Oh mein Gott, ich fasse es nicht. Da sitze ich mit Schmerzen auf der Couch, kann kaum atmen, bekomme keine Luft, und alles schn�rt mir nur so die Kehle zu. Und niemand da, er es sieht. Niemand, der mich tr�stet und in den Arm nimmt. Ich bin doch ein Mann, M�nner jammern nicht und M�nner weinen nicht. Und ich sage ihnen, sie tun es doch!
Und vielleicht sind dann gerade ihre Tr�nen voller Bedeutung, denn wenn man selbst einen Mann zum weinen bringen kann, dann will es schon etwas hei�en. Und vor allem mich, wo ich es doch immer schon gewohnt bin, auf der Hut zu sein und mir nichts anmerken zu lassen. Kalt einfach alle Gef�hle auszuschalten und an die Folgen zu denken. Sollen sie mich anfassen, mich begehren und ihr eigenes Leben verlieren. Nur lassen sie mich doch daraus. Denn ich bin nicht dieser starke junge Mann, f�r den sie mich halten. Ich bin fertig, geschw�cht von all dem Schmerz, allein, trotz der vielen Menschen um mich, und ich weine. Ist das so schlimm? Darf ich nicht weinen?
Also sa� ich da, und weinte. Ich weinte, aber ich wollte nicht reden. Ich wollte schweigen, nachdenken und f�r mich in meiner sinnlosen Philosophie weiter kommen. Niemals aufgeben, aber erst recht jetzt noch nicht dar�ber sprechen. Jemanden um Rat fragen, als mich selber, denn erst muss ich ein Manifest geschaffen haben, bevor ich es meinen Mitmenschen pr�sentieren und sie nach ihrer Meinung fragen kann. Und dort bin ich doch noch nicht angelangt, auch wenn ich schon Seitenweise geschrieben habe.
Also schwieg ich, brachte kein Wort heraus und hielt all den fragenden Blicken meiner Geschwister stand. Nat�rlich s�lzten sie mich mit klugen Spr�chen zu, nat�rlich versuchten sie mir Mut zu machen und mir Hoffnung zu geben. Aber ich wollte es nicht. Ich wollte allein sein, denn ich erkannte, das es ihnen nicht besser ging. Und wie sollte man anderen Menschen helfen, wenn man selber nicht klar kam? Es w�rde sie nur noch mehr zerst�ren, sie weiter belasten und sie hatten doch wirklich genug Probleme, als das sie sich noch um meine k�mmern mussten. Und das wollte ich nicht. Lieber allein dastehen und nachdenken. Vielleicht, wenn ich irgendwann zu einem Entschluss gekommen sein sollte, kann ich ihnen auch helfen. Oder vielleicht erkennen sie den Sinn des Ganzen viel eher als ich und werden mir dann dabei helfen. Vorher will ich es nicht, niemals, bitte versuchen sie, mich zu verstehen.
Nun ja, und nun sitze ich wieder hier und f�hle mich gefangen, gefesselt und geknebelt. Meine Knochen f�hlen sich an, als h�tte jemand wie wild auf mich eingepr�gelt, mein Hals schn�rt sich bei jedem vergeblichen Atemzug mehr zu und meine Haut brennt als w�rde man hei�es Wasser hin�ber kippen. Mein Kopf surrt und ich denke, vielleicht sollte ich mir einen Schnaps zur Bet�ubung holen. Alkohol, um den Schmerz zu ertr�nken, vielleicht sogar Drogen, um den Schmerz unsp�rbar zu machen. Und schon w�re ich f�r einige Minuten wieder frei. Sollte ich das tun? Ich bin doch hier, allein, und niemand w�rde es merken. Niemand w�rde mitbekommen, was ich in mich hineinkippe und niemand w�rde auch nur deswegen einen schlechten Gedanken gegen mich verschwenden. Ich br�uchte einfach nur so lange hier bleiben, bis der letzte Rausch verwesen war und dann k�nnte mir doch niemals jemand etwas vorwerfen. Ich w�rde es einfach leugnen, so wie alle, die es nehmen und damit sich bewusst eine neue Welt erschaffen. So soll es doch sein, deswegen und wegen nichts anderem, war es doch �berhaupt auf dieser Erde. Schlie�lich hatte alles einen Sinn und somit halfen bestimmte berauschende Pflanzen schon seit Jahrtausenden der Bet�ubung von Schmerzen. Und wenn einem das Herz schmerzt? Hilft es dann auch?
Doch ich lasse es lieber sein, setze mich erneut an meinen Schreibtisch und schreibe an sie. Mein Buch wird langsam immer dicker und immer verwirrter. Und wahrscheinlich habe ich sie gerade sehr erschreckt. Doch auch das ist doch nur normal und menschlich. Niemals kann jemand immer das tun, was sie erwarten, und so denke auch ich oft �ber Dinge nach, die vielleicht gar nicht so verkehrt w�ren, aber dennoch niemals aus einer moralischen Vorstellungskraft entspringen k�nnten.
Denn heilende H�nde k�nnen unter umst�nden auch verbrennen. So ist es immer gewesen, und nur wenn man Dinge mit Respekt und Vorsicht betrachtet, wird man dadurch Erl�sung erfahren und Hilfe daraus ziehen k�nnen.
Mehr kann ich heute nicht mehr dazu sagen, denn ich will schweigen. M�chte sprachlos dasitzen und meine Gedanken sammeln. Einmal kurz nachdenken, wie ich wissen kann, was sinnvoll und richtig ist, und vor allem, wie ich damit umgehen kann, wenn ich doch einmal wieder etwas falsches getan hatte. Ich bitte sie also, gehen sie hinaus und lassen sie mich einmal allein. V�llig allein, denken sie nicht einmal an mich. Denn kein Gedankengang soll seinen Weg zu mir finden, der nicht aus meiner eigenen Erkenntnis stammt.