War es vielleicht doch nicht so dumm, den Erkenntnisdrang des Menschen als S�ndenfall zu bezeichnen?
Oh wie vielsagend diese Aussage ist. Vielleicht ist dort wirklich etwas wahres dran, und vielleicht ist es auch der Sinn des Ganzen. Man kann solange streben und nachdenken wie man will, man wird niemals alles wissen k�nnen. Und die Tatsache, das man alles wissen will, was niemals erreicht werden kann, bringt einen um. Sie nimmt einen den letzten Nerv, treibt einen zum Wahnsinn und letztendlich muss man immer wieder feststellen, dass es nur eine Spinnerei war und man im Prinzip kein St�ck schlauer ist.
So war es bei mir doch immer. Ich dachte, als ich vor Jahren einen K�nstler mit seiner Gitarre sah, wie gut er spielen konnte. Und ich setzte alles daran, es auch zu lernen. Ich dachte, wenn ich doch nur genauso gut spielen konnte, dann w�re ich zufrieden und alle w�rden mich f�r mein K�nnen so sehr bewundern, wie ich diesen Menschen einst bewunderte. Und ich habe ge�bt, jahrelang. Und letztendlich musste ich feststellen, dass ich weitaus besser spielte, als dieser Mann. Und trotzdem war ich nicht zufrieden. Ich sah einen anderen K�nstler, und ich sah, wie er spielte. Und schon hatte ich ein neues Ziel, das es zu erreichen gab. Und so sehr ich mich auch anstrengte, und umso mehr ich auch lernte, es reichte niemals aus, um meine Gitarre in die Ecke zu stellen und zu sagen, jetzt kann ich alles. Denn so wird es niemals sein. Es wird immer jemanden geben, der es besser kann und es wird immer etwas geben, was ich noch lernen k�nnte. Und so ist es doch mit all meinen Fragen auch, oder etwa nicht? Vielleicht werde ich einige meiner Fragen noch beantworten k�nnen, vielleicht werde ich mich irgendwann wirklich so gut kennen uns sagen k�nnen, was in mir vorgeht und all mein Handeln begr�nden, aber ich werde niemals alles wissen und verstehen, denn manche Dinge sind einfach viel zu unergr�ndlich. Und wenn Sokrates vor so vielen tausend Jahren nicht geschafft hat, und wenn all die anderen Philosophen, die Gro�artiges erkannt haben es nicht herausgefunden haben, dann werde ich es wohl auch niemals schaffen.
Es ist wirklich ein endloser Kampf gegen das Wissenswerte auf dieser Welt. Die Erde bringt so viele Geheimnisse, andere Menschen handeln in meinen Augen so grundlos und so unvern�nftig. Aber ich kann nicht wissen, wie sie denken und warum sie es tun. Und ich kann niemals herausfinden, welche Geheimnisse sie noch alles verbergen. Es ist ein endloser Kampf gegen die ewige Fragenstellerei. Und ich werde mich bem�hen, zu siegen.
Ich will wissen, was in mir vorgeht, warum ich mich all dem aussetze, und warum ich niemals zufrieden sein kann. Vielleicht werde ich dann wirklich eines Tages voller Stolz auf mein Leben zur�ck blicken k�nnen und sagen, ich habe nicht nur Musik gemacht, ich habe nicht nur M�dchenherzen gebrochen, sondern ich habe etwas sehr wichtiges erkannt. Ich habe mich selber erkannt, und kann guten Gewissens sagen, was falsch und was richtig in meinem Leben war. Ja, irgendwann werde ich so reden k�nnen, sei es nicht heute, sei es irgendwann. Und bis dahin werde ich weiterhin diesen schier endlos scheinenden Kampf weiter in mir selber bestehen und mich ihm stellen.
Und wenn es wirklich solch ein S�ndenfall sein soll, dann will ich mich ihm auch gerne stellen. Soll er doch einen Krieg in mir entfachen, mich einengen, mich verzweifeln lassen und mich mit einem Gedankenwirrwarr �berstr�men. Ich will es eingehen, denn ich habe Hoffnung. Und solange ich wei�, dass ich existiere und Mensch bin, will ich auch all meine Gedanken nicht verschwenden, sondern sie f�r etwas einsetze, was wirklich wichtig ist. Und das ist es, zu sich selber finden, absolut mit sich im Einklang zu sein und niemals zu sagen, dass man sich selbst nicht mehr treu ist. Daf�r werde ich k�mpfen und dahin werde ich streben. Vielleicht wollen sie mir dabei auch helfen. Vielleicht haben sie diesen Schritt in ihrem Leben schon getan, und wissen, wohin ich meinen Weg richten muss. Ich bitte sie, dann reden sie mit mir. Sagen sie mir, welchen Weg sie gew�hlt haben und wohin er gef�hrt hat. Sagen sie mir, wer sie sind und was sie denken. Es interessiert mich. Und ich werde ihnen gut zuh�ren und sie gew�hren lassen. Wie auch immer sie handeln m�gen. Denn ich bin nur ein Mann, der auf der Suche ist. Ich bin kein K�nstler, der etwas gro�artiges erreichen m�chte. Ich interessiere mich f�r Menschen, was sie erlebt haben und wie sie damit umgehen. Und ich werde ihnen zuh�ren, sei es auch ein noch so endloses Gespr�ch.
Patrick Kelly
By Barby K. 1998