Tja, und schon wieder fange ich an, sie mit meinen Aufzeichnungen zu nerven. Heute morgen, als ich noch wach in meinem Bette lag und dar�ber nachdenken konnte, da habe ich mich wirklich gefragt, wof�r ich das Ganze aufschreibe. Ist es wirklich nur, um mich selber zu verstehen, ist es wirklich nur f�r mich? Oder ist es mehr f�r Andere? F�r Andere, die mich meinen zu kennen, oder vielleicht f�r die, die Ursache all meiner Fragen sind. Ist es vielleicht f�r die Menschen, die mich wirklich kennen, damit sie sehen, dass in mir noch viel mehr steckt? Oder ist es gar f�r niemanden, die reinste Zeitverschwendung und vor allem ein falsch gesetztes Ziel und die Entt�uschung vorgeplant? Eigentlich kann ich nicht sagen, was ich damit bezwecken will, aber ich denke, diese Aufzeichnungen werden in die Geschichte eingehen. Zumindest in meine Geschichte. Denn auch ich kann weinen.
Also schreibe ich wohl noch eine zeitlang weiter, und teile ihnen jegliche Erkenntnisse �ber mich und mein Leben mit. Auf das sie es irgendwann lesen k�nnen und es ihnen vielleicht hilft, sich auch einmal auf diesen Weg zu trauen und ihn zu gehen. Und wenn ich wirklich daran zugrunde gehen sollte, falls ich irgendwann nahe der absoluten Verzweiflung bin, dann werde ich auch das hier notieren und sie somit davor warnen. Letzteres glaube ich aber eher weniger, denn es hat mir schon sehr viel Ablenkung von all meinen t�glichen Problemchen gebracht und somit meine Gedanken auf andere Dinge befl�gelt. Und siehe da, mir geht es doch gut.
Was ist es eigentlich, was mich st�rt? Ich habe doch alles. Habe eine Familie, die mittlerweile auch zum gr��ten Teil die Kraft gefunden hat, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ich habe Geld, um mir alles zu kaufen, und sei es auch noch so sinnlos und �berfl�ssig. Und ich bin beliebt. Werde geehrt, angehimmelt und bewundert. Aber gerade dann, wenn einem so viel abverlangt wird, gerade dann w�chst in einem doch die Angst zu entt�uschen. All den erwarteten Blicken, die auf einen gerichtet sind, nicht mehr zu gen�gen und ich sehe schlie�lich all die entt�uschten Gesichter sich abwenden. Ich stehe dort und sage: �Ich bin auch nur ein Mensch, erwartet nicht zu viel. Erwartet keine Wunder. Ich kann nicht zaubern.�
Doch es wird erwartet. Wenn auch keine Wunder, dann zumindest, meine Kraft. All meine Kraft wird erwartet und es wird erwartet, dass ich mit vollem Elan an meine Arbeit gehe, immer eine draufsetze, immer besser werde und schlie�lich gl�cklich und zufrieden gehe. Doch ich denke, das ist wirklich unm�glich.
Sie kennen mich alle, sie kennen mich schon so lange. Und manche kannten meinen Vater und meine Geschwister schon lange bevor ich geboren wurde. Und sie kennen die Philosophie. Sie kennen das Geheimnis der St�rke in uns, und dennoch kennen sie nicht mich. Ich bin nicht mehr der kleine Junge, der ich einst war. Ich bin nicht mehr solch ein Kind, nicht mehr der ausgelassene kleine Junge, der gesch�tzt durch Vaters Arme das Rampenlicht genie�t. Ich bin alt genug um zu sagen, was ich will und wie ich mir mein Leben vorstelle. Also bitte ich sie, h�ren sie mir zu. H�ren sie, was ich zu sagen habe und ich werde es ihnen danken.
Wissen sie, was ich in mir sehe, wenn ich �ber all das nachdenke?
Ich sehe nichts, denn mir bleibt nichts �brig. Gehen wir die einzelnen Punkte durch.
Geld ! Eine sehr wichtige Sache, Geld regiert leider Gottes die Welt und es gibt f�r manche Menschen einfach viel zu wenig. Ich dagegen habe alles erlebt. Und mittlerweile kann ich mir genug leisten, mir alles kaufen und erwerben. Doch was bringt mir das, wenn ich mich daran nicht erfreuen kann? Ich kaufe einen Fernseher, habe aber nie Zeit, zum schauen, da ich nie daheim bin. Ich kaufe mir sch�ne Klamotten und muss mitleidig feststellen, wie verschwitzte und gierige H�nde daran rumrei�en. Ich kaufe mir eine neue Gitarre und beim n�chsten Tourtransport ist sie auch schon wieder kaputt. Ich kaufe mir einen Computer und finde niemanden, der Zeit hat, mit mir zu spielen. Oder ich surfe im Internet und werde schon nach wenigen Tagen mit eMails bombardiert, so dass ich den Bildschirm w�tend in die Ecke schmei�e. Ist das der Sinn der Sache?
Nehmen wir ein anderes Beispiel. Der Ruhm !<
Ich werde bewundert, beachtet und gefeiert. Ja, das denken sie. Ich sage ihnen, wie es meistens ist. Nicht immer, aber immer �fter. Ich werde nicht gefeiert, ich werde belagert. All der Respekt, den man einem K�nstler meiner Meinung nach gegen�ber bringen sollte, ist erloschen, einfach verschwunden. Und fragen sie mich nicht, wieso. Ich sehe niemals Menschen vor mir, die mich bewundern und denen ich so dankbar bin. Ich sehe nur noch kranke Menschen, die �ber mich herfallen, als sei ich ein St�ck Kuchen. Sie sagen, sie lieben mich, sie sind nur noch krank. Und ich laufe weg, ich ziehe mich zur�ck, habe Angst und will niemals wieder dort hinaus m�ssen. Doch ich muss. Denn ich bin auch ein Mensch, der die Freiheit riechen will. Auch ich will nicht nur den ganzen Tag zuhause sitzen, sondern rausgehen wie alle anderen auch, Spa� haben und mich meinen Freunde etwas unternehmen. Doch es sollte niemals so sein. Niemals sollte meine Freundin das Gl�ck haben, mit ihrem Freund ungest�rt ins Kino zu gehen und niemals sollte ich die M�glichkeit bekommen, meine Freundin auf der offenen Stra�e zu umarmen und ihr meine Liebe gestehen. Niemals, oder vielleicht nur bisher nicht? Nat�rlich k�nnte ich rausgehen, meinen Gef�hlen freien Lauf lassen, doch w�re ich dann nicht nach k�rzester zeit ein Nichtsnutz, der all den Menschen, die ihn zu seinem Ziel brachten, nicht dankbar ist, und nur an sich selber denkt? W�rde es nicht nach wenigen Tagen durch die Welt gegangen sein und ich d�rfte wieder erneut um Anerkennung und Ehre k�mpfen?
Also, was denken sie? Was bleibt mir von all den Vorteilen, die sie vielleicht in ihrem Leben vermissen? Nichts bleibt mir, all das Geld und all die Ehre ist genauso wertlos, als w�re sie gar nicht vorhanden. Denn unter Gl�ckseeligkeit verstehe ich etwas anderes.