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queer Juli 2001

Tragen Männer auch zu kurze Röcke?

von Su Indorf (Foto Dietrich Dettmann)

Auch heute noch klingen manche Berichte über ,,Vergewaltigungsprozesse", als befände sich die Gesellschaft noch immer im tiefsten Mittelalter sexistischer Deutungsmuster von Frauenverachtung und Männerzentriertheit - als hätte es nie eine Frauenbewegung gegeben. Trotz des mittlerweile jahrzehntelangen Engagements gegen die einseitige und die Lebenswirklichkeit von Frauen ausklammernde Rechtssprechung vieler Gerichte, sprechen auch heute noch manche Richter Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, zumindest eine Mitschuld zu, wenn nicht sogar wie jüngst im "Toros-Prozess" in Bremen geschehen, die eigentliche Verantwortung zu. Noch immer scheint unter manchen Richterroben ein altbackener Meinungsmuff zu stecken:

Frauen, die kurze Röcke tragen, würden es nur darauf anlegen, vergewaltigt zu werden; Frauen, die ,,nein" sagen, würden insgeheim ,,ja" meinen; Frauen, die in Männergesellsehaft Alkohol trinken, gingen bewusst das Risiko ein, vergewaltigt zu werden und seien, sollte dies geschehen in der Folge selbst dafür verantwortlich zu machen, da Männer nur einem vermeintlichen Triebstau nachgehen... Tragen Männer denn auch zu kurze Röcke? Oder ist die Reform des Sexualsttafrechts, bei der unter anderem auch Vergewaltigung von Männern als Straftatbestand festgehalten und unter Strafe gestellt wurde, noch nicht bei allen Gerichten im Lande angekommen? Dieser Eindruck kann sich aufdrängen, hört man manche Vorstellungen darüber, welchen Hintergrund Vergewaltigungen von Männer angeblich haben sollen. Selbstverständlich ist es demnach kein Zufall, wenn das Opier schwul war , träumen schließlich nicht alle Schwule davon, mal so richtig rangenommen zu werden - auch gegen den eigenen Willen?

Der Gesetzgeber hat, entgegen all dieser Vorurteile, deutlich definiert - und hierin kommt der hart erkämpfte politische Wille zum Ausdruck - was als Vergewaltigungg bzw. sexuelle Nötigung zu verstehen ist und wie diese Delikte zu bewerten sind. Hier hat sich, ebenso wie bei der Polizei, in den letzten Jahren enorm viel getan. Vergewaltigungsopfer sollten sachlich und selbstverständlich realistisch über bestehende Risiken einer Anzeigeerstattung und Prozessführung; aber auch über mögliche Chaneun für die eigene Verarbeitung des Widerfahrenen aufgeklärt werden. Am besten vermögen dies Fachberatungsstellen und die mit Nebenklage vertrauten AnwältInnen.

Schwule Überfalltelefone sind unter der bundeseinheitlichen Rufnummer 192 28 in Aachen, Bielefeld, Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Köln, Leipzig, Magdeburg, München, Münster und Saarbrücken zu erreichen.

Der Anti-Gewalt-Report ist ein Beitrag des Anti-Gewalt-Projekts NRW beim Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD)


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