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Letzte Aktualisierung am 18.01.2004

 

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bag e, bag e Kuchen – der Kapitalist hat gerufen  

bremer arbeit GmbH und die Hartz-Kommission

Wer in Bremen Sozialhilfe beantragt und Arbeitslos gemeldet ist, gerät in die Mühlen der „Bremer Arbeit GmbH“ (bag). Denn nach dem Willen der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft soll die Sozialhilfe nicht ohne Gegenleistung gewährt werden. Dazu haben sie Programme mit Namen wie „Arbeit statt Sozialhilfe“ aufgestellt, die Verschleiern um welche Arbeit es sich in Wirklichkeit handelt – um Zwangsarbeit. Auch die Ergebnisse der sog. Hartz-Kommission der Bundesregierung haben nichts gutes für SozialhilfebezieherInnen und LohnarbeiterInnen an sich. Sie sind ein massiver Angriff auf die Existenz und die Würde von Erwerblosen und führen u.a. zu Lohndrückerei und der Verpflichtung Arbeit auch hunderte Kilometer vom Wohnort entfernt annehmen zu müssen. Von diesen Maßnahmen profitieren maßgeblich Unternehmer und Zeitarbeitsfirmen.

Die „Bremer Arbeit GmbH“ ist eine Einrichtung des Landes Bremen. Ihr Auftrag ist die Vermittlung von erwerbslosen  SozialhilfebezieherInnen in sog. städtische Beschäftigungsgesellschaften. Dies sollen „Qualifizierungsmaßnahmen“ sein um Jobs im 1.Arbeitsmarkt zu finden, bzw. aus der Sozialhilfe herauszukommen. Rechtliche Grundlagen dafür sind die § 19 und 20 des Bundessozialhilfegesetzes, die Zwangsarbeit ermöglichen und damit Nachschub für den 3. Arbeitsmarkt, der mit Niedrigstlöhnen bezahlt wird, produzieren. Die Praxis sieht so aus, das die bag erwerbslosen SozialhilfeempfängerInnen Arbeitsstellen zuweist. Meistens im Bereich von Recycling, Instanthaltung von Spielplätzen oder Kfz- und Fahrradwerkstätten. Dafür erhalten sie eine sog. „blaue Karte“. Mit dieser erhalten sie für die ersten 2 Monate zusätzlich zur Sozialhilfe einen Betrag von 5,11 Euro pro Arbeitstag. Nach zwei Monaten sollen diese Beschäftigungsverhältnisse dann in reguläre umgewandelt werden, deren Dauer meistens 12 Monate beträgt. Dabei ist der Anspruch Bremens eigentlich SozialhilfeempfängerInnen zurück in die Zuständigkeit der Arbeistämter zu führen um die finanziellen Ausgaben dem Bund zu übertragen und die eigenen Kassen zu entlasten. Wir dürfen aber nie vergessen das genug Geld in Bremen vorhanden ist. Es ist nur in den falschen Händen, den Händen der Unternehmer und Konzerne. Sie sollen Zahlen !

Eine Ablehnung der Arbeit bedeutet die Reduzierung der Sozialhilfe bei der ersten Verweigerung um 25% und bei der zweiten die Streichung der gesamten. Das heisst, die Repression gegen die Ablehnung von durch die bag bestimmten Beschäftigungsverhältnissen führt in letzter Konsequenz zur akuten Existenzbedrohung. (siehe auch Sozialämter und bag – Hand in Hand) .Existenzbedrohung kommt nicht aus heiterem Himmel sondern hat die Ursache im Denken der Herrschenden von Kosteneinsparungen bei Menschen und ihren Bedürfnissen. Dazu kommt ein Arbeitsethos, der die Ausbeutung in einem (Lohn)arbeitsverhältnis als Sinn und Zweck des menschlichen Daseins betrachtet und Arbeit nicht als die gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten sieht.

