Kontaktlinguistische Universalien und Sprachplanung: eine kritische Betrachtung
Wolfgang
Wölck
Buffalo
Die
Sozio- und Kontaktlinguistik sind aufgrund der Situationsbedingtheit ihrer Forschungen
zwar prinzipiell partikularistisch, jedoch gibt es eine (kleine) Anzahl von
Erkenntnissen, die sich (fast) universell verallgemeinern lassen. Dazu gehört
u.a. die Einsicht, daß eine dialektale und politische Zersplitterung einer
Sprachgemeinschaft den Spracherhalt behindert, während Vereinigung und
die Entwicklung einer überregionalen Norm oder deren Verschriftung das
Fortleben und Wachstum einer (Minderheits-) Sprache begünstigen. Dies ist
oft die Voraussetzung für die Verwendung solcher Sprachen in den Medien,
was wiederum ihre Vitalität stärkt.
Bei der Sprachplanung, besonders der Korpus-Planung und Standardisierung, wird
oft wertvolle Zeit auf unnötige oder unrealistische Arbeit verschwendet.
Dazu gehört u.a. die Suche nach dem "besten Dialekt" als Vorlage
für eine mögliche Verschriftung, oder die Ausarbeitung von ausgefallenen
Äquivalenzen in der Muttersprache für international gebräuchliche
Termini -sog. `Vatikanisierung´. Vernachlässigt wird dagegen häufig
die grammatische Seite der Sprachstandardisierung, zugunsten einer übertriebenen
Betonung der `Phonematisierung´ einer Schrift.
Beispiele aus der Planung amerikanischer Sprachen erläutern die kritischen
Vorschläge.