzischen Deutschen Gesellschaft, Anton Klein, und forderte seine Schriften in demselben Monat aus dessen Theaterzeitschrift ‘Mannheimer Schaubühne‘ zurück, um sie später für seinen eignen Plan der Thalia zu verwenden.  Darauf erfolgte, dass die Deutsche Gesellschaft damit begann, den jungen Dichter wegen seiner Abwesenheit in den Sitzungen, seiner geringen Leistung bei der Arbeit (das dritte Werk des Vertrags wurde immer noch nicht geliefert) und seiner freien poetischen Sprache des Sturm und Drang, die an die Schauspieler hohe Ansprüche stellte, zu tadeln.  Am ungeeignetesten war, dass Schiller Dalberg in diese Auseinandersetzung mit Klein und der deutschen Gesellschaft hineinzog.  Er berichtete dem Intendanten schriftlich alles über ihre Feindschaft und Hochmut, und bat ihn um die Unterstützung.  Dalberg verhielt sich in dieser Situation genauso wie gegenüber der Desertion des Württembergers aus dem Stuttgarter Herzogtum nach Mannheim.  Dalberg verwies Schiller wie früher und lehnte die Thalia auf Antrag des Nationaltheaters ab.  

Eine weitere unangenehme Begebenheit trug sich im August 1784 zu, die das offenbare Missfallen des Nationaltheaters gegen Schiller bewies.  Am Dritten des Monats, als Schiller sich in Schwetzingen aufhielt, wurde das Lustspiel von Friedrich Wilhelm Gotter ‘Der schwarze Mann’ aufgeführt.  Darin spielte August Wilhelm Iffland einen aufgeblasenen prahlerischen Theaterdichter namens Flickwort, der sich über die Ausgänge seines Dramas nie klar war.  Auf der Bühne verkleidete sich Iffland in Maske und Kleidung Schillers und machte deutliche Anspielungen auf den jungen Dichter und den mehrfach veränderten Schluss des Fiesko.  Mithin war Schiller zur komischen Figur und zum Objekt der Lächerlichkeit vor dem Publikum geworden.  Sein Ansehen, Selbstbewußtsein und Dichterstolz wurde dadurch schwer verletzt.  In dieser feindschaftlichen Missstimmung im Nationaltheater, unter dem Gespött der Kollegen über die stark reduzierte Anzahl der Zuschauer in der Aufführung von der Räuber sowie der Kabale und Liebe, wartete Schiller bis zum 24. August ab.  Als bis dahin kein Bescheid Dalbergs zur Verlängerung des Arbeitsvertrags und auch kein einziges Fürwort aus dem Theaterausschuss und von den Mitkollegen verlauteten, spielte Schiller seine letzte Karte aus, indem Schiller im Brief an Dalberg zum ersten Mal sein viertes Drama ‘Don Carlos’ erwähnte und sich damit rühmte.  „(...) da die hohe Tragödie ein so fruchtbares Feld, und für mich, möcht ich sagen, da ist; da ich in diesem Fache größer und glänzender erscheinen, und mehr Dank und Erstaunen wirken kann, (...), froh bin ich, daß ich nunmehr so ziemlich Meister über den Jamben bin; Es kann nicht fehlen, daß der Vers meinem Karlos sehr viel Würde und Glanz geben wird.“[89]  Leider wirkte sich sein Vorhaben nicht aus.  Intendant Dalberg zählte den Don Carlos nicht zu dem letzten der drei Werke, die Schiller der Mannheimer Bühne im Vertrag versprochen hatte, und sah deshalb auch keinen Anlass, Schiller als fest angestellten Bühnendichter im Nationaltheater weiter beizubehalten.  Ende August 1784 lief der Vertrag ohne Erneuerung ab, und Schiller schied endgültig aus dem Nationaltheater Mannheim aus.  Zu diesem Fehlschlag machte der Vater Kasper Schiller eine gute Anmerkung:

So sehr ich wünsche, daß Er hierinn glücklich seyn möge, eben so sehr bin ich in Furcht, daß Er mein lieber Sohn abermalen zu viel darauf hofft und baut.  Das zu viel Hoffen und zu wenig Fürchten ist bisher die Quelle aller seiner Übel gewesen, und wird auch immer eine starke Hinderniß an seinem wahren Emporkommen bleiben, (....).  Die Freude darüber, der Beifall anderer, und der eigne gute Geschmak, lassen Ihn so dann hoffen, er werde damit nicht nur ein seinem Werth gemässes Honorarium,  sondern auch zugleich Ehre und Ruhm erlangen.  Da aber dieses nicht immer vom Verdienst, sondern von Zeit, Zufall und Glück abhängt, die nicht allen Menschen günstig sind, so schlägt es manchmal fehl.[90]     

 

 

