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Letzte Aktualisierung am 18.01.2004

 

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NO WAR BUT CLASS WAR!

Mit allen Mitteln gegen den Krieg!

Der Krieg der USA gegen den Irak hat längst begonnen. Die Bombardierung des irakischen Staates hat seit dem Kuwait-Krieg nie aufgehört, höchstens gab es Pausen – aber die gibt es auch in erklärten Kriegen. Seit Mitte 2002 Bombardieren die USA vermehrt auch zivile Ziele und kommen dem Kriegszustand damit bedeutend näher – dieser Zustand gilt nur aus dem Grund nicht als Krieg, weil die Medien ihn nicht so nennen! Er wurde rechtlich nicht erklärt und die Bilder, die wir seit dem Kuwait-Krieg gewohnt sind, strömen zur Zeit nicht über den Äther. Aber auch der Kosovo-Krieg wurde lange nicht als solcher bezeichnet und als „humanitäre Intervention“ benannt – war er deswegen kein Krieg? Die Ideologen der „Neuen Weltordnung“ versuchen uns weis zu machen, daß ihre „neuen Kriege“ „gerechte Kriege“ seien. Sie argumentieren, wie etwa Samual P. Huntington oder Bassam Tibi, daß es einen „Krieg der Kulturen“ gäbe, etwa zwischen Islam und „westlicher Welt“, schaffen damit einen neues Feindbild und einen neuen (konstruierten) Fundamentalkonflikt. Natürlich behalten sie recht, denn das Wort eines „Theoretikers“ wie Huntington hat im Pentagon (wo er vormals gearbeitet hat) Gewicht. Wenn die Kriegsministerien des Westens so handeln, wie sie laut neokonservativer „Theoretiker“ handeln sollen, entsteht dieser zuvor „analysierte“ Konflikt natürlich. Trotzdem sind diese „neuen“ Kriege nichts weiter als alte Krieg in neuem Gewand:

Immer noch sind sie die Fortsetzung der menschenverachtenden Politik mit anderen Mitteln, immer noch geht es um den Aufbau, die Erweiterung oder die Veränderung von Staaten. Die neuen Gewänder präsentieren sich in veränderten Ausreden zur Kriegsführung und in veränderten Strategien der Kriegsführung – beides ist nicht weiter verwunderlich und historisch alles andere als einmalig: Kriegsbereite Regierungen haben immer neue Ausreden für Kriege gefunden und veränderte Umstände verlangen nach neuen Strategien. Wir wollen nicht verschweigen, daß es fundamentalistischen Ideologen natürlich auch auf der anderen Seite gibt. Extremislamistische Verfechter eines „heiligen Krieges“ argumentieren den Huntingons, Tibis und Bushs strukturell sehr ähnlich, das ist schon am Vokabular erkennbar. Das sagt aber noch nichts über die Religion Islam aus. Dieser hat genau jenes destruktive Potential wie jede andere dogmatische Religion auch. Uns ist klar, daß George W. Bush nicht der einzig Verantwortliche für diesen Krieg ist und Öl nicht der einzige Grund, aber dennoch ein bedeutender. Es geht um eine vorherrschende Machtstellung, in der die „Fronten“ alles andere als klar sind: Die gesamte sogenannte „westlich-zivilisierte“ Welt hat ein vitales Interesse an einer solchen Vorherrschaft, andererseits sind die Interessen z.B. der EU und der USA innerhalb dieses Systems teilweise vollständig verschieden voneinander. Öl ist einer von mehreren materiellen ausdrücken dieses Herrschafts- und Machtinteresses. Angeblich „ethische“ Gründe, die einen sogenannten „gerechten Krieg“ legitimieren würden, was neoliberale Spinner wie Fukuyama und Huntington mit einer sogenannten „linken“ Strömung hierzulande einhellig behaupten, sind Banane. Es wurde noch nie ein Krieg geführt, um irgendeine Ethik zu schützen – das war höchstens Argument nach außen. Die Alliierten haben nicht gegen die Nazis gekämpft, um Konzentrationslager zu verhindern (einige Soldaten vielleicht schon, aber die NATO hat nicht Jugoslawien angegriffen, um Kosovo-Albaner oder gar Roma zu schützen (Scharpings Krokodilstränen sprechen Bände...) und der Krieg gegen Afghanistan wurde nicht geführt, um den dort heimischen Frauen ein gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen. Schröder würde wie Bush handeln, dieses Handeln vielleicht etwas besser verschleiern, wie auch Bushs Vorgänger Clinton seine Kriegspolitik besser verschleiert hat, wenn er ein ökonomisches oder Machtinteresse daran hätte. Die bundesdeutsche Regierung ist ungefähr so pazifistisch wie die UdSSR sozialistisch war – nämlich gar nicht! Die EU als quasistaatliche Einheit würden wie die USA handeln und Deutschland erst recht. Nach wie vor gilt die Parole „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt!“ Daß die Multinationalen Konzerne aus jedem Krieg Kapital zu schlagen versuchen und dies auch hervorragend funktioniert, ist eine Binsenweisheit.

