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Bremer Aktion Zeitung der FAU-IAA Lokalföderation Bremen - www.bremer-aktion.de.vu |
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Letzte Aktualisierung am 18.01.2004
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Anarcho-Syndikalismus ist nicht links Die Begriffe „links" und
„rechts" und auch die „Mitte" sind im ureigensten Sinne
parlamentarische Begriffe. Die jeweiligen Richtungsangaben leiten sich ganz
einfach aus der Rednerperspektive im Parlament ab. Rechts vom Redner saßen die
Konservativen, links die Sozialdemokraten, Kommunisten, in der Mitte die
Liberalen. Unter diese Begriffe fallen also seit jeher nur parlamentarische
politische Vereinigungen. Gewerkschaften und (andere) politische Zusammenschlüsse,
welche nach anarchistischen Prinzipien die parlamentarische Betätigung
ablehnen, fallen nicht unter diese Kategorie. Sie unterscheiden sich grundsätzlich
von sozialdemokratischen oder kommunistischen Strömungen, sind eben nicht
zentralistisch und somit staatsbefürwortend, hängen nicht an diversen Dogmen,
wie dem historischen Materialismus als einzigem Erklärungsmuster für
Geschichte und Zukunft, sehen nicht in Hörigkeit, Autorität und Führerkult
ihre Stärke, sondern in Zusammenschlüssen selbstdenkender, selbstbewußter und
damit in jeder Hinsicht emanzipierter Individuen, stehen also für eine Bewegung
von unten ein, ohne Vermittler, Bürokraten und Führer. Es gibt mit
„sozialistischen" Parteien sowenig Gemeinsamkeiten, wie mit
nichtparlamentarischen monarchistischen und kapitalistischen Despoten auch.
Freiheitlich-emanzipatorische Betätigungen zielten in der ganzen Geschichte
niemals auf parlamentarische Tätigkeiten ab, sondern lehnten diese strikt ab.
Sowohl unter „linken" als auch unter „rechten" oder „Mitte"-Regierungen
wurden freiheitliche Ideen und Aktivitäten unterdrückt, wurden und werden
Anarcho-SyndikalistInnen überwacht, verfolgt, eingesperrt oder auch ermordet.
Im faschistischen, wie im „demokratischen" Italien, im faschistischen,
wie im „demokratischen" Deutschland, im zaristischen, wie im
kommunistischen Rußland, im kapitalistischen, wie im kommunistischen Cuba, im
monarchistischen, wie im faschistischen Spanien - ja wie in jedem Staat, jedem
zentralistischen Gebilde durch Polizei, Geheimdienste, Bürokratie und Militär.
Anarcho-Syndikalismus hat sowohl in der Theorie, als auch in seiner praktischen
Tätigkeit mit Marxisten, Kapitalisten oder Faschisten gleichermaßen wenig
gemeinsam, richtet sich somit gegen „rechts", „links" und
„Mitte" gleichermaßen. Diese Richtungsangaben werden gezielt dazu
eingesetzt, um uns Gemeinsamkeiten zwischen Marxisten/ anderen Autoritären
einerseits und Anarcho-SyndikalistInnen andererseits vorzugaukeln, die es gar
nicht gibt, die nie bestanden haben. Die Grenzen verlaufen nämlich nicht
zwischen „rechts" und „links", sondern immer zwischen oben und
unten. Parlamentarier und Regierungen jeder Art, ob „Rechts-", oder „Links"-Regierungen
üben Herrschaft aus. Der Anarcho-Syndikalismus vertritt in seinen Prinzipien
einen deutlichen Klassenstandpunkt, demnach der Sozialismus entweder frei oder
gar nicht sein werde. Es gibt also keine „linke Einheit" im Klassenkampf,
sondern an dieser Stelle nur die Selbstorganisation emanzipatorischer Bewegung
gegen jede Form von Herrschaft. Das Denken in „rechts" - „links"-Kategorien
verschleiert bereits in unseren Köpfen und damit bereits im Ansatz die
eigentliche Frontstellung. Aus diesem Denken leiten sich dann immer wieder
Trugschlüsse ab, die nur dazu führen, uns vom Regen in die Traufe zu führen -
vom Kapitalismus und seinen Gefängnissen in den Staatskapitalismus und die
Gulags der Marxisten. „Links" und „rechts" sind Kampfbegriffe, die
von den jeweils Herrschenden eingesetzt werden, um unser Denken zu vernebeln und
in falsche Bahnen zu lenken. Desweiteren und genauso schlimm ist die Tatsache,
daß diese inhaltslosen Begrifflichkeiten die Herausbildung aussagekräftiger
und gehaltvoller Bezeichnungen für die Beschreibung der
anarcho-syndikalistischen Bewegung behindert. Der Anarcho-Syndikalismus wird
zumindest im Titel oder der Titelunterschrift fast jeder Publikation einfach
unter „links" subsumiert - und das von Anarchisten, Marxisten,
Sozialdemokraten, Konservativen und Faschisten gleichermaßen ! Welch ein Hohn
auf unsere Prinzipien. Weder der Anarchismus, noch der Anarcho-Syndikalismus
sind „links", sondern emanzipatorisch, basisbewußt- und bestimmt, an den
Bedürfnissen der Menschen orientiert, und in der Negation dann auch
antistaatlich und antiparlamentarisch, unbürokratisch, undogmatisch und vieles
mehr. Es geht eben darum, in unserem Ausdruck Inhalte zu vermitteln, nicht zu
vernebeln oder gar falsche Gemeinsamkeiten herbeizureden. Unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen heißt
erstmal auch, Begrifflichkeiten und Kategorien selbst zu bestimmen und zu
setzen, statt sie uns diktieren zu lassen. Selbstbestimmtes und
emanzipatorisches Handeln fängt im Kopf an. Wenn die Gegner unser Denken
bestimmen, haben wir schon verloren. Selbstorganisation fängt im Kopf an. „Totalitarismus" Das die „Mitte" „rechts" und
„links" in den „Extremismus"- Topf wirft, ist bekannt; daß sie
sich selbst aber nicht mit dazuzählt ist geradezu verlogen. Die „rechts"-links"-
Extreme werden von der „Mitte" als Totalitär bezeichnet - zurecht. Nur
wissen wir, daß jede sog. „Demokratie" jederzeit ebenfalls totalitäre Züge
annehmen kann, wie in Deutschland im großen 1932/33 und 1956/ 1977 im kleinen.