4.2   Nach Leipzig

Sich von dem väterlichen Wunsch abgewendet, nach Württemberg zurückzukehren und mit  Begnadigung Carl Eugens wieder den Medizinerberuf aufzunehmen, fand Schiller sich in der Quadratestadt mit der freiberuflichen Schriftstellerei ab, weil er ja keine Verlängerung des Arbeitsvertrags mit dem Nationaltheater Mannheim bekam.  Er befasste sich weiter mit seiner Theaterzeitschrift ‘Thalia’ und der Fortsetzung des historischen Dramas ‘Don Carlos’.  Nebenbei schrieb er kleine theatralische Aufsätze und machte Übersetzungen von ausländischen Schauspielen ins Deutsche.  Auch  richtete er ununterbrochen Schreiben an die Freunde außerhalb Mannheims und knüpfte stetig Kontakte mit pfälzischen Landsleuten an, um einen Ausweg aus seiner bisherigen Notlage zu finden, weil einerseits die freie Schriftstellerei für das Nationaltheater und die Deutsche Gesellschaft mehrmals von Professor Klein zu besolden verweigert worden war und anderseits die Stuttgarter Schulden, die er seit langem hatte, mit seinem geringen Einkommen immer noch nicht vollkommen getilgt werden konnte.  Unter seinen Brieffreunden stand der Dresdner Oberkonsistorialrat für das Kirchen- und Schulwesen, Christian Gottfried Körner, seit Juni 1784 im Briefwechsel mit Schiller.  Zu Anfang stellte er sich mit seiner Frau Minna Körner, geb. Stock, als Verehrer für dessen Poesie vor.  Dann, nach Schillers Ankündigung der Thalia, traten Körners Schwägerin Dorothea Stock und sein Freund Ludwig Ferdinand Huber ebenfalls in Verbindung mit dem notleidenden Dichter in Mannheim.  Voller Mitgefühl für seiner Notlage nahmen sie Kontakt zu Schiller auf.  „Frühe Bekanntschaft mit dem Kummer hat unser Herz fühlbar für anderer Schmerz gemacht, hat uns gelehrt, daß freundschaftliche Theilnehmung allein ihm ein Lächeln ablocken kann.“[91]  Ihre liebevolle Aufmerksamkeit wurde gleich von Schiller erwidert.  Schiller schilderte im Februar 1785 in einem Brief seine Bedrängnis in Mannheim und fasste um ihretwegen endlich den Mut, Mannheim zu verlassen.  Mit etwas Übertreibung rief der Theaterdichter, der einst an dem württembergischen Herzog schwärmische Carlsschüler war, an dem möglichen Nothelfer seine Leiden aus , 

Ich kann nicht mehr hier bleiben.  Zwölf Tage habe ichs in meinem Herzen herumgetragen, wie den Entschluß aus der Welt zu gehn.  Menschen, Verhältniße, Erdreich und Himmel sind mir zuwider.  Ich habe keine Seele hier, keine einzige die die Leere meines Herzens füllte,  keine Freundin, keinen Freund; und war mir vielleicht noch theuer seyn konnte, davon scheiden mich Konvenienz und Situationen.[92]                    

Bei diesem beklagte Schiller sich über seinen geringen Kontakt mit dem Mannheimer Nationaltheater und seine Finanznot.  Daraufhin machte er einen Vorschlag, Körner in Leipzig zu treffen, damit sie sich miteinander persönlich  bekanntmachen.  

(...) ich muß Leipzig und Sie besuchen.  O meine Seele dürstet nach neuer Nahrung – nach beßern Menschen - nach Freundschaft, Anhänglichkeit und Liebe.  Ich muß zu Ihnen, muß in Ihrem nähern Umgang, in der innigsten Verkettung mit Ihnen mein eigenes Herz wieder genießen lernen, und mein ganzes Daseyn in einen lebendigern Schwung bringen.  Meine poëtische Ader stockt, wie mein Herz für meine bisherige Zirkel vertroknete.  Sie müssen sie wieder erwärmen.[93]   

Der zweite Anlass, den Schiller hatte, sich von Mannheim nach Leipzig zu begeben, entstand aus dem Darmstädter Treffen mit Herzog Karl August von Weimar.  Durch Vermittlung von  Frau Wolzogen, die gute Verbindungen zu den herzöglichen Hofen Süddeutschlands, wie in Württemberg, Bayern, Gotha und Darmstadt hatte, bekam Schiller die Gelegenheit, am 26. Dezember 1784 im Darmstadter Hof die erste Szene seines neuen Theaterspiels ‘Don Carlos’ vorzulesen.  Herzog zu Weimar, Sohn der Literaturliebhaberin Herzögin Anna Amalia, weilte zu der Zeit an dem Ort und nahm an dem Vortrag teil.  ‘Mit vielem Vergnügen’ ernannte der Erbprinz Schiller zum  herzoglichen weimarischen Rat und schenkte ihm seine höchste Achtung.  Mit dieser weimarischen Anerkennung und der Freundschaft aus Leipzig begab sich Friedrich Schiller Anfang April 1785 in Begleitung von dem schwanischen Buchhändler-Freund Gottlieb Christian Götz auf die Reise nach Leipzig.  Beim Abschied übergab Margarete Schwan ihrem lieben Freund eine selbstgestrickte Brieftasche; Andreas Streicher nahm die letzte Gesellschaft mit Schiller bis in die Mitternacht.  In den frühen Morgenstunden am 9. April 1785 reiste Schiller von Mannheim ab, mit seinem unfertigen ‘Don Carlos’ und dem Thalia-Plan, für den er einen neuen Verleger in Leipzig finden wollte.  In seinem letzten Brief aus Mannheim schrieb der 26jährige Friedrich Schiller an Ludwig Ferdinand Huber in Leipzig- darin stellte sich Schillers hoffnungsvolle Erwartung an ein neues Lebens in Leipzig deutlich heraus,  „Empfehlen Sie mich dort.  Sie wißen wo?  Mit Sehnsucht und Ungeduld sehe ich dem Tag entgegen, wo Sie meines Herzens Gedanken auf meinem Gesicht lesen werden.“[94]                    

 

4.3  Schillers Rückblick auf seine Zeiten in Mannheim

Der Leipziger Verleger Georg Joachim Göschen, der im Jahre 1786 mit kaiserlichen, preußischen und sächsischen Privilegien die sämtlichen Werke in acht Bänden von Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe zu Weimar herausgab, ergriff strenge Maßnahmen zum Schutz seiner Publikationsrechte vor Nachdruck-Piraten.  Er brachte die folgende Warnungstafel an und warnte damit seine niederträchtigen Berufsgenossen vor den Folgen ihrer Räuberei.

