Die gemischtsprachigen Familien in der Republik Moldau: ein Identitätskonzept

Vasile Dumbrava

Leipzig

Das Gebiet zwischen Pruth und Dnjestr ist bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine mehrsprachige Gesellschaft. Die Sprachsituation war vor allem durch den mehr als ein Jahrhundert währenden Einfluß Rußlands geprägt. Russisch avancierte in allen Bereichen der Verwaltung und des öffentlichen Lebens zur dominanten Sprache und war sowohl für Moldauer, als auch die Minderheiten bis 1989 (mit Ausnahme der Zwischenkriegszeit) die einzige Sprache des sozialen Aufstiegs, die einzige Sprache der interethnischen Kommunikation.
Die gemischtsprachigen Familien hatten insbesondere in der Sowjetzeit eine besondere Stellung. Sie waren für die Kommunistische Partei, die insbesondere während der Regierungszeit Brezhnev die Annäherung und Verschmelzung der Nationen und Nationalitäten anstrebte, ein Zeichen des Erfolgs des Sozialismus und der Politik der Internationalisierung.
Die im April 1985 von Gorbatschow deklarierte "Perestrojka" führte in der Sowjetunion zu einem spürbaren Wandel in der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den eigenen nationalen Werten. Die Kritik an den Verhältnissen nahm nach 1989 in der Republik Moldau massiv zu und bezog sich u.a. auch auf das Problem der gemischtsprachigen Familien. Welche Gründe gab es dafür?
In meinem Beitrag soll das Problem der gemischtsprachigen Familien analysiert werden. Das Ziel meines Vortrages ist, zu zeigen, warum die Diskussion um die Problematik der Identität sich in der Republik Moldau in der letzten Zeit verstärkt hat. Des weiteren möchte ich ein eigenes Identitätskonzept, das ich anhand der Ergebnisse einer Feldforschung vor Ort in ethnisch und sprachlich gemischten Familien ausgearbeitet habe, vorstellen.


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