Oh wie lange habe ich mich nicht mehr gemeldet. Ganze zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich mich zuletzt an sie gerichtet habe. Und ich werde ihnen mit Sicherheit gen�gend Gr�nde geben, mir dieses nicht �bel zu nehmen. Denn es war eine harte Zeit. Als ich das letzte Mal etwas notiert hatte, da wussten sie schon, in welcher dem�tigenden Situation ich mich damals befand. Und wie schwer es f�r mich war, selber damit umzugehen und das Richtige zutun. Und genauso wird es wohl auch weiter gehen. Ich habe sehr viel gelernt in letzter Zeit, aber ich denke, es sind beiweiten auch noch viel mehr Fragen aufgekommen. Wollen sie wissen, wie es mir ergangen ist? Wollen sie wirklich h�ren, was ich denke, und womit ich mich besch�ftige? Dann lassen sie mich anfangen...
Als ich damals, vor fast zwei Jahren mit den Notizen begonnen hatte, h�tte ich niemals gedacht, was es mir selber bringen w�rde. Wie oft habe ich meine eigenen Worte gelesen und versucht, einen Sinn zu verstehen. Welch verwirrenden Worte waren es doch, und ich versuchte, es als eine Art Au�enstehender zu betrachten. Was w�rden sie denken, wenn unter all den Aufzeichnungen nun ein gew�hnlicher Name stehen w�rde... vielleicht ein Harald M�ller oder eine Gieslinde Schmidt. W�rden sie es trotzdem so genau lesen und �ber die Worte nachdenken? Nun ja, ich kann meinen Namen nicht ablegen, und somit werde ich auch weiterhin mit Patrick Kelly unterzeichnen. Ach welch ein aussichtsloser Kampf es doch ist. Niemals werde ich wissen, wie ein anderer Mensch denkt und was er f�hlt, und so wie es aussieht, werde ich mich selber auch niemals richtig verstehen k�nnen. Kenne sie das Gef�hl, wenn einem all zu viel abverlangt wird? Ich habe mich mein Leben lang so sehr bem�ht, alles gut zu machen, mir selbst treu zu bleiben und immerzu auf ein Ziel anzusteuern. Und siehe da, ich habe es geschafft. Aber wie? Und wo war mein Ziel? War es mein Ziel, reich zu werden, ber�hmt zu werden? Mein Ziel war es doch immer nur, Menschen gl�cklich zu machen und ihnen ein St�ck von meiner Kunst mitzuteilen. Und jetzt sind sie alle gl�cklich, nur ich nicht...
Oder bin ich es vielleicht doch? Nat�rlich bin ich stolz auf mich und meine Familie. Und auf das, was wir erreicht haben. In den letzten Jahren ist sehr viel geschehen. Ich k�nnte ihnen einen kleinen Ablauf der vergangenen Zeit schildern, welche ach so tollen Preise ich in der Zeit wieder gewonnen habe, welch grandiosen Konzerte ich geben und welch wunderbaren Orte ich gesehen habe. Doch das k�nnen sie �berall lesen.
Und ich bin doch K�nstler. Ein Maler malt doch, um den Menschen seine Bilder zu zeigen. Er dr�ckt damit etwas aus, etwas, was ihn selber sehr besch�ftigt. Und all seine Gef�hle flie�en in einem Bild zusammen. Ein Regisseur setzt all seine Kraft in einen Film. L�sst die wundervolle Energie auf seine Schauspieler �berspringen und bringt ihr Talent der Welt offen dar. Und ein Schriftsteller, der schreibt doch, um sich der Welt mitzuteilen. Er f�ngt an, etwas zu schreiben, was ihm wirklich auf der Seele brennt, und was unverholfen f�r andere festgehalten werden muss. Denn nur was in unseren K�pfen passiert, kann wirklich irgendwann mal den Weg des Unbestimmten gehen.
Doch was macht ein Musiker? Bin ich �berhaupt Musiker? Oder bin ich Entertainer? Bin ich vielleicht Schriftsteller, schreibe Lider und, wie man sieht, auch philosophische Texte? Oder bin ich einfach nur Multimillion�r, der nichts besseres zutun hat als mehr oder weniger gut auf einer Gitarre rumzuklimpern und in ein Mikro zu tr�llern? Bin ich vielleicht ein Weiberheld, dem alle M�dchenherzen zu F�ssen liegen? Oder bin ich am Ende gar ein Niemand, im Grunde Arbeitslos und habe eben einfach nur verdammtes Gl�ck gehabt?
Das Gl�ck ist doch immer mit den Doofen. Hei�t es nicht so? Ja, wahrscheinlich habe ich einfach nur verdammtes Gl�ck gehabt. Doch hei�t Gl�ck haben, nicht auch gl�cklich sein? Bin ich das? Hat mich danach jemals einer gefragt? Und wenn mich einer fragte, sagt mich nicht schon anstandshalber, dass es einem gut ginge? Und wenn es mir schlecht geht, dann w�rden sic nicht nur Verwandte und Freunde Sorgen machen, sondern auch Menschen, die ich gar nicht kannte. Ja, die halbe Welt w�rde meinetwegen Kopf stehen und ich w�rde �berh�uft werden von Geschenken und W�nschen, die sich andere meinetwegen mit gr��ter Sorgfalt auszurechnen versuchten. War da wirklich n�tig?
Wie sie sehen, hat sich nicht viel ver�ndert, in den letzten beiden Jahren, obwohl sich doch so einiges getan hatte. Fragte man Media-Control, dann war ich l�ngst nicht mehr soweit oben, wie ich es noch vor zwei Jahren war. Aber fragte man all die M�dchen vor meiner Haust�r, dann schien sich nichts ge�ndert zu haben. Noch immer stehen sie dort und gaffen mir nach, als w�re ich gerade aus einem Film entsprungen. Und wozu?
Bin ich der Grund ihres Daseins? Wie k�nnen sie einen Menschen so verg�ttern, der doch auch sterblich ist und seiner Meinung nach l�ngst nicht perfekt. Oh, wie lange ich schon nach einer solchen Antwort suche, ich werde sie wohl nicht finden.
Und ich sitze trostlos da und finde keine Antwort.