An die Herren Nachdrucker

  Ich kann es mir zwar leicht vorstellen, daß die hier angekündigten Werke auch eine ganz artige Spekulation für Sie seyn werden;  allein erlauben Sie mir doch meine Herren, Ihnen, ehe Sie zum Werk streiten, die Versicherung zu geben, daß ich auch schon ganz artige Maßregeln gegen Sie genommen haben, und Muth genug besitze mit Aufopferung meines ganzen Vortheils Ihre Hoffnungen zu Wasser zu machen, wenn Sie mich in meinem rechtmäßigen Gewerbe durch ihre unregelmäßige Industrie zu stören gedenken. Besitzen Sie noch einigen guten Namen in der Welt, so heben Sie ihn gewiß durch eine solche Unternehmung gänzlich auf.  Sie sollen, so blamiert werden, daß Ihr eignes Weib, ihr eignes Kind sie mit Verachtung ansehen und kein ehrlicher Mann mit Ihnen aus einem Kruge trinken soll.

Leipzig, Julius 1786

Georg Joachim Göschen[95]   

Obwohl Goethe persönlich die Antipiratenausgabe Göschens sehr übel nahm,  plädierte Friedrich Schiller sehr für den unnachgiebige Schutz des Verlegerrechts und vor allem des Urheberrechts des Autors.  Am 19. April 1788 schrieb er diesem Freund und Verleger Göschen und klagte über die wieder nicht von ihm bewilligte neue Auflage von Fiesko und Kabale und Liebe beim Verlag Schwan und Götz.  Der schwänische Verlag hatte das Abdruckrecht des Fiesko und der Kabale und Liebe für jeweils um 50 Gulden (cira ein Louisdor für einen Druckbogen) von Schiller vor 1785 erworben, und konnte sich dadurch nach damaligen Begriffen der Verlegerrechte eins für alle Mal zum Abdruck, auch in neuen Auflagen berechtigt glauben.

So wie es ganz von der Willkühr des Verlegers abhängt, wie stark er die Auflage machen will; so ist es wohl einerley, ob er  gleich zum erstenmal einen ganzen Ballen davon druckt, oder nach und nach in fünf Auflagen, jedesmal nur zwey Ries (...).  Der Verleger ist bey einem solchen Handel also nicht einmal schuldig, den Verfasser von einer zu veranstaltenden neuen Auflage zu benachrichtigen.[96] 

Bis Schwan und Götz nach dieser Ansicht die zwei Trauerspiele Schillers zum dritten Mal in Mannheim auflegten und dadurch weitere Gewinne einbrachten, die das einmalige Autorhonorar Schillers von 50-100 Gulden weit übertrafen und dem Verdienst des Urhebers kaum mehr entsprach, sah Schiller sich dazu gezwungen, eine Gegenmaßnahme einzuleiten.  Schiller verarbeitete die zwei Mannheimer Werke nämlich neu und verkaufte sie wieder an Göschen.  Das war damals ein sehr gutes Aushilfsmittel der Schriftsteller, dass sie den Wert ihrer alten Werke durch eine Neubearbeitung änderten und sie in neuer Auflage bei anderen Verlegern wieder herausgab.  „Schwan und Götz wißen, daß ich durch Schriftstellerey allein existieren, und auf jeden Profit sehen muss; dennoch behandeln sie mich so wucherhaftig, daß ich von einem Stück, das sie das drittemal auflegen, 10 Carolin (50 Gulden) in allem gewonnen habe.  Ich will mich also dießmals meines Vortheils bedienen und, (...) eine Neue durchaus verbeßerte mit neuen Scenen vermehrte und mit einem ganz neuen Stück versehene Auflage meiner Schauspiele für die Michaëlis Messe ankündigen, welche in Ihrem Verlage herauskommen soll.“[97]  Den Verlegern der früheren Auflage erwuchs daraus beträchtlicher Schaden, falls ihnen größere Restbestände der überholten Auflage als veraltet und unverkäuflich liegen blieben.  Mithin wollte Schiller seinen Mannheimer Verlegern eine Lektion erteilen, die ihn noch als angehenden Schriftsteller behandelten und ihm die Gewinne aus seinen Werken abpreßten. 

Dabey thun Sie mir nur den Gefallen und bekennen sich gegen Götzen zum Verleger, laßen ihn dabey merken, wie schädlich er mit mir umgegangen sey.  (...), aber ich will Götzen damit in Furcht setzen der mir für beide Stücke zusammen die er jetzt ohne mein Wißen auf die Meße gebracht 100 rth. (=Gulden) bezahlen soll..[98]    

Im Mai 1789 verkaufte Schiller die veränderte Fiesko-Version an den anderen Leipziger Verleger Siegfried Leberecht Crusius, bei dem Göschen früher als Handlungsbedienter tätig war.  Schiller versprach ihm, dass außer dem Fiesko von ihm kein gedrucktes Theaterstück mehr im Handel erhältlich war.  Die Fassung selbst war von der ganz unterschiedlich, die Schwan für die Mannheimer Aufführung verlegte.  Darüber hinaus verwies Schiller darauf, dass seine Gegenmaßnahme sich im Buchmarkt auswirkte, und dass er als Urheber jeden unberechtigten Eingriff in seine Werke verhindern konnte.  Nach den heute geltenden Gesetzen wird aus diesem Grund das Uraufführungsrecht eines Bühnenwerks durch Zahlung eines Honorars erworben, das der Autor oder sein Vertreter für öffentliche Wiedergabe zu beanspruchen hat.  Nach der Vorstellung setzt sich das Autorhonorar zumeist aus einer festen Summe und einem bestimmten Prozentanteil, der mit der Einnahme  einer jeden Aufführung des betreffenden Werks zusammenhängt.  Das Urheberrecht bleibt bis zum Ablauf von siebzig Jahren nach dem Tode des Autors gewahrt.  Erst nach der Frist werden seine Werke tantiemenfreies Gemeingut.  

