Der See
ist mit einer Oberfläche von 9,08 km² der sechstgrößte
der natürlichen Seen Bayerns. Sein Niederschlagsgebiet ist etwa 23 mal größer
als seine Oberfläche. Dieser sogenannte Umgebungsfaktor ist bei fast allen
anderen bayerischen Seen geringer. Dagegen ist das Hinterland des Tegernsees
kaum besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt. Die Besiedelung des näheren
Einzugsgebietes kann nahezu restlos zur Entwässerung erfasst werden.
Der Wasserkörper des Sees wird durch die Zuflüsse
etwa alle 15 Monate ausgetauscht. Bei allen anderen Seen Bayerns benötigt die
Wassererneuerung meist ein Vielfaches an Zeit. Im Einzugsgebiet fallen Abwässer
von 60.000 Einwohnerwerten an, das ist bezogen auf die Seeoberfläche mit 67 EW/ha
die überhaupt größte Abwasserlast der bayerischen Seen. Der Tegernsee zählt
zu den oligothrophen d.h. nährstoffarmen Seen, mit einem Algen-Blattgrün-Gehalt
von 3,5 mg/m³ i. JM.
Die
„Ringkanalisation“
wurde vom Bayerischen Landesamt für Wasserversorgung
und Gewässerschutz im September 1955 vorgeschlagen, um dem See für die Zukunft
alle anfallenden Abwässer grundsätzlich fernzuhalten und erst gereinigt der
fließenden Welle der Mangfall zuzuführen. Dieser Vorschlag führte am
07.09.1956 zur Gründung des
Der Zweckverband wird von den Talgemeinden Bad
Wiessee, Gmund, Kreuth, Rottach-Egern und Tegernsee getragen. Das Einzugsgebiet
reicht von Wildbad Kreuth im Süden bis Moosrain im Norden und von Ostin im
Osten bis Finsterwald im Westen. Im Jahre 1957 wurden die Bauarbeiten und damit
Maßnahmen in Angriff genommen, die weit über die Grenzen Bayerns hinaus
beispielhaft geworden sind. Beendet wurden die Baumaßnahmen mit dem Neubau des
Klärwerkes 1965.
Die „Ringkanalisation“, eigentlich ein Abfangkanal, der den See gabelförmig umfasst, ist insgesamt 22,7 km lang. Sie besteht aus Rohren mit einem Durchmesser von 30 bis 70 cm. Um das notwendige Fließgefälle zu erzeugen, sind 7 Hebe- und 4 Pumpwerke, zusätzlich 3 Pumpwerke für Tiefgebiete, vorhanden. Die Gesamtförderhöhe beträgt 57,50 m. Der Ostuferkanal unterquert die Mangfall in der Ortslage Gmund mit einem Düker und vereinigt sich hier mit dem Kanal aus Richtung Bad Wiessee. Die Kanalisation ist als reiner Schmutzwasserkanal angelegt; das anfallende Regenwasser wird im Verbandsgebiet entweder im Untergrund versickert oder dem See zugeleitet.
Das Klärwerk
Tegernseer Tal in Gmund -Rainmühle- wurde als Abschluss der Gesamtplanung im Jahre 1965 in Betrieb genommen. Das Werk ist für eine tägliche Abwassermenge von max. 18.000 m³ bemessen.
Die Ausbaugröße des Klärwerkes beträgt 60.000 EW
davon sind für ständige Einwohner berechnet 27.000 EWfür Ferien- und Kurgäste 17.600 EW
für 1 Brauerei und 2 Papierfabriken 15.400 EW
davon Ammoniumstickstoff 1 5,9 g/m³
Messwerte Ablauf zur Mangfall
BSB5
15
g/m³
3,4 g/m³
98,7 %
CSB
70
g/m³
24,9 g/m³
94,8 %
Pges
1 g/m³
0,3 g/m³
95,2 %
Nges
18
g/m³
7,63 g/m³
79,2 %
davon
NH4-N =
5 g/m³
0,86 g/m³
94,6 %
Sauerstoffbedarfsstufe
1
Restlast gering
Nährstoffbelastungsstufe
1
Restlast gering
Æ
Schlammalter
t TS
8 d
Schlammbelastung
B TS
Auslegung
0,15
kg/kg
Æ
B TS
Betrieb
0,13
kg/kg
Inhalt
Belebungsbecken
7.050 m³
davon Deni-Becken
1.890 m³
Nitrifikations-Becken
5.160 m³
Aufenthalt
Nitrifikation bei qm tN
8,8 h
Nachklärbecken
2
V = 3.510 m³
Fällmittelzugabe
~
1.000 kg/d
Aufenthaltszeit bei TW im KLW
~ 1
d
im Teich
~ 1
½ d
Stromverbrauch
1.380.000 KWh/a
Eigenstromerzeugung
548.000 KWh/a
Nitrifikation
Im Kanalnetz und bei der biologischen
Abwasserbehandlung wird der Stickstoff der organischen Substanzen mikrobiell
weitgehend zu Ammonium umgebaut. Das Ammonium ist der Ausgangspunkt für eine
biochemische Nitrifikation, das hierbei entstehende Nitrat ist Ausgangspunkt für
eine biochemische Denitrifikation in entsprechend bemessenen biologischen
Abwasser-Reinigungsanlagen.
Zunächst wird das im Abwasser enthaltene Ammonium in
zwei Stufen zu Nitrit und weiter zu Nitrat oxidiert.
N02
+ 0,5 02 ®
N03
Bei der vorgeschaltenen Denitrifikation fließt das Abwasser zunächst in ein unbelüftetes Becken, in das Nitrat mit dem Rücklaufschlamm aus der Nachklärung gelangt.
Da die auf diese Weise zurückgeführten Nitratmengen
gering sind (bei RV = 100 % nur 50 % der abfließenden Nitratfracht), wird über
einen Kreislauf zusätzlich nitratreiches Abwasser-Belebtschlamm-Gemisch aus dem
Belebungsbeckenablauf vor Eintritt in die Nachklärung zurückgeführt. Je nach
erforderlicher Denitrifikation kann der Kreislauf im Klärwerk Tegernseer Tal
bis zu 440 + 285 = 725 l/s geführt werden.
Die biochemische Denitrifikation kann durch eine größere
Zahl von fakultativ anaeroben, heterotrophen Bakteriengattungen herbeigeführt
werden, die als Abwasser- und Belebt-schlammorganismen beschrieben sind. Unter
anderem gehören dazu so bekannte Gattungen wie Achromobacter, Denitrobacillus,
Nitrococcus, Pseudomonas und Spirillum.
Durch ihre enzymatische Ausrüstung sind sie
imstande, Nitrat und Nitrit als 02-Quelle zu nutzen. Beide
Verbindungen übernehmen die Rolle des Sauerstoffs als H-Acceptor.
Die beteiligten Enzyme werden durch Nitrat und Nitrit
nur unter anoxischen Bedigungen induziert; Sauerstoff unterdrückt die Bildung
von Nitrit- und Nitratreduktase.
2
N03 + 10 H+ + 10 e ®
2 0H + 4 H20 + N2
2
N02 + 6 H+ +
6 e ®
2 OH + 2 H20 + N2
Das Ergebnis
eines für damalige Zeiten mutigen und weitschauenden Entschlusses kann sich auch heute noch weltweit sehen lassen
– ein See wurde auf natürliche Weise am Leben erhalten –
und für die Zeit und Nachwelt
bewahrt.