Ratlos


Kennen sie das, wenn alles nur noch in Frage gestellt wird, man einsam da steht und das Gef�hl hat, niemand versteht einen? Kennen sie dieses Gef�hl, wenn man schwimmen will, und untergeht, wenn man fliegen will und den Halt verliert? Wenn man lachen will und sich das Gesicht nur noch derart verkrampft? Wenn sie all das kennen, dann wissen sie auch, was in mir vorgeht. Eine absolute Leere, ohne Sinn und ohne Verstand. Aber ich lebe doch noch, ich bin doch noch da, und ich handele nach guten Gewissen. Und doch bin ich nicht zufrieden. Nicht zufrieden mit mir selbst, nicht zufrieden mit meiner Umwelt und st�ndig auf Kurs. Einen Kurs Richtung Ungewissheit, vielleicht Gl�ckseeligkeit oder Skrupellosigkeit? Wie gerne w�re ich doch solch ein Egoist, w�rde stolz durch die Welt marschieren und allen meine Meinung sagen. W�rde sie mit der Nase auf die Wahrheit sto�en, ihr Bild von mir zerst�ren und einfach nur ich selber sein. Aber das kann ich nicht. Und daf�r gibt es viele Gr�nde.
Zum einen habe ich es nie gelernt, denn es w�re das gr��te Verbrechen, was ich je begehen k�nnte. Es w�re mein Untergang. Es w�rde mir alles nehmen, was ich erreicht habe, mich zu einem armen Mann schrumpfen lassen und all die Ansicht stehlen, die ich in meinem doch so kurzen Leben erreicht habe. Und zum anderen w�re es auch eine Schande gegen mich selbst. Habe ich mich nicht 20 Jahre lang abgerackert, gelernt, gearbeitet und eingesetzt? Habe ich nicht viel zu lange f�r diesen Traum gek�mpft, als das ich ihn einfach so wieder vernichten k�nnte? Sie sagen, so ungl�cklich kann ich gar nicht sein? Sonst w�rde ich diesen einen Schritt auch noch wagen und alles �ndern wollen? Dann kennen sie mich doch nicht so gut.
Ich sage ihnen etwas. Nichts um alles in der Welt, und sei es auch noch so ein unbeholfenes Gef�hl, w�rde mich dazu bringen k�nnen, alles hinzuschmei�en. Niemals w�rde ich alles aufgeben, meine Vergangenheit verdr�ngen, mein Talent verwesen lassen und mein K�nnen verlernen. Nein, daf�r habe ich nicht so viel gearbeitet. Ich werde nicht zulassen, dass alles umsonst gewesen sein soll und das ich mich im nachhinein f�r all meine Taten sch�men muss. Denn was w�rde mir dann bleiben? Ich w�re ein einfacher Mann, ohne Schul- und Berufsbildung. Ohne Erfahrungen, in den einfachsten und nat�rlichsten Lebenssituationen und vor allem ohne Sinn. Was bleibt einem K�nstler, dem seine Werke zerst�rt wurden? Was ist ein Musiker, ohne seine Instrumente? Und vor allem, was w�re ein Musiker, ohne sein Publikum?
Heute sa� ich voller Zorn in meinem kleinen Zimmer. Habe mit der Gitarre in der Hand nach Worten gesucht, und habe sie schlie�lich gefunden. Einen Text, der meine ratlose Situation beschreibt. Vielleicht wollen sie einen kleinen Ausschnitt lesen:

In the endless deepest night
I stay there for a fight
I�m waiting for an answering person
For getting own emotion
Don�t tell me any more lies
About a happy man, who dies
Just one word for my soul
One word for myself
It�s more than anything else
More than I can get

Oh baby�.
Am I what I am?
Or am I what I wished to be?
Am I what I am?
Or shall I be what you mean?
�..

Ich zeigte es meiner Schwester, und sie sah mich mit ihren gro�en blauen Augen an. Sie fragte, was ich damit meinte, und ob ich nicht w�sste, was ich w�re. Und wie ich darauf komme, so etwas zu schreiben, wo ich doch genau wei�, dass es meinem Vater nicht gefallen w�rde.
Ich zeige es ihnen, in der Hoffnung, das sie es verstehen w�rden. Oder ist es nur ein Traum?
Tr�ume sind doch wundersch�n. Eine einsame Frau tr�umt sich in Liebesromane, ein kleines Kind tr�umt sich in M�rchen und ein junger Mann tr�umt sich ... ja, wohin tr�umt er sich denn? In einen Puff? Wie viele Frauen vielleicht denken m�gen? Oder tr�umt er sich in eine bessere Welt, in der er seinen Scham und all seine �ngste nicht mehr hinter einer dreckigen Fassade verstecken muss?
Sind sie ein solcher Mann, der nie genug von den k�rperlichen Gel�sten bekommen kann, der immer auf der Suche nach einem Abenteuer ist und dabei jegliche Gef�hle einfach ausschalten kann? Bin ich ein solcher Mann?
Habe ich mich nicht immer dagegen gewehrt, in diese Klasse abgestempelt zu werden? Kann mir denn niemand einen Rat geben?
Wovon rede ich eigentlich? Rede ich von Anstand und Moral? Rede ich von Sex und Gel�sten? Oder rede ich einfach nur dummes Zeug, und suche meine eigene Identit�t, welche einfach ausgel�scht wurde, als ich damals das Licht der Welt erblickte?
K�nnen sie mir nicht irgendeinen Rat geben?



Patrick Kelly

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By Barby K. 1998






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