Eine weitere ärgerliche Erfahrung Schillers mit Mannheimer, nachdem er aus dem Nationaltheater ausgeschieden war und die Stadt demütig verlassen hatte, war der Zahlungsverzug vom Theaterintendanten Dalbergs.  Die Verzögerung mit der Zahlung an Schiller für die Aufführung Don Carlos in Mannheim, dauerte nicht nur ein paar Wochen, sondern von April bis Oktober 1788, als Schiller in seinen Briefen immer noch über seine Zahlungsaufforderung beim Nationaltheater Mannheim schilderte.  Insbesondere wollte Schiller damit die Bauerbacher Schulden bei Frau Wolzogen begleichen.

Zum letzten Mal erwähnte Schiller die Stadt Mannheim bei seiner zukünftigen Frau Charlotte von Lengefeld.  Ihr vertraute Schiller sich seines ganzen Herzens an und sprach mit ihr viel über seine Eindrücke von dem vorherigen Aufenthalt in Mannheim. 

In Mannheim würde ich euch auch recht gern sehen, es ist ein lieblicher Himmel und eine freundlichere Erde – die ich alsdann erst mit Freude betreten würde.  Aber bei diesem Mannheim fällt mir ein, daß ihr mir doch manche Thorheit zu verzeyhen habt, die ich zwar vor der Zeit, eh wir uns kannten, begieng, aber doch begieng!  Nicht ohne Beschämung würde ich euch auf dem Schauplatz herum wandeln sehen, wo ich als ein armer Thor, mit einer miserabeln Leidenschaft im Busen, herumgewandelt bin.[99]

In diesem Zitat zeigte sich Schillers Rückblick auf seine Mannheimer Zeiten klar und deutlich.  Wegen dem sensationellen Erfolg seines ersten Theaterstücks ‘Die Räuber‘ in Mannheim gab der junge unerfahrene Schiller alles ihm wichtige auf: sein Vaterland, seine Familie und Freunde, seinen Medizinerberuf, und auch seine Gesundheit und Jugendenergie, die er auf den unermüdlichen und strapaziösen Fluchtreisen, im schwülen Klima und in den schlechten Umweltverhältnissen Mannheims sowie unter seinem kümmerlichen Lebenseinkommen allmählich verlor.  Als Antwort auf Schwans Erkundigung nach  seinem Befinden in Weimar, verglich dieser Mannheim mit dem Herzogtum und sagte,

Wenn ich aufrichtig seyn soll, so kann ich nicht anders sagen, als daß es mir hier ungemein wohl gefällt, und der Grund davon ist leicht einzusehen. Die möglichste bürgerliche Unangefochtenheit und Freiheit, eine leidliche Menschenart, wenig Zwang im Umgang, ein ausgesuchter Zirkel intereßanter Menschen und denkender Köpfe, die Achtung die auf Litterarische Thätigkeit gelegt wird; rechnen Sie dazu noch den wenigen Aufwand, den ich an einem Ort wie Weimar zu machen habe – warum sollte ich nicht zufrieden seyn? [100]    

Man zweifelt nicht daran, dass das Nationaltheater Mannheim Schiller den Weg zur beruflichen Dichtung bahnte.  Da in Stuttgart, unter den Fittichen seines Gönners Carl Eugen, der ihm zum Medizinerberuf ausgebildet hatte, es Schiller sehr schwer gefallen wäre, seine Brotwissenschaft Medizin aufzugeben und seinem Herzenswunsch als beruflichen Dichter nachzugehen.  In seinem Vaterland konnte er nichts anderes als dem vom Landesvater bestimmten Beruf dienen, sonst hätte die Hohe Carlsschule seine Funktionen und Zwecke verloren.  Dank der Förderungen des Intendanten Dalberg und des Nationaltheater Mannheims schaffte Schiller einen Aufstieg in die Theaterwelt und gewann dabei hohes Ansehen.  Sein Ruhm und Verdienst war unentbehrlich für seine späteren, noch viel größere Erfolge in Weimar.  Weil das Nationaltheater Mannheim auf ihn verzichtet hatte, bekam Schiller Kontakte mit Herzog August von Weimar und Christian Gottfried Körner.  Weimar nahm ihn auf und machte die Unklugheit der Mannheimer wieder gut.  Danach stand Friedrich Schiller mit den großen Schriftstellern wie Herder, Wieland, Goethe, Jean Paul Friedrich Richter, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Heinrich Jocobi unter der Ehre des Lorbeerkranzes.  Dank dem Ausscheiden aus dem Nationaltheater Mannheim und dem Abschied von der Stadt ließ Schiller in Leipzig seine Werke bei noch größeren Verlegern wie Crusius, Göschen und Johann Friedrich Cotta herausgeben, die dadurch noch populärer wurden.  Alles ließ Mannheim dem jungen Flüchtling und Dichter zukommen und bahnte ihm den Weg zu Ruhm, Erfolg und Ehre.  Mannheim, die schöne kurpfälzische Stadt, kann als Geburtsort des genialen Literaten Friedrich Schiller und als Sprungbrett für dessen erfolgreiche Karriere bezeichnet werden.        

 

Abb. 25

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Nachwort

 

