Bodenlos


Als ich geboren wurde, da schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Meine Mutter hatte mich in einer st�rmischen Nacht zur Welt gebracht, in einem kleinen Wagen au�erhalb der Stadt. Mein Vater erz�hlt mir heute noch davon, wie er zur Hilfe kommen musste, weil ich bei der Geburt falsch gelegen hatte und somit nicht den Weg nach drau�en in die Welt alleine gehen konnte. Es war am gewittern, der Regen war die Scheiben herab gelaufen. Heute sagen mir viele Menschen, der Himmel h�tte damals Tr�nen fallen gelassen, weil er seinen sch�nsten Stern in dieser Nacht verlor. Ich wei� nicht, wie ich dar�ber denken soll. Gerne h�tte ich es geglaubt, aber ich war doch ein kleines Baby. Wie konnte jemals jemand ahnen, was aus mir werden w�rde. Wie oft schon habe ich mir den Tag meiner Geburt vorgestellt. Und manchmal schien es, als k�nnte ich mich wirklich noch daran erinnern:
Ich sehe mich in einer dunklen Nacht. Umgeben von kleinen Lichtern, die wie fallende Sterne mir den Weg zeigen wollen. Doch wo bin ich? Ich stehe mitten drin. Und warte darauf, dass etwas kommt. Etwas, was mir helfen k�nnte alles zu verstehen. Warum werden Menschen geboren, wenn es doch so sch�n sein soll, wo wir alle herkommen. Und warum werden wir alle dieser Pr�fung ausgesetzt, wenn es doch nur wieder eines Tages zur�ck an den Ort gehen sollte, wo wir alle herkommen. War es wirklich nur eine Pr�fung, in der wir uns bew�hren sollten?
Und meine Pr�fung schien am aller schwersten. Ich habe keinerlei Vergleichsm�glichkeiten. Ich kann nicht sagen, wie es gelaufen w�re, wenn ich in eine andere Familie hinein geboren w�re, oder vielleicht auch einfach nur unter anderen Umst�nden. Vielleicht ist alles auch voraus bestimmt gewesen und es liegt nur an meinem ICH... an mir als Person, die mich wirklich ausmacht und die ich immer sein wollte. Wollte ich das? Wollte ich mein Leben lang hier wohnen und meine Kindheit einem Ziel opfern, dass ich schon lange erreicht habe, mich aber dennoch nie vollkommen zufrieden gestellt hat? Wer kann mir das sagen?
Lieber Leser, ich denke, ich muss sie erst einmal aufkl�ren. Vielleicht kennen sie mich gar nicht. Vielleicht werden sie mir auch nicht glauben. Oder sie werden denken, es sind nur die verwirrenden Notizen eines jungen Mannes, der gerade 20 Jahre alt geworden ist und an einem Punkt angelangt, wo man sich selber neu entdecken muss. Aber bei mir gibt es nichts mehr zu entdecken. Meine Pers�nlichkeit steht seit Jahren fest. Ich kann mich ver�ndern, aber dennoch nicht das Bild, das andere von mir haben. Es ist zu tief, viel zu festgefroren in den K�pfen der Menschen, die mich so sehen, wie sie mich sehen wollen. Wie ich mich ihnen zeige, und wie ich mich geben m�chte. Denn die Reaktionen der Anderen ist nur ein Spiegel seiner Selbst. Und jeder gibt sich doch von der besten Seite. Erst recht jemand, den die Welt zu sehen bekommt.
Sie werden mich also kennen. Da bin ich mir sicher. Und sie werden genauso ein Bild von mir haben, wie ich es ihnen zum ausmalen gebe.
Ein kleiner Junge, der lachen, singen und spielen kann. Liebe? Nein, ich liebe meine Musik. Freundin? Nein, hatte ich noch nie. Ich bleibe der Musik treu. Familie? Mein ein und alles, wir halten zusammen. Fans? Meine besten Freunde, ich liebe sie und bin dankbar daf�r, dass sie mich erst soweit gebracht haben. So weit, dass ich manchmal gar nicht mehr weiter wei�. Ich stehe am Abgrund, und kann dennoch keinen Schritt mehr weiter. Ich versinke im Meer und kann dennoch den Schwimmring nicht abnehmen...
Bin einfach Bodenlos, ohne eine Begr�ndung und ohne Halt.
So muss es sein. So muss es stehen, das perfekte Bild.
Alles L�ge? Nein, auch das kann ich nicht behaupten. Ich kann es nicht in Worte fassen. So viele Lieder habe ich geschrieben. Was sie sagen? H�ren sie es sich an, und sie werden es wissen. Doch was kennen sie dann von mir? Was wissen sie davon, wie ich morgens aufstehe und mir die Z�hne putze... was wissen sie davon, wie ich reagiere, wenn mir mal wieder jemand seine Liebe gesteht? Garnichts wissen sie, und ich werde mich h�ten, ihnen etwas zu sagen... denn das Bild bleibt bestehen. Ich bin jetzt 20 Jahre alt, f�hle mich, wie ein alter Mann, der alles gesehen und geh�rt hat. Ich habe so viel erlebt, war �berall auf der Welt, habe Millionen verdient und stand in allen Zeitungen. Und dennoch l�ngst nicht genug... wo bleibt meine Befriedigung?
Was ist das n�chste Ziel, dass ich erreichen m�chte?
Wenn ich Zeit h�tte, es heraus zu finde, dann w�rde ich es tun. Ich w�rde einmal tief in mich gehen, mir alle Zeit der Welt nehmen und einen kleinen Gedanken an mich selber verschwenden. Doch wo ist die Zeit? Und was wird aus dem perfekten Bild, wenn ich es in mir selbst zerst�ren werde...
Sie wollen mich kennen lernen? Sie wollen wissen, wie, und vor allem wer, ich bin? Gut, finden sie es heraus, aber fragen sie nicht mich. Ich wei� es nicht ! Fragen sie die kleine Nina, und die kleine Gritt... fragen sie all die M�dchen vor meiner Haust�r. Fragen sie all die M�dchen, die mich verfolgen, beobachten und nahezu studiert haben. Sie wissen es, sie kennen mich. Sie k�nnen es ihnen erkl�ren. Sie werden vielleicht sagen: �Er ist ein lustiger Kerl, er ist offen und herzlich.� Oder sie werden ihnen sagen: �Er ist sehr traurig. Kommt mit allem nicht klar, verschlie�t sich oft, ist ein Denker und Romantiker.�
Aber es ist ganz egal was sie sagen werden, sie wissen es besser.
Vielleicht sollte ich wirklich selber hingehen und fragen, wer ich eigentlich bin. Vielleicht werden sie es irgendwann einsehen....
Vielleicht, wenn ich ihr Bild zerst�re, mich nicht mehr so gebe, wie sie es gerne h�tten. Aber wahrscheinlich werden sie sich dann auch nur ein neues Bild beschaffen, und mich weiterhin analysieren.
Also frage ich euch: Wer bin ich?
Gut, ich bin Patrick. Aber wer ist Patrick? Ist es der Mann, der mich im Spiegel anschaut? Oder ist es der Mann, der sich selber nicht versteht, nicht wei�, wie er zu all dem stehen soll. Nicht wei�, wieso er all dem nicht einfach ein Ende setzt... wo ihn doch angeblich alles so fertig macht ?!
Findet es heraus, ihr kennt mich ja alle so gut !
Oder etwas nicht?

Patrick Kelly

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By Barby K. 1998






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