„Totalitär" ist ein Kampfbegriff der „Mitte", um uns grundsätzliche
Unterschiede zwischen „Demokraten" und „Extremisten" vorzugaukeln.
Auch die sind grundsätzlich nicht gegeben. Die Umwandlung der Bundesrepublik
Deutschland in einen „Totalitären Staat" kann jederzeit völlig legal
vollzogen werden. Die rechtlichen Mittel dazu sind gegeben (Polizeigesetze,
Grundgesetz und Notstandsgesetze), wie auch die Mittel zur Umsetzung in den
Startlöchern stehen (Polizei, Geheimdienste, Militär Verwaltungsapparat).
„Totalitarismus" ist insofern ebenfalls eine irreführende
Begrifflichkeit. „Demokratien" und „Extremisten"
haben aus anarcho-syndikalistischer Sicht viel mehr gemeinsam, als sie trennt.
Sie sind zentralistisch-hierarchisch, staatlich, bürokratisch, autoritär, den
freien Willen untergrabend, antiemanzipatorisch, bevormundend, kapitalistisch.
Unterscheidungen finden sich hierbei nur in Nuancierungen, sowie darin, ob die
Wirtschaft privat (Kapitalismus) oder staatlich (Staatskapitalismus) gelenkt
wird. Die Klassenverhältnisse sind prinzipiell die gleichen. Der
Anarcho-Syndikalismus richtet sich gegen jede Form von Herrschaft und bedeutet
Organisierung von unten nach anarchistischen Prinzipien mit dem Ziel, jede Form
von Ausbeutung und Unterdrückung abzuschaffen und an ihre Stelle eine
Gesellschaft selbstbestimmter, emanzipierter Individuen zu schaffen, welche sich
nach freien Vereinbarungen verbinden und wieder lösen können.
Eigenverantwortlichkeit und Selbstdisziplin ersetzen Bevormundung und Hörigkeit.
Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen tritt an die Stelle hierarchischer
Gliederungen. Genauso wie der Marxismus schiebt uns auch die
„demokratische Mitte" stets in die „linke" Ecke und präsentiert
sich somit selbst stets als Hort von Vernunft und Gerechtigkeit. Die weltweite
Ausbeutung und Unterdrückung geht jedoch nicht vom Anarcho-Syndikalismus aus.
Auch vernichten wir nicht systematisch Lebensmittel und lassen täglich allein
20000 Kinder weltweit verhungern, um die Preise auf dem Weltmarkt stabil zu
halten. Wir errichten auch nicht korrumpierte Marionettenregierungen in anderen
Staaten, um unsere imperialen Interessen weltweit durchzusetzen, ebenso wenig,
wie wir denselben Waffen und Folterinstrumente liefern. Wenn etwas auf dieser Welt vernünftig ist, dann
ist dies die Überwindung der herrschenden Verhältnisse und das Werden einer
freien Gesellschaft, wie oben kurz skizziert. Anstelle von „links" Aber als aller erstes tritt an die Stelle
fremdbestimmter Begriffsdefinition das undogmatische und freie Denken und die
freie Begriffsbestimmung von unten. „Links" ist lediglich eine inhaltsleere
Richtungsangabe und kann vieles bezeichnen: Einen Flügel der NSDAP, diverse
Hegelianer, autoritäre Jakobiner, den Leninismus, Stalinismus, Trotzkismus,
Maoismus, Castro, „Linksruck", Heiner Geissler, die „Republikaner"
im faschistischen Spektrum, Che Guevara, die „Rote Heidi", die Stadt München
in Bayern - „links" ist beliebig, ein Gummibegriff und an Relativität
kaum zu überbieten. Statt „rechts"-"links"-
Kategorien aufzustellen, sollten wir die wahren Unterschiede benennen, nämlich
Arm/ Reich, Kapitalisten/ ArbeiterInnen, Bürokratie/
Sozialhilfe-Arbeitslosenhilfebedürftige, Patriarch/ Ausgebeutete,
Parlamentarismus/Anarcho-Syndikalismus, Staat/ freie Gesellschaft, autoritär/
emanzipatorisch, Wille zur Macht/ Wille zur Freiheit und sicherlich noch einiges
mehr. Nur so werden wir nicht unnötig im dunkeln
tappen und können den Hebel besser ansetzen, um unsere Vorstellungen einer
freien Gesellschaft auch umzusetzen. Die Begrifflichkeit „links" sollten wir
dabei ganz einfach links liegen lassen. H. (FAU- Bremen)
aus: Bremer Aktion Nr.7 - Oktober 2002 |
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