In dieser Arbeit wurden viele Ortsnamen, Kirchen, Schlösser, Stadttoren, und Institutionen genannt.  Die Ortsnamen bleiben erstaunlicherweise bis heute noch die gleichen, so z. B. die Namen wie Bretten, Bauerbach (den Namen tragen zwei Ortschaften), Eßlingen, oder Hohenasberg, Hohentwiel, Eßlingen, Lorsch, Lorch, etc.  Ebenso fassen die allen Kirchen und Kloster, die hier erwähnt wurden, festen Fuß in ihren Gründungsstädten und verändern ihr Angesicht durch den Lauf der Zeiten nicht.  Darum erweist sich sehr deutlich, wie religiös das deutsche Volk ist, welche große Bedeutung es dem Kirchenwesen beimisst, und wie gut die Kirchensteuer der Bürger eingesetzt ist.  Gegensätzlich dazu konnten die Schlösser ihrem üblen Schicksal nicht entgehen.  Obwohl die württembergischen Schlösser und Gärten von jener halb privaten und halb offiziellen Organisation jahrelang erhalten und gepflegt werden, und ihr fürstlicher Glanz und Pracht sich damit noch vor den Augen der heute lebenden  Menschen darstellen, muss man anerkennen, dass die Struktur nicht der damaligen gleicht.  Nach Zerrüttung großer und kleiner Kriege auf dem deutschen Boden ist der größte Teil der Schlösser eine Kopie und eine Nachahmung.  In Oggersheim, im Bundesland Rheinland-Pfalz, wo die Fürstenhäuser nicht so sehr gut wie Baden-Württemberg bewahrt sind, existiert zum Beispiel nur ein Keller des Oggersheimer Schlosses, und alles andere wurde im Krieg völlig zerstört (die mittelalterlichen römischen Gegenstände, die Kirchen, die Festungen auf dem Land und die Universität Mainz sind Ausnahmen).  Darum kann man heutzutage leider nicht mehr sehen, wie das Oggersheimer Schloss von dem Vater der drei Töchterchen, die in der Geschichte eine bestimmte Rolle spielten und sein Geschöpf im Herzen immer noch behielten, aussah.   

Wahrscheinlich aus Respekt vor dem Dichter Friedrich Schiller und seinen Verdiensten sind alle seine Ausbildungsstätten und Wohnorte heutzutage zu anderen Zwecken gut benutzt, oder zum Denkmal geworden.  Entweder die Pflanzschule hinter dem Schloss Solitude oder die Militärakademie hinter dem Stuttgarter Neuen Schloss (heute Kunstakademie) bleibt stets gut erhalten.  In Marbach hat man in seinem Geburtshaus das Schiller-Nationalmuseum und Literaturarchiv sowie die Schillergesellschaft gegründet, die den Verehrern und Interessierten des Dichters offenstehen.  In Oggersheim, auf der Schillerstrasse (damals Speyerer Strasse), wurde eine Tafel ‘Schillerhaus’ am Gasthaus ‘Zum Viehhof’  im Jahr 1856 unter den beiden Fenstern des damals von den Flüchtlingen Schiller und Streicher bewohnten Zimmer angebracht.  Der Gasthof heißt heute das Schillerhaus, wo sich in dem ersten Stock die Stadtbücherei und in dem zweiten, in Schillers Zimmer, ein Schillermuseum befinden.  Mannheim legt jedoch im Gegenteil keinen großen Wert auf die Wohnorte von Schiller.  Trotz Gedenktafel haben sie heutzutage andere bürgerlichen Funktionen (B5, 9 ist eine Druckerei).  Bemerkenswert ist, dass der Wohnort von dem Theaterintendanten Dalberg zur städtischen Musikbücherei (N3, 4) umgestaltet wurde.  Das Nationaltheater hat seit 1957 eine neue Unterkunft an der nordöstlichen Seite der Peripherie von der alten Stadt. 

Am Schluss der Arbeit muss es vielen Organisationen gedankt werden, die ihre Hilfe großzügig angeboten haben.  Man muss ihnen viel verdanken, dass sie die Nachlässe Schillers nach dem Ablauf von zwei Jahrhunderten gut bewahren und der Öffentlichkeit einen Zugang zu seinem Geistesgut gewähren.  Man kann das Gefühl schwer beschreiben, wenn man das Altertum von Jahrhunderten in der Hand hält oder im Glasschrank sieht.  Und die Bewunderung steigt ebenso im Menschen, wenn er da hineinschaut und die Schönheit der deutschen Altschrift, die Ideen der Vorfahren, sowie das damalige Papier und das Buchbinden wahrnimmt.  Es war eine sehr schöne Arbeit, woran ich große Freude genoss.       

Anhang

Bibliographie

 

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Stubenrauch, Herbert: Wolfgang Heribert von Dalberg. Lebensskizze und Lebenszeugnisse. In: Nationaltheater Mannheim. Bühnenblätter für die Spielzeit 1956-1957. Sonderausgabe zum 150. Todestag von Wolfgang Heribert von Dalberg. Mannheim: Nationaltheater, 1957. 

 

Szymczyk-Eggert, Elisabeth: Der Ludwigsburger Schloßgarten. Diss. Stuttgart. 1989.

 

Trautz, Fritz: Die Pfalz am Rhein in der deutschen Geschichte. Neustadt: Meininger, 1959.

 

Walter, Friedrich: Mannheim in Vergangenheit und Gegenwart. Bd. 1: Geschichte Mannheims von den ersten Anfängen bis zum Übergang an Baden (1802).  Frankfurt a. M.: Weidlich, 1977.

 

Walter, Friedrich: Aufführungsrecht und Nachdruck zur Zeit Schillers. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz. hrsg. v. Mannheimer Altertumsverein e. V., November 1909.

 

Walter, Friedrich: Schillers Verhältnis zum Nationaltheater Mannheim. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz. hrsg. v. Mannheimer Altertumsverein e. V., Februar 1921.

 

Walter, Jürgen: Carl Eugen von Württemberg. Ein Herzog und seine Untertanen. Biographie. Mühlacker: Stieglitz, 1987. 

 

 

Wertheim, Ursula: Friedrich Schiller. Dichter der Nation 1759-1805. Berlin: Neues Leben, 1959.

 

 

Wertheim, Ursula: Friedrich Schiller. Leipzig: Bibliograph. Inst. 1987.

 

Wiese, Benno von: Der Dramatiker Friedrich Schiller und sein Verhältnis zur Bühne. Münster: Aschendorf, 1955.

 

Wiese, Benno von: Friedrich Schiller. Stuttgart: Metzler, 1959.

 

Wilpert, Gero von: Schiller-Chronik. Sein Leben und Schaffen. Stuttgart: Kröner, 1958.

 

Ugrinsky, Alexej: Friedrich von Schiller and the Drama of Human Existance. N.Y.: Green wood press 1988.

