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                     Bühne Dresden (März 2001)

Glamour trifft Gekreisch - Placebo spielten im ausverkauften Schlachthof



Im Vorfeld des Placebo - Konzerts in Dresden sorgte dieTatsache, dass jenes Ereignis schon seit Monaten ausverkauft war, für mehr Gesprächsstoff als der Umstand, dass die Band aus England eigentlich mit einer neuen guten Platte ("Black Market Music") die hiesigen Breiten beackern wollte. Eventuelle kritische Stimmen, der Erfolg an Placebo liege vorallem an deren optischer Ausstrahlung und nicht unbedingt an der Musik, sahen sich durch eine Art Fan - Hysterie bestätigt.

Das Schlachthof - Konzert trug seinen Teil zu dieserzwiespältigen Auffassungen gegenüber der Band bei. Musikalisch gab es keinerlei Abstriche. Vor allem die aktuelle Platte und der Vorgänger "Withoutyou I'm Nothing" wurden von oben bis unten runtergespielt. Dabei rockten Placebo das Haus, genauso wie sie mit viel Gefühl und musikalischem Feingeist ihre Balladen unters Volk brachten. Sänger Brian Molko war ganz die Diva, wie man ihn kennt. Viel Farbe im Gesicht, dass Hemd mehr offen als verschlossen und von einer gesanglichen Intensität, die sicherlich ihres Gleichen sucht. Bassistund Gitarrist Stefan Olsdal kam mit John Wayne - Hut auf die Bühne und erschienwie die dünne, hagere Variante vom Melvin Dale Crover. Drummer Steve Hewittschließlich sah aus wie das Tier aus der Muppet Show, besaß aber zweifelsohnemehr musikalisches Verständnis.

Vor der Bühne allerdings begann der fade Beigeschmackdes Konzertes. Es erschien, als standen nicht etwa Placebo, sondern eine Person wie Robbie Williams oder Ricky Martin auf der Bühne des Schlachthofs. Der hoheFrauenanteil bei einem Rockkonzert der eigentlich härteren Art war schon sehrverdächtig, und die ersten Reaktionen beim Auftritt der Band zeigten, dassviele der Anwesenden eher die Musiker von Placebo sehen, als wirklich deren Musik hören wollten. Es reichte schon, wenn Sänger Brian Molko einen Schluckaus der Wasserflasche nahm, um Schreie der Hysterie hervorzurufen. Selbst in denletzten Reihen des Konzertsaals, in denen man wirklich nur mit viel Phantasieerraten konnte, was für Menschen dort vorne Musik machten, wechselte manzwischen Gekreische und Fast - Ohnmachtsanfällen. Der Großteil der männlichen Besucher war damit ausgelastet, über 90 Minuten die jeweilige Freundin sicherauf den Schultern zu tragen, damit diese einen Hauch des Glamours abbekam, denPlacebo eigentlich mit ihrer Musik ausstrahlen wollten. Und so ging für viele ein denkwürdiger Abend zu Ende. Was daran so besonders war, wird wahrscheinlichsehr unterschiedlich bewertet. Ein Teil der Gäste wird überzeugt sein, einewirklich gute Band gehört zu haben. Der Großteil wird aber in bunten undbewegten Bildern davon Berichten, Placebo gesehen zu haben. Eine seltsame Mischung, die irgendwie nicht richtig zusammenpasste.



Thomas Eisenhuth

 

             

              

 

               

 

     

 

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