Aus einer CZB-Publikation, 1980:

Es begann in Hollywood

Das erste Kapitel der CZB-Geschichte


Harold Herman, Douglas Fairbanks Jr., Danielle DarrieuxAls Harold Herman, Berichterstatter und Bildredakteur bei den Columbia-Filmstudios in Hollywood, nach vierjährigem Kriegseinsatz an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt war, geschah etwas Ungewöhnliches in seinem Leben: Gott, den Harold Herman nicht kannte, rief ihn. Diese Begegnung zwischen einem Menschen und Gott kann niemand aufhalten. Das ist der Unterschied zwischen dem lebendigen Gott und den Idolen und Götzen dieser Welt. Das Wunder, das sein ganzes Leben verwandelte, geschah als er am Palmsonntag spät abends allein in seinem Zimmer saß. Es beendete sein unermüdliches Fragen und Suchen nach dem Sinn des Daseins.

Doch greifen wir dem Geschehen nicht vor. Gehen wir dem Leben dieses Bildredakteurs einmal nach. Als Harold Herman nach dem Kriege wieder an seinem Schreibtisch saß, fehlte ihm äußerlich an nichts. Jeder war freundlich zu ihm. Hier seine eigenen Worte:

"Nach vier Jahren Kriegsdeinst - einschließlich Kampf im Orient - war ich froh, noch am Leben und wieder auf meinem alten Posten im Studio zu sein. Die Mitarbeiter, Direktoren und Stars wie Glenn Ford, Lucille Ball, Rosalind Russel und Rita Hayworth waren sehr entgegenkommend und versuchten, mir die Umstellung vom Kriegsleben zur Arbeit im Studio zu erleichtern. Dennoch gab es Probleme..."

Während des Krieges hatte Harold Herman als Reporter und Bildredakteur zuviel erlebt. Er hatte an einem Drama teilgehabt, das weder Bühne noch Film je hätten darstellen können. Der Dschungelkrieg auf den Philippinen und die Ruinen von Hiroshima nach der Atombombe, hatten ihm den Geschmack an künstlich konstruierten Sensationen gründlich verdorben. Nie wieder würde er dieses grausame Erlebnis vergessen und der Wirklichkeit entfliehen können!

"An einem Abend, als ich das Studio verließ und nach Hause ging", sagte er, "erkannte ich, daß ich genau wie die Japaner und Chinesen war, die ich im Orient getroffen hatte. Ich war ein Mensch ohne Hoffnung, eine verlorene Seele!"

Aber der allmächtige Gott, der bei so vielen Gelegenheiten eingegriffen hatte, um Harold Hermans Leben zu retten, war bereits am Werk, seine Seele zu erlösen. Der Heilige Geist wirkte; ein Wunder der Offenbarung geschah.

Eine Bekannte im Studio, eine wahre Christin, redete mit ihm. Sie sagte ihm, daß Jesus Christus allein der Erlöser der Menschen ist. Sie sprach beharrlich und voller Überzeugung. Ihre Aufgabe war nicht einfach. Rückblickend sagt er über diese Bekannte:

"Fast täglich danke ich Gott für die Gnade und den Mut, den Er dieser Frau gab, die ich schon sehr lange kannte. Sie weinte und betete um meine Seele."

Sie schloß mir das Wort Gottes durch verschiedene Bibelstellen auf:

"Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht." (Hebräer 9,27);

"Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden" (Römer 10,13).

"Obwohl ich im sogenannten christlichen Amerika geboren und erzogen wurde, in einem Land, wo beinahe an jeder Straßenecke eine Kirche steht, hörte ich dennoch jetzt zum erstenmal in meinem Leben das Evangelium von den Lippen eines gläubigen Menschen."

Gott hatte diese Frau gesandt. Bevor sie Harold Herman verließ, legte sie ihm das Neue Testament in die Hand.

Es war in der Nacht des Palmsonntag. Harold Herman saß allein in seinem Zimmer, die Bibel in der einen, die brennende Zigarette in der anderen Hand:

"Ich las die Bibel; aber was ich las, sagte mir nichts. Plötzlich dachte ich: Es ist nicht sehr ehrfurchtsvoll, eine Zigarette zu rauchen, während ich dieses heilige Buch lese. - Sofort drückte ich die Zigarette aus. Es war die letzte, die ich geraucht habe. - Ich begann, eine alttestamentliche Prophezeiung zu lesen, die auf Christus hinweist. Es war Jesaja 53.

"Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn."

Die Schrift, die ich in der Hand hielt, wurde für mich lebendig; sie sprach zu mir: "Gerade jetzt kannst Du errettet werden. Nicht für das, was Du vielleicht einmal vollbringen wirst, sondern auf Grund dessen, was Jesus Christus bereits für Dich am Kreuz getan hat."

In diesem Augenblick fand das Licht Gottes Eingang in meine Seele. Die geistliche Blindheit, die meine Seele von Jugend an in Dunkelheit gehalten hatte, wurde fortgenommen. Plötzlich wußte ich, daß Jesus Christus eine wahrhaftige, lebendige Persönlichkeit ist."

Innerlich völlig umgewandelt ging Harold Herman zurück in die Studios. Gott hatte dort Arbeit für ihn. Man bemerkte, daß er nicht mehr rauchte, und sprach ihn daraufhin an. Ihn erfüllte eine tiefe Glückseligkeit, jedem, den er traf, erzählen zu können, was ihm widerfahren war.

"Meine Freunde bei der Columbia-Filmgesellschaft bemerkten rasch die Veränderung, die mit mir geschehen war. Ich erzählte meinen Mitarbeitern mit großem Eifer von meinem Erlebnis mit Christus und vom Evangelium der Erlösung. Bald merkte ich, daß ich für die Arbeit im Studio nicht mehr von Nutzen war. Ich wollte kündigen. Der Direktor der Werbeabteilung hörte meinem Zeugnis eine halbe Stunde zu, dann wischte er sich die Tränen aus den Augen und bat mich dringend, doch zu bleiben. Ich glaube fest daran, daß Gott es mir erlaubte, die folgenden neun Monate noch bei den Columbia-Filmstudios zu bleiben, um dort Samen der Wahrheit zu säen. - Ein Zeugnis von Mensch zu Mensch ist die beste Predigt!"

Seit diesem Zeitpunkt predigt Harold Herman das Evangelium in der ganzen Welt.

Drei Jahre später sandte der Heilige Geist Harold Herman nach Europa.

Das EvangeliumszeltIm Sommer wurde ein großes Evangeliumszelt im Flugzeug von Hamburg nach Berlin transportiert. Gott hatte Harold Herman inzwischen in Amerika viele Freunde geschenkt. Diese waren glücklich, ihm bei seiner Aufgabe helfen zu können, auch in Deutschland Menschen für Christus zu gewinnen. Das Zelt wurde mit Hilfe deutscher Brüder an der Grenze zum russischen Sektor im Herzen Berlins aufgestellt. Der ehemalige "Front"-Photograph wurde zum "Front"-Evangelisten; denn in Berlin herrschten immer noch kriegsähnliche Zustände.

Gott hatte Harold Herman an einen bedeutenden Brennpunkt der Weltgeschichte gesandt. Hier prallten die beiden entscheidenden Weltanschauungen aufeinander. Das Zelt stand nur einen Häuserblock vom Potsdamer Platz entfernt. Dort schrien die Lautsprecher der Kommunisten in voller Lautstärke die Botschaft des kriegerischen Atheismus über die Straße nach West-Berlin. Die Lautsprecher des Evangeliumszeltes aber trugen über die Grenze des russischen Sektors die Botschaft von Jesus Christus.

Harold Herman bekannte freimütig, daß kein Erlebnis in Hollywood an jenem des Sommers 1952 in Berlin gemessen werden kann. Über dem historischen Brandenburger Tor wehte die rote Flagge. Von beiden Seiten dieses Eisernen Vorhangs strömten Hunderte von Menschen in das Zelt, um das Evangelium zu hören. Diese durch den Krieg ernüchterten Menschen waren begierig, die Wahrheit zu erkennen. Sie befanden sich in der gleichen Situation wie der nach seinen Kriegserlebnissen innerlich gestrandete Harold Herman. Die alten Götzen hatten sich als falsch erwiesen!