 

 

 

Abbildungsverzeichnis

 

Abb. 1  Carl Eugen, Herzog von Württemberg. Pastellzeichnung von einem unbekannten Maler. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar.

 

Abb. 2   Schiller-Haus in Lorch. Zeichnung Künstler Wegers von Leipzig. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar.

 

Abb. 3  Schiller als Regimentsmedicus. Gemälde von Philipp Friedrich von Hetsch. 1782. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar.

 

Abb. 4     Legionskaserne in Stuttgart. Speziazeichnung von A. Federer. um 1780. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar. 

 

Abb. 5    Kloster Lorch in heutiger Ansicht. Photo von Joachim Feist. In: Kloster LORCH. Kurzführer von Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg GmbH. hrsg. v. Oberfinanzdirektion Stuttgart. Stuttgart, 2000.

 

Abb. 6   Schloss Solitude in heutiger Ansicht. In: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Daten, Fakten, Hintergründe. hrsg. v. Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH. Stuttgart, 1997. S. 12.

 

Abb. 7     Das neue Schloss in Stuttgart. In: Neues Schloss Stuttgart. Kurzführer von Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg GmbH. hrsg. v. Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg GmbH. Stuttgart, 2000.

 

Abb. 8    Stadt und Festung Mannheim. J. A. Baertels. 1758. Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 9  Porträt des Kurfürsten Karl Theodor. Gemälde von Johann Wilhelm Hoffnaas. 1785. Reiss-Museum Mannheim.

 

Abb. 10    Die Regierung am Paradeplatz. Kupferstich der Gebrüder Klauber von Ausburg nach Zeichnung  Johann  Franz von der Schlichtens. 1782. Reiss-Museum Mannheim.

 

Abb. 11   Sternwarte. Kolorierte Handzeichnung von Wilhelm von Traitteur. 1806. Reiss-Museum Mannheim.

 

Abb. 12 Nationaltheater (das teutsche Comödienhaus), Altes Haus. 1783. Kupferstich der Gebrüder Klauber von Ausburg nach Zeichnung Johann Franz von der Schlichtens. 1782. Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 13   Nationaltheater (B3, Bauanlage des Schütthauses). Kupferstich von J. A. Baertels. 1758. Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 14   Theaterplatz (Nationaltheater, rechts) und Jesuitenkirche. Stahlstich von E. Rauch nach Zeichnung E. Gladbachs. Um 1850. Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 15 Oggersheim-Gesamtansichten. Merianstich von Mathäus Merian. 1673. Stadtarchiv Ludwigshafen.

 

Abb. 16   Oggersheim, Katholische Kirche (Wallfahrtskirche). um 1900. Stadtarchiv Ludwigshafen.

 

Abb. 17  Oggersheim, Schloss und Garten. Grundriss von Johann Ludwig Petri. 1781. Reiss-Museum Mannheim.

 

Abb. 18 Friedrich Schiller. Gemälde von Carl Jäger. 1872. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar.

 

Abb. 19    Friedrich Schiller in Mannheim. Lithographie. 1855. In: Geliebte Schatten. Bildnisse und Autographie von Klopstock, Wieland, Herder, Lesseing, Schiller, Goethe. Mannheim: Götz, 1858.

 

Abb. 20  Mannheimer Buchhändler Christian Friedrich Schwan. Lithographie. 1855. In: Geliebte Schatten. Bildnisse und Autographie von Klopstock, Wieland, Herder, Lesseing, Schiller, Goethe. Mannheim: Götz, 1858.

 

Abb. 21  Schillers beste Freundin, Anna Margarete Schwan. Lithographie von C. Lang. In: Geliebte Schatten. Bildnisse und Autographie von Klopstock, Wieland, Herder, Lesseing, Schiller, Goethe. Mannheim: Götz, 1858.

 

Abb. 22  Die Nonnen Kirche (L1, links)  und Schillers Wohnort (L2), rechts die Wachhäusern zum Eingang des Ehrenhofs des Schlosses. Kupferstich der Gebrüder Klauber von Ausburg nach Zeichnung Johann Franz von der Schlichtens. 1782.  Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 23  Schillers Wohnort mit Gedenktafel in O2. Photo von Hans Grassmück. Stadtarchiv Mannheim.

 

Abb. 24 Bildersaal - Galerie im Moorschen Schloss in der Uraufführung der Räuber am 13. Januar 1782. Computer Animation für einen Blick hinter der Kulisse. In: Homering, Liselotte...: Lebenslust und Frömmigkeit. Kurfürst Carl Theodor (1724-1799) zwischen Barock und Aufklärung. Ausstellungskatalog. Bd. 1.2. Regensburg: Pustet, 1999. S. 414. Reiss-Museum Mannheim.

 

Abb. 25 Schiller in Stuttgart. Gemälde von Gustav Gaupp. 1896. Deutsche Schillergesellschaft Marbach a. Neckar.

 

 

 

 

Eidesstattliche Erklärung

 

 

Ich versichere hiermit, dass ich zur Anfertigung vorliegender Arbeit keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und keine fremde Hilfe in Anspruch genommen habe.

 

 

 

Germersheim,  den                                 

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 (Datum, Ort)                                               (Unterschrift)

 

 

 


 

[1] Vgl. Pfäfflin, Friedrich/ Dambacher, Eva: Schiller. Ständige Ausstellung des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Marbach a. Neckar: Deut. Schillergesellschaft, 1980. S. 11.

[2] Ebd., S. 18.

[3] Walter, Jürgen: Carl Eugen von Württemberg. Ein Herzog und seine Untertanen. Biographie. Mühllacker: Stieglitz, 1987. S. 30-31.

[4] Stoll, Wolfgang: Schillers Selbstdeutung in den Briefen bis zum Jahre 1790. Ein Beitrag zu einer Biographie intérieure. Diss. Hamburg.1964. S. 17.