Der Mensch ist also bei der Zwangsarbeit nur das Mittel, das Objekt zur Erfüllung bestimmter Ansprüche die andere an ihn stellen.

Das andere Feld ist die Willkür der „FallmanagerInnen“. So ist im § 20 BSHG gesetzlich festgeschrieben, das die „Gewöhnung an Arbeit“ und die Prüfung „der Arbeitsbereitschaft“ nach Einschätzung der FallmanagerInnen  erfolgt die im § 19 ihre Bestimmung finden, also dem weiten Feld der BeschäftigungsträgerInnen. Zusätzlich gibt es in Bremen das ZIP (siehe auch „Aasgeier oder nicht?“).

Es gibt also einige Leute die sich an der Armut und der Ausbeutung von SozialhilfeempfängerInnen eine goldene Nase verdienen bzw. deren Existenz durch die Zwangsarbeit gesichert wird, wie den Beschäftigungsgesellschaften und Unternehmen die sich auf „Zwangs- und BilliglohnarbeiterInnen“ spezialisiert haben. Schließlich gewährt die bag bis zu 12 Monaten Lohnkostenübernahme und Zuschuss für diese. Sie leben im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kosten dieser ArbeiterInnen.

Dazu kommt, das die bremer arbeit GmbH, nach dem Wunsch des Staatsrates und Aufsichtsratsvorsitzenden Arnold Knigge, zu dem von der Hart-Kommission vorgeschlagenen Konzept des Abbaus der sozialen Sicherungssysteme bei der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe „eine entscheidende Rolle spielen wird“.  Bremen soll also ein Pilotprojekt für die Horrorforderungen der Hartz-Kommission werden. Dabei wird sich auch Zeigen ob die bag die Rolle der von der Bundesregierung angestrebten „Personal Service Agenturen“ (PSA) für Bremen übernehmen wird.

Die Hartz-Kommission

Zu den Eckpunkten der Ausarbeitung der Hartz-Kommission gehören u.a. folgende Bereiche:

Kürzungen

Die Leistungen für Erwerbslose werden gekürzt - bei Älteren über 45 Jahre entfällt die bisher gesetzlich verbriefte Anhebung im zweiten Jahr der Arbeitslosigkeit. Menschen die vorübergehend eine schlechter bezahlte Tätigkeit ausüben, verlieren vorherige höhere Arbeitslosengeldansprüche. Die Arbeitslosenhilfe (betroffen 1,6 Millionen Menschen) wird in ein sogenanntes Arbeitslosengeld II umgewandelt. Dieses soll auch für die etwa 800 000 arbeitsfähigen SozialhilfebezieherInnen gelten. Hartz macht zur Höhe nur vage Angaben, die jedoch alle darauf schließen lassen, das es sich beim Arbeitslosengeld II um eine gesockelte Sozialhilfe handelt. Der Begriff den Hartz verwendet "Arbeitslosengeld II ist eine steuerfinanzierte bedürftigkeitsabhängige Leistung zur Sicherung des Lebensunterhalts" ist angelehnt an die Sozialhilfe. Außerdem soll für Arbeitslosengeld II der Krankenversicherunsgbeitrag gezahlt, die Rentenbeiträge aber noch geprüft werden.

Zumutbarkeit

Die Zumutbbarkeitsregelung wird verschärft. Ledige müssen nach 3 Monaten, verheiratete ohne Kinder nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit Jobs auch in München oder Stuttgart antreten.

Jeder Erwerbslose kann nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit verliehen werden. Leiharbeit ist schon heute die größte Zugangsschleuder in den Niedriglohn. Die bei Leiharbeitsfirmen gezahlten Löhne liegen zu einem großen Teil unter der Armutsgrenze und helfen den Unternehmen reguläre Jobs zu streichen.

Tarife in Leiharbeitsfirmen liegen zwischen 60 und 70 Prozent vergleichbarer Tätigkeiten in Normalarbeitsverhältnissen. Wer sich weigert über die PSA in Leiharbeit zu gehen, dem wird das Arbeitslosengeld gekürzt. Wer zukünftig einen Job ablehnt muß beweisen, das er dazu berechtigt war.