Ob dies durch die Anlieferung von Waffen und Rüstungstechnologie, durch Erdölmonopole oder durch die Einführung bestimmter Währungen – wie etwa der DM bzw. des Euro nach dem Kosovo-Krieg – in Krisengebieten geschieht, ist dabei erst mal zweitrangig. Genauso wie klar ist, dass Krieg dazu benutzt wird, Kapital anzuhäufen, sollte aber auch klar sein, daß ein Krieg nicht nur angezettelt wird, um dieses zu tun: Das funktioniert in „Friedenszeiten“ nämlich ebenso, deshalb. u.a. ist oftmals die Rede von „Wirt-schaftskrieg“. Den Kapitalanhäufern kann es im Prinzip egal sein, ob Krieg herrscht oder  nicht, genauso wie sie mittlerweile gelernt haben, eine parlamentarische Demokratie genauso zu nutzen wie eine Diktatur. Dabei sei aber nicht vergessen, daß das alles ganz anders aussehen könnte, wenn es nicht die Kluft zwischen der ehemaligen„Ersten Welt“ und der sogenannten „Dritten Welt“ gäbe. Denn auch wenn es für die bestehende Weltwirtschaftsordnung okay und sogar von Vorteil ist, daß im reichen Nordwesten angeblich „freie“ Demokratien herrschen und Krieg zumeist abwesend ist (was nicht Frieden bedeutet), so werden im „armen Süden“ immer noch Diktaturen finanziell unterstützt, Freiheitsbewegungen mit Mitteln und Strategien aus der „Ersten Welt“ bekämpft und kriegsführenden Parteien wird die Kohle in den Arsch geschoben. Ob das kapitalistische System ohne Krieg (und staatliche Diktatur) auskommen würde, muß dahingestellt bleiben, da wir diesen Zustand einfach nicht beobachten können. Die neoliberale Politik des Globalismus braucht Nationalstaaten nach wie vor, nur den Sozialstaat kann sie nicht gebrauchen – Militär-, Repressions-und Polizeistaat aber sind ihr um so willkommener. Konkret spart dies Geld, und das Geld kommt und kam schon immer von denen, die darunter zu leiden haben. Sollte es tatsächlich geschehen, daß Militär und Po-lizei einst in privates Eigentum übergehen, so wird dies sicherlich ebenfalls aus Lohnabzügen der ArbeiterInnen finanziert werden. Da ist es doch allemal bequemer, diese Arbeit einem Staat, der dazu noch Identifikation in Form eines Nationalbewußtseins schafft und mit diesem Argumente für repressive Organe propagiert, zu überlassen. Konzerne, die soweit wären, Polizei und Militär in ihren Händen zu monopolisieren, wären nichts anderes mehr als Staaten. Der Staatskapitalismus des ehemaligen Ostblocks wäre unter anderen Vorzeichen nahezu wiederhergestellt. Diese düstere Zukunftsvision ist jedoch trotz „Weißer Garden“ und „Schwarzer Sheriffs“ erst mal reine Phantasie. Die Bedingung für Staat und Kapital ist Krieg, und wenn nicht dieser, so zumindest die Bereitschaft zum Krieg und die Akzeptanz der Möglichkeit des Krieges. Dies ist integraler Bestandteil jeglicher Staatsideologie. Zu erwarten, daß es einen anti-militaristischen Staat oder einen ohne irgendeine Form von Militär geben könne, ist nicht einmal mehr Utopie, es ist nichts als Schwachsinn. Krieg gehört zur Staatsräson. Eines ist klar: In Kriegen geht es meistens um den Besitz ökonomischer Güter und um deren Umverteilung von unten nach oben, immer aber geht es um Machterhalt, Machtzuwachs und Herrschaft. Kapitalismus und Staatlichkeit sind die notwendigen Grundvoraussetzungen für Krieg, darum kann es auch keinen gerechten Krieg geben.

Die legitimen Kämpfe der Unterdrückten, sei es der Aufstand der Zapatistas in Chiapas/ Mexico, die militant geäußerte Wut des ausgebeuteten Arbeiters oder der (pro)feministische Kampf gegen das Patriarchat, all dies sind keine Kriege, sondern nach wie vor bezeichnen wir dieses Aufbegehren als Klassenkampf. Dieser richtet sich gegen Staat und Kapital, die uns ihre Kriege aufzwingen und ist deshalb immer auch antimilitaristisch. Daher lautet unsere Parole:

No War but Class War!

aus: Bremer Aktion Nr.9 - März 2003

 

 

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