[5] Ein Vertrag mit Preußen.(...) wurde erneut.  Württemberg sollte im Notfall Hilfstruppen zur Verfügung stellen, Preußen versprach Unterstützung bei der Rückgewinnung der linksrheinischen württembergischen Besitzung, dem sogenannten Mömpelgard, das im Erbfolgekrieg von Frankreich beschlagnahmt worden war. Zitiert  nach Walter, Jürgen: a.a.O., S. 89.

[6] Vgl. Walter, Jürgen: a.a.O., S. 146-147.

[7] Szymczyk-Eggert, E.: Der Ludwigsburger Schloßgarten. Stuttgart Diss. 1989. S. 27.

[8] Kraft, Herbert (hrsg.): Andreas Streichers Schiller-Biographie. Mannheim: Bibliograph. Institut, 1974. S. 11.

[9] Walter, Jürgen: a.a.O., S. 295.

[10] Vgl. Dambacher, Eva/ Pfäfflin, Friedrich: a.a.O., S. 40.

[11] Vgl. Wilpert, Gero von:: Schiller-Chronik. Sein Leben und Schaffen. Stuttgart: Alfred Kröner, 1958. S. 27.

[12] Sangier und Selim wie Scharffenstein und Schiller. ‘Sangir liebte seinen Selim zärtlich/ Wie Du mich, mein Scharffenstein./ Selim liebte seinen Sangir zärtlich/ wie ich Dich, mein lieber Scharffenstein!’ Zitiert nach dem Brief an Scharffenstein.1776. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. hrsg. v. Walter Müller-Seidel. Weimar: Böhlaus, 1956. S. 6.

[13] Vgl. Pfäfflin, Friedrich/ Dambacher, Eva: a.a.O., S. 48.

[14] Vgl. Wilpert, Gero von: a.a.O., S. 23.

[15] Wilpert, Gero von: a.a.O., S. 33.

[16] An Christian Daniel von Hoven. Stuttgart, 15. 06. 1780. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 10.

[17] Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 20: Philosophische Schriften. Teil I. hrsg. v. Benno v. Wiese. Weimar: Böhlaus, 1962. S. 57-58.

[18] Ebd.,  S. 58-59.

[19] An Peterson. Solitude, Ende November/ Anfang Dezember. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 16.

[20] Wiese, Benno von: Friedrich Schiller. Stuttgart: Metzler, 1959. S. 56.

[21] Ebd.,  S. 55.

[22] Vgl. ebd.,  S. 58-60.

23 Vgl. Pfäfflin, Friedrich/ Dambacher, Eva: a.a.O., S. 27.

[24] Haug, Balthasar (Hrsg.): Schwäbisches Magazin von gelehrten Sachen auf das Jahr 1776. Zitiert nach Pfäfflin, Friedrich/ Dambacher, Eva: a.a.O., S. 47-48.

[25] Wiese, Benno von: a.a.O., S. 89-90.

[26] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur  1782-1783. Bd. 1-3. Leipzig: Cotta, 1847.  S. 164.

[27] An Peterson. Stuttgardt, Ende November/ Anfang Dezember 1780. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 15.

[28] Pfäfflin, Friedrich/ Dambacher, Eva: a.a.O., S. 61.

[29] An Wolfgang Heribert von Dalberg. Stuttgardt, 17. Januar 1782. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 30.

[30] An Wolfgang Heribert von Dalberg. Stuttgardt, 1. April 1782. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 32.

[31] An Herzog Karl Eugen. Stuttgardt, 1. September 1782. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 39.

[32] Vgl. Kolling, Karl: Die Kurfürsten von der Pfalz. Heidelberg: Kolling, 1993. S. 78.

[33] Vgl. Schaab, Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Bd. 2: Neuzeit. Stuttgart: Kohlhammer, 1992. S. 154.

[34] Weich, Karl: Mannheim- das neue Jerusalem. Die Jesuiten in Mannheim 1720-73. Zitiert nach Mörz, Stefan: Haupt- und Residenzstadt.  Carl  Theodor, sein Hof und Mannheim.  Mannheim: v. Brandt, 1998. S. 27.

[35] Ebd., S. 27.

[36] Vgl. Schaab, Meinrad: a.a.O., S. 177.

[37] Björnstahl, Jocob Jonas: Fußwaschungszeremonie.  Zitiert nach Mörz, Stefan: a.a.O., S. 50.

[38] Vgl. Mörz, Stefan: a.a.O., S. 85.

[39] Kraft, Herbert (hrsg.): a.a.O.,  S. 97.

[40]  Vgl. Schadt, Jörg (hrsg.): Das Nationaltheater Mannheim. Abriß seiner Geschichte und Führer zu den im Stadtarchiv Mannheim verwahrten Unterlagen. Kleine Schriften des Stadtarchivs Mannheim Nr. 6. Mannheim: v. Brandt, 1996. S. 20.

[41]  Rudloff-Hille, Gertrud: Schiller auf der deutschen Bühne seiner Zeit. Ausstellung im Wittumspalais Weimar. Weimar: Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur, 1959. S. 8.

[42] Stubenrauch, Herbert:: Wolfgang Heribert von Dalberg. Lebensskizze und Lebenszeugnisse.  Bühnenblätter für die Spielzeit 1956-1957. Sonderausgabe zum 150. Todestag von Wolfgang Heribert von Dalberg. Mannheim: Nationaltheater, 1967. S. 7.

[43] Kollnig, Karl: a.a.O.,. S. 11.

[44] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. hrsg. v. Gerhard Kluge. Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker, 1988. S. 500. 

[45] Vgl. Steiner, Johann: Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche. Maria Himmelfahrt Oggersheim. Kunstführer Nr. 1707. Ludwigshafen, Speyer: Schnell& Steiner, 1988. S. 4-6.  

[46]  Kreuter, Karl: Aus der Chronik Oggersheim. 4. Aufl., Grünstadt: Sommer, 1983. S. 77.

[47] Ebd., S. 12.

[48]  Kraft, Herbert (hrsg.): a.a.O.,  S. 75.

