Als in Gröden und Gadertal das Ladinische im Jahre 1988 zur Amtssprache erhoben wurde (im Frassatal geschah dies 1994), wusste man, vom Ladinischen sei nicht zu erwarten, es werde sich diesem neuen Status einfach über Nacht anpassen. Von allem Anfang an war man sich bewußt, dass es auf die Bewältigung der neuen Aufgabe erst allmählich vorbereitet werden musste.
Eine der vordringlichsten Maßnahmen, das Ladinische für den Gebrauch im öffentlichen Schriftverkehr tauglich zu machen, war die Schaffung einer adäquaten Terminologie. Da in der Anlaufphase ein Großteil der notwendig gewordenen Übersetzungsarbeit über das Ladinische Kulturinstitut «Micurà de Rü» abgewickelt wurde, ließ man mit der Erarbeitung eines Fachwörterverzeichnisses - zunächst schwerpunktmäßig auf die öffentliche Verwaltung beschränkt - nicht lange auf sich warten. Nach und nach begann auch die sprachliche Erschließung anderer Domänen und in der Folge setzte ein Prozess reger Wortschatzerweiterung ein, dessen positives Ergebnis im heute möglichen Zugriff auf eine bemerkenswert reiche Terminologie zu sehen ist.
Ein Produkt dieser Tätigkeit stellt auch das DEUTSCH-GADERTALISCHE WÖRTERBUCH - VOCABOLAR TODËSCH-LADIN (Val Badia) dar. Es ist das Resultat einer jahrelangen Arbeit in der Praxis, weshalb es auch vornehmlich für die Praxis gedacht ist: Den Benützern sollen für deutsche Lemmata ladinische Äquivalente angeboten werden, die für die anfallenden schriftsprachlichen Bedürfnisse und Belange notwendig sind.
In diesem Sammelwerk ist nicht nur der streng traditionelle Wortschatz des Gadertaler-Ladinischen berücksichtigt, sondern auch Wortgut, das über die reine Alltagssprache hinausgeht. Einen besonders breiten Raum nehmen dabei Neuschöpfungen und Fachtermini aus den Bereichen Verwaltung, Rechtswesen, Technik, Medizin, Botanik, Zoologie, Musik, Sport u.a. ein.