Damit wird das generelle Prinzip der Unschuldsvermutung (gilt als gesetzliches Grundprinzip) umgekehrt.

Sperrzeiten

Die Sperrzeit und Kürzungsmöglichkeiten werden ausgebaut.

Karenzzeiten bei verspäteter Meldung beim Arbeitsamt werden mit 7 bis 50 Euro täglich belegt. Die Meldung soll unmittelbar nach der Kündigung erfolgen.

Neben den bisherigen Sperrzeiten (in der Regel 12 Wochen)sollen Möglichkeiten der verkürzten Sperrzeit sowie Kürzungen der Höhe der Leistung möglich sein. Dabei ist das Ziel die Ausweitung der Zahl von Strafmaßnahmen.(jetzt 1,1 Prozent jährlich - Vorbild Schweiz und GB zwischen 10 und 40 Prozent der LeistungsbezieherInnnen)

Ich AG / Geringfügigkeit

Mit der sogenannten "ich AG" bei einem Einkommen bis 15 000 Euro jährlich wird der Niedriglohn und Scheinselbständigkeit gefördert. Dieses gilt ebenso für die Anhebung der Geringsfügigkeitsgrenze auf 500 Euro in privaten Haushalten. Um Schwarzarbeit unattraktiv zu machen, sollen private Haushalte diese zukünftig von der Steuer absetzen können. Dies läuft auf eine staatliche Förderung für moderne Haussklaven hinaus. Jedem Spitzenverdiener seinen Billiggärtner und Dienstmädchen.

Umgehung des Kündigungsschutzes

Der Kündigungsschutz für Erwerbslose ab 50 Jahre und bei Einstellungen über 50. Die PSA wird ausgehebelt. Generell sollen Unternehmen mit 50jährigen befristet Arbeitsverträge beliebiger Länge abschließen können. Damit hat die SPD ihr Wahlversprechen, den Kündigungsschutz nicht zu verändern, gebrochen.

Leiharbeit

Über Leiharbeit bei Zeitarbeitsfirmen, die direkt mit dem Arbeitsamt zusammenarbeiten oder dessen verlängerter Arm oder dessen eigener Ableger (Personalserviceagenturen, PSA) sein werden, sollen Leute in simple Jobs vermittelt werden. In den ersten 6 Monaten soll Lohn in Höhe der Leistung des Arbeitsamtes gezahlt werden. (Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II) Das ist nach heute geltendem Recht sittenwidriger Lohnwucher.

Es gibt bis heute ein Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, in dem Leiharbeit nur bis zu 2 Jahren erlaubt ist, Leiharbeit in Bauhauptgewerbe und Ersatz von entlassenen Menschen durch Leiharbeiter verboten ist . Diese Regelungen sollen wegfallen.

Berufsausbildung / Ausbildungszeitwertpapier

Die Ausbildung ist bisher in einem "dualen System" geregelt: eine Hälfte organisiert und finanziert der Staat bzw. öffentliche Träger, die andere die ausbildenden Betriebe. In der neuen Form der "Ausbildungszeitwertpapiere" soll für Azubis eine Privatisierung der Ausbildung stattfinden. Der Lohnausfall soll dann auch von privater Versicherung finanziert werden - vorausgesetzt man hat vorher eine abgeschlossen. Mensch braucht eine reiche Oma. ("Wertpapiere" klingt nach Pensionskassenkapitalismus und nach schnellem Zeitwertverfall).

Unterteilung nach Arbeitsfähigkeit

Die Aufteilung der SozialhilfebezieherInnen in "wertvolle" arbeitsfähige, die dann ins Arbeitslosengeld II kommen und "wertlose", die weiterhin Sozialhilfe-Sozialgeld bekommen, begründet eine Selektion von Menschen, wie wir sie bereits aus der Absenkung durch das Asylbewerberleistungsgesetz kennen, das u.a. zur Streichung von Geldleistungen und der Einführung von Naturalien als „Hilfe“ geführt hat.

