SächsischeZeitung, 12.10.03
UnsympathischeArroganz - "t;Placebo" spielen in der Messe: Durchschnittliches Konzert mit wenig Charme
Übermut tut selten gut - diese Erfahrung machten "Placebo" am Sonnabend bei ihrem Dresden - Gig. Mitreichlich 4000 Gästen füllte die dreiköpfige Band nicht einmal die verkleinerte Messehalle 1. Und das, obwohl die Gruppe längst im Mainstream angekommen ist, was auch ein Blick ins Publikum verriet: Statt extravaganter Independent - Freunde tummelte sich die breite Masse in der Messehalle und lauschte den Klängen der Punkpop - Combo. Am Anfang stand das gewaltige Instrumental - Intro des aktuellen Albums "Sleeping With Ghosts". Der Sound war gut, Frontman Brian Molko überzeugte mit gewohnt markanter Stimme. Den ersten Höhepunkt jedoch markierte "Every You Every Me" - jener Song, der 1999 den Durchbruch in Deutschland verschaffte. Doch auch mit diesem Klassiker ließ sich das Publikum nicht so recht aus der Reserve locken. Auch,weil die Kapelle ihr Programm mit unsympathischer Arroganz abspulte - den Dialog zum Publikum beschränkten &quuot;Placebo" aufs Nötigste.
Langweilige Melancholie in emotionsarmer Show
Der Funke zwischen Band und Publikum sprang also nicht über - trotz exzellenter Video - Show und gutem Live- Sound. Die vor kokettem Selbstmitleid triefende Performance Brian Molkos wirkte teilweise sogar langweilig. Während die schnelleren Songs der Band wie "Black Eyed" mit der entsprechenden Power präsentiert wurden, versank Molko während der balladesken Stücke vollends in selbstgefälliger Melancholie. Nach knapp 100 MinutenSpielzeit fand die ausgeklügelte, emotionsarme Show schließlich ein Ende. Im Großen und Ganzen ein durchschnittliches Konzert mit wenig individuellem Charme. Lediglich die durchweg beeindruckende Vorgruppe Skin rechtfertigte den horrenden Preis von 35 Euro. Bleibt die Erkenntnis, dass zwar der Ton die Musikmacht, die Musik allein aber noch kein Konzerterlebnis. "Placebo" geizten zu sehr mit Esprit.
Cornelius Pollmer