[49] Gassen, Richard W.: Friedrich Schiller in Oggersheim. 1782 . 1982. Eine Ausstellung anläßlich der 200. Wiederkehr des Aufenthalts Friedrich Schillers in Oggersheim. Ludwigshafen: Stadtmuseum, 1982. S. 17.

[50] Kraft, Herbert (hrsg.): a.a.O., S. 81.

[51]An Reinwald. Meiningen,  07. Dez. 1782. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 52.

[52]An Streicher. Bauerbach,  08. Dez.1782. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 52.

[53] Kraft, Herbert (hrsg.): a.a.O.,  S. 66.

[54] Kraft, Herbert (hrsg.): a.a.O.,  S. 73.

[55] Von Kasper Schiller. Solitude, 14. Juli 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.33. Teil I: Briefwechsel. Briefe an Schiller 1782-28.02.1790. hrsg. v. Siegfried Seidel. Weimar: Böhlaus, 1989. S. 5.

[56] Von Kasper Schiller. Solitude, 14. Juli 1783. ebd., S. 6.

[57] An Reinwald. Bauerbach, 27. März 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 75. 

[58] An Reinwald. Bauerbach, 14. April 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 79.

[59] An Reinwald. Bauerbach, 14. April. 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 78.

[60] An Reinwald. Bauerbach, 14. April. 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 80.

[61] An Reinwald. Bauerbach, 14. April. 1783. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 82..

[62] Walter, Friedrich: Schiller Verhältnis zum Nationaltheater Mannheim. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz. hrsg. v. Mannheimer Altertumsverein e.V.,. Februar. 1921. S. 42. 

[63] An Schwan. Weimar, 02. Mai 1788. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.25: Briefwechsel. Schillers Briefe 01.01.1788-28.02.1790. hrsg. v. Eberhard Haufe. Weimar: Böhlaus, 1979. S. 52.

[64] Sharpe, Lesley: Friedrich Schiller. Drama, Thought and Politics. Cambridge: Cambridge UP., 1991. S. 10.

[65] Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 22: Vermischte Schriften. hrsg. v. Herbert Meyer. Weimar: Böhlaus, 1958. S. 93-94.

[66] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur 1782-1783. a.a.O.,  S. 165-168.

[67] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 191.

[68] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 257.

[69] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 289.

[70] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur 1782-1783. a.a.O., S. 143.

[71] Wiese, Benno von: a.a.O., S. 156.

[72] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur 1782-1783. a.a.O.,  S. 153.

[73] Göttlicher, Otto: Der Bühnendichter Friedrich Schiller. Die Wechselbeziehungen zwischen Drama und Theater in der deutschen Klassik. Diss. Frankfurt. 1982. S. 68. 

[74] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 462-463.

[75] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 471.

[76] An Reinwald. Mannheim, 05. Mai 1784. In: Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 137.

[77] Vgl. Koopmann, Helmut: Friedrich Schiller. I: 1759-1794. 2Aufl., Stuttgart: Metzler, 1977. S. 35.

[78] Schiller, Friedrich: Friedrich Schiller. Briefe und Werke. Bd.2:Drama I. Die Räuber. Fiesko. Kabale und Liebe. a.a.O., S. 1334.

[79] Schiller, Friedrich: Anthologie auf das Jahr 1782. hrsg. v. Katharina Mommsen. Stuttgart:: Metzler, 1973. S. 220-221. 

[80] Ebd., S. 239.

[81] Ebd., S. 241.

[82] Ebd., S. 177-80.

[83] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur. a.a.O.,  S. 38.

[84] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur. a.a.O.,  S. 41.

[85] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur. a.a.O.,  S. 43.

[86] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur. a.a.O.,  S. 47.

[87] Schiller, Friedrich: Wirtembergisches Repertorium der Literatur. a.a.O.,  S. 177.

 

[88] Vgl. Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. 22: Vermischte Schriften. a.a.O., 1958. S. 95-99.

[89] An Wolfgang Heribert von Dalberg. Mannheim, 24. August 1784. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 155.

[90] Von Kasper Schiller. Solitude, 12. Januar 1785. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.33. Teil I: Briefwechsel. Briefe an Schiller 1782-28.02.1790. a.a.O., S. 55.

[91] Von Johann Dorothea Stock und Huber. Leipzig, 07. Januar 1785. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.33. Teil I: Briefwechsel. Briefe an Schiller 1782-28.02.1790. a.a.O., S. 51.

[92] An Körner. Mannheim, 10. Februar 1785. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 176.

[93] An Körner. Mannheim, 10. Februar 1785. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O.,  S. 177.

[94] An Huber. Mannheim, 25. März 1785. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.23: Briefwechsel. Schillers Briefe 1772-1785. a.a.O., S. 185.

[95] Walter, Friedrich: Aufführungsrecht und Nachdruck zur Zeit Schillers. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Monatsschrift für die Geschichte, Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz. hrsg. v. Mannheimer Altertumsverein e.V., November 1909. S. 286.

[96] Koopmann, Helmut (hrsg.): Schiller-Handbuch.  Stuttgart: Kröner, 1998. S. 73.

[97] An Göschen. Weimar, 19. April 1788. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.25: Briefwechsel. Schillers Briefe 01.01.1788-28.02.1790. a.a.O., S. 44..

[98] An Göschen. Weimar, 19. April 1788. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.25: Briefwechsel. Schillers Briefe 01.01.1788-28.02.1790. a.a.O., S. 44.-45.

 

[99] An Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld. Jena, 10. November 1789. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.25: Briefwechsel. Schillers Briefe 01.01.1788-28.02.1790. a.a.O.,. S. 321-322.

[100] An Schwan. Weimar, 02. Mai 1788. In: Schiller, Friedrich: Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd.25: Briefwechsel. Schillers Briefe 01.01.1788-28.02.1790. a.a.O.,. S. 52.

 

 

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