Mutlos


K�nnen sie mir nun sagen, was der Ursprung allen �bels war? Fing es nicht erst dort an, wo ich begann, alles in Frage zu stellen und an mir selbst zu zweifeln? Ich habe die Ganze Zeit �berlegt, was wohl passieren w�rde, wenn es anders gekommen w�re. All diese Enge, die ich nur allzu gut sp�ren kann, w�re niemals eingetreten, jedenfalls nicht in der Hinsicht. Aber vielleicht w�re ich dann auch nicht zufrieden. Gut, ich k�nnte raus gehen, mich mit Freunden treffen und einen normalen Beruf erlernen, aber vielleicht h�tte ich dann gar keinen Beruf und w�rde unter einer Br�cke sitzen. Und dann w�rde ich mir sagen, ich h�tte lieber Musiker werden sollen, dann h�tte ich meine Millionen und immer genug zu essen, w�rde in den sch�nsten Betten schlafen und alle Frauen w�rden mich lieben. Und ich bin mir sicher, ich w�rde denken, dass w�re das gro�e Gl�ck. Das es das nicht ist, wei� ich mittlerweile mehr als genug, aber es �ndert nun mal nichts an meiner Situation. Und anstatt Dankbar zu sein, m�kle ich alles an und suche nach einem Sinn. Das kann doch nicht richtig sein, oder?
Wenn man einige Fans fragt, die meinen, mich nur allzu gut zu kennen, und alles richtig zu sehen, dann w�rden sie sagen, an all dem ist nur ein Lied schuld. Und ich sage nein. Denn ein Lied macht mich nicht aus, meine Musik besteht nicht nur aus einem Lied. Und damals, als ich es geschrieben habe, da liebte ich dieses Lied, denn es kam aus meiner Seele. Und alle anderen liebten es auch, vor allem die Fans. Besonders die Fans, die es jetzt hassen und sagen es w�re besser gewesen, wenn ich es niemals geschrieben h�tte. Immer mehr Fans kamen hinzu und wollten es h�ren. Und es machte mich verdammt stolz. Nat�rlich dieses Lied hat mich eingeengt, aber ich bereue nichts. Und es geh�rt noch sehr viel mehr dazu, als nur ein gutes Lied. Ich bin K�nstler und kein Zufallstreffer. Ich habe nicht nur das eine Lied geschrieben, ich habe auch tausend andere, die mindestens genauso viele Preise gewonnen haben und die mich nicht weniger stolz machen. Das Ungl�ck begann erst viel sp�ter, oder vielleicht auch schon viel eher, schuld ist niemand, und schon gar nicht ein Lied. Und wenn es doch daran liegen sollte, dann habe ich es mir ganz allein zuschreiben, denn ich habe es geschrieben und gesungen. Und ich denke, da ist nichts schlimmes bei.
Ich dachte, man w�rde mich bewundern, mich m�gen und mich respektieren, doch das schien eine krankhafte Vorstellung zu sein. Eine Utopie, gehalten von ironischer M�kelei und niemals realisierbar. Und schon stand ich wieder vor dem Nullpunkt, hielt die ganzen Liebesbriefe in meiner Hand, die doch nicht an mich, sondern nur an den Mann in ihren Tr�umen gerichtet waren.
Angst stieg in mir hoch, ich traute mich nicht mehr hinaus, blieb unverfroren stehen und konnte keinen Schritt weiter. Denn dort warteten sie schon, mit ihren tollw�tigen Augen, die nichts auslie�en und mich niemals gehen lassen w�rden. Also versteckte ich mich, schloss mich ein, schloss die Augen und sah sie selbst dort vor mir.
Doch meistens war es nicht wirklich so. Manchmal traf ich sie einzeln, unterhielt mich mit ihnen und l�chelte sie an. Und kaum war ich wieder weg, da kamen auch schon andere Bilder hoch, die mittlerweile zu oft passiert waren. Und solche Bilder verschwinden niemals. Wer hundertmal raus geht, und nichts erlebt, der hat keine Angst, wer aber hundert mal rausgeht und bei einem mal einen solch schrecklichen Schmerz versp�rt, den qu�lt die Angst in Zukunft immer. Sei es auch noch so unwahrscheinlich, das es wieder passierte. Diese Leere in mir, diese Angst und dieser unstillbare Durst, qu�lt mich seit eh und je und ich glaube, es wird niemals eine helfende Hand geben, die mich hinauszieht, mir zeigt, das die Welt sch�n sein kann und meinem mutlosen Dasein einen neuen Anfang schenkt.
Doch so weit wie ich auch schon gekommen sein mag, ich werde weitergehen. Immer nach vorne, und mich weiterhin suchen. Ich suche mich in dieser trostlosen grauen Welt, �ffne die Augen und das Herz und sehe mich um. Wo bin ich? Wie sehe ich aus? Und das Aussehen eines Menschen kann man nicht durch Fotos erfassen. Und seien sie noch so nah und scharf. Sie werden niemals darauf erkennen, welch eine Situation stattgefunden hat, vor allem nicht bei mir. Ich bin ein guter Schauspieler, ich habe es Jahrelang gelernt und ich wei�, wie ich mich zu verkaufen habe. Lassen sie sich nicht von meiner Arroganz t�uschen. Ich werde es auch nicht tun, ich fasse neuen Mut und gehe direkt auf mich zu, sehe mir in die Augen und Frage mich einfach mal direkt.



Patrick Kelly

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By Barby K. 1998






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