"Fürchte dich nicht, sondern rede nur!"

Volkhard Spitzer, 18. Juli 1980.

Ausschnitt aus einem Vortrag beim 2. Charismatischen Kongress, Berlin-Schöneberg.


Als ich nach Berlin kam als kleiner Schwabe aus einem Kleinstädtchen mit fünfzig- sechzigtausend Einwohnern, da brach Berlin über mir zusammen. Das war mir alles zu viel. Der Druck war zu groß. Ich wurde dann in eine Gemeinde hineingesetzt ohne Erfahrung und Bruder Herman zog ab nach Taiwan und ich saß da und ich wußte nicht, wie ich mit dem ganzen fertig werden sollte. Kurze Zeit darauf starb eine Generalsfrau und ich sollte die Beerdigung halten und ich habe noch nie eine Beerdigung im Leben gehalten. Und dann habe ich sie schließlich doch im schwarzen Regenmantel gehalten, weil ich keinen Talar hatte.

Aber in dieser Zeit der enormen Spannung war ich drauf und dran aufzugeben. Ich sagte, "Gott, ich gehe zurück ins Geschäftsleben. Das ist nichts für mich hier. Aber bevor ich gehe, möchte ich noch Deinen Segen haben." Es gibt ja Leute, die lassen sich vom Pastor trauen; mit dem Segen lassen sie sich auch wieder scheiden mit dem Segen. So ähnlich war es bei mir. Ich sagte, "Herr, ich bin zu Dir gekommen mit dem Segen und jetzt will ich auch wieder von Dir gehen mit Deinem Segen. Aber vorher möchte ich noch ein Wort." Und dann habe ich gebetet und habe die Bibel aufgeschlagen und wollte ein Stückchen hineinlesen in die Bibel, und plötzlich fällt mein Auge als erstes Wort auf Apostelsgeschichte 18: "Fürchte dich nicht, schweige nicht, sondern rede nur, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden." Dachte ich, "Mann, das ist ja direkt als würde Gott zu dir persönlich sprechen. Nein, das kann nicht wahr sein!" Zuerst beten wir und dann glauben wir es nicht. So ist es der Urgemeinde auch gegangen, als Petrus im Gefängnis war. Da beten sie und er steht vor der Tür und dann schicken sie ihn wieder weg. Können’s nicht glauben. Maria hört, "Ich werde auferstehen", aber sie kommt um die Toten zu salben. So verrückt sind wir oft. So verrückt ist Unglaube.

Da sagte ich, "Das kann nicht wahr sein. Das ist zu gut." Ich sagte, "Herr, möchte mit Dir keine Spielerchen machen. Mir ist es sehr ernst. Ich bin verzweifelt, aber wenn das von Dir war, dann könntest Du mir so ein ähnliches Wort noch mal geben." Und in meiner großen Verzweiflung kniete ich da am Boden und rang um eine Führung. (Heute lache ich darüber aber damals war es toternst.) Und ich kämpfte und dann schlug ich die Bibel auf und sagte, "Herr, laß mich doch noch mal so was ähnliches lesen. Das war so schön." Und als ich meine Augen aufmache, da fällt doch mein Auge genau auf denselben Text nochmal! Jetzt wurde ich erst recht skeptisch! Ich dachte, beim ersten Mal kann’s ja Zufall gewesen sein aber beim zweiten Mal war’s wahrscheinlich keiner mehr, weil ich die Bibelseite wahrscheinlich gedrückt habe und jetzt ist es eben wieder so aufgefallen.

Und dann sagte ich, "O Herr,…" (Ich war alleine, es war keine Schau. Ich war ganz alleine, verzweifelt). Ich sagte, "Herr, wenn Du das warst, dann könntest – ich will ja nicht mehr das gleiche Wort haben, sonst werde ich wirklich skeptisch. Aber Du könntest dann noch so ein ähnliches Wort mir geben. Aber, daß es nicht dieselbe Seite wird, hole ich jetzt meine englische Bibel. Und ich ging zum Bücherschrank und holte die englische Bibel heraus. Und ich erwartete nicht das gleiche Wort sondern irgendein Wort der Ermutigung oder des Trostes. Und als ich meine Bibel aufschlug um da reinzulesen – in meiner englischen Bibel – war’s das gleiche Wort wieder, Apostelsgeschichte 18!

Ich empfehle nicht, das man mit der Bibel Orakel macht. Aber ich weiß, daß Gott auch unvollkommenen Glauben segnet. Er sah meine Verzweiflung und meine Not. Da war ich so ein Grünling, einundzwanzig Jahre alt, ohne Erfahrung und mußte durchgebracht werden und dann tut Gott eben solche Dinge, weil Er auf uns ganz persönlich eingeht. Er kennt jeden Spatzen, der vom Dach fällt, sagt Jesus. Das ist die Güte und die Größe Gottes, daß Er auf solche kleinen Dinge eingehen kann.

Aber dieses Wort hat mich zehn Jahre durchgetragen. Zehn Jahre lang habe ich nie mehr hier gefragt, ob ich Berlin verlassen sollte. Aber eines Tages kam ich abends vom Gottesdienst um elf Uhr, verließ den Nollendorfplatz und ich kam unten zur Tür ‘raus, da steht ein Zuhälter da. Und wir hatten zu einigen Prostituierten gesprochen und damit fühlte er sich bedroht und er war sauer auf mich. Er griff mich an meinem Jackett und riß es nach vorne, daß es gleich hinten aufschlitzte und sagte, "Junge, jetzt mache ich dich kalt. Wir rechnen hier ab!" Und er holte aus und donnerte mir eins auf die Nase, daß das Blut spritzte. Und ich wußte, wenn der hinhaut, dann wächst kein Gras mehr. Ich war vollkommen alleine. Die Gemeinde war schon weg und ich war verzweifelt. Und plötzlich kam das Wort, das Gott mir zehn Jahre zurück dreimal gegeben hatte in meinen Sinn. (Das war nicht die einzige Situation aber das war eine). Plötzlich kam dieses Wort wieder in meinen Sinn und ich stand betend da während er mich hielt und er seinen Drohreden hielt, sagte ich "Fürchte dich nicht, schweige nicht, sondern rede nur, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden." In dem Moment wie ich Gott an sein Wort erinnerte kam ein Liebespärchen am Nollendorfplatz da um die Würstchenbudenecke herum mächtig mit sich beschäftigt. Und er hielt mich so am Kragen und dann wandte ich mich diesem jungen Pärchen zu und sagte, "Können Sie mal die Polizei rufen? Ich werde hier belästigt!" Als dieses Pärchen sich näher heranschob und der junge Mann grinste und sagte, "Da brauchen wir die Bullen nicht holen. Das erledigen wir selber." Zieht einen Revolver aus der Tasche und führt den Zuhälter ab.


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