Schluss mit Arbeitszwang und Ausbeutung !

Zwangsarbeit und die Horror-Liste der Hartzkommission sind Angriffe auf die Existenz und Würde erwerbsloser und lohnarbeitender Menschen.  Im Mittelpunkt dabei stehen die Interessen der Wirtschaft nach billigen und jederzeit verfügbaren Arbeitskräften und die des Staates, der seine Ausgaben bei den Armen reduzieren will.  Auf der Strecke bleibt der Mensch, das Geld für Unternehmer und Staat ist wichtiger.  Ihre Lügen von der „solidarischen Gesellschaft“ , dem herbeigelogenen Ausgleich zwischen  Kapital und Arbeit sind offensichtlichst. Dazu passt auch, das der sozialpartnerschaftliche DGB an den Ausarbeitungen des Hartz-Papiers und in Bremen auch im Aufsichtsrat der bag vertreten ist. Der DGB steht auf der anderen Seite.

Im Kapitalismus zählt der Mensch nur aufgrund seiner finanziellen Stärke oder seiner Verfügbarkeit für die Ausbeutung durch Lohnarbeit.

Wir AnarchosyndikalistInnen und revolutionären SyndikalistInnen lehnen Zwangsarbeit und Ausbeutung grundsätzlich ab. An die Stelle des ungerechten Kapitalismus setzen wir eine freie Gesellschaft,  deren Wirtschaft in der Selbstverwaltung  der Arbeitenden liegt und bedürfnisorientiert funktioniert.

Um uns selber müssen wir uns selber kümmern!

Wir haben keine Erwartungen an andere. Gegen die Ungerechtigkeiten und Existenzbedrohenden Maßnahmen der bag,  der Sozialämter und der Bundesregierung (Hartz) müssen wir uns selber und zwar gemeinsam wehren. Der Widerstand gegen die Entscheidungen der FallmanagerInnen ist vereinzelt und kann dadurch leicht gebrochen und mit Kürzungen bestraft werden. Es ist wichtig das wir uns zusammenschliessen und gemeinsam wehren. LohnarbeiterInnen, ArbeiterInnen in ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen (320 EURO), ZwangsarbeiterInnen, SozialhilfeempfängerInnen  und ImmigrantInnen – nur gemeinsam können wir es schaffen!

Mittelfristige Ziele müssen die Abschaffung von Prämienarbeit, der Zwangsparagraphen 19, 20 und 25 und den Sklavenhändlern der Neuzeit – den Zeitarbeitsfirmen sein. Schluss mit den Billiglöhnen – kämpfen wir gemeinsam für kräftige Lohnerhöhungen und sofortige sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten ohne „Probearbeit“ und „blaue Karte“.

Und machen wir uns stark, unterstützen wir uns gegenseitig und vergessen wir dabei  nicht das die Ungerechtigkeit einen Namen hat – Kapitalismus.

Das Selbstorganisation und Kampf Erfolge bringt  zeigt der letzte Generalstreik in Spanien. Aufgrund massiver Proteste und Arbeitsniederlegungen, musste die spanische Regierung einen Großteil ihrer Verschärfungen des Arbeits- und Sozialrechts zurücknehmen.

Lernen wir uns kennen und schliessen wir uns zusammen:

Schluss mit Arbeitszwang, Zeitarbeit und Billiglöhnen – Für Freiwilligkeit und kräftige Lohnerhöhungen

Weg mit dem Hartzpapier

Weg mit den § 19, 20 und 25 des BSHG

Weg mit der bremer arbeit GmbH

Wir haben mehr vom Leben als von der Arbeit

Für eine selbstverwaltete, freie Gesellschaft  

 

aus: Bremer Aktion Nr.7 - Oktober 2002

 

 

 

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