'Ansätze
einer 'virtuellen' Sprachplanung -
Anmerkungen zu dem Forschungsprojekt ATLANTIS'
Peter
J. Weber
Brüssel / Mannheim
Traditionelle
Medien spielen bei der Legitimation von Nationalstaaten eine zentrale Rolle,
so dass sie heute fast ausschließlich an nationalen Öffentlichkeiten'
ausgerichtet sind. Da im Fall des In-ternets die Öffentlichkeit nicht mehr
nur auf einen Sprachraum beschränkter Rezipient ist, sondern zudem auch
selbst gestaltend in das Internet eingreifen kann, ergibt sich eine neue kulturelle
und gesellschaftliche Dynamik. Bei den zunehmenden Sprach- und Kulturkontakten
im und durch das Internet geht es unausweichlich um die Frage der Identität
und Existenz der kleineren' Sprach- und Kulturgruppen (z.B. autochthone
und allochthone Minderheiten in Europa), aber vor dem Hin-tergrund der Globalisierung
auch um die Stellung der größeren' Sprachen und Kulturen. Festhal-ten
lässt sich, dass der virtuelle Raum mosaikhaft Konturen annimmt, wobei
ein Großteil der Reali-tät in diesen Raum gespiegelt wird. Damit
ist gleichzeitig die Gefahr der Vereinheitlichung von Sprachen und Kulturen
durch die Globalisierung, aber auch die Chance eines weiteren Erfah-rungsraums
gegeben.
Dieser Beitrag schlägt auf Basis empirischer Daten des EU-Forschungsprojekts
ATLANTIS eine virtuelle Sprachpolitik' vor, die den neuen Medien Rechnung
trägt. Hierzu werden auf theoreti-scher Ebene zunächst Medien und
Gesellschaftsformen in Beziehung zueinander gesetzt werden und danach der Prozess
der Vergemeinschaftung im Internet als zentrales Element einer neuen kulturellen
Dynamik analysiert. Auf dieser Grundlage wird das ATLANTIS-Projekt und einige
aus-gewählte Ergebnisse vorgestellt, worauf sich abschließend die
Eckpfeiler einer virtuellen Sprach-politik' in Europa anschließt.