Oasis - Definitley Maybe
                                                                                  DM
Das Oasis ein Anrecht auf die Krone des Britpop haben ist weitestgehend bekannt und/oder umstritten. Das dass zumindestens berechtigt ist macht Definitley Maybe mehr als deutlich. Im Sommer 1994 muss das Album regelrecht revolutionär gewirkt haben. Der rauschhafte Sound des Wave und Baggy schien verflogen, die musikalische Metal- und US-Punkaffinität des Grunge mit seinen bitteren Hilfeschreien schienen nichts mehr auszumachen. Vielmehr schaffte es Noel Gallagher, Hauptsongwriter und Leadgitrist, das scheinbar beste aus der britischen Musikgeschichte zu vereinen. Die Robustheit des britischen Punk ("Sex Pistols", "The Clash") waren auf stadiotauglichen Sound gestutzt, die Melodien der "Beatles" und "The Smiths" mit einfachen Gitarrensounds darübergelegt. So pragmatisch das wirkt, so gut sind die Songs. Da wäre z.B. "Live Forever", das lebensbejahend bittersüß und zugleich aufrecht wirkt. Auch wenn Noel Gallagher aufgrund seiner Vergangenheit eher den Kopf senken müsste. Doch Zurückhaltung ist eben nicht die Sache der Band, auch musikalisch. So fetzen "Rock N' Roll Star" und "Supersonic" hymnisch los, während sich "Columbia" sich im Gitarrenrausch verliert, ohne ermüdend zu wirken. "Cigarettes & Alcohol" ist schon schwerfälliger, "Bring It On Down" wühlt schon in den Tiefen des Alternative-Rocks. Die Songs wirken wie der junge John Lennon, der mit gespreitzten Beinen und zurückgelegtem Kopf auf der Bühne stand. Und das scheint auch der Ansatz zu sein, den Oasis verfolgte. Noels Texte sind durchweg positiv, auch wohl, weil er nicht anders konnte. Nach der schwiriegen Kindheit mit seinem Bruder Liam im heruntergekommenen Burnage, Manchester und der jahrelangen Arbeitslosigkeit wollte er das ewige Dasein hinter sich lassen. Er wollte den Traum so vieler junger Menschen, die Rockmusik hören, umsetzen, sich selber Mut machen. Sein Anspruch, in der besten Band der Welt zu sein, ist das Produkt des ewigen Verlangens, alles hinter sich zu lassen und hingegen aller Regeln des Lebens der Arbeiterklasse ein Rockstar zu werden. Ein "Ihr könnt mich mal gerne haben" gegen alle die, die im geistigem Wohlstand leben und sich beklagen, gegen die, die das Leben, trotz all der Nachteile, für sinnlos halten. Das harmonische im Rocksong, wie etwa "Slide Away", entgeht der Band auch nicht. Die akustischen Liebeleien wie etwa "Digsy's Dinner" oder das nur auf der Viny-Edition veröffentlochte "Sad Song" lassen mehr erahnen. Nähmlich das Noel ein ziemlich guter Songwriter ist, der alleine im Hotelzimmer mit der Akustikgitarre als auch im Londoner Earls Court spielen kann. Oasis wirken auf dieser Platte so unverbraucht, laut und neu wie vielleicht nie wieder in ihrer Karriere. Eben frisch aus Manchester. Was danach kam, die Megagigs, die Drogen, der "Krieg" mit "Blur" (die den Britpop viel früher erfanden und so gar nichts mit Oasis gemein haben), das sikkert hier noch nicht durch. Auch das Oasis nach dier LP immer mehr zur radiotauglichen Rockband werden, deren Hits wie "Wonderwall" oder "Don't Look Back In Anger" bald bei jeder Radiostation laufen und deren Album "(What's the Story) Morning Glory?" zur weniger inspirierten Mainstream LP wird, scheint hier weit weg zu sein. Auch über die Anleihen bei Glamrock ("T.Rex") und sonstigen Bands sieht man hinweg. Noel gab schon damals zu, die Songs größtenteils beim Hören seiner Lieblingsplatten zu schreiben. Er spielte einfach los, machte die Musik, die er liebte und hören wollte. Trotz alledem bleibt dieses Album eins der wohl schlagkräftigsten der britischen Insel der letzten Jahre.
Oai                                              Oasis2
Trackliste:
Rock n' Roll Star
Shakermaker
Live Forever
Up in the Sky
Columbia
Supersonic
Bring It On Down
Cigarettes & Alcohol
Digsy's Diner
Slide Away
Married with Children

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