Im Frühjahr 1953 predigte Harold Herman wieder mit seinem Team im Evangeliumszelt in Berlin. Die Spannung in Berlin war gewachsen. Es lag etwas in der Luft. Am Morgen des 17. Juni brachen antikommunistische Revolten aus, und die klirrenden Ketten "roter" Panzer sowie das Knattern der Maschinenpistolen wurden nur einen Häuserblock vom Zelt entfernt hörbar. Harold Herman handelte rein instinktiv, als er dieses Vorgehen im Bild festhalten wollte. Von einem hohen Trümmerberg aus machte er dort - wie es heißt - die einzigen Farbphotos von diesem dramatischen Augenblick, da Hunderte von Menschen vor den vorrückenden kommunistischen Panzern um ihr Leben rannten. Truppen riegelten die Grenze ab und beendeten vorübergehend den Evangelisationsfeldzug. Das Zelt stand jetzt im "Niemandsland". Vorn waren die kommunistischen Panzer und Maschinengewehre; im Rücken riegelte die Westberliner Polizei das Gebiet ab, um weitere Übergriffe zu verhindern. Jetzt konnte man nur noch eines tun, nämlich einen neuen Platz für das Zelt suchen. Der Aufstand zwang die Brüder, ihr Zelt an einem viel besseren Platz aufzustellen. Von nun an stand es am Ende des Kurfürstendamms, an der berühmten Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, im Herzen des freien West-Berlin. Von 1953 bis 1956 wurden an diesem günstigen Platz jährlich jeweils zehn bis fünfzehn Wochen Zeltevangelisationen abgehalten. Große Menschenmengen nahmen an diesen Versammlungen teil, und Tausende kamen nach vorn zum Altar, um Jesus Christus öffentlich als Herrn und Heiland anzunehmen. Gott schenkte herrliche Wunder der Heilung und Befreiung. Hunderte von Gläubigen empfingen die Taufe mit dem Heiligen Geist.

Diese Berliner Zeltevangelisationen waren fast so, als wenn sie mitten auf dem "Times Square" in New York stattgefunden hätten. Fast jeden konnte man in der Stadt fragen, wo das "Evangeliumszelt" stehe - und er wußte Bescheid. Der Reporter der bekannten "Illustrierten Berliner Zeitung" stand auf dem Podium im Zelt und befragte viele von denen, die durch die Macht Gottes geheilt worden waren.

Die IBZ: 'Lahme gehen, Blinde sehen'Helene Rhese, die vollkommen blind gewesen war, wurde von Gott vor allen Menschen sofort geheilt. Sie zeigte dem Reporter eine Nadel, die sie nach ihrer Heilung eingefädelt hatte. Später strichen ihr die Ämter ihre Blindenrente, da sie davon überzeugt waren, daß sie für die Dauer sehend geworden war. Andere brachten ihre Röntgenaufnahmen und Krankenblätter mit, um das Wunder der Heilung zu bestätigen, daß sie durch den Glauben an Gott empfangen hatten.

Noch größer wurde die Anteilnahme in Berlin, als die Sonntagszeitung eine ganze Seite mit Bildern von Menschen herausbrachte, die Gott im Zelt geheilt hatte. Die rot gedruckte Schlagzeile lautete: "Lahme gehen und Blinde sehen!"

Viel von dem Segen der Berliner Evangelisation ist bewahrt worden. Harold Herman half zwei Gemeinden wieder auf. Die eine Gemeinde hat ihr Haus in der Nähe des U-Bahn-Einganges Potsdamer Platz, wo die roten Grenzwächter die Evangelisation am 17. Juni 1953 lahmgelegt hatten. Heute ist die Hälfte dieser Gemeinde hinter der kommunistischen Mauer festgehalten, die Berlin teilt und nur hundert Meter von dem Gemeindesaal entfernt ist. Der zweite Gemeindesaal wurde nur einen halben Häuserblock von der Deutsch Oper entfernt wieder aufgebaut. Das "Christliche Zentrum" wurde in einem Theater am Nollendorfplatz 5 eröffnet.

Pastor Volkhard Spitzer steht seit September 1964 dem ständig wachsenden Glaubenswerk vor. Anfang der 70er Jahre berichteten die Massenmedien über die eindrucksvolle Arbeit der Gemeinde unter Drogenabhängigen. Mittlerweile hat die Ausstrahlungskraft des Christlichen Zentrums innerhalb des gesamten deutschsprachigen Raums enorm zugenommen. Nachfolgender Aufgabenkatalog spiegelt die hauptsächlichen Aktivitäten wieder: Überkonfessionelle Kongresse, Evangelisationen im In- und Ausland, Kassetten- und Schriftenarbeit, Seelsorgeschulungen, Gemeindewachstums-Seminare für Geistliche, Ausländerarbeit, Aufklärung über Drogenmißbrauch durch Film und Beratung, Musik- und Bühnenarbeit, Kinderclubs und Hauskreisarbeit.


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