Weezer -
Pinkerton

Die freundlichen vier Jungs aus Los Angeles, die noch "Weezer (The Blue
Album)" präsentierte, scheinen über Nacht gealtert und unfreiwillig
redselig geworden. Doch Rivers Cuomo würgen auf dieser Platte den offen
gezeigten Gefühlen gleich mit harten Gitarren eins hinterher. Die
Kritiker, der schnelle Ruhm und die heute regelrecht depressiv wirkende
Zeit in Havard. Alles wichtige Faktoren, die jeder Fan der Gruppe kennt.
Rivers suchte wohl ein Ventil, wie schon die unterdrückten Schreie in
"Say It Ain't So" gezeigt hatten. Anfang 1996 muss er dann also wie ein
Kind vor einem unfertigem Puzzle gesessen haben; sein "Songs from the
Black Hole" Projekt, eine Oper, war gescheitert. Übrig blieben tolle
Songs. "Why Bother?" etwa, das in knapp 2 Minuten eine typische Teenager
Story erzählt und mit seinen schlagenden Gitarren und den wütenden
Vocals wie ein ünerhörter Wutausbruch wirkt. Wenige seriöse Musiker
gehen da so offen heran. Es fehlen die Phrasen, versteckten Andeutungen
und der musikalische Teppisch, der das alles gut aussehen lässt. Offen
ehrlich und vor allem laut. Live harmonierten damals alte und auch
neuere Weezer Songs ausgesprochen gut, einige Songs von "Pinkerton" gab
es bereits um 1994 herum als Demo. Gitarrist Brian Bell und Bassist und
Spaßvogel Matt Sharp, hier das letzte mal auf einer Weezer LP, sorgen
mit ihren Backgroundvocals für den hymnischen, ungepflegt wirkenden
Mitsingfaktor. So etwa by "The Good Life", das Rivers Träume von einem
angesehenem Leben schon fast wieder witzig wirken lässt. Oder bei
"Across the Sea" , in dem es um den Brief eines japanischen Fans geht.
Dieses Lied zieht sich. Das ganze Album jedoch nicht, es sind wieder nur
10 Songs dabei. Einen weiteren senhsuchtsvollen Ausbruch eines
leidenden jungen Mannes findet man auf "El Scorcho". Der Traum von der
großen Liebe ist auch hier unerfüllt. Musikalisch ist es auch hier
wieder schräger Indie-Rock der besten Sorte, inklusive toller
verkaterter Melodie. "Pink Triangle" zeigt mit der thematesierten
unerfüllten Liebe, nach vorgegangenen Gedankenspielen, ein
Horrorszenario für jeden Heranwachsenden ab. Doch Weezer schafften es
mit dieser Platte jedoch erneut eine LP zu produzieren, die sich nicht
nur primär 14 jahre alte Oberschüler gerne anhören. Auch das seriösere Ü
30 Publikum kann gerne zu "Pinkerton" greifen, auch heute, 20 Jahre
später. Abgesehen von wenigen Liedern spielen Weezer heute eher selten
Songs der Platte live. Eigentlich schade.
Trackliste:
Tired of Sex
Getchoo
No Other One
Why Bother?
Across the Sea
The Good Life
El Scorcho
Pink Triangle
Falling for You
Butterfly
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